Alles für den Hund

Wenigstens der Hund hat was davon gehabt, das ist ja schon was. Aber eigentlich wollte ich heute mal etwas länger schlafen, der gestrige Abend war mild und wir haben lange draußen gesessen und Mond und Jupiter bei ihrer Bahn über den Himmel beobachtet. Um diese Jahreszeit kann man links vom Mond nämlich den Jupiter als nächst hellstes Objekt sehen, aber beide sind erstens nur kurz sichtbar und kommen auch kaum über den Horizont hinaus. Aber das nur am Rande. Jedenfalls war es schon nicht mehr spät, sondern früh als wir unsere Häupter niederlegten.

Gegen halb sechs schleichen sich fremde Frauenstimmen in meinen Traum und allmählich begreife ich, daß das kein Traum ist, sondern daß da jemand wirklich am quatschen ist. Es dauert bestimmt fast zehn Minuten, bis ich Traum und Wirklichkeit gegeneinander aussortiert habe und endgültig wach bin.

Da stehen direkt vor unserem Haus zwei leicht übergewichtige Frauen in ziemlich bunten Sportanzügen, gestützt auf Skistöcke und das obwohl erstens kein Schnee liegt und die Frauen zweitens auch keine Ski anhaben. Stünden sie nur so da, wäre das schon an sich albern genug, aber die beiden unterhalten sich. Selbst das wäre noch nich so ein wirkliches Problem, würden sie es nicht in vollster Lautstärke tun und das obwohl sie kaum 20 Zentimeter voneinander entfernt stehen. Trotzdem versteht man nicht wirklich etwas, sondern hört von der einen nur immer wieder ein lang gezogenes ‚Jaaaaaa‘ und von der anderen immer ein meckerndes Lachen und das Wort ‚Woll‘, das sie an fast jeden Satz anhängt.

Klo, Zähneputzen, Kaffee, dann beschließe ich, die Zeit zu nutzen und einen ausgiebigen Spaziergang mit dem Hund zu machen.
Leider sind die Weiber just in dem Moment, in dem ich das Haus verlasse verschwunden. Schade, vielleicht kann mein Hund ja doch auf das Kommando ‚Fass!‘ reagieren. Hat er zwar noch nie gemacht, aber vielleicht hätte es geklappt.

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  • Veröffentlicht am: 22. Juni 2008
  • 18 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

18 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Ich weiss gar nicht worüber Du dich aufregst.:D
    Vor einigen Jahren wohnte ich in einem Touristen-Wandergebiet. Glaub mir – Du bist ruck zuck wach wenn der Männergesangsverein „Zur goldenen Kehle“ am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr unter deinem Schlafzimmerfenster eine kurze Rast einlegt, um erstmal fröhlich „Das Wandern ist des Müllers Lust“ anzustimmen … :/

  2. Ah ja, StöckchenspazierentragerInnen … Nix wie wech!

    Aber heute Nacht (Nacht ist gut, war so 4-5 Uhr) stritten sich hier vor dem Nachbarhaus auch zwei rum, und das sehr lautstarkt. Wollte nur nicht wirklich die Polizei rufen, als ich das Thema mitbekam, da hatte der eine dem anderen wohl grünes Zeugs in Tüten nicht wiedergegeben. Ich bin zu gut für diese Welt …

    Wobei, das ist alles nix gegen Mittwoch … entweder Deutschland oder die Türkei werden gewinnen, und dann gnade Gott allen, die in Hörweite von Durchgangsstraßen wohnen, hier in Köln jedenfalls. Oder gibt es schon, analog zu diesen Handystörsendern, Hupenstörsender? Ist ja heute alles irgendwie elektronisch.

  3. Ich wohn in einer Siedlung mit 80% Türken und der Rest ist bunt gemischt. :)
    Macht Spaß hier, aber für Donnerstag werd ich mir mit Sicherheit frei nehmen. Entweder die feiern oder die trauern – beides wird nicht leise sein *g*

  4. Nur mal so interessehalber…? Was hast Du denn für einen Hund?

    Unsere lokalen Bestatter haben beide Hunde. Der eine hat zwei schwarze Labradors, passend zu seinem Arbeitsoutfit (wie er immer selbst scherzhaft sagt), der andere hat einen bunt gefleckten Border Collie. „Ich sehe schon genug schwarz, da muß nicht noch der Hund schwarz sein!“, sagt er mit dezentem Seitenhieb auf den Kollegen/Konkurrenten.

    Sonntägliche Grüße,
    Inga

  5. Am besten an eine Straße ziehen, die immer mal wieder wegen Amphibienwechsel (optimalerweise sprachgestörte bis stumme) gesperrt wird. Nach neuen Plänen des Bundesministeriums für Verkehr und Raumordnung werden diese Sperrungen – im Abstimmung mit dem Bundesministerium für Umwelt und Reaktorschutz (oder so) – nämlich zukünftig aus Tierschutzgründen auch auf für Nordic Walker gelten. Stichwort „klack“ – „klack“ – „flump“ – *Ih was ist den das*

  6. Nordic Walking? Ich dachte, das wäre schon längst in Krötenstechen umgetauft?
    SCNR

  7. Was soll ich denn sagen?

    Ich wohne direkt in der Fußgängerzone! Der Karnevalsumzug geht direkt durch meinen Flur, jedes Stadtfest findet – akustisch gesehen – auf meiner Bettkante statt und eine Kompanie von Straßenmusikanten und unzählige verkaufsoffene Sonntage haben mich zur Bestellung einer 88er-FLAK fürs Fensterbrett getrieben! (Wurde übrigens abgelehnt, weil kein Nachame-Versand!) Meine Frösche sind auch noch nicht soweit trainiert, daß ich sie auf Menschen hetzen könnte. (Kommt aber noch – Versprochen!)

    Von mir also ein herzliches: Hör auf zu jammern du Bestatter-Mädchen und trag’s wie ein Mann! *hehehe*

  8. @Tobias, schade, daß das nur ein Scherz ist … denn die Cabriofahrer mit der dicken Anlage, die sie nach Mitternacht noch allen zeigen müssen, gibts hier auch reichlich. Ich hatte schonmal überlegt, auf dem Dach einen akustisch gesteuerten Hochdruck-Wasserwerfer zu installieren … wäre sogar vertretbar, weil die hier meist an einer Ampel stehen. Leider ist sowas tatsächlich Sachbeschädigung, mußte ich mir sagen lassen. Schade!

    Gegen Hupen hätte das Teil leider aber auch nicht geholen.

    @Thalassa: Karneval — das Ereigniss, zu dem ich jedes Jahr Ohrstöpsel teste. In einem Rekordjahr hatte ich dafür gleich 5x Gelegenheit, von Do-Di. Die üblichen — und hierzulange laaaaangen — zwei Züge sind ja schon schlimm genug, aber wenn das Geisterzug, irgendwelche Privat-Zügelchen und, ewiger Favorit, großes Treffen der Spielmannszüge hinzukommen … Na denn Prost.

  9. @ Kerstin: In diesem Kulturkreis trauern die Männer eher still, während für das laute Wehklagen eher die Klageweiber zuständig sind.
    Dabei ist es heute eigentlich egal, welcher der beiden Bevölkerungsteile heute gewinnt, in jedem Fall sind Deutschland und die Türkei über den jeweils anderen weiter und kommen so jeder ins Finale.

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