Da könnte ich kotzen! Und dann ging es gut aus

Acht Tage hatte ich Zeit, diese Trauerfeier vorzubereiten. Die Leute sind anspruchsvoll und haben etliche Sonderwünsche. Da sie aber auch nett sind und wohl auch über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen, lege ich mich mit meinem Team richtig ins Zeug. Da können wir mal zeigen, was wir können.

Offene Aufbahrung vor der Trauerfeier, Einzug des Sarges in die Kapelle mit Musik von der CD, Traueransprachen von Freunden und Verwandten, langer Zug über den Friedhof zum Grab. Während der Sarg ins Grab gelassen wird, soll ein Trompeter ein langsames, getragenes Stück blasen.

Kein Problem! Die Musikschule im Nachbarort war bisher immer hilfreich und einer der Musiklehrer hat solche Wünsche gut und preiswert erfüllt.

Heute suche ich den Trompeter und sehe ihn nicht. Hat meine Mitarbeiterin da was vergessen? Panik!

Jetzt ist es aber zu spät, noch was zu ändern. Ich hatte mich ganz auf die SMS von der Musikschule verlassen, die noch heute Morgen sagte: „Trompeter kommt, alles klar“

Als der Sarg dann abgelassen wird ertönt tatsächlich Trompetenmusik. Links hinten, hinter einem Lebensbaum steht ein kaum 8-jähriger Junge und trötet was das Zeug hält. Mit hochrotem Kopf gelingt es ihm, der Messingtute einige Töne zu entlocken. Aber selbst mit viel Phantasie kann ich keine mir bekannte Melodie heraushören.
Es ist eher so, als würde ich selbst versuchen, auf einer Gießkanne zu blasen…
Grauenvoll!
Warum schicken die mir so einen kleinen Musikschüler, die spinnen doch!
Das gibt Theater!!!!

Mit Schrecken male ich mir aus, wie die Angehörigen da wohl reagieren. Regreßforderungen?
Es ist ja so, daß man 1000 Sachen zu berücksichtigen hat, bis so ein Auftrag abgewickelt ist, geht aber nur eine winzige Kleinigkeit schief, ist das Geschrei immer groß.

Das Tröten ist vorüber, der Pfarrer macht sein Ding, die Leute werfen Schäufelchen voll Sand oder Blumen ins Grab, alle gehen zum Friedhofsausgang.
Da kommt die Witwe mit ihrem Sohn zu mir und sagt: „Mein Mann war immer ein Förderer junger Musiker. Was für eine glänzende Idee, so einen kleinen Jungen Trompete spielen zu lassen.“

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  • Veröffentlicht am: 18. April 2007
  • 3 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Menschen

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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