Mär.
10
Beratungsresistent
Manchmal bräuchte man eine gepolsterte Stelle an der Wand, auf die man so ein paar mal den Kopf aufschlagen lassen kann, ohne sich zu verletzen. Ich gehe am Büro vorbei und höre wie Frau Büser ins Telefon sagt:
"Nein, die Einäscherung muß schon im Krematorium gemacht werden, das geht nicht bei Ihnen zu Hause."
Mehr muß ich gar nicht hören, um zu wissen, daß da ein völlig beratungsresistenter Kunde am Telefon ist.
Ich war bei einem älteren Ehepaar und just während ich da mit denen sitze, kommt auch der örtliche Elektromann, um nach der defekten Spülmaschine zu schauen. Wir lassen uns durch den Handwerker nicht weiter stören bis der Handwerker dann sagt:
Mär.
10
Das ölige Haar des Operettenbuffos
Ich frühstücke fast nie. Das ist furchtbar ungesund und gemessen an dem, was Mutter, Doktor und Ehefrau über diese meine Angewohnheit sagen, müßte ich schon mindestens 20 Jahre tot sein.
Ich krieg' morgens nix runter. Ein Tässchen schwarzer, heißer Kaffee, gerne auch mal zwei oder drei, das ist mein frühes Lebenselexier und Appetit bekomme ich erst immer wenn es auf elf Uhr zugeht.
Ist halt so, war schon immer so, wird sich auch nicht ändern.
Außer...
Mär.
10
Wann kommt der Bus?
Die alte Dame tritt sehr resolut auf, stampft kurz mit ihrem Gehstock auf den Boden und verlangt von Frau Büser, einen der Verantwortlichen zu sprechen. Ich gehe in die Halle, will die Dame begrüßen, doch die stampft wieder nur mit ihrem Stock auf: "Halten Sie mich nicht auf, junger Mann, ich will nur eines wissen."
"Was denn? Wie kann ich Ihnen helfen?"
"Wann kommt der Bus?"
Also alles weiß ich auch nicht. Auszubildende Nadine hat es gewußt.
Feb.
10
Der so aussieht wie wer
"Na? Jetzt gucken Sie doch mal ganz genau!"
Ich schaue mir Herrn Wörpel an, er wendet sich ins Halbprofil, reckt die Nase und will wissen: "Und? Erkannt?"
Nein, ich erkenne sie nicht, die angebliche Ähnlichkeit zu "dem wo ganz berühmt ist".
Als Bestatter lernst du hunderte, wenn nicht tausende von Leuten kennen, manche vergisst man sofort wieder, andere bleiben in Erinnerung. Ich habe die Gabe, mir Gesichter und dazugehörige Namen ganz gut merken zu können, dafür erinnere ich mich immer ganz schlecht an Daten und Ereignisse. Also Historisches und Bedeutsames, das kenne ich und weiß ich, aber so was wie das Datum meiner Einschulung oder wann ich den Führerschein gemacht habe, das kann ich höchstens an irgendwelchen anderen Erinnerungen festmachen und zurückrechnen.
Bei Herrn Wörpel habe ich den Fehler gemacht, die vage Vermutung zu äußern, er käme mir irgendwie bekannt vor.
Feb.
10
Drum hör gut zu und gib fein acht...
Jemandem die Rente auszurechnen, das ist schon was Kompliziertes. Das muß ein Fachmann machen. Weniger kompliziert ist die Angelegenheit aber schon dann, wenn beide Ehepartner schon Rentner waren, dann einer von denen stirbt und der Übrigbleibende nun Witwen- oder Witwerrente bekommen soll.
Das ist immer noch schwierig genug, aber immerhin entfällt bei diesen Kandidaten das oft langwierige Nachweisen nachkrieglicher Ausfallzeiten und das früher oft problematische Herbeischaffen irgendwelcher Kriegskameraden.
Dennoch kümmern sich die Bestatter nicht um die Beantragung der Hinterbliebenenrente, dafür fehlt ihnen das Fachwissen und sie wollten es vermutlich auch nicht tun, um nicht später für irgendeinen dabei gemachten Fehler in Haftung genommen werden zu können.
Was der Bestatter jedoch regelmäßig macht, ist das Beantragen der 3monatigen Übergangsrente. Das geht mit einem einfachen Formblatt, da kann man nicht viel verkehrt machen.
So sagen wir also zu unseren Kunden:
Feb.
10
Ach was?
"Is' ja 'ne dolle Sache!"
Ich hatte Herrn Siegfried Theobald Auner eigentlich nur unsere Sargausstellung gezeigt. Ich finde sie ja auch ganz schön und imposant, aber bei meinen Reisen durch das Land habe ich auch schon Ausstellungen anderer Bestatter gesehen, die ich noch viel schöner fand.
Nebenbei erzählt, fand ich in Berlin einen Bestatter, der die Särge einfach im Nebenzimmer einer Erdgeschosswohnung aufeinandergestapelt hatte, also den Boden des Oberen auf dem Deckel des Unteren.
In diesem Raum konnte man sich kaum bewegen und schaute sich die Särge nur von der Tür aus an.
Ein Kollege im Ruhrgebiet führte mich in einen großen, indirekt beleuchteten und auf den ersten Blick leeren Raum und zog dann die verschiedenen Sargmodelle auf lautlos gleitenden Schienen aus Nischen in der Wand, die durch Vorhänge verdeckt waren. Unterschiede gibt's da also schon.
Feb.
10
Aha
"Sagen Sie mal, haben Sie samstags auch auf?"
"Nein, am Samstag sind keine normalen Bürostunden, aber wenn was anliegt, ist immer jemand erreichbar."
"Also haben Sie zu?"
"Ja."
"Nicht auf?"
"Nein."
"Zu?"
"Jahaa."
"Meine Güte, man wird ja noch mal fragen dürfen."
"Aber sicher doch."
"Machen Sie sich gerade über mich lustig?"
"Nein."
"Dann ist ja gut."
"Ja."
"Was?"
"Ich sagte 'Ja'."
"Warum?"
"Nur so."
"Aha."
"Genau."
"Sie verwirren mich! Ich wollte doch nur wissen, ob Sie auf haben und jetzt bin ich verwirrt."
"Das tut mir leid, das lag nicht in meiner Absicht."
"Offen oder zu?"
"Zu."
"Aha."
Feb.
10
Voll geheim
Ich sage: "Ja, ist gut, das können wir so machen."
Der Kunde: "Würden Sie mir dann Bescheid geben?"
"Aber sicher. Am Besten wird es sein, wenn ich Sie anrufe. Geben Sie mir freundlicherweise Ihre Nummer?"
"Nein, das geht nicht, die steht nämlich nicht im Telefonbuch."
"Dann sagen Sie sie mir doch einfach."
"Nein, die ist doch geheim, sonst rufen uns die Leute an."
"Ja aber irgendwer muß Sie doch ab und zu mal anrufen, wenn's um was Wichtiges geht."
"Schon, aber wir haben nicht so wichtiges Zeug."
"Kann ich Sie per Mail erreichen?"
"Das ist ganz schlecht, da guck ich nur alle paar Wochen mal nach."
"Fax?"
"Haben wir nicht. Das heißt, wir haben das schon, aber die Rolle ist schon ein Jahr leer."
"Tja, und wie haben Sie sich das vorgestellt, daß ich Sie erreiche und Ihnen Bescheid geben soll? Nachts ziellos durch die Straßen irren und die Botschaft ausrufen?"
Der Kunde lacht und meint: "Vielleicht schicken Sie mir einfach eine SMS."
"Aber dann hätte ich ja auch eine Telefonnummer von Ihnen."
"Schon, aber Sie dürfen dann halt nicht bei mir anrufen, nur simsen, ja?"
Feb.
10
Hallo!
Frau Buttinger ist Ende 60, keineswegs senil, aber durchaus, was das Technische anbetrifft, nicht mehr besonders wissensdurstig und flexibel. Das kennt man ja von vielen älteren Menschen, irgendwann wurde das ganze neumodische technische Zeug zu schnell. So erklärte es mir mal ein älterer Herr: "Mir ist das alles zu schnell geworden. Ich bin Ingenieur, mir ist alles Technische nicht fremd, aber ich komme da nicht mehr mit. Kaum hat man die Funktionen irgendeines Apparates endlich begriffen und kommt gut damit zurecht, dann geht er kaputt oder man muß aus anderen Gründen was Neues anschaffen und schon stehe ich wieder wie der Ochs vor dem Berg."
Feb.
10
Die Ex
"Hamm'se 'ne Latte?" fragt Ulrike Niebel, lacht mir dabei ins Gesicht und ihre weißen Zähne blitzen. Ich weiß, daß sie nicht auf meine sexuelle Leistungsfähigkeit anspielt, denn kurz zuvor hatte ich sie gefragt, ob sie einen Kaffee möchte.
"Ja, klar, haben wir" sage ich und will schon die Bestellung an Antonia weitergeben, da erkundigt sich meine Besucherin: "Oder gibbet vielleicht auch Kappeschiehnies?"
"Jawoll, Cappuccino haben wir auch". Wieder will ich Antonia mit der Anfertigung des Kaffeegetränks beauftragen, da ereilt mich jenes Wort, das mir in den Ohren fast so wehtut wie "zeitnah", "ich erinnere" oder "Zwozehn" als Synonym für 2010, Frau Niebel sagt: "Wenn'se aber 'nen Expresso haben, das wär' klasse."
Ich kann nix dafür, es ist einfach so, es ist ein starker Trieb, der ganz unten aus dem Beckenboden kommt, in mir über die Nabelgrenze emporsteigt, sich in der ganzen Brust breit macht und der mich alle mir zur Verfügung stehenden Kräfte aufbringen lässt, um zu unterdrücken, daß ich dem Expresso-Sager sein doofes X aus dem eben gesagten Expresso herausreiße und es ihm in den Hals stopfe. Ich kann wirklich nichts dafür!
Espresso! Espresso, Essssssssssssspresso!
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Kommentare
Und wenns mir dort oben nich.
Da Ungarn in der Landessprac.
Ich finde es gut das sich To.
Simpelste Lösung is ja imme.
@Big Al (16): [url=http://w.
@Tom: Der etwas bissige Komm.
Quatsch! "Der Magier" ist do.
Der nette Bestatter von nebe.