Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturkreisen -Islam-

2.3. Islam

Im Mittelpunkt der Islam steht der Glaube an Allah, den einzigen Gott. Verkünder seines Willens ist der Prophet Muhammad. Er wurde in Mekka geboren, der heiligsten Stadt und wichtigstem Wallfahrtsort der Muslime. Das heilige Buch des Islam ist der Koran. Muslime glauben, dass das Leben das Schicksal des Menschen und die Stunde seines Todes von Allah vorherbestimmt sind. Sie glauben an eine Wiederauferstehung, an Bestrafung und Belohnung in einem ewigen Leben. Am Jüngsten Tag wird Gericht gehalten und das Urteil über die guten und schlechten Taten gefällt. Entsprechend erwartet jeden Einzelnen der Aufenthalt im Paradies oder die ewige Verdammnis.
Von seiner Familie wird der sterbende Muslim in der Regel nicht erst in seinen letzten Stunden begleitet, sondern schon als alternder Mensch behütet. In der Todesstunde nehmen die Weggefährten Abschied und erinnern den Sterbenden an alles Gute, das Gott ihm in seinem Leben geschenkt hat. Sie bitten um Vergebung all seiner Sünden und beten mit und für ihn das Islamische Glaubensbekenntnis. Das Gebet soll helfen, den Übergang vom Leben zum Tod möglichst leicht und schmerzlos zu machen. Es ist auch Brauch, das „Herz des Korans“, die 36. Sure Yasin zu rezitieren.
Der Sterbende wird auf seine rechte Körperseite gedreht, mit Blick in Richtung Mekka. Ist das nicht möglich, wird dem auf den Rücken liegenden ein Kissen unter den Kopf gelegt, damit sein Blick nach Mekka gerichtet werden kann. Sobald der Tod eingetreten ist, werden die Augen des Verstorbenen geschlossen. Mit einem Tuch werden die Kiefer aneinander gebunden, damit der Mund nicht geöffnet bleibt. Arme, Hände und Beine werden ausgestreckt. Danach wird der Leichnam entkleidet und mit einem Tuch bedeckt. Bei Frauen werden die Hände auf die Brust gelegt. Es ist üblich, den Verstorbenen so schnell wie möglich für das Begräbnis vorzubereiten. Im Orient wird innerhalb von 24 Stunden bestattet. Rituelle Waschung, Einhüllung, Totengebet und Beisetzung sind wesentliche Bestandteile der Bestattung für alle Muslime, egal welcher Glaubensrichtung sie angehören oder in welchem Land sie leben. Der Leichnam wird nach einem festen Schema in der Regel von drei Angehörigen gewaschen: Verstorbene Frauen von Frauen, Männer von Männern. Nicht- Muslime dürfen diese Waschungen nicht vornehmen. Der Tote wird dazu in Richtung Mekka auf ein niedriges Holzgestell gelegt. Die Geschlechtsteile werden mit einem Tuch abgedeckt. Sie dürfen nicht mit bloßer Hand gewaschen und weder vom Waschenden noch von den Anwesenden betrachtet werden.
Die Waschung kann allerdings nur erfolgen, wenn mehr als die Hälfte des Körpers vorhanden ist. Ebenfalls nicht gewaschen werden Fehlgeburten, bei denen die Extremität noch nicht voll entwickelt sind. Der ganze Körper wird dreimal gewaschen nachdem wird wie beim täglichen Pflichtgebet rituell Mund, Nase, Gesicht, Kopf und Füße gereinigt. Kopf- und Barthaare werden nicht gekämmt und nicht geschnitten.
Der Körper wird mit möglichst körperwarmem Wasser gewaschen, die Körperöffnungen mit kleinen Stücken aus Leintuch verschlossen.
Die Benutzung eines Sarges ist im islamischen Ländern unüblich dafür werden sie in mehreren Leinentüchern gehüllt bei Männern drei Tücher und bei Frauen fünf Tücher deren reinfolge zum einhüllen genau festgelegt ist.
Werden Muslime in Deutschland bestattet, müssen sie sich an die Sargpflicht halten. Für diesen Fall wurden speziell einfache Holzsärge entwickelt.
Särge für muslimische Bestattungen sind sind am Kopfende etwas erhöht, also insgesamt leicht schräg. Der erhöhte Kopfteil soll dabei den Himmel und das niedrige Fußteil die Hölle symbolisieren. Die Särge sind oft aus glattem, unbehandelten Holz.
Am Boden des Grabes wird eine kleine Mulde geformt, in die der Leichnam mit seiner rechten Seite in Richtung Mekka gelegt wird. Dann wird über dem Toten ein Dach aus Holz, Ästen und Schilf errichtet. Gegenstände kommen nicht mit in das Grab.
Ein letztes Mal wird dem Verstorbenen das Glaubensbekenntnis vorgesprochen. Jeder Anwesende nimmt zuerst drei Handvoll Erde, dann wird gemeinsam das Grab, beginnend am Kopfende, zugeschaufelt und handbreit über der Erdoberfläche zu einem Hügel erhöht. Die Angehörigen bleiben noch eine Zeit lang am geschlossenen Grab stehe, beten oder lesen Suren aus dem Koran. Es werden keine Kerzen angezündet, es gibt auch keine anderen Feierlichkeiten.
Bis zu 40 Tage nach der Beerdigung tragen die Trauernden gedeckte Kleidung und entsagen weltlichen Freuden.
Außer dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten finden sich mitunter Verse aus dem Koran oder der Halbmond auf den einfachen Grabsteinen. Oft wird die letzte Ruhestätte auch einfach nur von einem Holzstück oder einem Stein kenntlich gemacht, ohne Hinweise auf den Verstorbenen. Blumen und ähnliche Grabbepflanzungen gibt es nicht. Die Toten genießen ein ewiges Ruherecht, niemand soll sie je stören.


Islam

Im Islam sind manche Vorschriften mit den jüdischen vergleichbar. Jeder Muslim hofft, nach dem Tod und dem Gericht über sein Leben im Jenseits, im Paradies bei Gott leben zu dürfen. Der Körper bleibt im Grab bis zur Auferstehung am Tag des Jüngsten Gerichts. Deshalb kennen Muslime auch die ewige Grabesruhe.

In Genf wurde in der Schweiz die erste richtige Moschee gebaut, und bereits 1978 konnten die dort ansässigen Muslime ihren eigenen Teil auf dem Friedhof Petit-Saconnex eröffnen. Bestattungen nach islamischem Ritus sind dort inzwischen eine Selbstverständlichkeit. In der Moschee besteht ein eigener Leichenraum mit Kühlfächern und einem Leichenwaschtisch. Zunächst blieb dies der einzige Muslimfriedhof der Schweiz. Erst im Jahr 2000 zogen Bern und Basel nach. Seither sind an mehreren Orten separate Grabfelder für Muslime realisiert worden, an anderen liegen entsprechende Bewilligungen oder Projekte vor.[8]

Die Bestattung von Muslimen bietet mannigfache Probleme: Die Leiche muss rituell gewaschen werden.[9] Die Bestattung sollte so rasch als möglich erfolgen. Die Leiche darf nur in ein Leichentuch eingewickelt werden und muss ohne Sarg der Erde übergeben werden. Die Ausrichtung des Grabes[10] und die Ausgestaltung[11] müssen stimmen. Das Grabfeld darf nur mit muslimischen Gräbern belegt sein. Die ewige Grabesruhe muss gewährleistet sein. Die Gräber dürfen nicht mehrfach belegt werden. Manche Muslime verlangen sogar, dass auf einem bestehenden Friedhof die Erde ausgewechselt werden muss, wenn vorher dort Nichtmuslime bestattet gewesen waren.

Dies sind Maximalforderungen, die kaum alle erfüllt werden können. Die Muslime erklären sich in der Regel zu Kompromissen bereit. So gibt es unterdessen «Fatwas» (Rechtsgutachten), aus welchen ersichtlich ist, dass die Aussage über die so genannte ewige Ruhefrist nicht zutrifft. Was bleibt, sind erfüllbare Forderungen: so die Waschanlage für die rituelle Leichenwaschung. In Spitälern ist es schwierig, aber auf einzelnen Friedhöfen gibt es das bereits. Da die Waschung mit fliessendem Wasser – vorzugsweise mit einem Schlauch – erfolgt, muss der Leichenwaschtisch oder Raum entsprechend ausgestattet sein.

Muslime benötigen ein eigenes Grabfeld, auf dem die Gräber so ausgerichtet sind, dass die Verstorbenen in einer speziellen Grabnische auf die rechte Seite gelegt, mit dem Gesicht in Richtung Mekka liegen. Es gibt keine Trauerfeier im üblichen Sinne, sondern nur ein spezielles Totengebet. Dieses kann am Grab oder in einer Trauerhalle erfolgen, wenn diese keine «islamisch unüblichen Symbole» enthält wie zum Beispiel ein Kreuz oder ein (religiöses) Bild. Dieser Forderung kommen grosse Friedhöfe nach, indem sie einen religionsneutralen Raum zur Verfügung stellen.

Eine übertrieben kostspielige Bepflanzung und Ausgestaltung der Grabstätten ist unerwünscht.[12] Die Realität sieht allerdings oft anders aus. So finden wir auf dem Grabfeld in Genf und auf dem Islamischen Friedhof in Berlin vom einfachsten Grab ohne jeden Schmuck und sogar ohne Grabstein die ganze Palette bis hin zum Grabmonument.