Aschenkapsel, Urne und Überurne

Ich habe in Deinem Weblog gelesen, dass sich in jeder Urne eine Aschenkapsel befindet, die die eigentliche Urne darstellt. Man kann die Asche nur mit dieser Kapsel beisetzen lassen, wenn man keine Schmuck- oder Überurne will. Wie sieht es nun aus? Könnte ich diese Aschenkapsel lackieren oder bekleben? Liefert der Bestatter die Kapsel oder wird die vom Krematorium vergeben? Sind die Kapseln namentlich gekennzeichnet?

Ja, es ist tatsächlich so, daß die eigentliche Urne eine schlichte Metalldose ist. Die gestalteten Überurnen, die man beim Bestatter kaufen kann, sind nur für die Optik und erfüllen keinen dringenden Zweck.

Es ist von Krematorium zu Krematorium unterschiedlich, wo die Aschenkapseln herkommen. In unserem Einzugsbereich gibt es drei verschiedene Verfahren. Im ersten Krematorium müssen wir exakt die Aschenkapseln mit dem Sarg anliefern, die in diesem Krematorium vorgeschrieben sind. Im zweiten Krematorium brauchen wir uns um die Kapseln nicht zu kümmern, sie werden vom Krematorium gestellt. Im dritten Fall ist es so, daß es vollkommen egal ist, was für eine Aschenkapsel wir liefern und wenn keine dabei ist, stellt das Krematorium für kleines Geld eine zur Verfügung.

Theoretisch wäre es in allen Fällen möglich, eine Aschenkapsel vorher künstlerisch zu gestalten und mit einem Zettel zu kennzeichnen, damit ein bestimmter Verstorbener sie bekommt.
In fast jedem Fall ist es möglich, eine bereits gefüllte Aschenkapsel zum Beispiel in der Werkstatt des Bestatters, noch vor der Beisetzung, zu bearbeiten.

Es gibt aber auch ein Zwischending, die so genannte Cupaturne. Hierbei handelt es sich um eine von vornherein gestaltete Aschenkapsel, die Urne und Aschenkapsel in einem ist.

Was nicht geht, ist das Umfüllen der Asche aus der Aschenkapsel des Krematoriums direkt in die Schmuckurne.
Bei der Einäscherung wird jedem Sarg ein nicht verbrennbarrer Stein mit einer eingeprägten Nummer mitgegeben, der die einwandfreie Zuordnung der Asche ermöglicht. Dieser Stein befindet sich mit der Asche in der Aschenkapsel. Die darauf angebrachte Nummer findet sich auch neben dem Namen des Verstorbenen und seinen Lebensdaten auf dem Deckel der Aschenkapsel wieder.
Der Deckel ist fest eingepresst und nicht ohne weiteres zu öffnen.

Viele Friedhofsmitarbeiter öffnen bei einer Urnenbeisetzung den leicht abnehmbaren Deckel der Überurne und zeigen den engsten Angehörigen die Aschenkapsel, indem sie sie einen Blick auf den namentlich gekennzeichneten Deckel werfen lassen.

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  • Veröffentlicht am: 8. Juli 2008
  • 7 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

7 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Wie sieht das denn bei einer Beerdigung im Friedwald aus? Ich habe gelesen, dass man in einer Urne beigesetzt wird, die aussieht wie aus Ton, aber aus einer festen Papiermasse ist, die dann zerfällt. Das gefällt mir gut, so hätte ich es gerne. Das heißt aber, dass die üblichen Vorschriften, die für Friedfhöfe gelten, für Friedwälder geändert wurden, oder? War das so einfach möglich in Bürokratieland?

  2. Wenn denn diese Aschenkapsel aus Metall ist, wie lange hält es diese denn im Erdreich aus? Nachdem die normale Laufzeit eines Grabes abgelaufen ist, kann die Kapsel doch noch nicht vollständig zersetzt sein, wenn sie noch in einer robusten Überurne steckt, hält sie wohl noch länger.

    Was passiert mit den alten Urnen/Kapseln wenn die Laufzeit des Grabes lange abgelaufen ist?!

  3. @Louffi: In der Tat wird die Asche bei den Sonderbestattungsformen der See- und Waldbestattung umgefüllt und ohne Aschenkapsel beigesetzt. Man geht hier davon aus, daß die Asche der Natur bzw. dem Meer übergeben wird und ohnehin nicht mehr die Notwendigkeit einer möglichen späteren Zuordnung besteht.

    Die Kennzeichnung dient ja u.a. dazu, daß man bei einer Graböffnung noch feststellen kann, welche Urne wann, wo und zu wem gehört usw.

  4. Wie groß oder klein ist den so eine Kapsel tatsächlich? Ich stelle mir unter dem Wort „Kapsel“ etwas vor, was ungefähr einer der größeren Hautcremedose entspricht. Man kennt ja nur die Überurnen, die fast immer wie große Blumenvasen aussehen.
    Werden bei Sozialbegräbnissen mit anonymer Beisetzung Überurnen verwendet? Oder gibt es das im Gemeinschaftsgrab generell nicht, damit mehr Platz ist? Ich denke, dass man auf die Überurne nicht verzichten kann – was werden denn da die Leute in der Kirche sagen? –

  5. Ich möchte eine Friedwaldbestattung durchführen, obwohl die Asche bereits in einer herkömmlichen Kapsel ist. Kann man dies noch umfüllen? Wer darf das?

    Lieber Gruß

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