Bestatter bleiben immer häufiger auf ihren Kosten sitzen

Drei bis zwölf Monate warten Bestatter mitunter auf die Begleichung ihrer Bestattungsrechungen bei Sozialbestattungen.
Manche Kollegen müssen gar bis zu anderthalb Jahren auf ihr Geld warten, bis die zuständige Sozialstelle die erforderlichen Bedürftigkeitsprüfungen abgeschlossen haben und selbst bei positiver Prüfung vergehen zwischen acht Wochen und einem weiteren Vierteljahr bis die Beträge dann endlich auf dem Konto des Bestatters landet.

Geld, das die Bestatter dringend brauchen, gehen sie doch für alle mit der Bestattung verbundenen Kosten oft in Vorleistung und kaum ein Zulieferer, wie z. B. der Gärtner ist bereit diese monate-, ja jahrelange Warterei mitzumachen. „Personalkosten, Miete, Materialkosten, das muß ich doch alles sofort bezahlen. Ich kann auch nicht zu meinem Vermieter gehen und sagen: ‚Hör mal, du bekommst Deine Miete erst in anderthalb Jahren.‘ Aber mit uns können die das ja machen!“ schimpft ein Bestatter aus dem Ruhrgebiet in einer Mail an das Bestatterweblog.

Bestattungsunternehmer D. aus einer Stadt in Mitteldeutschland klagt: „Die Frechheit ist, daß die gleiche Stadtverwaltung zu der das Sozialamt gehört, das uns so lange zappeln läßt, auf der anderen Seite als Friedhofsbehörde von uns die sofortige Begleichung aller Rechnungen verlangt. Und das im selben Fall! Die holen sich doch auf diese Weise zinslose Kredite bei uns Bestattern.“

In manchen Kommunen konkurrieren städtische Bestattungsunternehmen mit niedergelassenen Bestattern. Obwohl längst geklärt ist, daß die kommunalen Eigenbetriebe bei der Auftragsvergabe nicht bevorzugt werden sollen, wittern manche Bestatter hier einen üblen Filz. Kollege Richard F. aus Nordbaden mutmaßt: „Es ist doch erstaunlich, daß wir von den Altenheimen, die in städtischer Trägerschaft stehen, keinen einzigen Sterbefall bekommen.“
Er befürchtet, daß das Pflegepersonal beim Griff zum Telefonhörer nur eine ganz bestimmte Nummer wählen darf, nämlich den des kommunalen Bestattungsbetriebes.
„Erstaunlicherweise hört man bei denen aber nie, daß die länger als unbedingt notwendig auch ihr Geld warten müssen“, moniert F. die Situation und unterstellt: „Man könnte ja fast glauben, daß die langen Wartezeiten auf das Geld absichtlich eingebaut werden, um uns freien Bestattern das Wasser abzugraben und diese Aufträge madig zu machen.“

Vor allem für die kleinen Familienbetriebe bedeuten Zahlungsausfälle ein großes finanzielles Risiko. Zu den Sozialbeträgen, die übers Jahr auch schon mal fünfstellig werden können, kommen noch Zahlungsausfälle bei Kunden hinzu, die an und für sich in wirtschaftlichen intakten Verhältnissen leben.

„Geiz ist geil, das war der blödeste Spruch, den sich eine Firma hat einfallen lassen. Den Menschen wird suggeriert, sie könnten bei allem sparen auf Teufel komm raus und bekämen dafür die gleiche Qualität und den gleichen Service wie wenn sie einen angemessenen Preis bezahlen. Manche meinen jetzt, sie bräuchten gar nicht mehr bezahlen und beim Bestatter kommt das böse Erwachen ja immer erst, wenn die Rechnung kommt und dann fällt den Leuten ein, daß Geiz ja so geil ist“, beschwert sich Ruth-Kathrin B., kaufmännische Leiterin eines mittleren Institutes im Rheinland.

Sie spricht damit einen Punkt an, den viele Bestatter kennen. Wenn sich die erste Trauer gelegt hat und die teuer bestellte Beerdigung vorbei ist, haben die Menschen nichts mehr, woran sie sich materiell festhalten können. Aber genau dann kommt die Bestatterrechnung und erst im Nachhinein wird ihnen bewußt, daß sie dafür keine weitere Gegenleistung mehr zu erwarten haben, sondern mit dem Beerdigungstag nahezu alles vorbei ist. Dafür nun auch noch recht viel zu bezahlen, sehen dann viele nicht mehr ein. Sie suchen dann förmlich nach Fehlern und Dienstleistungspannen, um einen möglichst hohen Betrag von der Rechnung einbehalten zu können.

„Wenn’s mal 60 oder 100 Euro waren, habe ich gar nichts mehr gesagt. Mit denen dann zu argumentieren und sich herumzustreiten, das bringt doch nichts“ sagt Bestatter F.: „Aber seit letztem Jahr gebe ich alles meinem Anwalt. Ich habe da keine Lust mehr dazu und mir fehlen am Jahresende durch diese Meckerei über 10.000 Euro.“

Aber nicht nur kleinere Abzüge an den Rechnungen machen den Bestattern zu schaffen, sondern es gibt auch zunehmend Fälle von absoluter Zahlungsverweigerung. Die Kunden erhalten die Rechnung und reagieren überhaupt nicht.
Bestatter F.: „Gut, manche haben einfach die Kohle nicht. Aber das hätten sie einfach vorher bei der Auftragsvergabe und der Beratung sagen müssen. Mensch, wir haben doch für jeden Geldbeutel was da und notfalls könnten die auch in kleinen Raten bezahlen.“

Vielfach aber, so erklärt er weiter, seien auch Erb- und Familienstreitigkeiten der Hintergrund: „Da unterschreibt die Tochter den Auftrag bei uns und dann erbt der Sohn das Haus. Die Tochter sieht nun nicht ein, daß sie alles bezahlen soll und legt die Hände in den Schoß. Gegen den Sohn haben wir aber keinerlei Ansprüche, er hat ja den Auftrag gar nicht unterschrieben.“

Ein Kölner Bestatter sagt: „Die heben einfach die Finger, die machen den Offenbacher“ und spielt damit darauf an, daß manche Kunden zwar vorher groß bestellen, es hinterher aber in Kauf nehmen lieber eine Eidesstattliche Versicherung (früher Offenbarungseid) abzugeben, als die Kosten zu begleichen.

„Ich kann doch nicht vorher von denen einen Finanznachweis fordern“, sagt Bestatter F. dazu, sagt aber auch: „Manchen Leuten sieht man es ja auch an oder bekommt es im Beratungsgespräch mit, was da los ist und dann mache ich es so wie alle Kollegen hier in der Stadt: Kohle auf den Tisch, Vorkasse, sonst schick ich die wieder weg.“

Dabei wäre alles so einfach. Eine rechtzeitig abgeschlossene Sterbegeldversicherung ermöglicht es, in kleinsten monatlichen Beiträgen für den Todesfall vorzusorgen, dann gibt es hinterher diese Probleme nicht.

Hintergrund

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  • Veröffentlicht am: 4. Juni 2008
  • 12 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

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Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

12 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Natürlich waren öffentliche Auftraggeber schon immer schlecht zahlende Auftraggeber. Sie hatten halt in vielen Bereichen die Marktmacht. So haben sie bei den Ingenieuren, den Sachverständigen, beim Bau immer mehr kleinere Firmen zerstört und sind nun von großen abhängig, die längst herbe Vertragsstrafen in ihre Verträge eingebaut haben.

    Also müssen jetzt alle anderen warten und warten und warten …

    Diese Art von Nichtmoral weitet sich immer weiter aus, bis alle sich darauf einigen das man nicht bezahlen muss. Das Ende der Wirtschaft oder das man alles auf Vorkasse bezahlen muss, was dem Betrug Tür und Tor öffnet.

  2. 1. Warum nehmen Bestatter keine Vorschüsse?

    Wenn der Kunde bestellt, ist ja meist schon klar, wieviel die Bestattung ungefähr kostet. Dann wäre es ja möglich, dem Kunden eine "sofort zahlbare" Rechnung zu übersenden – und wenn kein Geld eingeht, fällt die Bestattung halt aus.

    2. Bei Sozialbestattung vs städtische Rechnungen an den Bestatter – wie wäre es hier mit Aufrechnung?

    Ich verstehe die Schilderung so, dass bei Sozialbestattunge einerseits Anspruch gg Sozialamt auf Bestattungskosten besteht, andererseits fallen aber auch sofort städtische Kosten an. Die Stadt will nun einerseits die Kosten sofort haben, während sie euch andererseits mit dem Bezahlen der Sozialbestattung Zeit läßt.

    Hier könntet ihr doch die sofort fälligen Kosten gg Anspruch auf Zahlung der Sozialbestattung aufrechnen?

    Grüße

    Christina, die zwar nix mit Bestattungen zu tun hat, aber auch selbstständig ist, und die Zahlungsmoral kennt :-(

  3. Das gleiche passiert doch mit großen Konzernen. Großes Unternehmen beauftragt einen kleinen Handwerker mit einer Reparatur. Der erledigt das, schreibt eine Rechnung, nichts tut sich. Dann wird das Zahlungsziel ewig ausgereizt, der Handwerker kann ja nichts machen und klagen wird er nicht, er will ja die zukünftigen Aufträge nicht verlieren, immerhin ist das ein großes Unternehmen…

    Eigentlich ist das eine Schweinerei, aber der Punkt ist, man kann ja leider nichts machen!

  4. ‘Hör mal, du bekommst Deine Mieter erst in anderthalb Jahren.’

    Na wenn sie wenigstens Miete bezahlen… ;-)

    Nee, nee. Das ist schon übel. Sowas sollte man vielleicht auch mal gross ins Fernsehen bringen. Was sagen eigentlich die Bestatterverbände dazu? Kann man da nicht mal richtig streiken? Oder Friedhöfe blockieren? Ich weiss, pietätloser geht es kaum.

  5. Natürlich ist das alles nicht schön, aber weshalb sollte es Bestattern da besser ergehen als anderen?

  6. Es ist schon sehr traurig, dass die negative Zahlungsmoral mancher Kunden besonders die kleinen Betriebe in arge Bedrängnis bringt oder sogar dazu beiträgt, dass sie schließen müssen.

    Man sollte meinen, dass jemand sich vorher überlegt, was er zahlen kann und was nicht. Natürlich kann man mal unvorhergesehenerweise in Bedrängnis geraten, aber dann kann man doch darüber sprechen und vielleicht Ratenzahlung anbieten, worauf sich der Auftragnehmer wahrscheinlich auch einlassen wird, damit er überhaupt Geld sieht.

    Lieber Gruß

    Isabell

  7. Normalerweise geht das Sozialamt doch in Vorleistung. Tun sie ja z.B. bei Rentenansprüchen auch. Also haben Sie erst zu zahlen und dann die Bedürftigkeitsprüfung zu machen bzw. zu prüfen, ob Verwandte da sind, von denen sie sich die Kosten zurückholen können. Wie begründen die das denn?

  8. Natürlich ist das alles nicht schön, aber weshalb sollte es Bestattern da besser ergehen als anderen?

    @at

    Denen solls nicht besser gehen, aber denen gehts schlechter.

    Versuch doch mal nen Großbild-Fernseher zu kaufen:

    Lieber xxx Markt, gib mir erstmal die Glotze und in 4 bis 18 Monaten erfährst du dann, ob du 10, 20, 50 oder 100 % von deinem Geld bekommst.

    Lächerlich oder? Vom bestatter wird aber GENAU DAS verlangt. Eigene Leistungen bringen (1000 bis 1500 Euro) Fremdleistungen auslegen (nochmmal 1000 bis 2000 Euro, wenn Friedhof dazugehört ann auch deutlich mehr)

    Ich mache also Eigenumsatz 1500, Gewinn darin (mit viel Glück 150) und um diese 150 Gewinn zu erzielen, gehe ich mit rund 4 bis 6000 Euro in Vorleistung – und bekomme, wenn ich Pech habe, nach 8 Monaten mitgeteilt, dass NIEMAND die kosten übernimmt. Dann habe ich statt 100 oder 150 Euro zu verdienen eher 1000 bis 6000 verloren.

    Das hat auch mit Forderungsausfall oder normalem Geschäftsrisiko nix zu tun. Du WEISST vorher, dass das total wackelig ist und machst es dann trotzdem.

    Würdest du unter diesen Umständen arbeiten?

  9. Könntet ihr nicht versuchen, dass wie beim Vorsteuerabzug einfach von euren Steuern abzuziehen und dem Finanzamt sagen, dass das Geld ihnen vom Sozialamt zugehen wird ? Bzw. wenn dann einer zur Vollstreckung kommt, dann gebt ihr ihm einfach den positiven Prüfungsbescheid vom Sozialamt

    Ansonsten habe ich (auch Selbstständig) mit http://www.inkasso-sofort.de sehr gute erfahrungen gemacht (kostenlos und super einfache online beauftragung)

    (ach und nein ich arbeite da nicht … nur so als tipp… vieleicht hilfts ja einem )

  10. Oh man das kommt mit bekannt vor, auch wenn in kleineren Dimensionen , denn uns Krankenymnasten geht es zt ähnlich da werden falsche Adresse und , Telefon Nummern beim Arzt und uns vorgelegt , wenn man gesetzlich versicherte nach dem 3-4 Mal wiederholt an die Zuzahlung (10% des rezeptwertes + 10€ erinnert also bei Fango Massage , Kassenabhänig ca 20€) kommt man dann gar nicht mehr , ruft nicht an etc oder redet sich raus.

    Über die übliche Wege bekommt man ja alles raus , aber dann heben so manche auch die Finger für ihren Offenbarungseid.

    Am allerliebsten sind mir aber die Selbständigen , die zwar von ihrer Kasse die Kosten ersetzt bekommen, aber nicht im Traum an die Zahlung denken , wo man sogar bis zu Pfändungsverfahren gehen muss .

    OK das sind zwar Ausnahmen, aber wegen diesen Leute geht mein Blutdruck echt durch die Decke.

    Positiver Weise können wir auch einiges des Stresses bei gesetzlich versicherten auf deren Kassen umlegen, wenn man mit den Abzügen, für deren Bearbeitung leben kann.

  11. @7: Wäre schön, wenn es so wäre.

    Allgemein: Das machen Sozialbehörden nicht nur mit den Toten, sondern auch und noch viel lieber mit den Lebenden, die man dadurch herrlich erpressen und runtermachen kann.

    Ich bin erwerbsunfähig, und weil die Rente nicht mal für die Miete reicht, vom Sozialamt abhängig. Seit August letzten Jahres versuche ich, die Kosten für eine neue Brille zu bekommen. Nach unbegründetem Ablehnungsbescheid, Widerspruch und (schwachsinnig) begründetem Ablehnungsbescheid warte ich jetzt seit Februar darauf, daß das Sozialgericht meine Klage bearbeitet. Wenn da weiterhin nichts passiert, kann ich da auch noch eine Beschwerde einreichen — es dauert nicht mehr lange, und ich bin nicht mehr straßentauglich, das wäre dann quasi vom Amt verschuldeter Hausarrest.

    Mit uns Armen kann man's ja machen, wir sind nur noch sozialer Abfall, auf dessen "sozialverträgliches Frühableben" Staat und Gemeinden ja nur warten.

    Als Bestatter kriegt ihr davon sozusagen noch den letzten Rest ab. Wer weiß, vielleicht werde ich ja gar nicht mehr bestattet, wenn es für mich mal soweit ist, sondern nur noch in die Müllverbrennungsanlage gekippt …

    Gruß, Frosch

  12. Bauern können ihre Milch wegkippen.

    Ein Bestatter hat es ja nicht mit einer ganzen Stadtverwaltung zu tun, in der gerade alle miteinander am Sachlage prüfen sind.

    Es fast immer ein oder zwei selben Sachbearbeiter.

    Was nun? Fernseher oder Kugelschreiber? Oder etwa ein Liebesverhältnis beginnen? Friedhofsgebühren an die Gemeinde vorstrecken? Ja gehts noch? Ist der Bestatter der Schuldner oder der Bestattungspflichtige? Rechnungen der Stadt sofort weiterleiten und bei jenem in den Briefkasten schmeissen. Er kann damit ja zur Stadt rennen. Gleichzeitig Rückantwort an die Stadt: Was geht das mich an?

    Ansonsten: Mahnung 1 – Mahnung 2 – Inkassobüro.

    Wer bestellt und weiß, dass er nicht zahlen kann, begeht der nicht eine Straftat? (Betrug?) Keine Angst, dass ihr einen Kunden verprellen könntet, dafür kommen die Verprellten der Konkurrenz zu Euch und dann stimmts wieder. Da müssen sich alle Bestatter des Bezirks einig sein. Trefft ihr euch nie zum Stammtisch? Ach, da macht einer nicht mit? Macht auch nichts, als guter Kollege vermittle ich ihm diese Aufträge indem ich ihn als das genau richtige Institut weiterempfehle! Bis er glücklich ist.

    Es gibt doch da einen Bestatterverband – mhm – wofür ist der eigentlich gut? wäre dass nicht auch seine Aufgabe? Kämpfen für die Mitglieder wie eine Gewerkschaft? Wäre das nicht was für die IG Bergbau? Die hat doch ohnehin Mitgliederschwund und artverwandt wäre das Ausheben einer Grube doch allemal.

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