Jan
08
Das letzte Bein hat keine Taschen
Herr Ottendorfer hat nur ein Bein. Huber sagt flaspig, da sei dann eben auch weniger Asche in der Urne. Ich runzele die Stirn, kann Huber aber nicht böse sein, er kannte den alten Ottendorfer persönlich und erzählt mir dann wie er sein Bein verloren hatte.
Jan
08
Zwiebelfischsuppe
Manchmal amüsiere ich mich über seine Beiträge, manchmal stimme ich ihnen rundum zu und oft genug empfinde ich ihn als Deutschlands bekanntesten Besserwisser. Die Rede ist von Sebastian Sick, der in seiner Zwiebelfisch-Kolumne die Unarten der deutschen Sprache aufs Korn nimmt.
Vieles findet wiegsagt meine Zustimmung, in anderen Fällen denke ich, daß er oft übers Ziel hinausschießt. Sprache ist etwas Lebendiges, die Bedeutungen und die Verwendbarkeit von Wörtern wandelt sich und nicht jede Wortschöpfung ist es wert, bewahrt zu werden.
Aber dieses Mal hat sich Sick einem dem Blogthema verwandten Bereich zugewandt, weshalb ich natürlich gerne auf seine Online-Kolumne hinweise, die man hier findet.
Danke an alle Einsender dieses Hinweises/Links.
Jan
08
Zahngold
Mehrfach hatte ich schon über Wertgegenstände und Zahngold im Krematorium geschrieben. (unter anderem hier)
Jetzt wurde einer der beschriebenen Fälle nochmals neu aufgerollt.
Kurz gesagt geht es darum, daß sich Mitarbeiter eines Krematoriums am Zahngold der Verstorbenen bereichert hatten. Sie hatten das Gold aus der Totenasche entfernt und verkauft.
In einem früheren Verfahren verneinte ein Gericht sowohl Diebstahl, als auch Störung der Totenruhe. Jetzt wurde das Verfahren an das Gericht zurückverwiesen und nunmehr kamen die Richter zu der Auffassung, daß zwar immer noch kein Diebstahl aber sehr wohl eine Störung der Totenruhe vorliege.
Die Meldung zum entsprechenden Urteil kann man hier nachlesen.
Mich würde in dem Zusammenhang interessieren, was mit dem Zahngold passiert wäre, wenn die Mitarbeiter es nicht für sich persönlich entnommen hätten. Wäre es dann so gewesen, daß es sie dann kurz darauf im Auftrag ihres Dienstherren entnommen hätten, wie es in vielen Krematorien gängige Praxis ist?
Danke an alle, die darauf hingewiesen haben.
Jan
08
Werner V
Ich habe alle rausgeworfen.
Nein, ich habe niemanden entlassen aber ich wollte mit Werner alleine in unserem Vorbereitungsraum sein. Ich meine, Werner war ein guter Freund, aber ich habe ihn immer nur angezogen gesehen. Jetzt liegt er da vor mir, wie so viele hundert Leichen zuvor und ich suche in mir die Nähe, kann sie aber nicht finden.
Jan
08
Werner IV
Werner ist tot.
Zu dem von mir so oft beobachteten Aufleben kurz vor dem Sterben ist es bei Werner nicht mehr gekommen. Heute Morgen um 8.25 Uhr hat der Stationsarzt den Totenschein ausgestellt.
Mit Werner verliere ich einen guten Freund und geduldigen Ratgeber, einen der liebenswürdigsten und freundlichsten Menschen, die ich jemals kennenlernen durfte.
Erst hatte ich das Gefühl, ich müsse gleich zu Edith fahren, aber dann habe ich mich entschieden, nur anzurufen. Sie ist gefasster, als man es annehmen hätte können. Aber das liegt wahrscheinlich daran, daß alles so absehbar war.
Als ich Werner besucht hatte, waren seine leuchtenden wasserblauen Augen das Einzige, was noch lebendig schien. Wenn ich ehrlich bin, muß ich eingestehen, daß er da schon mehr tot als lebendig wirkte.
In einer guten Stunde fahren zwei meiner Männer in die Klinik, um Werner zu überführen.
Jan
08
Mahlzeit
Wenn man so ein Weblog betreibt, das habe ich lernen müssen, bekommt man so allerlei Anfragen, mit denen man gar nicht rechnet, die aber sehr wohl Mühe bereiten und einen oft unnötig beschäftigen. Merke: man kann nicht einfach nur malen, auch das Mischen der Farbe und das Aufziehen der Leinwand gehört dazu.
Jan
08
Werner III
Edith und ihre Tochter Ilona waren da. Edith kannte ich ja vorher schon, sie paßt zu Werner. Ilona ist eine wunderhübsche junge Frau und die Mutter von Werners sechsjährigem Enkel Tobi, den ich auch schon ein paar Mal gesehen hatte.
Aber an ihren blassen Gesichtern, an Ediths fahrigen Bewegungen und der zitternden Unterlippe von Ilona sieht man, daß die beiden Frauen nicht Herr ihrer selbst sind, sie stehen, wie man so sagt, neben sich. Werner ist ein ganz ruhiger Mensch und dennoch der Mittelpunkt der ganzen Familie. Kein Familiendespot, sondern der ruhende Pol, zu dem jeder kommen kann, jemand der Kompetenz und Kraft ausstrahlte.
Die Nachrichten, die die beiden bringen, klingen nicht gut. Werner ist nun an Maschinen angeschlossen und wurde verlegt. Man könne ihn vor lauter Schläuchen kaum sehen und er bekomme auch nicht mit, wer ihn besucht.
Jan
08
Wie identifizieren die Träger den Kopf- bzw. Fußteil des Sarges, wenn die Form das nicht eindeutig definiert? Wie wird verhindert, dass der Tote verkehrt herum bestattet wird?
Jan
08
beileidskarte
Jan
08
Werner II
Edith hat mich gerade angerufen und will nachher mal mit ihrer Tochter Ilona vorbei kommen. Werner geht es so schlecht und sie brauchen mal jemanden zum Reden.
Einen Pfarrer haben sie natürlich und der wohnt direkt um die Ecke, aber zu dem haben sie keinen Kontakt obwohl sie mehr als nur an Ostern und Weihnachten in die Kirche gegangen sind. Werner hat mir mal erzählt, als er vor Jahren das Haus bezogen hat, beobachtete er vom Fenster aus, wie eine alte Frau einen Zettel in seinen Briefkasten warf. Den hat er dann hereingeholt und las: "Der katholische Pfarrer wollte sie heute besuchen und als neue Gemeindemitglieder begrüßen. Leider hat er sie zum dritten Mal nicht angetroffen. Sie sind herzlich zu den Gottesdiensten eingeladen."
Jan
08
Werner
Das macht mich persönlich sehr betroffen. Werner ist im Krankenhaus und ihm geht es gar nicht gut. Werner ist seit vielen Jahren ein guter Freund von mir, ich habe ihn in einem Fotoverein kennengelernt und wir haben so manche Tour zusammen gemacht, um irgendwelche schönen Motive abzulichten.
Von Beruf ist er Polizist und arbeitet als Waffenmeister. Er repariert und wartet Waffen, muß oft auch als Sachverständiger zu seltenen und umgebauten Tatwaffen vor Gericht Stellung nehmen und ist im Grunde bei jedermann sehr beliebt. In seinem Büro hängt ein ehemals zwei Meter langes Maßband, von dem er jeden Tag einen Zentimeter abschneidet, noch 177 Tage, dann geht er in Rente. "Nee, ich gehe so früh in Pension, wie's geht, ich will mit Edith noch Reisen machen, wir kaufen uns ein Wohnmobil und dann geht's um die Welt. Davon haben wir immer geträumt", hat er neulich erst zu mir gesagt.
Jan
08
Zuviel Quincy geschaut?
"Sie können bitte vorbeikommen und meinen Vater abholen, der ist nämlich gestorben."
"War der Arzt schon da?"
"Ja was glauben Sie denn? Meinen Sie, ich rufe bei Ihnen an und der Arzt war noch nicht da?"
"Gut, dann machen wir uns auf den Weg, die Fahrer werden in etwa 30 bis 45 Minuten bei Ihnen sein."
Jan
08
Roland Koch ist tot
Nee, ehrlich, ist wahr!
Zumindest wenn man Bestatter-Kollege Richter glauben darf. In seinem Ort gibt es nämlich die berühmten schwarzen Bretter an die der Gemeindebüttel Sterbezettel aufhängt, damit die Bevölkerung weiß wer gestorben ist und wann derjenige beerdigt wird.
Jan
08
Bunt, bunter, am Buntesten
Die Eventbestatter waren es, die Herrn Volkerts von der Verwaltung aufgeregt hatten.
Dazu muß man wissen, daß das Bestatten in einer Großstadt ziemlich straff durchorganisiert ist. Am Liebsten hätte es die Verwaltung wenn alle Bestatter nach Schema F so arbeiten, daß es den Vorgaben genau entspricht und den fast schon industriellen Bestattungsapparat am wenigsten stört.
Jan
08
Herr Volkerts
„Geh mich weg mit die Eventbestatters!“ sagt Herr Volkerts von der Friedhofsverwaltung zu mir und ich weiß was er meint. Volkerts ist einer von den Guten, bei ihm haben wir Bestatter immer das Gefühl, daß er auf unserer Seite steht. Bei der Friedhofsverwaltung ist er der Mann, der die Termine für die Trauerfeiern vergibt und der somit unser erster und direkter Ansprechpartner ist. Klar, auch er kann nicht raus aus seiner Haut und obwohl es dafür natürlich keine offizielle schriftliche Dienstvorschrift gibt, vergibt er am Wochenanfang die besten und beliebtesten Beerdigungstermine pauschal an das städtische Bestattungsinstitut, egal, ob die so viele Sterbefälle haben und alle diese Termine benötigen oder nicht.
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Kommentare
1:10 Uhr und noch keine Fort.
Genau, wenn die jetzt noch'n.
Genau, immer der Leiche mit .
Habe jetzt gerade alle Teile.
@rudibee: nein. weils unhygi.
Super, das es mit einer so s.
Hey, was soll das, mich zu w.
-Carlos Gastropoda in die Ru.