Darf die Urne bald mit nach Hause? Schleswig-Holstein berät

Darf die Urne bald mit nach Hause?

„Die Menschen sollten mehr Möglichkeiten bekommen, selbst zu bestimmen, was nach ihrem Ableben passieren soll“, sagt der Abgeordnete Uli König und fordert: „Mehr Freiheit im Jenseits!“ Seine Fraktion beantragt am nächsten Mittwoch im Landtag eine Liberalisierung des Bestattungsrechts.

Mehr in den Kieler Nachrichten

gefunden von snabb

Download PDF PDF erzeugen
  • Veröffentlicht am: 4. März 2016
  • 15 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Fundstücke

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

15 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Was ich immer nicht (also fast nie) verstehe:
    was spricht denn überhaupt dagegen?
    Welches Schindluder kann man mit Asche treiben?
    Gut, es gibt keinen Fetisch, den es nicht gibt…

    • @Leo: Moin!
      Dagegen spricht, dass wenn eine Grabstelle/der Aufbewahrungsort nicht öffentlich zugänglich ist, bestimmten Personen der Zutritt verweigert werden kann. Zum Beispiel bei Erbstreitigkeiten, die ja manchmal erst 1-2 Monate nach dem Tod auftreten.
      Oder die Ehefrau vergräbt die Urne des Mannes im eigenen Garten. Wenn sie dann drei Wochen später stirbt und das Haus verkauft wird, was machen die Käufer mit der Urne, wenn die das Fundament für die Schaukel ihrer Kinder graben.
      Bis zu 12 Monate kann man eine Urne schon jetzt zu Hause oder im Kolumbarium beim Bestatter behalten. Das ist kein Problem.
      Meiner Meinung nach sollte es frei gegeben werden, wenn, wie in Bremen, ein erklärter Wille des Verstorbenen schriftlich vorliegt.

      • @Knud: Ich sehe das ähnlich. Es sind aber noch viele Fragen offen. Es wäre an uns, der Branche und den Bestattern, hier Wege aufzuzeigen, bevor wieder jemand am weit entfernten „grünen Tisch“ Entscheidungen fällt, die sehr praxisfremd sind.

        • @Peter Wilhelm: Moin!
          Unsere Innung wurde auch bei den letzten Änderungen immer um Stellungnahme gebeten… Die offizielle Meinung ist aber eher konservativ, leider.

    • @Leo:

      Hmm, wirklich ein schwieriges Thema´. Ich bin gegen die Freigabe, und zwar aus folgenden Gründen: Wenn ich an schönen Plätzen meine Freizeit verbringe, ob also an der schönen Bucht eines Sees oder auf dem Gipfel eines Berges, so finde ich es absolut unangebracht und möchte es einfach nicht, dass um mich herum die Asche von Toten liegt. Dabei geht es gar nicht darum, ob nun hier konkret jemand verstreut worden ist, sondern allein schon um das Gefühl, es wäre möglich. – und über kurz oder lang würde in der schönen Bucht jemand liegen. Für mich gehören Tote auf einen Friedhof. Das hat auch nichts mit hygienischen Gründen zu tun („…aber die Asche ist doch unbedenklich und Du siehst und riechst sie ja nicht…“), sondern mit ethischen Gesichtspunkten.
      Das ist nun mal meine Meinung. Sollte die Mehrheit der Gesellschaft dies anders sehen – bitte, dafür leben wir in einer Demokratie.
      Das nächste Argument habe ich zuvor schon angerissen (s.u.): Genausowenig, wie ein Lebender jemand anderem „gehört“ (selbst, wenn man verheiratet ist :D ), gehört ein Toter jemand anderem. Eine Grabstelle muss öffentlich sein, damit jeder zu jeder Zeit die Möglichkeit haben kann, denjenigen zu besuchen, der ihm im Leben wichtig war. Selbst gegen den Willen der unmittelbaren Angehörigen! Salopp gesagt: Es hat die Witwe Trude nicht zu verhindern, dass der ihr schon immer verhasste, aber mit ihrem Verstorbenen Mann befreundete Angelkumpel Ekkehardt von Zeit zu Zeit an sein Grab geht… Ganz zu schweigen von Streitigkeiten innerhalb einer Familie… Natürlich entscheiden die nächsten Angehörigen über Art und Weise und auch Ort der Beisetzung, wer auch sonst – aber das Grab selbst sollte eben öffentlich sein.
      Hach ist das ein schwieriges Thema… aber dies eben meine Meinung,

      • @Shivling:

        Da habe ich aber schlechte Nachrichten für Dich: Was glaubst Du wieviel tote verweste Tier- und Pflanzenkadaverreste überall rumliegen? Das ganze Humus war mal lebende Organismen. Überall wo Pfanzen und Tiere leben können, sterben diese auch und Ihre Überreste sind auch nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden da, obwohl man diese nicht mehr sieht. Und vermutlich sind da früher vor Jahrtausenden auch schon Menschen gestorben und verwest. Da macht das bischen Asche wirklich den Kohl nicht mehr fett, sofern man da nicht an demselben Ort zig Urnen entleert.

  2. Und ich finde, dass die Überreste eines Toten nicht zum Besitz und Eigentum eines anderen werden sollten.

    • Meine Familie ist im Ausland verstorben und wurde dort beigesetzt. Ich lebe hier. Ich hätte meine Familie gerne bei mir um zu trauern. Das Grab nach Deutschland zu bringen macht aber keinen Sinn, da ich hier sicher nicht bleiben werde. Es ist aber unklar wohin es noch im Laufe meines Lebens gehen wird (Wie ist das eigentlich, darf ich dann mit „Opa“ ins Ausland ziehen?)
      Soll ich deshalb auf einen Trauerort verzichten? Meine Familie nicht bei mir haben? Ja, leider ist das derzeit so, aber ich gäbe alles dafür das ändern zu können.
      Es gibt übrigens dort wo sie bestattet wurden niemanden mehr, dem ich damit etwas „wegnehmen“ würde.

      Fraglich ist nur, wie man damit umgeht, wenn mehrere Personen einen Anspruch geltend machen. Wird Oma dann aufgeteilt? Wie macht man das im Ausland? Wer hat einen Anspruch darauf?

      • @Fu:
        Das Problem, das Du ansprichst, wäre aber eher mit einer freizügigeren Regelung der Zulassung von Umbettungen zu lösen: Hier stimme ich Dir voll zu, dass das Bedürfnis der Angehörigen, ein Grab regelmäßig und oft besuchen zu können, höher zu werten ist als die „Totenruhe“ in dem Sinne, dass jemand, der es ohnehin nicht mehr mitbekommt das Recht hat, „in Ruhe gelassen zu werden“. Der Schutz der Totenruhe macht m.E. nur Sinn, um eben Unfug mit dem Toten zu verhindern und hygienischen Bedürfnissen zu entsprechen.
        Bei Urnen ist die Umbettungspraxis zumindest in D aber in den letzten Jahren aber sowieso deutlich lockerer geworden…!? (oder irre ich mich @Peter Wilhelm ?) :)

  3. Ich denke mal, der Kernsatz ist: „Ja, die Friedhöfe müssten auch mit Umsatzeinbußen rechnen.“
    Es gibt sicherlich noch mehr Zöpfe, die man abschneiden sollte!

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.