Sep
Der mit dem Hut ruft an
"Wir hatten neulich diese Beerdigung bei Ihnen, wissen Sie da Bescheid?"
"Um welche Beerdigung handelt es sich denn, nennen Sie doch freundlicherweise mal den Namen des Verstorbenen."
"Franz."
"Nicht den Vornamen bitte, wir benötigen den Nachnamen."
"Franz, Martha Franz."
"Gut, kleinen Moment bitte, ich schau' grad mal. ... Hm, den Namen Franz habe ich nicht im Rechner, um was geht es denn genau?"
"Ich will jetzt die andere Tante, also die Tante Rosel, auch beerdigen lassen. Da dachte ich, ich nehm' Sie, weil Sie ja letztens auch die Tante Martha hatten. Das haben Sie gut gemacht. Sie müssen sich doch an mich erinnern, ich bin der mit dem Hut."
Aug
Google Kloview
Im Sanitärbereich für Kunden, Abteilung Damen, hängt ein kleiner Duftspender über der Tür. Dieser kleine Apparat hat einen Bewegungssensor und versprüht beim Öffnen der Tür einmal kurz einen Hauch von Meeresbrise. Danach fällt er wieder in Tiefschlaf und harrt des nächsten Besuchers, oder um genau zu sein: der nächsten Besucherin.
Diesem Harren verleiht das klein Teil durch das Blinken eines kleinen grünen Lämpchens Ausdruck: "Hallo ich harre so vor mich hin und meine Batterie ist dolle voll."
Aug
Das spült
Herr Henschel: "Und wenn ich's Ihnen doch sage, meine Mutter ist erst verbrannt und dann mit dem Sarg beerdigt worden und genau so will ich das jetzt auch für meinen Vater."
Bestatter: "Natürlich können wir Ihre Frau jetzt im Krematorium einäschern lassen, wenn Sie das so wünschen, aber wir können dann anschließend nur die Urne beisetzen, der Sarg ist dann weg."
"Das ist doch Quatsch! Sagen Sie mal, wollen Sie mir einen Bären aufbinden, ich war doch schließlich dabei, als meine Mutter beerdigt worden ist. Erst war die Trauerfeier, dann ist'se eingeäschert worden und dann war die Beerdigung vom Sarg, ich war doch dabei!"
"Wenn doch aber Ihre Frau Mutter eingeäschert worden wäre, dann gäbe es doch anschließend keinen Sarg mehr, weil der mitsamt dem Leichnam eingeäschert wird. Es gibt dann nur noch eine Urne. Das ist doch logisch."
"Was bitteschön ist denn daran logisch?"
Aug
Buh!!!
Gerade war der Postmann da, hat mir einen Stapel Umschläge in die Hand gedrückt und ich stehe noch in der Halle und schaue die Post grob durch, da geht die Tür wieder auf. Es kommt ein junger Mann herein, Anzug, ordentliche Erscheinung, ein schwarzer Rucksack auf dem Rücken und eine blau blinkende Sprechwarze an der Wange.
Er telefoniert gerade mit jemandem, würdigt mich keines Blickes und geht einfach an mir vorbei.
Ich mache mein Doris-Day-Gesicht, Mund und Augen offen und dann ganz langsam jemandem verwundert hinterher schauen...
Der Mann legt seinen Rucksack neben der Toilettentür ab und geht auf unser Besucherklo.
Kurz darauf kommt er heraus, immer noch telefonierend, sich gleichzeitig die Hände mit einem Einweghandtuch abwischend. Dann schaut er sich kurz suchend in der Halle um und wirft das zusammenknüllte Papierhandtuch einfach neben die Blumenschale auf dem Tisch vor der Sitzgarnitur, der Weg zum Papierkorb war ihm wohl zu weit.
Er spricht die ganze Zeit schnell in seine am Ohr befestigte Sprechwarze, es geht um den WLAN-Anschluss von Tobis Freundin Vanessa, soviel habe ich mitbekommen.
Dann setzt er seinen Rucksack wieder auf und will, ohne mich weiter zu beachten, einfach an mir vorbei gehen.
Aug
Schlechte Leistung
Zwei Wochen nach der Beerdigung:
"Wir haben gestern Ihre Rechnung bekommen. Vielen Dank nochmal, daß alles so gut gelaufen ist, wir waren sehr zufrieden. Meine Frau geht morgen früh gleich auf die Bank und macht das fertig."
Zwei Wochen später:
"Wie, Sie haben das Geld noch nicht? Da muß ich mal mit meiner Frau sprechen, die ist gerade beim Arzt. Ich melde mich bei Ihnen."
Zwei weitere Wochen später:
"Wir waren jetzt erst mal eine Woche an der Ostsee, das hat uns ja alles sehr mitgenommen, da brauchten wir die Abwechslung. Ihr Geld haben wir nicht vergessen, das machen wir gleich nächste Woche fertig, versprochen! Ratenzahlung machen wir nicht, da ist man ja dann verschuldet."
Einen Monat später:
"Was fällt Ihnen eigentlich ein, uns eine Mahnung ins Haus zu schicken? Haben Sie den überhaupt kein Schamgefühl? Sowas ist pietätlos! Sie können sich darauf verlassen, daß wir das allen unseren Bekannten erzählen werden. Wir müssen erst mal abwarten was da beim Erbe überhaupt rauskommt. Vom Konto vom Opa haben wir jetzt erst einmal die städtische Rechnung bezahlt und den Grabstein angezahlt. Jetzt ist nichts mehr da."
Aug
Warm anziehen!
Telefon: klingelt
Frau Büser: meldet sich
Anrufer: "So geht's ja nicht! So geht es wirklich nicht!"
Frau Büser: "Um was geht's denn bitte?"
Anrufer: "Unterbrechen Sie mich nicht!"
Frau Büser: "Meine Güte, was wollen Sie denn? Wer sind Sie überhaupt?"
Anrufer: "Sie werden noch sehen was Sie davon haben!"
Frau Büser: "Wie bitte?"
Anrufer: "Ziehen Sie sich warm an, das kann ich Ihnen nur raten, ziehen Sie sich warm an!"
Frau Büser: "Ich glaub' es geht los, draußen sind es 28 Grad!" (legt auf).
Aug
Leiche verwechselt!
Panik!
Sandy rennt, Manni rennt und sogar ich bewege mich etwas schneller als sonst. Wir alle begeben uns zum Gang neben der Trauerhalle, wo sich die Aufbahrungsräume befinden.
Was war geschehen?
Frau Büser war aufgeregt von dort wiedergekommen, hatte kurz zuvor eine Familie dorthin begleitet, die Kerzen und Lampen angezündet und die Familie zu ihrem verstorbenen Großvater gelassen.
"Die haben gesagt, das wär' nicht ihr Opa!"
Um Himmels Willen! Sollten wir tatsächlich eine Leiche verwechselt haben?
Aug
Erst die Sportschau
"Tach, hier Meier, könn'se uns ma' dem Oppa holen?"
"Wie bitte?"
"Ja, der wär' gezz ma' tot. Muss sofort sein, is' eilich."
"Wir sollen bei Ihnen einen Verstorbenen abholen?"
"Nee, nich' hier, sondern da."
"Wo denn?"
"Im evangelischen Krankenhaus."
"Da wäre es erforderlich, daß wir uns vorher mal zusammensetzen."
"Wie? Gezz an Sonntach?"
"Ja, wäre schon besser."
"Nee, gezz is' Formel 1 und nachher kommt Sportschau. Wissen'se watt, holen 'se den morgen, dann kann meine Frau morgen früh bei Ihnen ersma vorbeikommen. Is' vielleicht doch nich' ganz so eilich."
Jul
Voll geheim! Bankgeheimnis
Frau Kranz tut mir schon ein bißchen leid, wie sie da so vor mir sitzt und total überfordert ist mit den ganzen Formalitäten nach dem Tode ihres Mannes. "Da hat sich immer mein Mann drum gekümmert, von dem ganzen Schriftlichen verstehe ich doch nichts."
Das soll insgesamt zunächst mal kein Problem darstellen. Für solche Fälle bieten gute Bestatter fast schon ein Rundum-Sorglos-Paket an. Die Hinterbliebenen können alles was sie an Unterlagen haben, einfach vorbei bringen und in mühevoller Kleinarbeit wühlen wir uns dann zu dritt durch die Schuber, Karton, Ordner und Kisten. Wir stellen dann zusammen, was abgemeldet werden kann, schauen die Kontoauszüge nach unnötigen Abbuchungen durch und besprechen dann alles mit dem Kunden. Am Ende kann immer eine ganze Menge abgemeldet, gelöscht und vernichtet werden.
Jul
Honig-Salbei
Nach dem Dauerbrenner: "Darf man bei Ihnen auch probeliegen?" ist die scherzhaft gestellte Frage: "Sie die Totenhemden auch pflegeleicht und bügelfrei?" der Brüller schlechthin. Da liegt jeder Bestatter lachend am Boden, garantiert! Hat er noch nie gehört!
Ich schrieb ja schon oft, daß Menschen, die nicht von einem aktuellen Sterbefall betroffen sind, in aller Regel sehr entspannt und manchmal auch etwas enthemmt mit dem Thema Tod und Sterben umgehen, wenn sie auf einen Bestatter treffen und das ansonsten tabuisierte Thema mal ansprechen und hinterfragen können.
Dazu gehört dann oftmals auch, daß sie den einen Bestatterwitz den sie kennen, endlich mal an den Mann bringen wollen.
Aber Frau Rindgens ist da anders. Völlig abgehetzt kommt sie mit einer ganzen Schar Kinder auf Fahrrädern zu uns. Ihr Mann war früh am Tag da gewesen und hatte die Bestattung für seine Mutter bestellt. Nur die Auswahl der Sarginnenausstattung und des Totenhemdes wollte er lieber seiner Frau überlassen, die später vorbei kommen würde.
Jul
Bärenklau
Herr Pottenkötter ist einer unserer Kunden. Zumindest mal in dem Sinne wie es viele verstehen, wenn sie mit uns Bestattern sprechen. Die allermeisten Laien meinen mit "Kunden" die uns anvertrauten Verstorbenen, während wir Bestatter da fein unterscheiden: die einen sind die Verstorbenen und die anderen die Kunden.
Man kann es sich ganz leicht merken: Nur die Kunden geben Widerworte.
So gesehen ist Herr Pottenkötter also im eigentlichen Sinne kein Kunde und er ist es doch.
So etwas kommt immer mal wieder vor, gehört aber zu den seltenen Ausnahmen.
Jul
Das Drecksloch
Bei der Beerdigung ihrer Mutter hatte eine der Töchter alles in die Hand genommen. Die andere wohnt auswärts und konnte und wollte sich da nicht kümmern. Nach meinem Dafürhalten ist alles normal und ordentlich abgelaufen. Es war eine kleine, ordentliche Standardbestattung. Etwa zwei Dutzend Trauergäste, Pfarrer, Organist und vier Sargträger. Blumen, Musik, Zeitungsanzeige, es hat an nichts gefehlt.
Etwa ein halbes Jahr nach der Beerdigung war das Grab angelegt worden, eine Sache die den Bestatter an und für sich nichts mehr angeht. Ich wußte das aber, weil die eine Tochter mit dem hölzernen Grabkreuz bei uns aufgetaucht war und gesagt hatte: "Mensch, das ist doch noch so gut in Schuss, das wäre doch Quatsch wenn der Friedhofswärter das auf den Müll schmeißt. Nehmen Sie das doch bitte, es gibt doch bestimmt auch Familien, die sich sowas nicht leisten können. Die Schrift kann man doch leicht wegmachen."
Seitdem sind wieder einige Monate vergangen.
Jul
Erdmännchen
Herr und Frau Pützenroth geraten sich bei hochsommerlichen Temperaturen in die Haare. Ihre Vorsorge haben sie unter Dach und Fach, es geht eigentlich für mich nur noch darum, die übliche nachfolgende Konversation höflich zu Ende zu bringen.
"Mann, watt bin ich froh, datt endlich datt mit den Fußball vorbei ist. Mein Mann hat ja nur noch vor die Kiste gehockt und geglotzt. Bei den meisten Ländern weiß der noch nichtmal wo die sind, aber die Spiele angucken muß er trotzdem."
"Ach sei Du doch ruhig, was ist denn mit dich und deine Tiersendungen? Erdmännchen und Kobold und so? Da krieg ich voll den Hals wenn ich diese arroganten Erdmännchen da seh'."
"Erdmännchen? Die sind doch voll niedlich! Die haben jetzt festgestellt, daß Erdmännchen sogar zwei verschiedene Warntöne ausstoßen können..."
"Sach ich doch: arrogante Scheißviecher!"
"Und was ist daran bitteschön arogant?"
Jul
Im Internet ist es billiger
Ich hab ja so ein Eierfon von Apfel. Da kann man, wie bei ganz vielen anderen Mobiltelefonen auch, für bestimmte Leute oder Anrufergruppen eigene Klingeltöne einstellen. So höre ich schon am Klingeln, welcher Heini jetzt wieder was von mir will.
Meine Kleine beispielsweise kündet ihre Anrufe, aufgrund ihrer engen Beziehung zum örtlichen Karnevalsverein, mit den ersten Tönen des Narhallamarsches, meine liebe Ehefrau hat die Tonsequenz "So ein kleiner Klugscheißer" und mein Sohn kommt mit "Da steht ein Pferd vor der Tür".
Bill und Penny, unsere amerikanischen Bekannten, klingeln mit dem Titel "Money" und für alle Deppen habe ich das Dingeldangel von den Muppets. Würde ich mich selbst anrufen, klänge das wie die Titelmelodie von "Monk".
Jul
Als die Royal Air Force unseren Kanzler ermordete und so
Frau Schebulski hat Ahnung. Nee, ehrlich! Die hat von allem Ahnung, weiß alles, weiß alles besser und kann einfach ihren dummen Mund nicht halten. Das klingt natürlich hart und gar nicht so diplomatisch wie ich mich sonst auszudrücken pflege. Ich beschreibe ja normalerweise auch noch eine Kellerassel als schlankes, langbeiniges Wesen, aber bei Frau Schebulski will mir das nicht gelingen.
"Ist das Fichte?" fragt sie, deutet auf einen schweren Mahagoni-Sarg und läßt mir gar keine Chance, ihr zu antworten, sondern fährt gleich fort: "Das erkenn' ich nämlich, haben wir auch im Schlafzimmer."
Die einzige Urne aus poliertem Messing erklärt sie zur Kupferurne, sie habe so einen Flaschenöffner aus diesem Material und außerdem komme die sowieso nicht in Frage, die sei ja so viel größer als die blaue daneben.
Ich stelle beide Urnen nebeneinander auf den Tisch, sie kann sich davon überzeugen, daß sie gleich groß sind und sie nickt bestätigend: "Sach ich doch. Die aus Kupfer ist größer, ist ja klar."
©2010 Bestatter-Weblog
Serendipity-Template von Michael Kaiser, Undertaker-Image © by Mike Worley.
Administration Tiggerswelt auf Servern von MANITU
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Template Version: Emperor 1.0 Cadaver-Day-Release





Kommentare
Nicht viel was anderes als e.
@17 Christina: [quote]wie ka.
Den frittierten Marsriegel f.
Wobei sich natürlich nun di.
@Tzsoch, kein Fake, selbs.
Unter dem Bild steht bei wik.
Ich dachte immer "gemeinfrei.
"Anwälte tun auch nur, was .