Der Zipfel muss weg -6-

Vor einem Fachgeschäft für Sanitätsfachbedarf und Orthopädie hielt Herr Pütz abermals inne, betrachtete in der Auslage des Schaufensters die wohlfeilgebotenen Artikel und betrat dann kurzentschlossen den Laden. Kurz darauf hielt er eine Plastiktüte in den Händen und fuhr mit der Straßenbahn nach Hause.

Dort packte er aus, was er erstanden hatte und schaute es sich an. Das was er gekauft hatte, war eine Rolle mit einer elastischen Binde, wie man sie auch benutzt, um verstauchte Gelenke zum umwickeln.
Vor dem Spiegel setzte er seinen zuvor entwickelten Plan um, seufzte einmal tief und dann wickelte er zwei, drei Windungen der Binde straff um seinen Kopf und somit um die Nase. Ein prüfender Blick nach unten, einer zu jeder Seite, oh, das Vorhaben war von Erfolg gekrönt, Herr Pütz konnte seine Nase nicht mehr sehen.

Der Riechkolben der so vorwitzig hervorgesprossen war, war seinem Blick entrückt, hurra!

Dabei war die Nase nicht einen einzigen Millimeter größer geworden, sondern lediglich Herr Pützens Blick war einmal darauf gefallen und dann, dann wollte diese Vorstellung, seine eigene Nase sehen zu können, nicht mehr aus seinem Kopf heraus. Doch nun – nun war alles wieder gut, die Nase plattgedrückt und ebenso gesichtsentrückt.

Denn wenn das Erblicken der eigenen Nase unwillkürlich über kurz oder lang zum Tode führen müsse, davon war Herr Pütz inzwischen fest überzeugt, dann könnte man sein Leben nur dadurch entscheidend verlängern und vor Bruder Hein sicher sein, wenn man die Nase wieder aus dem Blickfeld entfernt.

Pütz freute sich. Seit Jahren schon hatte er sich nicht mehr so glücklich gefühlt.
Beschwingt klatschte er in die Hände, verließ seine Wohnung und machte sich auf den Weg zu seinem Lieblingskaffeehaus. Jetzt war es ihm nach etwas Starkem, ein doppelter Espresso sollte es schon sein!

PDF erzeugen
  • 6. April 2016 - 0 Kommentare - Lesezeit ca.: 2 Minuten - Kategorie: Geschichten

Dir gefällt das? Schenke mir 1 Sekunde und unterstütze mich auf Patreon

Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.