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    <title>Bestatterweblog - Menschen</title>
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<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 22:04:04 GMT</pubDate>

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    <title>Das Arschloch</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Als Herrn Warneckes Frau vor etwa 12 Jahren gestorben ist, habe ich ihn das letzte Mal gesprochen. Seitdem habe ich ihn nur hin und wieder mal von weitem gesehen und wenn ich ganz ehrlich bin, dann bin ich darüber auch ganz froh.&lt;br /&gt;
Schon als Kunde unseres Bestattungshauses hatte sich Ferdinand Warnecke eher als schwieriger Kunde gezeigt, der an allem etwas herumzumäkeln hatte und hinterher auch immer an den Rechnungen etwas auszusetzen hatte und uns monatelang auf die Bezahlung warten ließ.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Immer? Ja, immer. Denn mit dem Tod seiner Frau hatte Herr Warnecke innerhalb von zwei Jahren den fünften Sterbefall über uns abgewickelt. Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, daß im Durchschnitt normalerweise immer etwa zehn Jahre vergehen, bis man wieder einen Angehörigen zu Grabe tragen muss.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erst waren es seine Eltern gewesen, die in recht hohem Alter beide an Krebs gestorben waren und diese Sterbefälle hatten wir routiniert und unprätentiös erledigt. Dann war er schon zwei Monate später wieder bei uns, dieses Mal in Begleitung seiner Frau, und musste seine 23-jährige älteste Tochter zu Grabe tragen, die mit einem Motorroller verunglückt war. Das war an sich schon eine dramatische Sache, weil bei so jungen Menschen die Trauerhalle naturgemäß immer besonders voll ist. Wir wissen ja: Will man, daß ganz viele Leute zur Beerdigung kommen, dann muss man früh sterben.&lt;br /&gt;
Besonders seine Frau litt sehr unter dem frühen Tod ihrer Tochter und weil Bruder Hein eben nicht der aufräumende Ausputzer ist, der freundlicherweise die Alten und Kranken abholt, sondern ein Sadist erster Güte, der seine Sense hinschwingt, wo immer es ihm gerade beliebt, haute er gleich sechs Monate später schwungvoll in die selbe Kerbe und nahm den Warneckes auch noch den jüngeren Sohn, der auf einer Skifreizeit an schweren Kopfverletzungen starb, die er sich beim Zusammenstoss mit einem Pistenfahrzeug zugezogen hatte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Seine Frau soll über dieses Schicksal schwermütig geworden sein, war lange in Behandlung, auch mehrmals &quot;weg&quot; und ständig in Therapie. Aber alles das hat nicht genug geholfen, um sie davon abzuhalten, eines Tages mit einer Überdosis Schlaftabletten ihrem Leben ein Ende zu setzen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie gesagt, da war es das letzte Mal gewesen, daß ich Herrn Warnecke gesprochen hatte.&lt;br /&gt;
Natürlich hat das Schicksal diesem Mann übel mitgespielt und er hat auch allen Grund, verbittert zu sein, aber die Art und Weise, in der er mit mir und meinen Mitarbeitern umgegangen ist, die hat uns allen nicht gefallen und ehrlich gesagt, haben wir damals über ihn gesagt: &quot;So ein Arschloch!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das klingt hart und ist auch sonst nicht so unsere Art. Aber er hatte die Angewohnheit, an jeder durchaus berechtigte und sinnvolle Frage immer noch eine Satzendung anzuhängen, die einen dazu brachte, in der Hosentasche die Faust zu ballen.&lt;br /&gt;
Er fragte beispielsweise Manni: &quot;Haben Sie denn meine Frau schon abgeholt?&quot;&lt;br /&gt;
Damit wäre die Frage gestellt gewesen und Manni hätte vernünftig antworten können.&lt;br /&gt;
Aber Herr Warnecke saß da, das Gesicht vor lauter Arroganz regelrecht in die Länge gezogen und fragte:&lt;br /&gt;
&quot;Haben Sie denn meine Frau schon abgeholt, oder sind Sie zu dämlich, meine Terminvorgaben zu erfüllen?&quot;&lt;br /&gt;
Zu meiner Frau hatte er gesagt: &quot;Na gut, wenn Sie meinen, daß Sie aus Ihrem Geschreibsel hinterher klug werden, dann soll mir das egal sein. Ich allerdings würde mir das mal richtig vernünftig aufschreiben, vor allem wenn ich des Lesens und Schreibens nur gerade so eben mächtig wäre.&quot;&lt;br /&gt;
Und der Friedhofsverwalter musste sich anhören: &quot;Ich sage es Ihnen auch gerne noch dreimal, wenn Sie nicht in der Lage sind, diese einfachen Informationen in ihrem Schädelhohlraum abzulegen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Okay, man hat natürlich als Bestatter Verständnis dafür, daß sich die Leute, die zu einem kommen, merkwürdig verhalten, man rechnet es ihnen an, daß sie sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden und oftmals nicht wirklich Herr ihrer Sinne sind.&lt;br /&gt;
Aber dennoch haben wir doch eher Leute bei uns, die sich hilflos geben, sich von uns leiten und begleiten lassen und nicht solche Stinkstiefel, wie den Warnecke.&lt;br /&gt;
Ein bißchen konfus darf man sein, man darf sich auch etwas dämlich anstellen und manche Sachen siebzehnmal fragen, man darf sich hinterher bei der Rechnung auch nicht mehr daran erinnern, daß man das alles wirklich bestellt hatte - das darf man alles. Aber man ist doch schließlich trotz allem Kunde und Vertragspartner und hat uns doch den gleichen Respekt entgegen zu bringen, wie man es auch von uns erwarten darf.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Herr Warnecke hatte so eine Art, die Augen zu schließen, während er den Kopf fast in den Nacken legte, wenn er diese Gemeinheiten absonderte. &quot;...oder können Sie das auch nicht?&quot; war so eine seiner Standardfragen, wenn er einen Satz beendete. Gerne nahm er auch: &quot;das dürfte selbst für jemanden wie Sie doch nicht zu schwer sein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Also alles in allem ein Mann, dem das Schicksal übel mitgespielt hatte, der aber trotzdem von mir und meinen Mitarbeitern als schwieriger Kunde eingestuft worden war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber man täuscht sich ja oft in den Leuten. Oder man könnte auch sagen, daß diese gemeine Art, mit uns umzugehen, vielleicht wirklich nur aus der jeweiligen Situation eines aktuellen Sterbefalls heraus entstanden war.&lt;br /&gt;
Wie Herr Warnecke sonst so war, wie er sein übriges Leben verbrachte, das konnten wir natürlich nicht wissen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wir wussten nur so viel, daß Warnecke Teilhaber eine großen Stahlbaubetriebes war und sein Name oft auf den großen Schildern an Baustellen zu lesen war. An Geld schien es ihm nicht zu mangeln, das hatte ich damals schon gesehen, als ich ihn anlässlich des Todes seiner Frau in seiner Villa besucht hatte.&lt;br /&gt;
Aber sonst war uns über ihn nichts bekannt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt ist Warnecke tot, liegt kalt und steif unten in unserem Behandlungsraum auf dem Edelstahltisch und Manni hatte, gleich nachdem er ihn wiedererkannt hatte, gesagt: &quot;Na, so isser wenigstens ruhig.&quot;&lt;br /&gt;
Manni hat nicht vergessen, wie Warnecke damals zu ihm gewesen ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch die Umstände, wie es dazu gekommen ist, daß Herr Warnecke am Heiligen Abend, genauer gesagt in der Nacht von Heiligem Abend auf den ersten Weihnachtstag gestorben ist, die sind dann doch wieder berichtenswert.&lt;br /&gt;
Daß er überhaupt zu uns gebracht worden ist, das liegt daran, daß er eine Visitenkarte von uns im Portemonnaie hatte, auf der er hinten notiert hat: &quot;Im Todesfall kümmern die sich um mich. Notar Wiemers anrufen!&quot;&lt;br /&gt;
Notar Wiemers feiert auch Weihnachten und sein Anrufbeantworter sagt aber, daß er das Band am zweiten Feiertag abhören wird. Ich gehe davon aus, daß Herr Warnecke dort Verfügungen bezüglich seines Todes hinterlegt hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und daß er überhaupt zu einem Bestatter gebracht werden musste, liegt einfach daran, daß er in dieser Nacht gegen halb zwei morgens in seinem Auto einen Herzinfarkt bekommen hat, dem er erlegen ist.&lt;br /&gt;
Und was macht der Inhaber eines mittelständischen Stahlbauunternehmens in der &lt;del&gt;Weihnachtsnacht&lt;/del&gt; Heiligen Nacht draußen im Auto?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nun, das hat uns am ersten Feiertag eine junge Kriminalbeamtin berichtet, die kurzfristig ermittelt hatte, ob mit seinem Ableben alles in Ordnung gewesen war. Aber da gab es nichts zu deuteln, er hatte schon am Nachmittag über heftige Herzschmerzen geklagt und war sogar in der Klinik gewesen, hatte sich aber einer stationären Aufnahme widersetzt und nachdem er Medikamente bekommen hatte, war er auf eigene Verantwortung wieder gegangen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die junge Polizistin erzählte uns, daß sie herausgefunden habe, daß Herr Warnecke seit dem Tod seiner Frau wohl jedes Jahr einen ungeschmückten Weihnachtsbaum in seinem großen Wohnzimmer aufgestellt hatte und wochenlang für alle seine Lieben Geschenke gekauft hatte. Dutzende von Päckchen, für seine Eltern, seine Frau und seine Kinder lagen am Heiligen Abend unter dem Baum und dann hatte er wohl jedes Jahr alle Geschenke in den Kofferraum seines VW-Phaeton gepackt und bei der Bahnhofsmission, bei der Heilsarmee und am illegalen Campingplatz unter der Autobahnbrücke an die armen Leute verschenkt.&lt;br /&gt;
Soviel sie ermittelt habe, seien das im wesentlichen warme Kleidung, gute Lebensmittel, Bargeld und so allerlei Schmuck gewesen. &quot;So an die fünf- bis zehntausend Euro jedes Jahr. Das hat er alles in einem Heft notiert.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Falls wir also nicht zu blöde dafür sind, werden wir diese Woche einen echten Weihnachtsmann beerdigen, sofern unser bißchen Hirn dazu ausreicht.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Mon, 26 Dec 2011 07:41:32 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -XII-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Das-Schwein-XII/6285</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Dreist, dumm und dazu noch frech ist das was hier bei uns zu der Geschichte mit der Familie Hartmann im Umlauf ist.&lt;br /&gt;
Jemand hat es in den Kommentaren &quot;stille Post&quot; genannt, doch das ist nicht das was hier passiert.&lt;br /&gt;
Bei &quot;Stille Post&quot; geht es ja darum, daß man eine Nachricht mehrfach leise mündlich von Person zu Person weitergibt,  bis man nach etlichen Übermittlungen laut Ursprungs- und Endgeschichte zum Besten gibt, um sich darüber zu amüsieren, wie sich das Weitererzählte im Zuge der Übermittlungen ins Groteske verändert hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kenne das aus meinem Büro, da reicht es schon, wenn ich Sandy etwas sage und mir dann anhöre, was dabei herausgekommen ist, wenn sie es Frau Büser weitergegeben hat und die einen Aushang daraus gemacht hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die unter den Tisch fallen, die aber doch einiges ausmachen.&lt;br /&gt;
Ein Beispiel aus früheren Zeiten:&lt;br /&gt;
In den späten 70er Jahren habe ich auch mal eine richtige kaufmännische Ausbildung gemacht und zwar in einem Schreinereibetrieb, der auch Bestattungen abwickelte. Wer noch die &quot;Firma Hesselbach&quot; kennt, kann sich ungefähr die Zustände vorstellen, die in diesem antiquierten Betrieb herrschten. Dort mussten alle Briefe mit drei Durchschlägen getippt werden, auf einer IBM Kugelkopfschreibmaschine auf der unten das Pfandsiegel eines Gerichtsvollziehers klebte, von dem der Chef behauptete, es sei quasi ein Gütesiegel des Amtsgerichts.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gut, also es musste alles in dreifacher Ausfertigung geschrieben werden, worüber der Bürovorsteher mit Argusaugen wachte. Fehlte mal ein Durchschlag, so wurde eine Fotokopie erstellt, damit es auch ja drei Exemplare waren.&lt;br /&gt;
Irgendwann kam ich dann mal unvermittelt ins Büro der Chefsekretärin und sah, wie sie aus der Unterschriftenmappe von allen Briefen die dritte Kopie entfernte, stapelte und mit einer großen Schere in Schmierzettel verwandelte.&lt;br /&gt;
Natürlich erkundigte ich mich, warum sie das tue und bekam zu Antwort, daß sie auch nicht wisse, warum aus dem Hauptbüro immer alles dreifach komme, sie bräuchte es jedenfalls nur zweifach, ein Exemplar zum Fortschicken und eins für die Ablage. &lt;br /&gt;
Also fragte ich auch den Bürovorsteher und der sagte mir, das sei eine direkte Anweisung vom Chef und müsse unbedingt befolgt werden, das sei schon seit sechs Jahren so.&lt;br /&gt;
Nun gut, also habe ich auch ganz unschuldig den Chef gefragt und der saß minutenlang mit offenem Mund da, dann begann er, ebenfalls minutenlang, den Kopf zu schütteln und sagte: &quot;Vor sechs Jahren war ich in Kur und da habe ich gesagt, daß während meines Kuraufenthaltes alles mit einem Durchschlag mehr geschrieben werden soll, damit meine Frau mir am Wochenende alles zur Durchsicht mitbringen kann. Ich hatte ja keine Ahnung, daß das seit Jahren so gemacht wird.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Stille Post, also das Fehlereinschleichen in die wiedergegebene Wirklichkeit ist eines, aber das was da um die Hartmanns geschieht, das ist etwas anderes. Das ist das Hinzuerfinden und Ausschmücken durch böswillige Menschen oder solche, die sich dadurch interessant machen wollen, daß sie angeblich mehr wissen als die anderen.&lt;br /&gt;
Dabei habe ich den Eindruck, als ob diejenigen, die in Wirklichkeit gar nichts wissen, am Allermeisten zu erzählen haben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erstaunlicherweise nimmt die Gemüsefrau dieses Mal eine Sonderstellung ein, die ich ihr gar nicht zugetraut hätte.&lt;br /&gt;
Normalerweise ist sie ja diejenige, die den größten Blödsinn im Brustton der Überzeugung als Wahrheit ausgibt und weitertratscht. Aber dieses Mal ist die Birnbaumer-Nüsselschweif eher am Drücker gewesen und das neidet ihr die Gemüsefrau und deshalb bemüht diese sich, in allem was die Birnbaumer erzählt Lüge und Aufschneiderei zu entlarven.&lt;br /&gt;
Dadurch redet die Gemüsefrau den Hartmanns das Wort und stellt alle, die denen Übles nachreden, als Lügner hin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Umlauf ist nun diese Version:&lt;br /&gt;
Das Ehepaar Hartmann soll ja angeblich eine so genannte Josefsehe führen, bei der der Mann seiner Frau verspricht, sie nicht anzurühren. Das sei deshalb so, weil der Mann ja in Wirklichkeit auf kleine Jungens stehe und seine Frau ein umoperierter Mann sei. Woher dann die gemeinsame Tochter Melanie gekommen sein soll, lassen die Gerüchteköche außen vor. Sie behaupten, daß in den Folterkellern der Hartmanns Orgien gefeiert worden seien, ja sogar schwarze Messen, bei denen reihenweise Kinder jeglichen Geschlechts geschändet worden seien. Das habe der Hartmann immer gefilmt und ins Internet gestellt. Für ein Video sollen sie im Schnitt bis zu 15.000 Euro bekommen haben und Abnehmer seien ja, das wisse man ja sowieso, vor allem katholische Pfarrer und sogar ein Bischof gewesen.&lt;br /&gt;
Reihenweise seien auch Prostituierte im Haus der Hartmanns ein und aus gegangen und eine Nachbarin von gegenüber will sogar gesehen haben, daß Frau Hartmann immer mal wieder blutige Fleischabfälle in die Mülltonne geworfen habe.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Alles in allem haben die Hartmanns also sozusagen alle Arten sexueller Vorlieben und Irrungen in sich vereinigt und sind das personifizierte Böse schlechthin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Daß das Ehepaar in Untersuchungshaft genommen worden ist, beweist ja nur, daß an den ganzen Gerüchten etwas dran sein muss.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Tatsächlich ist es aber so, daß die Hartmanns schon nach einem oder anderthalb Tagen wieder auf freien Fuß gekommen sind. Zwar hatte es dem Richter für die Durchsuchungsanordnungen gereicht, aber er hat nicht einmal Untersuchungshaft angeordnet, dafür war ihm die Beweislage dann doch zu dünn.&lt;br /&gt;
Das Ehepaar Hartmann war schlicht und ergreifend festgenommen worden und nach den Hausdurchsuchungen und der vorläufigen Sichtung des teilweise sichergestellten Materials und weiteren Vernehmungen wieder auf freien Fuß gesetzt worden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist der dauergewellte Lokalreporter Bolte in seiner speckigen, alten Lederjacke, der mich, nach der Gemüsefrau, erneut in Erstaunen versetzt. Ihn bewegen die gleichen Motive wie die Gemüsefrau.&lt;br /&gt;
Während die Boulevardpresse gekonnt auf vage Unterstellungen in Frageform setzt, &quot;Kindersex im Folterkeller? Feierte Ehepaar H. schwarze Messen?&quot;, kam er mit seiner Berichterstattung in der Tageszeitung nicht zum Zuge. Das war dem Chefredakteur dann offenbar doch alles zu vage und zu wenig untermauert.&lt;br /&gt;
Daher war Bolte auf eine andere Strategie umgeschwenkt und recherchierte nun in die Richtung, daß er belegen wollte, daß die Hartmanns nur das Opfer einer ungeheuren Hetzkampagne geworden waren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er steckt also seine Dauerwelle, die nur dünn die ausgeprägte Kahlheit seines Kopfes umfuselt, durch meine Bürotür und fragt, auf den Cognac im Regal schielend: &quot;Lust auf Neuigkeiten?&quot;&lt;br /&gt;
Dann berichtet er mir, daß das Ganze so gewesen sei:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Isolde hat mit den SMS auf Melanies Handy tatsächlich den auslösenden Impuls gegeben und man kann auch nicht von der Hand weisen, daß durch die Presseberichterstattung eine gewisse Vorverurteilung der Hartmanns stattgefunden hatte. Das alles führte dazu, dass die Staatsanwältin das Ganze wohl etwas &quot;zu hoch gehängt hat&quot;.&lt;br /&gt;
Die Hartmanns hatten das Wochenendhaus vor einigen Jahren von einem Bauunternehmer, der Pleite gegangen war, erstanden und zwar mitsamt dem Partykeller.&lt;br /&gt;
Bei diesem handele es sich aber keineswegs um eine Sado-Maso-Bude, sondern um eine schwarz gestrichene Kellerbar mit zahlreichen erotischen Motiven. Der Bauunternehmer habe eine Vorliebe für solche Sachen gehabt und der Keller wimmele von vollbusigen Schaufensterpuppen, halbseidenen Postern und lauter solchen geschmacklosen Dingen wie einer kleinen Mönchsfigur, die ihren Lotterjahn entblösse, wenn man ihr auf den Kopf drücke, einem Aschenbecher in Busenform, Trinkgläsern mit Bildern von leicht bekleideten Frauen, die sich entblössen, wenn man Kaltes einfüllt und lauter solchem Nippes.&lt;br /&gt;
Keine Spur gebe es da von Folterwerkzeugen, Dildos und harter Pornographie. Im Gegenteil, es gebe dort nur einen Schmalfilmprojektor aus den 70ern mit einigen Rollen uralter Softpornofilmchen ohne Ton.&lt;br /&gt;
Er wisse das alles ganz genau, denn er habe ausführlich mit dem alten Mann gesprochen, der bei dem Wochenendhaus den Garten macht und Zugang zum Keller hat, weil dort im hinteren Raum auch die Gartenwerkzeuge stehen. Soviel der wisse, sei es so, daß die Hartmanns den Partykeller gar nicht benutzen und dort jede Menge Gerümpel abgestellt sei.&lt;br /&gt;
Den Bauunternehmer habe er leider nicht mehr befragen können, der sei nach der Einnahme eines potenzsteigernden Mittels schon vor zwei Jahren an einem Herzanfall gestorben.&lt;br /&gt;
Jetzt seien die Hartmanns ins Sauerland zu einer Tante gefahren und schämen sich in Grund und Boden. &quot;Bis nach Weihnachten bleiben sie dort. So wie ich das Geschäft kenne, ist bis dahin was Neues passiert und dann kommt mein Artikel in die Zeitung. Dann können sich ein paar andere Leute anfangen zu schämen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mir geht wieder eine alte Geschichte durch den Kopf.&lt;br /&gt;
Da hatten wir eine Verstorbene aus einem Mietshaus abgeholt, die schon einige Tage tot in ihrer Wohnung gelegen hatte. Ihr treuer Rauhhaardackel muß die ganze Zeit neben seinem toten Frauchen gewacht haben und hatte damals die Polizei einige Mühe gekostet, das kleine, stramme Kerlchen von seinem Frauchen weg zu bekommen. Er hatte wohl immer wieder an der Hand seines leblosen Frauchens gezerrt, was dort die Haut abgelöst hatte.&lt;br /&gt;
Die Tageszeitung schrieb: &quot;Treuer Waldi wachte tagelang bei totem Frauchen&quot;&lt;br /&gt;
In der Boulevardzeitung standen nur drei Worte als Überschrift: &quot;Hund fraß Frau!&quot;&lt;br /&gt;
Ehrlich so passiert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Verpufft, verblasst, in Luft aufgelöst...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kann nur hoffen, daß sich auch die Geschichte um das Ehepaar Hartmann so in Luft auflöst.&lt;br /&gt;
Meiner Meinung nach ist es das Beste, wenn die im neuen Jahr einfach wieder in ihr Haus ziehen und ganz normal ihrem Alltag nachgehen. Je weniger Aufhebens sie selbst um die Sache machen, umso eher wendet sich die öffentliche Meinung anderen Leuten zu, denen sie was nachsagen kann.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mir ist aufgefallen, daß auf Melanies Grab ein kleines Herz aus Tannengrün liegt, das von einer einzelnen roten Rose geziert wird. Ich nehme an, es stammt von dem Jungen, der Melanies Herz erobert hatte. Aber ich glaube nicht, daß wir jemals erfahren werden, wer dieser Junge ist.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 23 Dec 2011 08:49:13 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -XI-</title>
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Tja, was soll ich davon halten?&lt;br /&gt;
Ich habe bisher keine Position eingenommen, meine ich. Sandy meint hingegen, ich hätte immer für die Hartmanns gesprochen und wenn das so war, dann liegt das daran, daß mir Isolde mit ihren Anschuldigungen sehr unsympathisch ist.&lt;br /&gt;
Aber jetzt hat man die Hartmanns eingesperrt und das tun Polizei und Staatsanwaltschaft normalerweise ja nicht, wenn nicht ein dringender Tatverdacht vorliegen würde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manni sieht das anders: &quot;Hier in Deutschland steht jeder sowieso immer mit einem Fuß im Gefängnis. Wenn ein böser Nachbar das will, kommen die Kanzlerknechte morgen schon und holen dich ab.&quot; Die Birnbaumer-Nüsselschweif ist es, die Licht ins Dunkel bringt, denn sie erzählt der Gemüsefrau alles &quot;garantiert aus erster Hand&quot;. Und die Gemüsefrau erzählt es mir.&lt;br /&gt;
Isolde ist also mit dem Handy bei der Polizei gewesen und dort soll man sie ziemlich nüchtern und etwas rüde fast schon abgewiesen haben. Die angeblich so verdächtigen SMS seien bei näherer Betrachtung gar nichts Schlimmes und die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen; lese man die ganzen Nachrichten, gehe die Brisanz komplett verloren und es seien nur die Kurznachrichten eines Vaters, der einen freundschaftlichen Umgangston mit seiner Tochter pflegt.&lt;br /&gt;
Aber dennoch hat man das Handy da behalten und die zuständige Staatsanwältin habe dann die Sache ganz anders gesehen und erneut einen Anfangsverdacht angenommen, der in Verbindung mit dem Tod des Mädchens und dem Obduktionsergebnis ausreichend für einen Durchsuchungsbeschluss des Hauses der Hartmanns gewesen sei.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bei der Obduktion sei zwar keinerlei Fremdeinwirkung nachweisbar gewesen, jedoch habe sich ergeben, daß das Mädchen Melanie oft und vermutlich auch regelmäßig Geschlechtsverkehr gehabt habe, auch vor dem Tod in der Badewanne und das widerspreche den Schilderungen der Eltern, die darauf beharren, das Mädchen sei noch unberührt und habe nichtmal einen Freund.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bei der anschließenden Durchsuchung des Hauses habe man dann im Keller, und an dieser Stelle soll die Birnbaumer-Nüsselschweif zur erzählerischen Hochform aufgelaufen sein, einen abgeschlossenen Folterraum entdeckt, mit Folterbank, Peitschen, Ketten, Handschellen und Latexbekleidung, Mundknebeln und Penetrationswerkzeugen.&lt;br /&gt;
Gut, ich muss eingestehen, daß die Birnbaumer nicht das Wort Penetreationswerkzeuge benutzt hat, aber die Phantasie der Leser dürfte ausreichen, um sich selbst zwei oder drei vulgärere Synonyme ausdenken zu können.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Für die Birnbaumer-Nüsselschweif ist damit alles klar.&lt;br /&gt;
Die Hartmanns, die ja ach so bieder und harmlos daher kommen, sind in Wirklichkeit Kinderschänder, die im geheimen Kellerverließ vermutlich alle beide Sex mit der eigenen Tochter hatten. &quot;Sowas gehört an die Wand gestellt und zwar sofort und geben Sie mir ein Gewehr, ich bin die Erste die abdrückt!&quot; soll die Nüsselschweiferin gesagt haben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hätten Sie das von denen gedacht?&quot; fragt mich die Gemüsefrau, &quot;Sie kennen die doch, sie müssen die doch von der Beerdigung kennen? Ich meine, sowas sieht man doch, hat der angewachsene Ohrläppchen und eng zusammenstehende Augen? Sagen Sie doch mal! Hat der zusammengewachsene Augenbrauen? Daran erkennt man doch die Kinderf*****. Also, daß der sowas macht, das kann ich mir gut vorstellen, ich kenn&#039; ja die Leute nicht, die kaufen ja nie bei mir, aber das ist ein Mann und Männer machen sowas, das ist ja klar, das weiß ja jeder. Aber die Frau, daß die da mitmacht, also nein. Aber so ist das immer, wenn der Mann sich an der Tochter vergreift, dann ist die Mutter genauso Schuld, die haben dann schon jahrelang die Beine zusammengeklemmt und den Alten nicht mehr rangelassen und dann haben die ein schlechtes Gewissen deswegen und halten die Klappe, wenn der Alte sich das bei der eigenen Tochter holt. &lt;br /&gt;
Ich würd&#039; die auch an die Wand stellen und erschießen und dann den Alten kastrieren und nicht mehr rauslassen, das ist ja das Problem, dass die die immer wieder rauslassen, und kaum sind die draußen, suchen die sich das nächste Kind, das kennt man doch!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die öffentliche Meinung ist ein Kuhfladen...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bei so viel Ignoranz, Dummheit und Vorverurteilung wird mir fast schlecht und ich kaufe der Gemüsefrau nur einen Sechserpack extra dicke Eier ab und gehe wieder nach Hause. Auf dem Weg treffe ich Bolte von der Tageszeitung, der auf dem Weg ist, um im Altenheim eine hundertjährige Demente zu knipsen. Bei seinem fotografischen Talent kann man von Fotografieren nicht sprechen.&lt;br /&gt;
Der dauereilige Lokalreporter weiß aber noch, daß der Keller gar nicht im Haus der Hartmanns sei, sondern in deren Wochenendhaus und im Wohnhaus habe man Videos mit Kinderpornographie gefunden, so sei das nämlich gewesen. Und die Schwester Isolde sei diejenige gewesen, die das alles aufgedeckt habe.&lt;br /&gt;
Nein, er habe gar kein Problem damit, mich auf dem Laufenden zu halten, vorausgesetzt, ich würde ihm dann hin und wieder auch mal ein paar Informationen zukommen lassen. Es sei doch blöd, wenn er vom Tod bekannter Bürger immer erst aus der Zeitung erfahre...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nachbar Nasweis-Lästig ist mit Salzstreuen beschäftigt, was er prophylaktisch tut, denn es ist weder Schnee noch Eis in Sicht. Er weiß es besser als die Birnbaumer, die Gemüsefrau und Reporter Bolte zusammen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das sei ein ganzer Kinderschänderring, der da aufgeflogen sei. Es habe im Morgengrauen Verhaftungen in der ganzen Republik gegeben und Schuld daran sei nur das Internet, da komme das ganze Zeug mit dem Sex ja überhaupt erst her und wer Internet habe, der sei in seinen Augen sowieso als Pornograph entlarvt. &lt;br /&gt;
Das Kellerverließ sei tatsächlich unter dem Wochenendhaus gefunden worden und da seien ganze Horden von Unholden und Schindern ein und aus gegangen und &quot;über harmlose Mäderl gerutscht&quot;, sogar Buben seien dort rangenommen worden. &quot;Ferkel, ekelhafte Ferkel, sowas hat es früher nicht gegeben, da ist die Durchrassung Schuld dran, das kommt alles aus dem Morgenland.&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 20 Dec 2011 09:17:59 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -X-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Das-Schwein-X/6271</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;&quot;Ihr müsste die da sofort wegholen, datt is&#039; eure Beerdigung, sonst ruf ich die Polizei und dann habt ihr den ganzen Ärger!&quot; schnauft der dicke Friedhofswärter, den alle nur &quot;die Qualle&quot; nennen, ins Telefon und man hört seiner Stimme an, daß er wirklich sehr aufgebracht ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Herr Röttger hat offenbar alle anderen Ereignisse fertigdemonstriert und steht vor dem Friedhof mit seinem Pappschild &quot;Gott, wo warst Du? Kinderschänder hinter Gitter!&quot; und unterstützt wird er von einer der Nüsselschweif-Damen mit einem Schild am Besenstiel &quot;Das Schwein muss weg!&quot;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Also, damit haben wir als Bestatter wirklich nichts mehr zu tun. Ich bin im ersten Moment eigentlich nur froh, dass die woanders stehen und nicht vor unserem Haus und fühle mich eher entspannt. Das ist so eine Sache, die völlig neben uns her passiert und die Trauerfeier ist ja nun auch vorbei, wir werden jetzt die Rechnung schreiben und die Urnenbeisetzung abwarten und dann ist die Sache erledigt.&lt;br /&gt;
Wenn dann noch irgendwas herauskommt oder sich irgendetwas ergibt, dann werde ich das mit Interesse in der Zeitung verfolgen, aber wie gesagt, das betrifft uns nicht direkt.&lt;br /&gt;
 Das sieht die zickige Leiterin der Ortspolizeibehörde anders. Nochmals zur Erklärung: Wir haben hier in Deutschland ganz verschiedene Polizeien. Zu viele, wenn man mich fragt, und wenn man es mal nüchtern sieht, haben wir fast schon amerikanische Zustände.&lt;br /&gt;
Die &quot;normale&quot; Polizei ist Ländersache und darüberhinaus gibt es u.a. noch die Polizei, die z.B. das Rauchen und offenes Feuer in Garagen polizeilich verbietet, nämlich die Ortspolizeibehörde, die für die ordnungsrechtlichen Fragen einer Gemeinde zuständig ist. Uniformierte Beamte hat diese Behörde in den seltensten Fällen, nur größere Kommunen leisten sich kommunale Ordnungsdienste die im weitesten Sinne Ortspolizei sind und eng umrissene Aufgaben (etwa die Überwachung des ruhenden Verkehrs) übernehmen.&lt;br /&gt;
Unsere Ortspolizeibehörde hat eine Beamtin direkt im Friedhofsamt platziert und die überwacht z.B. die Ausstellung von Leichenpässen, ordnet amtsweise die Bestattung von Wohnsitzlosen und Unbekannten an und erfüllt auch eine durchaus wichtige Aufgabe.&lt;br /&gt;
Nur tut sie das einerseits in einem Ton, der sie für die Lagerleitung eines russischen Frauengefängnisses qualifizieren würde und andererseits mit einem besonderen Augenmerk auf die ihr verhassten Bestatter.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Derzeit heißt die Dame, nach der x-ten Eheschließung und Scheidung, durch die ich nicht mehr durchblicke, wieder mit ihrem Mädchennamen (oder dem Mädchennamen ihrer Mutter?) Zippe. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und genau diese Frau Zippe sieht das also ganz anders. Sie ist der Auffassung, daß ein Bestatter, der einen Sterbefall bei der Behörde anmeldet und die öffentlichen Einrichtungen für die Durchführung seiner Geschäfte, sprich für die Abwicklung eines Sterbefalls, nutzen möchte, auch dafür verantwortlich ist, daß währenddessen und hinterher alles wieder rein und sauber ist.&lt;br /&gt;
Das ist so, als wenn ein Turnverein eine Schulsporthalle für seine Übungsstunden anmietet und der Kittelträger mit dem Schlüsselbund hinterher aber mal so ganz genau nachschaut, ob die auch alles, insbesondere die Toiletten, sauber und ordentlich hinterlassen haben.&lt;br /&gt;
Und nach Ansicht von Frau Zippe haben wir eben den Friedhof nicht ordentlich hinterlassen sondern &quot;unsere Krawallmacher&quot; da gelassen, die wir gefälligst schnellstmöglich zu beseitigen haben. &quot;Sonst machen Sie auf unseren Friedhöfen demnächst keine Beerdigungen mehr!&quot;&lt;br /&gt;
Seltsame Frau, seltsame Rechtsauffassung!&lt;br /&gt;
Denn was soll ich jetzt tun? Soll ich den selbsternannten Berufsdemonstranten bei den Haaren packen und wegschleifen?&lt;br /&gt;
Und um den geht es in erster Linie, denn die halbgreise, stellvertretend betroffene Kirchenmutter aus dem Mütterkreis der Birnbaumer-Nüsselschweif bin ich schnell losgeworden, indem ich ihr, quasi im Vorbeigehen, mein kleines Schweizer Offizierstaschenmesser gezeigt habe; ob sie auch so etwas habe, denn so etwas müsse man ja gerade hier in Friedhofsnähe dabei haben, es gehe ja seit Wochen wieder ein ganz besonders notgeiler Unhold um, der wehrlose Frauen zu ganz absonderlichen Dingen zwinge und wie man so munkele, gehöre zu diesen ganz absonderlichen Dingen sogar Sex.&lt;br /&gt;
Als ich auf dem Friedhof fertig bin und wieder dorthin komme, steht Herr Röttger alleine da und beschwert sich, daß ich seine Mitstreiterin vertrieben habe. Die Frau habe nämlich ihr Schild genommen und sich dann verabschiedet.&lt;br /&gt;
So sind sie, diese Weiber. Erst andere als Hexen verbrennen wollen und beim kleinsten Rascheln im Laub selbst Angst bekommen...&lt;br /&gt;
Ich versuche meine Nummer mit dem klitzekleinen Taschenmesser auch bei ihm, aber mir scheint es, daß ihn die Aussicht, von einem Unhold heimgesucht zu werden, keineswegs schreckt sondern eher ermutigt. Hm, vielleicht wartet der seit Jahren ja nur auf so ein multisexuelles Erlebnis, wer weiß?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Haus der Hartmanns ist nach wie vor verwaist, obwohl dort keine Presse mehr lauert. In der hiesigen Tageszeitung kommt der Fall überhaupt nicht mehr vor und in der Boulevard-Presse waren noch zwei kleiner werdende Artikel und jetzt haben andere Themen den Fall Melanie ganz verschwinden lassen. &lt;br /&gt;
Diesen Mann haben sie fertiggemacht, diesem Mann haben sie seinen Ruf ruiniert, der Rest interessiert jetzt nicht mehr so dolle, denn da war ja wahrscheinlich gar nichts dran und bevor man sich näher damit beschäftigt und eventuell eingestehen müsste, dass man zu weit gegangen ist, wendet man sich lieber anderen noch viel schlimmeren Geschichten zu, es gibt ja noch genug katholische Priester, denen man was unterstellen kann.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Sache mit dem Handy, das Isolde mir gezeigt hatte, hatte ich nicht wirklich ernst genommen. Ich weiß gar nicht, was ich hinterher eigentlich gedacht habe. Irgendwie kam mir die ganze Szene sehr surreal vor. Dieses Handy hätte auch von Isolde selbst sein können, die Kurznachrichten waren ja aus dem Zusammenhang gerissen und man wusste doch gar nicht ob sie echt waren und was sie insgesamt zu bedeuten hatten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich habe mit meiner Frau ein paar Mal darüber gesprochen und auch sie war eher der Meinung, daß Isolde da einem Hirngespinst hinterher renne und sich wichtig machen wolle.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die ganze Sache nimmt erst wieder eine Wendung, als ich morgens im Radio höre, daß Klaus und Monika Hartmann festgenommen worden und in Untersuchungshaft gekommen sind.&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 17 Dec 2011 08:32:11 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -IX-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Die Schwägerin Isolde kommt zwei Tage nach der Beerdigung zu uns und möchte den von ihr bestellten Kranz bar bezahlen. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß es günstiger und schöner ist, wenn möglichst viele Angehörige ihre Blumen über eine Gärtnerei bestellen. Dann ist sichergestellt, daß es farblich passt, daß sich Schleifentexte nicht viermal wiederholen und dass alles auch rechtzeitig am richtigen Platz ist.&lt;br /&gt;
Der Vorteil für die Kunden liegt unter anderem darin, daß alle auch von der Provision profitieren, die die Gärtnerei uns einräumt.&lt;br /&gt;
So hat auch Isolde, die Schwester von Melanies Mutter, einen kleinen Kranz mit Schleife direkt bei uns bestellt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie zählt mir das Geld auf den Cent genau aus einem erschreckend winzigen Portemonnaie auf den Tisch und macht die ganze Zeit einen spitzen Mund, sodass sich oberhalb der Oberlippe viele kleine Fältchen abzeichnen. Auch sonst ist sie sehr einsilbig und schließlich frage ich sie, ob sie etwas habe, ob ich mich falsch verhalten hätte. &quot;Na, Sie sind gut! Sie haben sich doch auf die Seite von diesem Dreckskerl gestellt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich habe mich auf niemandes Seite gestellt, ich habe einen Auftrag wunschgemäß abgewickelt. Der Rest geht mich nichts an.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, Sie würden also auch einen Mörder beerdigen, oder was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja sicher, einer muss es doch tun. Das ist unsere Aufgabe. Als Bestatter bin ich nicht die moralische Instanz, die einem auch noch seine letzte Ruhestätte verweigert.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie haben keine Kinder, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Auch Mädchen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und wenn der Klaus ihre Tochter gepimpert hätte, na, was würden Sie dann sagen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na hören Sie mal...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nix da, na hören Sie mal! Schauen Sie sich mal das hier an&quot;, sagt sie und zieht ein rot-metallisch glänzendes Handy aus der Handtasche. Sie klappt es auf und oben am Handy hängt ein klitzekleiner Teddybär mit Glitzersteinen als Augen.&lt;br /&gt;
&quot;Das ist das Handy von Melanie. Ich habe es mir von meiner Schwester erbeten, als Andenken und weil Melanie das Ding so geliebt hat. Ja?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Verstehen Sie?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was soll ich verstehen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist IHR Handy!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, ich habe es verstanden, das ist Melanies Handy.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und dann lesen Sie bitte das hier&quot;, sagt Isolde, drückt auf den Tasten herum und nach einigem Gepiepse dreht sie das Mobiltelefon herum und schiebt es mir über den Tisch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich sehe nur den Ausschnitt eines längeren Textes und da steht: &quot;...kannst Du alles von mir bekommen, wenn Du wieder so lieb zu mir bist wie gestern.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aha&quot;, sage ich und schiebe das Handy wieder zurück.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, das ist noch nicht alles. Sehen Sie sich mal das hier an!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt lese ich: &quot;...dich zu einer richtigen Frau machen. Ich bin ein Mann und Du wirst jetzt langsam zu einer richtigen Frau.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist doch pervers&quot;, stößt Isolde aufgebracht hervor und sagt weiter: &quot;Und so&#039;n Dreck findet sich haufenweise hier im Handy und alle Mails sind von meinem Schwager abgeschickt worden. Absender ist immer &#039;Paps&#039;. Der ist doch krank, der hatte doch was mit dem Kind, das ist doch wohl eindeutig.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und was wollen Sie jetzt tun?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jetzt? Jetzt gehe ich mit dem Ding zur Polizei und dann soll der feine Herr denen mal erklären, wie das alles zustande gekommen ist. Ekelhaft sowas! Wenn ich denke, wie der geile Bock das arme Kind gequält, betatscht und angebaggert hat. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während sie mein Büro verlässt, zitiert Isolde noch eine SMS aus dem Kopf und ruft mir zu: &quot;Deine Lippen sind so feucht, ich möchte immer darin versinken.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kaum ist sie verschwunden, kommen Sandy und Antonia herein, die diesen letzten Satz gehört haben und zumindest Sandy hat ein vielsagendes Grinsen im Gesicht, während sie die Stimme von Isolde nachahmt und wiederholt: &quot;Du hast so feuchte Lippen&quot;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mir ist nicht nach Lachen zu Mute, ich weiß nicht, was ich von der Sache halten soll. &lt;br /&gt;
Klaus Hartmann ist doch ein ganz netter Mann. Aber wer kann schon hinter die Stirn eines anderen blicken?&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 16 Dec 2011 11:44:12 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -VIII-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Drei Frauen haben sich am Samstag, dem Tag der Trauerfeier für Melanie, vor dem Friedhof die Beine in den Bauch gestanden. Die Birnbaumer-Nüsselschweif war nicht dabei, sie hatte drei andere Mütter geschickt, um auf &quot;Melanie aufzupassen&quot;.&lt;br /&gt;
Die eine hatte einen Besenstiel mit einer bemalten Pappe mit der Aufschrift: &quot;Gegen Kindesmissbrauch&quot; und die andere hielt ein in Plastikfolie laminiertes Bild von Melanie vor ihre Brust. Die dritte Frau war wohl die stumme Mahnerin der Woche.&lt;br /&gt;
Klaus und Monika Hartmann sind bei der Variante mit der Feuerbestattung geblieben und ich hatte den Eindruck, daß nun auch beide diese Lösung bevorzugten. Zwar war von vornherein angekündigt worden, die Trauerfeier solle in ganz kleinem Rahmen stattfinden, jedoch hatte die Familie dann doch erst die Ausnahme gemacht, dann noch die und noch die und am Ende hatten wir vom Bestattungshaus alle Hände voll zu tun, um die falschen Besucher abzuhalten, eine sehr undankbare Aufgabe. Höchsten zehn Leute würden da kommen, hatte Herr Hartmann gesagt und dann kurz vor der Trauerfeier kam er zu mir: &quot;Es kommen da doch ein paar mehr, aber Sie machen das schon.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie, wir machen das schon? Woher sollen wir denn wissen, wen Sie dabei haben wollen und wen nicht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also die Kinder von der Schulklasse dürfen rein, die Lehrer, ein paar Freundinnen und so. Die Verwandten nehme ich alle mit rein, wirklich, da kommen nicht viele, sie machen das schon, lassen Sie bloß keine Presse rein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Hinweis auf die Presse war durchaus berechtigt, denn obwohl der Sterbefall ohne Ankündigung und ohne Aushang abgewickelt wurde, waren einige Damen und Herren mit großen Fotoapparaten gekommen.&lt;br /&gt;
Manni und ich haben uns zwei dicke Stricke besorgt und damit kurzerhand den Durchgang zur Trauerhalle abgesperrt.&lt;br /&gt;
So ganz einfach wollte ich das Herrn Hartmann dann aber doch nicht machen und habe ihn &quot;gebeten&quot; beim Kondolenzpult stehen zu bleiben, um uns beim Aussortieren zu helfen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Tatsächlich kamen dann etwa 30 bis 35 Personen und nur bei einer Frau, einer Nachbarin, schüttelte Hartmann den Kopf und wir mussten sie bitten, draußen zu bleiben.&lt;br /&gt;
Dann ging die Tür zu und nur Manni blieb draußen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erst als die Orgel das erste Lied fertig gespielt hatte, schoben die Friedhofsmitarbeiter auf mein Zeichen den Sarg in die Halle, wo wir mit langen blauen Seidentüchern ein Meer aufgebaut hatten, auf dem der Sarg fast zu schwimmen schien.&lt;br /&gt;
Die Pfarrerin hatte sich eine sehr schöne Traueransprache ausgedacht, in die sie viele Zitate aus Kindermund eingebaut hatte und die vor allem nicht den Versuch unternahm, den frühen Tod eines so jungen Mädchens entschuldigend zu erklären.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Hartmanns hielten sich die ganze Zeit an den Händen und ihre Gesichter waren unbewegt. Ich hatte den Eindruck, daß Monika Hartmann etwas eingenommen hatte, was sicherlich keine schlechte Idee gewesen ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erst als die Totenglocke ihr fades, monotones Bimmeln in den grauen Morgen ätzte und der Sarg langsam aus der Trauerhalle geschoben wurde, sackte Frau Hartmann auf ihrem Stuhl kurz zusammen und schluchzte laut auf.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht, wie man das Ende einer solchen Trauerfeier am besten gestaltet.&lt;br /&gt;
Eine Weile bevorzugte ich die Direktabholung. Dabei wird der Sarg aus der Trauerhalle hinaus geschoben und noch im Beisein der Trauergäste in den Bestattungswagen geladen und weggefahren.&lt;br /&gt;
Es schien mir aber fast etwas zu hart zu sein, auf diese Weise von einem Angehörigen Abschied nehmen zu müssen und deshalb machten wir es dann jahrelang so, daß wir den Sarg in der Trauerhalle stehen ließen und die Leute einfach nach der Trauerfeier weggingen. Den Sarg haben wir erst später geholt.&lt;br /&gt;
Aber auch diese Variante gefiel mir irgendwann nicht mehr so richtig. Es ist nicht schön, den Verstorbenen einfach so, allein zurückzulassen und wegzugehen.&lt;br /&gt;
Also gingen wir dann zu der Variante über, daß wir den Sarg am Ende der Trauerfeier hinausschieben und so das Weggehen und das Endgültige hervorheben. Dann ist der Sarg den einen Weg gegangen und die Trauergäste gehen durch die andere Tür den anderen Weg, zurück ins Leben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am besten jedoch gefällt es mir nach wie vor, wenn man bei einer Feuerbestattung mit dem Sarg gar keine Trauerfeier macht, sondern diese erst durchführt, wenn die Urne bereits zur Verfügung steht. Dann kann man eine ganz normale Beerdigung mit der Urne machen. Während der Trauerfeier steht sie vorne, wo sonst der Sarg steht und anschließend gehen alle Trauergäste gemeinsam zum Grab und sind bei der Beisetzung dabei.&lt;br /&gt;
Das erspart den Angehörigen während und nach der Trauerfeier auch den direkten Gedanken daran, daß der Sarg mit dem Leichnam jetzt anschließend ins Feuer kommt.&lt;br /&gt;
Das ist dann schon geschehen, man weiß nicht genau wann und jetzt ist eben wie gewünscht nur noch die Asche in der Urne da.&lt;br /&gt;
Vor allem muss man bei diesem Verfahren nicht zweimal auf den Friedhof, einmal zur Sargfeier und dann nochmal zur Urnenbeisetzung.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Menschen müssen im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, daß die Zeit des Abschieds gekommen ist, aber man muss sie ja nicht ein paar Mal diesem Druck aussetzen.&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 13 Dec 2011 09:00:29 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -VII-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Das-Schwein-VII/6259</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Das Haus der Hartmanns ist verwaist. Die Rolläden sind heruntergelassen, der Briefkasten ist mit Klebeband zugeklebt. Vor dem Haus haben die stellvertretendbetroffenen Mitbürger ein hastig und pixelig aus einem Klassenfoto heraus vergrößertes Bild von Melanie aufgestellt und kleine Teddys, Blumen und Briefe von Kindern niedergelegt. Es brennen einige Kerzen, die richtigen Friedhofskerzen mit Regenschutz bleiben an, alle anderen sind, wie der ganze Rest vom seit heute herrschenden Dauerregen niedergepitscht worden.&lt;br /&gt;
Auch Herrn Röttger, den ich fälschlicherweise auch mal Röttgers genannte hatte, ist vom Regen vertrieben worden, wahrscheinlich demonstriert er jetzt in Mannheim gegen den Schienenverkehr, dort ist gestern ein 18-jähriges Mädchen von der Straßenbahn überfahren worden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Ehepaar Hartmann ist zu Mutter Hartmann in die Vorstadt gezogen, wo sie das Wohnzimmer mit der Schlafcouch zu ihrem vorübergehenden Domizil gemacht haben.&lt;br /&gt;
Die lokale Presse übt sich in Zurückhaltung und hat nur den offiziellen Pressetext der Polizei gebracht, ja man hat sogar die dummerweise darin vorkommende Formulierung &quot;Aufgefunden wurde die nackte Leiche der 14-jährigen von ihrem Vater&quot; weggelassen.&lt;br /&gt;
 Es ist, so vermute ich, allein dieser eine Satz, der zunächst einem Reporter der Boulevardzeitung die Phantasie durchgehen ließ. Aber hat man sich als Zeitung erst einmal auf eine bestimmte Richtung eingeschossen, so muß man wenigstens ein paar Tage auch so weitermachen.&lt;br /&gt;
Es ist erstaunlich, was Nachbarn immer alles wissen oder zu wissen glauben oder einfach nur glauben oder nur ahnen oder einfach nur unterstellen und das auch noch in vorauseilendem Gehorsam. Sehr bereitwillig sollen sie einem der typischen Witwenschüttler alles Mögliche gesagt und ausgehändigt haben, nur in der Hoffnung, auch mal ihre 15 Minuten Berühmtheit zu bekommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Witwenschüttler, so werden nicht nur im Journalismus, jene Leute genannt, die kurz nach einem Todesfall bei den Angehörigen, aber auch bei Unbeteiligten, auftauchen und unter Vorspiegelung von Anteilnahme aus den Befragten Informationen herausschütteln oder Gegenstände (Fotos, Nachlass etc.) in ihren Besitz bringen.&lt;br /&gt;
Bei den Journalisten wird oft die mehr oder minder versteckte Drohung ausgesprochen, daß die Zeitung, wenn man jetzt nicht mithelfe, halt irgendetwas Negatives bringen würde.&lt;br /&gt;
Auch Geld spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle, so soll einer Nachbarin, die eine Tochter im gleichen Alter hat, ein Betrag von 50 Euro gezahlt worden sein, wofür ein Presseheini ein Foto vom Zimmer dieses 14-jährigen Mädchens hat machen dürfen, welches in der nächsten Ausgabe der Zeitung abgedruckt wurde.&lt;br /&gt;
Zwar ist das nicht das Zimmer von Melanie, aber das tut nichts zur Sache.&lt;br /&gt;
Die Bildüberschrift lautete:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sexspiele im Mädchenzimmer?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;und die Bildunterschrift sagte dann:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sah so das Zimmer von Melanie H. (14) + aus?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;wobei das hier als Pluszeichen wiedergegebene Symbol in der Zeitung ein Totenkreuz war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Text zu dem Bild ist dann, wie bei solchen Zeitungen üblich, nicht dazu geeignet die angespannten Erwartungen der Leser zu befriedigen.&lt;br /&gt;
Eine Nachbarin habe von einem guten familiären Verhältnis gesprochen, das Mädchen sei regelmäßig morgens weggegangen und mittags wiedergekommen und die Eltern seien beide sehr nett.&lt;br /&gt;
Ein &quot;Hugo B., Rentner (67)&quot; soll gesagt haben, niemand könne hinter die Stirn des anderen gucken.&lt;br /&gt;
Und dann berichtet die Zeitung völlig richtig, daß die Obduktion keinerlei Hinweise auf eine Straftat ergeben habe.&lt;br /&gt;
Ja und dann stellt die Zeitung wieder nur Fragen: Was waren die Hintergründe? Gab es in der Familie H. dunkle Geheimnisse?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich hatte schon fast darauf gewartet und es wird tatsächlich wahr. Die Birnbaumer-Nüsselschweif vom Frauen- und Mütterverein der Kirche meldet sich. Glücklicherweise kommt die fette Matrone nicht persönlich vorbei, sondern ruft nur an.&lt;br /&gt;
Ob wir denn das Mädchen jetzt schon zum Friedhof gebracht hätten, will sie wissen.&lt;br /&gt;
Da müsse man was tun, das Kind müsse doch bewacht, beschützt und abgeschirmt werden und genau diesen Job würden sie und ein paar andere Betgenossinnen jetzt übernehmen.&lt;br /&gt;
Ich sage nur &quot;ja, ja&quot; und lasse sie gewähren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Denn inzwischen haben wir den Sarg vom Friedhof wieder abgeholt und auf einen anderen Friedhof gebracht.&lt;br /&gt;
Auf die Idee, daß nämlich irgendwelche Presseleute, Neugierige oder &lt;a href=&quot;http://www.scienceblogs.de/bloodnacid/2011/05/wtf-forensik-nekrophilie-reloaded.php&quot;&gt;Nekrophile&lt;/a&gt; jetzt angelockt werden könnten, sind wir nämlich auch gekommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Hartmanns werden von uns mit unserem Wagen geholt und wieder weggebracht, sie haben sich inzwischen für eine Feuerbestattung entschieden. Das war eine schwere Geburt, denn Monika Hartmann wollte das auf gar keinen Fall, Klaus Hartmann aber will vermeiden, daß es eine Märtyrer-Gedenkstelle geben wird, wie er sich ausdrückte.&lt;br /&gt;
Auch die Mutter von Herrn Hartmann hat zu einer Feuerbestattung geraten und ihre Schwiegertochter mit überredet, daß die Asche dann im neuen Baumhain auf dem Friedhof bestattet wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich halte nichts davon, daß jemand zu einer solchen Entscheidung überredet wird. Natürlich muss man oft Kompromisse finden, aber gerade wenn die Witwe oder der nächste Angehörige die ganze Zeit ein ungutes Gefühl mit einer bestimmten Entscheidung hat, könnte das nachher zu Problemen führen.&lt;br /&gt;
Vielleicht ist ja das letzte Wort noch nicht gesprochen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eigentlich wäre die Beerdigung heute gewesen; angesichts der Umstände ein sehr früher Termin. Auf manche Freigaben der Staatsanwaltschaft warten wir mehr als eine Woche. Aber bei Kindern, das habe ich schon mehrfach beobachtet, bemüht man sich, daß es schneller geht; und wie gesagt, es lag ja auch nichts vor.&lt;br /&gt;
Die Öffentlichkeit rechnet mit einer Beisetzung Anfang kommender Woche, aber ich konnte die sonst sehr schnippige, freche und zickige junge Leiterin der Ortspolizeibehörde dazu bringen, uns seitens des Friedhofsamtes eine Samstagsbeerdigung zu genehmigen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Morgen früh, wenn die anderen alle noch beim Frühstück sitzen, wird es eine Trauerfeier auf dem Friedhof geben.&lt;br /&gt;
Sollten sich die Hartmanns bis heute Abend doch noch für eine Erdbestattung entscheiden, so ist das auch kein Problem, es sind aus Witterungsgründen gerade zwei Gräber offen und mit Brettern abgedeckt.&lt;br /&gt;
Bleibt es bei der Feuerbestattung, so können wir das Mädchen zwar morgen noch zum Krematorium bringen, weil man dort seit einiger Zeit einen Samstagsdienst eingeführt hat, aber eingeäschert wird dort nicht.&lt;br /&gt;
Sollte sich aber das Ehepaar Hartmann über das Wochenende wieder anders entscheiden, müssen wir Montag schnell handeln, denn falls Melanie nicht eingeäschert werden soll, müssen wir schnell sein. Denn dadurch, daß Melanie obduziert wurde, benötigt sie keine zweite Leichenschau. Die Obduktion gilt als solche, denn dabei wurde die Todesursache ganz genau ermittelt, und nach einer Obduktion stellt sich die Frage, ob jemand eventuell doch noch lebt ohnehin nicht mehr, den Eingriff überlebt keiner...&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 09 Dec 2011 12:10:10 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -VI-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Das-Schwein-VI/6258</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Herr Röttger ist da.&lt;br /&gt;
Bislang kannte ich Herrn Röttger nicht und er gehört vermutlich auch zu den Leuten, die ich nicht kennenlernen wollte. Meine Tochter ist die Erste, die Herrn Röttger gesehen hat. Sie kommt von der Schule nach Hause und sagt: &quot;Papa, da drüben steht eine Lutzfaß-Säule mit Beinen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Litfaßsäule&quot;, berichtige ich und gehe zum Fenster.&lt;br /&gt;
Tatsächlich, auf der anderen Straßenseite steht ein mittelgroßer, etwas dicklicher Mann, der sich ein großes Plakat aus Pappe um den halben Leib geschlungen hat. Von vorne sieht es wirklich so aus, als stecke er in einer Pappröhre.&lt;br /&gt;
Von oben kann ich nicht sehen, was da mit blutroter Farbe auf der Pappe steht, also schicke ich meinen Sohn runter, um nachzusehen, ich selbst bin ja bekanntlich nicht neugierig. Der Junge kommt wieder und liefert einmal mehr den besten Beweis dafür, daß im Alter von 17 Jahren das Blut leider viel zu oft in den falschen Körperteilen steckt und gibt die Plakataufschrift wie folgt wieder:&lt;br /&gt;
&quot;Gott hat Sex gemacht, oder so.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was bleibt mir also übrig, als selbst nachzusehen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf dem Schild steht tatsächlich:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;GOTT WO WARST DU????&lt;br /&gt;
SEX IST UNMENSCHLICH!&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich gehe mal rüber und frage den etwa 40-jährigen Mann, dessen Haartracht solche fingerdicken, ungewaschenen Zotteln sind: &quot;Was machen Sie da eigentlich?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Isch broteschdiere gäge&#039; das segsuelle Mißbrauche&#039; vunn de junge Mänschheid.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aha.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er fährt dann in seinem komischen Dialekt fort, den ich mal zu übersetzen versuche:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Der Mensch ist mit einem Trieb ausgestattet und Gott lenkt diesen Trieb, aber auch Satan lenkt daran. Wir sind quasi die Schwimmer an der Angel und Gott ist der Angler und der Karpfen ist der Fisch, der uns unter Wasser ziehen will. &lt;br /&gt;
Alle Menschen haben den Trieb, die einen mehr, die anderen weniger und wenn zu viele gleichzeitig den Trieb haben, dann kann Gott nicht überall zugleich zugegen sein und quasi an der Angel ziehen und uns von der Sünde fern halten. Da wird dann schon mal der eine oder andere vom Teufel, also vom Karpfen unter Wasser  gezogen und da kommen die Schwulen her und die Nekrophilen und die Sexsüchtigen und die überfallen dann Kinder und machen andere Leute schwul.&lt;br /&gt;
Das ist ein ewiger Kampf, schon seit dem Paradies. Schon Adam und Eva hatten diesen Kampf und die haben auch nur zwei Söhne gehabt, Kain und Abel. Und was folgern wir daraus? Die müssen ja zwangsläufig auch schwulig geworden sein, wenn&#039;s doch keine Frauen gab?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja klar, aber was machen Sie jetzt hier ganz konkret?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich stehe hier und mahne.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie mahnen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jawoll, ich mahne vor zuviel Sex. Wenn es keinen Sex auf der Welt gäbe, wäre die kleine Melanie nicht tot. Ich halte Totenwache. Da wo Melanie ist, da werde ich wachen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kannten Sie das Mädchen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, sie.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nääää.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aha.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich protestiere hier gegen den Sex. Übermorgen bin ich gegen Bahnhof und nächste Woche fahr ich nach Berlin wegen der Bauern und der Subventionen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich unterhalte mich noch eine Weile mit dem durchaus nicht unsympathischen Mann, der sich mir als Heiner Röttgers vorstellt und erfahre, daß er im Grunde überhaupt nichts anderes macht, als jeden Tag in die Zeitung zu schauen, wo wieder etwas passiert ist und sich dann als Mahner hinzustellen oder an Demonstrationen teilzunehmen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gut, daß ich nicht so viel Zeit habe.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was soll ich anderes tun, als den Mann da stehen zu lassen?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am Nachmittag habe ich mit Herrn Heise gesprochen. Herr Heise ist Vorsitzender eines Gesangsvereins, der regelmäßig seine überbetagten Sterblinge durch uns bestatten lässt. Da zittern sich dann die immer weniger werdenden Tenöre mühsam durchs Ave Maria und jammern über den fehlenden Nachwuchs.&lt;br /&gt;
Herr Heise war früher aber mal Erster Kriminalhauptkommissar und tut mir gerne den Gefallen und hört mal eben telefonisch nach, was denn an der Geschichte mit Melanie dran ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schon am frühen Abend ruft er mich zurück und sagt, daß es &quot;polizeilicherseits keinerlei Erkenntnisse darüber gäbe, dass es sich nicht um einen häuslichen Unfall gehandelt habe&quot;. Auch bei der Obduktion sei nichts Auffälliges festgestellt worden und im gesamten Umfeld der Familie gebe es nichts, was auf eine Straftat hindeute, weshalb es auch kein Ermittlungsverfahren gegen den Vater oder sonstwen gebe.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Privatsender bringt am selben Abend einen Beitrag über den Fall. Von der anderen Straßenseite hat man das Haus der Hartmanns gefilmt, dann bringt man völlig zusammenhanglos Bilder von sehr reifen Mädchen &quot;oben ohne&quot; aus dem Strandbad und am Ende darf eine Nachbarin über die Familie H. sagen: &quot;Mir ist da nie etwas aufgefallen, das sind sehr nette Leute.&quot;&lt;br /&gt;
Der betroffen schauende Moderator der Sendung kommentiert: &quot;Die Menschen in G. sind fassungslos, die Ermittlungen dauern an.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenig später wird das Haus der Hartmanns mit einer Flasche Ketchup beworfen und jemand zersticht alle vier Reifen ihres Wagens.&lt;br /&gt;
Herr Röttgers war es jedenfalls nicht, der hat bis um 21 Uhr da gestanden und da war das schon passiert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am nächsten Morgen bringen wir Melanies Sarg auf den Friedhof und somit verschwindet auch Herr Röttgers, der sich nun vor den Friedhof stellt, von wo ihn der Friedhofswärter mit einem Laubrechen kurzerhand verjagt: &quot;Stell Dich woanders hin, Du Idiot! Wir wollen nicht schwul werden! Gesindel, ekliges!&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 08 Dec 2011 13:27:03 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -V-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Es ist ein Tag vergangen. Die Hartmanns sind nach dem &quot;Knall&quot; sofort nach Hause gegangen und haben uns ziemlich ratlos zurück gelassen.&lt;br /&gt;
Wir wissen ja auch nicht, was wir von der Sache halten sollen. Antonia neigt dazu, der Mann habe ein paar Mal &quot;so komisch geguckt&quot; und Männern traue sie ja sowieso alles zu. Sandy, Frau Büser und Nadine können die ganze Geschichte gar nicht glauben und regen sich über die Boulevardpresse auf, wobei Frau Büser sich ein Hintertürchen offen lässt und sagt: &quot;Man weiß ja nie, am Ende ist manchmal ja was dran.&quot;&lt;br /&gt;
Sandy hingegen ist der Auffassung, egal wie es wirklich gewesen sei, der Mann stehe jetzt Zeit seines Lebens als Kinderschänder da.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gegen 10 Uhr kommen die Hartmanns in Begleitung seiner Mutter und ihrer Schwester. Sie wollen gemeinsam in einem unserer Aufbahrungsräume am offenen Sarg Abschied von Melanie nehmen.&lt;br /&gt;
Vorher habe ich Gelegenheit, mit den Leuten zu sprechen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Ehepaar Hartmann ist fassungslos. Klaus Hartmann will Gott und die Welt verklagen, Frau Hartmann weint und jammert und es ist eine Mischung aus Wut, Verzweiflung und Scham, die ihr immer wieder auch die Zornesröte ins Gesicht treibt.&lt;br /&gt;
Anders sieht das bei der Mutter und der Schwester aus. Die Schwester, also Klaus Hartmanns Schwägerin, macht einen spitzen Mund und spricht von ihrem Schwager als &quot;dem da&quot; und &quot;der da&quot; und bittet darum, als Erste und allein zu dem Mädchen gelassen zu werden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das kommt überhaupt nicht in Frage!&quot; tönt Klaus Hartmanns Mutter in einer ganz unangenehmen, tinnitussierenden Kleinmädchen-Stimmlage. Mir verursacht diese Frequenz fast schon einen Ohrenschmalzreflux.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie zieht der anderen Frau am Ärmel und ruft: &quot;Du bist natürlich wieder die Erste, die Klaus hier benachteiligen will. Dir passt das doch alles ganz gut in den Kram, Dir geht es doch nur um die Hütte von Deinem Vater und da kommt das ja jetzt mal so richtig gelegen, daß dem Klaus da so was unterstellt wird.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, lasst mich doch alle in Ruhe! Melanie war meine Nichte und ich möchte mich in Frieden von ihr verabschieden können, aber nicht im Beisein von dem da!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Klaus Hartmann nimmt seine Frau am Arm, wirft seiner Schwägerin und seiner Mutter einen bösen Blick zu und sagt: &quot;Ihr habt doch beide einen Vogel! Hier so ein Theater zu veranstalten... Wer sind wir denn, dass wir uns so aufführen? An dem ganzen Geschmiere ist nichts dran und jetzt entschuldigt uns bitte, wir haben ein totes Kind da drinnen und von dem wollen wir jetzt Abschied nehmen. Ihr könnt mitkommen oder ihr geht später alleine nochmal zu Melanie, aber jetzt wollen wir unsere Ruhe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manni und seine Männer haben den Aufbahrungsraum schön hergerichtet und dem Mädchen einen Teddy in den Arm gelegt. Der Teddy ist aus Stroh und wir haben ihn als kleine Weihnachtsgabe von einem unserer Lieferanten bekommen. Eigentlich ist Melanie ja mit 14 schon etwas zu alt für einen Teddy, aber ich weiß von meinen Kindern, daß im Alter zwischen 13 und 19 zwei Herzen in ihrer Brust schlagen. Einerseits möchte man doch schon so erwachsen sein und andererseits würde man doch so gerne noch auf Papas Schoß sitzen und mit Playmobil spielen...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Ehepaar Hartmann und Mutter Hartmann gehen den schweren Weg gemeinsam, Schwägerin Isolde bleibt in der Halle stehen.&lt;br /&gt;
Es scheint den Leuten zu gefallen, wie Manni das alles gemacht hat. Dreißig weiße Lilien säumen den Rand des Sarges und eine grüne Girlande ist in Herzform auf der Decke ausgelegt, gefüllt mit weißen Blütenblättern.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Beim Sarg haben sich die Hartmanns dann doch für ein ganz helles, aber nicht weißes Modell entschieden und die Sargdecke und das Kissen sind zartrosa. Manni hat dem Mädchen nach einem der Fotos, die wir bekommen haben, einen Pferdeschwanz gemacht und den über ihre rechte Schulter gelegt.&lt;br /&gt;
Das Totenhemd ist schneeweiß und hat kleine Glaskristalle auf den angedeuteten Knöpfen. Am Hals und an den Handgelenken schließt es mit einer silbern durchwirkten üppigen Spitze ab.&lt;br /&gt;
Das Mädchen sieht aus wie ein Engel.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mir läuft es kalt den Rücken herunter, ich habe gestern erst Weihnachtsgeschenke für meine Kinder gekauft. Vielleicht haben die Hartmanns das vor ein paar Tagen auch schon gemacht... Ich möchte gar nicht daran denken, wie Weihnachten dieses Jahr und in den kommenden Jahren für sie werden wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Hartmanns bleiben eine gute halbe Stunde und ich verbringe die Zeit bei Isolde in der Halle.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich habe ja schon immer zu meinem Mann gesagt, daß da was nicht stimmt. Der Klaus ist ja nur noch mit der Melanie unterwegs gewesen und hat ihr jeden Wunsch erfüllt. Das Mädchen hat sich geschminkt, stellenweise wie eine Hure, und dann diese Klamotten, die er ihr gekauft hat, also wirklich, wie eine Nutte hat sie ausgesehen und ihm hat das auch noch gefallen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich schweige, was bei mir bedeutet, daß ich gar nichts sage.&lt;br /&gt;
Sandy steht dabei und schweigt auch, aber sie ist eine Frau und damit bedeutet schweigen ja nicht, gar nichts zu sagen...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wollen Sie andeuten, an dem Zeitungsdreck sei etwas dran?&quot; fragt sie.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, was weiß ich denn? Ich kann nur eins und eins zusammen zählen und sagen was ich gesehen habe. Im Sommer, meine Güte, im Sommer da hat der Klaus auf der Liege im Garten gelegen und die Melanie hat fast nichts an gehabt, als sie im Pool geplantscht hat. Nur so zwei Streifchen Stoff um die Scham und die Brustwarzen, ekelhaft! So zeigt man sich doch nicht seinem Vater! Ich habe noch gedacht, daß das höchst unanständig ist und stellen Sie sich vor, was ich dann gesehen habe. &lt;br /&gt;
Ich habe gesehen, wie der Klaus sich ein Handtuch über seinen, na Sie wissen schon, gelegt hat. Wenn Sie mich fragen, hat der eine Erektion gehabt. Das ist doch krank! Bei seiner eigenen Tochter kriegt ein Vater doch keinen Hartriegel, das ist doch pervers!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich stelle mir meine Tochter vor und denke daran, wie leicht bekleidet das Kind völlig arglos hier durchs Haus läuft. Ich freue mich darüber, daß sie langsam zur Frau wird und habe mit durchaus männlicher Freude festgestellt, daß sie Brüste entwickelt und sich auch hin und wieder überaus sexy zu kleiden und zu schminken weiß.&lt;br /&gt;
Aber ich habe in keinster Weise sexuelle Phantasien, wenn ich an die Kleine denke, die im gleichen Alter wie Melanie ist. Eher mache ich mir Gedanken darüber, was für ein dahergelaufener 15-jähriger Heckenpenner seine dreckigen Griffel sabbernd an meine schöne Kleine legen wird. Wehe!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kinder müssen erwachsen werden, aber sie haben ein Recht darauf, behütet erwachsen zu werden und den Schutz und die Hut, die muß ich ihnen bieten, da darf nicht ein Funken Misstrauen sein. Sie haben gehörigen Respekt vor mir, den ich auch einfordere; niemals mit Gewalt, niemals laut, aber durchaus intensiv.&lt;br /&gt;
Dafür können sie aber auch mit jedem Scheiß zu mir kommen und haben Rückendeckung, wobei das eine eventuelle Strafe nicht ausschließt. Und sie nutzen diese Freiheiten, sie überbeanspruchen sie auch nicht und ich bin immer wieder erstaunt, was die Kinder uns alles ganz offen erzählen.&lt;br /&gt;
Ich hätte mit meinen Eltern solche Gespräche nicht geführt.&lt;br /&gt;
Hier zu Hause ist der Ort des Friedens und des Schutzes und da kann und darf es nicht vorkommen, daß die Kinder auch noch Angst davor haben müssen, hier nackt oder leicht bekleidet zu sein zu dürfen. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich lasse Isoldes Worte unkommentiert und warte auf die Hartmanns, die kurz darauf sehr ergriffen und ziemlich fertig vom Aufbahrungsraum zurück kommen. Isolde geht wortlos an ihnen vorbei.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie haben das so schön gemacht&quot;, sagt Monika Hartmann und ihr Mann Klaus fragt: &quot;Woher wußten Sie, daß Melanie immer einen Teddy hatte?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich beantworte seine Frage nicht, denn dann hätte ich sagen müssen, daß Manni und ich auch Kinder haben und dann hätte ich wieder an meine Kinder denken müssen...&lt;br /&gt;
Stattdessen sage ich: &quot;Wenn Sie noch eigene Kuscheltiere bringen wollen...&quot;&lt;br /&gt;
Die beiden nicken und die alte Frau Hartmann kramt ihr Portemonnaie aus der Handtasche, knipst es auf und holt mit spitzen Fingern eine Euromüze heraus und drückt mir die als Trinkgeld in die Hand: &quot;Weil Sie das so schön gemacht haben&quot;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ja dann...&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 08 Dec 2011 09:21:50 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -IV-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Der nächste Tag beginnt mit einem Knall.&lt;br /&gt;
Nein, er beginnt zunächst scheinbar normal. Ich begleite Manni zum Bestattungsinstitut des Kollegen, der das 14-jährige Mädchen zum Rechtsmedizinischen Institut gebracht und nach der Obduktion mit der Freigabe von dort auch wieder abgeholt hatte.&lt;br /&gt;
Ich kann nichts Negatives über diesen Kollegen sagen, er arbeitet ordentlich, aber ich vermisse immer ein wenig die Herzlichkeit und so gestaltet sich die Herausgabe des Mädchens wie das Übergeben eines Versandpackstücks am Verladebahnhof.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie ist in ein weißes Tuch gehüllt, wir heben sie mit dem Tuch in unseren Transportsarg und fahren sie zu uns. Während ich nach dem Ausladen den Bestattungswagen in der Tiefgarage noch für den nächsten Einsatz fertig mache, bringt Manni das Mädchen in unseren Behandlungsraum.&lt;br /&gt;
 Dann stehen wir da und keiner von uns will so recht ran...&lt;br /&gt;
Ich fasse einen Zipfel des Tuches und ziehe es von der Verstorbenen. Mein erster Gedanke ist: &quot;Gut, die sieht ja nicht schlimm aus.&quot;&lt;br /&gt;
Bei einer Obduktion werden alle drei Körperhöhlen geöffnet, Bauchraum, Brustraum und Kopf. Während man die Naht die von den beiden Schultern über die Brust bis hinunter an den Schambereich geht, heute meist mit Klammern ordentlich wieder verschließt und dieser Bereich ja später auch von der Leichenbekleidung verdeckt ist, hat man beim Kopf manchmal recht unschöne Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Oft kann man dann keine offene Aufbahrung mehr machen.&lt;br /&gt;
Hier ist aber alles ordentlich gemacht worden, das Kind liegt da, so als ob es nur schlafe. Da kann man guten Gewissens auch eine offene Aufbahrung ins Auge fassen. Ich werde das den Eltern später vorschlagen, aber die Aufbahrung soll bei uns sein, nicht auf dem Friedhof. Wenn so junge Mädchen auf dem Friedhof liegen, wo dann doch keiner so richtig schaut, wer da alles während der Öffnungszeiten die Aufgebahrten besucht, da kommen dann doch viele einfach auch nur zum Gaffen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich nicke Manni zu, er richtet schon die Utensilien her, die er benötigen wird, um die Kleine herzurichten.&lt;br /&gt;
Mit dem Aufzug fahre ich nach oben und dann kommt er, der Knall.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oben kommt mir Frau Büser entgegen und wedelt mit einem Boulevardblatt. Gleichzeitig betreten Monika und Klaus Hartmann unser Bestattungshaus und ich sehe vorne auf dem Tittelblatt die Schlagzeile: &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&quot;Mädchen (14) tot, Vater unter Sexverdacht?&quot;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Darunter ist sind Fotos zu sehen. Ein Foto zeigt die Bestattungshelfer meines Kollegen, wie sie die Trage mit der Verstorbenen vom Sterbehaus abtransportieren und ein anderes Bild zeigt das Ehepaar Hartmann mit schwarzen Balken vor den Augen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Einige Minuten später haben wir folgendes Bild:&lt;br /&gt;
Frau Hartmann sitzt in einem Beratungszimmer und heult, Frau Büser kümmert sich um sie. Herr Hartmann hat kurz auf die Zeitung geschaut, dann wurde er leichenblass und ist in Richtung der Toiletten verschwunden, wo er, wie er später wörtlich sagte, sich vor Schreck die Seele aus dem Leib geschissen hat und ich sitze mit der Zeitung in meinem Büro und lese einen unerträglichen Wust aus unbewiesenen, vagen Unterstellungen, Mutmaßungen und Hörensagen. Nichts davon behauptet irgendetwas, nichts davon beschreibt Tatsachen, alles sind nur geschickt formulierte Fragen, die im Kopf des Lesers genau das erzeugen, was sie erzeugen sollen: sensationsgeile Neugierde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine Nachbarin soll gesagt haben, Vater und Tochter seien immer sehr vertraut miteinander gewesen und oft alleine zusammen weggegangen. Ein andere Nachbarin hat gesagt, im Sommer sei das Mädchen &quot;mit dem fraulichen und reifen Körperbau&quot; oft leicht bekleidet im kleinen Plastikpool herumgesprungen, während der Vater auf der Liege gelegen und ihr zugeschaut habe. Eine Lehrerin des Mädchen hat davon gesprochen, daß es manchmal sehr verschlossen und verstört gewirkt habe.&lt;br /&gt;
Ja, ja, das alles richtig verquirlt und einfach so, zusammenhanglos in den Raum gestellt, und dan noch diese Frage als Überschrift...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie kommen die an unser Foto?&quot; ist das Erste, was Klaus Hartmann mich fragt, als er wieder von der Toilette zurückkommt. Ich weiß es auch nicht.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 06 Dec 2011 13:32:00 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -III-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Gott sei Dank ist es nicht so, wie Frau Büser gemeint hatte. Frau Hartmann hat &quot;nur&quot; einen Nervenzusammenbruch erlitten und ist ohnmächtig.&lt;br /&gt;
Gleich drei Sachen in einem Satz...&lt;br /&gt;
Ich sage nie &quot;Gott sei Dank&quot;, zumindest versuche ich es, Gott nicht in Alltagsfloskeln zu bemühen, wenngleich ich die Formulierung &quot;Grüß Gott&quot; als sehr tauglich finde, vor allem für Bestatter, denn damit kann man den &quot;Guten Tag&quot; recht gut umschiffen. Nebenbei bemerkt: Wer heute noch auf den Gruß &quot;Grüß Gott&quot; mit &quot;Wenn ich ihn seh&#039;&quot; antwortet, der ist nicht nur doof, sondern ultraplusdoof.&lt;br /&gt;
Zweite Sache: Ich weiß gar nicht so genau, was jeweils unter einem Nervenzusammenbruch zu verstehen sein soll. Manche bekommen einen Weinkrampf und sprechen dann davon einen Nervenzusammenbruch erlitten zu haben, andere fallen fast ins Koma. &lt;br /&gt;
Und &quot;ohnmächtig&quot;..., ich hatte mal eine Freundin, deren Mutter wurde bei jedem dritten Wort &quot;ohnmächtig&quot;, vor allem wenn es derbe Worte waren. Zuerst war ich ziemlich erschrocken und beeindruckt, wenn sie sich mit verdrehten Augen in ihren Sessel fallen ließ und mit geschlossenen Augen schwer atmete und &quot;ohnmächtig&quot; war. Jeder, vor allem aber ihr Mann, rannte dann und tat irgendetwas, um die Frau wieder auf die Beine zu bringen, ein Glas Wasser, ein leichtes Tätscheln... Ich habe das aber sehr schnell durchschaut, waren doch diese Ohnmachtsattacken nichts anderes, als der permanente Versuch, immer im Mittelpunkt zu stehen. Ich habe das dann für meine Zwecke genutzt und immer dann, wenn die Alte mir mal wieder fürchterlich auf den Sack ging, irgendetwas Unflätiges gesagt und sie ins Nirwana geschickt, da hielt sie dann wenigstens die Klappe.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Einmal ist die bösartige Kuh mir so auf den Senkel gegangen und hat mich und meine Freundin wieder so beleidigt und herabgewürdigt, da habe ich sie dann auch &quot;schlafen gelegt&quot;. Ihr Mann, der gerade die Hände voll hatte, rief nur: &quot;Macht doch was, macht doch irgendwas!&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ja was denn?&quot; habe ich gefragt.&lt;br /&gt;
&quot;Leicht auf die Wange tätscheln!&quot; rief er und das habe ich dann auch gemacht. Gut, ich habe ordentlich ausgeholt und es hat auch richtig ordentlich geklatscht, aber es sollte ja auch helfen, oder?&lt;br /&gt;
Immerhin hatte sie zwei Tage lang meine Finger im Gesicht abgebildet und ist seitdem in meinem Beisein kein einziges Mal mehr in Ohnmacht gefallen.&lt;br /&gt;
Alles ist für irgendwas gut.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die junge Frau Hartmann ist aber wirklich ohnmächtig und liegt in der Halle zwischen Couch und Tisch in einer so merkwürdig verrenkten Körperhaltung, daß ich es Frau Büser nicht verdenken kann, dass sie sie für tot gehalten hat.&lt;br /&gt;
So legt man sich nicht hin, so kann man nur, ohne Kontrolle über seine Gliedmaßen zu haben, hinfallen.&lt;br /&gt;
Mit vereinten Kräften gelingt es uns, die Frau aufzurichten und auf die Couch zu legen und dann folgt das, was ich noch von der Beinahe-Schwiegermutter kannte, ein Glas Wasser, leichtes Tätscheln, keine Ohrfeige...&lt;br /&gt;
Langsam kommt Frau Hartmann wieder zu sich und fängt sofort wieder an zu weinen, es ist einfach alles zu viel für sie.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sandy und Antonia kümmern sich um Frau Hartmann und ich halte es für besser, die weiteren notwendigen Dinge mit ihrem Mann zu besprechen. Dem geht es auch nicht besser, nur äußert sich das bei ihm anders. Er agiert wie eine Marionette, sein Blick ist manchmal leer, ich muß ihm manches mehrmals sagen, häufiger mal nachfragen, immer wieder seine Konzentration bündeln.&lt;br /&gt;
So wie ihm geht es vielen Hinterbliebenen, wenn vielleicht auch nicht so heftig und so offensichtlich.&lt;br /&gt;
Aber das ist der Grund, weshalb gute Bestatter sich der Maxime verschrieben haben, nie etwas zu tun, was diesen Zustand, der fast die freie Willensbildung ausschließt, für schlechte Zwecke auszunutzen.&lt;br /&gt;
Und das ist wichtig.&lt;br /&gt;
Natürlich kennen wir alle diese Geschichten vom bösen Bestatter, der einem alten Mütterlein einen viel zu teuren Sarg angedreht haben soll und der die Bestattung am Ende hat doppelt so teuer werden lassen, wie es ursprünglich vereinbart war.&lt;br /&gt;
Ja, solche Bestatter gibt es. Aber hat von meinen Lesern schon einmal jemand einen Handwerker beauftragt oder sein Auto zur Reparatur gebracht? Ich zumindest habe dort noch nie den vorher genannten Betrag bezahlen müssen, es war immer viel, viel teurer...&lt;br /&gt;
Dennoch: Oft sind die Menschen einfach so &quot;durch den Wind&quot;, daß sie gar nicht mehr abschätzen können, was da besprochen wird und was da auf sie zu kommt. Es werden im Beratungsgespräch beim Bestatter so viele Einzelentscheidungen getroffen, daß vielen auch am Ende die Summe der Konsequenzen und Zahlen nicht mehr bewusst ist.&lt;br /&gt;
Das große Erwachen kommt erst mit dem großen Erwachen. Das klingt merkwürdig, ist aber so. Das große Erwachen kommt erst mit dem Tag der Beerdigung oder Trauerfeier, wenn der große Trubel vorbei ist und man langsam wieder klar denken kann. Dann kommt auch die Rechnung vom Bestatter und dann sind die Leute oft erstaunt über das, was da alles berechnet wird. Vieles haben sie in der Besprechung gar nicht richtig wahrgenommen und die mitgegebene Auftragsabschrift haben sie zusammengeknickt zu ihren Unterlagen gelegt...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Herr Hartmann würde alles abnicken, was ich ihm vorschlage. Aber ich will mit ihm nur die dringendsten Notwendigkeiten besprechen, damit wir das Kind überführen können und den Rest können wir morgen besprechen.&lt;br /&gt;
Einen weißen Sarg will er gar nicht, es soll etwas Besonderes sein, nicht so altdeutsch rustikal.&lt;br /&gt;
Gut, ich vertage auch das auf den nächsten Tag.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Antonia läuft noch ein Stück mit den Hartmanns und ich sitze nachdenklich in meinem Büro. Das Bild, das meine Kinder zeigt und das auf meinem Schreibtisch steht, das habe ich flach hingelegt, ich kann das jetzt nicht anschauen.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 06 Dec 2011 12:47:00 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein -II-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Hartmann heißen die Leute, Klaus und Monika Hartmann. Beide sind, wie ich ihren Ausweisen entnehme, doch schon Ende Dreißig. Er ist Ingenieur, sie betreibt im Keller ihres Einfamilienhauses ein Kosmetikstudio.&lt;br /&gt;
Die gemeinsame Tochter Melanie ist in der Badewanne ertrunken. Da die Todesursache ungeklärt ist, haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet und die Leiche des Mädchens zur Obduktion beschlagnahmt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie muss ausgerutscht sein, da war ja Blut, sie hat sich den Kopf angeschlagen, ist bewußtlos geworden und ertrunken&quot;, sagt Klaus Hartmann mit tonloser Stimme und drückt seine schluchzende Frau an sich. &quot;Wir waren nur eine halbe Stunde weg. Ich bin von der Arbeit gekommen, meine Frau wartete schon auf mich, weil ihr das mit den Getränkekisten immer zu schwer ist, und dann sind wir gleich zum Supermarkt gefahren. Mit zwei Autos, weil ich anschließend noch in den Baumarkt wollte. Ich habe meiner Frau dann erst bei den Getränken geholfen und dann ist sie in den Supermarkt gegangen und ich bin zum Baumarkt.&lt;br /&gt;
Melanie war alleine zu Hause und wollte sich fertig machen, weil sie später noch mit einer Freundin auf einen Geburtstag wollte.&lt;br /&gt;
Als ich wieder nach Hause kam...&quot;&lt;br /&gt;
Die Stimme des Mannes stockt, er schluckt die Tränen stumm in sich hinein. Monika Hartmann ist aufgestanden und hinaus gegangen, sie kann es nicht mehr mit anhören, wie ihr Mann in scheinbar nüchternem Ton die Ereignisse schildert, die sich am späten Nachmittag des Vortags abgespielt haben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Meine Bürodame Frau Büser ist inzwischen gekommen und steckt ihren Kopf zur Tür hinein, begrüßt uns kurz und fragt, ob irgendetwas benötigt wird. Ich gebe ihr ein Zeichen und sage ihr, daß sie sich um die junge Frau kümmern soll, die vermutlich irgendwo in der Halle sitzt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Klaus Hartmann seufzt und sagt: &quot;Das ist alles ein bißchen zu viel für meine Frau. Sie wird damit nicht fertig. Unsere Melanie!&quot;&lt;br /&gt;
Er weint und ich drücke seine Hand. Männer tun sich ja immer so schwer, sich gegenseitig ihre Gefühle zu zeigen.&lt;br /&gt;
Dann fasst er sich wieder, schnieft in das Papiertuch, das ich ihm gereicht habe und fährt fort: &quot;Stellen Sie sich vor, ich komme vor meiner Frau nach Hause, im ganzen Haus läuft in voller Lautstärke Musik und ich brülle noch nach oben, daß Melanie die Musik gefälligst leiser machen soll. Sie macht immer so laut Musik, wenn wir nicht da sind. Aber die hat sich nicht gerührt. Ich bin dann hoch, ich war schon auf Hundert, weil die wieder nicht hört. Das ist das Schlimmste an pubertierenden Mädchen, die ignorieren einen einfach. Da kannst Du rufen, da kannst Du brüllen, Du kannst es ihnen leise sagen, vernünftig mit ihnen sprechen, kannst ihnen drohen, alles egal. Die nicken das ab, denken sich vermutlich &#039;Laber Du doch ruhig, Alter&#039; und dann machen sie nichts, gar nichts. Das geht zum einen Ohr rein und zum anderen raus.&lt;br /&gt;
So hab ich gedacht, daß das gestern auch so wäre und bin hoch und dann erst in Melanies Zimmer und die Anlage runterdrehen, dann ins Bad und da lag sie dann unter Wasser. Fürchterlich, ganz weiß, ganz weiß, ganz...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Mann stockt kurz, schnäuzt sich nochmals ins Taschentuch und erzählt weiter: &quot;Das Wasser lief noch und das Allerschlimmste war, daß es eiskalt war. Die Heizung gibt immer so viel warmes Wasser, wie man für ein gutes Wannenbad braucht, dann kommt erstmal nur noch kaltes Wasser und da lag sie im eiskalten, glasklaren Wasser mit ein bißchen Schaum und das Wasser lief und lief und ging durch den Überlauf ab.&lt;br /&gt;
Ich hab&#039;s dann abgedreht und erst mal in die Ecke neben&#039;s Klo gekotzt.&lt;br /&gt;
Da kommst Du Dir vor, wie in einem Film, in den Du rein geraten bist, aber in den Du nicht rein gehörst. Das kann doch alles gar nicht wahr sein, habe ich gedacht, da wirste gleich wach und alles war nur irgendwie ein Traum oder so.&lt;br /&gt;
Alles war so surreal! Mir kam das Licht im Bad so grell vor. Dann hab ich Melanie sofort, das ging ja alles innerhalb von Sekunden, dann hab ich sie sofort aus dem Wasser gerissen und dann? Was macht man dann? Wissen Sie das?&lt;br /&gt;
Im Fernsehen beatmen die die immer nur ein bißchen und dann hustet derjenige einmal kurz ein bißchen Wasser aus und ist sofort wieder bei Besinnung. &lt;br /&gt;
Ich hatte meine letzte Schulung in Erster Hilfe beim Führerschein und da kamen ertrunkene Kinder nicht vor.&lt;br /&gt;
Ich hab dann ihre Füsse hochgehoben, weil ich dachte, das Wasser würde dann rauslaufen. Da kam auch Wasser, aber die blieb leblos, die hat sich nicht mehr gerührt, die lag einfach nur mit weit offenen Augen da. So nass, so kalt, so ohne Leben...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich hab dann begriffen, daß man da nichts mehr machen kann, mir war das sofort klar in diesem Moment. Die Feuerwehr hab ich angerufen. Glauben Sie, daß ich so aufgeregt war, daß ich nicht einmal mehr die Nummer vom Notruf wusste? Ich hab vorne auf dem Telefonbuch nachsehen müssen, so fertig war ich.&lt;br /&gt;
Und die stellen einem dann noch tausendmillionen Fragen. Aber schließlich ist dann doch der Rettungswagen gekommen, eine Notärztin, ein Haufen Sanitäter und schließlich auch die Polizei.&lt;br /&gt;
Und mittendrin in dem ganzen Trubel kam dann meine Frau nach Hause.&lt;br /&gt;
Das können Sie sich nicht vorstellen, ehrlich nicht! Die ist voll durchgedreht und zu dritt haben&#039;se die festhalten müssen, als Melanie in den Kunststoffsarg da gelegt wurde. Im Bad war ja kein Platz, da haben die Melanie so rausgetragen, so nackt wie sie war und im Gang in diese Plastikwanne gelegt und abtransportiert.&lt;br /&gt;
Über eine Stunde hat das gedauert, bis die sie weggebracht haben. Wie viele Fotos die gemacht haben und wie viele Leute da in unserem Haus waren... Fürchterlich! Ehrlich, fürchterlich!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Melanie sei dann von einem Leichenwagen abtransportiert worden und anhand der Beschreibung erkenne ich, daß es sich um den Wagen des Bestatterkollegens handelt, der immer vertragsgemäß die Transporte in das Rechtsmedizinische Institut vornimmt. Mit ihm werde ich keinen Ärger haben, er ist auf diese Transporte spezialisiert und schachert nicht um die Verstorbenen.&lt;br /&gt;
Anders ist das, wenn einer der vielen Bestatter, die ab und zu mal den so genannten Polizeidienst machen, einen nächtlichen Transport durchgeführt hat und die Angehörigen dann am nächsten Morgen zu einem anderen Bestatter gehen. Da tut sich der erste manchmal schwer, einzusehen, daß er nun den Verstorbenen wieder hergeben muss und keinen Bestattungsauftrag bekommen wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sagte ich schon, daß dies ein schlechter Tag ist?&lt;br /&gt;
Frau Büser kommt leichenblass ins Beratungszimmer gestürmt, so kenne ich sie gar nicht, und winkt mir hektisch von der Tür aus zu.&lt;br /&gt;
Ich stehe schnell auf, gehe zu ihr uns sie flüstert mir zu: &quot;Die Frau liegt vorne in der Halle und kriegt keine Luft mehr, ich glaube, die hat irgendwas genommen.&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 06 Dec 2011 11:46:00 +0100</pubDate>
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    <title>Das Schwein </title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Es ist mal wieder so ein Tag, von dem man es sich wünschen würde, er wäre im Kalender einfach übersprungen worden. Meine Frau ist grummelig und motzig, findet mal wieder alles Mist und ich bin natürlich Schuld an allem, am Vietnamkrieg, an der Ermordung John F. Kennedys und selbstverständlich auch an dem was immer ihr jetzt auch über die Leber gelaust sein mag.&lt;br /&gt;
Da fällt das Kaffeetrinken eben nur sehr kurz aus und ich flüchte mich viel früher als sonst ins Büro. &lt;br /&gt;
Alle Lichter einschalten, Kaffee für alle vorbereiten, die ganzen Rechner hochfahren und die Kopierer und Drucker bereit machen; ich hätte auch die Klos geputzt, Hauptsache dem nörgelnden Weibe geflohen...&lt;br /&gt;
Ach ja, die Zeitung noch reinholen und draußen kotzt mich wabbernder Nebel an, man kann fast nicht bis zur anderen Straßenseite sehen.&lt;br /&gt;
Und obwohl es noch so früh und bis auf die lächerlichen Funzeln, die man heute so als Straßenlaterne verwendet, stockfinster ist, sehe ich auf der anderen Straßenseite Leute stehen.&lt;br /&gt;
Als ich zu ihnen rübersehe, setzen sie sich in Bewegung und kommen auf mich zu. Ich grüße, sie grüßen zurück und fragen: &quot;Haben Sie jetzt auf?&quot; Ein Bestatter hat immer &quot;auf&quot;. Auch wenn niemand im Büro ist, es ist immer jemand erreichbar, davon lebt der Bestatter ja schließlich. Früher war das ein richtiges Problem, weil man niemals weg konnte, einer musste immer am Telefon bleiben und es konnte sich der Bestatter glücklich schätzen, der eine alte Oma hatte, die das Telefon hütete.&lt;br /&gt;
Mit der Einführung der verschiedenen Piepser, Rufumleitungen und zuletzt der Handys ist das alles sehr viel besser und einfacher geworden.&lt;br /&gt;
Da kann ich in der finnisch-rätoromanischen Sauna liegen und kein Anrufer bekommt etwas davon mit.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber ja, wir haben geöffnet&quot;, sage ich und trete vor der geöffneten Tür etwas beiseite, damit die Leute eintreten können.&lt;br /&gt;
Es ist ein Paar, ein Mann und eine Frau, er vielleicht so Mitte Dreißig, sie so Ende Zwanzig. Gut angezogen sind sie und sie riechen auch gut.&lt;br /&gt;
Ich deute auf die Couch in der Eingangshalle und sage: &quot;Setzen Sie sich doch bitte, ich bin gleich bei Ihnen. Möchten Sie Kaffee oder so was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ja, sie möchten Kaffee, einmal schwarz und einmal mit Milch und Zucker.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Zeitung werfe ich in meinem Zimmer auf den Schreibtisch und gehe in das Beratungszimmer mit den englischen Möbeln. Schönes dunkles Holz, grünes Leder, dicke Teppiche und eine Kaminimitation, ein großer dunkler Tisch mit krummen Beinen und die passenden Sessel und Stühle dazu. Von der Wand schauen zwei Ahnen in Öl streng herab und ich frage mich seit Jahren, wessen Ahnen es wohl sein mögen, ich habe die Bilder mal auf einer Auktion günstig ersteigert, weil sie mir gut ins englische Zimmer zu passen schienen und das tun sie auch.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schnell habe ich ein Tablett mit Kaffee, Tassen, Milch, Zucker und Gebäck gerichtet und hole die beiden Leute in der Halle ab.&lt;br /&gt;
Dann sitzen wir uns im Kaminzimmer gegenüber und ich schaue sie erwartungsvoll an.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Melanie ist tot&quot;, sagt die Frau und ihr Mann legt ihr seine Hand auf ihre Hand, drückt sie etwas und dann spricht er: &quot;Unsere Tochter, vierzehn Jahre alt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich sagte ja bereits, es war ein Tag, der im Kalender besser übersprungen worden wäre.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 06 Dec 2011 10:45:00 +0100</pubDate>
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    <title>Allerwertester</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Allerwertester/6174</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Der Nachbar von hinten, Herr Oberstudienrat Nasweis-Lästig, hat Besuch aus Holland. Der Mann heißt van Draaten oder so. Vorhin komme ich auf den Hof gefahren, steige aus dem Wagen und sehe im Augenwinkel, daß bei Nasweis-Lästig jemand am Zaun steht, es ist eben jener Holländer. &lt;br /&gt;
Der lupft ganz höflich seinen Hut, nickt mir freundlich zu und will mir auf Deutsch ein paar nette Worte sagen.&lt;br /&gt;
Er sagt: &quot;Ihrem Allerwertesten ein gutes Befinden, mein Herr!&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Mon, 17 Oct 2011 16:22:13 +0200</pubDate>
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    <title>Der mit dem Bademantel</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Am Wochenende wollte ich eine Videoaufnahme an einem öffentlichen Platz machen.&lt;br /&gt;
Es ist frühmorgens, ich baue gerade das Stativ auf, da kommt von halblinkssüdsüdwest ein Mann in Pantoffeln und Bademantel hergelaufen. So zwei, drei Meter entfernt bleibt er stehen, schlägt sich frierend die Arme um den Oberkörper und hüpft dabei von einem Bein aufs andere, um seinen Kreislauf in Schwung zu bringen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie da! Dürfen Sie das überhaupt?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, so&#039;n Ding da aufbauen. Sind Sie von Google, dann sind Sie sowieso verboten. Sie sind doch bestimmt vom Internet... ist sowieso alles verbotener Schweinkram.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, wir sind nicht vom Internet und wir dürfen das.&quot; &quot;Dann zeigen&#039;se mir mal die Genehmigung! Sie haben doch eine Genehmigung, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was? Sie haben keine Erlaubnis? Dann ruf ich jetzt die Polizei.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Weswegen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na ja, Sie können doch hier nicht einfach filmen. Das ist hier ein öffentlicher Platz mit einem Baudenkmal. Wenn das jeder machen wollte, wo kämen wir denn da hin?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und warum sollte man das nicht dürfen? Wir machen doch nichts kaputt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hm, aber die Schwarzhaarige da mit den langen Beinen und den Netzstrümpfen, die zieht sich doch bestimmt gleich aus.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Unser Fräulein Sandy? Nö, die zieht sich bestimmt nicht aus.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sandy mischt sich ein: &quot;Und außerdem sind das Leggins mit aufgedrucktem Netzstrumpfmuster. Mir ist so schon kalt genug, da werde ich mich bestimmt nicht auch noch ausziehen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Alte gibt keine Ruhe: &quot;Wie? Sie ziehen sich nicht aus? Ja, wer zieht sich denn dann aus?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich blicke mich um, schaue auf Sandy, auf den dicken Matthias mit der Tonangel und die etwa 60jährige Jutta, die den Lichtreflektor hält, dann zucke ich mit den Achseln und sage:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Keiner. Es zieht sich keiner aus.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja und wie wollen Sie dann einen Porno drehen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was? Wir drehen doch keinen Porno.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nicht? Ja, dann kann ich ja wieder ins Bett gehen.&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Mon, 10 Oct 2011 09:45:10 +0200</pubDate>
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    <title>Der Tod ist eine gute Erfindung der Natur. Er schafft Platz für Neues.  </title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Der-Tod-ist-eine-gute-Erfindung-der-Natur.-Er-schafft-Platz-fuer-Neues./6155</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Da schreibt mir jemand heute Morgen seinen Schmerz und seine Erleichterung. Ich darf es mit Euch teilen:&lt;/p&gt;&lt;blockquote&gt;Jetzt ist der Opa weg. &lt;p&gt;Gestern haben wir meinen Vater in die geschlossene Abteilung der Nervenklinik gebracht. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Obwohl wir alle schon seit Jahren leiden, ist das doch ein Akt. Seinen eigenen Vater da abzuliefern. Mitbekommen, wie er beim Blutabnehmen die Nadel rausreißt und dann das ganze Blut umherspritzt. Schreit. Festgebundenwerden muss...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber wir konnten nicht mehr. Insbesondere meine Mutter hat vollkommen ihr Leben nur noch für ihn gelebt. Grau ist sie geworden, verbraucht, abgemagert. Kein Wunder ohne Schlaf. Ich bewundere sie, dass sie noch so viel Humor hatte. Ich wäre schon - und war es teilweise - am Ende meiner Nerven. Mein hoher Blutdruck kommt nicht von ungefähr. &lt;/blockquote&gt; &lt;blockquote&gt;Wenn ich mit meiner Tochter Rechnen übe, dann denke ich: das hat dir dein Vater beigebracht. Und oft sehe ich noch die Urkunden, wo unser Betrieb für besondere Leistungen prämiert wurde. Das hat er alles geleistet. Und das Haus gebaut. Die Renovierung. 700.000 Mark Schulden damals. Alles abbezahlt. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nur hat er es versäumt, rechtzeitig Platz zu machen. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und dann wieder wird mir klar, dass er das alles erst in Angriff genommen hatte, als *sein eigener* Vater bereits weg, gestorben, war. 1975 starb mein Opa. 1977 ging das große Renovieren los. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Tod ist eine gute Erfindung der Natur. Er schafft Platz für Neues. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Hört sich das zynisch an? Das ist es auch. Es ist meine Art, damit fertig zu werden. Andere ergeben sich in Trauer, viele suchen Kontakt zu Freunden, ich muss alles immer rationalisieren. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Demenz ist eine Erkrankung, bei der kein richtiger Abschied mehr möglich ist. Der Mann, der mein Vater war, ist schon lange nicht mehr hier. Davongeschlichen hat er sich, oder besser, wurde er durch die Krankheit. Die Persönlichkeit ist fast völlig verschwunden. Zurückgeblieben ist ein ängstlicher, sturer, manchmal bösartiger Mensch, der mit meinem Vater nicht mal mehr äußerlich viel gemeinsam hat. Mich erkennt er nicht mal mehr. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gestern also. Wie schnell es dann ging, hat uns selber überrascht. Es scheint da ein paar magische Worte zu geben, die Ärzte in Bewegung setzen. &quot;Er hatte ein Messer in der Hand&quot; ist wohl ein wichtiges. Das stimmt übrigens, wir hatten schon richtig Angst, oder besser, Sorge, dass da etwas passieren könnte. Vielleicht wollte er nur Kuchen schneiden. Oder aber den Nachbarn an die Gurgel, der meiner Mutter zum Geburtstag gratuliert und sie dabei in den Arm genommen hatte. Man weiß halt nicht mehr, was im Restgehirn vor sich geht. Längst lebt er in seiner eigenen Welt (aber tun wir das nicht alle?). &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma ist dann im Krankentransporter mitgefahren, der ihn in die 30 km entfernte Stadt gebracht hat. Als dann meine Tochter von der Schule kam, haben wir auf den Anruf gewartet. Ich hatte schon die Befürchtung (und ja, es war eine Befürchtung), dass Oma mit dem Taxi kommt und der Opa wieder hinten drin sitzt. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch diesmal hat sie es durchgezogen. Also ist er nun in der Stadt in einem Stadtteil, verwinkelt, klein, viele enge Gassen und eine schöne Gegend, um alt zu werden. Dementsprechend viele Alters- und Pflegeheime dort. Dort kann mein Vater, wenn er denn mal mit Medikamenten ruhig gestellt ist, noch ein paar schöne Jahre verleben. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dann haben wir Oma abgeholt. Sichtlich abgekämpft von dem ganzen Theater, hat sie sich ohne große Abschiedszeremonie von ihm gelöst und steigt bei mir ins Auto ein. &quot;Blöde Fahrerei&quot;, meint sie noch, als wir Berg rauf, runter und durch die engen Gassen fahren. Als wir dann endlich auf der Autobahn Richtung Heimat steuern, fragt sie verhalten: &quot;Meinst du, wir könnten noch am Supermarkt halten? Ich brauch noch Waschmittel. &quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Seit Monaten war sie nicht mehr so glücklich beim Einkaufen. Ich glaube, sie lebt jetzt wieder auf. &lt;br /&gt;
&lt;/blockquote&gt;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 07 Oct 2011 10:59:16 +0200</pubDate>
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    <title>Jutta!</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;&quot;Sie da! Fahren Sie da sofort weg! Sie stehen mit Ihrem Karren direkt vor meinem Carport!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie da, das bin ich und der Karren ist unser Bestattungswagen; und er steht tatsächlich am Straßenrand von Haus Nummer 2 und die offene Klappe ragt in die Einfahrt zum Carport des Hauses Nummer 4.&lt;br /&gt;
Wir haben aber anderswo keinen Platz zum Parken. Es ist eine der typischen modernen Reihenhaussiedlungen, kein Haus breiter als 5 Meter und innen, dank der tollen Isolierung noch viel schmaler.&lt;br /&gt;
Vor jedem Haus parken zwei Autos, ein Van für den Vati und irgendeine kleine fernöstliche Petroleumbeule für die Mutti. In der ganzen Straße immer schön abwechselnd: Geländewagen, Smart, Van, Mini, 5er BMW, Fiat 500 usw.&lt;br /&gt;
Nur die Eckgründstücke haben einen Carport und vor einem dieser Carports stehen wir. Der kleine Mann ist etwa 70 Jahre alt, an sich spindeldürr, nur ein Spitzbauch reckt sich unter der schmalen Brust. Der Mann trägt eine Cordhose, Hosenträger über Feingeripptem und karierte Filzpantoffeln. Seine etwas wirre Resthaarpracht deutet darauf hin, daß er schon Kontakt zur Couch gehabt haben muss. &lt;br /&gt;
Es ist ja auch schon halb neun abends, da bieten ja das Erste und das ZDF durchgängige Rentnerverblödung mit Musik.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Weg da! Sofort weg da!&quot; ruft das Männchen und fuchtelt mit den Armen herum.&lt;br /&gt;
Seine Handbewegungen sollen die Grenzen seines Grundstücks andeuten: &quot;Hier ist alles meins, da dürfen Sie nicht parken.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich darf&quot;, sage ich, lächele ihn freundlich an und sage mit besänftigendem Ton in der Stimme: &quot;Nun regen Sie sich doch nicht auf, wir sind doch gleich wieder weg und sehen Sie mal, mein Kollege hat unsere Fahrtrage schon ausgeladen und jetzt macht er die Klappe zu und Sie können in Ihren Carport fahren.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich will ja gar nicht in den Carport fahren, mein Wagen steht drüben in der Garage.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Warum regen Sie sich dann so auf? Nur weil wir vor einem leeren Carport stehen? Eigentlich mehr neben dem Carport?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist ganz egal, das hier ist mein Grund und Boden, ich habe auch für den Gehweg und den Straßenbelag zahlen müssen und da stellt sich keiner hin.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist eine öffentliche Straße und da dürfen wir parken. Wir sind doch gleich wieder weg.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dann ruf ich jetzt die Polizei! Geben Sie mir sofort ihre Personalien!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch, das müssen Sie, sonst hole ich Zeugen, das ist dann nämlich Flucht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, Sie flüchten ja vor einer Straftat, das ist Hausfriedensbruch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber Ihr Haus interessiert mich doch gar nicht. Wir wollen da drüben in das Haus.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nix da! Sie fahren da jetzt weg, sonst ruf ich!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dann rufen Sie eben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Juttaaaaaahaaaaa! Juttaaaa! Jutta? Jutta, kommst Du mal eben!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nichts tut sich und ich winke Manni zu, wir überqueren die Straße und betreten das Haus gegenüber.&lt;br /&gt;
Dort geht alles sehr schnell. Die alte, demenzkranke Oma ist nachmittags verstorben und die Familie war bereits bei uns im Büro. Die Oma sollen wir erst abends abholen, wenn alle Abschied genommen haben, hieß es, und so haben wir es auch gemacht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als wir mit der beladenen Trage wieder zum Auto kommen, hat der kleine Mann, der sich inzwischen ein schwarzes, speckiges Cordhütchen aufgesetzt hat, zwei Putzeimer mit Schutt aufgestellt. Einen vor unserem Wagen, einen dahinter.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich habe angerufen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Meinetwegen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die kommen gleich.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Schön.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie müssen aber da bleiben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch, ich habe die Stelle markiert, mit den Eimern da.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Toll.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie, Sie können den Eimer nicht einfach wegtun, das ist mein Eimer.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Den dürfen Sie ja auch behalten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber Sie können nicht wegfahren.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und die Polizei? Was mach ich dann mit der Polizei?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Keine Ahnung, Sie haben die doch gerufen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Bleiben&#039;se da!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich hab Sie aufgeschrieben! Juttaaaaaaaa!  Juttaaaa, jetzt komm doch endlich mal! Der fährt weg, die fahren wirklich weg...&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Wed, 05 Oct 2011 07:52:54 +0200</pubDate>
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    <title>Leise Töne</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Die Familie sitzt im Beratungszimmer und Antonia bringt Kaffee und ein paar Plätzchen.&lt;br /&gt;
Es sitzen da die Witwe, ihre zwei Söhne und eine Schwiegertochter.&lt;br /&gt;
Ich komme aus einer anderen Beratung, werde auf dem Gang kurz von Frau Büser informiert und gehe dann zu diesen Leuten.&lt;br /&gt;
Alle sind sehr traurig und hängen erwartungsvoll an meinen Lippen. Sie wissen nicht, was auf sie zu kommt, sie haben Angst vor dem Unbekannten und man merkt, daß sie froh sind, daß ich ihnen ihre Angst nehme, indem ich offen alle kommenden Handlungen und Schritte erkläre. Das dauert der Schwiegertochter zu lange. Sie hat die ganze Zeit schon ungeduldig auf ihrem Handy herum getippt und mit den Füßen gescharrt. So als ob sie die einzige im Raum sei, die des Lesens und Schreibens mächtig sei, unterbricht sie mich recht unhöflich und respektlos und sagt:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nun lassen wir mal dieses Geschwafel, kommen Sie mal zur Sache!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber Henriette!&quot; schimpft die Witwe vorwurfsvoll: &quot;Der Mann erklärt uns doch alles so nett und ich will doch wissen, was mit dem Papa jetzt gemacht wird.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Mein Gott!&quot; Henriette rollt vorwurfsvoll mit den Augen: &quot;Lass doch endlich mal dieses &#039;Papa&#039;! Das war Dein Mann, Dein Ehemann und nicht &#039;der Papa&#039;. Wenn Manfred und Günther Papa sagen, dann passt das, aus Deinem Mund klingt das nur lächerlich.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manfred, offensichtlich der Mann von Henriette, legt beschwichtigend seine Hand auf ihren Arm, sie aber schüttelt die Hand ab, denn sie ist noch lange nicht fertig mit dem was sie sagen will und möchte gar nicht beschwichtigt werden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jetzt mal Butter bei die Fische! Hier geht es um ein ganz klares Geschäft. Wir haben das Geld und der da soll dafür eine anständige Beerdigung machen. Punkt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&#039;Der da&#039;, das bin ich und mehr als einen gelangweilten Blick meinerseits bekommt Henriette nicht dafür.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich habe zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht über Geschäftliches gesprochen, sondern nur die weitere Vorgehensweise erklärt. Die Menschen wissen doch im Allgemeinen nicht, was ein Bestatter überhaupt alles tut und genau das läßt ihnen diesen Beruf oft unheimlich erscheinen. Weil sie nicht wissen, was da geschieht, stellen sie sich alles Mögliche vor und irgendwoher müssen ja diese ganzen Märchen kommen, daß den Toten die Augen ausgestochen, die Knochen gebrochen und sie ihres Zahngoldes beraubt werden.&lt;br /&gt;
Deshalb scheint es mir besonders wichtig, die Leute sozusagen an die Hand zu nehmen und behutsam mit auf die Reise zu nehmen, die ihr Verstorbener jetzt antreten wird. Nur dürfen sie, nach einem Stück des Weges, hier bleiben, der Tote wird gehen müssen. Ganz und für immer.&lt;br /&gt;
Was bleibt sind die Erinnerungen.&lt;br /&gt;
Und damit dieses Begleiten ein schönes, wenn auch trauriges, Erlebnis werden kann, dafür sind wir da.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also, was kost&#039; das jetzt alles, so summa sumarum, so alles in allem; und kommen Sie jetzt nicht mit irgendwelchen Ausflüchten und hinterher kostet&#039;s Doppelte; kenn ich alles, habe ich alles schon gehört, ich weiß wie ihr das so macht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich erkläre ihr, nach einem weiteren gelangweilten Blick, daß ich keineswegs die Absicht habe, irgendwen über den Tisch zu ziehen. Jeder der zu uns komme, erfahre gleich, was an Kosten auf ihn zukomme und gehe mit einer hieb- und stichfesten schriftlichen Auftragsbestätigung nach Hause.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Damit brauchen Sie uns gar nicht erst kommen, wir sind da nicht so einfach zu beeindrucken. Ich habe mich nämlich vorher erkundigt, ich habe im Internet gegoogelt und mich auf dieser Verbraucherplattform umgeschaut. Da hätte ich sowieso einen ganz anderen Bestatter rausgesucht, aber meine Schwiegermutter wollte ja unbedingt zu Ihnen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, der Herr hat doch schon den Opa damals so schön beerdigt; und billig war&#039;s auch&quot;, meldet sich die Witwe zu Wort und fügt hinzu: &quot;Mir ist viel wichtiger, daß der Hugo seine Musik gespielt bekommt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was für Musik das denn sei, erkundige ich mich und die Witwe erklärt mir, daß ihr verstorbener Hugo zu Lebzeiten lange in einer kleinen Jazzband das Saxophon gespielt habe. Manfred zieht eine offensichtlich selbstgebrannte CD aus der Schreibmappe, die vor ihm liegt und sein Bruder Günther zückt aus der inneren Tasche seines Jacketts ein etwas zerknittertes Foto.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manfred sagt: &quot;Hier auf der CD können Sie sich ja mal meinen Vater und seine Band anhören und da auf dem Foto, der in der Mitte, so halbrechts, das ist er.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich betrachte das Foto, es zeigt fünf Männer mit ihren Instrumenten und darunter steht &quot;Free Note Jazzers&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja ja, das hat der so gemacht, aber das interessiert hier nicht. Wir wollen eine ganz normale Beerdigung, also jetzt so eine mit der Urne und der Pfarrer soll kommen, die Orgel soll spielen und fertig&quot;, sagt Henriette und schiebt mir einen Zettel rüber, auf dem sie mit Kugelschreiber drei Lieder aus dem Kirchengesangsbuch notiert hat. &quot;Wenn der Orgelheini noch das Ave Maria drauf hat, dann kann er das meinetwegen auch noch spielen, aber damit soll es dann bitte auch gut sein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manfred atmet hörbar tief ein und will etwas sagen, doch Henriette reckt das Kinn vor, kneift die Augen zusammen und ihr Mund verwandelt sich in einen lippenlosen, zusammengepressten Strich.&lt;br /&gt;
Manfreds Ambitionen, sich einzumischen, verebben sofort.&lt;br /&gt;
Günther tippt über den Tisch auf das vor mir liegende Bild und beginnt: &quot;Es wäre schön, wenn...&quot;, doch Henriette nimmt mir das Bild einfach weg und legt es zu ihren Notizen aus dem Internet und sagt: &quot;Schluß jetzt mit der Gefühlsduselei! Passen Sie mal gut auf, ich bezahle den Scheiß hier und die haben alle kein Fett auf der Kette, ist das klar?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dabei macht sie eine ausladende Handbewegung, die alle Anwesenden umfasst, dann grinst sie trumphierend und ergänzt: &quot;Wer die Musik bezahlt, der bestimmt auch was gespielt wird, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Damit ist für sie alles gesagt und weder die Witwe, noch die beiden Söhne des Verstorbenen wagen es, noch irgendetwas zu sagen. Die Söhne sind förmlich in sich zusammengesunken und die Witwe hebt und senkt nur schicksalsergeben ihre Schultern und schnieft in ein weißes, kleines Taschentuch.&lt;br /&gt;
Sie sagt nichts, aber ihre wasserblauen Augen sagen: &quot;Ach, was soll ich machen, ich will jetzt auch keinen Streit.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So geht das nicht, denke ich und wage einen erneuten Vorstoß: &quot;Hatte der Verstorbene denn selbst besondere Wünsche bezüglich seiner Bestattung? Hat er jemals darüber gesprochen, was er für Vorstellungen hat?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja&quot;, atmet die Witwe erleichtert auf: &quot;Er hat immer gesagt, daß alle auf seiner Beerdigung in bunter Straßenkleidung kommen sollen, daß Wein ausgeschenkt werden soll und daß seine Jungs spielen sollen. Ein fröhliches Fest...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Henriette klatscht mit ihren beiden Handflächen auf den Tisch, das hört sich fast an wie ein Pistolenschuss und sofort stockt die Witwe und Henriette steht auf: &quot;Los, zeigen Sie uns mal, was Sie so an Zeug da haben, so Särge und so. Was die Beerdigung anbetrifft, so wissen Sie ja Bescheid, Urne, kleines Grab, Pfarrer und Orgel, sonst nichts. Kommst Du, Schwiegermama?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie nimmt die alte Dame beim Ellenbogen, zieht sie vom Stuhl hoch und schiebt sie zur Tür hinaus.&lt;br /&gt;
Es ist alles gesagt, ich bekomme keine Chance mehr, auf die Leute einzuwirken. Die Söhne laufen uns hinterher wie vertrottelte Zirkuslamas, die Witwe ist froh, sich auf ihren wackeligen Beinen halten zu können und irgendwann stellt sich eine Stimmung ein, die erkennen läßt, daß eigentlich auch alle froh sind, daß sich Henriette um alles kümmert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Früher einmal hatten wir über vierzig Särge in der Ausstellung und zwei große Ständer hingen voll mit Sargdecken und Talaren. Ich war stolz auf die große Auswahl, doch im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, daß die Menschen durch zu viel Auswahl eher verunsichert wurden und die Entscheidungsprozesse sich zu sehr in die Länge zogen. &lt;br /&gt;
Wir haben dann die Särge im Ausstellungsraum auf ein Dutzend reduziert und nur die gängigsten Decken und Talare dort präsentiert. Auch bei den Urnen sind wir von über sechzig Modellen auf gut ein Dutzend zurückgegangen.&lt;br /&gt;
Wer da nicht das Passende findet, für den haben wir noch den umfangreichen Katalog mit zehn Mal so vielen Modellen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber selbst bei zwölf Särgen fällt manch einem die Entscheidung schwer und die Witwe konnte sich partout nicht zwischen drei in Frage kommenden Modellen entscheiden. Alles Särge der unteren Mittelklasse, sehr schön gearbeitet, nicht zu aufwendig und vor allem sehr günstig.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Henriette dauert auch das wieder zu lange und sie unterbricht das Gespräch zwischen der Witwe und ihren Söhnen: &quot;So, jetzt zeigen Sie uns mal die richtigen Särge. Man kennt das ja, in der Ausstellung habt Ihr immer nur die teuren und die Schnäppchen habt Ihr irgendwo anders. Es gibt doch da so ganz einfache Särge, ich meine, der kommt doch sowieso ins Feuer... der Sarg meine ich.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich erkläre, daß es tatsächlich noch den klassischen &#039;Verbrenner&#039; gibt, einen schmucklosen, aber durchaus nicht häßlichen, Sarg ohne Griffe und Deckelschrauben, ohne irgendwelche Verzierungen, ja sogar ohne Lack und Farbe; rohes Holz für die ganz günstige Einäscherung, den wir vorwiegend verwenden, wenn niemand den Sarg zu Gesicht bekommt, weil beispielsweise eine Trauerfeier mit der Urne stattfindet.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Den nehmen wir&quot; beschließt Henriette, ohne den Sarg gesehen zu haben und als sich bei ihrer Schwiegermutter, ihrem Mann und ihrem Schwager Widerspruch zu regen scheint, holt sie tatsächlich ihr Portemonnaie heraus, zückt ein paar große Scheine und sagt: &quot;Wer bezahlt das alles? Na?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Witwe schaut mich an und sagt mit einem Unterton, der schon fast entschuldigend klingt: &quot;Wissen Sie, mein Mann ist doch so lange krank gewesen am Ende, da hat die Pflege so viel Geld verschlungen, daß jetzt nichts übrig ist für die Beerdigung. Mein Sohn und meine Schwiegertochter erben doch aber mal das Haus und deshalb wollen die beiden jetzt so freundlich sein und die Bestattung bezahlen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, aber man könnte doch ein wenig mehr auf die Wünsche der Witwe und des Verstorbenen eingehen&quot;, versuche ich es erneut und noch bevor Henriette sich wieder aufplustern kann, sage ich noch schnell: &quot;Ich bin mir sicher, daß wir das so hinbekommen, daß man alles machen kann, was der Vater sich gewünscht hat und es trotzdem nicht mehr kostet...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Am Ende kommt dann noch diese durchgeknallte Fidelkombo, nee, nee, das kommt gar nicht in Frage. Das Ave Maria ist das Höchste der Gefühle und sonst alles Standard. Ich bin Sozialarbeiterin, beamtet versteht sich, und kann mir keinen öffentlichen Aufruhr leisten. Wenn bei uns jemand stirbt, dann kommt der anständig unter die Erde, so wie es sich gehört und wir machen keinen Negerzirkus mit Tanz und Trallala am Grab, wir sind doch nicht in New Orleans!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mir platzt bei soviel Ignoranz fast der Kragen und gerade will ich mir die hochnäsige Zicke verbal vorknöpfen, da nickt die Witwe und sagt abschließend: &quot;Vielleicht hat meine Schwiegertochter Recht, wir machen es so, wie sie es sagt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kann nichts mehr machen, ich muß den Auftrag im Büro so aufnehmen, wie Henriette ihn mir diktiert und dann verlassen uns die vier.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der restliche Ablauf ergibt sich aus der Routine. Der Verstorbene wird aus dem Krankenhaus abgeholt, in den einfachen Verbrennersarg gebettet und Manni, unser Mann fürs Fahren und die Werkstatt, montiert auch noch vier schöne mattglänzende Griffe und Deckelschrauben. Er meint, das sehe doch besser aus, wenn die Familie schon den ganz einfachen Sarg für eine Trauerfeier nehme.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der alte Jazz-Musiker steht noch in seinem Sarg in unserem Kühlraum und wartet darauf, auf den Friedhof gebracht zu werden, da kommt die Witwe zu uns und hat ein kleines Sträußchen Blumen dabei.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Darf ich ihn nochmal sehen?&quot; fragt sie schüchtern und ich nicke nur. Es genügen ein paar Worte ins Telefon in der Halle und während ich mit der Frau dort auf dem Sofa sitze, erledigen meine Männer lautlos im Hintergrund den Rest. Der Sarg wird aus der Kühlung geholt, in den Aufzug geschoben, eine Etage höher gefahren, der Deckel wird abgenommen, das Kissen zurechtgezupft und wenig später steht der Sarg zur Aufbahrung bereit.&lt;br /&gt;
Zwei kleine Öllämpchen flackern an den Wänden, zwei dicke Kerzen erzeugen einen zappelnden Lichtschein an der Decke und den Wänden und die künstlichen Lorbeerbäumchen bringen etwas grüne Atmosphäre. Echte Pflanzen in den gekühlten Aufbahrungsräumen würden sich ja, auch wegen des fehlenden Tageslichtes, nicht halten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Witwe steht ergriffen neben dem Sarg, bei uns gibt es keine Barrieren, keine Glasscheiben oder Absperrungen, die Angehörigen können so nah an den Verstorbenen heran, wie sie es möchten. Der Tod ist doch schon Trennendes genug und hier ist es vielleicht das letzte Mal, daß sie diese körperliche Trennung noch einmal überwinden und etwas Nähe verspüren können.&lt;br /&gt;
Genau deshalb geben wir uns auch so viel Mühe, daß eine solche Abschiednahme, trotz der Umstände, die nun mal nicht zu ändern sind, so angenehm wie möglich ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich bleibe in respektvoller Distanz und warte. Die Frau tut nichts anderes, als ihren Mann anzuschauen, dann bewegt sie ihre recht Hand langsam zu seinen kalten, steifen, gefalteten Händen - sie hält inne - sie dreht sich zu mir um, sucht meinen Blick und fragt mit zittriger Stimmer: &quot;Darf ich?&quot;&lt;br /&gt;
Ich nicke ihr zu und hebe ermutigend die Augenbrauen: &quot;Nur zu!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie streichelt die Hände ihres Mannes und dicke Tränen rinnen nun aus den vorher schon feuchten wasserblauen Augen.&lt;br /&gt;
Ich trete leise hinzu, schiebe ihr einen der bequemen Sessel neben den Sarg und klopfe mit der Hand leicht auf die Lehne, sie nimmt dankbar Notiz, setzt sich und läßt die Hände ihres Mannes nicht mehr los.&lt;br /&gt;
Es ist Zeit, die Frau allein zu lassen, vielleicht hat sie ihrem Mann, mit dem sie so viele Jahre geteilt hat, noch etwas zu sagen und ich will nicht ungebetener Zuhörer sein.&lt;br /&gt;
Gerade wende ich mich ab, da spricht die Frau mich an, ohne sich von ihrem Mann abzuwenden: &quot;Wissen Sie, eigentlich ist mein Mann ja Werkzeugmacher gewesen, aber tief in seiner Seele war er nur Musiker. Es ist schade, daß meine Schwiegertochter so hartherzig ist und es tut mir leid, daß sie so frech zu Ihnen war. Aber ich bin auch dankbar, daß sie das alles hier bezahlt, da will ich jetzt nicht widersprechen. Wenn ich zu sagen hätte, dann wäre mein Mann mit seinem Saxophon beerdigt worden und nicht eingeäschert worden. Und dann hätten seine Kollegen auf der Beerdigung gespielt. Aber Henriette geht es nur ums Geld und da sie die einzige ist, die Geld hat, muß ich mich fügen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich schlucke nur, mir fällt auch keine Lösung ein.&lt;br /&gt;
Am nächsten Tag bin ich mit Henriette auf dem Friedhof verabredet. Sie will sich dort die Gräber anschauen und bestimmen, welches Grab ihr Schwiegervater bekommen soll. Ich habe ihr bereits hundert Mal erklärt, daß das so nicht geht. Reihengräber werden eben der Reihe nach vergeben, das ist bei Erdbestattungen so und auch bei Urnenbestattungen. Manchmal hat man die Wahl zwischen verschiedenen Feldern oder Abteilungen, aber auf diesem Friedhof hier ist das nicht der Fall, da bekommt man das nächste freie Grab, es sei denn, man kann sich ein teures Familiengrab leisten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Friedhofswärter steht schon vor seinem kleinen Büro und hat sogar zu seinem grauen Kittel und den Gummistiefeln seine wichtige Dienstmütze aufgesetzt. Henriette weiß offenbar, daß manche Friedhofsbediensteten für kleine Gaben empfänglich sind und geht gleich auf den Mützenträger zu: &quot;Hier haben Sie was, jetzt machen Sie aber dann auch mal zack zack!&quot; Sie lacht viel zu hoch und viel zu aufgesetzt und der Friedhofswärter betrachtet das Mitbringsel. Es ist ein Sparschwein aus Plastik mit dem Aufdruck einer Bausparkasse, so wie man es von Banken und Sparkassen geschenkt bekommt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er schaut mich fragend an, hebt das Sparschwein hoch und schüttelt es. Es ist leer. Henriette sieht uns nicht, sie geht schon mit großen Schritten voraus. Ich hebe meinen Zeigefinger vor meine gespitzten Lippen und mache &quot;Pscht&quot;, der Friedhofswärter macht eine Verschwörermiene und verzieht sein Gesicht zu einem breiten Grinsen.&lt;br /&gt;
Was Henriette nämlich nicht weiß: Ich habe schon am Morgen mit dem Mann telefoniert und ihm, ohne das Henriette das gesehen hat, einen Schein zugesteckt, der in Münzen die billige Plastiksau zweimal gefüllt hätte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wo geht&#039;s denn hier zu den Gräbern?&quot; fragt Henriette mit spitzer Stimme und stolziert auf ihren etwas zu hohen Absätzen weiter über den rutschigen Kies des Friedhofsweges.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Tja, Gräber ham&#039;wer hier überall&quot;, sagt der mit der Schirmmütze, tut dann das, was er immer tut, er kratzt sich am Hintern und als er merkt, daß Henriette nicht mehr zurückschaut, wirft er die rote Plastiksau mit großem Schwung in einen doch recht weit entfernten Abfalleimer. Dann tanzt er, wegen des tollen Treffers, lautlos einmal im Kreis, grinst mich nochmals an und ruft ihr hinterher:&lt;br /&gt;
&quot;Sie, watt für&#039;n Grab wollen&#039;se denn?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ein möglichst kleines, mein Schwiegervater war ein einfacher Mann; und günstig soll es sein. Was wäre denn mit dem hier?&quot; fragt sie und deutet auf ein kleines Urnengrab.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da liegt schon einer drinne. Kommen&#039;se, ich zeig Ihnen mal was&quot;, sagt der Friedhofsmützenmann, kratzt sich nochmals am Hintern und stapft voraus, dann rechts ab und Henriette und ich haben fast Schwierigkeiten ihm zu folgen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So, da hätten&#039;wer watt Passendes&quot;, sagt der im grauen Kittel und deutet auf wohl das häßlichste Loch auf Gottes Erden. Ich weiß ja nicht, was der Pokratzer da eigentlich machen sollte, vermutlich dient das Loch direkt am Wegesrand, unmittelbar neben einer Kompostkiste und direkt neben dem grünen Spender für Hundekotbeutel, lediglich als Loch für das Fundament eines Papierkorbes. Aber der Graukittel spitzt seine wulstigen Lippen, verschränkt die Arme hinterm Rücken und wippt von den Hacken auf die Zehenspitzen:&lt;br /&gt;
&quot;So, datt wär jetzt so&#039;n Loch, wie Sie datt haben wollen. Klein, billich und schon ausgehoben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, nee, also nein, nee, so habe ich mir das nun aber auch wieder nicht vorgestellt. Haben Sie denn da nichts Schöneres? Es soll schon günstig sein, aber doch nicht so.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja klar, ich hab hier ganz viele Löcher, watt meinen Sie denn? Kommen&#039;se mit!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wieder hecheln wir dem Wärter hinterher und dieses Mal treibt er es fast auf die Spitze. Am ganz anderen Ende des Friedhofes bleibt er unvermittelt stehen. An dieser Stelle, das weiß ich, wird in einem Jahr ein ganz neues Gräberfeld angelegt und jetzt gibt es dort fast keine Gräber mehr. Die vorhanden sind längst abgelaufen und es stehen nur noch vereinzelt ein paar windschiefe Grabsteine da.&lt;br /&gt;
Direkt dort hat irgendjemand, vermutlich ein Vermessungstrupp ein kleines Loch mitten auf dem Weg ausgehoben und mit einem rot-weißen Warnhütchen gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
Das Loch ist kaum groß genug, als daß ein Joghurtbecher hineinpassen würde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So, da wär&#039;n wir. Hier hätt&#039; ich also noch watt für Sie, is&#039; eines der schönsten von den billigen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich muß mich beherrschen, nicht laut los zu prusten und während Henriette sprach- und fassungslos vor dem kaum zehn Zentimeter tiefen Löchlein steht, macht der Friedhofswärter hinter ihrem Rücken Faxen, dann dreht er sich zu mir um, zieht mit dem rechten Zeigefinger sein rechtes unteres Lid herunter und grinst. Dann kratzt er sich wieder am Hintern und sagt zu Henriette: &quot;Ist schön, ne?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das soll schön sein. meine Güte? Das ist ja schrecklich! Haben Sie denn gar nichts Besseres?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, wenn Sie unbedingt was für &#039;ne billige Urne suchen... dann ist datt im Moment immer so, wie datt da. Urnengräber sind knapp. Für ne Erdbestattung, da hätt&#039; ich was!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja? Ehrlich? Zeigen Sie mir da mal was!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es folgt wieder eine wilde Hatz über den Friedhof. Es ist klar, warum der sonst so behäbige Kittelträger so schnell unterwegs ist. Er will Henriette keine Zeit lassen, nach links oder rechts zu schauen.&lt;br /&gt;
Er bleibt am Feld 13 stehen. Es ist dies das schönste Feld mit Erdreihengräbern auf dem ganzen Friedhof und vor einem frisch geöffneten Grab schlägt er militärisch seine Gummistiefelhacken zusammen, kratzt sich wieder und verbeugt sich galant: &quot;Voilà!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja!&quot; schwärmt Henriette und freut sich: &quot;Das nehme ich, das ist ja ganz was anderes. Ist das denn auch billig?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na, ganz so billig wie die anderen Löcher ist so ein großes Loch natürlich nicht, aber von den großen Löchern ist das hier noch eines der billigeren. Sie müssen aber &#039;ne Erdbestattung machen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, ja, ja, ja, das ist ja klar. Mein Schwiegervater war ein einfacher Mann, das sagte ich ja schon. Ob der verbrannt wird oder so in die Erde kommt, das ist egal. Hier kommt der rein!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich grinse hinter Henriettes Rücken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zwei Tage später ist die Beerdigung. Den einfachen Verbrennersarg haben wir gegen den günstigsten Erdsarg ausgetauscht und da die Urne ja nun wegfällt, wird sich auch am Preis nichts ändern. Die Beerdigung läuft so, wie Henriette es bestimmt hat. Alle in Schwarz, der Pfarrer spricht über jemanden, den er nicht kannte und sagt nur Nichtssagendes, der Organist spielt nicht einmal das Ave Maria, sondern nur den üblichen Beerdigungskram.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Trauergäste sitzen bei der von Henriette organisierten Trauerfeier bei Mettbrötchen und Kaffee, als die Witwe sich zurückzieht, wofür jeder Verständnis hat. Ihr Sohn Günther will sie nach Hause fahren, doch die Witwe winkt ab. Sie will die paar Schritte an der frischen Luft alleine zu Fuß gehen und sich dann zu Hause hinlegen, sagt sie und alle verabschieden sich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zehn Minuten später steht sie, nun in einem geblümten Sommerkleid, bei mir im Bestattungshaus und wir fahren mit der Limousine zum Friedhof und gehen zum Grab in Feld 13.&lt;br /&gt;
Hoch aufgetürmt liegt die helle, lehmgelbe frische Erde und der Friedhofswärter ist gerade dabei, die Kränze und Gestecke auf dem Grab zurecht zu legen.&lt;br /&gt;
&quot;Ach, Ihr seid datt! Die andern sind auch schon da, aber Ihr wißt ja... macht mir keinen Ärger!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was er meint, ist offensichtlich: Neben der Lebensbaumhecke hinter dem Grab stehen vier Männer. Einer von ihnen hält eine Posaune, ein anderer hat drei Trommeln vor sich aufgebaut und der dritte Mann steht hinter einem kleinen, batteriebetriebenen Keyboard. Der vierte Mann hat einen großen Bass, hängt mehr am langen Hals des großen Instrumentes, als daß er steht und beginnt leise, tiefe Töne zu zupfen, als die Witwe und ich am Grab ankommen.&lt;br /&gt;
Ich kenne die Lieder nicht, es sind beschwingte, leise Melodien, nach dem Bass setzt die Posaune ein, dann spielen auch das Schlagzeug und das Keyboard mit. Immer wieder greift eines der Instrumente die Melodie als Solo auf und der etwas abseits stehende Friedhofswärter wiegt sich in den Hüften und wippt mit.&lt;br /&gt;
Die Witwe hat sich auf den bereitgestellten Klappstuhl gesetzt und weint und strahlt gleichzeitig.&lt;br /&gt;
Dann endet das Spiel der Instrumente, nur der Schlagzeuger zischelt einen leisen Rhythmus mit den Drahtbesen auf dem Fell seiner Trommel.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hören Sie es?&quot; fragt mich die Witwe und ich nicke, denn ich weiß, daß der Mann da unter dem Erde, dem dieses einzigartige, geheime Jazzkonzert gewidmet ist, sein Saxophon in den Händen hält.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja&quot;, sage ich, &quot;ich höre ihn, er spielt sehr schön.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Frau greift meine Hand und die anderen Männer setzen mit ihrem Spiel wieder ein.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 30 Sep 2011 09:11:29 +0200</pubDate>
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    <title>Opa Gleisberg -IV-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Opa-Gleisberg-IV/6097</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Es verging ein Tag, dann erschienen die Olschewskis bei uns im Bestattungshaus.&lt;br /&gt;
Sieben Personen und schon ihr Erscheinen glich dem Einfall der &quot;Sandalen in Rom&quot;, wie Antonia mit gerümpfter Nase anmerkte.&lt;br /&gt;
Nachdem meine Bürodamen die Gäste in einem der größeren Besprechungszimmer untergebracht hatten und die Leute dort bei Kaffee, Wasser und Keksen sehr laut über eine Schicksalssendung aus dem Privatfernsehen zu diskutieren begonnen hatten, kam ich dazu, setzte mich oben vor Kopf des langen Tisches und ließ meine Unterlagen etwas lauter als gewöhnlich auf den Tisch platschen, was mir unverzüglich Ruhe im Raum und die Aufmerksamkeit der Anwesenden einbrachte. Am meisten wunderte mich, daß heute ganz andere Olschewskis gekommen waren, als ich in der Nacht, als wir Opa Gleisberg abgeholt hatten, dort kennengelernt hatte.&lt;br /&gt;
Ja, das sei ja wohl mal klar, er habe zu dieser Zeit gearbeitet, verkündet ein dicklippiger Glatzkopf mit einer extrem dicken und vollkommen ungeputzten Brille auf der Nase. Er trägt ein schwarzes T-Shirt und eine schwarze Jogginghose und beides ist so verfleckt, daß ich insgeheim bete, diese Flecken mögen alle von Suppe oder Büchsenmilch stammen...&lt;br /&gt;
Er sei &quot;der Horst, sagen&#039;se ruhich Hotte für mich&quot; und &quot;die da drüben ist die Lotte, für können&#039;se Lotte sagen&quot;. Er meint, damit einen klasse Witz gemacht zu haben und nicht nur er, sondern alle anderen Anwesenden lachen meckernd und er entblößt dabei drei stummelige Zähne, zwei unten und einen oben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die angesprochene Lotte bemüht den Rest der noch vorhandenen Intelligenz und fügt hinzu: &quot;Mit Liese, ne, also Lieselotte, nich&#039; Lotteliese, also vorne die Liese und hinten die Lotte, nicht wahr Hotte?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Mensch, datt reimt sich!&quot; freut sich der Angesprochene und wiederholt grinsend: &quot;Vorne die Liese und hinten die Lotte, ne Hotte?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Alle lachen, nur ich nicht, mehr als ein gequältes Grinsen bekomme ich nicht hin und komme mir vor wie in einer Szene aus einem Roman von Victor Hugo, wie in der Pariser Unterwelt bei den Bettlern und Beutelschneidern...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Außer Hotte und Lotte Olschewski sind noch deren Kinder und Schwiegerkinder erschienen und ich habe nicht einmal ansatzweise den Versuch gemacht, die ganzen Schackelines und Schantalles und Mircos und Marcos, oder wie die alle hießen, zu sortieren.&lt;br /&gt;
Nee, die von neulich abends, das seien Bruder und Schwägerin gewesen, die auch da wohnen.&lt;br /&gt;
Die Pflege vom Opa habe man sich geteilt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Damit wären wir ja beim Thema&quot;, sage ich und klappe die Sterbefallakte auf.&lt;br /&gt;
Schlagartig wird alles ruhig. Wenn einer, der lesen uns schreiben kann und dann auch noch &quot;nach der Schrift schwätzt&quot;, eine Akte aufmacht, wird es meistens gefährlich, also hält man besser mal die Klappe und hört zu.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eigentlich müsste ich jetzt persönliche Daten des Verstorbenen abfragen, ich muß aber zuerst einmal klären, was die Olschewskis eigentlich von mir wollen. Wie hängt das alles zusammen und wieso haben die einen wildfremden Mann gepflegt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Datt war ja nich der erste Oppa!&quot; beantwortet die kleine, dürre Lotte mit den fettigen Haaren meine Frage. &quot;Wir haben immer Oppas und Ommas da. Wir tun die pflegen, wir kümmern uns um die, wir helfen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, wir helfen&quot;, nickt Horst Olschewski und macht ein langes Gesicht. &quot;Und gedankt wird einem datt nämlich auch nich! Wissen&#039;se, wo sollen die denn hin, die Alten? Hä? Sagen&#039;se ma&#039;! Der alte Oppa Gleisberg zum Beispiel, der konnte doch alleine gar nich&#039; mehr. Der wär in ein Heim gekommen, mit noch son&#039;em Oppa zusammen auf ein Zimmer, dann hätte da auch keiner mehr nach den geguckt. Wissen&#039;wer doch allet, kennen&#039;wer doch allet, die tun so sauber und so fürsorglich und dann sitzen die Alten da auch den ganzen Tach inne Scheiße. Ach, hören&#039;se mir doch auf! Und uns wollen&#039;se jetzt anne Karre fahren, weil da ein paar Windeln rumlagen? Ich könnte ja kotzen, so&#039;n Scheißdreck!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, aber wirklich optimal waren die Pflegebedingungen bei Ihnen ja nun wirklich nicht&quot;, wende ich ein und die versammelte Olschewskischaft protestiert. Das sei ja wohl &#039;ne Frechheit. Ob ich denn nicht wüßte, wie die Alten in den Heimen verrecken würden. &quot;Da sind die doch bloß ne Nummer inne Bilanz und sollen möglichst lange wenig Arbeit machen und schön jeden Monat Kohle reinbringen. Jeder bringt da doch an die 4.000 bis 5.000 Flocken inne Kasse, hör ma&#039;, da kannse auch in datt schönste Hotel für gehen!&quot; schimpft Olschewski und seine Lotte fügt hinzu:&lt;br /&gt;
&quot;Wir ham den Oppa ja immer noch zu uns rüber geholt, mit uns hat der immer Fernseh&#039; geguckt. Schlimm ist datt doch erst geworden, als der zum Stinken anfing.&quot;&lt;br /&gt;
Alle Olschewskis nicken, einer der Marco-Mircos legt sogar für einen Moment sein Handy weg und eine der Töchter zieht zur Bestätigung hörbar ihre Nase hoch und klappert mit unendlich langen, bemalten und mit Strass-Steinchen beklebten Fingernägeln auf der Tischplatte herum.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ja, am Ende sei ihnen das über den Kopf gewachsen, das würden sie ja zugeben, aber da habe der Oppa doch sowieso schon so unter Morphium gestanden und gar nichts mehr mitbekommen...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich frage nach: &quot;Aber da ist doch jeden Tag der Pflegedienst gekommen oder der Arzt?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja sicher, da haben wir den Oppa immer schön nach vorne geschoben... Aber mal ehrlich, der Doktor kam rein, Tasche auffen Tisch, kurz &#039;ne Spritze, zack war der wieder weg. Ich möcht&#039; nich&#039; wissen, was der dafür jedes Mal abgerechnet hat&quot;, sagt Frau Olschewski und ihr Mann meint: &quot;Ach, soviel ist datt heute auch nich mehr, Du hörs doch, wie die immer am Jammern sind die Dokters. Da studieren die sich den Arsch wund auffe Uni und dann sollen&#039;se an allem Schuld sein, watt da schief läuft, und kriegen noch nich ma&#039; genuch dafür, damit die Praxis sich richtig lohnt. Sind doch alles die ganz Alten von früher Schuld! Alle zwei Jahre immer schon in Kur, alle zwei Jahre &#039;ne neue Brille, immer das ganze Maul voller künstlicher Zähne und alles auf Kassenkosten. Is&#039; doch klar, datt datt nich&#039; ewich so weitergehen konnte, irgendwann sind die Kassen leer. Wer soll denn inne Kassen einbezahlen? Die ganzen Hartz-IV-ler? Nee, nee, datt funktioniert nich! Wenn&#039;et nich so Leute gäb wie uns, dann wär&#039; datt System schon längst am Ende.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich weiß auf einmal nicht mehr, was ich von der ganzen Sache halten soll.&lt;br /&gt;
Mit was habe ich es hier zu tun?&lt;br /&gt;
Sind das habgierige Asoziale, die sich immer mal wieder einen alten Menschen zur Pflege holen, der das dankbar annimmt, um nicht in Alters- oder Pflegeheim zu müssen und den die Olschewskis dann im eigenen Dreck verkommen lassen, nur um in der Zwischenzeit sein ganzes Geld abzuheben?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oder sind das nur hilflose und zugleich hilfsbereite Idioten, die es eigentlich gut meinen und tatsächlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr Bestes geben, was aber leider vollkommen unzureichend ist?&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sat, 27 Aug 2011 08:44:36 +0200</pubDate>
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    <title>Opa Gleisberg -III-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Der Erste, der am nächsten Morgen kommt, ist Herr Böttcher. In seiner weiß-grünen Pflegekleidung hatte er anders ausgesehen, ich erkenne ihn in seiner Freizeitkleidung gar nicht sofort.&lt;br /&gt;
Er bringt ein kleines Sträußchen Blumen für den toten Opa Gleisberg, es scheinen selbst gepflückte Blumen zu sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Antonia nimmt ihm die Blumen ab und verspricht, sie dem Verstorbenen in den Sarg zu legen. Dann drückt sich Böttcher herum, druckst herum, geht nicht, verabschiedet sich umständlich, bleibt...&lt;br /&gt;
Ich nicke ihm zu, was bedeutet, er soll sich in den dicken Ledersessel in der Halle setzen. Das tut er auch. Ich selbst nehme auf dem Sofa Platz, lehne mich zurück und schlage die Beine übereinander.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das tue ich bewußt, weil ich weiß, daß meine Gegenüber mir stets in Sitzhaltung und Bewegung folgen; sie tun das unbewußt, doch sie tun es. Und so gibt auch Böttcher die vornübergebeugte Haltung auf, nimmt die auf den Knien aufgestützen Ellenbogen hoch und lehnt sich ebenfalls im Sessel zurück. Ich kann insgeheim zählen, zehn, neun, acht... bei sieben hat auch er seine Beine übereinander geschlagen.&lt;br /&gt;
 Nun sitzt er bequem und entspannt da und als Frau Büser uns wortlos nickend ein Tablett mit einer Kanne Kaffee, zwei Tassen, Milch und Zucker hinstellt, mache ich eine einladende Handbewegung und gieße mir und dem Gast eine Tasse ein.&lt;br /&gt;
Als Böttcher sich Zucker in den Kaffee rührt, habe ich ihn aufgetaut und er beginnt zu sprechen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dieser Job in der Pflege sei kein leichter.&lt;br /&gt;
Er habe ja auch lange in einem Heim gearbeitet, doch dann sei dieses Heim von einem Konzern gekauft worden und man habe bei fast halbiertem Personal und einer um die Hälfte gestiegener Bewohnerzahl erwartet, daß dann auch noch doppelt so viel gearbeitet wird.&lt;br /&gt;
&quot;Wissen Sie, wozu das führt?&quot; fragt er mich und weil es eine rethorische Frage ist, fährt er gleich fort: &quot;Das führt dazu, daß Du die Schlüsselzahlen auf dem Patientenbogen hinschreibst, ohne daß du da was gemacht hast.&quot;&lt;br /&gt;
Er nickt und atmet erleichtert durch, so als habe er mir gerade ein ganz wichtiges und großes Geständnis gemacht.&lt;br /&gt;
Dabei weiß ich, daß in manchen Heimen das Personal für wenige Sekunden, bestenfalls Minuten im Zimmer der Bewohner war und dann anschließend eine ganze Batterie von in Zahlen verschlüsselten Leistungen eingetragen wird, die man angeblich in der kurzen Zeit alle erbracht haben will oder haben muss.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das ist so, als wenn ich zu einem Arzt gehe, ihm schildere, daß ich da und dort Schmerzen habe und er mit ohne weitere Untersuchung das Medikament aufschreibe, um das ich ihn bitte. Hinterher steht immer eine eingehende Beratung und eine ausführliche Untersuchung auf dem Zettel.&lt;br /&gt;
Noch schlimmer ist das bei Tierärzten; oder zumindest wird das da offensichtlicher, weil man die Rechnung direkt mitbekommt.&lt;br /&gt;
Fünf Minuten mit der Katze im Sprechzimmer gewesen und die Rechnung ist zwei A4-Seiten lang.&lt;br /&gt;
Das nenne ich Multitasking; die müssen sich schneller bewegen können, als es das menschliche Auge wahrnehmen kann, da stehen Sachen auf der Rechnung von denen ich gar nicht gesehen habe, daß die gemacht worden sind.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir haben doch einfach keine Zeit&quot;, reißt mich Böttcher aus meinen Gedanken und erklärt mir, daß er und seine Kolleginnen netto irgendwas um die drei bis fünf Minuten pro Patient haben. &quot;Dauert das bei einem mal etwas länger, ich meine, wir nehmen uns ja die Zeit, dann müssen wir aber beim nächsten schon hoppla-hopp machen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er sagt nichts Konkretes zu Herrn Gleisberg, aber ich verstehe seine Botschaft. Er will mir sagen, daß es da wohl auch Versäumnisse des Pflegedienstes gegeben hat. Die Umstände waren eben suboptimal, aber nicht katastrophal, zumindest das, was der Pflegedienst zu sehen bekam und da war man einfach froh, daß sich überhaupt jemand um den Alten gekümmert hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf einmal fängt Herr Böttcher an zu weinen. Keine dicken Tränen, keine großes Geheule, nur Rinnsale aus beiden Augen, die er mit dem Ärmelaufschlag seiner Jacke wegwischt.&lt;br /&gt;
&quot;Na denn&quot;, sagt er, stellt seine Tasse aufs Tablett zurück und steht auf.&lt;br /&gt;
Ich bringe ihn zur Tür und er sagt: &quot;Sie rufen mich an, wenn Sie wissen wann die Beerdigung ist?&quot;&lt;br /&gt;
Ich klopfe ihm auf die Schulter und nicke.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 21 Aug 2011 10:42:00 +0200</pubDate>
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    <title>Opa Gleisberg -II-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Opa-Gleisberg-II/6079</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Wir haben an dem Abend nicht wirklich lange warten müssen. Die Polizisten zeigten sich an den Umständen, unter denen der alte Herr Gleisberg gestorben war, eher uninteressiert. Es gebe doch einen ordentlichen Totenschein und unter welchen Umständen Messies leben..., ach, da hätten sie schon ganz andere Sachen gesehen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, den könnt&#039;er mitnehmen&quot;, sagte uns einer der ranghöheren Polizisten und drückte uns die Sterbepapiere in die Hand. Vorsichtshalber machte man etwas ungelenk eine ganze Reihe Fotos, schrieb sich ein paar Notizen und die Personalien aller Anwesenden auf und dann half uns der vollkommen fassungslose Herr Böttcher vom Pflegedienst beim Einladen. Irgendwie hatten er und ich uns das anders vorgestellt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als langsam die Heckklappe des Bestattungswagens herunterfuhr und fast geräuschlos ins Schloss klappte, erzählte mir Herr Böttcher, die Olschewskis hätten den Opa Gleisberg schon irgendwie aus Fürsorge bei sich aufgenommen. Der alte Mann habe nebenan selbst mal einen Taubenschlag besessen und nach dem Tod seiner Frau angefangen, seine Tiere zu verkaufen und den Taubenschlag aufzulösen. &lt;br /&gt;
Daher habe Olschewski ihn gekannt und als Opa Gleisberg eines Tages im Garten vor seinem Taubenschlag zusammengebrochen sei, habe man den Alten ins Krankenhaus gebracht, ihn dort besucht und später bei sich aufgenommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erst habe der Opa mit denen zusammen gewohnt, wofür der alte Mann, der nach dem Tod seiner Frau nicht mehr alleine klar gekommen war, sehr dankbar gewesen sei. Er habe die Straße gekehrt, die Mülltonnen raus gestellt und sich auch um die Tauben der Olschewskis gekümmert.&lt;br /&gt;
Doch dann sei Opa Gleisberg immer kranker und schwächer und schließlich zum Pflegefall geworden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da gab es eine kleine Rente, Opa Gleisberg hatte ja auch das vermietete Häuschen in der Röderstraße, von wo es eine Mieteinnahme gab und die Olschewskis kassierten natürlich das Pflegegeld.&lt;br /&gt;
Ich sage es ihnen, immer wenn wir gekommen sind und wenn der Medizinische Dienst die Überprüfungen machte, stand das Bett von Herrn Gleisberg vorne im Haus.&lt;br /&gt;
Ich sag&#039; ja, jeder konnte sehen, daß die Pflege nicht optimal war, schon allein diese vielen Bündel Altpapier da vorne und die vielen leeren Flaschen... Aber mal ehrlich, was will man machen? Der Mann bekam zu essen, zu trinken, seine Medikamente und war bei Leuten. Da hat er mehr als die meisten pflegebedürftigen Alten.&lt;br /&gt;
Die meisten sterben uns weg, weil sie nichts zu trinken bekommen. Wirklich, wenn die mehr trinken würden, könnten viele von denen fünf bis zehn Jahre länger leben, ist so meine Theorie.&lt;br /&gt;
Aber da hat ja niemand Zeit, sich stundenlang neben die zu setzen und zu sagen: &#039;Komm, Oma, trink noch watt!&#039;. &lt;br /&gt;
Da stirbt uns doch keiner wegen großer Pflegefehler, das sind vielleicht ein paar Prozent, nee. die kippen uns weg, weil&#039;se nichts trinken. Is&#039; so&quot;, sagt Böttcher und hebt resignierend die Arme.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Offenbar hatten die Olschewskis den alten Mann aber zunehmend als Last empfunden, zumal er nun auch keine Arbeit mehr im Haus leisten konnte. Eigentlich war ihnen der alte Mann ja völlig fremd, zumindest gab es keinerlei verwandtschaftliche Beziehung.&lt;br /&gt;
&quot;Ja nee, so einfach ist das nicht&quot;, wirft Böttcher ein, &quot;anfangs haben alle gedacht, der sei der Vater von Frau Olschewski. Die haben ja alles Opa zu dem gesagt, auch wenn sie über ihn sprachen und ich glaube nicht, daß das irgend jemand wirklich überprüft hat. Ich persönlich habe das ja alles erst nach Monaten erfahren und selbst da war ich immer noch der Meinung, der sei irgendwie mit denen verwandt. Gesagt haben die das auch nie, weiß ich jetzt gar nicht mehr, keine Ahnung... Aber nee, es ist schon so, wie ich sage, anfangs hat man eben gedacht, der sei deren Opa.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es muß der Zeitpunkt gekommen sein, an dem die Pflege so intensiv wurde, daß die Olschewskis diese nicht mehr leisten konnten; und statt den alten Mann in behördliche Obhut zu geben, so nehmen wir an, haben die Olschewskis nicht auf das viele schöne Geld verzichten wollen und nur noch das Notwendigste gemacht, später gar nichts mehr. Dann haben sie ihn in den Schuppen geschoben.&lt;br /&gt;
Da wurde dann der alte Herr, der sich nicht mehr äußern konnte, nur noch gelegentlich nach vorne ins Haupthaus gerollt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine gute halbe Stunde später liegt der alte Mann auf dem kalten Edelstahl unseres Präparationstisches und Manni läßt aus einer Brause warmes Wasser über seinen Körper laufen. Er wäscht ihn vorsichtig, dreht ihn ganz behutsam um und säubert ihn von allen Seiten. Die dünnen Ärmchen und Beine fast Manni ganz behutsam an, sie sind so ausgemergelt, man hat fast Angst, sie könnten brechen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ihr müsst doch diesen Leib verwandeln! Das ist unser Wahlspruch und dem kommt Manni nach.&lt;br /&gt;
Es dauert nicht lange und dann liegt Opa Gleisberg, immer noch ein wenig krumm, aber schon viel besser als vorher, in einem weißen Totenhemd in einem einfachen Sarg.&lt;br /&gt;
Auf seinem eingefallenen und faltigen Gesicht liegt eher ein zufriedener Ausdruck.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mir kommen wieder die Bilder von dem Schuppen in den Sinn. Mir sticht unwillkürlich wieder der scharfe Ammoniakgeruch der uringetränkten Matratze in der Nase und ich sehe vor meinem geistigen Auge die messingglänzenden Käfer in Ritzen unter der Fußleiste verschwinden...&lt;br /&gt;
Was für Schweine es doch gibt!&lt;br /&gt;
Die kleine, freche Frau mit dem fauligen Atem kommt mir auch wieder in den Sinn und ich höre fast noch ihre Stimme in den Ohren, wie sie kreischt und kräht und uns des Grundstückes verweist.&lt;br /&gt;
Erst nachdem die Polizei angerückt war, waren die Olschewskis wieder friedlicher geworden und sie zeigten auch kein Zeichen des Triumphs, als die Polizei unverrichteter Dinge wieder abgezogen ist.&lt;br /&gt;
Ich vermute, solche Leute haben so oft mit der Polizei zu tun, das erregt sie nicht mehr so.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manni und ich schieben den Sarg in einen der Kühlräume, morgen früh wollen die Olschewskis kommen, dann sehen wir weiter.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sat, 20 Aug 2011 09:40:37 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -XIII-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Guenther-XIII/6069</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Es war keine große Sache, die Kinder wieder zu sich zu holen. Günther ließ sich einfach von seinem Freund Horst zu den Heimen fahren, sprach bei der Verwaltung vor und konnte seine Kinder mitnehmen.&lt;br /&gt;
Wer glaubte, hier würden sich jetzt noch irgendwelche Schwierigkeiten auftun, die der brave Mann zu überwinden hatte, der irrt. Nein, ganz im Gegenteil, es entwickelte sich Harmonie und Glückseligkeit.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf dem riesigen Grundstück hinter der Villa Kunterbunt, wie Günther seine Laube nannte, hatte er einen großen aufblasbaren Swimming-Pool aufgebaut, gemeinsam mit Leo, seinem Untermieter aus dem Wohnei, ein Baumhaus gezimmert und wer in diesen Tagen dorthin kam, der erlebte ein Idyll. So und nicht anders hatte sich Günther das vorgestellt. Seine Kinder waren bei ihm und gemeinsam als Familie konnten sie den Verlust von Ehefrau und Mutter verarbeiten und in Ruhe und Frieden leben.&lt;br /&gt;
Schön!&lt;br /&gt;
Morgens kam der Abholbus für den behinderten Thomas, der eine vorschulische Einrichtung für Behinderte besuchte, und die beiden Mädchen konnten selbst die knapp 900 Meter zur Schule laufen.&lt;br /&gt;
Günthers Tagesablauf begann stets mit einer großen Kanne Kaffee und ein paar selbstgestopften Zigaretten, jedoch niemals, ohne zuvor ein Marmeladenbrot gegessen zu haben.&lt;br /&gt;
Dann weckte er die Kinder und überwachte das morgendliche Treiben rund um das einzige Waschbecken in der Küche, wo man sich gleichzeitig wusch, die Zähne putzte, Frühstück machte und sich auch ankleidete.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther und die Kinder liebten dieses ritualisierte Wecken, Aufstehen und Fertigmachen, zu dem immer der gleiche Fröhlichsender aus dem Radio dudelte. Vor allem der behinderte Thomas brauchte diese gleichmäßigen Abläufe, je mehr sich sein Leben in festen Schienen bewegte, deren Links und Rechts er kannte, umso befreiter konnte er denken, leben und atmen. Alles, nur keine Veränderungen!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So mochte Thomas morgens immer eine durchgeschnittene Scheibe Brot und auf der einen Hälfte mochte er Erdbeer-Rhabarber-Marmelade und auf der anderen Hälfte Nutella. Nur so und nicht anders mußte für ihn der Tag beginnen.&lt;br /&gt;
Einmal war die Erdbeer-Rhabarbermarmelade alle, weil seine Schwester Monika den letzten Rest genommen hatte. Günther machte ihm dann eine Hälfte seines Brotes mit reiner Erdbeermarmelade und glaubte, den kleinen Unterschied würde Thomas doch gar nicht bemerken können.&lt;br /&gt;
Doch da hatte Günther sich geirrt. Das folgende Theater, als Thomas schreiend und weinend das Frühstücksbrettchen mit dem Erdbeermarmeladenbrot wegstieß und dann den ganzen Tag nicht mehr ansprechbar war, wird Günther nie vergessen. Der schwer geistig behinderte Junge konnte eben Veränderungen nicht verarbeiten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch kaum sechs Wochen währte das Idyll, dann wurde das Familienglück jäh gestört. Eines Tages erschienen ein Mann und eine Frau vom Jugendamt und erkundigten sich bei Günther durchaus freundlich und Hilfsbereitschaft zeigend nach dem Wohlergehen der Kinder.&lt;br /&gt;
Er habe ja wohl sicherlich nichts dagegen, wenn sie sich mal umschauen würden und man wolle ja nur einmal alles sehen, nur für den Bericht, reine Routine, das wäre immer so, das habe in der Regel auch keine Nachteile.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther empfand das Ansinnen der beiden Amtspersonen als Zumutung. Aus seinen Monaten im Gefängnis waren ihm unangekündigte Zellendurchsuchungen und das Fremdbestimmtsein an sich ein Gräuel und sofort stieg in ihm ein Gefühl der Ablehnung und des Widerstands auf.&lt;br /&gt;
Doch er zwang sich, ruhig zu bleiben, rang sich den letzten Rest Freundlichkeit, zu dem er in dieser Situation in der Lage war, ab und führte die Leute durch die hintereinander liegenden Räume seiner &quot;Villa&quot;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ja ja, das sehe ja alles ganz ordentlich aus, es gebe ja Betten und Räume genug, sicher, die sanitären Einrichtung ließen zu wünschen übrig, aber sie entsprächen den allgemeinen Richtlinien, ob das da oben Feuchtigkeit an der Decke wäre, wo denn ein Schreibtisch für die Schularbeiten sei und wo denn bitteschön die Badewanne sei.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Klo wolle er demnächst noch richten, erklärte Günther und auch die Reparatur des Daches sei schon fest eingeplant, dort liege schon die Rolle aus Dachpappe und einen Schreibtisch bräuchten die Kinder nicht wirklich, man habe ja einen Wohnzimmertisch und einen Küchentisch. Eine Badewanne habe er hingegen nicht vorzuweisen, aber die Kinder sind ja sowieso nachmittags dauernd im Garten, schwimmen und brausen sich draußen ab und am Spülstein in der Küche könne man sich ganz vortrefflich waschen.&lt;br /&gt;
&quot;Den Thomas, der ist ja noch klein, den stelle ich zweimal in der Woche da in den Spülstein und seife den von oben bis unten ab, das mag der so. Meine Kinder sind immer sauber, die riechen immer so schön nach frisch gewaschen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Fein, das sei ja alles fein, hieß es und schon waren die Leute vom Amt wieder weg. Das war ja noch mal gut gegangen.&lt;br /&gt;
Aber nur scheinbar. Schon drei Tage später kam der schriftliche Bescheid, das Amt habe angeordnet, daß Günther eine Familienhelferin vom allgemeinen Wohlfahrtsverband der Kirchen und Kommunen beigesellt werde, die ihn bei den Aufgaben in Haushalt und Kinderbetreuung unterstützen solle.&lt;br /&gt;
Außerdem wurde ihm die Auflage gemacht, binnen vier Wochen eine geeignete Waschgelegenheit zu schaffen, die ungestörtes Duschen oder ein Vollbad ermögliche. Auch das Dach sei dringend zu reparieren, die Amtspersonen hätten den ersten Anflug einer Schimmelbildung an der feuchten Stelle festgestellt. Das sei komplett zu beseitigen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da war noch nie Schimmel gewesen, da ist bloß eine Teerbahn durch und wenn es ganz stark von Norden her regnet, was nur alle Jubeljahre mal vorkommt, dann habe ich da einen feuchten Fleck, so groß wie eine Handfläche. Der trocknet dann wieder ab und alles ist gut. Man sieht hier von drinnen bloß diesen Schatten vom Feuchten, da ist kein Schimmel. &lt;br /&gt;
Aber gut, ich hab das dann sofort repariert, die Dachpappe hatte ich ja schon lange da liegen, ich habe bloß immer darauf gewartet, daß Horst mal seine Gasflasche und den Brenner mitbringt, diese moderne Dachpappe die tut man ja nicht mehr draufnageln sondern die wird gleich aufgeflammt und klebt dann von selbst, wie Pech und Schwefel.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Unter einer Familienhelferin stellte sich Günther eine etwas dickere, ältere Frau vor, die burschikos auftritt, aber vor allem beim Kochen, Waschen und Putzen hilft.&lt;br /&gt;
Günther konnte kochen, aber nicht sehr phantasievoll. Eine ordentliche Hackfleischsoße und Gulasch, das waren seine Spezialitäten. Dazu gab es immer Nudeln. Außerdem konnte er Bratwürste, Kartoffeln in allen Variationen und Braten mit Soße. Hinter einem Vorhang im kleinen Vorraum vor der Küche bewahrte er jede Menge Nudeln und eine große Zahl von Konserven mit Gemüse auf.&lt;br /&gt;
So ausgerüstet konnte er seinen Kindern jeden Mittag ein ordentliches Essen hinstellen.&lt;br /&gt;
Das heißt, mittags aßen nur die Mädchen, da saß er dann dabei und aß nur ein &quot;Versucherle&quot; mit. Seine Hauptmahlzeit nahm Günther stets erst um 17 Uhr ein, wenn Thomas wieder nach Hause gebracht wurde.&lt;br /&gt;
Thomas aß nur Nudeln mit Ketchup und Gemüse. Auch mit einem unpanierten Schnitzel konnte man ihm eine Freude machen und ab und zu mochte er auch ganz gerne Fischstäbchen; aber das mußte er selbst wollen. Hatte Günther ein Schnitzel oder Fischstäbchen für ihn, mußte er ihm aber zuerst immer eine kleine Portion Nudeln mit Ketchup hinstellen, ohne das war Thomas nicht glücklich, und dann konnte Günther seinem Sohn noch einen Teller mit dem anderen Essen anbieten. Oft nahm Thomas das ohne weiteren Kommentar, ohne weitere Regung. Aber meistens war es der Fall, daß er sich heftig schüttelte, das andere Essen wegschob und auf den Topf mit den Nudeln zeigte.&lt;br /&gt;
Er wollte eben keine Veränderungen, alles mußte immer gleich sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eines Tages, es war ein Donnerstag, klingelte es morgens kurz vor Sieben bei Günther. Normalerweise konnte er vom Küchentisch, wo er die meiste Zeit des Tages zubrachte, gute sehen, wer den langen Weg von der Straße, an der Garage und Leos Wohnei vorbei den Weg zu seiner &quot;Villa&quot; nahm. Aber an diesem Morgen war er gerade mit seiner Kanne Kaffee beschäftigt und so überraschte ihn das Klingeln.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther wischte sich die Hände an seiner Schlafanzughose ab und öffnete.&lt;br /&gt;
Vor ihm stand eine etwas füllige Frau, etwa Mitte bis Ende dreißig, in einem langen grauen Wollmantel, die ihm ein städtisches Schreiben unter die Nase hielt: &quot;Ich bin die ehrenamtliche Familienhelferin vom kirchlich-kommunalen Wohlfahrtsverbund, mein Name ist Birnbaumer-Nüsselschweif, ich komme jetzt jeden Morgen. Um es gleich vorweg zu sagen, ich wasche nicht, ich putze nicht, ich koche nicht und ich bin nicht Ihre Haushaltshilfe und Putzfrau. Meine Aufgabe ist es, Sie bei der Erziehung und Betreuung Ihrer Kinder zu unterstützen und dem Amt zu berichten. Wo sind sie denn die lieben kleinen Kinderlein? Huhuuu! Kuckuck! Wo seid ihr denn!&quot;&lt;br /&gt;
Und während sie &quot;Kuckuck&quot; krähend einfach an Günther vorbei marschierte, fing Thomas in seinem Bett an zu weinen, er hatte Angst, seit Jahren wurde er anders geweckt und nicht durch das Kuckuck-Rufen einer wildfremden Frau.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 14 Aug 2011 08:49:50 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -XII-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Die Männerwohngemeinschaft von Günther und Leo entwickelte sich im Laufe der Zeit da hin, daß die Männer stumm aneinander vorbei lebten. Man grüßte sich, man wechselte einen, höchstens zwei Sätze und ansonsten beschränkte sich die Kommunikation auf den Austausch so wichtiger Hinweise wie &quot;Klopapier is&#039; alle.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Grunde waren Günther und Leo auch viel zu verschieden, als daß sie auf ewig dicke Freunde sein könnten. Es war eher Toleranz und Abstandhalten, das das Verhältnis ausmachte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ging es aber einem von beiden dreckig, dann war der andere für ihn da.&lt;br /&gt;
 Wenn man Leo so erlebte, bekam man schnell den Eindruck, man habe es mit einem etwas minder bemittelten Trottel zu tun und einer der Hellsten war Leo ganz gewiss auch nicht. Aber er besaß so etwas wie eine fuchsige Bauernschläue und kam dadurch bei manchen Sachen leichter zum Ziel als Günther, der nur schwerfällig formulieren konnte und immer alles viel zu kompliziert anging.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Inzwischen hatte Günther aber trotzdem herausgefunden, daß seine drei Kinder in zwei Heimeinrichtungen untergebracht waren. Nebenbei bemerkt hatte ich große Schwierigkeiten, überhaupt zu verstehen, wie viele Kinder Günther eigentlich hatte. Mal redete er von den zwei Kindern, dann wieder von dreien.&lt;br /&gt;
Ganz genau waren es zwei Mädchen, Monika und Ute, die erste muß damals so um die neun Jahre alt gewesen sein, das zweite Mädchen war etwa acht Jahre alt und dann war da ja noch Thomas, der schwer geistig behindert war und erst sechs Jahren alt war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Mädchen waren in einer Einrichtung untergebracht, aber in verschiedenen Häusern auf einem riesigen Gelände und sahen sich nur bei seltenen Veranstaltungen des ganzen Heims. Thomas hatte man in ein Heim gebracht, in dem besonders auf seine Behinderung eingegangen werden konnte.&lt;br /&gt;
Thomas konnte zu dieser Zeit nicht richtig sprechen, bewegte seine Arme sehr unkoordiniert und neigte dazu, die Kontrolle über seinen Stuhlgang zu verlieren.&lt;br /&gt;
Günther und seine verstorbene Frau waren aber in der Lage gewesen, Thomas anzusehen und aus seinen unartikulierten Äußerungen entnehmen zu können, ob er hungrig war, ob er etwas trinken wollte oder ob er zur Toilette mußte. Daheim hatte er schon lange nicht mehr in die Hose oder ins Bett gemacht.&lt;br /&gt;
Im Heim lief Thomas mit einem Kopfschutz herum, wie ihn auch Boxer beim Sparring tragen, damit er sich nicht verletzen konnte. Es hatte auch niemand Zeit, ihn zu beobachten und ihm zuzuhören, sodaß man ihm einfach eine Inkontinenzwindel angezogen hatte, die die meiste Zeit des Tages vollgeschissen war, um es mal mit deutlichen Worten zu sagen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Monatelang hatte Günther dem Jugendamt und den Heimen geschrieben, aber anfangs nur abschlägige Bescheide erhalten. Zum Erhalt des Kindswohles sei es erforderlich die Kinder bis auf weiteres in den Einrichtungen zu belassen und damit die Phase der Neuorientierung nicht gestört würde, könne man auch keine Besuche des Vaters zulassen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Biste doof?&quot; fragte Leo ihn eines Tages, &quot;Was schreibste denen immer wegen Besuchen? Du willst die doch gar nicht besuchen, Du willst doch daß die Kinder bei Dir leben können, odda?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja schon, aber guck Dich hier mal um, schau Dir an, wie ich hier hause, da bekomme ich doch meine Kinder nicht zurück.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dummzeuchs! Haste mal gesehen, wie die Kindern von den Baracklern aufwachsen? Die Kinder von den Leuten, die die Stadtverwaltung selbst in diese Obdachlosensiedlungen eingewiesen hat? Denen nimmt auch keiner ein Kind wech, ne! Un&#039; Dir haben&#039;se die Kinners ja auch man gar nich weggenommen, die sind da nur untergebracht. Du muß&#039; nen ganz anderen Weg gehen.&lt;br /&gt;
Räum hier ma&#039; auf, mach die Betten für die Kinder fein zurecht, pack den Kühlschrank voll und dann frachste nich brav und demütig an, ob Du die Kinder denn vielleicht, eventuell, möglicherweise mal sehen darfst, sondern dann stellst Du die Forderung, daß Deine Kinder sofort und gleich hier bei Dir wohnen dürfen. Nich herumzaudern und lange fackeln, sondern gleich ma&#039; auffen Putz hauen. Ihr seid doch schließlich eine Familie und Du bist der leibliche Vater. Mann ey, stell Dich mal auf die Hinterfüße, Günna!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther überlegte fast zwei Wochen lang, schrieb etliche Entwürfe eines für ihn wichtigen Briefes, verwarf sie wieder und schließlich hatte er einen Brief getippt, der im wesentlichen genau das enthielt, was Leo ihm gesagt hatte.&lt;br /&gt;
Er forderte die sofortige Rückkehr seiner Kinder in seine Obhut als leiblicher Vater und betonte, daß seine Kinder von ihm rundherum versorgt werden könnten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und diesen Brief schickte er dieses Mal nicht nur an das Jugendamt, sondern auch an das Familien- und Jugendgericht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Einige Wochen lang passierte gar nichts und Günther hatte auch diesen Brief schon als weiteren erfolglosen Versuch abgehakt. Dann kam ein Anruf vom Jugendamt, in dem ihn ein städtischer Sachbearbeiter aber sowas von böse abkanzelte, daß Günther regelrecht Herzbeklemmungen bekam.&lt;br /&gt;
Was ihm denn einfallen würde, an das Gericht zu schreiben, wie er denn auf die wahnwitzige Idee komme, die Kinder zu sich zu holen, er sei doch vorbestraft, arbeitslos und wohne unter unzumutbaren Umständen quasi in der Asozialität.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch einige Tage später hielt Günther dann einen Brief auf schäbigem Recyclingpapier in den Händen, der ihn zu einer Anhörung einbestellte.&lt;br /&gt;
Später konnte Günther mir nicht genau wiedergeben, ob er nun zum Gericht oder zum Jugendamt einbestellt worden war, aber nach allem was ich mir da so zusammenreimen muß, könnte es durchaus ein Termin bei einem Familienrichter gewesen sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf jeden Fall ist er dort in seinem viel zu engen dunkelblauen Anzug hingegangen, hatte sich die mittlerweile etwas üppig gewordene Haarpracht mit Gel sauber nach hinten geglättet und seinen Rübezahlbart sogar abgeschnitten und sich richtig glatt rasiert.&lt;br /&gt;
So saß er dann da, nach billiger Seife riechend auf der einen Seite des Raumes und auf der anderen Seite hatten drei Leute vom Jugendamt Platz genommen, zwei Männer, die von der ganzen Sache offensichtlich überhaupt nichts wußten und nur deshalb da waren, weil der Buchstabe von Günthers Nachnamen in ihren Zuständigkeitsbereich fiel und eine Frau, die mit spitzer Nase und kleinen Mausaugen ihren Mund in Günthers Richtung spitzte und ihn mit einem abschätzigen Blick von oben bis unten musterte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Richter, Rechtspfleger oder Amtsleiter sei dann in den Raum gekommen, habe alle kurz mit einem Nicken und irgendetwas Gemurmeltem begrüßt, dann durch seine Halbbrille einige Seiten der dünnen Akte studiert und schließlich mit dem Wort &quot;bitte!&quot; Günther aufgefordert, zu sprechen.&lt;br /&gt;
Günther stand auf, rieb sich verlegen die schweißnassen Hände an der Hose ab und erzählte dem Richter (nennen wir ihn mal so) von den schönen Zeiten, die er mit Frau und Kindern verbracht hatte.&lt;br /&gt;
Dann schilderte er, daß seine Frau durch eine tragische Tat ums Leben gekommen sei und er sich als Vater nun um seine Kinder kümmern möchte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein kurzes Nicken des Richters bedeutete ihm, sich wieder zu setzen und dann reckte der Richter sein Kinn auffordernd in Richtung der drei Amtspersonen. Die blieben natürlich sitzen und sonderten der Reihe nach unverständliches Pädagogengewäsch ab. &lt;br /&gt;
Je länger die Leute vom Jugendamt sprachen, umso mehr runzelte der Richter die Stirn.&lt;br /&gt;
Schließlich begann er, immer ungeduldiger werdend, mit dem Kugelschreiben auf den Aktendeckel zu tippen und dann schnitt er der Frau vom Jugendamt, die gerade den schrecklichen Charakter von Günther thematisieren wollte, einfach das Wort ab, indem er sich wieder an Günther wandte und fragte:&lt;br /&gt;
&quot;Haben die Kinder bei Ihnen eigene Zimmer oder wie sind sie untergebracht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer, jedes Kind hat sein eigenes Bett, nur den Thomas den lasse ich bei mir im Zimmer schlafen, der ist ein wenig zurück und auf den muß ich aufpassen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie sieht es mit der Schule aus?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die Mädchen sind ja sowieso in die Schule gegangen, der Thomas sollte jetzt noch ein Jahr warten und dann in das Heimdienstwerk von der Kirche gehen, die haben da doch diese Schule für Behinderte. Die holen den sogar zu Hause ab und bringen ihn abends wieder. Ich bin ja nur einmal über die Straße gezogen, da ändert sich doch nichts.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und die Betreuung?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Betreuung? Sie meinen, weil die Mutter tot ist? Na, sehen Sie, Hochwürden, wenn meine Frau ganz normal gestorben wär&#039;, hätte auch keiner danach gefragt. Nur weil die behauptet haben, ich wär das gewesen mit meiner Frau, deshalb waren die Kinder vorübergehend weg. Die mußten ja wo hin. Aber ich war das nicht gewesen, ich bin ein freier Mann und jetzt ist das Vorübergehende vorbei, jetzt können die Kinder wieder zu ihrem Papa nach Hause kommen. Was eine Mama machen kann, das kann ein Papa nicht, Kinder brauchen eine Mama und einen Papa. Wenn da nur eine Mama ist, dann fehlt der Papa und wenn da nur ein Papa ist, dann fehlt denen die Mama. Von dem ganzen Alleinerziehen-Mist halte ich nich&#039; viel. &lt;br /&gt;
Aber, Hochwürden, im Heim haben die weder Papa, noch &#039;ne Mama; und was ist denn da besser für die Kinder? Ich meine, wenn&#039;se wenigstens beim Papa sein können, dann ist das allemal besser als so&#039;n Heim.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Richter nickte kurz, dann schaute er etwa fünf Sekunden scheinbar gedankenverloren auf einen imaginären Punkt an der Decke, klappte den Aktendeckel wieder auf und sagte:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nach den Maßgaben des Paragraphen... unter Berücksichtigung der Umstände... bei Einbeziehung der Familienhilfe... außerordentliches Unrecht geschehen... Zustände nicht weiter tragbar... Auferlegung von Sofortwirksamkeit...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dann klappte er die Akte zu und bedankte sich bei den Anwesenden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Tschuldigung!&quot; rief Günther, &quot;Ich hab das nicht verstanden! Was ist denn nun Sache?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Richter mußte kurz grinsen und setzte sich wieder hin, er war nämlich schon aufgestanden und hatte nicht daran gedacht, seine Entscheidung auch in einem Deutsch zu formulieren, das Günther verstehen konnte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie können selbstverständlich sofort Ihre Kinder zu sich holen. Die Kinder haben ein Elternteil, für eine Heimunterbringung besteht überhaupt kein Grund. Das Jugendamt wird Sie bei Ihren Bemühungen, die Kinder zu betreuen, unterstützen. Hierzu habe ich angeordnet, daß die Kinder- und Jugendhilfe bei Ihnen nach dem Rechten sieht. So hat das Amt eine gewisse Kontrolle und Sie haben Ihre Kinder wieder&quot;, sagt der Richter und wandte sich dann an einen der Herren vom Jugendamt, die das Zimmer schon fast verlassen hatten: &lt;br /&gt;
&quot;Herr Schneidereit, wie sieht es denn aus, wann können die Kinder bei ihrem Vater sein?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Er kann sie abholen, wenn wir die Sache bearbeitet haben und ihm die entsprechenden Bescheide zugesandt haben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also heute Abend?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Heute Abend, nicht wahr?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber. das geht doch nicht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Warum nicht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir müssen doch erst....&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was müssen Sie?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja aber...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nichts ja aber. Abern sie hier mal nicht so amtlich herum. Ich erwarte, daß Sie die Kinder bis heute Abend zu ihrem Vater gebracht haben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit diesen Worten und einem abermaligen kurzen Nicken in Günthers Richtung war der Richter dann durch die rückwärtige Tür des Raumes verschwunden. &lt;br /&gt;
Von der anderen Tür blitzten Günther die fast schon feindseligen Blicke der Leute vom Jugendamt an.&lt;br /&gt;
Doch Günther war glücklich, er konnte gar nicht fassen, daß das alles so gut für ihn gelaufen war.&lt;br /&gt;
Doch als er die Blicke der Leute vom Jugendamt sah, da wußte er: Da kommt nichts Gutes auf ihn zu!&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 11 Aug 2011 07:16:00 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -XI-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Zu jener Zeit, und man darf ja nicht vergessen, daß das alles schon viele Jahre her ist, war es in der Stadt üblich, daß sozial Schwache, Unbekannte und die so genannten &quot;unklaren Toten&quot; eingeäschert und &quot;teilanonym&quot; beigesetzt wurden.&lt;br /&gt;
Eigentlich hätten diese Verstorbenen laut Satzung und Gesetz eine Erdbestattung, wenn auch eine schlichte, bekommen müssen. Aber aufgrund eines dummen Zufalls war in einem Jahr die Zahl der Einäscherungen so hoch geschnellt, daß sie die Zahl der Erdbestattungen leicht überstieg.&lt;br /&gt;
 Der dumme Zufall lag in der verzögerten Fertigstellung des Waldfriedhofes begründet.&lt;br /&gt;
Der Waldfriedhof ganz im Norden der Stadt ist seinerzeit komplett neu gestaltet und erweitert worden. &lt;br /&gt;
Die Trauerhalle, ganz aus hellem Nadelholz gezimmert, war hochmodern und erinnerte doch eher an eine große Waldhütte. Die neuen Gräberfelder sollten wie kleine Inseln quasi mitten im Wald liegen, verbunden durch schön gepflasterte Wege und ausgestattet mit vielen Parkbänken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schon vorher, als der Waldfriedhof noch ein kleiner, unbedeutender Friedhof gewesen war, erfreute er sich einer besonderen Beliebtheit und es galt als eine Besonderheit, dort ein Grab zu ergattern. Es wurde gemunkelt, man müsse da schon ordentlich was zusätzlich hinlegen, damit das Friedhofsamt einem dort ein Grab verkaufe. Natürlich wurde das von offizieller Stelle immer bestritten...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt aber bahnte es sich an, daß genügend Gräber zur Verfügung stehen würden und sehr viele Leute in der Stadt hatten ein Grab auf diesem besonders schönen Friedhof fest eingeplant.&lt;br /&gt;
Ja und dann kamen die Umweltschützer und behaupteten, dort im Wald am Stadtrand gäbe es den ach so seltenen Blubberhamster oder so.&lt;br /&gt;
Zwar hat niemals jemand einen solchen Hamster dort gesehen, aber das änderte nichts daran, daß diese Viecher unter besonderem Schutz standen und damit die Erweiterungsarbeiten des Friedhofs so lange ruhten, bis wissenschaftlich festgestellt war, daß die Hamster wohl inzwischen weggezogen wären.&lt;br /&gt;
Das hat mehr als zwei Jahre gedauert.&lt;br /&gt;
Tja und was taten die Leute? Die Leute hatten herausgefunden, daß man laut Friedhofssatzung in jedes normale Reihengrab kostenlos noch eine Urne mitbestatten kann.&lt;br /&gt;
Diese Regelung gab es für den Fall, daß ein Ehepaar kurz hintereinander verstirbt, es muß ja auch von den Ruhezeiten passen, und beide in ein Grab sollen. In ein normales Erdreihengrab kann aber nur ein Sarg. Der andere Ehegatte hätte unter Umständen an einer vollkommen anderen Stelle des Friedhofs ein Grab bekommen. Damit das nicht passiert und damit die Familien nicht so stark finanziell belastet werden, konnte man in einem solchen Fall den zweiten Verstorbenen einäschern und seine Urne mit in das Grab des Ehepartners geben lassen.&lt;br /&gt;
Aber die Stadtoberen hatten vergessen, explizit das Wort Ehepartner oder Verwandter in die Satzung aufzunehmen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Desweiteren waren die Leute dahinter gekommen, daß in der Satzung stand, daß man die Ausgrabung einer Urne nur aus einem außerordentlich wichtigen Grund vornehmen lassen könne.&lt;br /&gt;
Das weiß man ja, daß die Behörden die Hürde für das Ausgraben von Särgen und Urnen sehr hoch ansetzen, weil die Leute sonst manchmal auf dumme Gedanken kommen. Die Totenruhe geht vor.&lt;br /&gt;
Nur hatte die Friedhofsverwaltung natürlich auch ein durchaus veritables Interesse daran, große und teure Gräber zu verkaufen und deshalb sagte Paragraph 28 der Satzung, daß Ausgrabungen von Urnen dann zu einem Preis von nur 80 Mark außerordentlicherweise möglich seien, wenn ein naher Angehöriger verstirbt und die Urne mit diesem gemeinsam in ein teures Wahlgrab umgebettet werden soll.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Diese beiden Regelungen führten seinerzeit zum Urnenparken.&lt;br /&gt;
Ja, die Leute wollten also alle gerne auf dem Waldfriedhof beerdigt sein. Der war aber noch nicht fertig und es stand in den Sternen, wann er fertig sein würde.&lt;br /&gt;
Also suchte man sich im Todesfalle im Bekanntenkreis jemanden, der neulich erst einen Angehörigen in einem Reihengrab hatte beerdigen lassen und ließ die Urne seines eigenen Verstorbenen einfach mit im Reihengrab dieses fremden Menschen beisetzen.&lt;br /&gt;
Das geschah mit mehreren hundert Leuten so!&lt;br /&gt;
Die Friedhofsverwaltung wunderte sich zwar über den enormen Anstieg von Urnenbestattungen, führte aber dieses &quot;Beibestatten&quot; in fremden Gräbern auf die allgemein schlechte wirtschaftliche in der Stadt zurück.&lt;br /&gt;
Eigentlich war diese Regelung ja nicht geschaffen worden, damit sich Fremde beieinander bestatten lassen und so Grabgebühren sparten, sondern damit Ehepartner zusammen in ein Grab können.&lt;br /&gt;
Aber das stand eben so nicht in der Friedhofssatzung.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sofort ging man daran, die Friedhofssatzung in diesem Punkt zu überarbeiten. Doch da die Satzung sowieso noch aus der Zeit des Nationalsozialismus stammte, wäre noch viel mehr anzupassen und zu ändern gewesen und das wollte man dann alles in einem Aufwasch erledigen.&lt;br /&gt;
So zog sich das dann eben auch ein paar Jahre hin.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eines Tages wurde der Waldfriedhof dann doch feierlich eingeweiht. Fürs Erste habe man nun 400 neue Gräber geschaffen, bei Bedarf könnten noch unzählige weitere Felder im Wald in Betrieb genommen werden, aber 400, das sei ja eine stolze Zahl, die für einen solchen Vorortfriedhof eine ganze Weile reichen sollte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Denkste! Kaum war der schöne Waldfriedhof fertig, häuften sich bei der Friedhofsverwaltung die Kaufanträge für Wahlgräber und die Anträge auf Umbettung einer Urne dorthin.&lt;br /&gt;
Erst da kam man bei der Behörde darauf, daß sehr viele Witwen ihren Franz, Egon oder Bruno nur im Grab eines anderen &quot;geparkt&quot; hatten und eigentlich auf ein Grab auf dem Waldfriedhof gewartet hatten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dagegen wollte die Verwaltung sich zunächst wehren, hatte aber letztlich keinen Erfolg damit. Das Theater wäre zu groß geworden und deshalb genehmigte man dann in einem Eilverfahren alle diesbezüglichen Anträge; nicht zuletzt auch, weil sich auf diese Weise auf dem neuen Waldfriedhof überproportional viele teure Wahlgräber verkaufen ließen.&lt;br /&gt;
Die 400 Gräber reichten schon nach kurzer Zeit nicht mehr und am Ende hatte es nur Gewinner gegeben. Die Witwen hatten durch das &quot;Urnenparken&quot; sicher gestellt, am Ende mit ihrem Ehemann gemeinsam in ein Grab zu kommen, man hatte die schönen Gräber auf dem Waldfriedhof und die Stadtverwaltung hatte in diesen zwei oder drei Jahren doppelt so viele Wahlgräber verkauft wie zuvor.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ja und deshalb hatte es da ein Jahr gegeben, in dem die Einäscherungszahlen besonders hoch gewesen waren. Und genau darauf verwies die Stadt, als sie die Feuerbestattung zur &quot;ortsüblichen&quot; Bestattung machte und deshalb konnte man Arme und &quot;unklare Tote&quot;, also solche ohne Verwandte usw., einäschern und anonym bestatten lassen.&lt;br /&gt;
Hierbei bediente man sich auch eines Tricks. Den Leuten hätten nach den Buchstaben des Gesetzes einfache Gräber zugestanden. Eine Sammelwiese irgendwo auf dem Friedhof ist aber nunmal kein Grab.&lt;br /&gt;
Aber man sagte, der Verwaltung sei die Stelle, an der die betreffenden Urnen beigesetzt seien, sehr genau bekannt, damit sei das eine ordentliche Grabstätte, nur eben ohne äußerliche Kennzeichnung. Und wenn dann doch ein Angehöriger komme und zu den Kosten herangezogen werden könnte, dann stünde ja der Anlage eines ordentlichen Grabes in einem anderen Gräberfeld nichts im Wege.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und genau vor so einer anonymen Wiese stand Günther dann eines Tages und suchte ratlos nach irgendeinem Hinweis, wo denn seine Frau liegen könnte.&lt;br /&gt;
Doch es gab keine Tafel, kein Kreuz, keine Markierung.&lt;br /&gt;
Nur diese große gemähte Wiese gab es dort, mehr nicht.&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 24 Jul 2011 10:10:32 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -X-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Nun darf man sich das nicht so vorstellen, als ob Günther und Leo die dicksten Freunde geworden wären. Das war immer mehr so ein Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter oder Unter-unter-unter-Mieter.&lt;br /&gt;
Trotzdem verstanden sich die beiden ganz gut, hielten mehrmals am Tag ein kleines Schwätzchen miteinander, aber ansonsten ging jeder seiner eigenen Vorstellung von einem geregelten Tagesablauf nach.&lt;br /&gt;
 Bei Günther bedeutete das, daß er Schriftstück um Schriftstück auf einer alten, aber immerhin schon elektrischen Schreibmaschine tippte, um seine Kinder wieder zu bekommen. &lt;br /&gt;
Ich habe ehrlich gesagt Jahre gebraucht, bis ich verstanden habe, wie viele Kinder Günther wirklich hatte und wie sich das alles im Einzelnen verhielt.&lt;br /&gt;
Ich schrieb ja schon mal, daß es manchmal recht schwierig war, aus Günther etwas heraus zu bekommen.&lt;br /&gt;
&quot;Ja weißt Du, das muß man mehr im Gesamten sehen, das ist alles so eine Sache, wie würdest Du das denn beurteilen und kennst Du die Geschichte von Sokrates und dem Hund? So global ist das ausgerichtet, mehr so universell, also ich will mal sagen, jetzt frag ich Dich!&quot;&lt;br /&gt;
So oder so ähnlich lauteten manche seiner Sätze und man saß dann da mit etwas offenem Mund und wußte nun gar nicht mehr, was man sagen sollte; hatte man doch eigentlich eine ganz klare Antwort auf eine noch viel klarere Frage erwartet.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nach meinem damaligen Erkenntnisstand handelte es sich nicht nur um zwei, sondern um drei Kinder.&lt;br /&gt;
Offenbar hatte Günther, woher auch immer, ein Mädchen mit in die Ehe gebracht und zusammen mit seiner jetzt verstorbenen Frau hatte er zwei Kinder, auch ein Mädchen und dann noch den behinderten Jungen.&lt;br /&gt;
Alle Kinder waren in unterschiedlichen Heimen untergebracht und man wollte Günther partout nicht sagen, in welchen Heimen. Da sei erst noch einiges zu klären und man sei sich nicht sicher, ob das für die Kinder gut sei, wenn er jetzt dort auftauchen würde und bevor das Familiengericht nicht über seine Anträge entschieden habe, sei auch gar nicht daran zu denken, die Kinder wieder zu ihm zu lassen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So verbrachte Günther jeden Tag eine bis zwei Stunden damit, Briefe von Behörden zu lesen, zu beantworten und abzuheften. Zwei bis drei Stunden widmete er sich der Gartenarbeit, denn allmählich wurde er mehr und mehr zum Selbstversorger.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie aus heiterem Himmel meldete sich sein Arbeitgeber und forderte ihn auf, seine Arbeit wieder aufzunehmen oder am soundsovielten des Monats beim Dienstarzt zu erscheinen.&lt;br /&gt;
Psychisch war Günther zu dieser Zeit ein Wrack. Man stelle sich vor: Da wird nicht nur der geliebte Ehepartner ermordet, sondern man lässt einem noch nicht einmal die geringste Chance, um diesen geliebten Menschen anständig zu trauern. Stattdessen wird man verdächtig, diesen Menschen umgebracht zu haben, wird vor den Augen der gafernden und neugierigen Meute vor Gericht gestellt, von den Boulevardzeitungen schon als &quot;Schlächter&quot; und &quot;Frauenmörder&quot; vorverurteilt und dann, nach erwiesener Unschuld, mehr oder weniger schutzlos mit einem Arschtritt wieder in die Freiheit gestoßen.&lt;br /&gt;
Und in dieser Freiheit fängt einen keine intakte Familie in einem trauten Heim wieder auf, sondern man ist sein Haus los, seine Familie ist zerschlagen und man ist auch noch krank, verletzt und einsam.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es ist ja klar, wenn man schon so vom Pech verfolgt war, wie es bei Günther offensichtlich der Fall war, dann konnte es nicht ausbleiben, daß ihm auch noch die Mitschuld an dem Verkehrsunfall gegeben wurde. Dreimal mußte Günther auf der Polizei eine Aussage machen, dann wurde er wieder vor Gericht zitiert. Die gegnerische Versicherung hatte ihn verklagt, seine eigene Versicherung hielt dagegen, aber unterm Strich war es so, daß Günther am Ende seinen eigenen Schaden selbst zu tragen hatte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das allein ist schon schlimm genug, denn bei einem solchen Totalschaden ist man dann eben sein Auto los. Aber bei Günther kam ja noch hinzu, daß er das Auto noch gar nicht lange gehabt hatte und es ein finanziertes Auto war. Das heißt, es war mit einem Schlag die hohe Anzahlung futsch und er sollte noch viele Jahre an den monatlichen Ratenzahlungen zu kauen haben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Beruflich sollte es auch nicht rosig laufen. Durch den Unfall hatte Günther noch jahrelang Schmerzen in den Schultern und im Nacken und schluckte deswegen eigentlich unentwegt irgendwelche Schmerztabletten. Besonders bei feuchtem Wetter konnte er sich kaum bewegen.&lt;br /&gt;
Der Dienst- oder Vertrauensarzt war ein alter Komisskopp und fackelte nicht lange herum. Günther sei ein notorischer Krankfeierer, der sich nur vor der harten Arbeit im Freien drücken wolle und eine Kur oder Erholungsmaßnahme komme gar nicht in Frage.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nein, Günther sei nicht nur berufsunfähig, sondern arbeitsunfähig und &quot;selbst zur Ausführung leichter Tätigkeiten, die etwa im Sitzen durchgeführt werden können, nicht in der Lage&quot;.&lt;br /&gt;
Auf diese Weise wurde Günther quasi von heute auf morgen in einem völlig unangemessenen Alter zum Frührentner mit einer Minirente.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Versicherung, die ihm irgendwie weiter geholfen hätte, hatte Günther nicht. Weder war das Auto vollkaskoversichert, noch hatte er eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder dergleichen.&lt;br /&gt;
&quot;Das haben wir alles aufgelöst, weil wir doch das Haus hatten, da ist jeder Pfennig reingesteckt worden.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ganz genau konnte ich nie herausfinden, wie das mit dem Haus von Günther gelaufen ist. Wenn ich alle Puzzlesteine sortiere, dann schaut es so aus, daß ihm und den Kindern zwar ein gewisser Anteil gehörte, er aber letztlich nicht in der Lage war, die Ansprüche seiner Schwägerin zu befriedigen.&lt;br /&gt;
Natürlich hätte er die Schwester seiner Frau ausbezahlen können, aber wovon?&lt;br /&gt;
Stattdessen wedelte die mit dem Geld und war auch bereit, die laufenden Hypothekenraten zu bezahlen. Irgendwann ist Günther dann eingeknickt und hat für eine lächerliche Abstandssumme seine Unterschrift bei einem Notar unter die Überschreibungsurkunde gesetzt.&lt;br /&gt;
&quot;Damit war das Haus weg und die konnten sich ins gemachte Nest setzen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Von alledem wußte ich noch gar nichts und Günther kam wie ein ganz normaler Kunde zu mir. Er stand eines Tages in meinem Bestattungshaus und hielt mir ganz bescheiden zwei Briefe hin. Seine Frau sei gestorben und er wisse jetzt gar nicht so genau, wo die denn beerdigt sei und nun wolle er das doch aber gerne wissen, weil er doch zu gerne ab und zu ein paar Blümchen dahin bringen würde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nun, das war das geringste Problem. Ein einziger Anruf beim Friedhofsamt reichte aus, um die Grablage zu erfahren und ich wunderte mich damals, wie es denn wohl dazu gekommen sein könnte, daß dieser Mann das Grab seiner Frau nicht kennt. &lt;br /&gt;
Normalerweise hätte man einfach gefragt, aber ich wollte nicht unhöflich sein und hatte den Kopf auch voll mit anderen Sachen. Deshalb schrieb ich ihm, ohne weiter darüber nachzudenken, den Namen des Friedhofs und die Feld- und Reihennummer auf einen Zettel. &lt;br /&gt;
&quot;Wenn Sie noch Fragen haben, rufen Sie mich bitte an&quot;, sagte ich noch, reichte ihm den Zettel, schüttelte seine Hand und dann war er auch schon wieder weg.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 24 Jul 2011 09:28:41 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -IX-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Man könnte ja nun glauben, Günther gehörte sein Haus sowieso. Seine Hälfte plus die Hälfte von dem was seine Frau hinterlässt und der Rest geht an die Kinder, oder so. Aber die Sache stellte sich dann doch etwas anders dar. Da G&amp;uuml;nther und seine Frau damals nicht &lt;a href=&quot;http://www.immo-partner.de/&quot;&gt;einen Hausbau finanzieren&lt;/a&gt; konnten, hatten G&amp;uuml;nthers Schwiegereltern ihm und seiner Frau finanziell gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig beim Kauf des Hauses unter die Arme gegriffen und und sich deshalb mit ins Grundbuch schreiben lassen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nach deren Tod hatten G&amp;uuml;nthers Frau und deren Schwester die Anteile der Eltern geerbt, blo&amp;szlig; hatte G&amp;uuml;nther lange schon verdr&amp;auml;ngt, da&amp;szlig; seine Schw&amp;auml;gerin diesen kleinen Anteil besa&amp;szlig;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;(Die mitlesenden Rechtsexperten k&amp;ouml;nnen das ja mal in Prozenten auseinanderdr&amp;ouml;seln.)&lt;/p&gt;&lt;p&gt; Die Verstorbene hatte sich nichts B&amp;ouml;ses dabei gedacht, als sie ihrer Schwester einen Gro&amp;szlig;teil des Hauses vermachte. Auch wenn die Schwestern sich nicht besonders nahe standen, so war die Schwester doch die Patentante der Tochter und G&amp;uuml;nthers Frau hatte sich wohl gedacht, da&amp;szlig; auf diese Weise die Schwester enger gebunden w&amp;uuml;rde und sich im Falle eines Falles um die Kinder k&amp;uuml;mmern w&amp;uuml;rde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Egal wie, am Ende war es so, da&amp;szlig; G&amp;uuml;nther nur etwa &lt;a href=&quot;http://www.welt.de/die-welt/article3620284/Wie-Hauserben-Steuern-sparen.html&quot;&gt;ein Viertel des Hauses beanspruchen&lt;/a&gt; konnte und aufgrund seiner strapazierten finanziellen Lage gar nicht genug Geld hatte, um seine Schwägerin auszubezahlen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die aber hatte ja schon durch das Ausmessen der Wohnräume gezeigt, daß sie ein sehr starkes Interesse an dem Haus hatte und so kam es, daß Günther irgendwann aufgab, seine Habseligkeiten in Kisten und Kartons packte und vom Wohnhaus in die Villa Kunterbunt zog.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich erinnere mich noch daran, daß ich damals gesehen habe, wie Günther und Horst da Kisten schleppten und daß schon 14 Tage später ein Gerüst vorne am Haus deutlich zeigte, daß da jetzt jemand gründlich renoviert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Allein über die schnippischen Auftritte der Schwester und ihres Mannes könnte man ein ganzes Kapitel schreiben, aber das erspare ich mir und den Lesern, denn es gab damals ganz andere Entwicklungen, die viel spannender waren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zum Beispiel war es ja noch immer völlig ungeklärt, wer Günthers Frau erschlagen hatte. Die müde anlaufenden Ermittlungen gingen nun in eine ganz andere Richtung und die Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft taten so, als sei das nun die neueste Erkenntnis der Welt: man suchte einen haarigen Lastwagenfahrer!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Baustelle, von der man annahm, dort könnte dieser Arbeiter Beton geliefert haben, wurde zwar von einem deutschen Bauunternehmen geführt, tatsächlich hatte man aber die verschiedenen Bautätigkeiten, also die Gewerke, an unterschiedliche Subunternehmer weitergegeben.&lt;br /&gt;
Die wiederum hatten auch wieder Subunternehmer, vornehmlich aus dem Ausland, beschäftigt und so kam es, daß auf der Baustelle fast keiner die selbe Sprache sprach. Allen gemeinsam jedoch war, daß kaum einer Deutsch konnte, man sich untereinander gar nicht kannte und die Ermittler sich schwer taten, da durch zu blicken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Einige hundert Meter von der Baustelle entfernt hatten sich beispielsweise polnische Bauarbeiter eine Wagenburg aus Kleinwagen und Zeltplanen errichtet, in der sie unter jämmerlichen hygienischen Verhältnissen hausten.&lt;br /&gt;
Ein ganzes Rudel Bulgaren wohnte in drei Wohncontainern am anderen Ende der Stadt. Es hieß, die Bulgaren müssten immer verschwinden, wenn die Kontrolle kam.&lt;br /&gt;
Ein paar Zimmerleute aus Irland oder Schottland, das wußte keiner so genau, hatten sich auf dem ungenutzten Gelände unter der Autobahnbrücke im Süden der Stadt einige Wohnwagen aufgestellt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sagen wir es mal so, die waren alle haarig, vor allem die Bulgaren.&lt;br /&gt;
Mehr Anhaltspunkte hatte man nicht und viel weiter kam man auch nicht, denn die häufigste Antwort, die die Ermittler zu hören bekamen, lautete: &quot;Nix verstehen!&quot;&lt;br /&gt;
Und man muß natürlich dazu sagen, daß man in der Ermittlungsarbeit wohl auch ziemlich halbherzig vorgegangen ist. Zu groß war die Niederlage vor Gericht gewesen, als Günther, den man schon als Täter sicher überführt glaubte, freigesprochen worden war.&lt;br /&gt;
Hätte man nun nach kurzer Zeit den richtigen Täter gefunden, dann hätten Presse und Öffentlichkeit mit Recht gefragt, warum man den denn nicht gleich ermittelt habe.&lt;br /&gt;
Wenn es Günther schon nicht gewesen sein konnte, so sah die Polizei auf jeden Fall besser aus, wenn der wahre Täter der große Unbekannte blieb.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther begann also in jenen Tagen sein Leben in der Villa Kunterbunt, stellte den Verkauf von Gemüse und Limonade ein und ließ den vorderen Teil vor der Garage zuwachsen. Von der Straße aus sah man forthin nur noch die Garage und ansonsten sehr viel Grün.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Horst war ihm in dieser Zeit eine große Stütze, doch mußte Horst arbeiten, während Günther noch eine Krankmeldung hatte. Durch den Unfall hatte er sich einen Nackenwirbel verletzt und diese Verletzung wurde immer schlimmer.&lt;br /&gt;
Dem maß Günther aber zunächst keine große Bedeutung bei. Viel schlimmer für ihn war, daß die junge Frau, mit deren Auto er zusammengestoßen war, nun auf einmal nicht mehr das arme, hilflose Mäuschen war, sondern über ihren Anwalt mitteilen ließ, er habe das Rotlicht der Ampel mißachtet und sei damit Schuld am Unfall.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Genau in dieser Zeit trat Leo in Günthers Leben.&lt;br /&gt;
Leo war ein Tunichtgut aus dem Hamburger Hafen. Jemand, der sich sein Leben lang für ein paar Mark am Tag mit Tagelöhnerdiensten durchgeschlagen hatte und kein geregeltes Leben führte.&lt;br /&gt;
Als ihm irgendeine klitzekleine Größe aus dem dortigen Milieu drohend ein Messer an den Hals gehalten hatte, hatte Leo seine sechs Unterhosen, zwei blaue Latzhosen und drei gestreifte Fischerhemden in einen Seesack gepackt und war schwarz von Hamburg bis hier in die Stadt gefahren.&lt;br /&gt;
Erst hatte er einige Wochen &quot;Platte gemacht&quot;, also auf der Straße gelebt, dann hatte ihm jemand den Tipp gegeben, daß man auf dem Campingplatz unten am Fluss ganz billig im Zelt wohnen könne und wenigstens sanitäre Anlagen hätte.&lt;br /&gt;
Etwa zwei Jahre hatte Leo im Zelt gewohnt, was offiziell so gar nicht erlaubt war, von den Behörden aber geduldet wurde, dann war ein Saufkumpel vom Campingplatz besoffen in den Fluss gefallen und hinterher im Krankenhaus an Lungenentzündung gestorben. Und dieser Saufkumpan hatte Leo, im Beisein anderer Freunde der hochgeistigen Getränke auf dem Sterbebett seinen Wohnwagen vermacht.&lt;br /&gt;
Tatsächlich haben solche mündlichen Testamente, geäußert vor genügend Zeugen, wohl sogar rechtliche Wirkung, aber das brauchte es gar nicht, niemand zweifelte Leos Inbesitznahme des kleinen Wohneis an.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nur konnte Leo die nun vom Campingwirt geforderte höhere Standgebühr nicht bezahlen und so drohte man Leo, ihn mitsamt seines Wohnwagens einfach in den Fluss zu schmeissen.&lt;br /&gt;
Da kam Leo die Idee, bei Günther vorzusprechen, bei dem er früher schon mal ein paar Zwiebeln und den einen oder anderen Träger Bier gekauft hatte, und ihn zu fragen, ob er denn nicht seinen eiförmigen Kleinwohnwagen auf dessen Grundstück abstellen könne.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich saß sowas von selbst in der Scheiße, da war ich froh, daß der Leo mit seinem Wohnwagen kam, dem es noch dreckiger ging. Eben noch war ich der Abschaum, der nur in einer Laube wohnt und eine Stunde später war ich auf einmal der, der einen Stellplatz vermietet auf dem einer in einem Wohnwagen lebt&quot;, hat Günther später mal erzählt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nun muß man sich den Leo so vorstellen: &lt;br /&gt;
Ein kleiner, dürrer Mann mit sehr langen Gliedmaßen und einem langen und ebenfalls dünnen Hals. Der Kopf schien für diesen Hals viel zu groß zu sein, wenngleich bei näherer Betrachtung Leos Kopf kaum größer war, als der von anderen Menschen. &lt;br /&gt;
Über den Ohren hatte Leo zwei sonnengelbe blonde Haarinseln, die sich am Hinterhaupt nur mühsam noch trafen, ansonsten war er kahl, was man aber selten sah, denn die meiste Zeit trug er eine speckige Prinz-Heinrich-Mütze.&lt;br /&gt;
Gekleidet war Leo immer (und ich betone das Wort immer) mit einer ehemals blauen Latzhose mit dem Schriftzug &quot;Stauerei Hansen und Sohn&quot; auf dem Latz und einem gestreiften, kragenlosen Fischerhemd. Dessen Ärmel waren sommers wie winters hochgekrempelt, damit man die verwaschenen, grau wirkenden Tätowierungen auf seinen Unterarmen sehen konnte.&lt;br /&gt;
Ich habe Leo oft gesehen, es war mir jedoch nie möglich, von diesem grauen Mischmasch mehr zu erkennen als einen Schiffsanker.&lt;br /&gt;
Nein, nein, der Fleck da neben seinem Auge, das sei keine Knastträne, da habe ihn der Tätowierer aus Versehen getroffen, als er besoffen vom Stuhl gefallen sei. Wer? Er oder der Tätowierer?&lt;br /&gt;
&quot;Weiß ich nicht mehr, da war ich besoffen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;An den Füßen trug der etwa 60jährige Leo ausschließlich ganz dünn gelaufene holländische Holzschuhe, so wie es selbst in Holland nur noch die ganz Alten oder Traditionsbewußten tun. Es gebe nichts Bequemeres und Haltbareres. &quot;Im Sommer trägste die barfuß und im Winter mit dicken Stricksocken, das ist so schön muggelig.&quot;&lt;br /&gt;
Alles in Allem behauptete Leo, er sei quasi jahrzehntelang zu See gefahren und er konnte Stunden am Stück von der Umschiffung von Kap Horn und Fahrten durch die Südsee erzählen.&lt;br /&gt;
Und jeder hörte ihm gerne zu, obwohl jeder wußte, daß Leo niemals in seinem Leben aus dem Hafen weg gekommen war. Das heißt, einmal ist er ja doch weg gekommen und zwar in jenes Wohnei, das nun hinter Günthers Garage zwischen zwei Pflaumenbäumen stand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Leo wäre für den weiteren Fortgang der Geschichte völlig ohne Belang und ich hätte gar nicht von ihm erzählen müssen, jedoch sollte er eine Idee haben, die ihn, Günther und Horst auf die Spur des Mannes bringen sollte, der Günthers Frau erschlagen hatte.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 21 Jul 2011 07:31:17 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -VIII-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Es interessiert die Leute ja eigentlich gar nicht, wie ein Prozess ausgegangen ist. Wichtig für Ihren Umgang mit einem anderen Menschen ist da eher die Tatsache, daß der ja &quot;immer von der Polizei abgeholt wird&quot; und &quot;ständig seine Frau umbringt&quot; und daß ihm seine &quot;Kinder weggenommen worden sind, die armen Kinder&quot;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther kehrte nach Hause zurück und stand vor dem Scherbenhaufen seiner Existenz.&lt;br /&gt;
Nun muß man wissen, daß Günther dazu neigt, seine Worte in leere Satzhülsen zu kleiden, sehr in Rätseln zu sprechen und immer wieder noch viel rätselhaftere Gegenfragen zu stellen.&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten: Ich habe oft nicht verstanden, was er mir eigentlich sagen wollte.&lt;br /&gt;
 Vielleicht sollte ich aber zunächst erzählen, wie ich Günther kennen gelernt habe.&lt;br /&gt;
Aber vielleicht ist es doch besser, wenn ich zuerst schildere, wie es mit Günther unmittelbar nach dem Prozess weiter gegangen ist. Dann wird auch klar, warum ich ihn so und unter diesen Umständen kennen lernte. Jedoch muß man bei dem nun Folgenden berücksichtigen, daß ich mir das aus den rätselhaften Erzählungen von Günther, die sicherlich auch stellenweise nur seine Sichtweise wiedergeben, zusammenfügen muß.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther wurde aus der Haft entlassen, vor dem Knast von seinen Kindern, die ein Blumensträußchen in den Händen hielten, erwartet und dann fuhren sie in das Wohnhaus und lebten dort glücklich und zufrieden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schön, nicht wahr?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber eben nicht wahr.&lt;br /&gt;
Ich habe selten eine Lebensgeschichte gehört, die so von Schicksalsschlägen und dramatischen Ereignissen erfüllt war, wie die von Günther. Und demnach ist auch klar, daß es nicht mit &quot;heiler Welt&quot; weitergegangen ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther hatte sich vor den Vorfällen, die zu seiner Festnahme und Inhaftierung geführt hatten, gerade ein neues Auto gekauft. Ein russischer Geländewagen, mit dem man auch mal was Schweres für Haus und Garten transportieren konnte, auf Abzahlung.&lt;br /&gt;
Finanziell war es für Günther bis zu seiner Haftentlassung ganz gut weiter gelaufen. Alle anfallenden festen Beträge waren automatisch abgebucht worden, doch jetzt war das Ersparte aufgebraucht und das Konto gehörig im Minus. &lt;br /&gt;
Aber das würde schon werden, schließlich hatte er ja eine gute Position bei der Bahn und ging wie selbstverständlich davon aus, daß man ihn weiter beschäftigen würde, schließlich war seine Unschuld ja bewiesen und ein ordentliches Gericht hatte ihn von jeglicher Schuld frei gesprochen.&lt;br /&gt;
Mit dieser Hoffnung verließ Günther also nun das Gefängnis und als das große, blaue Eisentor hinter ihm krächzend und quietschend über die Stahlschiene am Boden rollte und schließlich den Ausgang der Justizanstalt verschloss, da war es, als nehme ihm jemand eine zentnerschwere Last von den Schultern. Minutenlang stand er da, mit geschlossenen Augen und saugte die frische Luft durch seine Nasenlöcher ein.&lt;br /&gt;
Es hupte und Günther öffnete die Augen und sah auf der anderen Straßenseite seinen neuen Geländewagen. Sein Freund Horst, ein ehemaliger Arbeitskollege, beugte sich aus dem heruntergekurbelten Fenster und rief: &quot;Na Alter, wie sieht&#039;s aus? Lust auf &#039;ne kleine Spritztour?&quot;&lt;br /&gt;
Dabei hielt er den Zündschlüssel aus dem Fenster und klingelte mit den Schlüsseln.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther hatte sich schon innerlich darauf vorbereitet, mit der Straßenbahn nach Hause fahren zu müssen und freute sich, daß Horst sich den Schlüssel besorgt und ihm den Wagen zum Knast gefahren hatte.&lt;br /&gt;
Flugs warf er seine Sporttasche auf den Rücksitz, Horst rutschte rüber und Günther setze sich ans Steuer. &quot;Mal sehen, ob ich das noch kann&quot;, sagte er und steckte den Zündschlüssel ins Schloss.&lt;br /&gt;
&quot;Das verlernt man nicht, das ist wie Radfahren, das steckt in einem drinne&quot;, meinte Horst und schlug seinem Freund auf die Schulter: &quot;Los, lass uns fahren!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther hatte natürlich nichts verlernt, Horst hatte da vollkommen recht. Aber das half alles nichts.&lt;br /&gt;
Sie waren etwa drei Kilometer durch den um diese Tageszeit recht dünnen Stadtverkehr gefahren, da kam es an der Ecke Rudolfstraße/Goethestraße zu einem folgenschweren Unfall.&lt;br /&gt;
Eine 23jährige junge Frau hatte an einer Ampel nicht angehalten und Günther rauschte ihr mit knapp 50 Sachen trocken und knackig in die Seite ihres ebenfalls noch recht neuen VW-Polos.&lt;br /&gt;
Zwar kam die Frau dabei durch die Wucht fast auf dem Beifahrersitz ihres Volkswagens zum Sitzen, doch ist ihr, abgesehen von ein paar heftigen Prellungen, nichts weiter passiert. Horst hatte sich den Kopf angeschlagen und blutete aus einer Wunde über der rechten Augenbraue wie ein Schwein, aber auch ihm war nichts wirklich Ernsthaftes passiert.&lt;br /&gt;
Günther hingegen war in seinem Sitz so heftig nach vor geschleudert worden, daß er minutenlang wie tot in seinem Gurt hing.&lt;br /&gt;
Es folgte der übliche Auflauf von Neugierigen, dann rief jemand die Polizei und einen Krankenwagen und am Ende wurde Horst auf der Straße verpflastert, während Günther und die junge Frau in Krankenhäuser abtransportiert wurden.&lt;br /&gt;
Kurz erzählt wurde Günther schon am nächsten Tag wieder entlassen und abermals war es Horst, der ihn abholte.&lt;br /&gt;
Dieses Mal ohne Auto.&lt;br /&gt;
Das war nämlich kaputt, total kaputt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Komm, wir gehen nach Hause&quot;, sagte Horst, hakte seinen Freund unter und meinte: &quot;Da wär&#039; noch was, was ich Dir sagen muß.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was denn? Was Schlimmes?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hm, schon...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na, dann erzähl&#039; mal, was soll mich jetzt noch aufregen können?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch was Horst ihm erzählte, das regte Günther dann doch auf. Jutta, die Schwester seiner Frau, und Helmut, deren Mann, erhoben Anspruch auf das Haus von Günther und waren schon mehrfach mit dem Zollstock durch das Haus gegangen, so als sei es ihres.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie kommen die denn dazu? Die haben doch den Kontakt zu uns abgebrochen. Was machen die in meinem Haus?&quot; regte sich Günther auf und Horst erklärte ihm: &quot;Das wirst Du schon noch sehen. Jutta erbt einen Teil, das hat Deine Frau so verfügt und den Teil will Jutta haben. Du wirst sie also ausbezahlen müssen und da das Haus noch nicht abbezahlt ist, wird sich die Frage stellen, wer am Ende den längeren Atem hat.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na, das ist ja wohl klar, den werde ich haben, das ist schließlich mein Haus. Da werde ich den längeren Atem haben&quot;, wetterte Günther und die Leute in der Straßenbahn, die die beiden Freunde notgedrungen hatten nehmen müssen, drehten sich neugierig zu ihnen um.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Auch finanziell?&quot; fragte Horst nach und fügte noch hinzu: &quot;Recht haben und Recht bekommen - das sind manchmal zwei Paar Schuhe...&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 19 Jul 2011 12:17:33 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -VII-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Günthers Prozess war auf zwei Tage angesetzt. Die Staatsanwaltschaft wollte sicher gehen, daß sie alle Indizien und die Zeugenaussage von Frau Klemm ausreichen ausführlich vorstellen konnte.&lt;br /&gt;
Günthers Anwalt hatte drei Zeugen laden lassen. Das erschien zunächst wie der hilflose Versuch, durch drei Personen, die von der Tat nichts mitbekommen hatten, den Leumund des Angeklagten gut aussehen zu lassen.&lt;br /&gt;
Daß einer dieser Zeugen dem Prozess eine ganz überraschende Wendung geben würde, das ahnte zu diesem Zeitpunkt niemand. Für Günther war es sehr belastend, als der Staatsanwalt Dr. Klippfisch fast einen ganzen Leitz-Ordner vorlas, in dem sein ganzes Leben öffentlich ausgebreitet wurde. Günther war erstaunt, was der alles wußte, da waren auch Kleinigkeiten dabei, die er selbst längst vergessen hatte. Es schien Günther so, als habe da jemand aus seiner Verwandtschaft etwas ausgeplaudert. Im übrigen ist er aber dieser Sache nie weiter nachgegangen und hat sich nie die Mühe gemacht, zu hinterfragen, wer da gegenüber der Polizei seine Aussage gemacht hatte.&lt;br /&gt;
Fast eine Stunde lang dauerte es, als der Staatsanwalt in den buntesten Farben schilderte, was Günther für ein Mensch sei und wie es zu der Tat gekommen sei. Für etwas, das für Günther nicht länger gedauert hatte, als ein Blitz am Himmel, brauchte der wirklich fast eine Stunde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die sezieren dich da. Die haben alle Zeit der Welt und vierzig Kilometer Papier, um alles haarklein aufzuschreiben und dir vorzuhalten. Und du sitzt da, als armes kleines Würstchen und kannst immer nur deine Version der Geschichte erzählen, die dir sowieso keiner glaubt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günthers Anwalt hielt dagegen, daß sein Mandant bisher vollkommen unbescholten sei und überhaupt kein Spanisch könne.&lt;br /&gt;
Zunächst wirkte der Anwalt etwas unbeholfen und der geschmeidige Staatsanwalt schien Oberwasser zu haben, doch Günthers Anwalt hatte offensichtlich seine Cleverness nur scheinbar unter dem Mäntelchen der Unbedarftheit versteckt.&lt;br /&gt;
Man konnte es dem Staatsanwalt ansehen, wie zornig und verblüfft er zugleich war, als Günthers Anwalt die Hauptbelastungszeugin Frau Klemm innerhalb von nur zwölf Minuten so verunsichert hatte, daß diese nicht einmal mehr wußte, ob sie an dem betreffenden Tag Geranien oder Kakteen gezupft hatte.&lt;br /&gt;
Ja nein, gesehen habe sie Günther überhaupt nicht, aber wer soll das denn sonst gewesen sein?&lt;br /&gt;
Nö, sicher sei sie sich nicht wirklich, aber das sei ja immer nur Günther gewesen, der wohne doch da.&lt;br /&gt;
Also, so richtig gesehen habe sie den Täter nicht und überhaupt habe sie ja die Tat nicht gesehen, sondern nur gehört und ob das Spanisch gewesen sei, das wisse sie so genau auch nicht, jedenfalls sei es mal kein Deutsch gewesen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther könne aber gar keine anderen Sprachen, hielt ihr der Anwalt vor und ließ dann den Koffer vor Frau Klemm hinlegen, den Günthers Frau vom Schrank gezogen hatte.&lt;br /&gt;
&quot;Ja ja, das ist der, den erkenne ich genau wieder.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der sei doch aber eindeutig blau und weder hellbraun noch kariert. Ob sie denn überhaupt noch so gut sehen könne, daß sie hier und jetzt eindeutig behaupten könne, Günther gesehen zu haben oder ob es nicht doch ein anderer Mann gewesen sein könne.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie geriet ins Stottern, die Aussage ins Wanken.&lt;br /&gt;
Dann kam der Anwalt auf einen ganz anderen Punkt zu sprechen. Nach Aussage von Frau Klemm, habe Günther den Tatort ja mit dem Auto verlassen.&lt;br /&gt;
Das habe sie jetzt zwar auch nicht so genau gesehen, nur durch die Schlitze vom Rolladen, wie der Mann da weggerannt sei. Dann habe sie aber das Brummen vom Motor gehört und wie da ein Auto schnell wegfährt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Mehr so ein tiefes Brummen, ein normales Autogeräusch oder noch was anderes?&quot; fragte der Anwalt nach und wollte eigentlich nur auf die Tatsache hinaus, daß Günthers Auto seit dem Mittag am Gehwegrand vor der Villa Kunterbunt gestanden hatte und nicht bewegt worden war.&lt;br /&gt;
Doch Frau Klemm sorgte für die nächste Überraschung. Nee, das sei ja ein ganz eigenartiges Geräusch gewesen, von diesem Auto da, das habe so gezischt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie gezischt?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja vor dem Losfahren, so als ob man Luft aus ner prallen Luftmatratze lässt und dann ein paar Sekunden später hat das nochmals so gezischt, wie wenn man beim Fahrrad die Luftpumpe vorne zu hält und dann das Ding so zusammendrückt. Haben wir als Kinder immer gemacht. Dann zischt die Luft unten raus und der Finger, wo man das Loch mit zu hält, der wird ganz heiß.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nach dieser Aussage hatte Günthers Anwalt ein fast schon dämliches Grinsen auf dem Gesicht und der Staatsanwalt verdrehte die Augen. Dem war klar, daß soeben seine wichtigste Zeugin wertlos geworden war.&lt;br /&gt;
Erstens konnte sie den Angeklagten doch nicht eindeutig als Täter identifizieren und mußte zugeben, daß sie nur EINEN Mann gesehen hatte, nicht DEN Mann. Zweitens hatte dieser Mann eindeutig in einer fremden Sprache geschrien, was für den gebürtigen Moselfranken Günther völlig untypisch war.&lt;br /&gt;
Drittens hatte sie ganz eindeutig das Abfahrgeräusch eines LKW mit Druckluftbremse beschrieben und nicht das des Opels von Günther.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn kleine Kinder eine Pfütze sehen und niemand sie hindert, dann nehmen sie gerne Anlauf und springen dann mit beiden Füßen hinein, damit er schön spritzt.&lt;br /&gt;
Genau so nahm Günthers Anwalt nun Anlauf und sprang mit beiden Füßen in die Aussage von Frau Klemm hinein.&lt;br /&gt;
Er nahm den blauen Koffer, durchmaß nach einem fragenden Blick zum vorsitzenden Richter den Gerichtssaal, stellte den Koffer neben einem Saalbesucher auf den Boden, sodaß Frau Klemm ihn nicht sehen konnte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Schauen Sie mal Frau Klemm, ist das hier der Koffer, den sie gesehen haben?&quot; fragte er und hob den blauen Koffer dann hoch. Bevor Frau Klemm antworten konnte, bedeutete er ihr mit einem Handzeichen und den Worten: &quot;Jetzt nicht antworten&quot;, daß sie noch warten sollte.&lt;br /&gt;
Dann stellte er den Koffer wieder hin und hob den selben Koffer abermals hoch und fragte:&lt;br /&gt;
&quot;Oder war es dieser hier? Na, was meinen Sie? Überlegen Sie genau!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau Klemm wiegte den Kopf hin und her und man konnte sehen, wie sie sich das Gehirn zermarterte.&lt;br /&gt;
Dann nickte sie, spitzte die Lippen und sagte im Brustton der Überzeugung: &quot;Der erste, ganz klar, der erste Koffer war es, der zweite ist zu dunkel. Ich bin mir ganz sicher.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Frau Klemm, der Angeklagte sitzt da drüben. Sie haben ja vorhin ausgesagt, daß sie diesen Mann kennen&quot;, sagte der Anwalt, während er mit dem Koffer wieder nach vorne trat und auf Günther deutete. &quot;Schauen Sie ihn sich doch noch einmal ganz genau an. Da steht ja noch ein Mann hinter meinem Mandanten, was hat der an?&quot; Dabei deutete er auf den Justizbeamten, der hinter Günther an der Tür stand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau Klemm steckte ihre Zunge zum Mundwinkel heraus, so angestrengt kniff sie die Augen zusammen. Günthers Anwalt hatte darauf hinaus gewollt, daß die offensichtlich sehschwache alte Dame nun die Kleidung des Justizbeamten falsch beschreiben würde.&lt;br /&gt;
Doch was machte die? Sie sprang von ihrem Stuhl auf, schlug die linke Hand vor den Mund und rief:&lt;br /&gt;
&quot;Mein Gott, der war es, ja, ich bin mir sicher, der da war es. Der hat die Frau von dem da tot gemacht. Den habe ich gesehen!&quot; Dabei deutete sie auf den Justizbeamten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das war der Moment, als im Saal Gelächter aufbrandete, was der Richter sofort unterband und in dem der Staatsanwalt seufzend in seinem Sessel zusammensackte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;An dieser Stelle des Prozesses kamen dann die drei weiteren Zeugen zu Wort. Fast schon hatte Günthers Anwalt auf deren Vernehmung verzichten wollen, so sicher war er sich, daß der Prozess nun Frau Klemms Aussage platzen würde. Doch jetzt waren sie einmal da.&lt;br /&gt;
Man kann sich gar nicht vorstellen, wie oft und eindringlich diese Leute schon vernommen worden waren. Der eine kannte Günther schon jahrelang und arbeitete beim Getränkemarkt dort im Gewerbegebiet. Er schilderte, daß Günther ein ganz Netter sei, der keiner Fliege was zu Leide tun könne.&lt;br /&gt;
Der zweite war zu jener Zeit Polier auf einer der Baustellen gewesen und gab ab, es seien an diesem Tag Betonplatten geliefert worden. Das habe ein Subunternehmer eines Subunternehmers gemacht und die Fahrer seien alle aus Bulgarien oder Moldawien, auf jeden Fall so Wodkasäufer, so genau wisse man das ja nie und es sei ja auch egal, sowieso alles die selben Kerle.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der dritte Zeuge war ein Mann, der regelmäßig bei Günther Limonade gekauft hatte und eigentlich aussagen sollte, daß Günther ein ganz ruhiger und gemütlicher Typ sei.&lt;br /&gt;
Wie gesagt, die Männer waren alle mehrfach schon befragt worden. Doch jetzt vor Gericht sagt dieser Typ dann doch auf einmal: &quot;Ja, ist doch klar, der kann das doch gar nicht gewesen sein. In der Zeitung hat gestanden, daß die Nachbarin um viertel vor den Schrei gehört hat. Genau um viertel vor war der Günther aber bei mir am Lager vorbei gelaufen, den hab ich ganz genau gesehen, mir war das aufgefallen, weil der so einen roten Kopf hatte und daher stampfte wie ein Walross. &lt;br /&gt;
Ich denk noch, was macht der Günther hier, um diese Zeit, da verkauft der doch in seiner Budengarage sein Zeug, aber wissen sie was, ich hab gedacht, dem ist vielleicht ne Katze weggelaufen oder so. Aber der war das, den hab ich gesehen, um genau viertel vor.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Sensation war perfekt!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther wurde freigesprochen und der Richter schrieb der Staatsanwaltschaft ins Gebetbuch, den richtigen Täter zu suchen und nicht den Erstbesten und Offensichtlichsten zum Täter abzustempeln. Eine Ohrfeige für den Staatsanwalt!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nur Frau Klemm, die nach ihrer Aussage gleich mit dem Zeugenzettel zur Kasse nach unten gegangen war, stand da, als Günther mit seinem Anwalt das Gerichtsgebäude verließ und fragte einen der Zeitungsreporter: &quot;Wie? War der das jetzt doch nicht?&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sat, 16 Jul 2011 08:06:03 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -V-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Günther brachte den Rest des Tages und die ganze Nacht im Verhörraum des Polizeipräsidiums zu.&lt;br /&gt;
Die Verhöre seien endlos gewesen und immer wieder habe man ihm die gleichen Fragen gestellt, auf die er die immer wieder gleichen Antworten gegeben habe.&lt;br /&gt;
Das Schlimmste für ihn sei aber gewesen, daß ihn niemand aufgeklärt habe, worum es überhaupt geht.&lt;br /&gt;
Aus den Vorwürfen, die man ihm machte, konnte Günther erkennen, daß seine Frau tot war, genauer gesagt, daß sie erschlagen worden war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf seine Frage: &quot;Wie ist es denn passiert?&quot; bekam er nur ein höhnisches Lachen als Antwort: &quot;Das werden Sie uns ja wohl am besten sagen können.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Man versuchte alles, um Günther zu einem schnellen Geständnis zu bringen, doch der blieb bei seiner Version. Er habe dem Betonfahrer ein paar aufs Maul gehauen und seine Frau vor die Tür gesetzt. Während die wohl ins gemeinsame Wohnhaus gegangen sei, habe er einen Spaziergang durch das Gewerbegebiet gemacht. Ob es dafür Zeugen gebe, ob ihn jemand gesehen habe, ob er denn nicht doch mal eben an seinem nahe gelegenen Wohnhaus vorbei gegangen sei, schließlich liege das doch auf dem Weg, die Zeit habe doch ausgereicht, mal eben kurz die Frau erschlagen, dann noch ein bißchen spazieren gehen und sich dann ins Büdchen stellen und Würste verkaufen. Das passe doch alles wunderbar zusammen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das mag ja für Sie alles passen, aber ich habe meiner Frau nichts getan und finden Sie nicht, daß Sie es auch als Möglichkeit in Betracht ziehen müssten, daß ich nicht der Täter bin, sondern ein Mann, dessen Frau umgebracht worden ist und den Sie hier wie Dreck behandeln?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Viel Eindruck machte dieser Appell nicht auf die Beamten, immerhin bekam Günther endlich was zum Rauchen und statt des Pappbechers mit Wasser auch einen Kaffee.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es wäre ja auch für die Kriminalbeamten so einfach gewesen. Totschlag nach Ehestreit, Punkt, aus.&lt;br /&gt;
In der Bilanz der gelösten Kriminalfälle hätte sich das gut gemacht.&lt;br /&gt;
Überhaupt brüsten sich die Beamten der Abteilung &quot;Leib und Leben&quot; ja sowieso mit ihrer außerordentlich hohen Erfolgsquote von über 90%. Im Gegensatz dazu werden nicht einmal 50% aller Einbrüche aufgeklärt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Obwohl..., lösen können die Kriminalisten ja nur Fälle, die auch ein Fall sind. Der Omamörder, ein Pflegedienstler, der innerhalb von 10 Tagen fünf alte Frauen in ihren Wohnungen umgebracht hatte, um an Geld zu kommen, wurde ja nicht überführt, weil jemandem an einer der erstickten Leichen etwas seltsam vorgekommen wäre, sondern weil sein letztes Opfer, sich so gewehrt hatte und überlebte.&lt;br /&gt;
Erst danach kam man dahinter, daß die samt und sämtlich als natürlicher Todesfall abgehakten anderen Omas erstickt, gewürgt und förmlich zerquetscht waren. Der Obduzent: &quot;Die sahen aus, als sei da ein Panzer drübergefahren, der Täter war ja sehr schwer und groß und hatte sich auf die gesetzt.&quot;&lt;br /&gt;
Alte, kranke Leute sind irgendwann mit dem Sterben dran, da macht der Hausarzt dann auch mal schnell sein &quot;natürliche Todesursache&quot;-Kreuz, ohne genau zu untersuchen, es ist ja alles klar, es liegt ja auf der Hand...&lt;br /&gt;
Wer weiß, wie viele tausend Verbrechensopfer jedes Jahr beerdigt werden, ganz normal, ohne Brimborium, ohne Ermittlungen, nur weil zu schnell das falsche Kreuz auf den Totenschein gemacht wurde.&lt;br /&gt;
Alle diese Fälle jedenfalls fallen komplett aus der Mordstatistik heraus. Was keiner weiß, macht keinen heiß und wo kein Kläger, da kein Richter.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wie praktisch wäre es gewesen, wenn die Beamten aus Günther ein schnelles Geständnis gepresst hätten. Aber Günther blieb stur, legte irgendwann das Kinn auf die Brust, schob trotzig die Unterlippe vor, starrte auf den Boden und sagte gar nichts mehr.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf, vor allem quälte ihn der Gedanke, was mit seinen Kindern passieren würde. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das Schweigen bringt uns auch nicht weiter. Sie machen es nur schlimmer für sich. Noch ist es nur Totschlag, da wären Sie doch bei guter Führung noch vor der Schulentlassung Ihrer Kinder wieder draußen. Aber wenn Sie so weiter machen, ist es Mord und dann kommen Sie nie wieder raus.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Quatsch, natürlich ist das Quatsch und später wollte auch kein Beamter so etwas gesagt haben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jedenfalls guckte irgendwann einer der Beamten auf seine Armbanduhr, gab den anderen ein Zeichen und damit war das Verhör vorerst beendet. Günther kam in eine Zelle, dort solle er sich mal auspennen, bald käme sein Pflichtanwalt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Pflichtverteidiger kam aber nicht bald, sondern erst am Ende des nächsten Tages. Einen Blick in die Ermittlungsakten hatte er noch nicht werfen können, da gebe es noch nicht viel und die Sachlage stelle sich ja ganz klar dar. Günther habe seine Frau beim intimen Verkehr mit einem fremden Mann erwischt und zunächst versucht, diesen durch Schläge auf den Kopf zu töten. Dann sei seine Frau in Todesangst vom Gartenhaus zum Wohnhaus geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen. Dahin sei Günther ihr wutentbrannt gefolgt und habe ihr mit dem Marmoraschenbecher vom Wohnzimmertisch den Kopf eingeschlagen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther saß da und sperrte das Maul auf. &quot;Das hört sich ja so an, als ob Sie denen glauben&quot;, gab er verwundert von sich und der Rechtsanwalt schaute ihn ebenfalls verwundert an. &quot;Ja, war es denn nicht so? Ich denke, es ist alles klar.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, nichts davon ist wahr. Meine Frau hat es mit einem anderen getrieben, der hat von mir ein paar in die Fresse gekriegt, das Schwein und meine Frau habe ich zum Teufel gejagt. Die ist dann weg und ich bin herumgelaufen, um den Kopf frei zu kriegen. Dann haben die Bullen mich geholt. Ich will jetzt endlich nach Hause.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nach Hause? Sie? Na, daraus wird wohl vorerst nichts. Wissen Sie denn nicht, daß Sie in einer Stunde dem Haftrichter vorgeführt werden? Sie bleiben auf jeden Fall in Untersuchungshaft, das ist ja wohl mal klar. Sie haben schließlich Ihre Frau erschlagen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hab&#039; ich eben nicht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das können Sie ja alles dem Untersuchungsrichter erzählen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, das muß ich zuerst Ihnen erzählen, Sie müssen mir als allererstes glauben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was ich glaube, spielt doch überhaupt keine Rolle.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch, wenn Sie nämlich nicht für mich sprechen und auch so tun, als sei ja alles klar, dann buchten die mich ein und das für was, das ich gar nicht gemacht habe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor dem Untersuchungsrichter war der Anwalt dann gar nicht so, wie er sich bei Günther gegeben hatte. Er trat kämpferisch und sachkundig auf, verlangte die sofortige Freilassung seines Mandanten, schließlich lägen ja keinerlei Beweise vor und nannte zahlreiche Varianten, wie die Tat abgelaufen sein könnte. Schließlich könne ja auch der fremde Mann der Täter sein, nach dem habe man erstaunlicherweise gar nicht gesucht. Man habe sich sofort auf seinen Mandanten als Täter eingeschossen, wie das oft so der Fall ist und alle anderen Spuren gar nicht erst weiter verfolgt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Bringen Sie mir einen Zeugen, der Ihren Mandanten gesehen hat und der belegen kann, daß der Mann zur Tatzeit woanders war, dann sehen wir weiter&quot;, lautete der Spruch des Richters und damit war es besiegelt, Günther kam ins Untersuchungsgefängnis.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Zeit dort war so schrecklich für Günther, daß er später kaum ein Wort darüber sprach. Nur die Untersuchung bei der Aufnahme, die schilderte er immer mal wieder. Nachdem er sich komplett hatte entkleiden müssen, verlangte man, daß er sich bückte, damit man ihn rektal untersuchen könne.&lt;br /&gt;
Daraufhin hatte Günther gesagt: &quot;Moment mal. Man wirft mir vor, meine Frau erschlagen zu haben und mich dann seelenruhig wieder an meinen Verkaufsstand gestellt zu haben. Und Sie glauben allen Ernstes, ich hätte da zwischendurch irgendwann einen Gedanken daran verschwendet, ob ich mir nicht schnell noch was für den Knast in den Arsch schiebe? Ihr habt sie doch nicht alle!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und dann kam das in Gang, was einen Untersuchungshäftling zermürben kann.&lt;br /&gt;
Draußen läuft alles weiter!&lt;br /&gt;
Die Polizei ermittelt und man kann nichts machen, egal was für einen Quatsch die sich zusammenreimen, man hat keine Chance, dagegen an zu gehen.&lt;br /&gt;
Die Kinder kommen in unterschiedliche Heime, man kann nicht beeinflussen, was mit ihnen geschieht und es wird auch noch so getan, als sei das jetzt sowieso für immer.&lt;br /&gt;
Die Welt dreht sich weiter, immer schneller und man selbst sitzt auf ein paar Quadratmetern und ist zur Tatenlosigkeit verdammt.&lt;br /&gt;
Wer würde sich um die Beerdigung seiner Frau kümmern?&lt;br /&gt;
Wie würde es weiter gehen?&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 15 Jul 2011 09:29:18 +0200</pubDate>
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    <title>Günther -IV-</title>
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Günther und seine Frau hatten eine tolle Idee. Schräg gegenüber wurde ein Wagenpark der Post gebaut und zweihundert Meter die Straße runter wurden gleich mehrere Supermärkte und ein Gartencenter errichtet.&lt;br /&gt;
Warum also nicht vorne auf dem Grundstück eine Fertiggarage aufstellen lassen und von dort aus Obst, Gemüse, Wasser, Limo und heiße Würstchen an die Bauarbeiter verkaufen?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die haben uns jeden Tag die Bude leer gekauft. Ehrlich, einer von uns war immer da und an manchen Tagen bin ich mittags nochmal zum Metzger und habe wieder 80 Würstchen kaufen müssen. Wir haben natürlich gewusst, daß das ein vorübergehendes Geschäft sein würde, denn irgendwann würden die ja mal fertig sein, mit dem Bauen. Aber da kam ja dann noch die Ausbildungswerkstatt von der Berufsschule und diese kleine Fensterfabrik. So drei, vier Jahre ist das gut gelaufen. Wir haben schön was nebenher verdient - und natürlich angemeldet und versteuert, ist ja klar.&quot; Eigentlich müsste man also sagen, daß es für Günthers Familie optimal lief, alles war schön und &quot;in Butter&quot;.&lt;br /&gt;
Bis eben jener Tag kam, es war ein Mittwoch, an dem Günther seinen Schichtdienst mit einem Kollegen getauscht hatte und früher von der Arbeit kam.&lt;br /&gt;
Vorne in der Garage lag die Ware offen und auf einer Würstchenpappe war mit Filzstift aufgekritzelt &quot;Komme gleich wieder&quot;.&lt;br /&gt;
Wo war seine Frau? Hatte die mal eben auf die Toilette gemusst? Holte sie Nachschub von hinten?&lt;br /&gt;
Die Kinder waren noch in der Schule, das wusste Günther, aber wo war die Frau?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als erstes bediente Günther zwei LKW-Fahrer und verkaufte denen Cola und Würstchen. Dann ging er die fast 20 oder 30 Meter bis zur Villa Kunterbunt und als er näher kam, konnte er leise Musik hören.&lt;br /&gt;
Jetzt war ihm alles klar, seine Frau war in der Küche, um ein paar von den belegten Brötchen zurecht zu machen oder etwas vom Gemüse oder Obst zu putzen. So musste es sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frohgelaunt betrat Günther das geräumige Gartenhaus, wollte gerade zu seiner Frau sagen: &quot;Warum bist Du nicht vorne? Mensch, da steht alles offen und jeder kann sich selbst bedienen!&quot;, da stellte er fest, daß er sich getäuscht hatte. Seine Frau stand nicht in der Küche.&lt;br /&gt;
Aus dem Radio spielte es einen Bossanova und ein schnulziger Sänger versuchte sich in einem Gemisch aus Deutsch und Spanisch.&lt;br /&gt;
Langsam ging Günther von der Küche ins angrenzende Wohnzimmer, aber auch dort war niemand.&lt;br /&gt;
Allmählich stiegen in ihm Sorgen und Zweifel auf, irgendwas stimmte da nicht, irgendetwas war anders als sonst.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Noch ein paar Schritte und Günther war an der Tür zum angrenzenden Schlafraum. Er öffnete sie und schloss kurz die Augen. Er hatte Angst, seiner Frau könne etwas zugestoßen sein, Herzinfarkt, Schlaganfall oder so was, man hört das doch immer wieder, daß auch recht junge Menschen urplötzlich wegen so was tot umfallen...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er wollte das ganz unbewusst gar nicht sehen, deshalb hatte er für den Bruchteil einer Sekunde die Augen geschlossen, während er die Tür vorsichtig öffnete.&lt;br /&gt;
Als er seine Augen wieder aufmachte, stockte ihm der Atem und er fühlte, wie innerhalb eines Augenblicks gleichzeitig sein Blut aus dem Kopf bis in die Beine sackte und im selben Moment voll mit Adrenalin wieder nach oben schoss.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor ihm im Bett lagen seine Frau und ein ihm völlig unbekannter Mann mit sehr ausgeprägter Körperbehaarung, beide nackt und sie trieben es so heftig miteinander, daß sie gar nicht mitbekamen, daß Günther eingetreten war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was nun folgt, das geschah alles innerhalb weniger Sekunden. So etwas passiert immer innerhalb weniger Sekunden, auch wenn andere hinterher Wochen und Monate Zeit haben, um diese Vorgänge genau zu untersuchen, die Sekundenbruchteile zu sezieren und daraus Verantwortlichkeiten und Schuld abzuleiten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther sprang einen Schritt vor, begann wie ein Tier zu brüllen, packte seine Frau bei den Haaren und zog sie mit einem Ruck von dem stöhnenden Fremden herunter. Beide waren so erschrocken, als sei just in diesem Moment der Blitz eingeschlagen.&lt;br /&gt;
Günthers Frau landete nackt vor dem Schrank, wo sie auf dem Boden zu sitzen kam. Vor Schreck verfiel sie in Schnappatmung und begann zu weinen. Der behaarte Fremde hatte sich aufgerichtet, konnte nur ein &quot;Ey&quot; sagen, dann traf ihn Günthers Faust mitten ins Gesicht und zwar so deftig, daß ihm sofort die Nase brach und der Mann blutend und vor Schmerz schreiend aus dem Bett sprang.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was dann geschah, hat Günther später so beschrieben:&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe den Kerl, der übrigens ein Betonfahrer von der Baustelle war, so lange in den Arsch getreten, bis er von meinem Grundstück runter war und dann bin ich zu meiner Frau, die saß immer noch heulend vor dem Schrank, hab der Ihre Klamotten die Füße geworfen und gesagt: &#039;Ich geh&#039; jetzt mal &#039;ne Viertelstunde spazieren, wenn ich wiederkomme, bist Du verschwunden.&#039;&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So wie er es sagte, so hat Günther es auch gemacht. In ihm kochte es, seine Fäuste taten ihm weh und er war kaum in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Mit großen Schritten lief er einmal um das ganze Gewerbegebiet, was deutlich länger als eine Viertelstunde gedauert haben muss.&lt;br /&gt;
Dann kehrte er zu seinem Garten und zur Villa Kunterbunt wieder zurück. Es warteten schon Leute vorne am Büdchen und er begann mit dem Verkauf von Wasser, Limo und Wurst. Dann kamen seine Kinder aus der Schule und freuten sich schon darauf, hinter der &quot;Villa&quot; in den neu aufgestellten Swimming-Pool springen zu können.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es verging etwa noch eine Stunde, dann hörte Günther das Tatütata von mehreren Polizeiautos und kurz darauf konnte er die flackernden Blaulichter näher kommen sehen. Gleichzeitig schossen ihm zwei Gedanken durch den Kopf: Da ist auf einer der Baustellen was Schlimmes passiert. Die kommen mich jetzt holen, weil ich dem Arsch die Fresse poliert habe.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Günther hatte Recht! Sie kamen ihn holen. Aber sie holten ihn nicht wegen des &quot;Arsches&quot;, sondern sie sprangen aus den Wagen, gleich sechs Mann, fackelten nicht lange und drückten ihn auf den Boden, legten ihm Handschellen an und erst als er schnaubend auf dem Rücksitz eines der Streifenwagen saß, eröffnete man ihm, er sei vorläufig festgenommen, weil er unter dem dringenden Tatverdacht stehe, vor einer halben Stunde in seinem Wohnhaus seine Frau erschlagen zu haben.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 14 Jul 2011 09:40:23 +0200</pubDate>
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