Dem Toni

Namen niemals mit Artikel! So habe ich es mal gelernt und finde es auch schöner, wenn man Menschen mit ihrem Vornamen anredet, also zum Beispiel sagt: „Das ist Werner“ und nicht noch einen Artikel davorsetzt: „Das ist der Werner“.

Toni sieht das anders und redet von sich selbst immer als „der Toni“. So führte er sich bei mir ein: „Ich bin der Toni“ und spricht über sich selbst gerne in der dritten Person: „Kann der Toni mal Pause machen?“ usw.

Toni habe ich geerbt, ja sowas gibt’s. Frau Schlüchterdonk hat bis Ende letzten Jahres ein kleines Bestattungsinstitut geführt, mehr so vom zum Büro umfunktionierten Wohnzimmer aus, dann hat sie ein mittelschwerer, nicht lebensbedrohlicher Herzkasper ereilt, der ihr aber die Fortführung des kleinen Betriebes unmöglich machte. Frau Schlüchterdonk hat ja auch schon ihre Jahre, wie man so sagt und sah sich nun in der Zwickmühle, daß sie Toni als Auszubildenden eingestellt hatte. Sie hatte damit schon einer Cousine des Bruders einer Schwägerin ihres Cousins einen Gefallen getan und ist sozusagen weitläufig mit Toni verwandt, obwohl sie die Sippe aus der Toni stammt, nach eigenem Bekunden gar nicht kennt. Jedenfalls fühlt sich Frau Schlüchterdonk dem Toni verpflichtet und hätte sich noch durch weitere zwei Jahre gequält, nur um dem jungen Mann den Abschluß seiner Lehre zu ermöglichen.

Eines Tages kam dann unser Pietätwarenhändler zu mir und wie das immer so ist wenn der kommt, plauderten wir über alle möglichen Konkurrenten. Diese Marketender einer ganzen Branche kommen in jedes Bestattungshaus und kaum einer hat einen solchen Überblick über die Geschehnisse wie die Pietätwarenhändler. Ja und der erzählt mir von Frau Schlüchterdonk und daß die jemanden sucht, der ihr „den Toni“ abnimmt.

So ganz stimmte das aber nicht. Als ich nämlich mit Frau Schlüchtendonk Kontakt aufnahm, merkte ich sofort, daß sie mir im Grunde genommen ihre ganzen Sachen verkaufen wollte. Gut, ich habe ihr alle verkaufbaren Waren, einige Urnen und Decken, sowie einigen Kleinkram abgenommen, mehr konnte ich nicht gebrauchen. Sie brauchte das Geld, weil sie auf ihre alten Tage ein Haus im nahen Holland kaufen wollte, denn wenn es ihr mal schlechter geht, dann sei die Versorgung und Unterbringung der Alten in den Niederlanden wesentlich besser als bei uns.

Neben den Urnen und den anderen Sachen nahm ich Frau Schlüchtendonk auch den Toni ab, ein Problemfall, aber kein Fehler, wie ich schon bald feststellen mußte.

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  • Veröffentlicht am: 6. Mai 2008
  • 14 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

14 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Bei uns im Ruhrpott sagen wir Namen auch immer so. „Hast du den Norbert gesehen?“ oder „Die Britta hat ein neues Auto“. Hier in der Pfalz, wo ich im Exil lebe, sagen sie auch „de Wärnä“ und „de Willi“.

  2. Übrigens, die Schrift deiner Beiträge ist schwerer zu lesen als vorher. Nur mal so zur Info. ;)

  3. Louffi stinkt. Die Schrift ist so nun perfekt.

    Wem es immer noch nicht passt, der kann ja rechts in der Leiste ganz unten etwas anderes einstellen.

  4. Jupps, so ist die Schrift fein. Aber nicht allen kann mans recht machen ;)

    Was ist eigentlich mit Martina?

  5. Artikel vor dem Vornamen sind doof! :D
    Nur leider habe ich mir das, dank meiner bayrischen Mitbewohnerin, auch angewöhnt…
    Ich arbeite aber ständig daran, das nicht mehr zu sagen. Ich mag das nicht!

  6. die meisten hessischen Dialekte beinhalten auch Artikel vor Eigennamen.
    Auch sehr beliebt ist der hessische Genitiv „dem Hugo sein Auto“.
    Badesalz haben da sehr hübsche Sachen („die wo da so …“).

  7. Bin ich der einzige, der an „I bin’s, der Toni Polster“ denken muss?

  8. In Österreich auch sehr üblich (Artikel beim Vornamen oder Nachnamen), genau so wie der „hessische“ Genitiv (der mitnichten exklusiv hessisch ist…).

  9. Da bin ich ja mal gespannt, was Toni dir – wie der letzte Satz ja vermuten lässt – Gutes getan hat.

    Aber noch mehr würde mich die Fortführung der Geschichten von Martina und Ronny Rocko interessieren – und nicht zuletzt, was Frau van der Braa noch zu Frau Schädel zu sagen hatte.

    Nur bevor du was Neues anfängt und ich noch mehr „Baustellen“ im Kopf haben muss ;-)

  10. Wegen Umzug: Junger gesunder Kater in gute Hände abzugeben. Da wo ich hinziehe ist das Halten von jungen Katern verboten. Jetzt hat Tom schon zwei. Einen Kater und eine Kätzin. Pass auf, dass es nicht zuviel Junge gibt, sonst hast Du den Laden bald voll.

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