Cleverle und Halsabschneider -2-

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, muß das Cleverle mit seinem Wunsch nach einer billigen Internetbestattung erstens nicht nur mehrere der Internetanbieter kontaktiert haben, sondern auch noch nahezu alle Kollegen hier in der Gegend angerufen haben.

Man kennt das hauptsächlich von ausländischen Mitbürgern, die auch noch eine Auslandsüberführung brauchen, daß da gleich mehrere Familienangehörige bei Dutzenden Bestattern herumtelefonieren. Das verursacht bei allen Angerufenen Kosten, denn fast jeder informiert sich nun seinerseits bei Überführungsdienstleistern und Fluggesellschaften etc., und endlich bekommt dann keiner der Angerufenen den Auftrag, weil’s dann doch irgendein Landsmann macht oder so.

Aber hin und wieder rufen auch Deutsche im Rudel an. Ich schrieb ja neulich erst über das Problem. Man hat dann zumeist ausgerechnet den Familienangehörigen am Telefon, der am allerwenigsten Bescheid weiß und soll dem dann, auf vage Andeutungen hin, einen möglichst exakten Preis nennen. Sitzen die Leute einem dann gegenüber, stellt sich heraus, daß alles doch ganz anders gewünscht wird und manchmal ist das Geschrei dann groß, wenn alles dann doch teurer ist als am Telefon gesagt.

„Haben wir schon miteinander gesprochen?“

„Um was geht es denn bitte?“

„Ja, wegen der Internetbestattung, darum dreht’s sich.“

„Kann sein, was kann ich für Sie tun?“

„Ich hab jetzt alle angerufen, keiner macht die Bestattung so wie wir sie wollen für 449 Euro.“

„Das kann ja zum Beispiel daran liegen, daß die 449 Euro nur ein Billigangebot ist und Sie eben mehr wollen als dieses Angebot umfasst.“

„Ja sicher, aber das ist doch unfair.“

„Wenn in einer Anzeige eine Jogginghose für 9 Euro beworben wird, bekommen Sie ja auch keinen maßgeschneiderten Anzug für 9 Euro.“

„Das kann man ja wohl nicht vergleichen, schließlich haben wir das aus dem Internet, da hat man doch Rechte, so als Verbraucher mein ich.“

„Also, das ist ganz einfach. Entweder wir setzen uns jetzt zusammen und planen die Bestattung, dann können wir schauen, daß wir das so günstig wie möglich machen oder sie rufen jetzt genau den Bestatter an, der mit diesem 449-Euro-Anbieter einen Vertrag hat und machen die Bestattung so wie der das will, dann eben für 449 Euro.“

„Ja, aber der kann das auch nicht für 449 Euro machen, sagt er.“

„Ich hab Ihnen jetzt gesagt, wie wir es machen können, überlegen Sie es sich!“

„Mein Schwager telefoniert auch noch herum. Vielleicht findet der noch was Billigeres.“

„Sie wissen ja noch gar nicht was es bei uns kosten würde.“

„Ach was?“

„Nö.“

„Dann sag ich das meinem Schwager, der ruft sie dann an.“

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

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  • Veröffentlicht am: 24. August 2008
  • 17 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

17 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Bei dem Wort „Internetbestattung“ drängt sich mir folgendes Bild auf:

    Bestatter: „Gut, dann scannen Sie jetzt bitte Ihren Verstorbenen ein und schicken ihn dann an folgende E-Mail-Adresse…“

    Mal sehen, ob ich das zeichnerisch umsetzen kann…

  2. Machnmal wünsche ich mir die Zeiten zurück, in denen eine Familie eine Telefonnummer, eine Leitung und kein Handy hatte… Da war sowas wesentlich schwerer zu organisieren ^^

  3. *kopfschüttel*
    Geiz ist doch nicht geil, was? Ich kapier so manchmal nicht, was die Leute sich so vorstellen…

  4. Ich finde es ja schon befremdlich genug, ein regelrechts Callcenter aufzubauen, um nur ja nicht mehr als nötig für die Bestattung zu zahlen, aber dann noch derart dummdreist auf dem „Verbrennen und irgendwo vergraben“-Tarif von billigbegraebnis24.de (frei erfunden) zu bestehen ist schon sehr bizarr.
    Wie geizig kann man nur sein?

  5. @3

    die wollen eine Bestattung inklusive Überführung in einem Rolls-Royce, Edel-Sarg, mit allem drum und dran, inklusive einem Leichenschmaus in einem 3-Sterne-Restaurant, welches im Michelin-Guide steht.

    Und das alles für -10 Euro. Geiz ist ja geil ;-)

    ;-)

  6. Im Internet. Da hat man Rechte. So als Verbraucher!

    Da würd‘ ich mich an seiner Stelle aber mal ganz schnell bei der Verbraucherzentrale beschweren!

  7. Ja ja, die tollen Internet „ich darf ja alles zurückschicken und Verträge brauch man ja nich einhalten, kann man ja widerrufen“ Gesetze.

    Hat eigentlich schon jemand von seinem 14 tägigen Widerufrecht Gebrauch gemacht nach der Beerdigung? Nach neuem EU Recht oder so ähnlich?

  8. Ich glaub nich dass dieses bereits erbrachte Dienstleistungen beinhaltet ;)

  9. Sachen gibt’s. *kopfschüttel* Ich glaube nicht, dass ich im Falle einer Bestattung auf die Idee käme zig Bestattungsunternehmer anzurufen.

  10. Bestattung als Haustürgeschäft stell ich mir auch eher schwer vor… ;)

    Schon interessant wie manche die Verbraucherschutznormen missverstehen. Ist wie mit dem Raucherverbot, da denkt nu auch jeder, das wäre vom Bundesverfassungsgericht gekippt worden.

  11. Ich würde solche Kunden ablehnen… Kostet doch nur Zeit und Nerven…

  12. Internetbestattung in etwa so:

    Wir holen Ihren Verstorbenen ab, äschern ihn ein, er wird ohne Urne in einem Friedwald vertsteut.

    Auf http://www.[meinestadt]-friedhof.de können Sie sich ein digitales Grab aussuchen und im Formular einfach die Daten eingeben die auf dem digitalen Grabstein stehen sollen. Das machen Sie einfach von zu Hause aus. Im Anschluss bekommen Sie einen Link für die Großansicht des Grabes etwa: http://www.[meinestadt]-friedhof.de/Bernhard-Mueller-1923-2006 dort können Sie auch noch ein Foto des Verstorbenen hochladen.

    Das Grab wird dann 20 Jahre, wie im echten Leben, auf der Webseite zu sehen sein.

    ——–

    Na einer Lust, ist bestimmt ein guter Markt.

  13. Ich habe das Gefühl, nach Lesen des Preises setzt bei vielen Kunden der plötzliche Hirntod ein.

    Das Lesen von Artikelbeschreibungen fällt offenbar als Erstes flach. Es wird auch nie nach einem Text gesucht, der das Sternchen am Preis erklärt. Auch der Hinweis auf eventuelle Zusatzkosten für Extra-Wünsche wird einfach fortgewünscht.

    Sein wir mal ehrlich, genau solche Kunden sind eigentlich super für’s Fernsehen: Als Gast bei „Raus aus den Schulden“…

  14. Anderswo würde hier jetzt stehen „Der wollte nur ins Blog…“ aber das wäre doch arg geschmacklos…

  15. Es geht sogar noch billiger als im Internet. Biete ihm ddie Doityourselfbeerdigung für 250 € an.
    Er bekommt den Spaten geborgt und die Seile zum ablassen (30 € Pfand). Dazu eine Bauplankopie vom Sarg, das Holz soll er im Baumarkt holen. Die Laufereien auf die Ämter und die Grabrede – alles Eigenleistung. Für den Transport ein Handkarren.
    Zur Endkontrolle wirfst Du mal einen kleinen Blick drauf, ob alles vorschriftsmäßig gemacht wurde.

  16. ich find das immer wieder herrlich mit den Rechten als Verbraucher.
    im Internet !!!
    jawoll, das ist jetzt EU !!!
    einelf
    :)
    köstlich

  17. Ihr könntet Bestattungen ja auch als Zugabe zu einem Handyvertrag anbieten:

    Bei Abschluss von 3x VodaCom ComfortOnline + Phonemarketingflatrate eine Erdbestattung und 50€ Auszahlung.
    Bei Sterbefall bis 31.08. gibts noch einen Klingelton (freie Auswahl aus den Bachschen Orgelwerken) gratis.

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