Die Käsemotte

„Hey, wie find’ste mein Käsemott‘?“

Was? Ich bin in einem Elektronikfachmarkt und höre dieses Satz, herausgelassen von einem jungen Mann, der einem anderen jungen Mann ein Foto zeigt. „Voll geile Fettscheiße!“ sagt der und die beiden klatschen sich so auf die Handflächen, gehen dabei in die Knie, sodaß die Stelle der Jeans, in der bei mir der Hintern steckt, den Boden berührt. Irgendwie ist der Schritt ihrer Hosen unterhalb der Knie. Arme junge Männer, die haben bestimmt irgendein Leiden am Gemächt, vielleicht Rüssel-Elephantasia oder so…

Ich will doch aber zu gerne wissen, was eine Käsemotte ist und tue so, als könnte ich mich für NOKIA-Handys erwärmen und pirsche mich, natürlich mit absolut desinteressiertem Gesicht, näher an die beiden heran und erhasche tatsächlich einen Blick auf das Foto.

Auf dem Bild ist irgendwas Buntes, Leuchtendes zu erkennen, man sieht aber nicht, ob das ein Motorroller oder ein Motorola ist, auf jeden Fall was Technisches.

„Komm, geh’ma motten!“

Ich entwickele auf einmal auch Interesse an den schönen Artikel, die es da gibt, wo die beiden hingehen und schlurfe, so unauffällig das ein fast zwei Meter großer und ebenso schwerer Mann tun kann, hinter den beiden her.
Wir landen an einem Regal mit vielen Artikeln und endlich begreife ich, was ein „Käsemott'“ ist!
Es handelt sich offenbar um Produkte, mit denen man seinen Computer aufmotzen kann, er kann dann zwar hinterher nicht mehr als vorher, sieht aber „voll fettscheißig“ aus. Leuchtende Netzteile, durchsichtige Gehäuse mit Neon-Beleuchtung und sogar eine blinkende Wasserkühlung gibt es da zu kaufen. Und das ganze nennt man Case-Modding oder auf das Endprodukt bezogen „Case Mod“. Wie konnte ich das nur falsch verstehen?

Passend zu diesem Thema hat mir Leser „Jonesens“ ein Foto von seinem „Käse-Mott'“ geschickt, das (der?) vermutlich wunderbar zu unserem Gewerbe passen würde.

Hier kann man sich die Motte anschauen.

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  • Veröffentlicht am: 27. Mai 2008
  • 22 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

22 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. [quote]Arme junge Männer, die haben bestimmt irgendein Leiden am Gemächt, vielleicht Rüssel-Elephantasia oder so…[/quote]

    Hier hab ich endgueltig suf dem Boden gelegen *weglach*

  2. Ich überlege gerade noch wie man es schafft mit „eitriger pickel“ über google hier zu landen. Der Casemod auf dem Bild gefällt mir. Hat was, obwohl in dem hier http://www.hardforum.com/showthread.php?t=802808 ein ganzes Ende mehr Arbeit stecken dürfte. (Bekanntes 3D Shooter Spiel stand Pate)

  3. Der CaseMod auf dem Foto gefällt auch mir. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn es Menschen schaffen, einen Computer irgendwie in den Raum zu integrieren, ohne dass er zu technisch ausschaut. Computer in Teddybären, Bierkästen, usw. find ich hingegen nicht so toll. Und CaseModding an sich – dh. durchsichtige Gehäuse, blinkende und leuchtende Kabel, blubbernde Wasserkühlung etc. – finde ich schlichtweg Geldschneiderei. Früher haben die Jugendlichen ihr Auto tiefergelegt und zum vibrieren, leuchten und blinken gebracht, gestern machten sie das gleiche mit ihren PCs, heute sind es dann wohl schon eher die Handys (obgleich die ja immer mehr zu Mini-PCs mutieren)…

  4. Der mit Abstand schönste Käse-Mott ist aber [url=http://forevergeek.com/apple/itoilet.php]der hier[/url].

  5. Also die Rüssel-Elephantasia ist genial – wie du nur immer wieder auf sowas kommst.

    LG
    Sandy, die sich gerade frängt, wie man zwei Meter schwer ist ;o)

  6. Also zu dem Bild von „Jonesens Case-Mod“ muss ich sagen, dass Taxstatur, Maus und Bildschirm so garnicht dazu passen; wenigstens in schwarz hätten die sein sollen.

    Sehr schöne Case-Mods findet man vor allem im Bereich Steampunk:
    http://steampunkworkshop.com/daveveloz.shtml
    http://www.datamancer.net/projects/engine/engine.htm

  7. Hat irgendjemand überhaupt die *Tastatur* bemerkt?!? Da kann der ganze Windows-Tasten-Schickimickimultimediakram nicht mithalten… :-)

    Meine alte IBM gebe ich jedenfalls nie wieder her. :)

  8. @ Mephane:

    Genau das wollte ich auch schon schreiben, als ich das Foto sah. Und den Steampunklink wollte ich auch posten. Verdammt! :-)

  9. Ich finde, es ist schon fast eine Form von Gleichberechtigung, wenn auch die Jungs endlich mal zu Klamotten greifen, die weder bequem sind noch der Beweglichkeit dienlich. Wer mal gesehen hat, wie zwei Jungs mit tief hängenden Hosen versucht haben, das Bein über eine Kassenschranke zu schwingen (Ihr wisst schon, die Dinger im Supermarkt, die sie ausklappen, wenn die Kasse geschlossen ist), weiß was ich meine. Sehr erheiternd :-)

  10. Wobei ich der letzte wäre, der Frauen vorschreibt, irgendetwas Enges, Unbequemes zu tragen. Meinetwegen könnte ihr auf die Klamotten ganz verzichten.

  11. DIE Mod.
    Mod steht für „die Modifikation“, wenn ich mich nicht irre.

  12. Moin,

    ich bin der Bekloppte, der den Käsemöd verbrochen hat, eigentlich wars nur so dass ich den kaputten Lautsprecher aus den 20ern nicht entsorgen wollte.

    Und da ich gerne hier lese…. vom Stil passt er ja :-)

    Ja, den Monitor sollte man etwas verschönern – evtl. einen barocken Bilderrahmen drumrum und etwas Lack?

    @Björn, den Shopblogger:

    Ich kaufe diese IBMs von österreichischen IBM-Mitarbeitern auf und verkaufe sie überholt wieder – nicht unbedingt lohnend, aber so sterben sie wenigstens nicht aus.

    Bessere Tastaturen gibt es nicht.

    Ich freu mich, dass Euch das Pic gefallen hat :-)

    Jonesens

  13. verdammt. auch ich moddde. (muß ich jetzt aufstehen und meinen namen sagen?) ich falle allem anheim, das blau leuchtet. stereoanlage, maus, usb-kabel inklusive o2. wenn es jetzt noch einen sarg gäbe, der innen und außen in warmpulsierenden blautönen meine endlichkeit begleitet, ach …
    es grüßt die blaue nixe

  14. Ja, besonders Blau, nachts an der Tanke mit dem Golf. Faszinierend viele blaue Leuchtquellen auch unter dem fahrzeugboden. Passende Musik dazu. Da wird man schon neidisch, dass es das im unserem Alter noch nicht gab. Könnte mir schon vorstellen, nächtliche PC-Sessions im dunklen Zimmer neben einem modifizierten Gehäuse zu verbringe.

  15. @mac kaber :D
    ich fühle mich ertappt. nachdem ich oft stundenlang auf den aquarium-bildschirmschoner starre, auch nachts im dunklen … und an diesen blauen schlümpfen von harrrribo knabbere … aber warte mal, was genau meinest du mit „unserem alter“???

  16. Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, dass wir als Jugendliche um die Zeit um 1970 herum nicht diese vielfältigen Möglichkeiten hatten. Nur – wenn z.B. ich mein Auto zur Lichtorgel mache und nachts an der Tankstelle meine Soundanlage nutze, würde man es für nicht altersangemessen halten.
    Wäre dann obendrein kein Rock-Pop-Rap, sondern Klassik angesagt, kämen zwei nette Herrn mit der „Habmichliebjacke“ die mich zu einem längeren Kuraufenthalt überreden wollen.
    Daheim den PC in der Art aufzumotzen ist dann die Lightversion.
    So ein Casemodding passt auch zu 57 Jährigen.

  17. *kicher* alles klar. verdammt. deshalb sieht mich mein tankwart immer so seltsam an … aber: kommt es nicht auf die konsequenz an, mit der man sein casemodding betreibt? ich betrete zum beispiel das empire state building nur, wenn es blau leuchtet. und fahre nur durch unterführungen, die blaues licht haben. es mag sein, daß es manchmal schwierig ist, aber ich nenn es tödlich konsequentes mobbing. äh. modding. und bis zu den 57jährigen schaff ich es damit sicher auch noch. ;)

  18. @ neptunia:
    – wetten, Deine Tankstelle suchst Du nur nachts auf, weil sie blau beleuchtet ist.
    – fürs Nachttischle gibts Wecker in Form eines Blaulichtes. Der neue Tag beginnt schon stark
    – blaue Leuchtdioden als Schlüsselanhänger, um sich bei Entzugserscheinungen bei Tag in die Augen zu leuchten oder blinken.

  19. ach, es tun sich möglichkeiten auf, von denen ich nich zu träumen wagte! ;) und wenn alles nichts mehr hilft, dann begleitet mich die blaue flasche WDK … *hicks*!;)

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