Der Friedhof als Nachbar

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Spielende Kinder auf dem Friedhof? Warum nicht?


Spielende Kinder auf dem Friedhof? Warum nicht?


Wenn man nahe am Friedhof wohnt, was muß man als Nachbar da beachten?

Der Friedhof als Nachbar

Guten Tag sehr geehrter Herr Wilhelm. Wir ziehen in 2 Wochen um,in ein Haus neben einem kleinen Friedhof. Es ist soweit auch kein Problem für mich. Doch Frage ich mich ob ich da locker im Garten feiern (Kindergeburtstage etc), grillen oder auch Musik hören kann?

Lieben Dank und viele Grüße,
Jenni

Ist es etwas Besonderes, am Friedhof zu wohnen?

Das ist doch nichts Ungewöhnliches.
Viele Friedhöfe, die vor langer Zeit weit außerhalb der Ortschaft lagen, sind inzwischen von der Wohnbebauung umwachsen worden.
In den angrenzenden Häusern kann man genauso wohnen, wie in anderen Häusern auch. Auf den Grundstücken darf man spielen, lachen, jauchzen und fröhlich sein.
Irgendwo hat ja alles seine Grenzen und der Friedhof hat seine an den Friedhofsmauern.

Gibt es da einen Interessenskonflikt?

Unser Leben währt nur eine begrenzte Zeitspanne. Das Ableben ist bei uns mit Trauer verbunden. Deshalb wiegen hier zwei Punkte.
Der erste Gesichtspunkt ist, daß man sich diese zeitlich begrenzte Spanne hier auf der Erde im Grunde so schön wie möglich machen sollte. Nach allem was wir wissen, haben wir nur diese eine Lebensspanne zur Verfügung. Sollte es anders sein, harre ich auf den entsprechenden Bericht.

Der zweite Gesichtspunkt ist, daß es natürlich sehr menschlich und sehr verständlich ist, daß diejenigen, die gerade einen Verwandten verloren haben, darüber traurig sind. Sollte derjenige nun in irgendeiner jenseitigen Art und Weise noch mehr Glück und Freude genießen dürfen, als es hier in unserer Welt schon möglich war, so wissen die Trauernden davon ja nichts. Sie können allenfalls nur eine auf Glauben beruhende Hoffnung damit verbinden.
Im Vordergrund steht aber hier zunächst einmal die Trauer. Und die setzt sich zusammen aus verschiedenen Gefühlen. Einmal tut es einem leid, daß dieser Mensch hat sterben müssen. Man hätte ihm noch mehr Lebenszeit gegönnt.
Aber man ist auch betrübt, weil man selbst die Vorteile, die man durch die Existenz dieses Menschen hatte, nun teilweise nicht mehr hat. Hinzu kommen Verlustgefühle, Existenzangst, Angst vor dem vor einem Liegenden und eine ganze Gemengelage verschiedener Emotionen.

In dieser emotionalen Trauermixtur ist man sehr empfindlich, empfindlicher als sonst.

Auf diese Gefühle sollte man auch als Anlieger eines Friedhofs Rücksicht nehmen. Das gilt vor allem zu den Zeiten, an denen Beerdigungen stattfinden.

Was muß der Friedhofsbesucher hinnehmen?

Jeder Friedhofsbesucher muß es hinnehmen, daß außerhalb des Friedhofs normal gelebt wird. Er muß akzeptieren, daß da Kinder spielen, Menschen lachen, Leute sich unterhalten und daß Musik zu ihm herüberklingt.

Wie soll ich mich als Anwohner verhalten?

Das ist aber nun nicht nur auf Friedhöfen so, sondern überall. Also kann man die normalen Verhaltensweisen, die man aus Rücksicht anderen gegenüber sowieso an den Tag legen sollte, auf die Nachbarschaft zu einem Friedhof übertragen.

Denkt denn keiner an die Kinder?

Vielleicht sollte man darüber hinaus auch noch ein wenig darauf achten, daß während einer Trauerzeremonie Kinder nicht permanent mit einer Trillerpfeife oder einer Blechtrommel nervende Geräusche erzeugen.

Die erreicht man aber nicht durch Verbote oder permanentes „Pschschscht“-Machen, sondern durch das frühzeitige Vermitteln von Werten, Respekt und Anstand.

Und was ist auf dem Friedhof? Darf man da spielen?

Am Eingang eines jeden Friedhofs hängt die Friedhofsordnung.
Diese kann so aussehen, daß die Friedhofsbetreiber den Friedhof auch als Parkanlage sehen und einiges gestatten.
Sie kann aber auch sehr streng ausgelegt sein und sogar das Mitführen von Hunden oder rollerfahrende Kinder verbieten. Ja, zeitweise hatte man sogar auf tausenden Friedhöfen Handyverbotsschilder aufgestellt.

Aber auch hier gilt wieder: Die Kinder sollten lernen, was Respekt und Anstand sind.
Als ich ein kleiner Junge war, wohnte ich direkt neben einem Friedhof. Es war für uns Kinder selbstverständlich, den Friedhof auch als Spielplatzerweiterung zu betrachten. Aber niemals hätten wir etwas kaputt gemacht oder bei Beerdigungen gestört.
Aber früher gab es auch Männer, die uns da verjagt haben, ohne daß unsere Eltern sie gleich verklagt hätten.

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  • 15. März 2017 - 7 Kommentare - Lesezeit ca.: 3 Minuten - Kategorie: Frag den Bestatter

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm

7 Kommentare von 137630.

  1. Die Umgebung von jenem Friedhof, den ich öfters aufsuche, ist sogar recht angenehm. Spielende Kinder sieht man auf dem Tierpark zwar selten, würde mich aber nicht so stören wie radfahrende Leute oder Jugendliche, die Müll hin und wieder auf die Wege werfen. Zu wenig kennt man anscheinend den Spruch:“Was erwartest du von so einem Ort, wenn du selbst trauerst und was, wenn du es nicht tust?“

  2. > Ist es etwas Besonderes, am Friedhof zu wohnen?

    Ja. Da hat man ruhige Nachbarn und der letzte Umzug ist nicht allzuweit. :-)
    Allerdings sind die Angehörigen dieser Nachbarn manchmal nervend. Insbesondere die, die zu faul sind, 50m vom Parkplatz zum Friedhofseingang zu gehen, der unglücklicherweise direkt gegenüber meiner hinteren Zufahrt zu meinem Grundstück liegt und mir (und anderen Nachbarn) diese Zufahrt blockieren, weil sie direkt an diesem Friedhofseingang (einer von dreien) parken müssen.

  3. Ich hab als Kind direkt neben dem Friehof gewohnt. Dort konnte man gut Federball spielen, oder im Winter Gleitschuh fahren, weil es so schöne Serpentinen gab.

    Wir haben auch ab und an Verstecken dort gespielt.

    Trotzdem haben wir gewusst, das wir Besucher dort in Ruhe lassen und in deren Nähe leiser sind.

    Also Rücksicht auf die Lebenden schon ;) aber den Toten war unser Kinderkrach wohl egal.

  4. Auch auf einem Friedhof kann man leben.

    Ich erwähne jetzt mal den Markusfriedhof in Dresden.

    Da steht ein Wohnhaus drauf.

    Ob es derzeit bewohnt ist, weiß ich nicht, aber bis weit in die 2000er Jahre hat da der Friedhofswärter mit seiner Familie gelebt.

    Und natürlich auch da gefeiert.

  5. Kluge Worte, lieber Peter, wichtig ist (wie im gesamten Laben) ist die gegenseitge (!) Rücksichtnahme.
    Kinder sind unsere Zukunft, das wird zwar allüberall propagiert, leider sieht die Realität oftmals ganz anders aus.
    Viele Friedhöfe sind, schon durch ihre Grösse, ein wichtiger Teil der Naherholung (z.B. der Hauptfriedhof in Frankfurt am Main oder der Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf) und da legt es nahe, dass auch Kinder dieses Areal nutzen, jedoch aollten sie lernen, dass auch hier gewisse Regeln des Anstandes bestehen. Aber das hast Du ja ausführlich beschrieben.

  6. Oder direkt auf dem Friedhof leben

    Die materielle Not in anderen Ländern begegnet da schon Mal
    den das Überleben sichernden Pragmatismus.
    Auch auf den katholischen Phillipinen.

    http://www.galileo.tv/video/leben-auf-dem-friedhof/

  7. Als ich anfing, in den achtziger Jahren, musste ich mal bei einer Beerdigung als Träger aushelfen. Als die Trauer Gemeinde die Kapelle verließ, spielte gegenüber vom Friedhof eine Jazz Band auf, zur Eröffnung des neuen Supermarktes! Das war schon ein wenig komisch!!

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