Cooper Ia

Cooper hat nur eine Mutter, über den Vater weiß man nicht viel, der sei schon während der Schwangerschaft auf und davon gewesen. Entsprechend jung ist sie, eigentlich ganz nett und vollkommen versteinert. Das Gesicht der blonden Frau gleicht einer weißen Maske, um den Mund und unter den Augen hat sich der Stress eingegraben, vielleicht sind es auch Spuren harter Jahre.

Mit Hans-Rüdiger hat sie es nie besonders leicht gehabt, kein Hauptschulabschluss, mit Mühe und Not eine Lehrstelle bekommen, die Lehre abgebrochen, gejobbt, immer wieder arbeitslos. „Wenn der einen hatte, der für ihn arbeiten ging, dann legte der sich auf die Couch und spielte Playstation“, sagt die Mutter resignierend. „Nur wenn es um sein Motorrad ging, dann wurde der aktiv.“

Schon seit dem Kindergarten war der Junge immer mal wieder durch seinen Jähzorn und die damit verbundene Gewaltbereitschaft aufgefallen und es blieb nicht aus, daß er schon mehrfach mit der Polizei in Berührung gekommen war.

Die finanziellen Möglichkeiten der Frau kann man durchaus als strapaziert bezeichnen, aber sie versichert, daß ihre Geschwister zusammenlegen wollen. Dennoch beraten wir mal lieber etwas kostensensibel, 800 Euro für Blumen müssen dann wirklich nicht sein.

Außerdem steht zu befürchten, daß eine Trauerfeier und anschließende Beerdigung die Presse anziehen könnte, auch das gilt es zu bedenken. Darüber hatte die Frau noch gar nicht nachgedacht. Bei der Friedhofsverwaltung werden wir eine Auskunftssperre beantragen, das bedeutet, daß weder in Aushängen, noch in Zeitungsspalten auf die Termine hingewiesen wird. Auch am Telefon wird man keine Auskunft geben. Logischerweise kommt auch keine Zeitungsanzeige mit Terminhinweis in Frage.

Es erleichtert die Sache, daß Coopers Mutter eine Einäscherung haben möchte. Wir organisieren eine Trauerfeier, danach kommt der Sarg ins Krematorium und die Aschenkapsel wird Wochen später anonym beigesetzt. „Ich ziehe weg von hier, soviel ist klar, ich geh‘ nach Berlin wo meine Schwester wohnt.“

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  • Veröffentlicht am: 2. September 2008
  • 7 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

7 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Warum sollte sich denn die Presse für die Beerdigung eines, nun ja, polizeibekannten Gelegenheitsarbeiters und Motorradfahrers interessieren?
    Oder lese ich da jetzt zu viel zwischen den Zeilen?

  2. geht wenn ichs richtig verstehe um den jungen herrn der seine freundin totgehaun hat.
    und sich dann selbst dafür bestraft hat…

  3. Weil der Betreffende seine noch lebensjüngere Partnerin totgeprügelt und sich dann auf der Autobahn hat überfahren lassen.

  4. Die Freundin hat doch nicht erst seit ihrem Todestag gewusst, dass der Typ gewaltbereit und faul ist.

    Man ist die dumm!

  5. Wegen der 1414 Reporter. Was, um den trauert jemand? Seht nur, der kriegt eine Trauerfeier. Wie ungerecht, dabei hätte ihm nur eine Verscharrung zugestanden.
    Für die Mutter ist das auch schlimm. Auch wenn sie nichts dafür kann. Ich glaube ihr Entschluß umzuziehen gibt ihr die einzige Möglichkeit Ruhe zu finden und die ständigen Erinnerungen nicht zu häufig werden zu lassen.

  6. @Purzelpfund-Tom: Noch schlimmer sind die Jogginghosenträger, die harmlos herumstehen und auf einmal ihr Fotohandy herausholen und mit dem Ruf: „Ich bin Leserreporter!“ anfangen zu knipsen.

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