Apr
12
Nach Gutsherrenart
Der Fuhlst kann nicht stillsitzen. Wenn nichts zu tun ist, räumen die Männer die Werkstatt und das Lager auf und reparieren dies und das, "kloppen Särge" und tun alles Mögliche. Manni ist da sehr erfinderisch.
Aber irgendwann ist alles zum sechsten Mal gekehrt, gewienert und geputzt und dann sitzen die Männer mitunter beim Kartenspiel oder an der wii.
Da würde ich niemals etwas sagen und neue Mitarbeiter erkennt man immer daran, daß sie bei meinem Erscheinen die Karten verstecken oder so tun, als ob sie was tun.
Die alten Hasen grinsen nur und spielen weiter.
Ich beschäftige da Männer, die mitten in der Nacht aus dem Bett springen und bei Wind und Wetter und an allen Feiertagen parat stehen. Hätten die immer jede Überstunde aufgeschrieben, würde das Unternehmen gar nicht laufen.
Nee, nee, die dürfen das.
Apr
12
Schuhkartons
Udo Fuhlst hat sich sogar in etwas Schwarzes gezwängt. Einen guten Anzug hat er zwar, aber der entspricht eher seinem ganz persönlichen Geschmack und ist irgendwas zwischen großkariert und kleingeblümt. Thomas Gottschalk, der Entsendete, hätte da seinen Spaß dran gehabt.
Nee, das sei kein Problem, er habe da noch was anderes, beruhigte uns Fuhlst und als Manni ihn dann abends um 22 Uhr vor unserer Tiefgarage traf, als die beiden zu einem gemeinsamen Einsatz aufbrechen wollten, da ist er aus allen Wolken gefallen.
Schwarze Turnschuhe in Riesengröße, eine schwarze Latzhose und ein schwarzes Cowboyhemd mit weißen Nähten.
Apr
12
Goliath
Zwei Meter große Männer beeindrucken mich auf eine ganz eigentümliche Art und Weise.
Ich bin ja selbst mit knapp Einsneunzig kein Zwerg und da der Teil der Weltbevölkerung, mit dem ich es zu tun habe, weitestgehend aus kurz- bis nichthalsigen Tabakbauern, Frauen und Alten besteht, bin ich gewohnt, eher auf den Rest der Menschheit herabzuschauen.
Eine Einschränkung gibt es jedoch: Gehe ich mal ins Kino, was ich nur sehr selten tue, weil es mir da zu laut ist, oder gehe ich mal in die Oper, was ich inzwischen auch seltener tue, weil ich da immer einschlafe, dann setzt sich garantiert Herkules-Arnold Afrolook vor mich und versperrt mir zwei Stunden mit Schultern und Kopf die Sicht. Das ist so etwas wie ein Naturgesetz.
Es muss da irgendwo in unserem Überwachungsstaat jemanden geben, der mich immer auf dem Monitor hat und sobald ich in Reihe zwölf auf Sitz 26 Platz nehme, drückt der die Taste an seinem Mikrophon und sagt: "Sofort ein Riese in Reihe elf auf 26 bitte."
Der gleiche Mann gibt auch geheime Anweisungen an die ALDI-Kassiererin: "Tom kommt, die Kassenrolle ist jetzt leer, sie können nicht wechseln und der Scanner liest wenigstens drei Artikel nicht. Achtung, die Oma mit dem Kupfergeld bitte fertigmachen, Tom kommt an die Kasse!"
Apr
12
Der Postbote, der Wal, der Hase und die Schildkröte
Sandy und Antonia lieben sich ja. Wenn es hart auf hart kommt, halten die beiden zusammen wie Pech und Schwefel. Das hält sie aber andererseits nicht davon ab, sich zu "fetzen" wo immer es geht.
Ich weiß nicht, worum es ging, und ich will es auch gar nicht wissen, nur bekam ich mit, wie die beiden an meinem Büro vorbei gehen und Antonia zu Sandy sagt: "Schlampe!" und Sandy konterte: "Fette Kuh!"
Apr
12
Geheimnisvolle Botschaft
Oke kuhl bin mim kd. durch City chillen, S.
Nein, das ist keine geheimnisvolle Botschaft aus dem All, aufgefangen von einem Radioteleskop, sondern eine SMS, die ich von Sandy bekommen habe.
Die junge Frau, der ich ja so manche sprachliche Unzulänglichkeit verzeihe, weil sie viele Jahre ihres Lebens in den USA verbracht hat, will mir damit mitteilen:
Mär
12
Sackossi
"Ich hab nicht Sarkozy zu Dir gesagt, sondern Sackgesicht", sagt Sandy und Antonia antwortet:
"Ach so, dann is' ja gut; weil das andere wär' 'ne Beleidigung gewesen."
Mär
12
Waidwund und feucht
Antonia läuft seit einigen Tagen mit dauerfeuchten Augen durchs Büro und lächelt dabei wie eine überreife Pomelo. Ihr Olaf ist zu ihr gezogen und das macht sie sehr glücklich.
Nun ist Olaf aber nicht der große Romantiker, der unbedingt mit Antonia zusammen wohnen möchte, sondern der Tunichtgut ist schlicht und ergreifend aus seiner Wohnung geflogen.
Seine Klamotten waren eines Tages "völlig überraschend" in einem Lager des Gerichtsvollzieher "vorübergehend untergestellt" und Olaf hatte keine Bleibe mehr.
"Von heut' auf morgen!" quasi ohne Vorwarnung. Ja, okay, die paar Schreiben des Vermieters und die Umschläge vom Gerichtsvollzieher, wer liest sowas schon?
Mär
12
Alufolie
Frau Eisenbichler war wieder da.
Frau Eisenbichler wohnt in der Nachbarschaft und hatte sich vor Jahren mal bei uns erkundigt, ob wir nicht die eine oder andere Arbeit für sie hätten, ihre kleine Rente treibe sie in den Erwerbsprozess zurück.
So kam es, daß die sehr seriös wirkende Dame mit dem eleganten grauen Stufenhaarschnitt für uns Kondolenzbücher ausgelegt hat, Trauerhallen dekorierte und Angehörige bei Aufbahrungen auf den Friedhöfen begleitete. Alles immer sehr souverän und würdevoll.
Bis eines Tages...
Feb
12
Muntere Forellen
Meine Schwiegermutter drückte mir vor geraumer Zeit Lachsölkapseln in die Hand. "Da, die Packung kannst Du haben, ich vertrag' die nicht."
"Ach so, und ich soll jetzt dran verrecken, oder was?"
"Sei doch nicht so undankbar, da sind Omega3-Dings drin und das ist gut."
"Ja, aber Du verträgst sie nicht und ich soll sie jetzt schlucken. Was, wenn ich sie auch nicht vertrage?"
"Dann schenkst Du sie halt jemandem, den Du nicht leiden kannst."
"Ach, soll das jetzt heißen, daß Du mich nicht leiden kannst?"
"Nein, um Himmels Willen, so habe ich das nicht gemeint. Es könnte ja sein, daß Du sie verträgst und gesund sind die Dinger allemal."
Feb
12
Ächzende Beine
Antonia ist sauer, weil Bäcker Linnemann die Produktion der puddinggefüllten Berliner eingestellt hat und jetzt in den Berlinern nur noch Marmelade drin ist. Sandy schmollt, weil der 45jährige Manager aus der Energiewirtschaft, den sie gestern Abend kennengelernt hat, nicht mit ihr nach Katmandu durchbrennen wollte und Frau Büser hat Rücken.
Manni und ich leiden auch ein wenig, ein bißchen Rücken haben wir, aber wir haben auch noch Knie.
Vor einigen Wochen hatte ich neue Stühle für die Trauerhalle bestellt und nicht bedacht, daß die nur teilmontiert geliefert werden.
25 Kartons mit je vier Stühlen...
Jan
12
Ab zum Arzt!
Antonia empfängt Angehörige, die im Aufbahrungsraum einen Verstorbenen besuchen und von ihm Abschied nehmen möchten. Sandy hat den Raum mit besonders viel Liebe dekoriert. Viele Stoffbahnen fließen vom Sarg bis auf den Boden, Korbkugeln und Kerzen runden das Bild ab.
Die Familie ist sehr ergriffen und hält sich lange am Sarg auf. Immer mal wieder kommt ein Familienmitglied in die Halle, um etwas Abstand zu gewinnen, seine Gefühle in den Griff zu bekommen und etwas von dem Kaffee zu nehmen, den Antonia dort nebst etwas Gebäck anbietet.
Ich komme gerade aus der Trauerhalle und sehe die Schwiegertochter des Verstorbenen bei Antonia stehen, begrüße die beiden kurz und stecke dann auf der Tafel neben der Tür zur Trauerhalle den Namen des Verstorbenen, für den wir die nächste Trauerfeier dort abhalten werden.
Dabei werde ich Zeuge folgenden Dialoges:
Jan
12
Im Dschungel untergegangen
"Nein, Antonia, es ist nicht Costa Cordalis, der vor der italienischen Küste gestrandet ist."
"Weiß ich auch, Frau Büser, ich weiß, daß das ein Schiff ist. Sie wollen mich bloß wieder als blöd hinstellen. Aber dieses Mal weiß ich, daß das nur ein Schiff ist, das zufällig so heißt wie der griechische Sänger."
"Dann ist ja gut."
"Der Cordalis, also der Sänger jetzt, der ist doch schon untergegangen. Wie soll man das auch sonst nennen, der ist alt geworden, sieht scheiße aus, verkauft kaum noch Platten und war schon im Dschungelcamp. Ich meine, der ist doch nun wirklich tief genug gesunken."
Jan
12
Sandy
Frau Büser schickt mir eine Notiz auf den Bildschirm, daß gleich die Reuters kommen, ein neuer Sterbefall.
Ich habe keine Zeit und will Sandy mit der Beratung beauftragen.
Ich finde die Amerikanerin unter ihrem Schreibtisch. Es ragen nur die langen, schwarzen, nietenbesetzten Stiefel mit den unglaublich dicken Sohlen und Absätzen unter dem Tisch hervor.
Also greife ich sie bei den Fesseln und ziehe die Göre unter ihrem Schreibtisch hervor.
Sie zappelt und protestiert. Sie habe was im Landesbestattungsgesetz nachschlagen wollen und das Buch sei ihr vor mehreren Wochen hinten vom Schreibtisch runter gefallen und deshalb müsse sie immer mit der Taschenlampe untern Tisch kriechen, da könne sie sich sowieso besser konzentrieren.
Auf ihren Stiefeln ist sie einen halben Kopf größer als ich und das will was heißen...
Jan
12
Ist Antonia eigentlich doof?
Manche Leser fragten das per Mail und in den Kommentaren.
Nein, natürlich nicht; ich würde sie sonst nicht beschäftigen. Antonia leistet zuverlässig eine hervorragende Arbeit und ist vor allem bei Dingen, die andere langweilig und nervig finden würden, sehr geduldig und genau.
Man kann nicht für jede Arbeit einen dynamischen, redegewandten und akademisch denkenden Mitarbeiter gebrauchen.
Bei Antonia ist das eher so, daß sie ihr Herz auf der Zunge trägt und oft in völlig naivem Ton Sachen sagt und Fragen stellt, die -wenn sie nur eine Sekunde länger überlegt hätte- selbst von ihr nicht so gesagt oder gefragt worden wären.
Sandy, Frau Büser und Antonia nehmen ja halbwegs die selbe Wirklichkeit wahr und oft machen alle drei im ersten Moment den selben Denkfehler, jedoch bemerken Sandy und die Büserin zumeist sofort, daß da ja nach gesundem Menschenverstand etwas nicht stimmen kann, korrigieren ihre Sichtweise und umschiffen so die Fettnäpfchen, in die unser Brillenpummel so richtig mit Anlauf hineinhüpft.
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Kommentare
Ich warte übrigens noch auf.
Oh, es wird immer spannender.
@Lowlander: Linda Hunt? Wä.
TOM: es ist 17:46 und ich ha.
@Helmut (29): Google Transl.
@tante pffffft, ich wills a.
@Tom: Seriously? Für Roland.
Aber nicht dass dann der Kof.