Jun
09
Tote im Hotel
Ich wollte Dich mal fragen, ob es in Hotels denn besondere Vorkehrungen im Todesfall gibt. Abholung nur bei Nacht? Besonders gründliche Zimmerreinigung? Auslegen eines Kondolenzbuches beim Empfang? Hast du so etwas schon mal erlebt? Erzähl doch darüber bitte mal in Deinem Weblog. (Ich muss ja nicht sagen, dass ich ein riesen Tom-Fan bin!)
Es liegt in der Natur des Hotelgewerbes, daß man um verstorbene Gäste keinen großen Wirbel macht. Die Abholungen müssen stets diskret und möglichst so erfolgen, daß keine anderen Gäste etwas davon mitbekommen. Lieferanteneingang, Tiefgarage, Personalaufzug, das sind da die Stichworte. Die anderen Gäste haben den Verstorbenen ja meist gar nicht gekannt und sind vielleicht in einer sehr angenehmen Sache unterwegs oder gar zur Erholung in diesem Hotel, da möchte man denen den angenehmen Aufenthalt nicht mit einer Leiche verderben.
Ein Kondolenzbuch am Empfang habe ich nur ein einziges Mal erlebt, als bei einem Ärztekongress einer der Teilnehmer plötzlich verstarb, da war aber das gesamte Hotel nur mit diesen Kongressärzten belegt und die Voraussetzungen waren demnach anders.
Ansonsten: Möglichst unbemerkt und ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen.


Na das ist dann aber sehr verdächtig! Ein ganzes Hotel voller Ärzte und da stirbt einer ... wie geht das denn? ![]()
Wenn Hotels wie Billigflieger funktionieren würden, könnte man im Kleingedruckten vermutlich folgendes lesen:
"Im Falle Ihres plötzlichen Ablebens erlischt Ihr Recht auf Rückerstattung der nicht in Anspruch genommenen Leistungen. Weiterhin behalten wir uns vor, Ihnen für die Aufwände des Bestattungsunternehmens eine Abwicklungspauschale in Höhe von 250 Euro in Rechnung zu stellen"
sehr nihilistisch.
@Leptharius(1):
die Teilnehmer an Fachtagungen jeglicher Art (also auch medizinischer) sind durchaus auch jenseits der 70. Da kann es schon mal vorkommen, daß einer stirbt.
Wir kamen mal in einem kleineren, familiären Hotel in Berlin an, und wollten nach einer Nachtfahrt (PKW) etwas groggy das Zimmer beziehen.
Die verantwortliche Tante des Hotels war aber im Stress, zog sich gerade Einweghandschuhe aus und meinte "wir haben hier einen Todesfall" - worauf mir irgendwie schlagartig alles "verging" ...
Das sieht dann so aus wie im Film: Sandy und Manni bekommen Kleidung vom Hotel geborgt und bekommen einen langen Servicewagen wo man den Sarg unten, unter der weißen Decke, reinschieben kann. Oben stehen dann gläser, Putzzeug und Handtücher drauf. So bekommt keiner was mit. ![]()
Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch den Begriff "kalte Abreise", der wohl vom Hotelpersonal in solchen Fällen verwendet wird.
Das erinnert mich an eine Geschichte aus "Das HaHandbuch der Psychotherapie":
Der Sohn der Familie kommt für einen Urlaub nach Hause. Seit vielen Monaten war er zur Ausbildung in der fernen Stadt. Die Familie ist begierig zu Iwron, wie es ihm an der Lehrstelle gefällt. Man hat sich schon sehr georgt, daß die Lehrstelle in einem Begräbnisinstitut vielleicht doch nicht das richtige fürihn sei. Die Erleichterung ist bei den Eltern außerordentlich groß, als der Sohn mit leuchtenden Augen von seinem Lehrherrn und seiner Ausbildung zu sprechen beginnt. Er erklärt, daß dieser Beruf von großer Bedeutung sei und es eine Vielzahl von Dingen zu lernen gäbe. Der Lehrherr sei ein wahrer Meister im Umgang mit delikaten Situationen, die bei der Bestattung von Toten immer wieder auftreten.
Die Familie wird neugierig, und der Sohn berichtet ein Beispiel:
„Gerade kürzlich gab es einen ganz besonderen Fall, wo das Ansehen und der Name zweier bedeutender Familien und das Ansehen eines renommierten Hotels auf dem Spiel standen. Ein Sohn und eine Tochter aus besagten Familien hatten sich unsterblich ineinander verliebt. Die Familien hatten jedoch eine Heirat strikt untersagt, weil seit Generationen Feindschaft zwischen den Familien herrschte (siehe auch „Mehrgenerationperspektive"). Die beiden gingen schließlich zusammen in das berühmte Hotel, nahmen sich ein teueres Zimmer und begingen gemeinsam Selbstmord. Sie lagen nun beide tot im Zimmer, und die Aufgabe war, die Leichen diskret den beiden Familien zu übergeben, ohne daß der Selbstmord und die ganze Geschichte ruchbar und ohne daß der Ruf des Hotels in Mitleidenschaft gezogen wird. Nun, mein Lehrherr zog sich seinen besten schwarzen Frack an, streifte die weißen Handschuhe über, setzte sich seinen teuren Homburg auf den Kopf und nahm den lackschwarzen Spazierstock mit dem Elfenbeinknauf. Dann forderte er mich auf, ihn zu begleiten. Ich war über dieses Vertrauen außerordentlich erfreut.
Wir gingen in dieses Hotel, fuhren mit dem Aufzug nach oben und gingen zu dem Zimmer, dessen Nummer man uns genannt hatte. Wir betraten mit angemessener Scheu leise das Zimmer. Aber wie soll man diese Situation beschreiben? Da lagen diese beiden fast völlig nackten, wunderschönen Menschen im Bett. Sie waren eng umschlungen. Die Lippen der beiden waren leicht geöffnet, wie wenn sie noch etwas sagen wollten. Es war ein Bild, das selbst meinen erfahrenen Chef beinahe zu Tränen rührte. Da war nur ein Problem."
Die versammelte Familie hing ihm an den Lippen und rief beinahe wie aus einem Munde: „Was für ein Problem?"
„Ja, nun", fuhr vor der Sohn fort, „sie waren so eng umschlungen, so eng zusammen, daß ich persönlich keinen Weg sah, außer Gewalt anzuwenden. Sie gemeinsam wegzutransportieren erschien ebenfalls als sehr schwierig. Ich sah, wie es im Kopf meines Chefs arbeitete, und plötzlich ging ein Leuchten über sein Gesicht. Mit seiner Erfahrung und seiner Genialität schien er wie immer eine Lösung gefunden zu haben.
Er nahm seinen Spazierstock in die Hand und wiegte ihn wie prüfend einen Moment in seinen Händen. Dann setzte er ihn unglaublich sicher und sanft im richtigen Winkel zwischen den Körpern, an und mit einer plötzlichen Bewegungen fielen die beiden Körper mit einem etwas merkwürdigen Geräusch auseinander."
Der Sohn holte Luft und machte eine kleine Pause. Der Vater fragte erregt: „Und das löste dann das Problem. Nicht wahr?"
„Nun", sagte der Sohn, „nicht ganz. Wie sich herausstellte, waren wir im falschen Zimmer."
Das HaHandbuch der Psychotherapie
Witze - ganz im Ernst
von Bernhard Trenkle
Carl Auer Systeme Verlag
Heidelberg 1997
ISBN 3-927809-32-2
Wie macht man das dann eigentlich bei einem Bestatterkongress? ![]()
@ Leptharius (Nr. 1):
Denk immer dran: Viele Köche verderben die Köchin!
Am besten mit einer Ausschreibung ;o)
Kreuzfahrtschiffe haben sogar extra Kühlkammern für diesen Fall...
Es gibt doch in den Hotels auf jeder Etage diese Wäscherutschen, da braucht man im Keller nur die Fahrtrage davorstellen.
@ MacKaber.
Je nach Stockwerk des Einwurfes und/oder Gewichtes des öhm...Kunden ist allerdings die "heavy-duty"-Ausführung der Fahrtrage erforderlich. Auch sind geeignete Maßnahmen gegen unerwünschtes Davonfahren des öhm...Kunden zu treffen. Singt: "Meine Omma fährt im Wäschekeller Motorrad..."
Lechthaler
Mehr zum Thema Hotels steht ja auch im Bestatterweblogbuch *Werbung mach*
@Lechthaler: Am besten stellt man den Leichenwagen und die Fahrtrage so auf, dass der von oben ankommende Kunde derart auf die Trage plumpst, dass sich diese, bedingt durch den Impuls der Leiche, in Bewegung setzt und direkt in den Leichenwagen fährt. Klappe zu und ab die Post. Das geht schneller und müheloser als die langsame Variante mit manueller Verladung.
@Matthias: Ja, daran musste ich auch gerade denken... Einige Sätze sind in besagtem Kapitel wirklich zum Schießen ![]()
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Kommentare
@Fraggel: Kommze ausm Ruhrge.
Chinesischer Bestatterkolleg.
Tom, das _erstemal_ hast du .
@Tobi: Der Ton macht die Mus.
Ich hab beruflich leider vie.
ja, die eine wollen, dass ei.
Ne Episode die mir gerade no.
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