Bestattungschaos in Venezuela – Leute bringen die Toten in Koffern zum Krematorium

pappe

Die katastrophale wirtschaftliche Lage hat dazu geführt, daß im einstmals reichsten Land Lateinamerikas sogar das Klopapier in den Läden knapp wird.
Engpässe gibt es aber auch beim Material für Särge. Holz und Metallbeschläge sind kaum noch aufzutreiben. Stagnierende Importe und die weltweit höchste Inflation haben zu dieser Situation geführt.

Mittlerweile sind Bestattungen für die Venezolaner so teuer, daß sie sich diese nicht mehr leisten können.
Vor so manchen Friedhof spielen sich grauenvolle Szenen ab. Angehörige tragen ihre Verstorbenen in großen Reisekoffern zum Begräbnis oder ins Krematorium.

Um die Preise zu verstehen, muß man wissen, daß offiziell fast ein Kurs von 10:1 für den Venezolanischen Bolívar im Verhältnis zum Euro gerechnet wird. Das bedeutet: 1 Bolívar entspricht 0,10 €.
So hoch sind vom Empfinden her teilweise auch die Preise. Tatsächlich erhält man aber auf dem Schwarzmarkt für einen US$ fast 1.000 Bolívares.

Bislang war eine Bestattung in Venezuela für rund 4.500 Bolívar zu bekommen. Aktuell sind die Preise auf durchschnittlich 300.000 Bolívar angestiegen.
Das können sich die Familien nicht mehr leisten.

Jetzt bieten Bestatter Särge aus Pappe an. Das sind Pappkartons in Sargform mit aufgedrucktem Kreuz.
Dadurch soll es möglich werden, daß die Menschen sich wenigstens wieder einen würdigen Sarg leisten können und die Verstorbenen nicht mehr in Schrankkoffern und ähnlichen Behältnissen „anliefern“.

Pappsärge sind auch in den USA und Kanada verbreitet. Sie werden dort allerdings von den Bestattern nur eingesetzt, um einen Leichnam, der keine Aufbahrung bekommt, ins Feuer zu schieben.
In Deutschland werden auch Pappsärge angeboten, allerdings setzen sich diese nicht durch.
Sie sind zu teuer und die Ökobilanz sieht gegenüber Holz auch nicht so gut aus.

Außerdem empfinden Angehörige einen Sarg aus Pappe als würdelos und Billigentsorgung.

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Peter Wilhelm30. August 2016

9 Kommentare von 138685.

  1. Da tropft dann doch die Suppe unten raus, oder kommt da noch eine wasserdichte Hülle rein? Oder wie darf man sich den Einsatz von Plastiksärgen praktisch vorstellen?

    LG, Christina

    • @Christina: Plastiksärge? Das wäre ja quasi Eintuppern für die Ewigkeit.
      Du meintest bestimmt Pappsärge.
      Na ja, in Venezuela, wie auch in anderen heißen Ländern, wird man zügig bestatten, da tropft dann noch nichts. Und auch in einen Pappsarg kann man unten Stroh, Torf oder etwas Sand und manchmal auf ein paar Decken reinlegen.

  2. Die Regierung rät zu Hamsterkäufen. Im gründlichen Deutschland passiert sowas nicht. Jeder 2,3 Särge im Keller für schlechte Zeiten und‘ läuft.

    • @Glückauf: Klingt nach einer praktischen Idee. Den 4-Wochen-Notvorrat einfach in den Särgen lagern, dann nimmt der keinen zusätzlichen Platz in Anspruch, und wenn der Sarg dann leergefressen ist, einfach reinlegen und sterben. In Deutschland ist man ja nicht nur gründlich, sondern auch effizient. Für die Bestattung empfehle ich, falls die Schippen knapp werden, am Fußende des Sarges noch so einen praktischen Bundeswehr-Klappspaten unterzubringen. Nicht vergessen, ein Sixpack Bier für die Bestatter übrig lassen.

  3. @Glückauf: Da bist Du schon nicht mehr auf dem Laufenden. Inzwischen will die Regierung die Bevölkerung direkt einkochen lassen. Das spart dann den Sarg. Dafür sind dann ein paar Weck-Gläser mehr nötig:

    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1022868.innenministerium-will-bevoelkerung-einkochen-lassen.html

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