Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturkreisen -Hinduismus-

2.5. Hinduismus

Hinduismus ist ein Sammelbegriff für weit mehr als 100 unterschiedliche Religionen und Glaubensformen. Aus diesem Grunde gibt es auch keine festgelegten, für alle Hindus gültigen Bestattungsregeln.

Doch bei allen Unterschieden, die sich aus den verschiedenen Ausprägungen des Hinduismus ergeben, ist der gemeinsame Nenner der Glaube an die Wiedergeburt, nach dem der Mensch wie jedes Lebewesen nicht nur einmal lebt.

Nach hinduistischem Glauben sucht sich, wie auch im Buddhismus, die Seele des Menschen nach dem Tod einen neuen Körper. Die Entscheidung für die neue Erscheinungsform, egal ob Mensch Tier, Pflanze, Stein oder übernatürliches Wesen wird dabei vom Karma bestimmt, gewissermaßen einer Zwischenbilanz aller Taten- guter wie schlechter- aus den vielen bereits gelebten Leben.
Um das Ziel –die Erlösung- zu erreichen, müssen sich Hindus von der materiellen Welt lossagen und von ihrem physischen Körper trennen. Angesichts des Todes sind alle irdischen Güter und Freuden wertlos. Der Tod wird zur Frage des Seins oder Nichtseins an sich, bedeutet nicht Verzweiflung, sondern ist Befreiung, ist der Übergang von einer alten in eine neue Existenzform. Das heißt nicht, dass Hindus beim Tod eines Menschen nicht trauern. Nur ist der Tod vertraut und Bestandteil der alltäglichen Routine. Waschung, Leichenverbrennungen und Totenprozessionen sind öffentliche Ereignisse. Der Brauch, die Leichen verstorbener Hindus zu verbrennen und die Asche der Natur zu übergeben, ist so alt und ungebrochen, dass es in der hinduistischen Kulturen keine Grabsteine und keine Friedhöfe gibt. Der innigste Wunsch eines Hindus ist es, an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu sterben. Darum werden täglich Tausend von Kranken dorthin gebracht. Wer vor dem Sterben nicht mehr baden kann, dem wird Wasser vom Fluss gebracht. Die Familienmitglieder geben dem Sterbenden reihum löffelweise davon zu trinken. Und so beginnt eine Sterbe- und Totenritual, das mit und für den Sterbenden beziehungsweise Toten vollzogen wird. Denn der Sterbende muss seinen Tod annehmen und rituell darauf vorbereitet sein. Er wird auf einen Platz vor sein Dorf getragen und auf den Erdboden gelegt. Die Stelle wird gereinigt, mit Kuhmist bestrichen oder Blumen bestreut. Der Kopf wird in Richtung Süden gelegt, wo man den Totengott Yama vermutet. Am Kopf wird eine Öllampe mit Butterfett entzündet. Die Angehörigen setzen sich im Kreis um den Sterbenden, bitten die Götter, ihm Schutz zu gewähren und rufen einen Priester der aus den Veden, den ältesten religiösen Sammlungen Indiens, rezitiert. Bereits Tage vor ihrem Ende trinken Sterbende oft nur noch heiliges Wasser und essen nichts mehr, um ihr Inneres von Schmutz zu befreien. Ist der Tod eingetreten, sprechen die Anwesenden Mantras und singen spirituelle Lieder. Der Tote wird gewaschen, gesalbt, geschmückt, in neue Kleider gewandet und aufgebahrt. Die Todesnachricht wird verbreitet und Verwandte, Freunde und Nachbarn können nun Abschied nehmen. Das Feuer als eine Erscheinungsform des Gottes Shiva soll der Seele helfen, sich vom Körper zu lösen. Überall im Land gibt es eigens dafür vorgesehene, als Ghat bezeichnete Verbrennungsplätze.
Heute werden in städtischen Ballungsgebieten die Leichen zunehmend im Krematorium verbrannt, auf Totenrituale wird dagegen nicht verzichtet.
Männliche Angehörige bringen auf einer Bambusbahre oder in einem offenen, geschmückten Sarg den in weißen Tücher gehüllten Leichnam zum Verbrennungsplatz. Der erstgeborene Sohn geht voran. Ihm ersatzweise auch Bruder, Ehemann oder Totenpriester, obliegt es, die Totenrituale durchzuführen. Die Füße des Leichnams werden im Fluss gebadet. Der Verbrennungsplatz wird rituell gereinigt und der Tote auf den oben abgeflachten Holzstoß gebettet.
Alle Anwesenden nehmen noch einmal Abschied und legen Opfergaben, wie Blumen oder Früchte, Reisbällchen oder Süßigkeiten ab. Ein Hindupriester spricht ein Gebet und umkreist den Scheiterhaufen mit einer Öllampe. Mit Wasser besprenkelt der Sohn des Toten nun den Leichnam. Den dafür benutzten Tonkrug zerschlägt er im Anschluss auf dem Boden als Symbol dafür, dass dieses Leben ein brüchiges Gefäß ist. Nun wird noch Butterfett auf die Holzscheite geträufelt, dann setzt er das Feuer in Gang. Beim Mann am Kopfende, am Fußende bei einer Frau. Am dritten tag nach der Verbrennung, wird der niedergebrannte Scheiterhaufen nach Knochenresten durchsucht. Diese und die abgekühlte Asche werden in Tücher gewickelt und dem Ganges, einem Fluss in der Nähe oder dem Meer übergeben oder auch in einem Tontopf in einem Samibaum gehängt.
Sexuelle Enthaltsamkeit gilt für die Söhne eines Verstorbenen einen Monat lang, für die Witwe den Rest ihres Lebens.
An jedem Todestag wird ein Bild des Verstorbenen aufgestellt und mit Blumengirlanden geschmückt. Sein Lieblingsessen wird gekocht und er wird eingeladen, davon zu probieren.
Bis in die jüngste Vergangenheit war es nicht unüblich, dass die Witwen ebenfalls sterben mussten. Hinter den berüchtigten Witwenverbrennungen stand auch der Gedanke der Opferdarbringung. Die Witwen wurden dabei lebendig mit verbrannt. Die hinduistische Tradition sah dies so eigentlich nicht vor. Der Tod der Ehefrau war nur symbolisch zu vollziehen. Witwenverbrennungen sind heute verboten.

Anmerkung eines Lesers:

Bei den Hindus erscheint mir noch wichtig, dass im Feuer unbedingt der Schädel platzen muß, damit die Seele entweichen kann – notfalls wird nachgeholfen.


Hinduismus

Hindus kennen nur die Kremation. Normalerweise wird diese auf einem offenen Feuer vollzogen. Da dies bei uns nicht möglich ist, akzeptieren Hindus die Kremation im Ofen. Hindus benötigen keinen Friedhof oder eine Grabstätte, da die Asche in einen heiligen Fluss in Indien gestreut wird, im Idealfall in den Ganges. Tamilische Hindus streuen die Asche in einen ins Meer führenden Fluss auf Sri Lanka oder direkt ins Meer.

Hindus benötigen für die Leichenwaschung einen Leichenwaschraum mit Ablauf am Boden und einen stabilen Stuhl, auf den die Leiche gesetzt wird. In einem Spital ist dies nur schwer realisierbar, deshalb sollten grössere Friedhöfe entsprechend ausgestattet werden. Für die Abdankung wird ein neutraler Raum benötigt mit einem freistehenden Tisch. Es könnte auch ein stabiler Tisch auf Rollen verwendet werden, so dass die Leiche vom Waschraum in die Halle überführt werden kann. Da die Trauergemeinde tiefer sitzen muss als der Verstorbene, dürfen keine festen Bänke im Saal sein. Das letzte Ritual wird im Kremationsraum vollzogen. Der älteste Sohn entzündet normalerweise das Feuer. Im Krematorium ersetzt der Druck auf den Knopf zum Einfahren der Leiche diese Handlung. Kleine Kinder bis zu etwa fünf Jahren werden nicht kremiert, sondern bestattet.