Dürfen wir unsere Oma selbst zu Grabe tragen?

sargtraeger

Darf man eigentlich selbst als Sargträger tätig werden?
Diese Frage beschäftigt Leser Jan:

Unsere Oma hat alle Formalitäten bezüglich ihrer Bestattung schon lange geklärt. Auch finanziell ist da alles geregelt.
Nun die Frage:
Oma hat ja alles durchgeplant, aber ich hätte da eine Idee die das ganze meiner Meinung nach etwas schöner machen würde, und zwar das nicht irgendwelche Sargträger vom Bestattungsinstitut Ihren Job machen, sondern das wir Enkel und Urenkel diesen letzten Weg für unsere Oma übernehmen.
Wäre soetwas machbar?

Also kann man Bestattungswünsche in der Form abändern?
Können wir Enkel und Urenkel und Schwiegerenkel uns so frech verhalten, und Ihre festgeplante Beerdigung wenns soweit ist einfach abändern?

Deine Oma hat alles vorausgeplant. Das ist nur zu begrüßen. Denn wie viele Menschen müssen jemanden bestattet, dessen Wünsche und Vorstellungen nicht bekannt sind!
Sicher hat die Oma den Sarg, die Wäsche und das Grab vorbestellt. Und ganz sicher sind im Leistungsumfang des Bestatters oder Friedhofes auch Sargträger enthalten.

Aber diese spielen bei einer Bestattung eine zwar tragende aber doch nicht entscheidende Rolle.
Es ist überhaupt kein Problem, wenn Ihr Euch in der Familie dazu entschließt, den Sarg der Oma selbst zu tragen.
Ja, ich würde Euch am liebsten zurufen: „Tut es!“
Denn es ist ein schöner letzter Dienst und verkörpert die Abschiednahme in sehr würdevoller Form.

Auch die Oma wird nie im Leben und schon gar nicht nach ihrem Tod etwas dagegen haben, wenn sie von ihren Liebsten und nicht von Fremden zur letzten Ruhe getragen wird.

Auch beim Bestatter oder Friedhof wird da niemand etwas dagegen haben.

Allerdings sind zwei Punkte zu berücksichtigen.

  1. Wenn traditionell auf diesem Friedhof Sargträger gegen Bezahlung gebucht werden, sollte man den dafür fälligen Obolus trotzdem entrichten, auch wenn sie nicht tätig werden müssen.
  2. Es könnte arbeitssicherheitstechnische Probleme geben, wenn Laien den Sarg in die Erde ablassen wollten. In solchen Fällen ist das Tragen des Sarges zum Grab von den Angehörigen durchführbar, das Ablassen muß dann aber vom Friedhofspersonal gemacht werden.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgendjemand etwas gegen Dein Vorhaben einzuwenden hat.

Vorher würde ich mir das aber vom Friedhofsverwalter erklären lassen.

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  • Veröffentlicht am: 15. August 2016
  • 8 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

8 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Falls die Oma noch lebt, könnte man sie doch fragen, ob ihr das recht wäre, und sie könnte den Wunsch in die Planung aufnehmen. Wenn sie erst mal tot ist, hilft die ganze Überraschung nix mehr, also lieber gleich ansprechen. Der Bestatter kann dann doch sicher das Nötige in die Wege leiten.

    Meine eigene Oma wurde von sechs ihrer zahlreichen Enkel zu Grabe getragen und auch ins Grab „runtergelassen“. Opa starb sehr viel früher, da trugen noch die Söhne und Schwiegersöhne. Auf dem Land war das so üblich und stieß bei niemandem auf Widerstand – im Gegenteil, es schien immer ein bisschen blamabel zu sein, zu diesem letzten Dienst „Fremde“ hinzuziehen zu müssen.

    • @Pu: Du schreibst hier in der Vergangenheitsform (es war so üblich), das mag sich zwischenzeitlich ja geändert haben. Gesetzliche oder andere Vorschriften könnten hier eine Rolle spielen. Unfallkassen sind bekannt und beliebt dafür, gerne mal das Kind mit dem Bade auszuschütten – „das müssen professionelle Sargträger sein – wenn jemand anderes den Sarg trägt und dabei stolpert und sich verletzt, wer zahlt das dann?“ Allzuoft bleiben bei der deutschen Versicherungsmentalität genau die Dinge auf der Strecke, die einfach und angemessen sind.

      • @ein anderer Stefan: Stimmt, es ist schon ziemlich lange her, ich vergesse immer wieder, wie alt (und sentimental) ich doch schon geworden bin.
        Heute wird dort der Sarg auf so einen Wagen geladen und zum Grab gerollt. Dafür musste extra der halbe Friedhofsteil umgebaut werden, um eine Treppe zu umgehen. Mit den Versicherungen hast du natürlich Recht.

        • @Pu: Dazu fällt mir (völlig offtopic) ein, dass ein Kollege sich gerade mit der Berufsgenossenschaft herumärgert, die auf einem historischen und denkmalgeschützten, aber noch genutzten Friedhof Geländer an den Treppen fordern, auch wenn diese nur 4 oder 5 Stufen haben und seit 100 Jahren ohne Geländer genutzt werden. Hintergrund: Die Friedhofsgärtner (!) könnten ja wegen der fehlenden Geländer stolpern oder stürzen und sich verletzen. Man könnte ja meinen, dass es um die – häufig betagten – Friedhofsbesucher geht, die hier gefährdet sind bzw. mit ihrem Rollator nicht mehr über den Friedhof kommen, das würde ich ja noch verstehen. Aber nein, es geht um die Leute, die beruflich dort sind (und das Gelände wohl gut kennen). Was kommt als nächstes? Alle Bäume abholzen, weil ja einer über ne Wurzel stolpern könnte? Das sind so die Absurditäten des Verwaltungsalltags…

  2. Bei uns in der Gegend konnten auch die Angehörigen, Nachbarn oder Vereine tragen. Es kam auch schon mal vor, das ein Missgeschick passierte! So wurde einmal der Sarg mit dem Kopf zum Fußende herunter gelassen oder ein anderes mal ließen die Träger die Stricke zu früh los, und der Sarg schlug unsanft auf. Eine schöne Sache, wenn liebe Mitmenschen den Sarg tragen möchten, ich habe wenn es möglich war, den fremden Trägern immer ein wenig Unterricht gegeben. Begleitet wurden sie immer, einmal ging ein junger Mann in die Knie, ich konnte noch rechtzeitig übernehmen und der Sarg glitt würdevoll herab. Es ist eben ein erhöhter Aufwand mit den fremden Trägern, es kann natürlich auch heute andere Vorschriften von den Versicherungen geben.

  3. Die Witwe eines Freundes bat mich unmittelbar vor der Beerdigung, Ihren verstorbenen Mann mit zu tragen.
    Ich sagte auch gerne zu. Im Nachhinein kann ich aber nur jedem raten, das vorher mal zu üben.
    Das Gewicht hatte ich tatsächlich unterschätzt. Und beim Ablassen des Sarges hatte ich echte Probleme: Ich wäre fast in die Grube gefallen. Der Bestatter packte mich gerade noch rechtzeitig am Arm.
    Das lag auch daran, daß ich, weil ich das vorher nicht gewusst hatte, Schuhe mit glatter Sohle trug.
    Rund um das Grab ist bei Regen sehr rutschiger Lehm und kein Asphalt.
    Auch das gleichmässige ablassen, also daß alle 6 Personen mit gleicher Geschwindigkeit ablassen, sollte man mal geübt haben.

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