Bestattung zu ungewöhnlicher Zeit

Kann man eigentlich wirksam testamentarisch verfügen, daß man im Morgengrauen beerdigt werden möchte, um den Bestatter und die bucklige Verwandtschaft zu ärgern? ;)

Dem Bestatter ist das scheißegal. Wenn Du dafür bezahlst, hüpfen die Sargträger notfalls auch auf einem Bein zum Grab.
Es hat aber etwas mit den örtlichen Gegebenheiten zu tun. Solche oder ähnliche Wünsche, etwa eine Bestattung zur Nachtstunde, haben wir häufiger. Das Friedhofsamt muss es genehmigen und die Friedhofsmitarbeiter müssen separat bezahlt werden. Wenn alle mitmachen, dann läuft das so nach Kundenwunsch. Aber es müssen eine Menge Leute mitmachen:

1 Mitarbeiter des Bestattungshauses
1 Friedhofsverwalter
4 Sargträger
1 Organist
1 Pfarrer
2 Messdiener (evtl.)

Wenn die Bestimmungen es zulassen, eine Genehmigung erteilt wird und die notwendigen Leute an einem Strang ziehen, gehen also auch aussergewöhnliche Uhrzeiten.

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Peter Wilhelm28. Mai 2012

14 Kommentare von 138942.

  1. Wieso denn absurd? Ich würde sowas eher als individuell bezeichnen wollen. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einer schönen Seebestattung bei Vollmond? Hat ja schließlich nicht jeder …

    Es heiratet ja auch nicht jeder in einer ordinären Kirche (ich habe es zum Beispiel auf einem Leuchtturm getan).

  2. Nun, die Anzahl der Leute, die da mitspielen müssen, kann ja auch geringer sein, wenn es keine kirchliche Geschichte werden soll.

    Bei uns waren lediglich ein Mensch von der Friedhofsverwaltung und einer (oder zwei?? Hier bin ich mir gerade nicht sicher.) vom Bestattungsunternehmen da, die auch die Urne mitgebracht und dann beigesetzt haben.

    Bei der Trauerfeier hatten wir einen freien Redner, aber ich kann mich gerade nicht mehr daran erinnern, ob der auch am Grab mit dabei war. Ich glaube aber nicht.

    Das war's schon.

    Ich bin übrigens schon sehr auf Deinen Artikel zur Seebestattung gespannt.

    Unser Bestattungsunternehmen konnte dem Wunsch leider nicht nachkommen, weil es kein notariell beglaubigtes Schriftstück gab, was auch belegen konnte, dass eine solche Bestattung erwünscht war. :(

    Das war schon sehr traurig. Aber wie das eben so ist: man rechnet einfach nicht mit einem frühen Tod. Vor allem nicht, wenn jemand nicht krank ist. Daher legt man solche Sachen ja meist auch nicht früh genug fest.

  3. @Steffi: Natürlich hängt der Aufwand für eine Bestattung immer auch von den Umständen ab. :-)

    Bezügl. Seebestattung: Normalerweise heisst es, dass der Verstorbene eine innige Beziehung zur See gehabt haben soll bzw. diesen Wunsch zu Lebzeiten (am besten schriftlich) geäußert haben soll. Ich persönlich habe wenigstens 300 Seebestattungen durchführen lassen und noch niemals hat irgendwer ein Schriftstück verlangt.

    Wenn bei uns allerdings jemand eine Vorsorge abschliesst und eine Seebestattung wünscht, lassen wir ihn handschriftlich bestätigen, dass er schon immer so eine innige Beziehung gehabt hat und das wünscht.

  4. @undertaker:

    Das ist ja mal interessant zu wissen.

    Ich fands schade, dass es nicht geklappt hat, aber so wurde es halt eine normale Urnenbeisetzung, und das war auch okay.

    Was mich auch interessieren würde: man muss dem Toten ja nicht zwangsläufig in ein Totenhemd stecken, sondern kann eigene Kleidung mitbringen. (Was ich persönlich sehr gut finde. Klar, eigentlich ist das vollkommen schnuppe, aber wenn gerade jemand sehr nahestehendes gestorben ist, fällt meist rationales Denken schwer.)

    Warum gehen BHs nicht? Wegen dem Metall, dass da drin steckt (Verschlüsse, Bügel evt.)?

  5. Es heiratet ja auch nicht jeder in einer ordinären Kirche (ich habe es zum Beispiel auf einem Leuchtturm getan).

    hehe… wars der Pilsumer?

  6. Nein, das war Wangerooge.

    Apropos Seebestattung: Dafür hatte ich mich auch schon mal interessiert und herausgefunden, daß man sich in Deutschland nicht so ohne weiteres eine Seebestattung wünschen kann, sondern daß der Verstorbene dazu einen besonderen persönlichen Bezug zur See gehabt haben muß. Stimmt das?

  7. TESTAMENTARISCH verfügen, den Beerdigungsritus ist ne Scheißidee. Verschlossene Testtamente werden eröffnet lange nach der Beisetzug!

  8. Da muss man aber eine wirklich flexible Friedhofsverwaltung haben.

    Bei uns hier jammern die ja schon rum, wenn man die Bestattung Freitag nachmittag (14 Uhr) durchführen will. Beerdigung am Samstag wird gleich kategorisch abgelehnt.

  9. Ich sag ja auch nicht, dass die vor Freude ausflippen. Wenn Kunden sowas wünschen, hinterfragen wir zuerst mal, warum das so sein soll, also beispielsweise morgens um 5 Uhr.

    Meistens heisst es dann, man wolle nicht dass bestimmte Leute kommen. In solchen Fällen bieten wir eine unangekündigte Beisetzung an, bei der weder in der Zeitung, noch auf den Anschlagbrettern irgendein Hinweis gegeben wird. Das erfüllt dann oft den Zweck.

    Samstags hatten wir schon, auch schon mal abends um 21 Uhr. Einfach ist das nicht.

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