Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturkreisen -Christentum-

Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturen

2. Bestattungsriten in den verschiedenen Religionen

2.1. Christentum

Das Christentum ist eine monotheistische Religion (es gibt nur den einen, einzigen Gott).
Christen berufen sich auf Jesus Christus und die Heilige Schrift. Bedeutung in der Bibel hat der Gedanke der Sünde. Durch die Auflehnung Adams gegen Gottes Gebot wurden die Menschen aus dem Paradies vertrieben, sie wurden sterblich. Durch die Sünde kam der Tod in die Welt. Jesus ist gekommen, um die Sünder zur Buße zu rufen und ihnen zu vergeben. Durch den Tod Jesus am Kreuz wurden die Menschen von ihren Sünden erlöst. Jesus Auferstehung drei Tage nach seiner Kreuzigung bedeutet für Christen die Hoffnung auf ein neues Leben nach dem Tod, auf ein ewiges Angenommensein vor Gott.
Es bekennen sich weltweit etwa 1,8 Milliarden Menschen zum Christentum.
Jedoch gibt es Untergruppen der Gläubigen die trotz dem gleichem glauben an den nur einen einzigen Gott immer noch Unterschiede in ihren verschiedenen Bestattungskulturen aufweisen.
Einigkeit herrscht jedoch im weitgehenden Verzicht auf anonyme Bestattungen. Der Mensch hat in der Taufe vor Gott einen Namen bekommen und kann daher nicht als anonymes Wesen behandelt werden.
Als Symbol bei christlichen Trauerfeiern wird das Kreuz verwendet, das Sinnbild für den Kreuztod Jesus. Eine Variante praktiziert der griechischkatholische Zweig, der ausschließlich auf das dreiarmige Kreuz zurückgreift, in der Heraldik als „orthodoxes Kreuz“ bezeichnet.

2.1.1. Protestanten:

Sie betreiben allgemein wenig Pomp rund um den Tod. Sargbeigaben sind nicht üblich. Für die religiöse Handlung aus Gebeten, Lesungen, einer Predigt, dem Votum und dem Segen werden keine Kultgegenstände benötigt. Erd- und Feuerbestattungen sind gleichermaßen üblich. Am Sonntag vor dem ersten Advent wird der Ewigkeitssonntag begangen (Totensonntag).In einem Gottesdienst werden die Namen der im vergangenen Jahr Verstorbenen verlesen. Inzwischen hält bei Protestanten und selbst Konfessionslosen der katholische Brauch Einzug, an diesem Tag auf den Gräbern Kerzen zu entzünden.

2.1.2. Katholiken:
Seit der Papst 1963 das Verbot der Feuerbestattung aufhob, ist es auch für Katholiken möglich, sich verbrennen zu lassen. Durchgesetzt hat sich dies unter ihnen jedoch nicht. Die römisch-katholische Trauerfeier besteht aus Gebeten, dem Wortgottesdienst, einer Lesung, einer Ansprache, Fürbitten, der Grabsegnung und einem abschließenden Segenswort. Als Sargbeigabe kann auf Wunsch der Angehörigen ein Handkreuz oder ein Rosenkranz mitgegeben werden. Im katholischen Raum spielen die beiden Toten-Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen noch heute eine große Rolle als Familienfest. Die Seelen Verstorbener, die vor Gottes Gericht bestanden haben, wähnt man vor ihrer Aufnahme in den Himmel an einem Ort der Reinigung. Durch Messopfer und Gebete können die Angehörigen dazu beitragen, diese Zeit zu verkürzen.

Üblich ist es auch, eine vollständige Messe (also nicht nur Wortgottesdienst, sondern auch Eucharistie mit Kommunion) vor der Beerdigung zu feiern und dann geht es auf den Friedhof mit Prozession zum Grab. Oder aber man feiert in kurzem Abstand zur Beerdigung noch das Requiem als Totenmesse.

Und sowohl bei der Totenmesse vorher, als auch bei Beerdigung und Requiem wird wenn möglich die Feier mit Kreuz-Tragen und Weihrauch gestaltet.

In vielen Regionen wird auch Wert auf das so genannte Sechswochenamt gelegt. Genau sechs Wochen nach der Beerdigung treffen sich nochmals alle Trauernden in der Kirche und feiern eine gemeinsame Eucharistiefeier zum Gedenken an den Verstorbenen.

2.1.3. Altkatholiken:

Sie verzichten auf den Rosenkranz, auf Weihrauch und Weihwasser, ebenso auf Gesang in lateinischer Sprache und Marienverehrungen.

2.1.4. Griechisch-katholische:

Ihre Zeremonien dauern sehr lange. Je nach Nationalität der Familie werden Gebete, Lesungen, Fürbitten und Lossprechungen in kirchenslawischer, ukrainischer oder deutscher Sprache gehalten. Psalmen und Segnungen werden vom Kirchensänger übernommen.
2.1.5. Zeugen Jehovas:

Jehovas Zeugen glauben an ein Ende der Welt, dem all Ungläubigen zum Opfer fallen werden. Sie glauben, dass Gott bald auf der Erde eingreift und alle Menschen richtet. Sie glauben nicht an ein Weiterleben der Seele nach dem Tod, sondern gehen von einer Auferweckung des körperlichen Menschens zum Leben auf eine paradiesischen Erde aus. Da nach ihrer Überzeugung Christus an einem Pfahl starb, wird das Kreuz als Symbol vermieden. Dem Verstorbenen wird keine Erde in das Grab nachgeworfen. In der Bestattungsfeier wird gesungen und gebetet. Fälschlicherweise wird in manchen Publikationen behauptet, die Zeugen Jehovas verzichteten auf eine individuelle Würdigung des Toten. Tatsächlich gehört es aber zu den Beerdigungsfeiern, daß der Tote erwähnt und in den Ansprachen ausgiebig berücksichtigt wird. Weltliche Musikstücke werden von den Zeugen Jehovas eher nicht toleriert.

2.1.6. Heilige der Letzten Tage (Mormonen):

Grundsätzlich kann die Bestattung von einem normalen Bestatter durchgeführt werden. Zu den Beerdigungsritualen gehört, daß Glaubensbrüder (bei Männern) bzw. Glaubensschwestern (bei Frauen) den Verstorbenen einkleiden. Heilige der Letzten Tage bereiten sich vom Eintritt in die Glaubensgemeinschaft an auf den Besuch eines ihrer Tempel vor und sind angehalten diese Tempel häufig zu besuchen. Die Tempelbesuche sind u.a. mit dem Tragen einer rituellen Tempelkleidung verbunden. Überdies tragen Mormonen stets das sogenannte Garment eine Unterwäsche, der eine besondere religiöse Bedeutung beigemessen wird.

Im Glaubensbild der Heiligen der Letzten Tage ist das irdische Dasein nur eine Übergangsphase. Sie glauben aus der göttlichen Nähe zu kommen, eine Weile auf Erden zu leben und dann wieder in die göttliche Nähe zurückzukehren. Deshalb ist es besonders wichtig, daß auch durch das Anlegen der rituellen Kleidungsstücke beim Verstorbenen gezeigt wird, daß dieser auf die kommenden göttlichen Segnungen vorbereitet ist.

Einäscherungen sind erlaubt aber eher unüblich, sie ’sollen‘ nicht durchgeführt werden.
Zur Trauerfeier werden Choräle oder sonstige Lieder aus dem Gesangbuch dieser Kirche gespielt oder klassische Stücke. Die Grablegung unterscheidet sich nicht grundlegend von der anderer christlicher Religionen.
Oftmals wird statt Erde oder Sand auf Blütenblätter als Wurfgabe ins Grab zurückgegriffen.
Die Trauerfeiern finden, dort wo es gestattet ist, in den Gemeindehäusern des jeweiligen Kirchensprengels statt. Hierbei wird zumeist auf brennende Kerzen verzichtet, was keine religiösen Gründe hat; in den Gemeindehäusern der HLT ist aus versicherungstechnischen Gründen das Entzünden von Feuer verboten.

Das Singen von Liedern am Grab ist ebenfalls nicht unüblich.