Mär.
10
Die Kuckucksuhr -II-
Die meisten Leser des Bestatterweblogs kennen ja Frau Birnbaumer-Nüsselschweif bereits, wer sie noch nicht kennt, der wird sie schon noch kennenlernen. Es genügt zunächst, Folgendes zu wissen: Die kinderlose, etwas dralle und omnipräsente Frau Birnbaumer-Nüsselschweif ist Mitglied des kirchlichen Mütterkreises, Vorsitzende der Afrika-Gruppe und Mitglied in weiteren wenigstens 20 Vereinen. Unter dem Deckmäntelchen, für jeden Hilfsbedürftigen nur das Beste zu wollen, hat die Birnbaumer allerdings nur im Auge, sich selbst als lebendig gewordener Schleimauswurf von Mutter Theresa und nachgerade als deutsche Multiinkarnation des Dalai Lama darzustellen.
Wenn irgendwo Geld für ein Jugendhaus gesammelt wird, dann helfen da ganz viele mit, in der Zeitung sieht man später nur die Birnbaumer-Nüsselschweif. Sie ist es, die morgens vor der Schule patrouilliert, um durch ihre viertelstündige Präsenz sowohl Kinderschänder, Drogendealer, als auch potentielle Amokläufer einzuschüchtern. Und sie ist es auch, die dem "Sicherheitskomitee zur Verbietung offener Flammen beim Martinsumzug" vorsteht und die gerne auch mal mit einem umgehängten Plakat vor der einzigen Raucherkneipe gegen den Nikotinmißbrauch protestiert.
Mär.
10
Kuckucksuhr - in eigener Sache-
Da kommen noch einige Teile von der Kuckucksuhren-Geschichte. So jeden Tag ein Teil, hatte ich mir vorgestellt.
Nun ist mir aber beim Abspeichern der dritte Teil schon heute rausgeflutscht und wohl auch per Feed schon rausgegangen.
Im Weblog konnte ich den wieder rausnehmen und brav für den 13.03. auf Halde legen.
Wer sich also den Spaß nicht verderben will, der ignoriere den vielleicht schon vorliegenden dritten Teil und warte erst den zweiten ab.
Mär.
10
Die Kuckucksuhr
Emma und Georg Mandel, genannt Emmel und Schorsch, waren schon seit über 50 Jahren verheiratet. Manchmal kann es passieren, daß man sich während einer so langen gemeinsamen Zeit schon alles erzählt hat und sich somit im Alter nicht mehr viel Neues zu sagen hat. Das was sie sich zu sagen hatten, das trugen sie sich gegenseitig in einer Art Kleinkindersprache vor.
"Hat denn der Schorschi fein Bubu gemacht?" fragte Frau Mandel, als ihr Mann vom täglichen Mittagsschlaf auferstanden und zu uns in die Küche gekommen war. Er antwortete: "Hattu lecker Käffchen für den Schorschi?"
Jaja, ich sag ja Maus zu meiner Alten und das ist allemal besser als würde ich die Begriffe andersherum verwenden, aber ansonsten bemühen wir uns doch um eine halbwegs vernünftige Sprache. Aber diese beiden alten Leute, deren Ehe kinderlos geblieben war, liebten es offenbar, auf ihre Weise zu kommunizieren und als Dritter im Bunde, nur zu Gast, um eine Bestattungsvorsorge niederzuschreiben, kommt man sich da schon ein bißchen komisch vor. "Hattu noch Essi-Essi oder willtu noch Stückele Kuchen?" fragt Frau Mandel ihren Mann und an mich gewandt: "Und Sie, möchten Sie auch noch ein Stück?"
Mär.
10
Zurück aus Amerika -II-
Ich war ja nicht dabei, aber ich stelle es mir vor meinem geistigen Auge so vor: Herr Avenroid tappert mit der Urne seines Vaters in einem Samsonite-Kosmetikkoffer durch die Oberurseler Taunuspampa und sucht einen "Lake", also einen See.
Es ist nicht genau bekannt, wie es an den Orten aussieht, an denen die Avenroids in Amerika gelebt haben, aber so für gewöhnlich stellt sich der Amerikaner unter einem Lake ein Gewässer von mindestens der Größe des Mittelmeeres vor. Tatsächlich ist ein Lake ein See und so ein See, das kann nach deutschem Empfinden auch schon mal ein besserer Tümpel sein.
Mehrere Tage hat Dietmar P. Avenroid im "Gasthof zum Fass" genächtigt und sich tagsüber in der Gegend auf die Suche nach dem See oder Weiher gemacht, an dessen Gestaden die berühmten Bäume stehen sollen, von denen einer ins seiner Rinde ein Herz mit Initialen eingeritzt haben soll.
Mär.
10
Zurück aus Amerika
Herrn Avenroid heißt eigentlich Avenarius. Aber eigentlich müßte ich schreiben, daß er eigentlich so hieß, denn einerseits ist Herr A. tot und andererseits hat er seinen Namen vor über vierzig Jahren ändern lassen.
In seinen Taschen trug er Papiere auf den Namen Avenroid und zu Hause in der Kommode lagen immer Papiere mit dem Namen Avenarius.
Nebenbei bemerkt finde ich ja lateinische oder lateinisierte Namen sehr schön. Irgendwie haben die für mich einen ganz besonderes Klang. Aber Herr A. fand seinen eigentlichen Namen unpassend und entschied sich für einen ähnlichen Namen, der besser auszusprechen ist. Er lebte in USA und Kanada, da geht so was.
Mär.
10
Einliegerwohnung
Das hatte sich Herr Gratewohl dann doch irgendwie ganz anders vorgestellt und weil alles so ganz anders gekommen ist, als er es erwartet hatte und weil die Umstände immer schlimmer geworden waren, ja genau deshalb schlägt er heute drei Kreuze, wie man so sagt, weil Frau Kranz gestorben ist.
Doch ich erzähle das am Besten mal von Anfang an.
Mär.
10
Im Viertel
Manche müssen ja nicht einmal den Fernsehapparat ausschalten, wenn der Bestatter zum Beratungsgespräch kommt.
"So sind Leute", hat der alte Michlinksy, den man nicht kennen muß, immer gesagt, wenn so etwas erzählt wurde und er fasste damit alle Absonderlichkeiten, die sich Menschen einfallen lassen, in drei Worten zusammen.
Ich komme mit Nadine zu einer Familie deren Opa im Krankenhaus gestorben ist. Nadine habe ich mitgenommen, damit sie auch in Hausbesuche eingeführt wird und ganz bewußt habe ich sie mitgenommen, weil uns dieser Besuch in "Viertel" führt.
Im Wohnzimmer lümmelt sich ein 15-jähriger in einem vollgekotzten T-Shirt vor dem Fernseher herum. "Das ist nicht vollgekotzt", raunt Nadine mir zu: "Das ist von Ed Hardy, das muß so aussehen." Der 15-jährige wirft uns einen bösen Blick zu, fast schon habe ich das Gefühl, er hat die kurze Diskussion zwischen Nadine und mir mitbekommen, dagegen spricht aber, daß er plötzlich mit sich selbst zu reden scheint. Des Geheimnisses Lösung ist aber ein blau blinkender Stöpsel in seinem Ohr, er telefoniert offenbar...
Mär.
10
Nimm Seifenlauge
Eiche altdeutsch mit krüsseligem floralem Muster als Bezug, das ist das was mein Hintern am meisten zu sehen bekommt.
Es ist altbekannt, daß der Bestatter an sich ja lieber bei seinen Kunden in der Küche sitzt, als tief versunken im weichen Wohnzimmergesäßmöbel. Die auf altdeutsch getrimmte Eckbank ist damit wohl das am häufigsten "Besessene".
Doch es gibt auch Couchgeschichten.
Feb.
10
Birgitt -II-
Man könnte ja meinen, das sei eine sehr einfache Geschichte und zwar in zweierlei Hinsicht.
Zum einen ist es ja leicht, sich als Unternehmer und Kaufmann aus dem Ganzen einfach herauszuhalten. Herr Görgens ist ein Kunde und was der bestellt, das liefere und leiste ich und alles was drumherum passiert, das geht mich nichts an; könnte ich sagen.
Aber ich war noch nie ein hartgesottener Kaufmann, der seinen Gewinn als einziges Maß im Sinn hatte, und ich habe mich schon immer nicht nur um den Kunden in seiner Funktion als Auftraggeber und Zahler gekümmert, sondern auch um den Menschen. Ich bin keiner, der die Menschen als Masse so unwahrscheinlich lieb hat, daß er ständig mit Menschen zu tun haben will und nur dann Glück empfindet, wenn er von möglichst vielen homo sapiens umgeben ist. Nein, der einzelne Mensch an sich, das separierte Schicksal, das interessiert mich, das weckt in mir Empathie und Sympathie und bringt mich dazu, mich zu kümmern.
Feb.
10
Birgitt
"Ich habe diese Frau doch geliebt", schluchzt Herr Görgens in sein Taschentuch und seine Frau sitzt neben ihm, presst die Lippen aufeinander und zischt dann spitz mit aufeinandergebissenen Zähnen: "Ich seh's nicht ein."
Herr und Frau Görgens sind seit über 15 Jahren verheiratet, glücklich verheiratet und Frau Görgens ist für ihren Mann die schönste Frau der Welt, das hat er erst kurz vorher beschwichtigend zu ihr gesagt.
Doch bevor Herr Görgens seine Frau Barbara heiratete, war er fast 20 Jahre mit Birgitt verheiratet und genau die ist gestern verstorben.
Görgens Stiefsohn aus erster Ehe, also Birgitts Sohn, ist nicht aufzutreiben, er hatte seit wenigstens 17 Jahren keinen Kontakt zu seiner Mutter. Deshalb fühlt sich Herr Görgens für die Beerdigung seiner geschiedenen Frau verantwortlich und befindet sich deshalb in einer Zwickmühle, denn seine derzeitige Ehefrau sieht es ganz und gar nicht ein, daß man nun für diese Frau auch noch Geld ausgeben soll.
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Kommentare
Gaffer auf der Autobahn! Wie.
Ich nehm zum Frankenkämmen .
Mach dein Talent zum Beruf! .
*notier* Frau Büser kennt m.
@MacKaber: Berechnet der .
Hey, ich hab genauso talenti.
Na das muß ich auch unbedin.
Klaus, meine Eltern haben da.