Mär
09
Mal eben weg
Beim Discounter gibt's heute Gartenmöbel. Meine Frau hat mich ganz lieb gebeten, ein paar Gartenstühle zu kaufen.
"Mann, geh', kauf' Stühle!"
Nun bin ich ja ein vielbeschäftigter Mann und kann so eine Aufforderung zumindest vor der Hand nicht unwidersprochen einfach so hinnehmen, es könnte der Eindruck entstehen, daß ich nutzlos herumsitze und nur darauf warte, daß sie mich herumschickt, also weigere ich mich hartnäckig, indem ich artig nicke.
"Wann gehst Du denn?" will die Frau wissen.
"Nachher."
"Nix nachher, da mußt Du Dich jetzt hinstellen, montags stehen da schon ab halb acht die Rentner Schlange und wenn Du Dich nicht sputest, bekommst Du nichts mehr."
Ich weigere mich wieder hartnäckig und fahre zum Discounter.
Bis später.
Mär
09
Ja
Mär
09
Daniela und Beat -III-
Räto sitzt mir gegenüber. Räto ist der Vater von Beat und der Schwiegervater von Daniela. Er möchte wissen, was geplant ist, denn er sieht es als Selbstverständlichkeit an, daß er die Beerdigungskosten für seinen Sohn bezahlt.
Ich sage ihm, daß Daniela und ich noch gar nicht näher über den Ablauf gesprochen haben. Das hat auch keine Eile, denn inzwischen hat mir Daniela zu verstehen gegeben, daß es eine Feuerbestattung werden soll. Sie möchte keine Witwe sein, die über 20 Jahre einige Quadratmeter Friedhof pflegen muß. Ein kleines Grab für eine Urne tut es auch, hat sie gesagt.
Räto hebt nur die Schultern und läßt sie seufzend wieder sinken: "Soll mir recht sein. Ich gehe da sowieso nicht hin."
"Nein?"
"Nein, Daniela ist es Schuld, daß Beat die Organspende verweigert hat. Die mit ihren medizinischen Kenntnissen, das muß von der gekommen sein. Ich hätte mir ja sogar ein Herz herausgerissen, um meinem Sohn zu helfen, aber ich komme ja für Organspenden nicht in Frage, ich hatte vor ein paar Jahren was an der Prostata. Krebs, ist aber nichts mehr nachgekommen.
Bei meiner Frau haben die Werte nicht gestimmt und so blieb nur Beat als möglicher Spender übrig. Weil er nicht gespendet hat, ist mein Sohn gestorben."
Mär
09
Podcast 22 erschienen
Mär
09
Kinder sind doch was Schönes -II-
Samstags ist unser Büro geschlossen. Natürlich haben wir, wie alle Bestatter an 365 Tagen im Jahr an 24 Stunden "geöffnet", aber die Herde der Büroleute ist am Wochenende regelmäßig nicht da. Deshalb kommt samstags auch immer unsere Putzfrau. Die kommt zwar auch immer am Mittwoch, aber samstags kann sie mal da richtig saubermachen, wo wochentags Kunden und Angestellte herumwuseln.
"Is ja vielleicht ne Mordssauerei!" tönt sie, als sie mich heute Morgen entdeckt.
"Wieso?" erkundige ich mich und sie bedeutet mir mit einer Kopfbewegung ihr zu folgen.
Im Ausstellungsraum führt sie mich weiter nach hinten in eine Ecke, dort wo die Sargregale zu Ende sind und zwei große Topfpflanzen stehen.
"Da hat jemand hingepinkelt!"
"Wie bitte?"
"Ja, ist ganz viel Pipi, is schon eingetrocknet zum Teil."
Da wir keine pinkelnden Haustiere im Ausstellungsraum haben und meine Angestellten auch weitestgehend wasserdicht sind, bedeutet das, daß die kleine Sarah, die Tochter von Frau Ruhd-Elwurff sich dort erleichtert haben muß. Ein Einwickelpapier eines bekannten Kaubonbons ganz in der Nähe deutet zumindest darauf hin.
Die Putzfrau hat's dann weggeputzt, aber nicht ohne mir nochmal hinterher zu rufen: "Is wirklich Pipi, is ganz gelb!"
Gibt's auch im Podcast Nr. 22
Mär
09
Gut sieht sie aus!
Frau Pöppenrieder ist weit über 80 Jahre alt geworden. Ob sie mal schön war, kann ich nicht sagen, jetzt jedenfalls ist sie es nicht mehr. In erster Linie liegt das daran, daß sie tot ist, hat aber auch etwas damit zu tun, daß sie sowieso nicht besonders schön aussah.
Da kann dann auch der beste Bestatter nicht viel machen. Man kann so eine alte Frau natürlich herrichten, etwas pudern und ihr ein etwas weniger totes Aussehen verleihen.
Ich fand, daß wir Frau Pöppenrieder ganz gut hinbekommen haben. Friedlich liegt sie in ihrem Sarg, sieht ordentlich aus und so brachten wir sie auf den Friedhof in eine der Aufbahrungszellen dort.
Wir machen dann immer ein amtlich vorgeschriebenes Namenskärtchen an die Tür der jeweiligen Zelle.
Mär
09
PayPal-Geheimnis gelöst
Danke für die vielen Hinweise zu meiner Frage bezüglich des gespendeten einzelnen Cents.
Inzwischen hat ein Leser herausgefunden, daß da ein anderer Blogger sich ein "Späßle" machen wollte und meint, wer so einen Weblog betreibt und da einen Paypal-Spenden-Button hat, der habe es nicht besser verdient.
Na, meinetwegen.
Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, daß wir heutzutage überall von weitaus lästigeren Werbeformen umgeben sind und anderenorts viel penetranter zum Kaufen, Spenden und Geldbezahlen aufgefordert werden. Und überall da geht man offensichtlich gerne hin, kommt aber offenbar nicht auf die Idee, denen mal richtig die Meinung zu sagen, weil schon wieder ein Reklameschild irgendwo hängt.
Manche scheinen sich einzubilden, es gehöre irgendwie zum guten Ton oder würde ihr Image als besonders erfahrener und abgehobener Internetbenutzer unterstreichen, wenn sie vor allem in Weblogs immer wieder über die Werbung jammern.
Hier ist so wenig Werbung, da kann man leicht drüber weggucken. Ich seh die schon gar nicht mehr.
Und der Spendenknopf? Immer mal wieder spenden da Leser etwas. Vielen Dank dafür. Es sind aber in der Regel kleine Beträge, über die ich mich jedes Mal sehr freue. Zu Weihnachten erreichte mich eine 100 Euro-Spende aus der Schweiz, das war eine besondere Überraschung.
Für mich ist entscheidend: Man KANN da drauf klicken, MUSS es aber nicht.
Das Weblog kann von jedermann kostenlos genutzt werden, niemand wird zu etwas gezwungen.
Mehr dazu auch im Podcast Nr. 22
Mär
09
Doppelsatz
Da schreibt mir Leser "Smack_the_Pony", im Podcast zu "Daniela und Beat -I" sei ein Satz doppelt.
Huch!
Ich habe den Podcast gestern Abend bestimmt dreimal komplett angehört und so schön ich die Dinger ja insgesamt finde, wenn ich aber so lange meine eigene Stimme höre, bekomme ich Ohrenfäule...
Da war kein Satz doppelt.
Ich schrieb ihm also, er solle mir mal die Minute und Sekunde nennen, in der dieser Doppelsatz passiert.
Das tat er dann auch und ich überprüfte es erneut: Kein Doppelsatz.
Dann lud ich aber den Podcast nochmal frisch vom Server herunter und hörte nach. Und siehe da: Tatsächlich ein Halbsatz kommt nach einem kurzen Knackser nochmal.
An dieser Stelle wurde aber definitiv nicht geschnitten oder wiederholt, auf dem Master ist nichts davon zu hören und die Mono-Datei (aus dem selben Master in einem Rutsch erstellt) ist auch frei davon.
Der Schluckser muß also mein Umwandeln in das MP3-Format passiert sein. Komische Sache das.
Habe die Datei neu konvertiert und jetzt ist er weg der Doppelsatz.
Danke für den Hinweis.
Mär
09
Spende
Da überweist mit eine -mir unbekannte- Firma genau 1 Cent als Spende, über eine brasilianische Bank an PayPal.
Ich nehme ja mal kaum an, daß die mir mit dem 1 Cent was Gutes tun wollten. Hat jemand eine Idee, was da dahinterstecken könnte?
Mär
09
Raser im Verkehr
Jetzt spricht mal der Fachmann!
Da diskutieren hier doch einige nun, ob man bei 140 km/h tödlich verunglücken kann, oder ob vielleicht 210 km/h eher tödlich sind...
Einen herzlichen Glückwunsch an alle, die schwere Unfälle schon mal überlebt haben, ich weiß wovon ich rede, ich habe selbst zwei sehr schwere Unfälle sogar unverletzt überlebt.
Aber lasst Euch von einem Fachmann gesagt sein:
Unter den Unfalltoten, die wie hier schon zu versorgen hatten, waren sowohl welche, die sich mit 250 km/h an einen Alleebaum geschossen haben, als auch solche, die mit weniger als 40 km/h verunglückt sind.
Es kommt immer auf die Umstände und das Umstehende an.
Mär
09
Daniela und Beat -II-
Es ist noch viel zu früh, da klingelt es schon und ich schlüpfe nur in eine schwarze Jogginghose, streife mir ein T-Shirt über und gehe nach unten. Wenn das wieder nur irgendein indischer Pizzazettelverteiler ist, der unseren Briefkasten nicht gefunden hat, bin ich fest entschlossen Indien durch eine sofortige Handlung davor zu bewahren, China in zwölf Jahren als bevölkerungstärkstes Land zu überholen.
Aber da steht kein schmächtiger Schwarzhaariger, sondern eine zierliche Blonde, Daniela ist gekommen.
Ihr Mantel ist vom Regen ganz durchweicht, ihre Haare sind klitschnass und in der Hand hält sie einen kleinen, etwas verschossenen Lederkoffer.
"Ich wollte die Sachen für Beat bringen."
"Kommen Sie herein, Sie sind ja ganz naß", sage ich und bugsiere Daniela in mein Büro. Dort nehme ich ihr den Mantel ab und hänge ihn nebenan auf den Kleiderständer, den ich vor die Heizung schiebe. Ich hoffe mal, daß der Mantel die Hitze auch aushält, kurz nach der Wende hatte ich so etwas schon einmal gemacht, was mir der Mantel eines Trabifahrers nicht verzieh und sich aufgrund seiner thermoplastischen Materialeigenschaften knisternd und nach Plastik stinkend in eine Radkappe oder so etwas Ähnliches verwandelte.
Aus einem Regal greife ich ein Handtuch und bringe es Daniela: "Trocknen Sie sich erst mal die Haare, sie werden sonst noch krank."
Dann gehe ich Kaffee machen.
Mär
09
Syphilis
Antonia sitzt schon den halben Tag über den Sterbefallakten. Wir hätten schon zum Jahreswechsel die alten aussortieren sollen, das hat sich aber aus verschiedenen Gründen nicht ergeben. Nach 20 Jahren werden auch die ältesten Fälle aus dem Archiv aussortiert und kommen runter in den Keller. Aus kaufmännischer Sicht hätten sie längst weggekonnt, aber bei den langen Grablaufzeiten kommt es immer mal wieder vor, daß Angehörige auch nach langen Jahren nochmals nachfragen und etwas wissen wollen.
Ich komme am Archivraum vorbei, sehe durch die halboffene Tür unsere Antonia und sage, mehr aus Höflichkeit, denn aus wirklichem Interesse "Na, fleißig?"
Sie nickt, kaut fertig und meint: "Ist ja auch voll die Syphilis-Arbeit hier."
Soll ich die Tür besser zumachen, wegen der Ansteckungsgefahr?
Mär
09
Leichengift
Leichengift! Frau Schöpske kommt mit ihrer etwa 16jährigen Tatjana zu uns und will etwas wegen der Beerdigung einer Lehrerin wissen.
Es scheint ja doch beliebte Lehrer zu geben, denn die pensionierte Pädagogin wird mit großem Geleit beerdigt, eine ganze Schule wird Abschied nehmen. Tatjana hatte vergessen, sich in eine der Listen für die Blumenspenden einzutragen und wird nun heute also von ihrer Mutter gleich zu uns gezogen.
Der Akt ist schnell vollzogen, Tatjana trägt sich ein, die Mutter zahlt 5 Euro und dann sagt sie zu ihrer Tochter: "Los, geh Dir mal wacker die Pfoten waschen, wegen dem Leichengift."
Wenn es so etwas wie Leichengift gäbe, wäre das vielleicht unten bei unseren Leichen, ja Uneingeweihte könnten evtl. sogar glauben, in den Särgen im Ausstellungsraum würden sich Leichen befinden und deshalb sei in der Ausstellung alles vergiftet. Aber bei uns im Büro?
Tatjana schiebt den Kugelschreiber mit spitzen Fingern weit von sich und geht mit ausgestreckten Händen und gespreizten Fingern hinaus. Dort trifft sie auf Antonia, die ihr den Weg zur Damentoilette zeigt, auf Tatjanas Hände deutet und sagt: "Auch was mit Zuckerguß gegessen?"
Mär
09
Daniela und Beat -I-
Beat. Zunächst glaube ich an einen Schreibfehler, doch dann fällt mir ein, daß die Eidgenossen ja die Angewohnheit haben, ihren männlichen Nachkommen etwas andere Namen zu geben als wir.
"War Ihr Mann Schweizer?" frage ich deshalb die junge Frau, die da vor mir sitzt. Ich will sie nicht so anstarren, aber es fällt mir schwer, den Blick von ihr zu wenden. So eine schöne Frau habe ich selten gesehen. Blond ist ja sonst nicht so meine Farbe, aber sie ist eine von den Blonden, die keine andere Haarfarbe haben dürften. Ein schmales, scharf geschnittenes Gesicht, hohe Wangenknochen und schmale, aber ausdrucksvolle Lippen, zwei kleine Grübchen auf den Wangen und Augen so blau wie das Mittelmeer an einem schönen Sonnentag.
"Nein", sagt sie und ihre Stimme klingt einfach phantastisch, "Er ist Deutscher, ich glaube der Opa war Schweizer."
Die junge Frau heißt Daniela, ist gerade einmal 29 Jahre alt und angestellte Apothekerin. Ihr Mann Beat ist gestern Abend gestorben, er hat sich nach dem Abendessen in seinen neuen Audi gesetzt, wollte es, wie er sagte "noch mal richtig krachen lassen", womit er meinte, daß er versuchen wollte, eine verkehrsarme Stelle auf der Autobahn zu erwischen, um herauszufinden, wie schnell sein Auto fährt.
Das mit dem Krachenlassen hat geklappt.
Mär
09
Kränze und Blumen beim Bestatter aussuchen? -II-
Da schreibt heute eine Leserin:
ich arbeite in einem floristikfachgeschäft. auch blumenladen genannt
wir geben uns immer sehr große mühe den kunden bei der trauerfloristik zu beraten. das hat bei uns nichts mit am tresen vor zich andren kunden stehen zu tun - wir nehmen denjenigen mit ins büro und schließen die tür und bieten kaffee/tee an.
eben weil wir wissen, dass die kunden ihre blumen genausogut beim bestatter bestellen könnten und uns damit eine wichtige einkommenssäule weggebrochen ist, versuchen wir uns mit gutem service und beratung abzuheben.
ich weiß nicht genau wie das beim bestatter mit der blumenwahl abläuft, aber wir haben halt die möglichkeit dem kunden alles "in echt" zu zeigen und ihn aussuchen zu lassen, falls er das denn wünscht.
auch liefern wir passend zur trauerfeier/beerdigung - da muss sich der kunde nicht drum kümmern. wir telefonieren mit dem bestattungsinstitut und erfragen die daten und termine."einen fetten menschen vergisst man nie", habe ich übrigens noch nie auf eine schleife gedruckt o.O auch blumenmädchen können lesen und schreiben
Ja, so eine Gärtnerei haben wir hier auch und bei denen ist es mir sogar lieber, wenn unsere Kunden dort direkt hingehen. Ich sage dann immer: "Dort können Sie sich die Blumen im Original anschauen und sich auch noch Alternativen zeigen lassen."
Das ist ja auch überhaupt keine Frage. Fakt ist aber, daß die meisten Gärtnereien und Blumengeschäfte eben nicht so arbeiten und aussehen.
Ich behaupte jetzt mal, liebe Sarah, daß Du vorwiegend in einem Blumengeschäft bist und nur hin und wieder mal ein anderes siehst. Ich hingegen war wahrscheinlich schon bei jedem verflixten Dealer, der die Geschlechtsteile von irgendwelchem Gemüse verkauft, im Umkreis von 200 Kilometern.
Die Regel ist einfach, daß es eine Theke gibt, an der man dann stehen muß, in einem unbeheizten Laden und tatsächlich umringt von anderen Kunden. Und daß Blumengeschäfte alle Blumen da haben, das ist auch eine Legende.
Ich freue mich immer, wenn ich einen schönen Blumenladen sehe und dort eine gute Beratung bekomme. Besonders fasziniert es mich, wenn die Floristen Gestecke zaubern, die mal was anderes darstellen als den üblichen Pißnelkenkranz oder die doofe graue Plastikschalte mit Tuja und Hedera Helix und zwei Blühern.
Sagen wir es mal so: Wer's besser kann als wir, dem schicke ich auch die Leute, mit Kußhand, gerne!
©2012 Bestatter-Weblog
Layout © von Michael Kaiser u. Tom, Undertaker-Image © by Mike Worley.
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Kommentare
1:10 Uhr und noch keine Fort.
Genau, wenn die jetzt noch'n.
Genau, immer der Leiche mit .
Habe jetzt gerade alle Teile.
@rudibee: nein. weils unhygi.
Super, das es mit einer so s.
Hey, was soll das, mich zu w.
-Carlos Gastropoda in die Ru.