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Bestattungen in verschiedenen Religionen und Kulturkreisen -unterschiedliche Nationen-

4. Bestattungen in den unterschiedlichen Nationen

Oftmals lassen sich neben den religiösen Ausprägungen auch nationale Traditionen ausmachen, die in den folgenden Abschnitten dargelegt werden.

4.1 Schweiz: Einfachheit und Strenge

Bezeichnend für die Eidgenossen, besonders im Westteil des Landes, ist die durch die reformierte Landeskirche geprägte Einfachheit- mitunter als Strenge empfunden- die auch den Beerdigungen anhaftet. Sie verzichten auf jeglichen Pomp, auf Schmuck oder Vergnügen. Es waren über lange Zeiträume nicht nur das Glockenläuten untersagt, sondern auch Grabsteine und Abdankungsfeiern. Jedermann wurde ohne Ansehen der Person in Einheitsgräber verscharrt –sine lux, sine crux et sine deus (ohne Licht, Kreuz und Gott)
Es darf heutzutage nur das Hugenottenkreuz mit Lilien in den Kreuzbalken neben dem Kelch und der Bibel, als Symbol bei Trauerfeierlichkeiten verwendet werden. Ein Gedenkgottesdienst wird nur auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen gehalten.
Heute in der Schweiz sehr verbreitet ist die Feuerbestattung. Zurzeit werden etwa zwei drittel der Verstorbenen kremiert. In den größeren Städten der Deutschschweiz werden die Gräber kaum noch von den Angehörigen gepflegt. Das ist vielerorts sogar ausdrücklich untersagt, selbst das Ablegen von Blumensträußen auf Gräbern. Somit verlieren mancherorts den typischen Friedhofscharakter. Allerdings können die Angehörigen die Urne auch mit nach Hause nehmen genau so wie es gestattet ist eine Bestattung auf Familienbesitz oder das Verstreuen der Asche.
Eine Vorreiterrolle übernahm die Schweiz durch die Idee des Friedwaldes (einer Baumbestattung außerhalb der normalen Friedhöfe) Trotz restriktiver Gesetzgebung folgten dem bislang drei Projekte in Deutschland.

Anmerkung eines Lesers:

Du hättest es nicht schöner durchblicken lassen können, dass die Schweiz etwas kompliziert ist… Die Hugenotten gibt es in der Schweiz an sich nicht mehr, zumindest wirst Du keinen mehr finden können, der sich so nennt (und vermutlich auch in Frankreich nicht). Zwar wurden die Hugenotten stark vom Genfer Reformator Calvin beeinflusst, aber die heute frankophonen Schweizer reformierten werden sich viel eher protestantisch bezeichnen.
Interessant ist aber, dass Du die katholische Kirche in der Schweiz praktisch weggelassen hast. Vor allem die Innerschweizer Kantone sind katholisch, aber auch andere weitere Kantone; andere Deutschschweizer Kantone wie z.B. Zürich und Aargau sind wiederum reformiert (Reformator Zwingli in Zürich). Wie auch immer: die Schweiz hat 26 Kantone und es gab und gibt aus historischen Gründen immer noch etwas Reibereien zwischen den reformierten und katholischen Kantone (die Schweiz entstand 1848 nach einem Religionskrieg (!) von 1847).

Die Beerdigungen zwischen den Katholiken und Reformierten unterscheiden sich auch hier recht stark.

mehr zu den Schweizer Religionen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Religionen_in_der_Schweiz

4.2. Österreich: Schöne Leich

Ganz anders hingegen präsentiert sich das mehrheitlich katholische Nachbarland Österreich. Mit dem Aufkommen der städtischen Bestattungsunternehmen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde das Leichenbegängnis ein Schauspiel, das vor allem in Wien für die wohlhabenden Bürger oft unter Anteilnahme des ganzen Wohnbezirkes inszeniert wurde. Die Toten wurden in Prächtigen unter Baldachinen aufgebahrt. Bis heute ist es so, dass man oft jahrzehntelang für die eigene Beerdigung, die „schöne leich“ , spart. Der Trauergemeinde soll nach wie vor ein Prunkvolles Fest geboten werden. Aus diesem Grund finden anonyme Bestattungen keinen Anklang. Das Verstreuen der Asche oder das Aufbewahren der Urne in der Wohnung ist jedoch nicht gestattet.

Anmerkung eines Lesers:

War es in Österreich nicht so, dass die städtischen Bestattungsinstitute gegründet, bzw. die privaten verstaatlicht wurden, gerade weil der Gruppenzwang für „die schöne Leich“ viele Angehörige an den Rand des Ruins brachte und der übermäßige Aufwand unterbunden werden sollte?

4.4 Russland: Alte Bräuche leben auf

Am neunten Tag und am 40. Tag nach dem Tod (sowie an jedem Jahrestag und den allgemeinen kirchlichen Gedenktagen) geht man noch einmal zum Grab. Während eines Leichenschmauses mit Wodka und Brot wird kreuzweise Gerste über das Grab gestreut, um Vögel anzulocken, die dem Toten Gesellschaft leisten sollen. Man vergisst auch nicht, Süßigkeiten für zufällig vorbeikommende Arme zu hinterlegen. Bei den Russlanddeutschen, die heute als Spätaussiedler unter uns leben, kommen zu einer Beerdigung meist alle Verwandte zusammen. Die gesamte Zeremonie wird für die wenigen Daheimgebliebenen fotografisch festgehalten.
Eine tägliche Andacht und Tage der Trauer dauern auch die ersten 40 Tage. Diese Zeit trägt man dunkle Kleidung und ist bemüht so häufig wie es geht zum Grab und in die Kirche zu gehen. Als Andacht an den Verstorbenen werden Gebäck, Kekse und Süßigkeiten insbesondere an die Kinder, aber auch an Erwachsene verteilt. Vodka und Brot sind die Bräuche der Sowjetzeit, sie stehen im Konflikt mit dem russ. Orthodoxem Glauben. Eine Andacht in der Kirche und durch Gaben ist heutzutage viel gefragter.
Zu erwähnen ist noch, daß der Sarg bis zu der Ruhestätte offen bleibt und die Angehörigen der Leiche einen Abschiedskuss, auf die Hand oder auf die Stirn, geben (so ähnlich wie dies auch bei den Griechischen Traditionen beschrieben wurde.

4.5 Niederlande: Alles ist möglich

Die Bestattungskultur unterscheidet sich hier immens von der ihrer europäischen Nachbarn. Jeder der es möchte, kann seine Angehörigen ohne Sondergenehmigung bis zu fünf Tagen zu Hause aufbahren. Über 50% (mit steigender Tendenz) wählen in den Niederlanden inzwischen eine Feuerbestattung. Krematorien verstehen sich als Dienstleistungsunternehmen in denen der Kunde König ist. Diese Angebot nutzen (nicht ganz legal) inzwischen immer häufiger auch Menschen aus Deutschland. Über den Umweg kann der heimische Friedhofszwang umgangen werden. Egal welche kulturelle Umrahmung oder Musikauswahl man favorisiert: Alles ist möglich.
Hierzulande wenig bekannt sein dürfte auch die Möglichkeit, der Einäscherung beizuwohnen, ja sie sogar selbst in Gang zu setzten.

Überhaupt sind die Bestattungsgesetze in den Benelux-Staaten viel liberaler als in Deutschland. Die Totenasche kann zu Hause aufbewahrt oder verstreut werden.

Weiße Kleidung, weiße Särge und weiße Bestattungswagen sind keine Seltenheit.

4.6 USA: Vielfältige Einflüsse

Die USA sind seit jeher ein Einwanderungsland. Die Neuankömmlinge pflegen nach wie vor Sitten und Gebräuche aus ihren Herkunftsländern. An der Mississippi-Mündung entstand neben vielen Musikrichtungen als Kuriosität der Funerals Jazz. Es handelt sich dabei um eigens für große Trauerzüge komponierte Musikstücke. Gespielt werden sie von bunt kostümierten Kapellen, die im Schritt- Rhythmus der Musik an der Spitze der Trauergemeinde dam Sarg folgen. Auffällig ist das Bemühen, den Tod „unsichtbar“ zu machen, ihn zu beschönigen. Der Leichnam wird hergerichtet und geschminkt. Es wird alles versucht, um keine Bedrohlichkeit entstehen zu lassen. Irische und schottische Einwanderer haben Halloween nach Amerika gebracht. Für sie war der 1. November der Beginn des neuen Jahres du ein Fest zu Ehren des Totengottes. Man glaubte das sich die Seelen der Verstorbenen an diesem Tag unter die Lebenden mischten. Man verkleidete sich als Gespenst, um besser mit den Verstorbenen in Kontakt treten zu können.

4.7. Mexiko: Der süße Tod

In Mexiko verspeisen die Hinterbliebenen an Allerheiligen, dem Dia de los Muertos (den Tod in Form von Kuchen und Süßigkeiten). Schon Wochen vor dem großen Fest Anfang November gibt es überall Totenköpfe aus Zucker zu kaufen, sie stehen reihenweise in den Verkaufsregalen, neben Särgen aus Schokolade und Marzipan. In der Nacht vom 1 auf den 2 November verkleiden sich die Kinder als Skelette oder Totenmasken und feiern mit ihrer Familie ein Willkommensfest für die Verstorbenen mit Blumen und einem Festmahl.

4.8. Sterben und Tod in Japan

Tabus:
Die Zahl Vier heißt im Japanischen (auch im Chinesischen) „shi“ – das gleiche Wort wie für „Tod“. Daher haben Sushi in der Mitte drei, fünf oder sieben Farben, aber niemals vier. Briefe soll man nicht auf vier Seiten schreiben, weil „shimai“ sowohl die Bedeutung „vier Blatt Papier“ hat, aber auch „das Ende“ heißt.

Auch der Kamm, der „Kushi“, ist in Japan ein Symbol für den Tod: „Ku“ steht für „Qual, Folter, Schmerz“ – aber auch für die Zahl Neun.

Auch im Alltagsleben gibt es Todessymbole, die es zu vermeiden gilt: den Toten wird zum Abschied Essen kredenzt, in dem die Stäbchen senkrecht stecken. Daher ist dies im Alltag streng verpönt. In japanischen Häusern werden keine Schuhe getragen – nur die Toten tun das. Sie brauchen für ihre Reise Schuhe und werden entsprechend eingekleidet aufgebahrt.

Guter Tod – schlechter Tod
Die japanische Kultur unterscheidet zwischen dem guten Tod und dem schlechten Tod.

Ein guter Tod kommt entweder schnell und unerwartet wie beispielsweise ein Hirnschlag. Dieser Tod heißt rôsui. Wenn der Betreffende friedlich im Kreise seiner Familie sterben kann, möglichst in hohem Alter, wird dieser „gute Tod“ pokkuri genannt. Es gilt als sehr wichtig, einen einsamen Tod zu verhindern – andererseits liegt den Japanern aber auch viel daran, Anderen nicht zu einer Last zu werden. Hier gibt es also einen Widerspruch.

Ein schlechter Tod ist es, wenn der Betroffene unter Schmerzen sterben muss, also nicht friedlich gehen kann.

Die Beerdigung
Überwiegend stammen die japanischen Beerdigungsriten aus dem Buddhismus, sie vermischen sich aber mit Anteillen aus dem Shintoismus, dem Christentum und dem Konfuzianismus. So können die Beerdigungen sehr unterschiedlich ablaufen, doch eingie Grundelemente sind gleich.

Für die Totenwache wird der Gestorbene nach dem Waschen mit angefeuchteten Lippen in einen weißen Kimono gekleidet. Die Trauernden bahren ihn mit dem Kopf nach Norden auf, dabei bedecken sie ihn mit einem weißen Laken und einem weißen Tuch über dem Gesicht. Schutz vor bösen Geistern bietet ein Schwert (echt oder Attrappe), das auf dem Toten liegt.

Auf einem Tischchen steht Wegzehrung in Form eines Reisgerichtes für den Gestorbenen bereit, dazu einige rituelle Gegenstände wie eine Kerze, eine Glocke und anderes. Ein Priester rezitiert Sutren. Dann wird die Leiche, meist mit dem Futon, auf dem sie liegt, in den Sarg gehoben.

Für die Totenwache wird ein aufwändiger Altar aufgestellt. Die Besucher bringen das so genannte „Räucherstäbchengeld“ mit. Dieses Geld soll helfen, die Bestattung zu finanzieren. Es gehört aber zum Anstand, dass die Angehörigen am Ende der Trauerzeit den Spendern ein Gegengeschenk machen, das in etwa den halben Wert der Geldspende ausmachen sollte.

Die Besucher der Trauerfeier zünden dem Toten ein Räucherstäbchen an. Wenn eine Rede gehalten wird, tut das meist der älteste Sohn. Zum Essen bleiben die, die dem Toten nahe gestanden haben.

Die Beerdigungsfeier und die Einäscherung
Vor der Feier bekommt der Tote einen neuen buddhistischen Namen, der auf einer Gedenktafel auf dem Altar steht.

Ein Mitarbeiter des Beerdigungsinstitutes verkündet den Beginn der Feier. Priester rezitieren Sutren oder halten eine Predigt, Grabreden werden gehalten. Zum Ende der Feier hin zünden Priester und die dem Toten nahe Stehenden Räucherstäbchen an. Wenn die Priester den Raum verlassen haben, können auch die anderen Gäste Stäbchen für den Toten anzünden.

In den Sarg werden Gegenstände gelegt, die für den Toten von Bedeutung waren, dazu oft ein Gehstock und Münzen, damit er die Fahrt über den Fluss der Unterwelt bezahlen kann.

Wenn der Sarg verschlossen wird, schlagen die Trauernden symbolisch auf einen Nagel. Im Krematorium wird neben dem Ofen ein Tisch aufgestellt, auf dem ein Foto des Toten, eine Kerze, Räucherstäbchen und Blumen stehen. Unter Sutrengesang der Priester fährt der Sarg in den Ofen.

Während der Stunde, die die Einäscherung dauert, sitzen die Trauernden in einem Nebenzimmer und trinken und essen etwas.

Nach der Einäscherung nehmen die, die dem Toten am nächsten standen, die Knochen aus der Asche und legen sie in die Urne. Dabei reichen sie die Knochen entweder von Stäbchen zu Stäbchen an den Nächsten weiter oder zwei Personen nehmen gleichzeitig einen Knochen aus der Asche.

Die Urne darf mit nach Hause genommen werden. Dort steht sie 49 Tage lang auf einem eigens dafür aufgestellten Altar, der schlichter ist als der Altar bei der Beerdigungsfeier.

Die Trauernden, die mit der Urne heimkommen, werden beim Betreten des Hauses zur Reinigung mit Salz bestreut und waschen ihre Hände.

An festgelegten Tagen versammelt sich die Familie zu Gedenkriten für den Toten, dabei singen Priester Sutren. Es gibt zu essen. Diese Gedenkriten werden sieben Wochen lang an jedem siebten Tag abgehalten. Am 49. Tag nach dem Tod wird die Urne auf dem Friedhof beigesetzt. Manchmal wird ein Teil der Asche im Familiengrab beerdigt.

Die nächsten Gedenkriten finden am hundertsten Tag statt, nach einem Jahr, nach zwei Jahren, dann nach sechs, 12, 22, 26, 32, 48 und 100 Jahren.

Für die Besuche des Grabes gibt es keine festen Regeln, aber meist kommen die Angehörigen an bestimmten Festtagen wie Neujahr, Tag- und Nachtgleiche im Frühling und Herbst und im August am Obon-Tag. Das ist ein buddhistischer Feiertag, an dem man seiner Vorfahren gedenkt. Das Grab wird gereinigt und gegossen, die Angehörigen bringen Speisen und Blumen mit und sprechen mit den Geistern der Toten.

Danke an Dirk für den Text und an Louffi für die Überarbeitung
Bildquelle im Teil „Japan“: pix elio.de, Foto: mariocopa

Anmerkung:

In Japan ist es üblich, daß die Trauergäste Geld in Umschlägen überreichen (und anders als bei der Hochzeit kriegen sie im Gegenzug keine großen Gegengeschenke, sondern i. d. R. nur recht kleine pro-forma-Dinge wie kleine Handtücher o.ä., d.h. die Hinterbliebenen bekommen einiges an Geld, was natürlich hilfreich ist (pro Person etwa 5.000 – 10.000 Yen). Manchmal wird sogar eine Art Liste geführt, aus der hervorgeht, wer wieviel gegeben hatte, inkl. der Adressen, an die dann die entsprechen Dankesschreiben zu gehen hatten.

5. weitere Religionen
Es gibt natürlich noch weitere Religionen, zum Beispiel die Bahá’í, die Sikh und die Jaina. Die Bahá’í zum Beispiel bestatten ihre Verstorbenen auf dem nächstgelegenen Friedhof und haben bezüglich der Bestattung keine besonderen Wünsche. Die beiden indischen Religionen der Sikh und der Jaina hingegen bestehen auf der Kremation.

Im Laufe der Zeit wird dieser Artikel immer weiter wachsen.

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