Das Hexenhaus -VI-

Es ist ein komisch Ding, der Mensch, so lautet eine Weisheit meiner Ahnin und der alte Lukaszewicz, wobei es nichts zur Sache tut wer das war, sagte immer: „So sind Leute!“
Olaf ist so ein komisch Ding und Lukaszewicz, der keine nennenswerte Schule besucht hatte, nach immerhin aber 87 Jahren eine Menge Lebensweisheit gesammelt hatte, hätte über ihn nur den Kopf geschüttelt.

Ich fasse jetzt nicht nochmals alles ausführlich zusammen, eine Kurzform mag reichen: Putzfrau Elfriede war in ihrem Haus die Treppe heruntergefallen, hatte aber vorher düstere Andeutungen bezüglich ihres Todes gemacht, sodaß mein Verdacht auf ihre Schwester Henriette und deren Freund Bruno fallen mußte. Ohne besonderen Meldeeifer hatte ich davon Staatsanwalt Dr. Rüpel berichtet und mußte erkennen, daß sich nichts tat. Doch dann erzählte mir das unselbständige Muttersöhnchen Olaf, wie selbstverständlich und völlig beiläufig, er habe das doch gesehen, daß Henriette und Bruno die Elfriede die Treppe runtergeschmissen haben.

So schrieb ich in meinem letzten Text zu diesem Thema: „Bin ich da wirklich einem Verbrechen auf der Spur? Ich gestehe, ziemlich aufgeregt zu sein und das Bedürfnis zu haben, sofort irgendetwas zu unternehmen. Aber was? Am Liebsten würde ich Olaf bei seinem blauen Popeline-Gürtel packen und zur nächsten Polizeiwache schleppen.“

Doch Olaf weist das weit von sich. Das käme ja auf gar keinen Fall in Frage und mit der Polizei wolle er nun partout überhaupt nichts zu tun haben. Das seien „unterbelichtete Kanzlerknechte“ (O-Ton Olaf), die überdies auch noch schlecht bezahlt würden und es deshalb mit der Ehrlichkeit nicht ganz so genau nähmen.

„Was haben Sie denn genau gesehen?“ will ich von ihm wissen und er zurrt den Gürtel seines blauen Popelinemantels etwas enger und ich frage mich unwillkürlich, ob er darunter überhaupt etwas anhat. Vielleicht trägt er nur so Hosenbeinstulpen bis zum Knie… Mit einem Kopfschütteln wische ich diese blöden Gedanken hinweg und wiederhole meine Frage: „Also? Was haben Sie gesehen?“

Am fraglichen Abend habe er beobachten können, wie Elfriede laut krakeelend durch das hell erleuchtete Treppenhaus nach oben gestiegen sei, das könne man durch das eine Treppenhausfenster sehr gut sehen.

„Und dann?“

„Ja dann habe ich gesehen, wie Henriette und der Mann von oben gekommen sind, der Mann hatte einen Besen dabei, mit dem er vor Elfriedes Gesicht herumfuchtelte.“

„Hat er sie vielleicht mit dem Besen gestoßen?“

„Kann sein, Elfriede habe ich am unteren Fenster gesehen, die beiden anderen am anderen Fenster und dann ist plötzlich das Treppenhauslicht ausgegangen, es dauerte ein paar Sekunden und dann ging das Licht wieder an und Elfriede war weg.“

„Die war weg?“

„Ja genau, die beiden anderen sind dann aufgeregt nach unten gelaufen, haben kurz miteinander gestritten, das konnte man deutlich sehen, aber verstehen konnte ich natürlich nichts und dann ist ja auch schon bald der Arzt gekommen und die Polizei und der Krankenwagen…“

„Und was ist in der Zwischenzeit passiert?“

„Das weiß ich nicht, ich war in der Küche, um mir ein Brot mit Schimmelkäse zu machen, Blauschimmelkäse um genau zu sein.“

„Mich interessiert doch nicht, was Sie für einen Käse gegessen haben!“

„Sie wollen doch sonst immer alles so genau wissen“, mault Olaf und stülpt etwas beleidigt die Unterlippe vor.

„Sie müssen das der Polizei erzählen, wirklich. Irgendwas ist da auf der Treppe passiert, was nichts mit einem einfachen Herunterfallen zu tun hat.“

„Die haben die mit dem Besen gestoßen!“

„Wenn ich Sie aber richtig verstehe, haben Sie aber genau das nicht gesehen, weil da das Treppenhauslicht gerade aus war.“

„Trotzdem, der hat die mit dem Besen gestoßen.“

„Was Sie aber nur glauben, jedoch nicht gesehen haben.“

„Stimmt“, gibt Olaf zu und zuckt wieder gleichmütig mit den Achseln: „Ist ja auch egal, die war doch sowieso schon alt.“

Mir gelingt es auch nicht mehr, Olaf auf dieses Thema zu lenken und so muß ich ihn nach einer Weile ziehen lassen und bleibe mit den wüstesten Vorstellungen zurück.
Als Bestatter hat man tagtäglich mit Toten zu tun, die meisten davon können einen nicht mehr schrecken und man hat auch immer wieder mit den unglaublichsten kriminellen Abgründen zu tun, denn nicht alle Menschen versterben einfach nur im Krankenhausbett. Gift, Messer, Schusswaffen, Seile, Boote und sonstige Dinge sind geeignet, um einen Menschen vom Diesseits ins Jenseits zu befördern, alles schon erlebt, zumindest in seinen Auswirkungen.
Schon allein deshalb ist man nicht besonders aufgeregt, wenn einem ein Sterbefall unterkommt, der eine nichtnatürliche Ursache hat.
Aber in diesem Fall ist das doch ganz anders: Da sieht es für mich fast so aus, als haben Henriette und Bruno der alten Elfriede etwas angetan und kommen nun ungeschoren davon. Gut, vielleicht ist an der ganzen Sache auch nichts dran, mag ja sein, mehr als meine Vermutungen, die auf Elfriedes Andeutungen basieren und Olafs Beobachtungen, die im Dunkel eines kurzzeitig erloschenen Treppenhauslichtes verborgen liegen, haben wir nicht zu bieten. Aber warum ermittelt man nicht wenigstens in dieser Richtung, um herauszufinden wie es wirklich war?

Diese Gedanken beschäftigen mich eine ganze Weile, vielleicht zwei oder drei Tage, nicht ständig, aber immer mal wieder, dann tritt eine Änderung der Sachlage ein, der Zeitungsmann erzählt mir, Henriette und Bruno seien von der Polizei abgeholt worden.

Aha, denke ich, hat Olaf also doch den Weg zur Polizei gefunden und eine Aussage gemacht. Doch es ist ganz anders: Nicht Olafs Beobachtungen, von denen die Behörde immer noch nicht weiß, sind der Anlass für die Festnahme des alten Paares, sondern eine Unfallversicherung. Bei einem Automobilverein hatte Henriette eine Versicherung für ihre Schwester abgeschlossen, angeblich über 25.000 Euro, auszahlbar an sie selbst. Und genau das hat nun das Misstrauen der Polizeibeamten geweckt, denn hatte Henriette doch mehrfach beteuert, wie sehr sie ihre Schwester abgelehnt habe und daß sie mit der schon lange kein Wort mehr gewechselt habe, so passte die Lebensversicherung nun so gar nicht in dieses Bild.
Im Übrigen sprachen die einen von einer Lebensversicherung, die bei Unfall sogar das Doppelte bezahle und die anderen sprachen von einer Art Sterbeversicherung, so ganz genau weiß das keiner, es wird natürlich -wie immer in solchen Fälle- viel spekuliert und dazugedichtet. Am Ende hörte ich sogar, Henriette würde eine ganze Million bekommen…

Viel Arbeit hielt mich auf Trab und so konnte ich den Fortgang der Sache auch nur anhand der Gerüchte und diverser kleiner Artikel in der Zeitung verfolgen. Unsere Tageszeitung hier glänzt nicht gerade durch eine besonders professionelle Berichterstattung. Ich jedenfalls vermisse immer das Wesentliche und die oft angebrachte Kritik, die vor lauter dienernder Hofberichterstattung zu kurz kommt.

Auf dem Friedhof treffe ich den sprechenden Popelinemantel, der mit einer Gießkanne hantiert und nach dem üblichen unverbindlichen Palaver lenke ich das Gespräch erneut auf Henriette und Bruno.
„Ja doch!“ bekomme ich zur Antwort: „Ich war ja bei der Polizei und habe alles erzählt.“ Olaf ist sichtlich genervt und will weg. „Nee, kommen Sie, erzählen Sie doch mal!“ halte ich ihn auf.

Olaf seufzt und berichtet. Man habe ihn von Anfang an nicht ernst genommen und schließlich habe einer der Beamten ihn gefragt, ob er immer noch in Behandlung sei. „Der kennt mich von der Würfelrunde im Gemeindehaus und weiß, daß ich regelmäßig zu Doktor Böhmermann gehe. Ich höre doch manchmal Stimmen, wissen Sie?“

Ein Bestatter mit vagem Hörensagen, ein Wettermann in blauem Popeline, der bei einem Nervenarzt in Behandlung ist und zwei alte Leute die sich vermutlich gegenseitig ihre Schilderungen bestätigen; was soll dabei herauskommen?
Henriette und Bruno jedenfalls sind nach eingehendem Verhör wieder nach Hause entlassen worden und einen Prozess hat es nicht gegeben.

Es geht eben nur um eine alte Putzfrau, alles liegt klar auf der Hand und ich würde mal sagen, man kann denen nichts nachweisen, weil man denen nichts nachweisen wollte.

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  • Veröffentlicht am: 5. Juli 2009
  • 23 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

23 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Trotz aller Spekulationen und Gerüchte finde ich es sehr traurig, dass für die tote Frau keiner Partei ergreift (von Tom mal abgesehen)…Möchte denn nicht jeder, dass ihm etwas Gerechtigkeit im Leben widerfährt, selbst wenn es im Tode ist?

    Das Ganze weckt bei mir ein sehr großes Unverständnis den ermittelnden Behörden gegenüber und ein Kopfschütteln. Diese Welt ist echt traurig. :(

  2. was habt ihr eigentlich vor ne blöde polizei da bei euch?

    Die scheinen genauso wie unsere zu sein. Man darf nicht zur Kaffeezeit anrufen, dann sind se voll pampig.
    Und deren Faulheit hat letztens dann auch tragisch ein Menschenleben gekostet….

  3. In diesem Zusammenhang empfehle ich das Buch „Tote haben keine Lobby“. Es geht dort um (zunächst) unentdeckte Mordfälle.

  4. Selbst ohne Nervenbehandlung: die Zeugenaussage kann man vor Gericht vergessen, weil die entscheidende Beobachtung nicht gemacht wurde. Es gibt ihn eben doch: Den perfekten Mord…

    …oder halt auch nicht, das ist ja das paradoxe daran. :-/

  5. Jetzt mal ernsthaft, was soll die „blöde“ Polizei denn machen? Die Alte und ihren Freund verhaften wegen verdächtigem Dorftratsch? Ohne Beweise hilft auch ein Verdacht nix, dass Elfriede die Treppe runtergefallen ist ist bekannt, und dass da nachgeholfen wurde ist nach wie vor reine Spekulation. Ist traurig, aber besser als unschuldigen Menschen in den Knast zu stecken, weil ja was gewesen sein könnte…

  6. @6: So und nicht anders. Es kann genauso (wahrscheinlich ist es sogar wahrscheinlicher) gut sein, dass mit dem Besen rumgefuchtelt wurde und Elfriede dann aus Schreck runtergekugelt ist.

  7. @4 Merkwürdige Vorstellung von Gerechtigkeit…

    Das wär ja noch schöner, wenn zwei in den Knast wandern, aufgrund von Dorfklatsch und ein paar „unguten Gefühlen“!

  8. >Das wär ja noch schöner, wenn zwei in den Knast wandern,
    >aufgrund von Dorfklatsch und ein paar „unguten Gefühlen“!

    Genau. Ich nehme an, alle, die die sofortige und endgültige Verhaftung der beiden Verdächtigen wünschen, möchten auch selbst beim nächsten Gerede sofort und ohne Zögern festgenommen werden. Sobald also irgendeine boshafte Nachbarin irgendwem irgendwas erzählt, was verdächtig scheint, klicken die Handschellen und man verschwindet für immer hinter Gittern…

    Wenn außer Gerede nichts beweisbar ist, geht das zugunsten des Verdächtigen aus. Und selbst der allerbeste und über alle Zweifel erhabene Zeuge hätte eben auch nur einen Streit, einen fuchtelnden Besen, ein dunkles Treppenhaus und den anschließenden Tod von Elfriede berichten können. Das kann ein Totschlag gewesen sein (für Mord hätte die Tat geplant sein müssen und Elfriedes lautstarkes die Treppe Raufkommen und der Streit waren wohl eher nicht planbar) oder eben ein Unfallgeschehen, sie Senfgnu schon schrieb. Aber niemand hat das eben wirklich objektiv beobachtet. Und das Abschließen von Lebensversicherungen auf den Tod ungeliebter alter Verwandter ist auch kein Verbrechen oder Beweis, höchstens ein Indiz für Geschmacklosigkeit.

    Zum Glück gibt es bei uns noch immer den Grundsatz „In dubio pro reo“. Denn mal ehrlich, geredet wird viel und Gerüchte entstehen schnell. Und ja, auch Leute, mit denen man jahrelang im gegenseitigen und beiderseitig lustvoll unterhaltenen Streit lebt, können versterben oder Unfälle erleiden, die tatsächlich Unfälle sind.

    Nur mal so am Rande… ;-)

  9. @9: Ich hab damit gemeint, dass man dem Fall ernsthaft und mit einer gewissen Intensität nachgehen sollte und nicht die Leute aufgrund von Gerüchten einsperren. Ich hab mich oben vlt. etwas ungünstig ausgedrückt.
    Es passiert leider auch, dass es diese „Sie war ja schon alt“-Mentalität gibt. Dann werden manche weiteren Schritte, die man vlt. bei einem jüngeren Menschen angewendet hätte, einfach ausgelassen.

    Würde denn nicht jeder von Euch sich wünschen und viel daran setzen, den (angeblichen?) Unfall eines geliebten Menschen aufzuklären? In diesem Fall scheint es bei der alten Dame keine Angehörigen mehr zu geben, die dieses Interesse vertreten könnten. Somit sehe ich die Pflicht bei den ermittelnden Behören im Rahmen ihrer zur Verfügung stehenden Mittel und Möglichkeiten. Ich würde das für mich unter „Respekt gegenüber den Toten“ zusammenfassen.

    Mehr wollte ich damit nicht ausdrücken.
    Viele Grüße

  10. Da ist ne Versicherung im Spiel?
    Vielleicht war die Verstorbene „nur eine alte Putze“, aber wenn eine Versicherung Geld rausrücken soll, bekommt sowas doch schon mal ganz neues Interesse von deren Seite…

  11. @ 11

    >für Mord hätte die Tat geplant sein müssen und >Elfriedes lautstarkes die Treppe Raufkommen >und der Streit waren wohl eher nicht planbar

    Nein, das ist ein weitverbreitetes Missverständnis. Bereits die Lektüre des Wikipedia-Artikels hilft hier aber weiter: Sowohl Mord als auch Totschlag sind vorsätzliche Tötungen eines anderen Menschen.
    Das gilt übrigens, trotz ansonsten unterschiedlicher Systematik, sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Für das deutsche Strafrecht gilt: liegen die Voraussetzungen des Totschlags vor (vorsätzliche Tötung eines anderen Menschen) und DARÜBER HINAUS noch weitere sog. Mordmerkmale (z.B. Habgier, Grausamkeit, Absicht der Verdeckung oder Ermöglichung einer anderen Straftat), so liegt ein Mord vor.

    Wie bereits erwähnt, reicht aber die Lektüre der Wikipedia-Artikel zum Verständnis der Begriffe. Die von Kommentator 6 vertretene Auffassung steht häufig in engem Zusammenhang mit sinnentstellenden Übersetzungen der Begriffe in amerikanischen Krimiserien. Die im angloamerikanischen Sprachraum verbreiteten Begriffe „murder“ und „manslaughter“ haben einen andern Inhalt als die Begriffe „Mord“ und „Totschlag“, werden häufig aber so übersetzt.

  12. Wer spricht denn gleich von Gefängnis?
    Es geht doch erst mal nur darum die Wahrheit herauszufinden.
    Und auch wenn es nur ein Gerücht ist; da es um einen möglichen Mord geht, sollte man der Sache zumindest mal nachgehen.

    Aber es wird eher in Kauf genommen einen Schuldigen NICHT zu verdächtigen, als einen Unschuldigen zu verdächtigen.

    Das ist die allgemeine Mentalität. Auch wenn es um belanglosere Sachen geht.

    Jeder ist sofort erbost wenn er unschuldig verdächtigt wird. Anstatt sich zu freuen das er unschuldig ist und alles daran gesetzt wird eine Sache aufzuklären.

  13. Naja ich nehme mal an, dass die gute Polizei in Deutschland genauso überlastet ist wie hier bei uns.

    Da ist es nunmal logisch, dass man für Fälle die auf bestenfalls Hörensagen und Dorfklatsch beruhen nicht allzu viel unternimmt.
    Abgesehen davon – was genau sollten die Herren denn unternehmen?
    Selbst wenn die alte Dame die Treppe runtergestoßen wurde, gibt es dafür keine Zeugen. Nen Gerichtsmediziner wird auch nicht weiterhelfen, die Todesart ist ja eh schon bekannt und das die beiden Verdächtigen sich im Zweifelsfall gegenseitig decken bei ner Aussage ist auch anzunehmen.

    Also was außer dem Aufnehmen der Aussage – was ja anscheinend eh schon passiert ist -, sollte denn bitte unternommen werden? Schimpfen ist zwar viel lustiger und einfacher als konstruktive Kritik, aber naja.

  14. Liebe Leute,
    von einem Blogartikel gleich auf ein marodes Justizsystem zu schließen, halte ich schon ein bisschen für übertrieben. Im Allgemeinen funktioniert der Rechtsstaat sehr gut, wer das nicht glaubt, soll sein Leben mal im Iran oder Nordkoreas versuchen. Ich denke immer, viele Menschen vergessen, wie gut wir es hierzulande haben. Auch wenn manche Staatsdiener gefeuert gehören, weil sie ihren Job nicht machen. Über die sollte man schimpfen, nicht über das system.
    @14 (Peter): Das möchte ich sehen, wie Du Dich freust, wenn Du unschuldig verdächtigt wirst.
    Schöne Grüße, und einen guten Wochenstart!
    die Textehexe

  15. Liebe Leute,
    von einem Blogartikel gleich auf ein marodes Justizsystem zu schließen, halte ich schon ein bisschen für übertrieben. Im Allgemeinen funktioniert der Rechtsstaat sehr gut, wer das nicht glaubt, soll sein Leben mal im Iran oder Nordkoreas versuchen. Ich denke immer, viele Menschen vergessen, wie gut wir es hierzulande haben. Auch wenn manche Staatsdiener gefeuert gehören, weil sie ihren Job nicht machen. Über die sollte man schimpfen, nicht über das system.
    @14 (Peter): Das möchte ich sehen, wie Du Dich freust, wenn Du unschuldig verdächtigt wirst.
    Schöne Grüße, und einen guten Wochenstart!
    die Textehexe

  16. Ja jetzt forsch doch mal ein bisschen nach! Das wäre doch was, wenn du das Rätsel auflösen könntest. Und so ein bisschen Sherlock Holmes spielen, macht doch auch Spaß :-)

  17. Ich stelle mir die Arbeit der Polizei in einem solchen Fall auch schwierig vor.

    Am Anfang erhält die Polizei einen Notruf wahrscheinlich von der Schwester und Bruno und nimmt das ganze als Unfall auf. Da die wohl mitten in der Nacht angerückst sind wird Henriette sicherlich auch einen Grund angeführt haben, warum Elfriede mitten in der Nacht die Treppe zu ihr hochlief und warum sie es auch noch mitbekommen hat und die Verunglückte eben nicht erst am nächsten morgen gefunden wurde.

    Damit hat sie auf jeden Fall schon einiges und vielleicht sogar einen Streit zu Protokoll gegeben.

    Dann wird die Sache als Unfall verbucht und abgeschlossen.

    Einige Zeit später plagt Tom das schlechte Gewissen, das Elfriede vielleicht doch eher absichtilich die Treppe runtergefallen wurde und die Polizei dahingehend nicht verstärkt ermittelt hat, weil eben niemand einen solchen Verdachtsmoment geäußert hat.

    Olafs Zeugenaussage geht ebensogut als Beschreibung eines Unfallhergangs durch, auch wenn es für Tom deutlich dramatischer gewirkt haben wird, weil er bis zu jenem Zeitpunkt vielleicht noch nicht die Umstände kannte, dass die Polizei sogar noch in der gleichen Nacht vom Tode erfuhr.

    Die Unfallversicherung liefert nun ein neues Verdachtsmoment, weshalb noch mal die Zeugen/Verdächtigen verhört werden, aber solange diese sich nicht in Widersprüche zu ihren ursprünglichen Aussagen verstricken und keine weiteren Indizien auftauchen, bleibt das Indiz eben nur ein Indiz, es gibt nach wie vor keine Beweise und es besteht somit auch kein Bedarf zu einem Verfahren.

    Das klingt für alle Leute mitintaktem Gerechtigkeitssinn ungerecht und vielleicht nachlässig, aber ich kann kritisch betrachtet, sofern die Schilderungen Schlüsse zu lassen nicht erkennen, dass die Polizei sich hier ungeschickt verhält oder gar falsch handelt oder eben noch schlimmer, das ganze System versagt.

  18. Das ist zu viel! Noch einen Cliffhanger vertrage ich nicht! Ich stehe schon auf dem Fenstersims und wenn die Fortsetzung nicht in den nächsten 10 Minuten online ist, dann springe ich!!! Und mach Dir keine Hoffnungen Tom: Dieses Geschäft geht dann an einen Deiner Wettbewerber – allein schon aus Trotz!

  19. @16
    Ich wollte es sehr pragmatisch ausdrücken. Natürlich ist es nicht schön verdächtigt zu werden. Aber wozu das System führt sieht man am Beispiel „Hexenhaus“
    Lies einmal das Buch „Tote haben keine Lobby“. Du wirst mit dem Kopf schütteln.

  20. Ich sehe nach der Schilderung des Falles nicht wirklich, wie ein Tatnachweis mit der notwendigen Sicherheit geführt werden sollte, oder welche Ermittlungsoptionen noch bleiben.

    Initial wurde von einem Unfall ausgegangen; die Verstorbene wurde bestattet. Nunmehr ergeben sich Verdachtsmomente: sie soll von der Treppe gestürzt sein, obwohl sie niemals mehr nach oben steigen wollte; die Tatverdächtige(n) hat/haben eine Unfallversicherung für die Verstorbene zu ihren Gunsten abgeschlossen (selbst abgeschlossen?). Außerdem hat ein Zeuge gesehen, daß die Tatverdächtige(n) mit einem Besen vor der Nase der Verstorbenen herumfuchtelten, die nach einer kurzen Pause (Dunkelheit) offenbar tot unten lag. Dieser Zeuge ist allerdings psychisch erkrankt und hat zumindest akustische Halluzinationen; außerdem widerspricht seine Darstellung in gewisser Weise der Vermutung des Bestatters, die Verstorbene wäre niemals freiwillig nach oben gestiegen.

    Zweifelsohne ist das ganze sehr verdächtig: Streit und Boshaftigkeit; eine Versicherung; ein Zeuge eines Streits. Das rechtfertigt weitere Ermittlungen – aber genügt es bereits für eine Verurteilung, bietet also hinreichenden Tatverdacht? Wohl kaum. Zwar gab es zwei starke Motive, und der Hergang war wohl anders, als man vermutlich geschildert hat; aber die Verwertbarkeit der Angaben eines unter Halluzinationen leidenden Zeugen ist eher eingeschränkt in ihrer Verlässlichkeit, zumal man sich natürlich fragt, warum er nicht direkt Anzeige erstattet hat, und selbst wenn man diese Angaben als wahr unterstellt, lässt das immer noch eine fahrlässige Tötung oder einen Unfall im Bereich des möglichen stehen.

    Für eine Verurteilung braucht es also mehr. Aber was noch? Zeugen gibt es wohl keine weiteren. Eine Exhumierung und anschließende Untersuchung der Leiche wird kaum noch Spuren zutage fördern, die von einem Stoß mit dem Besenstil herrühren. Was sonst noch?

    Wenn es nicht mehr gibt als das, was hier geschildert wurde, würde ich auch sagen, daß ein erheblicher Restverdacht bleibt, aber ein Tatnachweis nicht mit der notwendigen Sicherheit zu führen ist. Die einzige Chance wären da wohl ungeschickte Angaben oder ein Geständnis …

    -thh

  21. Ich finde es sehr interessant, dass man hier sofort von Mord ausgeht.
    Ich war irgendwie bereits am Anfang der Geschichte skeptisch und hatte ehrlich gesagt auf die Wende gewartet, bei der Tom schildert, dass die beiden es eindeutig nicht gewesen sein könnten, oder so…

    Meine Meinung: Im Zweifel für den Angeklagten trifft hier eindeutig zu. Und das ist gut so.
    Könnte man immer nur durch „vielleicht“ und „eventuell“ jemanden in den Knast bringen, dann wäre Deutschland leergefegt.
    Könnte jeder einfach so durch unbegründetes Geschwafel unliebsamen Mitbürgern einen Mord anhängen, wäre dies eine Katastrophe.

    Tschuldigt, wenn das hart klingt: Aber „Bauchgefühl“ hat in so einem Fall nix verloren.
    Zu behaupten, man wolle nichts nachweisen, ist eine Anschuldigung, die ihrerseits wieder Beweise braucht – wieder zu recht.

    Ich habe von der Polizei im Bereitschaftsdienst keine hohe Meinung, zu schlechte Erfahrungen auf (von meiner Seite wie auch allgemein) friedlichen Demos.
    Aber gegen „normale“ Polizisten habe ich nichts. Ich denke, die meisten machen ihre Arbeit gut.
    Also halte ich grundsätzlich auch ihre Ermittlungsarbeit erstmal für in Ordnung.
    Es gibt Skandale, klar. Polizisten sind auch nur Menschen. Aber überall direkt einen solchen wittern zu wollen, nur, weil die Gerüchteküche brodelt, eine ältere Frau sich von ihrer Schwester bedroht fühlt und ein scheinbarer Zeuge nichts gesehen hat, finde ich dann doch etwas übertrieben.

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