Der tote Verwandte im Ausland

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Hallo. Ich weiß nicht ob Sie mir weiterhelfen können aber ich dachte ich stelle Ihnen einfach mal die Frage..
Es handelt sich um das Grab eines nahen Verwandten. Dieser wurde vor 38 Jahren in XYZ (mehrere tausend Kilometer entfernt im Ausland) beerdigt.

Nun lebt aber der Rest der Familie hier in Deutschland.
Ich habe mir oft die Frage gestellt, ob es eine Möglichkeit gäbe, dass man seine Überreste hier her nach Deutschland transportieren könnte, um Sie in ein neues Grab einzubetten.
Ich denke, es ist nicht unmöglich, denn es werden längst weit aus unmöglichere Dinge getan heutzutage.
Es ist nur so traurig, dass ein Teil von uns immer so weit weg ist.
Falls sowas möglich wäre, wie würde so ein Transport ablaufen und wie teuer wären die Kosten?

Es gibt solche Fälle häufiger als man denkt. Da liegt ein Verwandter oder eine Verwandte tausende Kilometer entfernt auf einem Friedhof im Ausland.
Entweder ist es ein Friedhof in der ehemaligen Heimat, oder der Mensch ist während eines Auslandsaufenthaltes verstorben und wurde vor Ort beigesetzt.
Ja, manchmal geschieht so etwas auch ohne Zutun der Familie, z.B. wenn der Verstorbene Opfer eine Unglücks wurde und seine Identität nicht gleich festgestellt werden konnte.

Nun existiert da ein Grab, irgendwo auf der Welt, weit weg und mit dem Grab und dem Verstorbenen darin sind starke emotionale Bande verknüpft.
Immer wieder kommen Gedanken auf, daß der Verstorbene dort alleine sei, daß er nicht bei seiner Familie sein kann und daß es doch schöner wäre, ihn näher bei sich zu haben.
Sie müssen sich da keine Sorgen machen, diese Gedanken und Wünsche wirken nicht lächerlich oder sonderbar.
Solche Gedanken bewegten über Generationen die Hinterbliebenen der Soldaten, die in den beiden Weltkriegen nicht von der Front nach Hause kamen und irgendwo in der Fremde auf einem Soldatenfriedhof beigesetzt wurden.

Immer wieder gibt es auch Berichte darüber, daß selbst nach vielen Jahrzehnten Gräber geöffnet und die darin befindlichen Verstorbenen anders, besser oder würdevoller beigesetzt werden.
Das betrifft nach so langer Zeit aber allermeistens Massengräber oder solche Grabstätten, die eigentlich keine richtigen Gräber sind. Gerade Massengräber die im Zuge von Greueltaten angelegt wurden, werden oft geöffnet und es gilt als Akt der späten Wiedergutmachung, die Verstorbenen nun richtig zu beerdigen.

Allerdings darf man sich hinsichtlich des Zustands eines Leichnams nach so vielen Jahren keinerlei Illusion hingeben.
Das muß auch ganz klar gesagt werden.
Nach 30 oder 40 Jahren ist schlicht und ergreifen nicht mehr sehr viel von dem Verstorbenen übrig. Eine Umbettung hat mehr symbolischen Charakter. Oft wird nur Erde, vermengt mit einigen Knochen geborgen.

In Ihrem Fall handelt es sich um ein herkömmliches Grab. Eine Wiedergutmachung oder symbolische Handlung muß nicht erfolgen.
Deshalb steht man vor der Frage, ob es überhaupt einen Sinn hat, das Grab zu öffnen und eventuell noch vorhandene Reste zu entnehmen und anderenorts beizusetzen.
Dieser Sinnfrage steht der starke Wunsch der Familie gegenüber.

Grundsätzlich ist eine Exhumierung ein starker Eingriff in die Totenruhe. Nach fast vierzig Jahren gelten, zumindest nach deutschen Gesetzen, die Verstorbenen als vergangen. Sie sind rein rechtlich weg.
Ich weiß nun nicht, wie die Behörden in XYZ die Frage einer Exhumierung sehen.
Jedenfalls wird das alles in allem ein teures Unterfangen. Es sind die Kosten der Graböffnung, eines einfachen Sarges, der teure Transport und der Ankauf eines neuen Grabes zu tragen.
Rechnen Sie mit Kosten nicht unter 10.000 €.

Da ich schon häufiger mit ähnlichen Fragen konfrontiert worden bin, kann ich Ihnen sagen, wie andere Leute das machen.
Ich rate immer, das schon sehr alte Grab im Ausland zu besuchen und dort eine gewisse Menge Graberde zu entnehmen. Dies ist die Erde, in der Ihr Verwandter ruht. Es ist sozusagen heilige Erde, die das Andenken an den Verstorbenen tragen kann.
Diese Erde, etwa ein Schuhkarton voll, nimmt man mit nach Deutschland und gibt sie in ein hier bereits vorhandenes Grab eines anderen Verwandten (oder in ein neues Grab für die Familie).
Dann kann man den Namen und die Lebensdaten dieses Verstorbenen mit auf den Grabstein schreiben und hat einen Anlaufpunkt zum Trauern und Gedenken.

Halten Sie sich bitte vor Augen, daß selbst bei einer Graböffnung im Ausland unter Umständen auch nicht viel anderes gefunden werden kann als blanke Erde.

Ich hatte auch schon den Fall, daß eine Familie den Grabstein aus dem Ausland mitgebracht hat und diesen, bzw. Teile davon mit auf ein deutsches Grab gestellt haben bzw. in einen neuen Grabstein haben einarbeiten lassen.

Ehrlich gesagt: Ich verstehe Ihr Anliegen wirklich sehr gut und kann Ihre Gedanken nachvollziehen. Aber ich würde von einer Exhumierung, Überführung und Neubestattung Abstand nehmen.
Machen Sie es so, wie ich es oben beschrieben habe.

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  • Veröffentlicht am: 10. Dezember 2015
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  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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