Okt
07
Halloween 3
Ich war ja lange genug in den Staaten, um den Kult der dort um Halloween gemacht wird, am eigenen Leib und aus nächster Nähe mitzubekommen. Leute, ich kann Euch sagen, alles was hier neuerdings an Halloween-Aufwand getrieben wird, ist nichts, nichts, nichts dagegen! Auch meine Kinder sind ein bißchen vom Halloween-Fieber ergriffen worden und ich habe ihnen gezeigt, wie man Kürbisse fachgerecht aushöhlt und Gesichter hineinschneidet. Zwei solcher beleuchteter Kürbisse stehen auch daheim an unseren Fenstern. Jetzt um diese Zeit schlafen meine Kinder längst, aber meine Frau wird sicherlich auf mich warten.
Das sind die Gedanken, die mir so durch den Kopf gingen, als ich gemeinsam mit meinem Mitarbeiter Flensen das Grab für Schwester Klara schaufelte. Was das bedeutet, das kann nur einer beurteilen, der sowas schon mal gemacht hat. Kein Wunder, daß die Serienmörder im Fernsehen ihre Opfer immer nur so tief verbuddeln, daß jeder dahergelaufene Dackel schon am nächsten Morgen einen Fuß oder eine Hand der Leiche hervorscharren kann. Entweder ist nämlich der Boden oben ganz weich und wird dann steinig oder hart oder man schafft sich erst quasi durch blanken Granit und dann kommt leichter Sandboden. Egal wie, Plackerei hoch drei ist angesagt.
Okt
07
Halloween 2
Da steh ich also bei Nacht im Nebel und rufe 'Flensen'. Irgendwie habe ich ein mulmiges Gefühl. Kalt ist es, dunkel ist es, der Nebel umwabbert mich und das einzige Licht sind die zwei Lichtfinger vom Volvo, die nach erschreckend kurzer Strecke vom Nebel verschluckt werden.
Es knackt hinter mir und ich zucke zusammen. Vielleicht habe ich doch zuviel LOST geguckt und kurzfristig denke ich darüber nach, ob es auch bei uns "die Anderen" geben mag oder irgendwelche schrecklichen Kreaturen, die einen in den Wald ziehen. Morgen früh bei Tageslicht würden sie dann meine Leiche finden, blutüberströmt mit Stricken in den Baumwipfeln aufgehängt...
Okt
07
Die Süddeutsche über Bestatter
Die Totengedenktage nahen und alle Jahre wieder schreibt jedes Blatt ein bißchen was über Bestatter. Einen sehr informativen Artikel, der etliche Blickwinkel näher beleuchtet, findet sich in der "Süddeutschen Zeitung".
Okt
07
Murren im Karton
Die Erfahrungen mit meinem ehemaligen Fahrer Sommerfeld haben mich vorsichtiger werden lassen und heute Morgen habe ich bei allen Fahrern die Führerscheine kontrolliert. Ein Mann hatte seinen Schein nicht dabei und ich habe ihn nicht fahren lassen. Entweder Führerschein holen oder Innendienst machen.
Da war das Murren groß.
Aber die beruhigen sich wieder. Einer hat sogar für mich Partei ergriffen und gesagt, daß der Chef letztlich den Kopf hinhält und das doch was ganz Normales sei. Na immerhin.
Okt
07
Kollegenhilfe
Ich hab einen Toten in xx-stadt abzuholen. Heute schaffen wir das nicht mehr. Deshalb rufe ich dort einen Kollegen an, der kann den Toten im Krankenhaus abholen und die Papiere erledigen. Denn morgen ist dort Feiertag (Allerheiligen) und da geht dann gar nichts. Solche Kollegenhilfe ist durchaus üblich und wir machen das auch ganz oft für andere Kollegen. Schließlich kennt man sich in seiner eigenen Stadt am besten aus und kann oft nebenbei Sachen innerhalb von Minuten erledigen, wofür ein ortsfremder Bestatter Stunden bräuchte.
Okt
07
Wirtschaftswoche
In ihrer aktuellen Ausgabe berichtet die Wirtschaftswoche (Heft 44/2007 erschienen am 29.10.2007) über die Probleme der deutschen Sargindustrie. In diesem Artikel wird auch auf mein Weblog hingewiesen und ich werde sogar zitiert.
Selbst gelesen habe ich es noch nicht, das Belegexemplar ist wohl noch unterwegs.
Okt
07
Halloween
Letztes Jahr zu Halloween:
Es ist neblig, sehr neblig. Das hatte der Wettermann im Radio ja schon so angekündigt, aber bis zu uns in die Stadt kommt der Nebel ja sowieso nie. Der einzige Nebel den ich dort in den letzten Jahren erlebt habe sind die stinkenden Schwaden, die ab und zu aus der Kanalisation emporsteigen.
Wir sind ja Nachtwanderer, Bestatter müssen sehr oft nachts raus und fahren dann durch die Einsamkeit der Städte. Ich finde, nachts sieht alles ganz anders aus. Vor allem in der Innenstadt. Tagsüber pulsiert hier das Leben, eine Straßenbahn jagt die andere, die Händler haben vor ihren Läden allerhand Ständer und Schilder aufgestellt und tausende kaufwilliger Menschen schieben sich durch die Fußgängerzonen.
Wie anders sieht das mitten in der Nacht aus. Leergefegte Straßen, Tristesse allenthalben. Für uns ist das gut, so können wir ohne hunderte von Gaffern direkt in der Fußgängerzone parken und unsere Arbeit erledigen.
Okt
07
Graffiti entfernt
Ganze Arbeit haben übrigens meine Herren aus der Technik geleistet. Sie haben in Eigenregie die Fassade gemalert und man sieht nichts mehr von den Schmierereien. Das finde ich Klasse und das hat mich sehr gefreut. Da gibt's Weihnachten was extra.
Grundsätzlich bin ich der Meinung, daß man Sachen, die anderen gehören, nicht kaputt machen oder beschmutzen darf. Das gilt auch für öffentliche Flächen. Allerdings finde ich persönlich gut gemachtes Graffiti an Autobahnbrücken oder sonstigen häßlichen Grauflächen eher schön. Aber hier mag jeder einen anderen Geschmack haben.
Ganz schlimm finde ich aber die Typen, die überall nur so ein "Tag" hinkritzeln. Einer dieser Hirnamputierten hat es geschafft hier in der Nähe eine ganze Siedlung zu verunstalten, weil er nahezu an jeder Hauswand so einen Kritzelzug hingesprüht hat.
Ich sag ja, wenn ich so einen erwischen würde, wüßte der hinterher ganz sicher, ob diese Farbe am Genital brennt!
Okt
07
Projekt Reblaus
Heute ist Projekt Reblaus gestartet. Das ist weder ein vergessenes Kriegsprojekt aus vergangenen Zeiten noch hat es etwas mit dem Wein zu tun. Herr Reblaus war ein früherer Mitarbeiter von uns, der längst verstorben ist und eine schmerzhafte Lücke hinterlassen hat. Er hat von zu Hause aus Beratungen in seiner Wohnortschaft gemacht, was sehr gut angekommen ist.
Ich schrieb schon einmal von unseren diesbezüglichen Plänen, das in größerem Stil wieder aufleben zu lassen.
Wir hatten heute eine Anzeige in der Zeitung, in der wir Personen suchen, die ebenfalls bei sich daheim eine Beratungsstelle für uns einrichten können. Besonders geeignet sich Leute mit eigenem Haus, die viel Zeit haben und oft zu Hause sind. Dort wollen wir dann ein entsprechendes beleuchtetes Schild oder einen Schaukasten aufstellen.
Leute aus dem betreffenden Ort bzw, der direkten Nachbarschaft können ihre Sterbefälle dann direkt dort anmelden und sich komplett beraten lassen.
Wie das im Einzelnen läuft, wird sich weisen und ich werden dann auch noch darüber berichten.
Jedenfalls habe ich heute Telefonbewerbungen ohne Ende; deshalb auch meine kurzfristige Schreibfaulheit.
Okt
07
Ausweispflicht
Frage: Haben Bestatter einen besonderen Dienstausweis oder wie kann ich sicherstellen, dass die Person, die sich mir vorstellt, auch wirklich aus dem Bestattungsgewerbe kommt? Wie also authorisiert sich ein Bestatter?
Lass es mich mal so sagen: Im Prinzip haben wir den gleichen Dienstausweis wie Friseure, Bäcker und Metzger, nur ist unserer schwarz.
Okt
07
Artist
Also, ich war ja längere Zeit und mehrfach in den Staaten und mein Englisch ist nicht gerade das schlechteste, aber bei dieser Berufsbezeichnung in einer Bewerbung musste ich doch kurz überlegen:
pubic hair artist
Okt
07
Dreist
Man erinnert sich an meinen ehemaligen Mitarbeiter Sommerfeld. (Wer die Story nicht kennt, kann rechts ja mal im Suchfeld nach Dresden suchen.)
Ach was, ich mach das eben:
So, also jener Sommerfeld kommt doch tatsächlich heute vorbei und will mich sprechen. Jetzt sei ja schon soviel Suppe (sic!) den Rhein runtergeschwommen, da könne man doch bestimmt noch mal in Ruhe über alles reden. Er sei doch immer ganz besonders loyal gewesen und ich könne doch bestimmt so einen guten Mann wie ihn immer brauchen und ob es nicht möglich sei, ihm in Anbetracht des somit aufgefrischten Arbeitnehmerverhältnisses, mal eben 500 Euro zu leihen.
Ich sag gar nichts, kann ihn nur auslachen, gehe zur Tür und weise ihm den Weg. Er geht, sagt aber beim Rausgehen: "Macht ja nix, aber ich komm dann mal wieder rein, wenn ich in der Nähe bin, vielleicht brauchen Sie dann ja gerade jemanden. Tschühüß!"
Jau, Tschüß!
Okt
07
Stille Wasser sind tief
"Wupp" macht es und dann etwas leiser "wamm" und "zisch". Danach öffnet sich die Presse wieder, Frau Nattkämper legt einen anderen Buchstaben ein, schiebt den Stoff etwas nach und wieder macht es wupp, wamm und es zischt kurz. Diesen Vorgang wiederholt sie etliche Male, dann hat sie eine Kranzschleife bedruckt. Sie schaut noch einmal auf das Blatt, das wir ihr zugefaxt haben und vergewissert sich, daß sie die Namen richtig geschrieben hat.

Eine Weile zuvor in unserem Bestattungshaus:
Immer noch liegt Herr Fleischer im Kühlraum und die Herren aus dem Keller haben schon zweimal angerufen, um zu fragen, wie es mit dem jetzt weitergeht. Ich kann noch nichts sagen.
Okt
07
Ich springe!
Was soll ich denn da machen? Frau Bartscherer ist verstorben, was insofern nichts Ungewöhnliches ist, als daß sie alt war und Krebs hatte. Die beiden Fahrer waren kurz vor mir eingetroffen und schon dabei, die Frau für den Abtransport aus der Wohnung vorzubereiten. Ich war hinterhergefahren, um gleich die Beratung zu machen und kam gerade recht, als das Drama seinen Anfang nahm.
Wenn unsere Herren die Verstorbenen auf die Trage umgebettet haben, fragen sie -je nach Lage der Dinge- ob die Angehörigen noch kurz Abschied nehmen möchten, manche gucken dann noch mal, anderen beten, wieder andere -die meisten- wollen gar nicht.
Okt
07
Knochenbrecher
Ich habe bei RTL gehört, dass ihr Bestatter den Toten die Knochen brecht, damit sie in die Urne passen. Ist das denn human?
Nicht nur das! Wir drehen sie auch noch durch den Fleischwolf.
Sonst passen sie selbst mit gebrochenen Knochen nicht in die Urne.
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Kommentare
1:10 Uhr und noch keine Fort.
Genau, wenn die jetzt noch'n.
Genau, immer der Leiche mit .
Habe jetzt gerade alle Teile.
@rudibee: nein. weils unhygi.
Super, das es mit einer so s.
Hey, was soll das, mich zu w.
-Carlos Gastropoda in die Ru.