Dominic -3-

Seine Lebensmittel bezieht Dominic über einen Tiefkühlheimlieferdienst und REWE. In schöner Regelmäßigkeit bestellt er online dort, was ihm beliebt, und nette Männer liefern ihm das dann geschwind ins Haus.
Sagte ich geschwind? Nun ja, diese Dienste liefern schnell, aber keiner dieser Männer kam je unter einer Stunde wieder von Dominic los. „Machen Sie dies! Machen Sie das bitte so! Möchten Sie einen Kaffee? Habe ich Ihnen schon erzählt…? Wären Sie bitte so freundlich…? Könnten Sie eventuell…? Habe ich Ihnen schon erzählt…? Ach, seien Sie doch so nett…, Und Habe ich schon erzählt…?“

Ja, und mit diesen Bestellungen und dem Aufbau dieser Onlineshops offenbart sich ein ziemliches Problem.
Betrachten wir uns doch einmal, wie ich oder unsereins so einkaufen geht.
Wir haben in der Küche eine Kühl-Gefrierkombi mit weißen Türen. Daneben baumelt ein abwaschbarer Filzstift und alles, was uns so an Bedarf in den Sinn kommt, wird auf dem Kühlschrank notiert. Davon macht Papa dann samstags ein Foto und geht dann mit Töchterlein die Sachen kaufen.

Doch schon in der Elektronikabteilung weicht Papa dann ganz erheblich von der Fotoliste ab, beim Obst schlägt die Tochter gnadenlos zu, wie auch bei den Kaugummis, ohne die das Mädchen überhaupt nicht und in feinster Weise überleben kann.
Mit anderen Worten, man sieht doch hier was, dort was, wird noch auf besondere Angebote aufmerksam, steht vor dem eigentlich benötigten Gouda und überlegt sich, ob man nicht auch mal Edamer, Gorgonzola oder tibetanischen Ziegenspermakäse ausprobieren soll.

Klar, wenn man sich nicht genau an seinen Zettel hält, kauft man mehr als beabsichtigt, gibt wahrscheinlich auch mehr Geld aus, aber man kann aus der Fülle eines Vollsortimenters einmal schön frei auswählen.

In den Onlineshops ist das anders. Gut hat das Amazon gelöst, dort werden einem verwandte Produkte und „andere Kunden kauften auch“-Sachen angezeigt.
Aber so wie Dominic online einkauft, sieht er immer nur das auf dem Bildschirm, was er sowieso immer kauft, was er kennt und was ihm beim letzten Mal ganz gut geschmeckt hat.
Und das schmeckt ihm seit vielen Jahren, und wenn man in seinen Kühlschrank schaut, dann sind da immer die gleichen Sachen drin. Exakt die gleiche Menge, exakt dasselbe Zeug. Niemals gibt es eine Abwechslung, niemals kommen neue Produkte hinzu.
Ihm fehlt es einfach am großen Überblick über die große Auswahl eines richtigen Geschäfts.

Nun hat sich Dominic durch seinen Tiefkühllieferanten daran gewöhnt, vieles im Backofen zuzubereiten. Und diese Zubereitungsart hat er perfektioniert. Man könnte auch sagen, er hat sie vereinheitlicht und reduziert.
Denn er wendet sie auf alles an. Egal, ob Pfannekuchen, Kartoffelpuffer, Fischstäbchen, Suppe, Pudding, Soße oder Bratwurst… Alles wird in Auflaufformen im Backofen zubereitet.
Ich sag’s mal so: Da kommen teilweise ganz originelle kulinarische Herausforderungen auf einen zu…

Anders kann er ja auch nicht mehr kochen, denn die Herdplatte ist ja Ablagefläche für seine Weltapotheke.

Menschen neigen zu Ritualen. Besonders alte Menschen schaffen sich seltsamerweise Rituale an, die ihren Alltag strukturieren und mit dem sie sich, meiner Meinung nach, ihren früheren Arbeitsalltag mit seinen Verpflichtungen nachbauen.
Ich kenne alte Leute, die jeden Tag unterwegs sind, zu Ärzten, zur Krankenkasse, zur Gymnastik, zur Massage, zum Friseur, zum Einkaufen und sonstwohin.
Rentnerstress. Bei zwanzig Ärzten in Behandlung, obwohl man eigentlich beinahe gesund ist.

Dominic bekommt schlecht Luft, 65 Jahre französische Zigaretten, viele Jahre in ungesundem afrikanischem Klima und 20 Jahre Bewegungsmangel.
Außerdem ist Dominic faul.
Ich sage ja immer, wenn’s um weitere Wege geht: „Wer weiter läuft, als sein Auto lang ist, ist ein Jogger.“

Bei Dominic ist das aber nicht nur ein Spruch, es ist Fakt. Er verlässt seine Wohnung im zweiten Obergeschoss so gut wie nie. Deshalb bestellt er ja auch alles online.

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Peter Wilhelm14. August 2017

1 Kommentar von 138670.

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