Deckel zu – War der Bestatter faul oder unfähig?

bei uns ist eine [Altenheim]bewohnerin verstorben.die tochter wohnt weit weg.

kam wegen eisregen erst nach 2 tagen zu uns.ging dann zum bestatter und wollte die mutter sehen.der sagte ihr das der sarg schon dicht ist.wie kann das?normal werden die doch erst kurz vor der beerdigung dicht gemacht.und ich hatte die verstorbene gesehen,sah superfriedlich aus.für eine antwort wäre ich dir dankbar

Das kann man pauschal nicht beantworten. Im ungünstigsten Fall war der Bestatter einfach faul. Das möchte ich aber deshalb nicht unterstellen, weil ich aus Erfahrung weiß, daß manche Verstorbene sich binnen kürzester Zeit so nachteilig verändern, daß eine offene Aufbahrung nicht mehr anzuraten ist.

Im Allgemeinen ist es so, daß bei guter Kühlung und einem guten Zustand des Verstorbenen auch ohne eine Einbalsamierung eine Aufbahrung bis zu einer Woche nach dem Eintritt des Todes möglich ist. Aber in einigen Fällen geht das eben nicht. Verstorbene können sich verfärben, es kann eine unverdeckbare Geruchsentwicklung eintreten, der körperliche Zer- bzw. Verfall tritt rasant ein oder es kommt zu Hautablösungen und sonstigen Veränderungen. Aus Vernunftsgründen rät dann mancher Bestatter dazu, den Verstorbenen nicht mehr anzuschauen.

Wann übrigens der Deckel geschlossen wird, ist völlig verschieden. Manche Bestatter bewahren die Verstorbenen ausschließlich im verschlossenen Sarg auf. Auch auf manchen Friedhöfen stehen die Verstorbenen im verschlossenen Sarg und der Deckel wird nur „bei Besuch“ geöffnet.

Selbstverständlich können gute Bestatter durch geeignete Maßnahmen bis hin zur Einbalsamierung nahezu jeden Verstorbenen ansehbar machen, aber das ist letztlich natürlich auch eine Frage des Geldes und ob die Angehörigen das überhaupt wollen.

Es gibt aber auch Bestatter, die eine Behandlung des Verstorbenen grundsätzlich ablehnen, die über die normale hygienische Versorgung hinausgeht. Alles andere lehnen sie als unethisch ab.
Allerdings ist das nur bei ganz wenigen Bestattern der Fall.

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  • Veröffentlicht am: 9. Januar 2008
  • 8 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. >>>> oder es kommt zu Hautablösungen und sonstigen Veränderungen.<<<<

    Hallo Tom,
    dazu habe ich eine Frage.

    Ein Mann war nachts im Bett gestorben und wurde erst ca. 18-20 Stunden danach gefunden. Beim Berühren löste sich stellenweise die Haut ab.
    Wie kann das nach so kurzer Zeit sein?? Von soetwas habe ich noch nie gehört und war deshalb ganz geschockt …..

    Ich möchte dir auf diesem Wege einmal „Danke“ sagen für diesen Blog!!
    Du hast mir schon viele meiner ungestellten Fragen beantwortet und mir einen großen Teil Angst vor dem Umgang mit Toten genommen.

    Mach bitte weiter so!
    LG eine treue Leserin

  2. Zum Fragetext fällt mir spontan die Werbung vom „Alpha-Telefon“ ein.

    scnr :)

  3. @Sven: Es ist eine Unart, alles klein zu schreiben, aber manche machen das bewußt und aus Bequemlichkeit. Meinetwegen. Ich finde, wir sollten nicht so sehr auf Kleinigkeiten achten und nicht immer auf der Rechtschreibung und ähnlichen Dingen herumreiten.

    Wir sind hier doch nicht in der Kantine der Duden-Redaktion.

    ;-)

  4. Wobei ich im konkreten Fall wirklich Schwierigkeiten hatte, den Fragetext überhaupt zu verstehen. Nicht wegen der Kleinschreibung, sondern wegen der halben Sätze. :-(

  5. Eigentlich kommen sogar vier Dinge auf einmal:
    – alles klein
    – klempen
    – halbe Sätze
    – falsche Interpunktion

    Gerade im Internet sollte man nicht so kleinlich sein. Das habe ich inzwischen auch gelernt. Aber ein bisschen Anstrengen kann sich jeder. Gerade wenn er eine Frage stellt und damit dessen Zeit in Anspruch nimmt.

  6. Kaum abgeschickt, schon gemerkt dass da die Hälfte nicht stimmt. Ist schon Freitag? :)

  7. Klasse, von 6 Kommentaren befassen sich 5 mit der Rechtschreibung, ich bin begeistert. Hat nur Kommentator 1 ungefähr gemerkt, dass das Thema um Deckel auf oder zu und warum
    geht?

    Ich denke, der Bestatter hat das nicht zu bestimmen. wenn der Kunde den Angehörigen sehen will, und trotz abraten darauf besteht, dann darf der das. Unterschrift unter den Auftrag gibts dann auch keine. Sonst wird anschliessend es etwas ungemütlich hier im Laden, und danach kommt Pietät Eichenlaub und holt den ab. Dass das klar ist! Bestimmt hat der Sargwäsche auf der Rechnung, und Mutter liegt unbekleidet und unbedeckt drin.

  8. Ich hätte auch darauf bestanden, meine Mutter zu sehen.
    „Deckel ist schon Dicht“ hät ich nicht zählen lassen, sondern:
    „Dann machen sie ihn bitte wieder auf“ geantwortet…
    Der nächste Schritt wäre warscheinlich auch der Wechsel in ein
    anderes Bestättungsunternehmen gewesen, wo man würdevoller
    mit den Angehörigen umgeht ^^
    Gerade, wenn man weiter weg wohnt, möchte man sich doch nochmal
    von den Angehörigen verabschieden….
    Kommt mir sehr suspekt vor…

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