Grabsteine auf öffentlichen Friedhöfen dürfen fotografiert werden

my_tombstone10.12.2015

Grabsteine auf öffentlichen Friedhöfen dürfen fotografiert und die Aufnahmen online gestellt werden. Die Rechte Hinterbliebener werden dadurch nicht verletzt, hat das Amtsgericht Mettmann entschieden.

Udo Vetter berichtet auf seiner Seite Law-Blog von einem Urteil des AG Mettmann (Urteil v. 16.06.2015 – Az.: 25 C 384/15).

Eine Frau hatte Klage eingereicht, …

… weil auf der Ahnenforschungsseite genealogy.net und in Folge auch bei Google der Grabstein ihrer Eltern auf einem Foto zu sehen war.
Ahnenforscher ersparen sich durch die Recherche in Kirchenbüchern und bei Abbildungen von Grabsteinen im Netz weite Reisen und Recherchen, um ihre verwandtschaftlichen Wurzeln herausfinden zu können.
Bei den Grabsteinfotos werden die ganz aktuellen Steine der letzten beiden Jahre nicht veröffentlicht, um die Trauergefühle der Hinterbliebenen nicht zu strapazieren.
Das reichte aber der Klägerin nicht.

Doch das Amtsgericht Mettmann mochte der Auffassung der Frau nicht folgen.
Es erkennt keine Rechtsverletzung.

Das postmortale Persönlichkeitsrecht werde nicht verletzt, weil das Bild der Grabsteine nur die Personendaten wiedergebe. Eine nähere Aussage oder gar Wertung, wer die Verstorbenen waren, sei damit nicht verbunden.

Auch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung oder die Menschenwürde seien nicht verletzt. Eine Abbildung, die nur das wiedergibt, was jeder auf dem Friedhof auch selbst sehen kann, sei hierfür nicht geeignet. Es gebe keinen so weitgehenden Anspruch darauf, „dass alle privaten Verhältnisse den Blicken der Öffentlichkeit entzogen bleiben“.

Der Tenor dieses Urteils ist für Fotografen nichts Neues. Grabsteine wurden schon immer fotografiert, oft aber mit dem berühmten schlechten Gefühl im Bauch.
Nun ist die Sache zumindest mal auf unterer Ebene geklärt und gibt etwas mehr Rechtssicherheit.

gefunden von Arnd

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  • Veröffentlicht am: 13. Dezember 2015
  • 8 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

8 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Vielen Dank für die interessante Info!
    Dieses bange Gefühl kenne ich auch, bin ich doch gern auf alten Friedhöfen mit der Cam unterwegs …
    Allerdings hatte ich bislang immer die Namen der in neuerer Zeit Verstorbenen per Bildbearbeitung verwischt, was ich wegen des Gesamteindruckes jedoch immer sehr schade fand.

    *wink
    Llu ♥

  2. Ich habe diese Seite vor einigen Jahren durch Zufall entdeckt und fand es sogar interessant das ich dort nach einige Verwandte Ausschau halten konnte,wer so etwas nicht möchte kann ja statt eines Steins mit Namen einen Engel oder einen Stein mit Sinnspruch aufstellen lassen

  3. Ich bin seit Jahren auf dieser Sseite immer mal wieder unterwegss.

    Wegen der Grabteine hatte ich schon ewig aauf eine Klage gewartet. Das war so klar, das da etwas kommt.

    Da dort auch Familienanzeigen abgeschrieben werden, um sie Bundesweit zur Verfügung zu stellen, kann man auch dort auf eine Klage warten.

    Ich bin ja echt ein Verfechter ddes Datensschutzes, aber ersst in der Zeitung alless veröffentlichen und ssich dann wundern, das Menschen die Daten auch benutzen. *kopfschüttel*

  4. Nunja, wer das nicht will, kann ja anonym bestatten lassen. :-)

  5. Hallo.

    Ich bin öfter zum Fotografieren auf Friedhöfen unterwegs; gerade alte Grabdenkmale haben oft eine besondere Ausstrahlung, genau wie die friedvolle Atmosphäre auf Friedhöfen. Einmal wurde ich angesprochen, weil eine Besucherin das pietätlos fand. Sehr befremdlich für mich, zumal ein angemessenes Verhalten für mich selbstverständlich ist. Ihre grellbunten Croks fand ich unpassender als mein Verhalten…

    Bei einer Fototour stiess ich auf eine gerade stattfindende Beerdigung, ich hielt mich natürlich weit ausserhalb der Sichtweite der Besucher auf, logisch. Wäre das nicht möglich gewesen, hätte ich meine Fototour abgebrochen.

    Danke für diesen (und die vielen anderen) hilfreichen Artikel; sie zeigen immer noch, wie verkrampft viele Menschen mit diesem Thema umgehen, das jeden irgendwann – in der einen oder anderen Form – betreffen wird.

    Viele Grüße
    Matthias

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