Der Abzocker, das schwarze Schaf

Halo, ich het da eine Frage. Kurz: Bekannte haben ein Bestatter beauftrag wegen toten Vater. Der hat Sarg im Geschäft angeboten für 2.500 Euro. Am abend stellt sich nun heraus des der Sarg net allein ist. In den Preis sind auch Überführung, higyienische Masssnahmen und Abholung so wie Personal enthalten. Das ist mit 2.500 Euro zu teuer findet die Fmilie.

Sie will jetzt vom Auftrag zurück. Der Bestatter ist aber wohl ein Abzocker der schwarzen Schafe Sorte. Er sagt dass er trotzdem die 2.500 berechnet wenn sie ihn den Auftrag entziehen. Leistungen schon erbracht sagt er.
Er könnte doch den Toden rausgeben und den Sarg einfach jemand anders verkaufen das wäre dann billig für die Bekannten von mir.

Was meinst?

Tja, wie hätte die genannte Familie reagiert, wenn sie später -wie auch immer- erfahren hätte, daß der Bestatter für ‚Euren‘ Toten einen bereits einmal verkauften und benutzten Sarg genommen hätte?

Insgesamt sind 2.500 Euro für einen Sarg ein durchaus hoher Preis, der aber so in manchen Regionen tatsächlich nur für den Sarg verlangt wird. Um das genau bewerten zu können, müsste ich mehr über den Sarg wissen.
Wenn aber in diesem Betrag die genannten Leistungen schon enthalten sind, relativiert sich das ohnehin und der Preis könnte durchaus als angemessen bezeichnet werden.

Allein deshalb würde es sich also nicht lohnen, vom Auftrag zurückzutreten und es ist auch nicht berechtigt, den Kollegen als Abzocker oder schwarzes Schaf zu bezeichnen. Vor allem kann man das deshalb nicht berechtigterweise tun, weil seine Forderung nach Begleichung der Rechnung für bereits erbrachte Leistungen durchaus berechtigt scheint.

Durch den Wechsel des Bestatters im laufenden Bestattungsverfahren entstehen fast immer zusätzliche und nicht unerhebliche Kosten, die den oft durch höhe Preise begründeten Wechsel im Nachhinein nicht mehr rechtfertigen oder aufwiegen. Besser tut man daran, wenn man sich bereits lange vorher mit dem Thema beschäftigt und sich einen Bestatter aussucht. Das kann schon allein durch das Gespräch in der Familie oder im Bekanntenkreis erfolgen, indem man dort nach Erfahrungen fragt.

Särge wiederzuverwenden hat ein gewisses G’schmäckle.
Es ist eine der großen urbanen Legenden, daß Särge grundsätzlich mehrfach verwendet werden. Im Einzelfall, bei kriminellen Bestattern, mag so etwas alle Jubeljahre mal vorkommen, es ist aber aus ganz bestimmten Gründen nicht die Regel. Diese Gründe sind vor allem im eindeutig niedrigen Einkaufspreis der Särge zu suchen, weshalb sich eine solche Aktion nur für jemanden lohnt, dem das Wasser ohnehin bis zum Halse steht.
Interessant könnte ein Sargtausch (teuer gegen billig) auch für ganz große Häuser sein, bei denen dann die Masse das Geschäft ausmachen würde.

Es kommt aber in jedem Bestattungshaus mal vor, daß versehentlich ein Verstorbener in einen falschen Sarg gelegt wird oder daß sich die Angehörigen kurz nach dem Einbetten kurzfristig umentscheiden. Dann kann man selbstverständlich den Toten umbetten und nach dem Austausch des ganzen ‚Innenlebens‘ des Sarges den Sarg auch wieder weiterverwenden.
Hat der Verstorbene aber schon eine Weile in dem Sarg gelegen, kann das Holz Gerüche und ggfs. Flüssigkeiten und Ausscheidungen des Toten angenommen haben und eine Weiterverwendung ist dann ausgeschlossen, wenn nicht sowieso hygienische Bedenken bestehen, die das grundsätzlich unmöglich machen.

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  • 11. Dezember 2009 - 20 Kommentare - Lesezeit ca.: 3 Minuten - Kategorie: Frag den Bestatter

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm8. August 2012

20 Kommentare von 138189.

  1. Vielleicht wäre für geizige Kunden der von Joseph II. erfundene [url=http://www.planet-vienna.com/Nekropole/zeremoniell/erdbestattung.htm]Sparsarg[/url] eine attraktive Alternative?

  2. Also: Der Auftrag wird vergeben für einen 2500-Euro-Sarg. Nachdem sich herausstellt, dass in dem Preis weitere (kostenaufwändige) Leistungen enthalten sind, ist das plötzlich zu teuer?

    Geht’s noch?

    Aber „higyienische Masssnahmen“ war lustig.

  3. Also das versteh einer mal, der Sarg für 2500€ plus alles andere ist OK, aber die ganze Beerdigung für 2500€ ist zu teuer?
    Da hat wohl jemand was falsch verstanden …

  4. Hallo Teufelchen, guter Hinweis. Das es so etwas wirklich gab/gibt war für mich bis eben noch unvorstellbar…und die Vorurteile über „zänkische Bergvölker“ ;-) lasse ich mal außen vor.
    Ilamaz, „nicht daß sich die Leiche da drin den Tod holt.“ Ich schaue nie mehr am gleichen Tag hier ins Blog wenn ich, wie heute, auf eine Trauerfeier mit Sarg muß. „Der Dicke Lechthaler hat bei der Trauerfeier die ganze Zeit so dämlich gegrinst“ wird`s später heißen!
    :-) Lechthaler

  5. [quote]Ich schaue nie mehr am gleichen Tag hier ins Blog wenn ich, wie heute, auf eine Trauerfeier mit Sarg muß.[/quote]
    Würde ich nur gleuben, wenn der liebe Lechthaler geschrieben hätte:
    „Ich schaue nie mehr am gleichen Tag hier ins Blog wenn ich, wie heute, auf eine Trauerfeier [u]im[/u] Sarg muß.“

  6. @ Undertaker J. A. Fox.
    Womit wir wieder beim Sarg mit Rein-und-Rausguckfenster wären…einige Tage schaffe ich tatsächlich ohne Bestatterweblog, und dann bin ich ab und zu sehr kommentarfreudig….
    ;-) Lechthaler

  7. @ MiniMoppel

    Ich finde das Schreiben sogar insgesamt sehr witzig. Ich kann mich bei dem Schreibenden aber nicht entscheiden zwischen »Doof« oder »Will mit allen Mitteln ins Weblog« :-)

  8. Wie war das? „Es genügt nicht, keine Ideen zu haben, man muß auch unfähig sein, sie auszudrücken.“
    Analog dazu würde ich ja fast vermuten, daß die Familie für 2.500 € einen Sarg gekauft hat und GEDACHT hat, diese Leistungen wären da mit drin, jetzt aber erfährt, daß die noch DAZU kommen.
    Gäbe logisch mehr Sinn, und formulieren scheint des Schreibers Stärke ja auch nicht zu sein…
    Andererseits, wen interessiert Logik, wenn er meckern kann…

    Salat

  9. Ich stelle mir das irgendwie so vor:

    „Hier haben wir noch das Sargmodell Wucherus, edles Eichenholz und wunderbar verarbeitet.“

    „Wieviel kostet der denn?“

    „2.500 EUR“

    „Ok, nehmen wir.“

    Später, beim Betrachten der Rechnung:

    „2.500 EUR inklusive Überführung, hygienische Maßnahmen, Abholung und Personal? ABZOCKER, VERRÄTER, DRECKSCHW…“

  10. [quote=“Tom“]…wenn nicht sowieso hygienische Bedenken bestehen, die das grundsätzlich unmöglich machen.[/quote]
    Ist doch irgendwie egal, wer auch immer danach im Sarg rumlungert kann sich doch ohnehin mit nichts tödlichem mehr anstecken…

  11. Ich finds irgendwie witzig, wenn jemand etwas „kurz“ erläutern will und das dann dadurch zu erreichen versucht, indem er einfach Worte weglässt…

  12. Sinn macht es auch in einer etwas anderen zeitlichen/inhaltlichen Reihenfolge:

    1. Familie denkt Sarg kostet 2500,-
    2. Familie vergibt den Auftrag (und den Verstorbenen)
    3. Familie findet das dann später (abends!) doch zu teuer allein für einen Sarg (weil sie sich evtl inzwischen woanders nach Preisen für einsame Särge erkundigt hat)
    4. Familie will vom Auftrag zurück treten
    5. Da stellt sich (immer noch abends!) heraus, dass der Sarg gar nicht mehr alleine ist, sondern durch die Leistungen die inzwischen schon erbracht wurden auch der Verstorbene
    6. Will die Familie den Verstorbenen wieder, geht das nur mit Sarg, erbrachten Leistungen und entsprechender Zahlung
    7. Familie denkt: Abzocker der schwarzen Schafe Sorte!

  13. Naja, zum Thema Sarg-Wiederverwendung gab es da doch noch folgendes:
    http://itemnotasdescribed.com/2009/12/09/funny-classifieds-batesville-casket-1500/

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