Die Sprache

Jaja, sich über „tod“ statt „tot“ beschweren, aber selber „Zu was für einem Gärtner seit Ihr denn immer gegangen?” schreiben. *klugscheißmodus aus*

Das Schlimme am Klugscheißen ist, daß es, egal wie man es auch dreht und wendet, immer nur kluge Scheiße ist.

Wer ein wenig Verständnis für die Aufnahme von geschriebenen Texten hat, der wird sogleich feststellen, daß es sich bei der Passage „was für einem Gärtner“ um ein Zitat handelt.

Ich lese immer wieder mal gerne Mark Twains Ergüsse über unsere Sprache in „The awful German language“.
Sie ist schon schwer und ich kenne niemanden, der sie richtig beherrscht, weder in Wort noch in Schrift. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Ich erhebe überhaupt nicht den Anspruch, alles richtig zu schreiben. Bei der Fülle von Texten, die ich so absondere, mache ich mit Sicherheit sogar noch mehr Fehler als andere. Aber immerhin gebe ich mir Mühe.

Was mich oft nervt, das ist der unglaublich liederliche Umgang mit der Sprache, der sich zum Beispiel im konsequenten Kleinschreiben, dem Ignorieren jeglicher Satzzeichen und der dauernden Erfindung neuer „wörds“ ausdrückt. Was unter Gleichgesinnten in irgendwelchen „gamez-„foren noch „cewl“ erscheinen mag, ist für einen halbwegs intelligenten Menschen eine Lesebeleidigung, die nicht lockere Überlegenheit, sondern Respektlosigkeit und Faulheit zum Ausdruck bringt.

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

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  • Veröffentlicht am: 3. September 2008
  • 42 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Es gibt immer einen Unterschied, ob man es schafft, in seinem Dialekt zu schreiben, oder ob man einfach zu – ich nenne es ’nachlässig‘ ist, auf eine vernünftiges, leserliches Schriftbild zu achten.

    Ich hasse es, Beiträge mehrfach lesen zu müssen, um den Sinn zu verstehen, nur weil der Autor sich keine Mühe beim Schreiben gegeben hat.

    DAs ist für mich oft der Grund, eine eigentlich gute Website zu schließen und nicht mehr zu besuchen.

  2. Ist ja alles schön und gut, aber welchem ausgeprägten Dialekt frönt man dort, daß man der Kollegin den Unterschied zwischen „seit“ und „seid“ anhören kann?

  3. jo dat neumodische Deutsch… find ich total krass… die können des alle nit mehr… voll schlimm…. keine Grammatik… Satzbau… da sach ich nur pfui und örks…

  4. „Da waren mir die Ds ausgegangen.“

    Genau das könnte der „verschollene Grabkäufer“ ja auch mit den Ts behaupten.

    Oder hätte man bei Deinem „seit“ auch schreiben sollen: „(MENSCH, DAS HEISST SEID MIT D, GEHT DAS NICHT IN DEINEN SCHÄDEL! VERDAMMT, DAS SCHREIBT MAN MIT D!!!!!)“

    ;-)

  5. Mein Lieblingsthema :D
    Abgesehen vom Deppenapostroph hasse ich nix mehr als:
    „Im Internet wird eh alles klein geschrieben“. Jo, mag sein. Auf englischsprachigen Seiten, Foren usw. – und da kann ich das komischerweise auch lesen. Deutsch lese ich dann doch gern auf Grundschulniveau.

    Mein Lieblingsvertipper:
    Schweigermutter statt Schwiegermutter. Das passiert mir ständig.

  6. @Bianca: Wunder dich nicht, wenn du keine Antwort bekommst, insbesondere auf Hilfsforen.

    Ich hab ne Zeitlang auch immer den Sprachkünstler gemimt, aber inzwischen stehe ich auf dem Standpunkt: Wer was von mir will, soll sich die Mühe machen und gefälligst ordentlich schreiben. Und wenn derjenige noch zugibt, dass er zu faul zum gescheit schreiben ist, dann ist er in einem Schriftgesteuerten Medium Fehl am Platze.

    Spiel lieber mit Barbie und Ken und geh ins Bildzeitungsforum. Alternativ heiseforum.
    Da kannst gut trollen *g*

  7. Tipfehler gibt es leider immer wieder, bei mir ist es vor allen Dingen das nicht, das zu nciht wird.
    Ich schreibe Tipfehler immer noch mit nur einem p. Die neue Rechtschreibung will ja 2 davon.
    Also über solche Fehler kann ich inzwischen gut hinweglesen, die ärgern mich nicht mehr.

  8. Zum letzten Absatz: Bravo, Tom. Auch ich rege mich seit Jahren über eben diese Respektlosigkeit auf.

    Beispiele ? Man braucht nur mal bei „iBäi“ eine halbe Stunde „dem Volk auf’s Maul schauen“, also die Artikeltexte zu lesen, um mit Schrecken festzustellen, wie wenig Deutsche noch deutsch schreiben können. Und das Schlimme daran ist, je öfter man so etwas liest, desto unsicherer wird man selbst beim Schreiben der eigenen Worte.

    Übrigens: „147 Goethe-Institute in 83 Ländern vermitteln Kultur, Sprache und Information über Deutschland.“ Vielleicht sollten wir zuerst in unserem eigenen Land damit anfangen, denn die Bildungslosigkeit der nachrückenden Generationen wird immer auffälliger…

  9. @Tom: Tippfehler kommt ja von „tippen“ und wenn du es mit einem p schreibst, dann hast du nur das falsche Trinkgeld gegeben ;-)

  10. @ 9 (Rolf K)

    Du hast den Kotau vergessen. :-P

    @ 10 (Stefan)

    Was ist ein Deppenapostroph? Hab ich noch nie gehört, bitte laß mich nicht dumm sterben … :-)

  11. Dat heißt aber normalerweise kewl und nicht cewl! Möchte ich doch mal drauf hinweisen!!!1!elf! ;-)

    Man kann übrigens auch durchaus einen auf die Mütze bekommen, wenn man zu pingelig schreibt. Mir passiert das öfters mal, ich nehme gerne an Diskussionen zu gewissen Themen bei, die nicht nur komplex, sondern auch noch emotional aufgeladen sind. Man sollte meinen, eine präzise Sprache und Wortwahl wären dann eine gute Idee. Weit gefehlt — dann regen sich einige Leute auch noch über „dieses arrogante studierte A…loch“ auf. Wohlgemerkt, ohne daß ich allzuviele Wörter mit zu vielen Silben und nicht-deutscher Herkunft verwende, und möglichst keine überflüssigen dieser Art.
    Obwohl, zugegebenermaßen, das passiert meistens, wenn ihnen andere „Argumente“ so langsam ausgehen. Dennoch … interessant ist das.

  12. Bei der Rechtschreibprüfung kommt es auch darauf an, wie alt die Windows Wordversion auf dem PC ist. Ob Neuzeit oder v. Chr.

  13. Und… Schreibt man das „Ihr“ in dem zitierten Teil wirklich groß? Ihr und Ihnen groß in jeder möglichen Situation seh ich in letzter Zeit so oft, dass ich schon fast an ne Rechtschreibreform glauben mag…

    PS: für groß- und kleinschreibung im internet: helft den armen vögeln!

  14. Mein Todfeind hält leider nicht nur ins geschriebene, sondern auch ins gesprochene Deutsch Einzug, und da muss ich ganz ehrlich zugeben, dass ich mündlich selbst zu den Sündern zähle. Es handelt sich um das hauptsätzlich gebrauchte „weil“.

    „Er konnte nicht kommen, weil er war ja krank.“

    Da es sich wirklich in JEDERMANNS Sprachgebrauch geschummelt hat, bin ich leider auch infiziert. Aber ich arbeite mit aller Mühe daran, es loszuwerden. Es gibt schließlich das schöne Wort „denn“.

    „Er konnte nicht kommen, denn er war (ja) krank.“

    Klingt zunächst vielleicht etwas abgehoben, aber man muss diese weil-Seuche bekämpfen, auch auf die Gefahr hin, als Schnösel beschimpft zu werden.

  15. Schrecklich finde ich diese Pseudo-internetsprache wenn sie in einem Frageforum angewendet wird. Unter Umständen muss man mehrfach lesen um nur annähernd den Sinn zu verstehen. Meistens sind diese Leute aber absolut lernresistent

  16. Schlimm, schlimm. Die neue Rechtschreibung hat ja so vieles verbessern wollen, eine Reflektion gibt es aber trotzdem nicht. Da wird immernoch munter flexiert statt flektiert. Sehr merkwürdig. Auch der Tollpatsch und der Tipp will mir nicht recht munden.
    Die Schreibmaschinenvertipper (zum Beispiel Varianten von nciht) würden mit ordentlichem Tastaturlayout verringert.
    Ganz schlimm finde ich (nicht vollständig):
    – „je …, je …“ statt „je …, desto/umso …“
    – umbedingt
    – das dass-Problem vieler Leute
    – Varianten von Email
    – simsen
    – Händy/Handy
    – Kannst du…?

    Übrigens: Wer schlecht lesen/schreiben kann, hat vielleicht eine Rechtschreib- und Leseschwäche, wer in Mathe/Physik schlecht ist, ist einfach faul, oder [url=http://nichtlustig.de/toondb/040816.html]dum[/url].

  17. Ich bin ein bekennender Perfektionist, was die deutsche Sprache anbelangt. Wenn jedoch jemand anderer bei mir unbedingt einen schlechten Eindruck hinterlassen möchte, indem er eine so schöne Sprache verstümmelt – nur zu. Solange ich es lesen kann, gebe ich darauf Antwort. Inklusive eines süffisanten Kommentars, versteht sich ;-)

  18. Tom, keine Sorge, „Tippfehler“ wurde noch nie mit nur einem p geschrieben. Das traf vor der Rechtschreibreform nur auf den Tip (die Empfehlung) zu, die heute eben „Tipp“ geschrieben wird.

  19. Mein Lieblingstippfehler: Ratzhaus statt Rathaus (wenn es mal zu schnell geht). Ich glaube aber, dass ich so noch keine Post von der Arbeit versandt habe ;-)

  20. Oh Deutschland, Deine Rechtschreibung.
    Vor einiger Zeit habe ich mal begonnen, „endgültig“ mit „t“ zu schreiben.
    Ich habe keine Ahnung warum. Irgendwann begann ich dann auch immer seid/seit zu vertauschen, was früher nie der Fall war. Ja… Es fällt mir sofort auf. NACH dem „Posten“ :D
    -t+d war glaub‘ ich eine Weile mein meistgesendeter, wiederholender Text im Chat.
    Ist zum Glück wieder vorbei die Phase. Hoff ich.

    PS:
    sz schreib‘ ich weil’s kein scharfes s auf meiner Tastatur gibt und ss einfach falsch ist.
    Wehe einer motzt! ;)

  21. Ganz furchtbar finde ich, dass man so oft von dem „einzigsten“ liest/hört, einzig lässt sich nun mal nicht steigern! Mein persönlicher Lieblingsschreibfehler hingegen ist „Geschlächt“ statt „Geschlecht“… Ich weiß auch nicht aus welcher Ecke meines Unterbewusstseins das immer wieder gekrochen kommt…

  22. Das Schlimme ist ja auch, man kann sich nichtmal mehr einen neuen Duden kaufen, um nachschlagen zu können — alles neue Schlechtschreibung drinne, und dafür gebe ich kein Geld aus.

  23. Und ich wurde heute… nennen wir es mal „bestaunt“, weil ich in unserem Bugtracker kommentierte: „derweil erledigt“. Das Wort „derweil“ ist wohl auch außer Mode geraten.

    Aber mir wird bei „Delfin“ schon schwummrig, und „Rosi´s Blumen“ oder „BH´s“ erzeugen Brechreize in mir :)

  24. Oh, mir würden da auch viele Beispiele einfallen.
    Ich kann, was das angeht, eine echte Spießerin sein.
    Es nervt mich, wenn Leute „brauchen“ ohne „zu“ benutzen. Ebenso stresst es mich, wenn jemand „’nen“ und „’n“ falsch benutzt. Es heißt „Ich habe ’nen guten Plan“, aber „das ist ’n guter Plan.“. Jawohl.
    Über den Deppen-Apostroph habe ich mich ja an anderer Stelle schon ausgelassen.
    Ich halte jetzt aber lieber mal die Klappe und verschwinde leise mit der Feststellung, dass der Dativ wirklich dem Genitiv sein Tot, äh, Tod ist ;-)

  25. @Undertaker: Du sprichst mir ja sowas von aus der Seele.

    Aber das „Ratzhaus“ von Pünktchen ist toll!

  26. Was mir beim Lesen von Büchern oder beim Schauen von Filmen usw. regelmäßig die Säure aufsteigen lässt, ist der liederiche* Gebrauch von bescheuerten Satzkombinationen wie beispielsweise:

    »Wir werden den Puff nicht stürmen, bis wir nicht wissen, ob die Geiseln sicher sind!«

    »… bis wir nicht wissen«?!?

    Was ist das wir ein Deutsch? Wo steckt der Sinn? Sollte es nicht eher »… so lange wir nicht wissen, ob …« oder »bis wir wissen, ob die Geiseln …« heißen?

    Als ich noch ein Jungspund war, sprachen meine Kumpels immer so, aber deren nichtsoganzdeutsche Herkunft entschuldigte das kleine Satzbauproblem. Was sich jedoch bei Übersetzern oder Drehbuchschreibern so tut, ist schrecklich.

  27. Ach, Übersetzer…
    Viele haben den Unterschied zwischen Silizium (silicon) und Silikon (silicone) immer noch begriffen und basteln somit verbal Mikroprozessoren aus Schwabbelkunststoff. Das kann nur grenzenlose Ignoranz sein. Und wortgetreue Übersetzungen statt sinngemäßer Übertragungen sind auch an der Tagesordnung, weshalb immer mehr Katastrophenopfer ihre sowieso schon miese Lage selbst realisieren müssen statt sie einfach nur begreifen zu dürfen. Undsoweiter…

    @Abraxa:
    Dem Genitiv geht’s zumindest im Sommer gut. Ich habe viel öfter die Aufforderung „Genitiv in’s Wasser“ gehört als die Frage „Ist es Dativ?“…

  28. @ Matze: baoh, da fällt mir aber ein Stein vom Herzen.Ich habe ihn doch sehr schmerzlich vermisst ;-)

  29. Ich hab noch ein schönes Beispiel, gerade aus einer Mail:

    Bündniss

    Ich geh mich weitergruseln…das war ein Deutschlehrer…

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