Jan
12
Ab zum Arzt!
Antonia empfängt Angehörige, die im Aufbahrungsraum einen Verstorbenen besuchen und von ihm Abschied nehmen möchten. Sandy hat den Raum mit besonders viel Liebe dekoriert. Viele Stoffbahnen fließen vom Sarg bis auf den Boden, Korbkugeln und Kerzen runden das Bild ab.
Die Familie ist sehr ergriffen und hält sich lange am Sarg auf. Immer mal wieder kommt ein Familienmitglied in die Halle, um etwas Abstand zu gewinnen, seine Gefühle in den Griff zu bekommen und etwas von dem Kaffee zu nehmen, den Antonia dort nebst etwas Gebäck anbietet.
Ich komme gerade aus der Trauerhalle und sehe die Schwiegertochter des Verstorbenen bei Antonia stehen, begrüße die beiden kurz und stecke dann auf der Tafel neben der Tür zur Trauerhalle den Namen des Verstorbenen, für den wir die nächste Trauerfeier dort abhalten werden.
Dabei werde ich Zeuge folgenden Dialoges:
Jan
12
Im Dschungel untergegangen
"Nein, Antonia, es ist nicht Costa Cordalis, der vor der italienischen Küste gestrandet ist."
"Weiß ich auch, Frau Büser, ich weiß, daß das ein Schiff ist. Sie wollen mich bloß wieder als blöd hinstellen. Aber dieses Mal weiß ich, daß das nur ein Schiff ist, das zufällig so heißt wie der griechische Sänger."
"Dann ist ja gut."
"Der Cordalis, also der Sänger jetzt, der ist doch schon untergegangen. Wie soll man das auch sonst nennen, der ist alt geworden, sieht scheiße aus, verkauft kaum noch Platten und war schon im Dschungelcamp. Ich meine, der ist doch nun wirklich tief genug gesunken."
Jan
12
Sandy
Frau Büser schickt mir eine Notiz auf den Bildschirm, daß gleich die Reuters kommen, ein neuer Sterbefall.
Ich habe keine Zeit und will Sandy mit der Beratung beauftragen.
Ich finde die Amerikanerin unter ihrem Schreibtisch. Es ragen nur die langen, schwarzen, nietenbesetzten Stiefel mit den unglaublich dicken Sohlen und Absätzen unter dem Tisch hervor.
Also greife ich sie bei den Fesseln und ziehe die Göre unter ihrem Schreibtisch hervor.
Sie zappelt und protestiert. Sie habe was im Landesbestattungsgesetz nachschlagen wollen und das Buch sei ihr vor mehreren Wochen hinten vom Schreibtisch runter gefallen und deshalb müsse sie immer mit der Taschenlampe untern Tisch kriechen, da könne sie sich sowieso besser konzentrieren.
Auf ihren Stiefeln ist sie einen halben Kopf größer als ich und das will was heißen...
Jan
12
Ist Antonia eigentlich doof?
Manche Leser fragten das per Mail und in den Kommentaren.
Nein, natürlich nicht; ich würde sie sonst nicht beschäftigen. Antonia leistet zuverlässig eine hervorragende Arbeit und ist vor allem bei Dingen, die andere langweilig und nervig finden würden, sehr geduldig und genau.
Man kann nicht für jede Arbeit einen dynamischen, redegewandten und akademisch denkenden Mitarbeiter gebrauchen.
Bei Antonia ist das eher so, daß sie ihr Herz auf der Zunge trägt und oft in völlig naivem Ton Sachen sagt und Fragen stellt, die -wenn sie nur eine Sekunde länger überlegt hätte- selbst von ihr nicht so gesagt oder gefragt worden wären.
Sandy, Frau Büser und Antonia nehmen ja halbwegs die selbe Wirklichkeit wahr und oft machen alle drei im ersten Moment den selben Denkfehler, jedoch bemerken Sandy und die Büserin zumeist sofort, daß da ja nach gesundem Menschenverstand etwas nicht stimmen kann, korrigieren ihre Sichtweise und umschiffen so die Fettnäpfchen, in die unser Brillenpummel so richtig mit Anlauf hineinhüpft.
Jan
12
Was? Wie?
Der Sarglieferant hat schöne Kalender überreicht und diese Kalender werden von Bürodame Frau Büser gerecht unter den Mitarbeitern verteilt.
Antonia schaut ihr Exemplar sorgfältig durch, ich nehme an, sie schaut nach, ob auch alle Tage drin sind.
Auf einmal sagt sie: "Ich bin ja froh, wenn am 25. März die Sommerzeit wieder kommt."
Sandy zuckt nur mit den Schultern und sagt: "Mir ist das egal, eigentlich find' ich die ganze Umstellerei ja blöd."
"Nee, nee, nee", sagt Antonia empört: "In der Winterzeit drehen wir die Uhr ja eine Stunde zurück, haben also eine Stunde mehr pro Tag. Das finde ich insgesamt sehr ungerecht, oder bekommst Du etwa mehr Geld vom Chef, wenn wir eine Stunde länger arbeiten müssen?"
Sandy: "Waaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaas?"
Jan
12
Neuseefundländer
Antonia sagte neulich: "Mensch Chef, als ich bei den Leuten war, habe ich voll Schiss gehabt, die hatten so einen Hund, so einen ganz großen, so einen Neuseeländer."
"Antonia, der heißt Neufundländer."
"Hey, woher wissen Sie das? Der war wirklich gefunden worden, die hatten den aus dem Tierheim."
Jan
12
Der Nebel war schuld
"Und, alle gut ins neue Jahr gekommen?"
"Ja, Chef, alle bis auf Antonia", sagt Frau Büser und ich mache daraufhin ein fragendes Gesicht. Frau Büser nickt nur in die Richtung von Antonias Büro und ich will mich gerade dorthin begeben, da kommt Antonia auch schon den Gang runter und ich sehe an der Art wie sie läuft, daß irgendetwas nicht stimmt.
Nun läuft Antonia auch sonst nicht gerade mit der Grazie einer Elfe, aber heute sieht das dann doch eher aus, als würde sie Taucherflossen tragen.
"Was ist denn mit Dir los?"
"Schlechter Empfang!"
"Was?"
"Ja, schlechter Empfang."
"Und deshalb muss man so laufen?"
Dez
11
Weihnachtsmarkt
Die Damen hippeln so von einem Bein aufs andere und gucken immer mal wieder fragend in mein Büro.
Ja, ich weiß, die Frauen wollen noch auf den anderen Weihnachtsmarkt und haben Langeweile im Büro.
So ist das eben im Bestattungswesen: Manchmal hast Du alle Kisten voll zu tun und dann ist auf einmal wieder Sterbepause und es kommt und kommt kein Auftrag rein.
Natürlich bin ich ein netter Chef, weil ich eben nicht als Chef auf die Welt gekommen bin und immer versuche, meine Leute so zu behandeln, wie ich selbst als Angestellter gerne behandelt würde.
Also winke ich die Büserin herein und sage um 15 Uhr die magischen Chefworte: "Wenn bei Euch nix mehr zu tun ist, dann könnt Ihr meinetwegen abhauen."
Dez
11
Rote Augen
Ja nee, da müssen die durch.
Ich meine, ich bin ja brav zu Hause geblieben und habe mit der Tochter erst einen Film angeschaut und dann noch eine Stunde auf der wii Bowling gespielt.
Was kann ich dafür, daß sich meine ganzen Hühner gestern auf dem Weihnachtsmarkt "verplaudert" haben?
Dez
11
Manni und die Abrechnung
Manni wohnt mit seiner Familie zur Miete und soviel ich weiß, muss er auch nicht besonders viel Miete bezahlen, da er seinem Hausbesitzer die eine oder andere Malerarbeit in dessen umfangreichen Immobilienbesitz erledigt. Dafür ist Manni bei ihm als nebenberuflicher Hausmeister angestellt.
Heute steht Manni in meinem Büro und dreht verlegen seine Finger ineinander und starrt auf seine Schuhspitzen.
"Was'n los?" frage ich und Manni antwortet: "Alles Scheiße!"
"Was ist alles Scheiße?"
Okt
11
Doppelkekse
Die Ursache war beiläufig und ohne Forderungen. Antonia hatte mir pflichteifrig an einem Morgen eine Tasse Kaffee gebracht. Das war sehr nett und ich war mit ihrer diesbezüglichen Leistung auch vollumfänglich zufrieden.
Als Antonia das nächste Mal in mein Büro schaute, hatte sie eine Kaffeekanne dabei und wollte mir Kaffee nachschenken.
Ich hatte jedoch erst einmal an der Tasse genippt, weil der Kaffee noch so heiß war.
"Chef, schmeckt Ihnen mein Kaffee nicht?"
"Doch, doch, Antonia, der ist sehr gut."
"Aber Sie haben doch noch gar nichts getrunken, gell, der schmeckt Ihnen nicht?"
"Doch wirklich, Du kannst beruhigt sein, ich habe selten einen so guten Kaffee getrunken, sehr lecker!"
Okt
11
Neues über YouTube
"Du Sandy, warum bewegen sich Leute da auf dem Foto auf Deinem Monitor?"
"Antonia, das ist kein Foto, das ist ein Film."
"Ach so. Ist der bei YouTube?"
"Ja, Antonia, der ist bei YouTube."
"Dann ist das kein Film, sondern ein Video."
Sep
11
Antonia vermehrt sich durch Zellteilung
Antonia hat im Internet bei YouTube das Lied von den glücklichen Zellen entdeckt.
Auch wenn das Lied ein großer Mist ist, so hat es doch die unangenehme Eigenschaft, sich im Ohr festzubeißen und herumzuwurmen. Man wird manchmal diesen blöden Ohrwurm gar nicht mehr los.
Sep
11
Pakistan
"Antonia, diese Büchersendung kostet kein internationales Porto!"
"Ja wieso das denn nicht?"
"Warum sollte es?"
"Die geht doch nach Pakistan."
"Nee, die geht an eine Packstation."
"Ach so."
Aug
11
Der starke Perser
Antonia hat einen neuen Freund.
Den hat sie über das Internet kennengelernt und mit dem hatte sie wochenlang Mails ausgetauscht und dann live mit ihm gechattet.
"Hat der Dich schon gesehen?" will Sandy unverblümt wissen und Antonia nickt.
Klar, der habe sie schon gesehen und zwar vorgestern. Also, das sei so gewesen, sie habe ja im Internet, also in diesem Kennenlernforum für Katzenliebhaber...
"Wie bitte? Du hast doch gar keine Katze!" fragt Sandy erstaunt nach.
"Ja, nee, stimmt schon, ich habe keine Katze, aber mir hat Svens Nickname dort so gut gefallen; ich bin ja nur mehr so durch Zufall da hin gekommen."
"Und wie ist sein Nickname?"
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Kommentare
Ich glaube ich werde mir sti.
Schade zu spät gesehn, hät.
wie es mit dem "aufhalten" i.
Soso, auch Tom hat ein lange.
Ja, diese Viktorianerverehru.
Ja danke zusammen, so dachte.
Weiss doch jeder, wie ein Fr.
Alles Quatsch! So wird die .