Darf ich die Urne meiner Oma ausgraben?

Ich möchte wissen, ob ich die Urne meiner Oma auf dem Friedhof ausgraben und daheim im Garten begraben kann.
Das Grab läuft demnächst ab und ich möchte meiner Oma eine dauerhafte Stätte im Garten herrichten.
Ist das erlaubt?

Nein, das ist nicht erlaubt.
Ich kann Ihnen nicht raten das zu tun – auch nicht heimlich.

Mir ist schon mal zu Ohren gekommen, dass jemand das trotzdem gemacht hat.
Dazu ist diese Person an einem ruhigen Tag, an dem es auch ein bißchen nieselte, auf den Friedhof gegangen und hat die Urne einfach ausgegraben.
Das verurteile ich natürlich auf das Schärfste.

Das entstandene Loch hat derjenige dann mit Erde wieder aufgefüllt und an die Stelle ein paar Stiefmütterchen gepflanzt. So konnte er sein illegales Treiben sehr gut verbergen. Ich finde das ja sowas von schlimm!

Und dann hat diese ruchlose Person die Urne einfach in eine Plastiktüte getan und mit nach Hause genommen, das muß man sich mal vorstellen, fürchterlich!
Ja und dann hat er die Urne an einem schönen Platz in seinem Garten beigesetzt. Wie kann man nur?
Dort hatte die Oma dann einen wunderschönen Platz unter einem Apfelbaum. Denkt denn keiner an die Kinder?

Aber niemand hat etwas von der Aktion mitbekommen und so konnte das zuständige Amt auch nicht einschreiten. Es ist so, als sei das nie geschehen.

Ich kann aber nur dringend davon abraten, so etwas zu tun.

Manche Menschen sagen ja solche Sprüche wie: Wo kein Kläger, da kein Richter.
Andere sagen: Dunkles Treiben nicht gesehen, ist als sei es nie geschehen.
Man sagt auch: Wenn’s keiner merkt…

Aber all diese Sprüche sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Urne einzig und allein auf einem Friedhof gut und richtig untergebracht ist.
Es sei denn, man wohnt in Bremen, oder man bucht eine Seebestattung oder eine Beisetzung in einem Urnenwald. Dann ist das natürlich ganz was anderes.
Nur im eigenen Garten, das ist pfui-ba!

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  • Veröffentlicht am: 31. Mai 2016
  • 32 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

32 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Bloß gut, dass du so eindrücklich vor den Konsequenzen warnst und auch nur jemand völlig irregeleitetes so etwas überhaupt nur in Erwägung ziehen würde.

    Wie kann man nur…

  2. Also nur mal kurz zu Bremen.
    Hier ist es natürlich auch nicht erlaubt die Urne einfach ausgraben und mit nach Hause nehmen!!!!
    Nur damit kein falscher Eindruck entsteht.
    Es gibt klare Grenzen für die Beisetzung im eigenen Graten.
    Die zu Bremen gehörende Stadt Bremerhaven macht schon mal gar nicht mit.

  3. Lieber Peter, jetzt erklär‘ mir doch bitte mal, was an der Beisetzung einer Urne (mit innertem Inhalt!) im eigenen Garten so schlimm sein soll. Schliesslich besteht da doch keine Gefahr durch „Leichengift“ ;-)
    Das sind alles Zöpfe, die kein Mensch (mehr) braucht.
    meint
    Hajo

  4. Jetzt mal davon abgesehen, dass ich nichts schlimmes dabei finde, wenn man seine Lieben im Garten verstreuen oder verbudeln würde, aber dieses „ewige“ festhalten und nicht loslassen finde ich nicht so prickelnd.

    Mein Vater, 90, kann bis heute seine Eltern&Großeltern nicht loslassen.
    Als Kind ist das nicht so prickelnd.
    Man ist immer in zweiter Reihe, weil man mit Totn nicht konkurieren kann.
    Von daher sehe ich das immer sehr kritisch wenn man abgelaufene Gräber unbedingt immer und immerwieder verlängern will.

    Selbstverständlich existieren immer noch die Gräber meiner Mutter und Großeltern, nach über 40 Jahren!

  5. Es gibt sogar Menschen, die auf Friedhöfen in den Gruften und Gräbern wohnen. Nicht weil es so toll ist und sie die Toten nicht „loslassen“ können, sondern weil die keine andere Bleibe haben.

    • @Winnie: Das erinnert mich an Herrn Oberseniorenrat Nasweis-Lästig. Schräg gegenüber hatte ein Obdachloser neben einer Mülltonne seine zwei Einkaufswagen mit seinem gesamten Hab und Gut abgestellt.

      Nasweis-Lästig fragt ihn, was er da denn mache. Der Obdachlose: „Ich bin Nichtsesshaft, ich weiß nicht wohin.“
      Sagt Nasweis-Lästig kopfschüttelnd: „Das ist ja fürchterlich, warum gehen Sie denn nicht einfach nach Hause?“

  6. Ich hätte mal eine Frage: Wie tief ist eine Urne denn i.d.R vergraben? Ich meine nur, damit man bei der Grabpflege nicht aus Versehen zu tief gräbt (z.B. wenn man Stiefmütterchen einpflanzen will)

  7. Ich hab eine Bekannte, die hat ihre Omma auf dem Kamin stehen. Mit Blümelein daneben. Holland lässt grüßen.
    Stellt euch doch mal vor, das wäre in Deutschland nicht geregelt, was mit der Asche passiert .
    Da würden sich ja ungeahnte Möglichkeiten auftun….
    Man könnte doch die Asche des Schwiegervaters, oder eines anderen eher unbeliebten nahen Verwandten, prima als Dünger im Komposthaufen nehmen. So als späte Rache. Oder im Topf mit einem einen Drachenbaum einpflanzen. Auch schön.
    Oder die Asche der allerliebsten Oma auf einem Beet, wo ihre Lieblingsblumen drauf wachsen.
    Die Idee find ich sogar gut und tröstlich.
    Bei den anderen hoff ich sehr, dass mein Schwiegervater oder diverse andere Verwandte nicht mitlesen. Ich wohn auf dem Land. Unser Komposthaufen bietet viel Platz….

  8. Mir fällt da immer Graham Greenes „Reisen mit meiner Tante“ ein. Da schleppt der jugendliche Liebhaber der Tante des Ich-Erzählers auch immer eine Urne mit. Allerdings enthält sie nicht mehr die Asche eines lieben Verstorbenen, sondern ein Pulver, das man ansonsten nur schwer an Zollkontrollen und Drogenfahndern vorbeigebracht hätte.

    Schön, daß man aus Sachsen mal was Positives hört. Hoffentlich wird dann für die heimische Urne nicht eine jährliche Prüfpflicht verordnet, damit die Asche ja nicht irgendwann in der freien Natur landet.

  9. Ist dann für den Käufer eines Gartens richtig lustig: beim Umgraben findet er künftig nicht nur Gebeine der Katzen (und anderer Haustiere) der Vorbesitzer sondern auch noch vergessene Urnen (z.B. weil man von den Erben kauft und die nicht wussten, dass die Mutter die Asche des Vaters heimlich im Garten vergraben hat).
    Was soll so ein „Nachbesitzer“ dann machen? Einfach so wieder einbuddeln will auch nicht jeder, der nächste Friedhof wird’s nicht annehmen, das Polizeirevier bedankt sich auch – und man will ja auch eigentlich keine Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe (evtl. noch gegen sich selber) auslösen. Von den emotionalen Problemen ganz zu schweigen.

    • @Engywuck: Deshalb plädiere ich dafür, daß bei der Freigabe von Urnen eine Pauschale erhoben wird, die später einmal dafür ausreicht, die nicht mehr gewollten oder gefundenen Urnen auf einem Friedhof endzulagern.

      Es werden früher oder später ab und zu solche „Problemurnen“ auftauchen. Darauf sollte man behördlicherseits vorbereitet sein.
      Die Summe sollte m.E. bei etwa hundert Euro liegen. Das schreckt evtl. den einen oder anderen Spinner ab.
      Das, was zuviel eingenommen wurde, kann sehr gut für die Begräbnisse von Obdachlosen eingesetzt werden oder für sonstige sinnvolle, friedhofsgebundene Zwecke.

      Den Leute einfach nur die Urne aushändigen, ist nämlich keine Lösung. Was, wenn die Erben sie nicht mehr wollen? Was wenn beim Umgraben um Garten oder bei Baumaßnahmen Urnen gefunden werden?
      Dann müssen sie ja irgendwo hin.

      Es muß dann für jeden, der eine Urne übrig oder gefunden hat, die Möglichkeit bestehen, sie auf jedem beliebigen Friedhof einfach abzugeben. Meinetwegen kann man einen Friedhof in Deutschland zum zentralen Urnenendlager bestimmen. Dort gehen die Gelder und alle gefundenen Urnen hin.

      So kommt es zu keinen Problemen.

      Verstreute Asche hingegen dürfte das geringste Problem sein, die ist irgendwann vom umgebenden Boden aufgenommen und untrennbar verbunden.

  10. Wie kann man als Bestatter nur so schlichtweg dumm sein und nicht wissen, dass Urnen genauso wie ein Sarg zerfallen und nichts davon übrig bleibt.
    Ich mochte diesen Blog eigentlich, aber mittlerweile zweifle ich an Ihrer Intelligenz und Menschlichkeit. Sie benehmen sich so primitiv und freuen sich auch noch darüber.

    • @Alina: Wie kommst Du denn auf diesen schmalen Ast? Ich arbeite seit 26 Jahren auf den Friedhöfen unserer Stadt. Die Aschenkapseln sind aus Stahlblech, der Deckel aus Alu.
      Es ist vollkommen egal, was man da für eine Urne drum macht, die kann aus Pappe, Holz oder Biomais sein. Die darin enthaltene Kapsel ist und bleibt aus Blech.

      Das muss erst Mal verrotten! Nach meinen beruflichen Erfahrungen bleiben über 70% der Urnen auch nach 25 Jahren noch intakt.

      Die anderen sind auch nicht weg, sondern höchstens so lädiert, dass man sagen kann, die sind irgendwann mal weg.

      Es ist ziemlich dreist, wenn man selbst keine Ahnung hat, andere als dumm zu bezeichnen.

  11. Vor allem kann der Garten für Omas Urne unmöglich so ein würdevoller Platz sein wie …. der Bauschuttcontainer / eine Gemeinschafs-Grube / ??? Wo kommen Urnen (und Knochenreste) hin, deren Liegezeit abgelaufen ist?

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