Das Huhn auf der Stange

Wir hatten ja hier die etwas verhunzte Mail eines polnischen Sarglieferanten, der mir seine Särge als „gut gebraten“ angeboten hatte.
Nun möchte ich Euch eine Peinlichkeit, die mir beinahe passiert wäre, aber letztendlich erspart geblieben ist, nicht vorenthalten.

Eine gute Bekannte stammt aus Polen. So wie der Sarganbieter, der mir die „gebratenen Särge“ neulich verkaufen wollte.
Ab und zu postet diese nette Polin Texte und auch gerne mal Fotos bei Facebook.
Eines davon zeigte sie, wie sie über einen hohen Zaun kletterte.

Weil alle vorher abgegeben Kommentare von ihren polnischen Bekannten und Verwandten natürlich in polnischer Sprache waren, wollte ich mich nicht lumpen lassen und auch eine Antwort auf Polnisch abgeben.

Meine Vorstellung war, den Satz „Wenn es jungen Hühnern zu gut geht, flattern sie über den Zaun“ vom Google-Translator in Polnische übersetzen zu lassen.
Nun gut, es ist vielleicht nicht der originellste Satz, aber er passte meiner Meinung nach gut zu dem Foto von der jungen Frau auf dem Zaun.

Also tippte ich den Satz in den Translator ein und bekam auch einen schönen polnischen Satz zurück.
Ich hatte ihn schon markiert und kopiert und war kurz davor, ihn als Kommentar unter das Foto bei Facebook zu stellen.
Doch vorsichtshalber ließ ich ihn noch einmal zurückübersetzen und auch noch einmal zu Kontrollzwecken ins Englische. Sicher ist sicher.

Und siehe da, beinahe hätte ich folgenden Satz abgeschickt:

Du junges Huhn, setzt dich auf meine Stange, dann geht es dir gut.

Meine Güte, was wäre das für eine Peinlichkeit gewesen, zumal die Polin verheiratet ist und ich ihren Mann auch sehr gut kenne und schätze.
Niemals würde ich so lockere Peinlichkeiten absondern, nicht einmal im Scherz.
Ich habe dann doch auf Deutsch kommentiert. Sittlich korrekt.
Auf Google-Translator-Experimente lasse ich mich lieber nicht mehr ein.

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  • Veröffentlicht am: 15. Dezember 2015
  • 12 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Geschichten

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

12 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Und ich Trottel habe mich einmal auf so einen Übersetzer verlassen.
    Zum Geburtstag meiner Schwiegermutter sollte ich schnell ein Päckchen packen und nach Bulgarien schicken. Habe ich auch gemacht und weil ich sie gut leiden kann, habe ich noch „Geburtstagswünsche“ in kyrillisch BG als Karte ausgedruckt und beigelegt.
    Als das Päckchen schon längst unterwegs war, habe ich mal nebenbei meine Frau nach der richtigen Übersetzung gefragt.
    Dort stand sowas wie:
    „Gute Frau, da ich sie sehr mag, wünsche ich Ihnen alles Gute für Ihren weiteren Lebensweg.“
    Alle hatten ihren Spass, schön, wenn man auch aus der Ferne für Freude sorgen kann. ;-)

  2. Uff!!!!
    Das wäre wirklich peinlich gewesen.
    Leider ist es jetzt so, daß ich beim Schreiben jetzt Probleme habe, weil ich mich mit der einen Hand am Schreibtisch festhalten muß – vor Lachen.

  3. Hm, also wenn ich den Spaß wiederhole, lande ich beim englischen Satz „If young chickens going too well, butting the fence“ – ergibt zwar auch nicht viel Sinn, ist aber weit entfernt von der unsittlichen Aufforderung, die Du da oben erwähnst.

  4. Nachdem meine Lebensgefahr eine Polnische Staatsbürgerin mit (noch) mangelhaften Deutschkenntnissen ist, kann ich leider das Ergebnis des Google translators bestatätigen. Wobei 8ch drauf gekommen bin, dass wenn ich zuerst im Gedanken auf englisch Übersetzer und diese als Ursprungssprache im google-translator eingebettet, die Ergebnisse großteils sogar grammatikalisch korrekt sind. Nur als Tipp am Rande. Vorausgesetzt man kann wirklich englisch und übersetzt es nicht sofort weiter via google. Nach dem bisschen was ich nach 8 Monate Beziehung an Polnisch verstehe und sprechen wäre das daraus folgende Ergebnis „Jeśli młode kurczaki dzieje się zbyt dobrze, to trzepotanie przez płot“ zumindest sachlich richtig. Umgangssprachlich tun sich aber trotzdem 70% der Polen schwer. LG

  5. Mh, wenn ich aus irgendeinem Grund mit einem Geschäftspartner via Google Translator kommunizieren muss, schreib ich inzwischen immer sowas wie „Vorsicht, Google Translator“ vor den Text… ich habe selbst schon zuviel Blödsinn gelesen, den man erst verstand, nachdem man ihn zurück in die Ursprungssprache übersetzte und dann ggf. in eine andere.

  6. Mit den Hühnern und Hähnen sollte man beim Übersetzen vorsichtig sein und es muß auch gar nicht polnisch sein, um da voll reinzufallen:

    https://schreibenfuergeld.wordpress.com/2011/11/11/meine-nachbarin-hat-kohlmeisen/

    Zugegeben auf Deutsch ein etwas holpriger Satz, aber das Ergebnis ist definitiv nicht, was man erwartet und für Ärger reicht ja schon ein solcher zweideutig aufgefaßter Begriff

  7. Da bleibt nur zu hoffen, dass die polnischen Bekannten nicht den google-Translator verwenden, um zu schauen, was du da kommentiert hast =D

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