Bestattungsfahrzeug, Leichenwagen

Warum sind Leichenwagen so teuer? Das fragte jemand in einem Kommentar.
Nun, Bestattungsfahrzeuge sind Sonder-KFZ und müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um als Bestattungsfahrzeug zugelassen werden zu können. Verstorbene dürfen per Gesetz nur in solchen Fahrzeugen befördert werden.

Die Anforderungen sind in einer DIN-Norm festgelegt, es wäre aber langweilig, diese hier zu zitieren. Die wesentlichen Bedingungen sind die sichere Befestigung des Sarges im Laderaum, die luftdichte Abtrennung zum Fahrerraum, eine durchschlagfeste Abtrennung zwischen beiden Räumen und bestimmte hygienische Anforderungen, wie die leichte Abwaschbarkeit des Sargraumes.

Diese Bedingungen erfüllt bei uns z.B. ein sorgfältig umgebauter dunkler Mercedes-Transporter, also im Grunde genommen ein Lieferwagen. Dem Toten ist es nämlich vollkommen egal, ob er in einem Luxus-Kombi herumgefahen wird oder in einem Lieferwagen. Für uns ist der Lieferwagen schon deshalb praktisch, weil wir 2 bis sogar 4 Särge transportieren können und der Wagen sehr unauffällig ist. Viele Altersheime bestellen uns zur Abholung der Verstorbenen, weil unser Auto nicht auffällt. Ein ständig oder oft vor dem Altersheim stehender Leichenwagen ist vermutlich keine gute Reklame für die …

Den Umbau solcher Transporter lassen wir bei einem nahegelegenen Bootsbauer durchführen. Im Wesentlichen lassen wir einen durchgehenden flachen Boden aus doppelt verleimtem Schiffsboden einbauen, der dann mit Alu-Riffelblech belegt wird, welches ringsherum 20 cm hochgezogen wird. In sinnvollen Abständen wir der Boden angebohrt, damit wir senkrechte Stopper einstecken können, um die Särge zu fixieren. Das Fahrzeug bekommt hinten eine komplette Innenausstattung aus Hartkunststoff oder beschichteten Platten, damit wir den Sargraum mit Desinfektionsmittel aussprühen können. Einige dicke angeschraubte Gummileisten verhindern Ladebeschädigungen.
Unter dem etwas höher eingebauten Boden entstehen Stauräume, die seitlich und hinten mit Klappen versehen werden. Dort verstauen wir das notwendige Zubehör wie Tragen, Scherentrage, Bergungszubehör usw.

Wenn das alles fachmännisch gemacht wurde und dann noch die Frage der Lüftung geklärt wurde, kann das KFZ beim TüV vorgestellt und als Bestattungswagen zugelassen werden. Für die Lüftung wird durch sinnvolle Einbauten und Ausschäumungen z.B. die Heizung und Belüftung vom Fahrerraum zum Laderaum unterbunden. Zusätzlich bekommt der Laderaum eine sogenannte Zwangsentlüftung. Das sind kaum sichtbare Schlitze mit Abdeckungen, die dafür sorgen, dass Luft in den Laderaum hinein- und hinausströmen kann.

So ein Umbau kostet uns rund 6.000 Euro; es ist also die kostengünstigste Variante.

Die nächstteurere Variante ist es, so ein Fahrzeug von einer Spezialfirma für Bestattungsfahrzeuge zu beziehen. Die haben noch schönere und pfiffigere Lösungen und spezielle Einbauten, die dem Nutzen des Fahrzeugs noch mehr entgegenkommen. Dafür kostet das aber dann auch wenigstens das Doppelte.

Teurer wird das Ganze schon, wenn man ein Fahrzeug möchte, das auch im Laderaum Fenster hat. Hier müssen dann noch entsprechende Blenden mit den typischen z.B. grauen Gardinen oder Bespannungen gefertigt und angebracht werden.

Als nächste, noch teuerere Variante kommt der Umbau von Serien-Kombis oder -Vans in Frage. Je perfekter das gemacht werden soll, desto teurer wird das. Was vor allem Geld kostet, sind Karosseriearbeiten. Diese werden dann fällig, wenn man die hinteren beiden Seitentüren des Kombis nicht haben möchte usw.

Die sicherlich teuerste, aber wohl auch ansprechendste Lösung ist das von einer Spezialfirma von Grund auf gebaute Bestattungsfahrzeug. Außer Chassis, Fahrerkabine und einigen Karosserieteilen wird hier der gesamte Aufbau durch diese Spezialfirma gefertigt. Im Ergebnis ist das die perfekteste und optisch eleganteste Lösung, weil hier zu 100% auf die Belange des Bestatters eingegangen werden kann und keine Kompromisse gemacht werden müssen.

Bleibt die Frage, warum manche Bestatter mit einem besseren Lieferwagen fahren, während andere auf den teuren Mercedes-Umbau für 123.000 Euro setzen.

Nun, meiner Meinung nach braucht kein Bestatter einen Luxus-Kombi. Das wird einzig und alleine wegen der Angehörigen und des Renomees gemacht. Praktischer und sinnvoller ist ein Lieferwagen.
Insbesondere die großen Panoramascheiben braucht man kaum, da nur in den seltensten Fällen „offen“ gefahren wird, also mit freiem Blick auf den Sarg.

Wäre der Neid und Konkurrenzdruck nicht so groß, würde ich gerne mit den anderen Bestattern in der Stadt einen Luxus-Leichenwagen gemeinsam anschaffen. Ein paar gut gestaltete Magnettafeln würden ihn immer individualisieren. Wir bräuchten den nur, wenn wir tagsüber einen Verstorbenen zu Hause abholen und wenn wir (was selten vorkommt) den Sarg nach der Trauerfeier im Beisein der Familie am Friedhof abholen, um ihn zum Krematorium zu bringen. Das sind überhaupt die einzigen Momente, wo die Leute den Wagen sehen.
In allen anderen Fällen (mehr als 85%) sehen die Angehörigen den Leichenwagen gar nicht. Die Verstorbenen werden vom Krankenhaus abgeholt, zum Friedhof gebracht und zum Krematorium gefahren, ohne dass sie es sehen. Da reicht ein würdig gestalteter Transporter vollkommen aus.

Noch Fragen?

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Peter Wilhelm28. Mai 2012

15 Kommentare von 138752.

  1. Mir fällt grad die Formel nicht ein, aber rechne Dir selbst aus, was passiert, wenn hinten zwei Särge mit je über 150 Kilo Gewicht bei Tempo 100 bei einer Vollbremsung nach vorne wollen.

  2. Das war früher gang und gäbe. Solche Bestattungsanhänger waren vor allem bei Schreinern sehr beliebt, die das Bestattungsgewerbe nur nebenbei erledigten. Hin und wieder sehe ich so etwas auch heute noch aber sie sind selten geworden.

  3. @untertaker:

    Hattest du nicht in einem deiner Artikel geschrieben, daß die Särge im Laderaum fixiert werden? Ein LKW-Koffer hat schließlich auch nicht unbedingt eine durchschlagsfeste Außenhaut, dafür aber erheblich mehr Zuladung.

  4. Es gibt inzwischen eine DIN-Norm die dafür gilt und wenn man ein Fahrzeug beim TÜV vorführt, wird insbesondere auf die Zwischenwand geachtet. Durchschlagfest und luftdicht.

    Es werden Särge, manchmal mehrere, Urnen, Sargdeckel mit Blumenschmuck, Zubehör usw. transportiert. Die Fixierung verhindert, dass die Ladung sich bewegt. Sie geschieht aber, indem die Ladung gegen die Zwischenwand geschoben und dann gegen ein Verrutschen nach hinten gesichert wird. Eine Umzurrung ist nicht zweckmässig.

    Im Falle einer Vollbremsung wirkt die Ladung also nach vorne gegen die Zwischenwand.

    Während für LKW eine Tempogrenze besteht, erreichen gute Bestattungswagen an die 200 km/h.

    Das ist alles schon ein Unterschied.

    Wer bei einem Rettungsdienst oder der Feuerwehr arbeitet, weiß was mit den Fahrern mancher Werkstattwagen passiert, wenn bei einem Auffahrunfall so ein zentnerschwerer Werkzeugwagen nach vorne "dübelt".

  5. Immer wenn ich einen Bestattungswagen auf der Straße sehe, fahren diese eigentlich immer recht sinnig. Mit einem Bestattungswagen mit 200 km/h über die Autobahn zu rasen könnte der eine oder andere Verkehrsteilnehmer vielleicht etwas unangemessen finden, vom Paketkurier-Sprinter erwartet man soetwas eher. Gibt es eigentlich spezielle Verhaltensregeln (nicht gesetzlich) für die Fahrer von Bestattungswagen?

  6. Die Fahrer, ich kann jetzt hier nur für unser Haus sprechen, haben die Anweisung, eine vorausschauende und defensive Fahrweise zu pflegen. Eher ein paar km/h unter Norm wenn ein Verstorbener an Bord ist.

    Ansonsten ist es nichts Ungewöhnliches, dass Fernfahrten auch mit hohem Tempo absolviert werden.

    Die Fahrzeuge wirken oft schon aufgrund ihrer Länge langsamer, als sie sind.

    Wir haben in rund 20 Jahren gerade einmal 6 oder 7 Knöllchen bekommen, meistens wegen überhöhter Geschwindigkeit. Ab und zu kommt sowas mal wegen des Termindrucks vor. Vor allem wenn freitags spät am Mittag noch eine Trauerfeier ist und der Sarg anschließend noch ins Krematorium muss. Freitags lassen die Jungs da um kurz nach Zwölf den Löffel fallen.

    Wegen Parkverstößen haben wir noch nie einen Zettel bekommen und das obwohl wir auch schon mal in zweiter Reihe, auf dem Gehweg und auch sonst verboten parken/halten müssen. Da scheint jeder Verständnis zu haben.

    Angehalten und kontrolliert worden ist noch keines unserer Fahrzeuge.

  7. das passt eventuell zum thema:

    ich durfte dabeisein, als ein guter freund von mir -ein leidenschaftlicher mini-fan- beerdigt wurde. er hatte sich gewünscht, in einem mini clubman (die englische classic-variante) zum friedhof gebracht zu werden. freunde von ihm zeigte mir, wie sie gedachten, seinen sarg in das kleine auto hineinzuschieben, wie sie das auto hergerichtet und so umgebaut hatten, damit der wunsch des freundes auch erfüllt werden konnte. kaum zu glauben, aber wahr, es hat funktioniert. ich habe mich sogar über meine eigene pietätsgrenze hinweggesetzt und das schauspiel fotografiert. überhaupt, auf einer beerdigung fotos … aber das sind wohl dinge, die man lernt.

    auf seinem sarg lag eine englische fahne, sein sarg passte gerade so -aber er passte- in das fahrzeug. er konnte seine letzte fahrt genau so antreten, wie er sich es gewüncht hatte. ich fand es umwerfend und zum heulen schön. und man bedenke, die beerdigung fand in österreich statt.

  8. Na mich hat schon mal auf der A7 ein Leichenwagen geschnitten, indem er unvermittelt von rechts auf die Autobahn fuhr und direkt auf die linke Spur rüberpreschte mir vor die Schnauze – ich konnte noch auf die Einfädelspur ausweichen, denn in der rechten Spur war ein LKW, den ich gerade überholen wollte.

    Ansonsten war die Autobahn völlig leer und es gab keinen Grund für dieses Manöver, statt sich normal vor oder hinter dem LKW einzufädeln

    Da habe ich mich schon gefragt, ob der Passagier es so eilig hat oder schon zu riechen beginnt oder ob das Kundenwerbung ist…

    Allerdings war es vermutlich ein ehemaliger Leichenwagen, denn er war nicht schwarz lackiert, sondern schmutziggrün

  9. Da Sie hier von Umbau reden – könnten Sie mir etwas zu den Formalien nach der Umrüstung durch den Bootsbauer sagen? Wie läuft das ab? Wo wird das Fahrzeug vorgestellt und als Leichenwagen nach §41 eingetragen? Macht das die örtliche Zulassungsstelle?

    Vielen Dank.

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