Am Finanzamt vorbei? Schwarzarbeit

Sage mal, ist es schon vorgekommen, dass Dich das Finanzamt über eine Zahlung von Bestattungskosten angerufen hat? Folgender Fall: Mein Bruder durfte die Bestattung unseres Opas zahlen und hat das als aussergewöhnliche Belastung eingereicht. Nun hat er aber keinen Beleg mehr über die Zahlung, da ein Teil bereits vorher auf einem Sparbuch beim Bestatter war und der kleinere Rest bar bezahlt wurde. Habe zwar zusätzlich
zur Rechnung noch eine Zahlungsübersicht, wo das Sparbuch aufgeführt wird, aber die habe ich natürlich nicht eingereicht, damit nicht noch weitere dumme Fragen vom FA auftauchen…
Nun kommt aber das Finanzamt und verlangt eine Quittung über die Zahlung, die ich aber nicht habe. Daher die Frage, ob es wahrscheinlich ist, dass das FA einen Bestatter anruft und nach der Zahlung der Bestattungskosten fragt. Dann würde natürlich auch das Sparbuch erwähnt werden, und das wäre doch etwas blöd :-/

Es ist mir noch nicht untergekommen, daß das Finanzamt sowas telefonisch überprüft hätte. Und wenn, dann würden wir telefonisch keine Auskunft geben. Für gewöhnlich schreiben die Finanzämter.
Wenn ich das aber richtig verstehe, existierte ein zu Lebzeiten d. Verstorbenen angelegtes Sparbuch, von dem ein Teil der Bestattungskosten bestritten wurde. Und von diesem Sparbuch soll/darf das FA nichts erfahren?
Du willst aber dem Finanzamt weismachen, Ihr habet den vollen Betrag bezahlt und wollt dafür steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen, obwohl ihr in Wirklichkeit viel weniger bezahlt habt?

Ich fürchte, ich kann Euch nicht helfen.

Auf solche komischen Geschäfte würde ich mich auch nicht einlassen. Im ungünstigsten Fall kommt das immer raus und dann ist der Ärger größer als der scheinbare momentane Vorteil.

Ich bin aber erstaunt, wie offen manche Handwerker mit diesem Thema umgehen.
Ganz offen, ohne irgendeine Scheu bekomme ich oft die Frage zu hören: „Rechnung brauchen Sie nicht, oder?“

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  • Veröffentlicht am: 16. Dezember 2009
  • 25 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

25 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Wobei, war der Eigentümer des Geldes auf dem Sparbuch der Bestattet oder der Verstorbene? Wenn es letzterer war, wäre der neue Eigentümer ja der Erbe. Und dadurch hätte der Erbe die Beerdigung bezahlt und dürfte diese Kosten absetzen.

  2. Meines Wissens (!) können Beerdigungskosten nur dann von der Steuer abgesetzt werden, wenn diese NICHT aus dem Erbe bestritten werden konnten. Wir haben dieses Jahr selber den Fall: Die Beerdigung hat alles in allem ca. 5.000 Euro gekostet, das Erbe (und dazu gehört auch das geerbte Sparbuch) hat das 10-fache betragen –> m.W. keine steuerliche Absetzbarkeit möglich.
    Warum auch? Keiner von uns hat an die eigenen Ersparnisse rangehen müssen, um die Beerdigung zu bezahlen…

  3. Toll, da wirst Du doch tatsächlich zum Thema Steuern hinterziehen gefragt.
    Ich geb auch mal meinen Senf dazu. Schwiegermutter – mit der wir nie was zu tun hatten ist 2002 gestorben. Die Kosten blieben natürlich beim Sohn hängen. Da wir selbst nicht viel hatten, haben wir einen ganz einfachen Sarg, Blumen usw. ausgesucht. Ich habe angefragt, ob wir das auch abstottern können. Wir haben nie was beim Finanzamt davon erwähnt, sondern schön brav die Beerdigung abgezahlt, jeden Monat 25 Euro – ja wirklich. Stop – 1 Rate fehlt noch. Im Januar 2010 haben wir dann alles abbezahlt.
    Und wenn dann schon ein Teil der Beerdigung durch dieses Sparbuch abgedeckt war und vermutlich auch was geerbt wurde, warum muss man dann noch öffentlich danach fragen, ob man Gefahr läuft beim Steuern hinterziehn ? *kopfschüttel*
    lg

  4. @akbwl: Dann hätte man das Geld aber erstmal in die Erbmasse aufnehmen müssen, Erbschaftssteuer davon bezahlt, lt. Testament und nach Gesetz unter den Erben aufgeteilt und dann wieder an den Bestatter zurück überweisen müssen. Da hier der Erblasser aber selber eine Leistung bestellt und auch schon bezahlt hat ist das Geld nicht mehr Teil der Erbmasse. Allerdings entstehen den Erben dann auch keine außergewöhnlichen Belastungen mehr :-)
    Ich denke nicht das man sich nun auf Triksereien einlassen sollte. Ihr wisst schon das die Finanzämter sehr wohl Zugriff auf eure Konten haben, oder? Wenn das FA schon nach einem Zahlbeleg fragt sollte man eigentlich davon ausgehen das sie schon wissen das es nicht vom Konto überwiesen wurde. ;-)

  5. Als meine Oma gestorben ist hatte diese eine Sterbegeldversicherung über 6.000€.
    Als ich die Unterlagen dem Bestatter gab, sagte er:
    Wenn ich die einreiche erscheint das als verrechnungsbetrag auf der rechnung sollten siedie rechnung später für irgendetwas benötigen, reichen Sie die versicherung selbst ein und bezahlen mich dann von ihrem Konto aus.

    Betrug? Jo!
    Schlechtes gewissen? Nö warum!
    In zeiten in denen Manager Konzerne gegen die Wand fahren und noch Prämien kassieren.
    In denen Minister die Dienstwagen leer nach Spanien kommen lassen.
    In diesen Zeiten nehme ich was ich kriegen kann.

  6. @5 Thomas: und weils ja eh jeder macht, machen auch alle mit…

  7. Ja, Thomas,
    weiss jetzt zwar nicht, wie hoch der Ironie-Anteil in Deinem Kommentar ist, allerdings denke ich, wer sich in diesen Zeiten solcher Begründung für sein Handeln bedient, gleicht sich zu sehr diesen Vorbildern an, um noch ernsthaft über jene Meckern zu können. Als Anarchist lebt sichs besser, wenn man nichts vom Regierenden nimmt. ;-)

  8. Gottseidank habe ich es nicht noetig, unehrlich zu sein. Ich bin klug genug, durchs Leben zu kommen, ohne mir illegal Vorteile verschaffen zu muessen. Ich kann es mir leisten, meine Steuern zu zahlen, nicht schwarz fahren zu muessen oder andere uebers Ohr zu hauen.
    Nur Deppen muessen cheaten.
    Und arme Schweine, die permanent Angst haben, zu kurz zu kommen, uebervorteilt zu werden, …

  9. ….Sachen gibts….

    das ist genau das was diesen Staat in die Pleite getrieben hat. Die Gaunerein der Leute. Dadurch Steuererhöhungen und noch mehr Gaunerein, usw. Also ein Schwanz ohne Ende.

    …Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, kleine Geschäftchen, Arbeitgeber beklauen, Krank freiern, Vitamin B und bla bla bla…

  10. Wenn ihr euch in diesem System arrangiert habt und damit zufrieden seid, dann ist ja gut für euch :)

    Ich für meinen Teil komme um viele Steuern nicht herum, wie alle, die ehrlich arbeiten gehen. Aber da mir die Ausgabepolitik mächtig auf die Eier geht habe ich für jeden Hinterzieher Verständnis.

  11. Weil ja alles, was ich im Internet schreibe gespeichert wird, sage ich hier ganz ehrlich, dass ich nie Trickse, und immer alles korrekt abrechne.

  12. Kann nur mit dem Kopf schütteln.
    Keine Kosten haben; aber außergewöhnliche Belastungen absetzen.
    Offensichtlich hat noch nicht einmal der Tod des Opas belastet…
    Da war halt das Geld, und er hatte eine paar Rennereien und Telefonate. Tja, das sind wirklich außergewöhnliche Belastungen.
    Mal nicht im Sessel sitzen mit der Fernbedienung in der Hand.

  13. Ich fände es noch interessant zu erfahren, ob der Opa nicht schon die Ansparraten für das Sparbuch beim FA hätte geltend machen können, er hatte ja im Endeffekt die aussergewöhnliche Belastung.

  14. Übrigens würde ich vermuten, dass das Finanzamt eher nicht den Bestatter anruft um das Ganze nach zu vollziehen, wozu auch? Wenn der Fragesteller eine außergewöhnliche Belastung absetzen will und keine Quittung hat, um die Zahlung nach zu weisen, denke ich eher dass das Finanzamt ihm etwas husten wird, weil er Vorgänge ohne Beleg absetzen will. Geht ja nicht, weil könnte ja jeder alles absetzen wollen auch frei erfundene Vorgänge. Es muss ja nicht das Finanzamt nachweisen, dass da keine außergewöhnliche Belastung stattgefunden hat, sondern der Fragesteller müsste für die Absetzbarkeit nachweisen, dass das ganze so stattgefunden hat wie behauptet.

  15. „Geiz ist geil“. Und Gier macht blind.
    Was hatten wir alles in der letzten Zeit bei Tom: Sargrückgabe wegen „Sorte schwarzes Schaf-Bestatter“ oder so ähnlich, Urnenrecycling, jetzt FA besch…..
    Jahresendzeitverblödung bei den Leuten oder was?
    Tststs, Lechthaler grüßt fassungslos :-(

  16. @5: Da sprichst Du etwas an, was mir auch schwer im Magen liegt. Klar, Ehrlichkeit und Moral sind wichtig, unsere Gesellschaft geht sonst den Bach runter.

    Aber wenn man tagtäglich hört, wie sich Politiker, Konzernbosse und Investmentbanker, also unsere gern als „Leistungslelite“ betitelten Mitbürger, gewissenlos die Taschen vollstopfen und dabei jedes Fünkchen von Anstand und Moral vermissen lassen, ja, dann.. dann kommt man sich übervorteilt vor, wie Anita (8) so schön ausgeführt hat. Anita, Du kannst gerne weiterhin dabei zuschauen, das will Dir niemand nehmen. Ich habe allerdings ein sehr großes Gerechtigkeitsempfinden, das durch diese Aktionen stark beeinflußt wurde und wird und kann es irgendwo nachvollziehen, wenn der „kleine Bürger“ sich dann auch seinen Teil nimmt. Das ist nicht schön, aber leider die Entwicklung, die unsere Gesellschaft momentan geht.

  17. Das Finanzamt braucht im Jahr 2009 nicht mehr zu telefonieren, es wird auch so rausbekommen, dass ihr versucht sie zu betrügen und glaubt mir da reagieren die ziemlich heftig darauf das mögen die nämlich gar nicht gerne !

  18. @ 5 und @ 16:
    Und umgekehrt heißt es dann: „Warum soll man denn seine Limousine nicht zweckentfremden, nicht so hohe Abfindungen wie möglich kassieren oder unberechtigte Bonusmeilen einsacken?
    Schaut: Selbst der normale Bürger macht das ja, da wird „unsereins“ das ja wohl auch machen können.“

    Wenn einer kommt und mir sagt, er bescheiße und das ist „böse“ und er wisse das, mache es aber trotzdem wegen des schönen Geldes und weil er mit seinem Gewissen schon klar komme – dann kann ich damit besser leben, als mit diesem scheinheiligen „Wenn schon die da oben…“ – Getue.

  19. @14: rrrrichtich! :-)
    Die Beweislast für steuermindernde Tatsachen (und eine außergewöhnliche Belastung ist ja nix anderes) liegt beim Steuerpflichtigen. Bringt er keinen Nachweis, wird seiner Angabe in der Erklärung ganz einfach nicht entsprochen.

    Das hat auch gar nix mit Hinterziehung zu tun, wie hier in manchen Beiträgen geschrieben wird. Zur Hinterziehung gehören schon ein paar mehr Voraussetzungen.

    Und selbst, wenn die Lage anders wäre und das Finanzamt in der EBeweislast wäre: Das Finanzamt darf in Angelegenheiten, in denen es Auskünfte braucht, nicht bei jedem x-beliebigen Dritten anrufen und diese einholen. Zuerst sind die benötigten Auskünfte beim Steuerpflichtigen einzuholen, erst wenn absehbar ist, dass man dort nicht schlauer wird, kann man sich (schriftlich unter Nennung der Rechtsgrundlage) an einen Dritten wenden, der was dazu beitragen kann.

  20. @Abacus: Ich muss Dir recht geben. Wenn die Beerdigungskosten aus dem Nachlass bestritten werden, können Sie nicht abgesetzt werden. Steht in einem Merkblatt vom Finanzamt.

  21. Ich mag die Geisteshaltung: „Alle sind Schweine, also bin ich auch eins“ nicht so richtig.

    Wenn sich alle benehmen wie ne offene Hose, heißt das noch lange nicht, dass ich das Recht habe, das auch zu tun.

    Ich habe sowas wie ein Gewissen und so etwas wie einen Ehrenkodex, nach dem ich lebe. Das nennt sich hochtrabend Sozialisation.

    Wenn alle danach leben wie sie wollen, also nicht der Gesellschaft entsprechend, mag das ja an der Oberfläche nonkonformistisch klingen, aber eigentlich wird doch nur ein grandioser Egoismus damit verbrämt.

    Ich kann aber in einer Gesellschaft nicht unendlich egoistisch sein, das geht auf Dauer in die Hose, wie man an _unserer_ Gesellschaft gerade hervorragend sehen kann.

    Ich stelle mich ja selbst bis zu einem gewissen Grad gegen das, was man „Mainstream“ nennt. Aber nahezu immer in dem Bereich, der mit „Leute, fresst Scheiße, Millionen Fliegen können nicht irren“ umschrieben ist.

    Aber Steuerhinterziehung ist sehr unlustig. Auch im kleinen Bereich. Denn letztlich sind genau die Leute, die wie z.B. Nr. 5 keine Hemmungen haben, sowas zu hinterziehen, auch dieselben, die sich aufregen, dass der Staat so unsozial ist und die soziale Kälte beklagen.

    Die fängt aber ganz unten an – bei jedem von uns. Moral und Anstand sind keine Ausverkaufsvorstellungen. Sie sind notwendig für das Überleben innerhalb der Gesellschaft und für die Gesellschaft an sich.

  22. @18: Das Problem liegt meines Erachtens darin, dass „die da oben“ oft auf legalem Wege an ihnen moralisch nicht zustehende Vergünstigungen kommen.

    Unser Justizsystem hat in Teilen den Bezug zur Gesellschaft verloren: Gesetze entstehen ja nicht einfach so, sondern richten sich im Idealfall nach den vorherrschenden Moralvorstellungen – was ist in welchem Maße schlecht und muss wie unterbunden werden. Hier wird m.E. ein Weg eingeschlagen, der im Verhältnis „kleine“ Vergehen hart bestraft (was ich auch richtig finde), den richtig bösen Buben aber keinen gesetzlichen Riegel vorschiebt.

    Das Problem ist hier also eher nicht die fehlende Verfolgung von bestimmten Vorgängen, sondern deren juristische Einschätzung als legales Vorgehen. Das dies immer mehr Menschen übel aufstößt und bislang vorherrschende Moralvorstellungen von gut und böse durcheinanderwirft, sehe ich als logische Konsequenz, in der dann auch der „kleine Mann“ sein an sich illegales Tun als moralisch gerechtfertigt sehen könnte.

    Moral und Justiz hängen schon von der Grundaussage her eng zusammen – wenn sie sich zu sehr von einander entfernen, haben wir ein Problem, das sich wie geschildert und in diversen Statistiken, z.B. Scharzarbeit und Steuerhinterziehung, niederschlagen muss. Und das ist der Weg, den unsere Gesellschaft derzeit geht.

  23. @Max

    Und du empfindest es also als ungerecht von mir, dass ich niemanden verarsche und ehrlich bin, wenn es alle anderen nicht sind?

    Und weil du so ein groszes Gerechtigkeitsempfinden hast, musst du betruegen???

    Ich sag nur: „Fuehren durch Vorbild.“

    Einer muss den Anfang machen und Nachteile fuer sich in Kauf nehmen. Dann kann keiner kommen mit der Ausrede: „Aber alle machen das“ Nein, nicht alle machen das. Anita macht es auch nicht. Und Anita kommt trotzdem hervorragend durchs Leben. Klar, sie haette es manchmal einfacher haben koenen mit einer geschickten Luege oder ein wenig Betrug. Aber Anita hat nunmal ihre Grenzen und ist zufrieden in diesen. Was man nicht von jedem behaupten kann. Auch nicht wenn er Steuern hinterzieht.

  24. @23/Anita: Nein, ich empfinde es als ungerecht, wenn sich einige Menschen in sehr großem Stil nehmen (können), was sie wollen, dies anderen aber verwehrt ist. Die Problematik habe ich in Kommentar 22 nochmal deutlicher gemacht. Führen durch Vorbild ist eine tolle Sache, wenn die Menschen, die dazu taugen im Lichte der Öffentlichkeit stehen. Das Leben lehrt, dass das Eine das Andere leider in zu vielen Fällen ausschließt.

    Ich möchte hier dieses Verhalten auch nicht gutheißen, aber Anitas Grenzen mögen für sie im Speziellen noch gelten, gesellschaftlich verschiebt sich diese Grenze, meines Erachtens nachvollziehbar, in die falsche Richtung. Ich will damit _nicht_ sagen, dass ich das gutheiße.

    Die eigentliche Frage ist doch, wie sich der Ursprung dieses Verhaltens erklären lässt (Ansätze s.o.) und ob es Wege gibt, diese Entwicklung zu stoppen bzw. umzukehren. Sind wir als Gesellschaft überhaupt in der Lage, eine dauerhafte Lösung zu finden oder schließen sich Moral und Marktwirtschaft auf Dauer gegenseitig aus?

  25. Damit sich Marktwirtschaft und Moral nach Möglichkeit nicht ausschließen, hat jemand mal die „Soziale Marktwirtschaft“ erfunden. Die Idee dahinter ist, zwischen liberaler Marktwirtschaft und Planwirtschaft einen dritten Weg zu finden, in dem der Staat Regeln aufstellt, um einerseits die Kräfte der Marktes sich entfalten zu lassen, andererseits sie aber auch nicht zu entfesseln und allzu gesellschaftsschädliche Erscheinungen zu begrenzen. In der jüngeren Vergangenheit scheint sich das Pendel deutlich in liberalere Richtungen zu bewegen – wohin das führt, zeigt ja die Bankenkrise sehr anschaulich. Wohin Planwirtschaft führt, konnte man bis vor 20 Jahren live in Deutschland besichtigen, heute haben wir noch die Folgen davon zu tragen. Beide Extreme sind von Übel (wie Extreme meistens).
    Ich kann den Unmut über die Vollkaskomentalität der Manager, die sich mit Verträgen absichern, die ihnen auf jeden Fall eine dicke Abfindung zusichern, egal wie gut sie arbeiten, gut verstehen. Aber das ist legal. Dem Arbeitgeber Frikadellen klauen oder Pfand zu unterschlagen, ist nicht legal – egal wie geringfügig das ist. Steuern hinterziehen ist auch nicht legal. Sich auf die illegalen Verhaltensweisen anderer zu berufen, ist eine billige Entschuldigung und Gewissensberuhigung. (Und zudem juristisch nicht haltbar – es gibt keine Gleichheit im Unrecht.) Ich meine auch, dass die moralischen Regeln unserer Gesellschaft sich nicht eben verbessert haben – aber wer ist denn „die Gesellschaft“? Wir alle, nicht nur „die anderen“. Sich über Unmoral anderer aufregen und selber nicht besser sein, verbessert nichts.

    So, genug dummes Zeug geschrieben.

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