Leckere Pizza

Antonio macht supergute Pizza und Antonia mag supergute Pizza.
Wie so oft waren wir alle gemeinsam zum Mittagsessen unterwegs.
Die Pizzeria liegt nur etwa zweihundert Meter vom Bestattungshaus entfernt.
Frau Büser bestellte sich “Knockis”, Sandy einen riesengroßen, bunten, italienischen Salat, Nadine und ich bestellten uns Pizza und Antonia fragte den Kellner, ob sie nicht eine Pizza mit Knockis und einem riesengroßen Salat darauf bekommen könne.

Kaum kam der Kellner und stellte diese Pizza vor mich hin:

pizza1

…da klingelte das Handy und eine Familie von einem aktuellen Sterbefall meldete sich. Man stehe vor unserem Bestattungshaus, wolle eben die Rechnung in bar bezahlen und ob denn da nicht jemand kommen könne.
Na gut, was machte der liebe Papachef, er winkte ab, ließ seine Mitarbeiter mit dem Essen beginnen und machte sich selbst auf den Weg.

“Aber wehe, einer von Euch futtert meine Pizza, die ist so lecker, ich esse besonders gerne den Rand!”, sagte ich noch und ging.

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Sind wir doch mal nicht kleinlich -2-

Da stehe ich da und sperre für einen kurzen Moment den Mund auf.
Ist mir so etwas an Dreistigkeit schon einmal untergekommen?
Hat dieser Herr Fuchs mir eben gesagt, daß er mich immer und immer wieder behupst, behumbst und bedaddelt?

Während in mir Gedanken über Abmahnung, Kündigung und was weiß ich Purzelbaum schlagen, drängt sich eine andere Geschichte aus den Tiefen meiner rindfleischverseuchten Gehirnwindungen nach oben.

Es war ein sonniger Tag, die Männer aus der Werkstatt und die Aushilfsfahrer hatten alle unsere Wagen aus der Tiefgarage hoch geholt und gründlich ausgeräumt, gewaschen und poliert.
Herr Fuchs lag zu diesem Zweck quer über den beiden Sitzen eines Bestattungswagens und klaubte irgendetwas unter einem der Sitze hervor.
Manni kam um den Wagen herum, sah die Beifahrertür offenstehen und wußte nichts vom quer im Wagen liegenden Herrn Fuchs.
Ja und dann? Dann haute Manni die Tür mal ordentlich zu und dem armen Herrn Fuchs vor den Schädel.
Deshalb ging die Tür auch nicht richtig zu, weshalb Manni nochmals ordentlich Schwung nahm und die Tür nochmals und nochmals zuwerfen wollte.
Natürlich hatte Herr Fuchs schon beim ersten Mal geschrien, aber das hatte Manni nicht gehört, weil die Männer eines der Autoradios aufgedreht hatten.

Erst beim vierten oder fünften Mal sah Manni nach und bemerkte den armen Kollegen, der sich den Kopf hielt.

“Ach Gott, ist Dir was passiert?” fragte Manni.

Und was macht Herr Fuchs? Er hebt den schmerzenden Schädel und ruft: “Manni, Manni, ich bin sowas von bewußtlos, man könnte sagen ohnmächtig!”

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Sind wir doch mal nicht kleinlich

Im Laufe der Jahre sind viele Mitarbeiter durch mein Unternehmen gegangen.
Eigentlich bin ich stolz darauf, daß meine Stammbesatzung beinahe Ewigkeiten bei mir beschäftigt war und nie einer gekündigt hat, weil es ihm nicht mehr gefiel.
Aber beim Fahrpersonal hat man immer eine gewisse Fluktuation, weil man gerade im Bereich der Aushilfsfahrer oft auf diejenigen zurückgreifen muß, die von anderen Unternehmen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt wurden.
Von ein paar Pflänzchen aus diesem Teil der Beschäftigungsbotanik habe ich ja schon erzählt (Siehe die Henning-Geschichte oder der berühmte Herr Sommerfeld).

Einmal hatten wir einen Herrn Fuchs. Immer ein Grinsen auf den Lippen, das bei ihm zur Physiognomie gehörte und keinerlei Ursachen im Frohsinn hatte, und ansonsten stets freundlich und arbeitsam, ist mir der Mann nie weiter aufgefallen.
Er erledigte seine Fahraufträge, schrieb seine Stunden auf den Zettel, kam am Monatsende zum Kassieren und das war’s dann auch schon.
Eher unauffällig.

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Der Horst

vollhorst-pixabay“Wenigstens haben wir uns nicht in die Köppe gekriegt!”

Das sagt Antonia zu mir, nachdem sie mir von einer Auseinandersetzung mit Sandy berichtet hat. Na gut, wenigstens haben die beiden sich wieder vertragen.
In einem Büro, in dem fast nur Frauen arbeiten und in dem ich mitunter der einzige Mann bin, habe ich da immer wieder einiges auszuhalten.
Man könnte ja meinen, ich sei da der Hahn im Korb, aber Frau Büser kennt diesen Spruch nur als: “Gell, Chef, heut’ sind sie aber wieder mal der Horst im Korb?”

Manchmal bin ich aber nicht nur der Horst, sondern komme mir, angesichts der weiblichen Übermacht, die natürlich auch immer Recht hat, eher vor wie der Vollhorst.

“Da habe ich ehrlich Schweiß und Wasser geschwitzt”, stöhnt Antonia eines Tages und ich berichtige: “Blut und Wasser heißt das.”

“Ja wieso das denn? Man schwitzt doch Wasser aus”, wehrt sie sich und schon stehen Frau Büser, Sandy und Nadine neben und hinter ihr und nicken. Klar, der Chefhorst hat gewiehert und da kann kein Blödsinn blöd genug sein, als daß man sofort jede Stutenbissigkeit fallen läßt und zu gleichgesinnten Bürosuffragetten mutiert.

Als alter Bücheronkel parierte ich: “Das stammt aus der Bibel. Nach Lukas hat Jesus in der Stunde der Entscheidung auf dem Ölberg vor seiner Verhaftung gebetet und dabei Blut und Wasser geschwitzt.”1

“Blödsinn!” wehrte sich Frau Büser nun: “Der hat Essig geschwitzt, das weiß doch jeder.”

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Genealogen und der Geheimdienst der Post

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Es ist schon einige Jahre her und in dieser Zeit gab es noch eine richtige Post. Man brachte seine Post auf ein Postamt und nicht an einen Beistelltisch im Hinterzimmer einer chemischen Reinigung, die auch Fahrscheine verkauft und Lottozettel annimmt.
In jener Zeit hatten wir sehr viel mit einer genealogischen Gesellschaft zu tun.
Genealogen, nein, das sind keine Leute, die medizinische Untersuchungen an Frauen vornehmen, sondern das sind Ahnenforscher.
Die Leute erforschen ihren Stammbaum, um diesen dann möglichst lückenlos aufzeichnen zu können.
Das kann ein sehr schönes Hobby sein, wenngleich sich meist die Erforschung der ersten zurückliegenden Generationen als recht leicht erweisen kann und man dann sehr schnell an den gefürchteten toten Punkt kommt. Das ist die Stelle im 19. Jahrhundert, ab der es keine leicht auffindbaren zurückliegenden Aufzeichnungen mehr gibt.

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