Aus der katholischen Kirche ausgetretener jüdisch-orthodoxer, homosexueller Mormone begeht Suizid und nun?

Klingt blöd, soll es auch.
Die Frage, die an mich herangetragen wurde, war die, was denn heute mit Menschen, die Suizid begangen haben, auf dem Friedhof geschieht? Bekommen die ein Grab auf dem Schindacker vor den Toren der Stadt?
Was ist mit Menschen, die eingeäschert wurden? Können die auf ein katholisches Begräbnis hoffen?
Und was, wenn der Verstorbene aus der Kirche ausgetreten war oder sich einer anderen Glaubensgemeinschaft angeschlossen hatte? Kann die Familie trotzdem eine Trauerfeier mit dem Pfarrer bekommen?
Ja, und wie ist das mit Schwulen? Gibt es da überhaupt eine Beerdigung?

Beginnen wir mit der Feuerbestattung:
Nach Kirchenrecht wird nach wie vor für katholische Christen die Erdbestattung empfohlen. Jedoch gibt es kein Verbot der Feuerbestattung mehr.
Die Beerdigung durch einen Pfarrer und auf einem konfessionellen Friedhof dürfte keinerlei Problem darstellen.

Aus der Kirche ausgetreten:
Nun, man hat zu Lebzeiten die Wahl getroffen und eindeutig erklärt, daß man mit der Kirche nichts am Hut hat.
Deshalb darf man dann auch nicht hoffen, nach dem Tod die gleiche seelsorgerische Betreuung zu erfahren, wie Kirchenmitglieder.
Jedoch sind die Regeln hier nicht mehr so streng, wie vor einigen Jahren.
Sofern der Verstorbene Zeichen der Reue gezeigt hat, heißt es, oder die Angehörigen, die nicht aus der Kirche ausgetreten sind, die kirchliche Trauerfeier als Trost brauchen, kann der Pfarrer die Trauerfeier durchführen.
Einen Anspruch auf ein Grab auf einem rein konfessionellen Friedhof hat man aber nicht unbedingt. Sofern es keinen anderen Friedhof gibt, ist es meist so geregelt, daß jedermann einen Anspruch auf ein Grab hat. Gibt es aber eine kommunale Alternative, kann sich die Kirchenverwaltung querstellen.

Suizid:
Die Zeiten, in denen Selbstmördern ein Begräbnis auf dem Friedhof verwehrt blieb, sind vorbei.
Heute sehen die Kirchen die Selbsttötung als Folge von Depressionen und anderen Erkrankungen.
Einem kirchlichen Begräbnis steht nichts im Wege.

Anderer Glaube:
Das ist ein sehr schwieriges Thema.
Man kann nicht vom Geistlichen der Kirche A erwarten, daß er Angehörige der Kirche B ohne weiteres bestattet. Zunächst einmal wird man sich an den Pastor oder Ältesten der Glaubensgemeinschaft wenden müssen, der der Verstorbene angehört hat.
Bei Familien, die unterschiedlichen Kirchen angehört haben, ist es meist kein Problem, diese auch gemeinsam zu bestatten.
Insbesondere wenn die kirchliche Trauerfeier als Dienst an der Familie angesehen wird, kann ein Pfarrer auch diese durchführen.
Hier ist sehr viel vom Einzelfall abhängig.

Homosexuelle:
Ebensowenig, wie es den Pfarrer etwas angeht, ob man lieber unten oder oben liegt, hat es ihn zu interessieren, ob es statt um oben und unten, vielleicht um hinten und vorne ging.
Homosexualität ist weder eine Modeerscheinung, noch eine Krankheit oder eine abartige Veranlagung. Sie ist Ausdruck der ureigensten Persönlichkeit und von der Natur vorgegeben.
Es gibt auch keine Entscheidung für oder gegen Homosexualität, und genau deshalb kann man sich aufgrund gutgemeinter Empfehlungen oder einer kirchlichen Regel nicht umentscheiden.
Demzufolge muß man Homosexualität einfach hinnehmen und ebenso akzeptieren, wie Heterosexualität.
Überhaupt sollte weder die eine, noch die andere Gegebenheit Thema sein. Über Normales muß man nicht explizit sprechen.
So gesehen sollte nichts, aber auch gar nichts gegen eine Bestattung durch einen Pfarrer und auf einem kirchlichen Friedhof sprechen.

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  • Veröffentlicht am: 20. Dezember 2015
  • 13 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

13 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Ebensowenig, wie es den Pfarrer etwas angeht, ob man lieber unten oder oben liegt, hat es ihn zu interessieren, ob es statt um oben und unten, vielleicht um hinten und vorne ging.

    Ob das der Priester/Pfarrer auch so sieht ?? Immerhin haben die doch Extra so ein tolles Regelwerk
    Levitikus/3. Mose,22 Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

    Levitikus/3. Mose,23 Du sollst auch bei keinem Tier liegen, dass du an ihm unrein wirst. Und keine Frau soll mit einem Tier Umgang haben; es ist ein schändlicher Frevel.

    • @Georg: Och nö, bitte nicht dieses „Argument“. Die Bibel ist nun nicht durch göttliche Verbalinspiration von „oben“ nach „unten“ einem Menschen in die Feder diktiert worden. Mit Zitaten ließe sich auch trefflich die Sklavenhaltung wie die Unterdrückung der Frau begründen. Bei manchem kann (und muss) man fragen, wie das in den biblischen Kanon hineingekommen ist, in welcher Situation geschrieben und mit welcher Absicht und welche Entwicklung dieser Texte in der Tradition erfahren hat.
      Jeder seelsorgerlich ausgerichtete Pfarrer/Pfarrerin wird jeden Menschen beerdigen – mich hat es während meiner Amtszeit als evangelischer Pfarrer jedenalls nie interessiert.

      • @Werner:

        Aber es gibt ja auch die sehr konservativen Gemeinden,denen die wörtliche Auslegungen der Bibel viel Wichtiger sind als das menschliche miteinander.
        siehe z.B. hier :
        Die als theologisch konservativ anzusehende St.-Martini-Gemeinde(Bremen) vertritt heute die Verkündigung des „unverfälschten biblischen“ Wortes.Die St.-Martini-Gemeinde lehnt die Frauenordination ab. Der Kirchenvorstand beruft sich dabei auf die Gemeindeordnung.Die Ablehnung der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wurde in der Gemeindeordnung festgeschrieben.Die Verweigerung einer kirchlichen Trauerfeier droht einem verstorbenen Gemeindemitglied von St. Martini, das zwar „Glied der evangelischen Kirche war, aber das Bekenntnis zu Jesus Christus offensichtlich verworfen oder öffentlich geschmäht hat“. Regularien für die Feststellung eines solchen Falls oder Einspruchsmöglichkeiten der betroffenen Angehörigen sieht die Gemeindeordnung nicht vor.
        Vermutlich würden die gerne die „gute“alte Zeit des Auge um Auge,Zahn um Zahn wieder aufleben lassen.

        und wenn man den Medien glauben schenkt dann haben gerade diese Rückständigen einen regen Zulauf.

          • @Nogger:

            Steht dort nirgendwo geschrieben aber an deinem zwoten Kommentar kann man feststellen das du ein Opfer zum darauf herumtrampeln suchst um deinen Feiertagsfrust auszutoben,nicht mit mir mein Lieber ich überlese dich nun geflissentlich………

        • @Georg:
          Witzigerweise ist die Schwester des Rechtsaußen-Pfarrers von St. Martini selbst evangelische Pfarrerin – er kann ja erst einmal in seiner eigenen Familie für Ordnung sorgen, bevor er seinen Unsinn auf Youtube verbreitet….

        • @Georg: Diese Fundamentalisten (oder auch: Pietcongs, wie wir sie in früheren Jahren mal nannten) gibt es leider. Da ist nichts von einem menschenfreundlichen Gott zu erleben, einem mitleidenden, sym-pathischen im Wortsinne – und gerade die vergessen in ihrem Bibelstellen-Eifer ausgerechnet die Maxime: „Der Mensch ist nicht für die Thora (das Gesetz), sondern die Thora ist für den Menschen geschaffen worden.“
          In dem Sinne eine frohmachende Weihnachtszeit!

    • @Georg: Boah – da hat jemand extra im alten Testament gewühlt, um so was zu finden – oder irgendwo gelesen und für solche polemischen Zwecke aufbewahrt…..

      • @Nogger:

        Wenn man ein „Regelwerk“ akzeptiert, darf man sich halt nicht nur die Regeln raussuchen, die einem genehm sind, sondern muß auch die in Kauf nehmen, die einem nicht so recht ist, nach dem Motto:

        Herr Richter, daß die STGB §xyz gelten ist ja ganz ok. aber muß denn unbedingt noch §abc Anwendung finden.

      • @Nogger:
        Ganz ernsthaft, da muss man nicht wühlen.
        Sowas findet man ganz schnell. Ich finde solche Textstellen nicht weiter schlimm, da sie eben im zeitlichen Kontext gesehen werden müssen, aber wenn man dann mit jemandem Kontakt hat, der seinen Glauben missionarisch und wortgetreu auf die Bibel aufbaut, dann ist es doch OK, diese Zitate rauszuholen.

        Und er bezog sich ja dann ganz gezielt auf einen bestimmten Pfarrer und hat es nicht verallgemeinert.

        Ich persönlich empfinde es recht komisch, wie sich viele Gläubige aus diesem Buch nur die angenehmen Sätze raussuchen.

        erinnert mich an eine Diskusion, wo es um die bösen Sätze aus dem Koran ging. Als ich dann einige Zitate aus der Bibel vortrug, wurde mir gesagt, dass dies ja aus dem alten Testament wäre und das nicht mehr gilt.
        Ich sprach dann nur noch mal kurz die 10 Gebote an :-)

  2. Und noch was: Als Homosexueller würde ich mich ohne Probleme von einem katholischen Priester bestatten lassen, der getreu der Devise „Jeder Jeck ist anders und im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen“ kein Problem mit mir hat. Selbst ein Pfarrer, der das vielleicht etwas anders sieht, aber den lieben Gott für Weitherziger hält als sich selbst würde ich tolerieren. Aber wenn der Pfarrer der Meinung ist, dass er mich auf den direkten Weg in die ewige Verdammnis bringen muss, dann schaue ich doch sicher nach Alternativen, oder?

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