Das Geheimnis um das Gurkengrab ist gelöst

Schüler hatten Spaß im Wald. Ganz ohne Sex, ganz ohne Pokemons!
Die ganze Geschichte:

Frau geht mit Hund spazieren.
Frau sieht jemanden weglaufen.
Frau findet kleines Grab mit Holzkreuz.
Frau ruft Polizei.
Die Polizei findet im Grab eine vergammelte Gewürzgurke.

Das war allen Medien eine Meldung wert, auch dem Bestatterweblog.

Grauenvolles Grab im Wald: Mann bestattete heimlich…

Jetzt ist die Wahrheit über die geheimnisvollen Vorgänge im Wald ans Tageslicht gekommen.

Es stellte sich heraus, daß ein Schülerscherz die Ursache der angeblichen Gurkenbestattung war.
Die Waldkinder eines Schülertagesheims verbringen viel Zeit im Wald und in der Natur. Als eines Tages eine jämmerliche, auch schon angebissene Gurke in einem Gurkenglas übrig blieb, ging der Spaß los.
Dutzende Ideen, was man mit der Jammergurke anstellen könnte flogen hin und her, schließlich einigte man sich auf die feierliche Gurkenbestattung.
Schüler Leander hatte die Idee:

„Ich wollte sie im Wald begraben, einfach so, und dann kam eben die Beerdigung zustande.“

Mitschüler Philipp, Jannik, Maurice halfen begeistert mit und auch die anderen „Waldkinder“ waren gleich dabei.

„Wir sind halt Jungs, wenn einer die Idee für Blödsinn hat, dann machen alle mit.“

Einer fertigte die Holzkiste, andere ein kleines Kreuz. Sie ritzten als Inschrift ein: „Gurke Gurki vom 2.6. bis 9.6.2016“.
Dann veranstalteten sie einen lustigen Trauerzug und nahmen die fachgerechter Bestattung vor.

Patrick Bergmann von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Offenburg legte den jungen „Bestattern“ ans Herz: „Wenn ihr wieder eine kreative Idee habt, dann überlegt sorgsam, ob sie anderen Menschen nicht Angst und Schrecken einjagt“.

Die Frage ist, ob dies ein guter Rat oder eher ein gutgemeinter Rat ist.
Gut gemeint ist bekanntlich die häßliche Schwester von scheiße gemacht.

Was haben Leute nicht schon alles begraben? Die letzte Schachtel Kippen, leere Sparschweine, alte Sandalen oder sonstwelchen Blödsinn.
Das ist ein uralter Spaß und den sollte man den Menschen nicht nehmen.
Jetzt zu sagen, tue dies nicht und tue das nicht, weil es andere aufregen könnte, bedeutet ja nur, daß man der Überaufgeregtheit das Wort redet.

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  • Veröffentlicht am: 23. Juli 2016
  • 16 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Fundstücke

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

16 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. …eine saure Gurke,die nach sieben Tagen schon beerdigungswürdig ist,wurde wohl nicht in ihrem natürlichen Biotop gehalten.Aber da stört sich wieder keiner dran… Ruhe in Frieden,armes Gurki…

  2. Ich finde die Idee wirklich ziemlich kreativ und hoffe, dass ich, wäre ich die geschockte Hundebesitzerin, mich in ausreichendem Maß an den Blödsinn erinnern würde, den ich als Kind angestellt habe, um drüber lachen zu können.

    Schließlich haben die Neunjährigen – ich nehme an, die waren alle so im selben Alter – auch nur versucht, sich mit dem Thema „Tod und Beerdigung“ auseinander zu setzen. Die Rituale einer Beerdigung kennen sie wahrscheinlich nur vom Hören und haben sich spielerisch eben in die Situation hinein versetzt, ohne dass sie um einen Opa, Oma oder aber „nur“ um ein geliebtes Haustier wirklich trauern mussten.

    O tempora, o mores, in meiner Jugend (ich bin 51) hätten die gerufenen Polizeibeamte gegrinst, den Kopf geschüttelt, „Diese Bengels“ gesagt und gut wärs gewesen. Heute ist das eine Schlagzeile wert…

  3. „Jammergurke“ ist auch wieder so eine Super-Wortausdenkung.
    Könnte als Synonym für manche Kasperköppe nützlich sein…

  4. „Was haben Leute nicht schon alles begraben? Die letzte Schachtel Kippen, leere Sparschweine, alte Sandalen oder sonstwelchen Blödsinn.“

    Aberhallo????

    Denkt denn jemand an die Kinder, ich meine, an die Archäologen, die in 500, 1000 oder 1500 Jahren unsere Überreste zu verstehen versuchen?

      • @Peter Wilhelm:

        Hihi – da die Zapfsäulen nicht selten an Strassen liegen, läge eine Verbindung mit einer Handels- und Reisegottheit nicht ferne.

        Ich glaube, wir werden die erste Kultur sein, deren Relikte ein sehr heftiges Kopfzerbrechen bereiten werden. Modestile änderten sich im Laufe von weniger als zehn Jahren, ebenso die rasche Abfolge von Unterhaltungselektronik…

        • @turtle of doom:
          Als Kind habe ich so eine Story mal in „Das Beste aus Readers Digest“ gelesen.

          Das Apartmenthaus war eine riesige Begräbnisanlage. IN einem nichtausgeraubten Grab wurde ein Skelett offen aufgebahrt auf einem Bett gefunden, der Raum dahinter (WC) sollte ein Ritualraum sein. etc
          herrlich!!!

          • @Bernd: Oh ja, die war klasse. ZuIh rem Schu tzde sin fiziert. Magische Worte!

            …aber ehrlich, ich glaube nicht, dass die in 1000 Jahren ein Kopfzerbrechen haben. Es sei denn, es sind keine menschlichen Archäologen…

            Salat

  5. Gewürzgurken sind eh ekelig,sollten alle verbuddelt werden *Jawoll

    ;-)

  6. Was könnte es auf der Welt schön und friedlich sein, wenn wir nur solche Probleme hätten!!!
    Eine würdige Begräbnisstätte für eine Gewürzgurke zu finden, ist gar nicht so einfach. Und ich hab die bis jetzt immer in die grüne Tonne gehauen, wie unanständig!! :)

  7. @turtle of doom:
    Der Paarung der gemeinen Gewürzgurke geht ein recht komplexes Balzritual voraus. Es beginnt mit einem essigsauren Lockruf, den ich hier weder beschreiben kann noch will. Nichtsdestotrotz muss der Ruf des willigen Gurks laut genug sein. Gurken sind nämlich keine Rudeltiere.

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