Der Tod – ein gutes Geschäft – Das Holland-Modell unter der Lupe

Alle Jahre wieder – dieses Liedfragment kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn es auf Ende August zugeht. Ab dem 20. August präsentieren nämlich in schöner alljährlicher Regelmäßigkeit vor allem die Privatsender Aufrüttelndes, Aufklärendes und Aufregendes aus der Bestattungsbranche.
Die aufklärerische Sendetätigkeit nimmt dann bis in die sogenannten dunklen Tage des Jahres zu. So um Allerheiligen herum läßt sich damit immer ganz gut Quote machen.

Meine Meinung zum Beitrag „Der Tod – ein gutes Geschäft

RTL II hat dieses Jahr den Anfang gemacht, „Der Tod – ein gutes Geschäft“ titelte man, schicke einen nerdig-trendigen Reporter los, der sich durch die Branche fragte und allerlei ausprobierte.
Er traf auf den alteingesessenen Bestatter, dessen Preise als hoch dargestellt wurden, und er traf am anderen Ende der Skala auf den Discount-Bestatter Hartmut Woite vom Berolina-Sargdiscount.
Es waren also die Allgegenwärtigen wieder einmal allgegenwärtig.
Nicht ausgelassen wurden Woites Kaffeefahrten zu einem tschechischen Krematorium, das Selbstexperiment „Wie ist es, tot zu sein?“ und „Wie ist es, mit einer Leiche umzugehen?“.

Sagen wir es mal so: Es hätte schlimmer kommen können.
Nein, ich muß sogar sagen: Nach dem was man so erwartet oder gar befürchtet hat, ist der Beitrag recht gut geworden.
Er stellt die Branche in ihrer gesamten Bandbreite dar und beleuchtet auch die verschiedenen Nebenaspekte und Alternativen.
Wenn man sich mit dem Thema Tod und Trauer und Bestattung noch nie eingehend beschäftigt hat, wenn man viele Aspekte unberücksichtigt läßt, dann kann man nur zu einem solchen Ergebnis kommen. Daran gemessen, ist der Beitrag recht ordentlich geworden.

Die Urne aus Holland – Frau Hoerner bei RTL II

Tja, und was war mit der Urne aus Holland, und was war mit Frau Hoerner?

Ja, Ingrid Hoerner kam auch vor.
Wer sie noch nicht kennt: Ingrid Hoerner ist in der Bestatterbranche bekannt wie eine bunte Kuh1.
Seit etwa 2002 betreibt sie einen Urnenrückführungsdienst und ermöglicht den Menschen, die Urne mit der Asche eines Verstorbenen, daheim aufbewahren oder am Wunschort begraben oder ausstreuen zu können.
Etwas irreführend fand ich die Aussage des Reporters, Frau Hoerner habe diese Dienstleistung quasi entdeckt oder erfunden. Das kann so nicht sein, denn Urnenrückführungen wurden schon in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführt, sind also beileibe weder etwas Neues, noch erst seit 2002 im Angebot.

Deutsche Bestatter ermöglichen auf besonderen Wunsch meist auch solche Urnenaushändigungen. Allerdings nehmen die meisten Bestatter an der Rückführung der Urne nicht aktiv teil.

So funktioniert der Umweg über Holland

Im Prinzip funktioniert das Holland-Modell so:

  1. Der Verstorbene wird in Deutschland eingeäschert.
  2. Die Angehörigen sagen, der Verstorbene wolle in den Niederlanden beigesetzt werden.
  3. Dazu wird die Urne in die Niederlande an einen Friedhof, Bestatter oder ein Krematorium überstellt.
  4. Die Urne ist damit dem deutschen Friedhofszwang entzogen und unterliegt niederländischem Bestattungsrecht.
  5. In den Niederlanden kann nun mit der Urne verfahren werden, wie es nach dortigem Recht erlaubt ist.
  6. Das beinhaltet und erlaubt auch die Aushändigung an die Angehörigen.
  7. Nach einem mindestens 24-stündigen Aufenthalt in den Niederlanden wird die Urne per Paketdienst an die Angehörigen in Deutschland verschickt.
  8. Die Angehörigen können dann damit verfahren, wie sie möchten.

Bei dieser Art der Abwicklung berät der Bestatter ausschließlich über diesen Weg und stellt eventuell noch die notwendigen Kontakte her, bzw. nimmt den Urnenversand nach Holland vor.
Das ist für die Bestatter deshalb wichtig, weil es eine Ordnungswidrigkeit darstellt, in Deutschland eine Urne mit sterblichen Überresten zu besitzen und diese nicht auf einem Friedhof beisetzen zu lassen.
Der Bestatter macht sich also allein durch Beratung und Kontaktvermittlung nicht die Hände schmutzig und kommt nach derzeitiger Auslegung und Anwendung der Gesetze auch nicht mit diesen in Konflikt.

Andere Varianten, manche mit G’schmäckle

Manche kürzen den Weg aber auch ab. Hier wird die Urne nur kurz mal eben nach Holland gebracht, verbleibt dort 24 Stunden bei einem Bestatter und der schickt sie sofort wieder zurück.
Und andere, darunter wohl auch Frau Hoerner, nehmen das alles selbst in die Hand, bringen die Urnen im Kofferraum über die Grenze und holen sie -nachdem die Urne quasi holländisch geworden ist- auch wieder ab.
Nach meinem Dafürhalten bringt man sich aber in dem Moment, indem man mit der Urne wieder die Grenze nach Deutschland übertritt, mit dem Gesetz in Konflikt. Es kann also überhaupt nicht die Rede davon sein, man habe einen legalen Weg gefunden, die Urne zu besitzen.

Ganz dreist wird es, wie mir berichtet wurde, wenn Personen die Urnen nur eben über die Grenze fahren und gleich wieder mitbringen. Ein paar Stempel eines niederländischen Bestatters reichen ja. Wer will schon überprüfen, ob die Urnen alle immer 24 Stunden in Holland waren?
Das heißt, man packt sich die Urne in den Kofferraum, holt sich den Stempel und fährt gleich wieder zurück.
Ja, und auch dieses Verfahren ließe sich noch abkürzen. Denn warum überhaupt die Urnen aufwendig hin und her fahren?
Ein paar Zettel, die man auch per Post hin und her schicken kann, und angeblich sind Dutzende von Urnen erst in die Niederlande gebracht und dann wieder zurückgeholt worden. In Wirklichkeit haben die Urnen Deutschland niemals verlassen.

Aber egal, das spielt für die letztendliche Betrachtung der Angelegenheit keine Rolle. Es ist nämlich vollkommen unerheblich, ob die Urne zwischenzeitlich mal in den Niederlanden, in Kalkutta oder in Südafrika war: Sobald sie wieder in Deutschland ist, gilt die Friedhofspflicht für Totenaschen.
Die würde nämlich auch gelten, wenn beispielsweise die Asche eines kremierten Niederländers hier nach Deutschland geschickt würde. In Deutschland muß Totenasche auf den Friedhof, gleichgültig woher sie kommt.

Und wie sehen es die Bestatter und die „Anderen“?

So, und was bedeutet das im Bestatteralltag?

Die meisten Bestatter nehmen, wie auch ich, die folgende Position ein:

  1. Die allermeisten Menschen wünschen traditionelle Bestattungen
  2. Es gibt eine Vielzahl von legalen Alternativen (Wald-, See- und Wiesenbestattung etc.).
  3. Unter besondere Voraussetzungen wird der Umweg über Holland vorgeschlagen.
  4. Das Behalten der Totenasche verhindert einen wichtigen Schritt des Trauerprozesses, nämlich das Loslassen.
  5. In seltenen Fällen nimmt man in Kauf, daß die eigenen Kunden eine Ordnungswidrigkeit begehen.

Durchaus berechtigt ist aber auch die andere Sichtweise, die -soweit ich das begriffen habe- auch teilweise von Frau Hoerner so vertreten wird:

  1. Die Menschen wissen nichts von diesen Möglichkeiten.
  2. Man muß die Menschen wachrütteln und ihnen die Augen öffnen.
  3. Durch das permanente Rückführen von Urnen ebnet man einer Liberalisierung den Weg.
  4. Das ist alles nicht so schlimm.

Aber gerade die häufige und fast wie geschmiert laufende Zurverfügungstellung von Urnen ist nach Ansicht der Experten eher ein Hemmnis auf dem Weg zu einer Liberalisierung.
Ich betone noch einmal, daß die geltenden Bestattungsgesetze im wesentlichen den Wunsch der Bürger unseres Staates widerspiegeln.
Die Gesetze sind nicht von Himmel gefallen oder von böswilligen Menschen erdacht worden, die nur im Sinn hatten, uns alles zu verbieten und uns den Spaß am Leben (meinetwegen auch am Sterben) zu nehmen.
Die Menschen, die in den Parlamenten unsere Gesetze machen, tun dies, um dem Bürger ein Regelwerk an die Hand zu geben, nach dem er sich verhalten soll. Dem Bürger gibt das die Leitschnur, an der er sich in seinem Verhalten orientieren kann.
Er muß sich sich insoweit den Normen unterwerfen, die die Allgemeinheit für richtig hält.

Der Deutsche ist konservativ, traditionsorientiert und nicht sehr experimentierfreudig.

Es ist immer so, daß Gesetze, Regelungen und Vorschriften unmodern werden. Gesetze können auch schlichtweg überflüssig werden. Die Weltmeinung kann sich ändern und dem müssen sich auch dann die Gesetze anpassen.
Die Bestatter sehen es aber nicht, daß die Meinung des größten Teils der Bevölkerung sich im Hinblick auf Totenasche geändert hat.
Würde man heute eine repräsentative Umfrage zu diesem Thema starten, käme ganz bestimmt heraus, daß ganz viele sagen würden: „Ja, es wäre nicht schlecht, wenn es da mehr Möglichkeiten gäbe“, da bin ich mir ganz sicher. Würde man diese Leute aber weiter befragen, würden sie auch sagen: „Für mich kommt das nicht in Frage“, auch da bin ich mir sicher.
Der Deutsche, das steht für mich fest, ist in Bezug auf Bestattungen konservativ, traditionsorientiert und nicht sehr experimentierfreudig.

Man könnte nun, wie wohl Frau Hoerner, der Meinung sein, dass sich dieses Ergebnis meiner angenommenen, repräsentativen Umfrage ändern würde, wären die Leute nur aufgeklärter. Sie belegt das damit, daß Menschen sie wegen ihrer Autoaufkleber, ihres sargförmigen Schlüsselanhängers usw. sogar beim Einkaufen ansprechen.
Die Kernaussage ist (jetzt mal von mir herbeiphantasiert): „Ach gut, dass Sie mir die Augen öffnen!“

Sind die Menschen wirklich begierig darauf, mehr zu erfahren?

Das aber sehe ich anders. Ich bin in der Branche und auch in weiten Teilen der Bevölkerung ebenfalls bekannt wie eine bunte Kuh/ein bunter Hund1.
Ich war eigentlich überhaupt der Erste, der die Menschen umfassend über den Bestatterberuf informiert hat. In meinen Geschichten biete ich seit vielen Jahren alle erforderlichen Informationen, immer schön verpackt in einem unterhaltsamen Mantel.
Komme ich wohin, dauert es nie lange und irgendwer spricht mich an. Entweder kennen die Leute eines meiner vielen YouTube-Videos oder sie wissen von meinem Blog oder meinen Büchern.

Ja und die Leute wollen alles wissen. Vor allem die gängigen urbanen Legenden wollen sie bestätigt oder widerlegt haben. Ganz alltägliche Fragen möchten sie beantwortet haben.
Aber in fast 40 Jahren2 ist noch NIE irgendjemand auf mich zugekommen und wollte wissen, wie man an die Urne eines Verstorbenen kommt3.
Und ich bin lange mit dem Auto privat herumgefahren:


Mein geliebter Pontiac. Er brauchte auf 100 km mehr Benzin, als ein Smart in 100 Jahren.

Da haben Hunderte gefragt, ob ich eine Leiche hinten drin4 hätte. Aber keiner wollte wissen, wie man eine Urne nach Hause bekommt.

Selbstverständlich habe ich schon mit Leuten über den Umweg über Holland gesprochen. „Was gibt’s denn sonst noch für Möglichkeiten?“, wollten die wissen. ich zähle dann auf, von der Weltraumbestattung, über die Diamantbestattung bis hin eben zur Urne daheim.
Und natürlich sind die Leute erstaunt, daß es da einen Weg gibt, und ich habe auch schon wenige Male gehört, daß einer sagte: „Och, das könnte ich mir auch vorstellen.“ Aber es ist eben nach meinen fast 40-jährigen Erfahrungen überhaupt nicht so, daß Deutschland begierig darauf wartet, nun endlich Urnen zu Hause aufbewahren zu können.

1 Sagt man das so? Nein, ich glaube es heißt „wie ein bunter Hund“, oder? Aber Hund scheint mir nicht angemessen. Kuh ist aber in diesem Zusammenhang keineswegs despektierlich gemeint.
2 Ich habe 1979 das erste Mal in einem Beerdigungsinstitut gearbeitet.
3 Abgesehen von der Zeit in der ich aktiv ein Geschäft betrieb und diese Möglichkeit auch anbot.
4 Im Auto!

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Peter Wilhelm23. August 2017

27 Kommentare von 138968.

  1. Na ja, wenn man einen Tankstellenbesitzer oder Kioskverkäufer fragen würde, ob man den Zigarettenverkauf verbieten sollte, wären die wohl auch dagegen. Daher scheint die Einschätzung der Bestatter zum Thema „Urne zur freien Verfügung“ wenig repräsentativ.
    Ich stimme Herrn Wilhelm aber durchaus zu, dass es einer Gesetzesänderung bedarf, um hier mehr Liberalität in Deutschland zu dem Thema zu erhalten.
    Wenn nicht dieser Blog, wo dann aber sollte die Keimzelle der Gesetzesinitiative sein?
    Können wir konkret etwas tun? Eine Agenda aufsetzten? …?

    • @Meine Asche:

      Wenn nicht dieser Blog, wo dann aber sollte die Keimzelle der Gesetzesinitiative sein?

      Das doch wohl nur, wenn es dem Blogbetreiber so gefällt. Hast du nun wirklich den Eindruck, Peter gäbe seinen Blog für solche Keimtreiberei her? Falls ja, dann zeig mir doch bitte mal anhand des Textes, wo du diese Ansicht hernimmst.

      • @MsTaxi:
        Ich halte Herrn Wilhelm durchaus für aufgeschlossen für eine Gesetzesänderung (siehe Zit. unten). Er soll ja nicht ungefragt als Gallionsfigur herhalten (Anm.: Aber lieber er als gewisse andere Personen). Siehe:
        http://bestatterweblog.de/ein-weg-fuer-dich-oder-doch-kein-weg-urne-fuer-zu-hause/#more-25173 :
        „Wie stehst Du dazu, eine Urne mit nach Hause zu nehmen?

        Meine liberale Haltung zu diesem Thema ist allgemein bekannt.
        Ich will sie aber gerne noch einmal deutlich machen:

        Ich finde, jeder sollte sich selbst frei entscheiden können, ob er die Asche eines Angehörigen daheim aufbewahren oder in die Obhut eines Friedhofs geben möchte.
        Für das Verstreuen von Aschen könnten die Länder ohne weiteres bestimmte Areale an den Ufern von Flüssen oder in Wäldern freigeben.
        Aus meiner Sicht ist der Mensch als solches durch die Einäscherung komplett weg. Anders als im Sarg befindet sich in der Urne nicht der Körper, sondern nur geringe Mengen nicht verbrennbarer mineralischer Rückstände.

        Aber: Das ist gesetzlich so nicht vorgesehen. Also müssen wir uns an das geltende Recht halten.“

        (Sorry, ich weiss nicht, wie man so schön Zitate und Links formatiert :-( )

        • @Meine Asche: Diese Meinung vertrete ich nach wie vor. Daran hat sich auch nichts geändert. Aber ich bin ein Gegner davon, ständig den „Umweg über Holland“ zu propagieren.

          Ich bin für eine entsprechende Gesetzesänderung.

          • @Peter Wilhelm:
            Dann kämpfen Sie mit und unterschreiben Sie meine Petition und geben Sie den Link doch auch anderen Menschen an die Hand! :-)

        • @Meine Asche:
          Ich halte mich an Gesetze die Sinn machen und eigentlich brauche ich dazu nicht einmal ein Gesetz. Wer nach den 10 Geboten sein Leben ausrichtet, der braucht keine Gesetze.
          Aber der Text, „Das ist gesetzlich so nicht vorgesehen. Also müssen wir uns an das geltende Recht halten.“ Dem kann ich so nicht zustimmen. Denn es sollte doch mal der den ersten Stein werfen, der sein Auto noch nie im Halteverbot abgestellt hat oder die Geschwindigkeitsbegrenzung ignorierte.
          Da macht niemand einen großen Wirbel, wenn die Menschen diese Dinge tun und diese Liste der Ordnungswidrigkeiten könnte ich endlos fortsetzen.

    • @Meine Asche: Bei dieser Einschätzung handelt es sich ja auch nur um die Wiedergabe einer Meinung, einer sehr subjektiven Meinung. Das ist dem Artikel aber auch so zu entnehmen.

    • @Meine Asche: Wenn Sie helfen möchten, dann gerne über die Petition.
      Dürfen Sie natürlich auch weitergeben. :-)
      Jetzt hoffe ich nur, dass ich das so machen durfte.

  2. Thema loslassen. Ist es damit denn getan, die Urnen auf einem fremden Friedhof zu wissen? Mit fremd meine ich: ich wohne in Stralsund, meine Eltern wurden in Greifswald bestattet. Jeder Mensch möchte auf seine ganz private Art „los – lassen“, wette ich. Dieses „los -lassen“ könnte man jetzt als gläubiger Mensch (ich glaube, das es da eine Seele gibt, die beim Tod den menschlichen Körper verlässt!) auch so verstehen:zum Beispiel sitzt jemand am Bett eines Sterbenden und bittet ihn, los zu lassen, sprich: sich vom irdischen „Jammertal“ zu verabschieden. Wenn der Sterbende dann tot ist, hat also die Seele den Körper „los gelassen“ oder der Körper hat die Seele „frei gegeben“?! Bleibt eben nur zu hoffen, das ab irgendwann die elenden Diskussionen aufhören, was für die Angehörigen gut sein könnte was nicht. ICH hätte meine Lieben gern zu Hause gehabt. Ist aber eben gesetzlich verboten und wsl.hätte meine Schwester auch da was dagegen gehabt..Die Kirche hat zu allen Zeiten das Privileg gehabt, darüber zu entscheiden, wohin mit den Toten. Daher ist das wohl überliefert, egal, wieviele Varianten man inzwischen ausgegrübelt hat ( zum Gesetz gemacht hat)…Solange etwas illegal ist, solange wird es Menschen geben, die dann Lücken finden, dieses Verbot zu umgehen. Man stelle sich eine Welt vor, in der die Angehörigen in Deutschland nur gefragt werden, wie sie es sich gedacht haben für den lieben Dahingeschiedenen. Und dann ist eben ALLES mit dabei! Auch Asche verarbeitet in einem schönen Andenken an den Toten! Wie ich hier schon mal einen Beitrag sah…

  3. Ich finde den Friedhofszwang blöd, aus dem einfachen Grund, dass es keinen Grund für den Friedhofszwang gibt. Nicht auf einem Friedhof (Friedwald, Seebestattung, andere legale Variante) zu landen schadet nicht, es sollte also nicht verboten sein.
    Verboten darf meinetwegen sein, die Asche wo auszustreuen, wo sich Leute davon gestört fühlen, aber da darf man dann ja die Asche aus dem Grill auch nicht verstreuen.

    Nur weil die meisten Leute im Winter draußen Schuhe anhaben und das auch ganz richtig so finden, ist es nicht verboten, im Winter draußen barfuß zu sein. So sollten Gesetze sein.

    (Ich persönlich möchte, dass irgendwann meine Asche oder auch meine Leiche, das ist egal, ohne jegliche Umhüllung (Urne/Sarg) im Garten neben den Katzen oder deren Asche vergraben wird. Okay, die Katzen leben auch noch, aber es steht zu vermuten, dass sie vor mir sterben werden.)

  4. Hallo,

    ob es das Loslassen erschwert, wenn man die Asche zu Hause hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Verstorbene sind auch durch Fotos präsent. Letztlich ist das ja eine individuelle Angelegenheit, wie man mit dem Tod eines Angehörigen oder Freundes umgeht. Deswegen sollte es aus diesem Grunde keine Vorschriften geben.

    Die andere Sache ist, ob die Asche in irgendeiner Weise schädlich sein kann. Ich finde, man sollte nur davon abhängig machen, ob man die Urne mitnehmen darf.

    Die Friedhofspflicht hat für mich den Beigeschmack, dass die Friedhöfe Geld verdienen wollen.

    • @Andreas: Das Argument mit dem „Geld verdienen“ mag nur für privatwirtschaftlich geführte Friedhöfe gelten. Ansonsten verdient da niemand.
      Die Kosten werden auf die Nutzer umgelegt.
      So funktioniert das.
      In aller Regel sind die Friedhöfe ein Zuschußgeschäft für die Kommunen und sie müssen noch Geld aus dem Stadtsäckel zuschießen.
      Würde ein kommunaler Friedhof aber Gewinn machen, käme dieser wieder dem Stadtsäckel zu Gute.
      Man könnte aber bei den Kosten ansetzen und die Frage stellen, ob auf den Friedhöfen kostensparend gearbeitet wird.
      Aber grundsätzlich dienen Friedhöfe dem Gemeinwohl.
      In unseren zubetonierten Städten kommt ihnen überdies die wichtige Funktion einer parkähnlichen Grünanlage zu.

      • @Peter Wilhelm:
        Ich weiß nicht, ob die Menschen lieber auf dem Friedhof spazieren gehen oder in einem normalen Park?
        Aber bekannt ist, dass die Friedhöfe oft unter „Abfallwirtschaft“ laufen oder wenn es etwas netter formuliert wird, dann heißt es „Grünflächenamt“.
        Die Kosten werden nicht nur für die Friedhöfe benutzt. Sie fließen in einen großen Topf und das kennen wir ja auch schon von den angesparten Renten. Aus dem Topf wurde auch schon für andere Zwecke Geld genommen.

        Die ach so christlichen Katholiken stehen dem schnöden Mammon aber auch wohlgesonnen gegenüber. 3.500 € für einen Plätzchen in einer Urnenstele in einer Grabeskirche für 15 Jahre sind auch nicht von schlechten Eltern.

        Bedenklich stimmt mich, dass die „Totenruhe“ in Deutschland genau so lange gewahrt wird wie dafür deftig bezahlt wird.

        Krematorien, die auch Preise wie im Freudenhaus haben, gerade die im süddeutschen Raum, können mir z. B. auch nicht erzählen, dass das Personal und das Gas so viel teurer ist als z. B. im Osten. Das Preissegment der Krematorien liegt zwischen 200 € und 580 €.
        Inkl. Urnenversandkosten und wo erforderlich auch die 2. Leichenschau.

    • @Andreas: Sich die Erinnerung zu bewahren, auch anhand von Videos und Fotos, das ist das Ziel der Trauer.

      Der körperliche Verlust, das Nichtmehrvorhandensein des Anderen soll verarbeitet werden und letztlich darin münden, daß der Verstorbene nicht mehr körperlich greifbar, nur noch in der Erinnerung bewegt wird.

      Viele Menschen kommen über den Verlust aber nicht hinweg. Sie entwickeln sich nicht in Richtung des Loslassens. Das führt beispielsweise dazu, daß das Kindergrab eines Babys 40 Jahre oder mehr gepflegt wird und auch die erwachsenen Geschwister des vor einer Generation verstorbenen Säuglings alljährlich zu einem morbiden „Kindergeburtstag“ eingeladen werden.

      Diese Fälle sind gar nicht so selten.

      Es besteht also, vor dem Hintergrund des hier Diskutierten, durchaus die Verbindung zwischen der körperlich vorhandenen Totenasche und dem Nichtloslassen.

      • @Peter Wilhelm:
        Es gibt Menschen die machen einen Kult aus einem Grab auf dem Friedhof und es wird auch Menschen geben, die das zu Hause machen.
        Ich kann nur hoffen, dass die Menschen, die ich berate verstehen, was ich mit der Möglichkeit frei über Totenasche zu verfügen erreichen möchte.
        Sich z. B. langsam von der Totenasche zu trennen. Vielleicht etwas an einen Lieblingsort des Verstorbenen zu bringen.

        In dem Wort „verarbeiten“ steckt das Wort „Arbeit“. Aber in Deutschland kann niemand damit arbeiten, denn oft dürfen Menschen nicht einmal die Urne zum Grab tragen.

    • @Andreas:
      Richtig, 1 qm auf den meisten Friedhöfen kostet mehr als 1 qm Wohnraum!
      Wenn man bedenkt, dass manche Bestattung vom Sozialamt bezahlt wird, dann ist man dort bereit mehr für den Toten zu zahlen als für die Menschen die Hartz IV bekommen. Deren Wohnraum darf nicht so viel kosten!

  5. Mich würde bei einer Gesetzesänderung besonders interessieren, wer als „erster“ Anrecht auf die Urne hat. Streit in Familien bzw. wirklich zerrüttete Verhältnisse kommen erfahrungsgemäß nicht selten vor. Ich sehe da vor meinem geistigen Auge zerstrittene Geschwister um die Asche des letzten Elternteils streiten. Oder wird die liebe Oma per Küchenwaage fair unter allen aufgeteilt? Aufteilung nach erbrechtlichen Prozenten, oder alles an den der die Kosten trägt? Zwei Wochen hier, zwei Wochen da, die Urne wird zum „Scheidungskind“. Für solche (vermutlich) übertriebenen Szenarien müsste wieder eine Regelung her, die dann auch wieder keinem passt.

    • @Marc:
      Asche lässt sich wunderbar teilen und damit hat man in den Niederlanden auch kein Problem.
      Meine Mutti befindet sich in vielen Schmuckstücken und in diversen „Urnen“ die aber nicht nach Urnen aussehen. Ebenso kommt jetzt nach 2 Jahren noch ein Teil in den Garten in mein Elternhaus. Da ist unter dem Fliederbaum schon mein Bruder und ich habe meiner Mutti versprochen, dass ein Teil ihrer Asche dahin kommt.

      Man kann aus allen Dingen immer etwas Negatives ziehen, wenn man nur genug danach sucht!

      Ich hatte schon eine Familie mit 7 Geschwistern und es hat wunderbar funktioniert.

      Ebenso kann man ja auch einen Teil denen geben, die etwas haben möchten und diejenigen, die die Asche auf dem Friedhof haben möchten, können das dann doch auch realisieren.
      Wo liegt das Problem?

      Ich versuche immer Lösungen zu finden und ich weiß, dass eine wirklich gute Aufklärung zum Erfolg führt.

    • @Georg: Ja, genau darein komme ich. Hat meine Tochter entschieden und da gibt es ein wundervolles Teil, was allerdings in den Niederlanden „Lebensuhr“.
      Schade, ich würde gerne ein Bild davon zeigen.
      Der Spruch meiner Tochter, warum ich in dieses Teilchen komme: „Du sitzt vor dem PC, du sitzt im Auto, du sitzt vor dem TV, dann kommst du endlich mal ans Laufen.“
      Meine Antwort: „Wenn ich dann noch die Eier gut koche, dann wirst du immer positiv an mich denken.“
      Ja, so gehen wir mit dem Tod bei uns um. Wir wissen, er kommt, und zum Glück, nicht wann.

  6. Fußnote 4 ist schuld an den frischen Kaffeeflecken… :-))

  7. Eine Urne mit Asche erschwert meiner Meinung nach das Loslassen schon. Das ist ein Gegenstand, den man nicht so… sagen wir: respektlos behandeln könnte wie z.B. einen Fotorahmen oder sonst ein Erinnerungsstück.
    Keinem Erinnerungsstück wird es schaden, wenn man es in einen Karton, einen Schrank oder auf einen Speicher verräumt. Es ist ja nur ein Abbild, bzw enthält einfach nur einen Gedanken/Geist.
    Die Urne aber enthält den Toten selbst. Eine solche Respektlosigkeit zu begehen hätte eine sehr hohe Hemmschwelle. Auch wenn man den Tod desjenigen verarbeitet hat, kann man die nicht einfach „einmotten“ wie überzählige Devotionalien.

    • @Christians Ex:
      Da stimme ich voll zu. Aber man kann diese Totenasche in einem schönen Wald z. B. an einem Baum beisetzen oder ins Wasser – Meer oder Fluss – geben.
      Baumbestattungen kosten im Ruheforst viel Geld, warum?
      Gibt es da einen Unterschied zu den Bäumen in meiner Nähe?

  8. Es ist mit Sicherheit ein sehr schwieriges Thema. Vom Prinzip her bin ich dafür, dass die Asche eines Verstorbenen auch daheim verwahrt werden darf, allerdings haben die vielen Vorposter bereits gute Punkte beschrieben.

    Wer darf die Asche behalten? Was macht man mit der Asche wenn man sie nicht mehr haben will? Sie einfach irgendwo verstreuen wäre dem Verstorbenen gegenüber extrem respektlos. Man will dann aber wahrscheinlich auch keine vollwertige Bestattung bezahlen. Und was macht man mit der Asche der ungeliebten Schwiegermutter, deren Urne man im Nachlass des Schwiegervaters fand?

    Trauerbewältigung ist stets ein individueller Vorgang. Was für die einen hilfreich ist, ist für die anderen undenkbar. Wichtig ist aber stets das Loslassen.

    • @Jutta: Es muss sich jeder für sich mit dem Thema auseinander setzen. Es ist ja kein Zwang eine Totenasche mit nach Hause zu nehmen.

      Aber jeder sollte auch einmal darüber nachdenken, wie das mit den Urnen z. B. aus der Grabeskirche ist, wenn die Ruhezeit für 3.500 € nach 15 Jahren vorbei ist.
      Hier werden die Urnen dann in ein großes Loch geworfen. Na, ist das pietätvoll?

      Und warum kostet es viel Geld eine Urne im Ruheforst oder Friedwald zu bestatten?
      Die Wälder gehören den Kommunen und man kann jetzt endlich aus Wäldern Gelder ziehen, die man sonst nie bekommen hätte.

      275 € kostet alleine eine Beisetzung – die Arbeit für: Loch machen, Urne rein, Loch zu machen. Hinzu kommt der günstigste Platz mit ca. 500 €.
      Mache ich in ca. 30 Minuten und in den Niederlanden kostet das inkl. des Platzes 200 €.
      Urnenbeisetzung – anonym – mit Angehörigen 350 €.

      Komisch, das da die Preise so unterschiedlich sind.

      Letztlich habe ich irgendwo gelesen, dass das Beisetzen einer Urne 400 € kostet. Die verdient garantiert nicht derjenige der die Arbeit macht!

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