Bestatter verlor Sarg auf der Straße

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Englische Medien berichteten von einem Fall, bei dem ein Bestatter einen Sarg auf offener Straße verloren hat.
Ein Kollege fragte mich, ob ich das Foto für echt halte.

Ich kann nicht ausschließen, daß diese Situation insgesamt gestellt ist. Um in den (sozialen) Medien und bei YouTube nach vorne zu kommen, lassen sich ja manche alles Mögliche einfallen und es wird dabei auch ganz schön geschummelt.

Aber bei diesem Bild halte ich es durchaus für wahrscheinlich, daß es echt sein könnte.

Englische Bestattungswagen sind recht hoch. Sie werden ohne seitliche Gardinen mit sehr viel Blumen auf dem Sarg gefahren.
Vielleicht erinnert sich der eine oder andere in diesem Zusammenhang auch an die Sargfahrt mit Lady Diana.

In diesem Fall hier sieht es für mich so aus, als habe der Bestatter es sich einfach gemacht und gleich zwei Särge auf einmal transportiert.
Dabei muß er die Särge aufeinander gestellt haben. Anders ist es nicht zu erklären, wie der herausgefallene Sarg auf die Höhe des Rückfensters kommt.
Macht man dann keine richtige Ladungssicherung, kann schon beim Anfahren an einer Ampel (und die gibt es ja auf dem Foto) der obere Sarg ins Rutschen kommen und nach hinten sausen.
Dazu bedarf es noch nicht einmal einer besonders hohen Beschleunigung oder Geschwindigkeit.
Insofern sind die Kommentare in den sozialen Medien Quatsch, die da schreiben: „Warum ist der auch so schnell unterwegs, sein Passagier hat es ja nicht mehr eilig.“

Das ist nämlich in erster Linie eine Frage der Adhäsion und der Reibung.
Ein Bierkasten im Kofferraum, der auf einem fest verlegten Stück Teppich steht, kommt kaum ins Rutschen. Ist der Boden des Laderaums aber glatt oder steht der Bierkasten auf einer anderen glatten Oberfläche, rutsch er selbst bei kleinen Lenkbewegungen hin und her. Jeder, der selbst Auto fährt, kann das bestätigen.

Und Sarg auf Sarg ist per se keine stabile Geschichte.

Danke an Boandlkramer für einen Link zum Bild.

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  • Veröffentlicht am: 24. Oktober 2016
  • 9 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Fundstücke

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

9 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Wenn ich mich richtig erinnere war Lady Dianas Sarg auf einem offenen Katafalk, umgeben von Blumen, nich in einem Leichenwagen.

    • @Ralf E: Du hast zum Teil recht. Zur Kirche wurde sie auf einem Katafalk gefahren, aber danach in einem Bestattungswagen. Sieh Dir dazu das Video oben im Beitrag an.

  2. Lieber Peter, Du findest immer schöne Bilder: das mit dem Bierkasten wird wohl den meisten unter uns einleuchten ;-D

  3. Hm, aber man müsste doch, angenommen die Situation ist echt, zumindest ein paar Scherben/Glassplitter auf der Straße sehen. Für mich ist das Bild eher gefaked.

    • Dafür ist die Qualität des Bildes zu schlecht. Man kann nur mutmaßen, ob es sich bei den helleren Artefakten links unterhalb und neben dem Sarg um solche Splitter handelt.
      Da man das aber nicht richtig sehen kann, ist das weder ein Beweis für, noch gegen das tatsächliche Geschehen.
      Außerdem muß man berücksichtigen, daß das Anfahren des Fahrzeugs und das Durchschlagen der Heckscheibe vermutlich einige Meter zuvor geschehen ist. Die Splitter lägen dann dort, wo der Wagen steht, aus dem die Aufnahme gemacht worden ist.

  4. Sieht für mich sehr gestellt aus.
    1.) der Sarg ist nicht beschädigt. Ein voller Sarg müsste bei einem solchen Aufprall zumindest beschädigt sein.
    2.) der Sarg steht schräg am Auto. Das Anfahren und durchschlagen der Scheibe kann also nicht einige Meter vorher geschehen sein.

  5. Hi, ich bin Schadensgutachter für Logistik und Transportschäden bei der HUK.
    Wenn ich mir das Bild anschaue, komme ich allein durch Inaugenscheinnahme zu dem Ergebnis, daß der Fahrer die Ladung nicht gesichert hatte. Durch das Anfahren wurde die Ladung (Trägheit der Masse) nach hinten beschleunigt. Das geht nicht, wenn man langsam anfährt, da käme es nur zu einem Verrutschen.
    Man kann aus der Lage des Sarges schließen, dass das Fahrzeug 3-4 Meter zurückgelegt hat.
    Bei einer angenommenen Länge des Sarges von 2 m, plus Verzögerung durch Reibung, ergibt sich diese Distanz.
    Der Fahrer muss die Bewegung des Sarges wahrgenommen haben. Grundsätzlich sind solche Geräusche immer hörbar und fallen einem Autofahrer auch regelmäßig auf.
    So werden das Durchschlagen der Heckscheibe und ein eventuelles Bremsmanöver recht gleichzeitig stattgefunden haben.
    Aus diesem Grund hat der Sarg keine sichtbaren Beschädigungen.
    Nach meinem Dafürhalten sind die hellen Punkte auf dem Boden sehr wohl Rückstände von Securitglas. Das meiste davon dürfte aber im nicht einsehbaren Bereich vor dem Kfz liegen, aus dem diese Aufnahme gefertigt wurde.
    Ich hätte keine wie auch immer gearteten Zweifel, dass es sich um einen echten Unfall handelt.

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