Das Groupie

Antonia fährt einen Ford Fiesta. Sie hat dieses schon etwas betagte Auto von ihrem Vater geschenkt bekommen und man muß sagen, es paßt ihr wie angegossen.

Seit einigen Wochen schwärmt Antonia für einen jungen Mann, der Müllbütz heißt und in der Schnellimbissbude „Kapadokia“ seines Vaters Fleisch von einem Drehspieß schneidet. (Beim Lesen ist zwischen ‚Vaters‘ und ‚Fleisch‘ eine gedankliche Pause einzulegen!)

Seitdem riecht Antonia beständig nach Koblauch und erst neulich dachte ich, ihr seien auf den Händen alle Krampfadern geplatzt. Es stellte sich aber heraus, daß es sich weder um einen Blutstau noch eine seltene Form der nässenden Flechte handelt, sondern daß sie sich von Aishe, Müllbütz‘ Schwester, mit Henna hat verschönern lassen, was aber insbesondere deshalb nicht so ganz gelungen war, weil Antonia während des wohl unbedingt notwendigen Trocknungsvorgangs zwei fette anatolische Rindswürste gegessen hat, mit den Händen versteht sich.

Frau Büser meint ja, die Beziehung zu dem jungen Türken könne gar nicht schaden, vielleicht könne der ihr noch was beibringen. Sandy meinte nur lapidar, es reiche schon, wenn Antonia nun ein Kopftuch trage, besser noch einen Schleier.

Das Verhältnis zwischen Antonia und Sandy ist derzeit erheblich getrübt. Das liegt daran, daß Sandy bei entsprechender Witterung gerne barfuß herumläuft, natürlich nicht wenn Kunden in der Nähe sind, ist ja klar. Aber ebenso klar ist, daß Antonia das ganz toll findet und ebenfalls juchzend ihre Quadratlatschen in die Ecke kickte und gleichfalls barfuß durchs Büro stapft.

„Chef, das sieht aus, als wenn ein Nilpferd an Land watschelt und Antonia ist so langsam, die kommt im wahrsten Sinne des Wortes nie rechtzeitig in die Puschen und dann steht sie doch so unseren Kunden gegenüber“, beklagte sich Frau Büser und ordnete ein allgemeines Barfuß-Verbot an, von dem natürlich auch Sandy betroffen ist.

Außerdem habe Antonia Käsefüße, behauptete die Büser, fand da aber keine allgemeine Zustimmung, weil zumindest Praktikant Toni den Einwand vorbrachte, das käme von den Käsestangen, die Antonia als ständige Wegzehrung mit sich führe.

„Ja und? Ich hab halt starke Verbrennung und mir hat der Arzt gesagt, daß ich mindestens fünfmal am Tag was essen soll“, brachte Antonia vor und schob beleidigt ab.

Um nun aber ihrem Müllbütz zu gefallen, orientiert sich Antonia immer mehr zum Orient und findet neuerdings nahöstliche Musik ganz toll. Und damit kommen wir zum Kern dieser Geschichte und die hat mit ihrem Ford Fiesta und der türkischen Musikformation „Grup Yildiz“ zu tun.

Von dieser Gruppe gibt es große weiße Schriftzugaufkleber „GrupYildiz“ für die Heckscheibe des Autos. So einen hat sich Antonia besorgt und mußte aber leider feststellen, daß der Schriftzug viel zu groß für die Heckscheibe ihres Fiestas ist.
Also hat sie ihn kurzerhand mit der Schere in zwei Teile geschnitten und so prangt jetzt hinten auf ihrem Auto die Schrift:


GrupY
ildiz


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  • Veröffentlicht am: 24. Juni 2008
  • 15 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

15 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. wie Antonia wohl im Fall der Fälle im Sarg aussehen würde, ob es Sandy oder Tom
    gelänge eine schöne Leich aus Ihr zu „zaubern“ ;)

  2. „Beim Lesen ist zwischen ‘Vaters’ und ‘Fleisch’ eine gedankliche Pause einzulegen!“

    Dies hättest du dir sparen können zu erwähnen, hättest du „… im väterlichen Schnellimbiss…“ geschrieben ;-)

  3. Wie wärs mit ner zeichentrikserie „Bestatter Tom“? Das würde doch der Hit werden, wenn man die lustigen Geschichten verfilmen würde.

  4. ich schmeiss mich weg – also auch weil ich mir den Aufkleber gerade vorstelle – aber habt Ihr die Jungs von [b]GrupY ildiz[/b] mal gesehen? http://www.grupyildiz.de

    Ich hab grundsätzlich keine Lautsprecher an, aber ich weiss genau, was für Musik die machen!

  5. @keule

    ich stelle mir gerade Antonia im Sarg liegend vor, mit einem Bündel dieser Rindwürste
    zwischen den gefalteten Händen und einem Kranz aus Knoblauchzwiebeln um die Stirn o-;

  6. @elbkind:
    Klingt nicht schlimmer wie das Mutantenstadel auf ARD. Und besser angezogen sind gruppi auf jeden Fall.

  7. So wie ich Tom und seine sorgfältigen Bemühungen, die Namen lebendiger sowie toter Protagonisten zu verschleiern, kenne, handelt es sich trotz der zufällig real existierenden Grup Yildiz wahrscheinlich um eine andere Truppe (http://de.wikipedia.org/wiki/Grup_Tekkan), die besser zum herzhaft-schlichten Charakter Antonias paßt.

  8. ok der aufkleber is ne gute nummer. :D

    was die musik angeht hoff ich einfach mal, dass es echt die yildiz jungs sind und nicht wie von 14. befürchtet Tekkan.

    Ich möchte nicht behaupten ein Freund von arabischer Volksmusik zu sein (von deutscher btw erst gar nicht) aber vom künstlerischen Anspruch her liegts doch einige Ligen weiter oben als dieser Schrott den diese „Wo bischt du mein sonnenlischd“ Typen verzapfen :D

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