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    <title>Bestatterweblog - Menschen</title>
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<pubDate>Thu, 24 May 2012 16:20:20 GMT</pubDate>

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    <title>Die Fee der Nacht -23-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Kommissar Klaus Petermann saß in der Hocke am Teich im Garten der Villa Brockhagen. Es hatte ihn an den Schauplatz des Verbrechens zurück getrieben. Angeblich soll das ja so mit dem Täter sein, so behaupten es zumindest die Krimiautoren immer wieder. Petermann wußte es besser. Abgesehen von Pyromanen, die eine Freude daran haben, das von ihnen angesteckte brennende Objekt niederbrennen zu sehen oder die sogar sexuelle Erfüllung erfahren, wenn sie der Feuerwehr dann bei der Arbeit zuschauen können, laufen die meisten Täter einfach weg und tun alles andere, aber kehren nicht an den Tatort zurück.&lt;br /&gt;
Nur Ermittler, die müssen da immer wieder hin. Petermann war an diesen Ort zurück gekehrt, weil er die Atmosphäre der Villa auf sich wirken lassen wollte. Unten an der Straße saßen zwei Kollegen im Dienstwagen und warteten auf ihn. Er brauchte Ruhe um seine Gedanken sortieren zu können. Nichts an diesem Fall war irgendwie normal gelaufen.&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/704ef48af34d4797a33b4d4bed84fed0&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
Der Selbstmord war vermutlich kein Selbstmord. Die Täterin war vielleicht sogar das Opfer. Die Ehefrau hatte sich als Schwester entpuppt und aus der Luxusvilla war mit einem Schlag ein Ort des Schreckens geworden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Welche Geheimnisse würde diese Geschichte noch bieten?&lt;br /&gt;
Nichts war wie es schien.&lt;br /&gt;
&quot;Ich muß anders herum denken&quot;, sagte Petermann zu sich selbst: &quot;dann klappt&#039;s auch&quot; und warf einen Stein auf die Wasseroberfläche, der aber nicht fünf- oder sechsmal hüpfte, sondern plumpsend unter ging.&lt;br /&gt;
&quot;Na prima, das fängt ja gut an&quot;, knurrte Petermann und ging langsam zur Villa hoch.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was hatte sich da abgespielt, was war da alles passiert?&lt;br /&gt;
Die Spurensicherung hatte in den sechs Zellen keinerlei verwertbare Spuren gefunden. Jemand muß diese Räume mit scharfer Lauge ausgespritzt haben.&lt;br /&gt;
Im königlich ausgestatteten Gemach hatte man Spuren von Natalie und Roland Brockhagen, sowie weiteren Personen gefunden. Diese konnten aber nicht zugeordnet werden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Anders herum denken!&quot; ermahnte sich Petermann selbst, sah an der Fassade der Villa hoch und schloß dann kurz die Augen, während er die Hände im Nacken verschränkte und nachdachte.&lt;br /&gt;
Okay, da gab es vier weitere Personen in dem ganzen Spiel. Dieser Ignaz, Frau von der Tratow und das Ehepaar Brockhagen senior.&lt;br /&gt;
Minister Brockhagen und seine Gattin waren in ihrem Haus nicht angetroffen worden. Das Ehepaar Brockhagen sei mit unbekanntem Ziel für einige Tage oder länger verreist, hatte es in der Nachbarschaft geheißen.&lt;br /&gt;
Von Ignaz kannte Petermann nur dessen Vornamen, aber den würden sie vielleicht finden, wenn der nicht mit den Brockhagens untergetaucht war.&lt;br /&gt;
Nur Frau von der Tratow war greifbar. Selbst der Leitende hatte dagegen plädiert, die alte Frau einzusperren. Es würde auf eine simple Körperverletzung hinauslaufen, denn auch von Natalie und mithin von einem Opfer ihrer Tat, fehlte ebenfalls jede Spur.&lt;br /&gt;
So hatte er die Frau unter Rund-um-die-Uhr-Bewachung stellen lassen und hatte sie so jederzeit greifbar.&lt;br /&gt;
Die Mühlen der Polizei, das wußte Petermann, mahlten manchmal langsam und grob, aber es ist seit jeher der Vorzug der Polizei gewesen, immer den längeren Atem zu haben.&lt;br /&gt;
Und so war der Kriminalhauptkommissar sich sicher, daß er in absehbarer Zeit auch die derzeit verschwundenen Personen in die Finger kriegen würde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während er das alles überdachte, hatte er die Augen wieder geöffnet und betrachtete die Villa Brockhagen genauer. Dann schritt er nochmals den Weg zum Rhododendron ab und grinste.&lt;br /&gt;
Kriminalhauptkommissar Petermann zückte sein Handy, wählte die Nummer des Dezernats und stellte ein paar Fragen, die nur die Kollegen dort ihm anhand der Akten beantworten konnten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als er die Antworten vernommen hatte, vergaß er es sogar, sich beim Kollegen zu bedanken und klappte sein Mobiltelefon einfach zu.&lt;br /&gt;
&quot;Siehste, alter Petermann&quot;, sagte er laut zu sich selbst: &quot;So ist das also alles. Ich glaub&#039; ich habe den Fall gelöst!&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 24 May 2012 15:29:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -22-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Die-Fee-der-Nacht-22/6605</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Eine halbe Stunde nachdem Petermann telefonisch erfahren hatte, daß Natalie Brockhagen die Schwester des Getöteten war, stand der Kriminalhauptkommissar im Büro des leitenden Oberstaatsanwaltes.&lt;br /&gt;
Eine ganze Weile war Petermann aufgeregt vor dem Oberstaatsanwalt hin und her gelaufen und hatte sich bemühen müssen, nicht laut zu werden. Jetzt saß der Leitende, wie Petermann ihn nannte, da und studierte die Unterlagen, die Petermann ihm vorgelegt hatte.&lt;br /&gt;
Petermann stand mit hinter dem Rücken verschränkten Händen am Fenster und schaute hinaus. Unbewegt und die Ruhe selbst, hätte man meinen können, doch seine Finger tanzten hinter seinem Rücken einen nervösen, ungeduldigen Tanz. Mit einem Klackern ließ der Leitende seine Lesebrille auf die Platte seines Schreibtisches fallen und Petermann drehte sich erwartungsvoll um.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und?&quot; fragte er.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und?&quot; sagte der Leitende, seufzte und beugte sich weit nach vorne, schaute Petermann von unten mit einem Dackelblick an und stützte dann sein Kinn in beide Hände.&lt;br /&gt;
&quot;Tja, Petermann, ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Äh, doch, zuerst einmal fällt mir auf, daß Sie mir hier einen Haufen nichtssagendes Papier vorlegen, weil Sie mal wieder keine einzige Zeile aufgeschrieben haben. Wo sind Ihre Berichte? Wo sind Ihre Aufzeichnungen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann tippte sich an die Stirn und sagte: &quot;Da drin werden die Fälle gelöst, nicht mit der Pistole und nicht mit dem Kugelschreiber.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Alles gut und schön, mein Lieber, aber wie soll ich mir denn ein Bild machen, bei einer so dünnen Beweis und Aktenlage?&quot;&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/04a71cc344224bad99bce8cafd34ff64&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber ich habe Ihnen doch alles haarklein berichtet&quot;, protestierte der Kriminalhauptkommissar.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wenn das alles stimmt, dann haben wir es mit einem ganz dicken Filz zu tun. Dieser Minister a.D. Brockhagen kennt den zuständigen Staatsanwalt und ist mit dem dicke befreundet oder hat den sonstwie in der Hand. Kriminaloberrat Klotzhaug kratzbuckelt vor dem Staatsanwalt, das müssen Sie mir nicht sagen, das weiß ich.&lt;br /&gt;
Mensch, Mensch! Wenn ich mir das alles so betrachte, muß das ja aussehen, als arbeiteten hier nur Unfähige, Korrupte und Vollidioten! Pah, wahrscheinlich steckt da auch noch Brockhagens Partei mit drin. Da wird der ganze Klüngel her kommen. &lt;br /&gt;
Ich hasse so etwas! Ich will eine saubere Behörde, eine saubere Polizei und ordentliche Ermittlungen. Ermittlungen, die alles umfassen, was einen Täter belasten kann, was ihn entlasten kann und das gerecht gegen jedermann. Das kann doch so schwer nicht sein, verdammt noch mal!&lt;br /&gt;
Also, in der Folge kommen Sie bei Ihren Ermittlungen nicht weiter und bleiben aber trotzdem hartnäckig.&lt;br /&gt;
Dann entdecken Sie im Keller der Tatortvilla ein Verlies mit sechs Gefängniszellen und einem Gemach. Gell, Sie sagten doch Gemach, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Genau.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So, und in dem Haus ist ein Mann erschossen worden und Sie verdächtigen diese, na, wie heißt Sie gleich... diese Natalie Brockhagen, die Sie für die Frau des Getöteten halten, die Mörderin zu sein. Sie mutmaßen jetzt, daß die Frau, die ein zwanghaftes, marionettenhaftes Verhalten an den Tag legt, über einen längeren Zeitraum in diesem Gemach oder Verlies eingesperrt war. Eingesperrt von diesem Roland Brockhagen.&lt;br /&gt;
Und eines Tages gelingt es ihr, ihren Peiniger zu erschießen. Ist es das, was Sie glauben?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So in etwa.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und dann läuft diese Natascha...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Natalie!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, dann eben meinetwegen diese Natalie. Dann läuft diese Natalie nicht weg, sondern wartet brav neben der Leiche, ruft in Verwirrung einen Bestatter, der ruft die Polizei und die ganze Zeit steht Natalie Brockhagen da herum, bleibt auch hinterher in der Villa und wird von geheimnisvollen Leuten bewacht. Richtig?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Der Minister a.D. Brockhagen setzt alles daran, daß es so aussieht wie ein Suizid, auch Natalie behauptet das. Aber Sie, lieber Petermann, Sie glauben das nicht.&lt;br /&gt;
So, und jetzt stellt sich heraus, daß alle gelogen haben, daß Natalie gar nicht die Ehefrau, sondern die Schwester des Getöteten ist?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, so ist es.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wissen Sie was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was denn?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist die verrückteste, abgedrehteste und lassen Sie es mich ruhig so sagen, die dämlichste Geschichte, die mir ein Ermittler in den letzten 15 Jahren erzählt hat.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber genau so ist das alles.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Eben. Und weil diese Geschichte so verrückt und verdreht ist, kann sie nur wahr sein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das heißt, Sie glauben mir?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich weiß nicht was ich glauben soll. Das mit dem Glauben ist so eine Sache. Sehen Sie einen steifen weißen Kragen an meinem Hals? Bin ich Theologe? Wächst mir Gras aus den Taschen oder kann ich übers Wasser laufen? Ich glaube gar nichts. Aber ich weiß, daß dieser Minister dem Staatsanwalt eingeheizt hat, das wird noch Gegenstand interner Untersuchungen sein, und daß Sie offenbar im Moment der Einzige sind, der überhaupt wenigstens den Antrieb hat, da etwas Licht in das Dunkel zu bringen.&lt;br /&gt;
Sie behalten den Fall, Sie ermitteln weiter und Sie haben meine Rückendeckung. Aber verrennen Sie sich nicht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Danke&quot;, war alles was Petermann stammeln konnte, so verblüfft war er. Eigentlich hatte er mehr damit gerechnet, jetzt ganz ins Abseits gestellt zu werden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was werden Ihre nächsten Schritte sein?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich muß Natalie Brockhagen finden...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wo ist die jetzt überhaupt?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die wurde im Ludwigskrankenhaus abgeholt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja ist denn das so ohne weiteres möglich? Ich meine, jeder verantwortungsvolle Arzt würde sich da doch sperren und die Patientin nicht einfach so ziehen lassen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wenn ich das alles richtig zusammenaddiere, sieht es so aus, als sei die nicht unvermögende Frau Brockhagen, also die Frau des Ministers, im Aufsichts- oder Verwaltungsrat genau jener Stiftung, die das Krankenhaus betreibt. Wenn es dann heißt, die Patientin müsse auf dringenden Wunsch der Familie sofort in eine Spezialklinik verlegt werden und der Krankentransportwagen steht quasi chon mit laufendem Motor bereit...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die haben überall ihre Finger drin, diese Brockhagens, was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Keine Ahnung, wo die was drin haben, aber Sie sehen ja, was die für&#039;n Einfluß haben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und dann?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also Natalie Brockhagen finden und dann muß ich mal den altehrwürdigen Herrn Minister fragen, was diese ganze Nummer mit Schwiegertochter und so soll...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Meinen Sie, da spielt Inzest eine Rolle? Es wäre ja nicht das erste Mal, das Brüderlein und Schwesterlein... Sie wissen schon, was ich meine.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann hob die Achseln und schüttelte den Kopf: &quot;Ich weiß es auch nicht. Entweder ist diese Eheleute-Nummer eine Tarnung für einen von den Eltern geduldeten Inzest oder für irgendeine schräge Sexnummer. Ehrlich, ich kann nicht sagen, was das alles soll. Deshalb muß ich den Herrn Minister dringend sprechen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nehmen Sie ihn fest! Ihn und seine Frau! Und finden Sie Natalie Brockhagen!&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 24 May 2012 12:09:46 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -21-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Innerhalb von Minuten wimmelte der gesamte Flur der Villa Brockhagen von Polizisten.&lt;br /&gt;
Die sich heftig wehrende Frau von der Tratow hatte noch drei weitere, fertig aufgezogene Spritzen in der Jackentasche, verweigerte aber jede Aussage darüber, um was für ein Präparat es sich handelte.&lt;br /&gt;
Die Plastikkappen über den Kanülen waren nur leicht aufgesteckt, so genügte ein geschickter Druck mit dem Daumen, um sie wegspringen zu lassen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie lag weiter regungslos da, keiner der Anwesenden konnte sagen, ob sie noch lebte oder nicht. Ein Puls war nicht mehr zu tasten und Petermann wurde fast verrückt, weil es ihm so lange vorkam, bis der Notarzt eintraf.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während Frau von der Tratow Handschellen angelegt bekam, wozu drei kräftige Beamte nötig waren, kam endlich der Notarzt in seiner rotweißen Leuchtuniform, begleitet von zwei ebenso gekleideten Rettungsassistenten. &quot;Weg da&quot; kommandierte der Arzt, kniete neben Natalie und riß ihr ziemlich uncharmant das Oberteil entzwei.&lt;br /&gt;
Petermann und seine Kollegen starrten auf die bleiche junge Frau, der jede Farbe aus dem Gesicht gewichen war und beobachteten, wie der Notarzt ein EKG-Gerät anschloß und die Retter Infusionen vorbereiteten.&lt;br /&gt;
Nach bangen Sekunden schließlich nickte der Arzt Petermann zu und sagte: &quot;Sie lebt, aber sie muß sofort in die Klinik. Wir müssen dringend wissen was in der Spritze war.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Keine drei Minuten später war Natalie auf einer Trage und wurde fortgebracht und Frau von der Tratow wurde ebenfalls fortgebracht, aber nicht in eine Klinik.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kommissar Klaus Petermann schaute auf den am Boden liegenden Kaffeebecher und sagte zu seinen Kollegen: &quot;Ich muß hier weg. Ich muß raus aus dieser Miefbude und brauche erst mal einen Kaffee.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zwei Stunden später sah die Welt für Klaus Petermann von einer Sekunde auf die andere vollkommen anders aus.&lt;br /&gt;
Eben noch hatte er im Keller der Villa Brockhagen eine Art Folterverlies entdeckt, Natalie war von ihrer Gouvernante mit irgendeinem Gift zu Boden gestreckt worden, woraufhin Natalie in die Klinik und Frau von der Tratow in Haft gekommen waren und eben noch hatte Petermann das Gefühl, der Lösung des Falls unmittelbar entgegen zu sehen und dann...&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/d617321e878f43859f621110caa3c2de&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;...dann polterte Kriminaloberrat Klotzhaug in Petermanns Büro und brüllte ihn mit hochrotem Kopf an:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sind Sie sich über die Konsequenzen im Klaren? Am Tag der Beerdigung seines Sohnes führen Sie eine Hausdurchsuchung durch und stellen alles auf den Kopf? Die Schwiegertochter im Krankenhaus und eine liebe Vertraute des Herrn Ministers in Haft? Ja, sind Sie denn noch bei Trost?&lt;br /&gt;
Die Frau kommt sofort wieder auf freien Fuß! Der Minister ist in dieser Minute beim Staatsanwalt und ich würde mich nicht wundern, wenn Sie das nicht Ihren Kopf kosten wird.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Gut, damit hatte Petermann gerechnet und wenn er ehrlich war, dann amüsierte ihn der Auftritt seines Vorgesetzten eher. Dafür war Petermann schon zu lange im Geschäft und hatte schon so viele &lt;br /&gt;
Vorgesetzte überlebt. Auch dieser hier würde bald in Pension gehen und dann käme der Nächste.&lt;br /&gt;
&quot;Hoffentlich ein Junger, die kann man besser in der Pfeife rauchen, junger Tabak stopft sich besser&quot;, dachte Petermann und mußte unwillkürlich grinsen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ihnen wird das Grinsen noch vergehen&quot;, schimpfte Klotzhaug und wurde dann amtlich: &quot;Sie setzen Frau von Tratow sofort wieder auf freien Fuß, verstanden?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Moment mal&quot;, protestierte Petermann: &quot;Ein halbes Dutzend Beamte sind Zeuge geworden, wie die Frau Natalie Brockhagen irgendeine Substanz injiziert hat.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja und das mit gutem Recht! Frau von der Tratow hat der psychisch hochgradig labilen Frau ein Beruhigungsmittel gespritzt. Und warum die junge Frau Brockhagen so aufgeregt war, das liegt ja wohl klar auf der Hand. Da kann die Ärmste aufgrund Ihrer Probleme schon nicht an der Trauerfeier für ihren Mann teilnehmen und in dieser schweren Stunde des Schmerzes müssen Sie da wie ein Berserker herumtoben. Das wird sicher noch ein Nachspiel haben.&lt;br /&gt;
Die Frau kommt unverzüglich frei!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das alles war aber nicht das, was die Situation änderte.&lt;br /&gt;
Das was die Situation auch noch änderte war die Tatsache, daß Petermann bei seinen Kollegen nachfragte, in welchem Krankenhaus Natalie Brockhagen untergebracht worden sei. Kurz darauf kam eine der älteren Kolleginnen zu ihm ins Büro und teilte ihm mit, die junge Frau Brockhagen sei nach wie vor ohne Besinnung gewesen, als sie ins Ludwigskrankenhaus eingeliefert worden war. Dort sei sie aber auf Betreiben des alten Brockhagen schon nach einer Dreiviertelstunde von einem privaten Krankentransportdienst wieder abgeholt worden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was?&quot; rief Petermann: &quot;Das kann doch nicht wahr sein!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Entweder war Natalie die Täterin oder das Opfer oder vielleicht auch beides in einer Person, aber es konnte doch nicht angehen, daß ihm die wichtigste Person in der ganzen Geschichte jetzt auch noch abhanden kam.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber auch das war noch nicht ganz das, was die Situation änderte. Das Verschwinden von Natalie Brockhagen war nur die eine Hälfte, die andere spielte sich bei uns im Bestattungshaus ab.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Da war die Trauerfeier mit der anschließenden Beerdigung vollkommen reibungslos über die Bühne gegangen. Ich war extra mit auf den Friedhof gefahren, weil ich sicher stellen wollte, daß in diesem wichtigen Fall alles perfekt und korrekt ablief.&lt;br /&gt;
Am Ende der Beerdigung hatte der Fahrer von Brockhagen dem alten Herrn einiges zugeflüstert, woraufhin Brockhagen und seine Frau sehr schnell ihre große Phaeton-Limousine bestiegen hatten und verschwunden waren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kam ins Büro zurück und warf Frau Büser den Laufzettel auf den Tisch und natürlich wollten meine drei Damen vom Büro genau wissen, wie alles abgelaufen war. Ich schilderte die Trauerfeier in allen Einzelheiten und sagte zum Abschluß: &quot;Schade nur, daß die Witwe nicht dabei sein konnte.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und dann sagte Antonia einen Satz, der mir für einen Moment das Blut in den Adern gefrieren ließ: &quot;Wie? Der war verheiratet?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, wie jetzt? Ich hab Euch das doch alles von Natalie Brockhagen und Roland Brockhagen erzählt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau Büser wehrte ab: &quot;Nichts da, Sie haben immer nur von Natalie und Roland erzählt, von der schönen Frau und dem toten Mann. Daß der auch noch &#039;ne Frau hat, das haben Sie nie gesagt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sagt mal, Mädchen, wollt Ihr mich jetzt für blöd verkaufen? Natalie IST doch seine Frau!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, Chef&quot;, sagte Antonia und leckte sich ihre Finger ab, wischte sie am Hosenboden trocken und griff neben sich in den Aktentrog und holte kauend die Sterbefallakte Brockhagen heraus.&lt;br /&gt;
&quot;Hier ist die Geburtsurkunde von Roland Brockhagen. Der war ledig. Die Urkunde ist im Familienbuch seiner Eltern abgeheftet.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Quatsch! Der war verheiratet. Mit Natalie Brockhagen war der verheiratet. Kinders, was habt Ihr denn da wieder für einen Scheiß gebaut?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich zog mir die Akte herüber und schaute die Unterlagen durch. Mit dem alten Ehepaar Brockhagen hatte ich nur die übrigen Formalitäten gemacht, das mit dem Stammbuch und den Sterbeurkunden vom Standesamt hatte alles Sandy übernommen.&lt;br /&gt;
Ein Blick genügte und ich sah, daß da alles von hinten bis vorne nicht stimmte.&lt;br /&gt;
Zunächst dachte ich, meine Bürodamen hätten den Toten mit einem falschen Familienstand beim Standesamt gemeldet, aber das geht doch gar nicht...&lt;br /&gt;
&quot;Was habt Ihr da gemacht?&quot; fragte ich, der Verzweiflung nahe und Frau Büser brachte es auf den Punkt, indem sie mir das Familienbuch der Brockhagens wegnahm, eine Seite weiterblätterte und sagte: &quot;Bitte schön, da ist der Eintrag von Natalie. Natalie ist Roland Brockhagens Schwester!&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Wed, 23 May 2012 17:28:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -20- </title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Petermann wurde die Luft im Keller zu dick, allmählich kroch seine Klaustrophobie in ihm hoch und begann seinen Hals zu zu schnüren.&lt;br /&gt;
&quot;Ich geh mal an die frische Luft&quot;, sagte er zu seinen Kollegen, die inzwischen die Phase des Staunens überwunden hatten und damit begonnen hatten, etliche silberne Koffer aufzuklappen und jedes Detail im Keller ausführlich zu untersuchen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das letzte Stück im engeren Gang war für Petermann das schlimmste Stück, weil hinter ihm zwei Kollegen drängten und ihm von vorn weitere inzwischen eingetroffene Spurensicherer entgegenkamen.&lt;br /&gt;
Plötzlich fühlte er sich eingesperrt und schlagartig blieb ihm die Luft weg.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ziemlich rabiat bahnte er sich seinen Weg und es ging ihm erst wieder besser, als er aus dem Keller raus und durch die Halle ins Freie gelaufen war.&lt;br /&gt;
Kurzzeitig wurde es ihm schwarz vor Augen und sein Atem ging stoßweise. An die Hauswand gelehnt, saugte er die kühle Vormittagsluft in seine Lungen und merkte, wie es ihm langsam wieder besser ging und sein Kreislauf sich wieder beruhigte. Früher hatte ihm diese Platzangst gar nicht sonderlich zu schaffen gemacht. Ab und zu hatte er ein beklemmendes Gefühl bekommen, aber im Großen und Ganzen hätte er gelacht, wenn ihm jemand gesagt hätte, er leide unter Platzangst.&lt;br /&gt;
Aber dann war er in einem Elsaß-Urlaub in einen der Stollen der französischen Verteidigungsanlagen eingefahren und aus dem großen Stollen, der eine komplette Eisenbahn gefaßt hätte, wurden dann immer kleinere Gänge und Tunnel und schließlich konnte man sich nur noch mit eingezogenem Kopf fortbewegen. Hinter ihm drängten drei japanische Touristen, vor ihm versperrte ein schwitzender Belgier den Weg und da hatte er zum ersten Mal einen richtigen Anfall von Klaustrophobie gespürt.&lt;br /&gt;
An das, was damals geschehen war, konnte er sich nicht mehr erinnern. Er war erst wieder zu sich gekommen, als man ihm vor der Bunkeranlage ein feuchtes Tuch auf die Stirn gelegt hatte. Ausgerechnet der dicke Belgier war es, der sich fürsorglich um ihn gekümmert hatte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bei den ärztlichen Untersuchungen für die Polizeitauglichkeit hatte Petermann natürlich nichts davon gesagt, er fand es für seine Arbeit belanglos.&lt;br /&gt;
Wie oft fand man schon geheimnisvolle Kellerverstecke?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine junge Kollegin kam heraus zu ihm und fragte, ob es ihm gut ginge. Er nickte, brachte ein gequältes Lächeln zustande und behauptete, die schlechte Luft da unten hätte ihm zugesetzt und er habe ja auch noch nicht gefrühstückt.&lt;br /&gt;
Dabei war das schlichtweg gelogen, denn die Luft im Keller war ausgezeichnet gewesen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und das brachte den Kriminalhauptkommissar auf die Idee, die Villa Brockhagen zu umrunden um auf der Südseite die Stelle zu inspizieren, unter der seiner Meinung nach die geheime Kelleranlage liegen mußte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Villa Brockhagen lag oberhalb eines ebenen Gartens mit großem Teich an einem Hang. Dadurch hatte sie vorne drei Stockwerke und hinten nur zwei, weil das Erdgeschoß im hinteren Bereich bereits im Hang lag.&lt;br /&gt;
Petermann mußte grinsen, denn vor ein paar Jahren hatte er auf Wohnungssuche einmal eine Wohnung besichtigt, die laut Maklerbeschreibung im &#039;Gartengeschoß&#039; gelegen hatte. Darunter hatte sich der Kommissar nichts vorstellen können und wenn überhaupt, dann hatte er an eine Wohnung mit Gartenaussicht gedacht.&lt;br /&gt;
Tatsächlich handelte es sich jedoch um eine Souterrain-Wohnung im Keller, mit ganz schmalen, winzigen Fenstern direkt unter der Decke. Wenn man sich auf die Zehenspitzen stellte, dann war man mit den Grashalmen im Garten auf Augenhöhe. &lt;br /&gt;
Immerhin: Den Garten hatte man sehen können.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/1499a0059f704afaacf6882adc4906e5&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf der Südseite der Villa war das weitläufige Gelände durch kleinere Hügel geprägt, die locker mit Büschen bewachsen waren. Einer dieser Büsche erregte Petermanns Aufmerksamkeit, denn dieser Rhododendron war im Gegensatz zu den anderen Büschen dort erstaunlich symmetrisch gestutzt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als er näher kam, merkte Petermann auch sogleich, warum das so war. Es handelte sich nämlich nicht um einen, sondern um drei Rhododendronbüsche, die vor Jahren mit einem gewissen Abstand gepflanzt und dann zu einem großen, kugeligen Busch vereint worden waren.&lt;br /&gt;
Man konnte den etwa drei Meter hohen Busch an der Seite bequem teilen und in das Innere blicken.&lt;br /&gt;
Dort fand der Kommissar zwei große, graue Lüftungsstutzen und es summte leise.&lt;br /&gt;
Petermann hatte die verborgene Lüftung des geheimen Kellerverlieses gefunden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aus seiner Jackentasche zog er eine zerdrückte Packung Marlboro und steckte sich auf dem Weg zurück zum Haus erst einmal eine Zigarette an.&lt;br /&gt;
Jetzt eine Tasse Kaffee, das wäre genau das Richtige, dachte er und unten in der Halle, wo Frau von der Tratow unter der Bewachung der jungen Beamtin inzwischen auf einem Stuhl saß und mit unterdrückter Stimme gehässig auf die Polizei und die verbrecherischen Foltermethoden schimpfte, winkte Petermann einen Kollegen herbei.&lt;br /&gt;
&quot;Sind Sie doch bitte so gut und besorgen Sie mir mal einen Kaffee. Ich weiß, das ist nicht Ihr Job, aber da unten an der Ecke ist doch so ein Laden...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Angesprochene grinste und klopfte Petermann auf die Schulter: &quot;Wir haben genug Kaffee dabei, oder meinen Sie, wir fahren ohne irgendwo hin?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenig später hielt er einen Plastikbecher mit dampfender schwarzer Kaffeebrühe in der Hand, paffte seine zweite Zigarette und hatte gerade für sich beschlossen, noch fünf Minuten Pause zu machen, bevor er sich Natalie vorknöpfen würde um sie nach dem Keller zu befragen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie!&quot; meldete sich Frau von der Tratow zu Wort: &quot;Sie wissen, daß das Folter ist! Das ist mein Menschenrecht, daß Sie mir auch etwas zu Trinken geben müssen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kommissar lächelte und nickte der Kollegin zu, die bei der Alten stand und ihn fragend ansah.&lt;br /&gt;
Die nun folgenden Ereignisse dauerten insgesamt nicht mehr als drei, höchstens vier Sekunden.&lt;br /&gt;
Gleichzeitig passierte Folgendes:&lt;br /&gt;
Die junge Beamtin entfernte sich einige Schritte von Frau von der Tratow um in Richtung Küche zu gehen. Oben an der Treppe erschien Natalie und kam diese mit schnellen Schritten herunter. Sie hatte einen verschleierten Blick und bewegte sich trotz der Geschwindigkeit wie in Trance auf den Kellereingang zu.&lt;br /&gt;
Petermann hatte sich gerade in die Richtung der jungen blonden Frau gewandt, da sah er aus dem Augenwinkel, wie Frau von der Tratow aufsprang, etwas aus der Tasche ihrer schwarzen Strickweste zog und auf Natalie zu sprang.&lt;br /&gt;
Der Kommissar schrie: &quot;Achtung!&quot; und wollte sich auf die Alte werfen, die das was sie aus der Tasche gezogen hatte, inzwischen hoch über dem Kopf am ausgestreckten Arm in der Hand hielt.&lt;br /&gt;
Die junge Beamtin fuhr ebenfalls herum und bewegte sich in die selbe Richtung. Petermann und sie stießen heftig zusammen, woraufhin die Kollegin gegen das Treppengeländer geschleudert wurde und Petermann Mühe hatte, auf den Beinen zu bleiben.&lt;br /&gt;
Zwei weitere Beamte in weißen Papieroveralls waren aus anderen Räumen herbei gesprungen und alle stürmten auf Frau von der Tratow los.&lt;br /&gt;
Doch die hatte die entscheidende Sekunde Vorsprung, diesen berühmten halben Meter, und war schon bei Natalie angekommen, ihre Hand sauste nach unten und Petermann erkannte, daß sie eine aufgezogene Spritze mit recht kurzer Kanüle in der Hand hielt.&lt;br /&gt;
Die Beamten hatten Frau von der Tratow erreicht, doch sie konnten nicht mehr verhindern, daß die Alte Natalie die Spritze in den Hals rammte und den Kolben herunter drückte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie sank in der selben Sekunde mit verdrehten Augen zu Boden und wurde von der jungen Beamtin gerade noch aufgefangen, sonst wäre sie die Kellertreppe hinunter gefallen.&lt;br /&gt;
Die zwei im weißen Overall knieten auf Frau von der Tratow und hatten Mühe, die strampelnde Alte, die wie wild um sich schlug und trat und dabei die wüstesten Beschimpfungen ausstieß, zu bändigen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was ist mit Natalie?&quot; rief Petermann und lief die zwei Schritte zu seiner Kollegin hinüber, die Natalies Kopf auf ihrem Schoß gebettet hatte.&lt;br /&gt;
Die Beamtin sah zu ihm auf und sagte: &quot;Ich glaub&#039; die ist tot.&quot;&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 23 May 2012 09:30:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -19-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Hinter dem Regal befand sich kein kleiner Raum, wie Petermann und seine Kollegen es ursprünglich erwartet hatten, sondern nur ein betonierter Gang. Man konnte etwa 90 cm tief in den etwa 1,80 Meter hohen Gang hinein blicken, dann bog er scharf nach rechts ab.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, du Scheiße&quot;, sagte Petermann zum wiederholten Male und seine Kollegen glaubten, er sagte dies, weil er eine so unglaubliche Entdeckung gemacht hatte. In Wirklichkeit litt Klaus Petermann unter Platzangst. Solche Gänge verursachten in ihm Beklemmungsgefühle, seine Atmung wurde stoßartig und ihm trat Schweiß auf die Stirn. &lt;br /&gt;
Petermann schluckte, griff die Lampe etwas fester und gab sich selbst einen Ruck: &quot;Los, Jungs, wir gehen da jetzt rein, aber haltet mal ordentlich Abstand. oder noch besser, ihr wartet und ich rufe Euch dann!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Kollegen nickten und das beruhigte den Kommissar. Wenn keiner hinter ihm war, dann versperrte ihm auch keiner den Rückweg zum Ausgang, falls er doch zu starke Beklemmungen bekommen würde. Der Kommissar drehte den Leuchtkegel der Taschenlampe auf breit und leuchtete in den Gang hinein. Weit konnte er nicht sehen, nach etwa zweieinhalb bis drei Metern bog der Gang abermals nach rechts ab.&lt;br /&gt;
Petermann kapierte, der Gang führte also quasi an der Rückseite des Nebenraumes entlang, vermutlich war dieser Raum dann auch wieder etwas zu kurz, und mündete dann in einen Raum, der vom Grundriss des Kellers her außerhalb des Gebäudes liegen musste.&lt;br /&gt;
Er versuchte sich vorzustellen, an welcher Stelle des Hauses er sich gerade befand, wie das von außen ausgesehen hatte, aber ihm war nur der Hang, an dem das Haus lag, gegenwärtig. &lt;br /&gt;
Wenn es da einen unterirdischen Raum gab, dann mußte dieser im hügeligen Gelände verborgen sein.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/f0f25beedd224c2ea7a393922365a302&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kommissar schob sich langsam durch den Gang, war rasch am Ende des ersten Stücks angekommen und bog dann nach rechts ab. Dieses Stück des Ganges war nur etwa einen halben Meter lang, dann versperrte eine silbern glänzende Edelstahltür den Weg.&lt;br /&gt;
Es gab keine Klinke, keinen Riegel, keine Scharniere und kein Fenster, nur eine blanke Edelstahlplatte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit der starken Taschenlampe leuchtete der Kommissar jeden Millimeter des Ganges ab und entdeckte oben an der Nahtstelle zwischen Wand und Decke auf der rechten Seite eine mit einer Silikonnaht verklebte Fuge. Vorsichtig fuhr er mit dem Zeigefinger an dem Silikonstreifen entlang und fand eine Stelle, an der die Naht uneben war, so als sei das Silikon an dieser Stelle in ein kleines Loch dahinter etwas eingezogen.&lt;br /&gt;
Direkt daneben ging eine Naht, an der zwei Betonplatten aneinander stießen, senkrecht nach unten.&lt;br /&gt;
Von diesem Punkt an suchte er dann die Wand Stück für Stück im Schein der Lampe ab und schließlich entdeckte er in der Stoßnaht etwa auf Augenhöhe eine kleine Öffnung, die man auch für eine der vielen kleinen Oberflächenungenauigkeiten des Betons hätte halten können.&lt;br /&gt;
Petermann leuchte in das Loch und versuchte zu erkennen, ob sich da ein geheimer Mechanismus verbarg.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zu erkennen war nichts, doch Petermann konnte sich nicht vorstellen, daß da ein hochkomplizierter Mechanismus verborgen war. Dafür war die zwar raffiniert getarnte, aber an sich doch recht einfache Hebelkonstruktion mit dem Pinseleimer zu simpel gewesen.&lt;br /&gt;
&quot;Okay&quot;, sagte er zu sich selbst: &quot;Da läuft also hinter dem Silikon ein Draht und hinter diesem Loch steckt der Schalter.&quot; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er holte sein kleines Taschenmesser aus der Jackentasche und mit den Zähnen zog er den kleinen, herausnehmbaren Zahnstocher heraus. Das Messer ließ er wieder in der Tasche seiner schwarzen Lederjacke verschwinden und nahm den Zahnstocher und steckte ihn in die Öffnung.&lt;br /&gt;
Schon nach einem Zentimeter stieß er auf Widerstand und drückte etwas fester.&lt;br /&gt;
Es klickte leise und der Kommissar schaute gebannt auf die Edelstahltür. Eigentlich hatte er erwartet, daß diese nun aufschwingen würde, doch es tat sich nichts.&lt;br /&gt;
Vorsichtig legte Petermann seine flache Hand auf die Tür, wobei der die Taschenlampe mit dem schräggelegten Kopf auf der Schulter festklemmte. Dann schob er den Kunststoffzahnstocher nochmals in das Loch und gleichzeitig versuchte er die Tür aufzudrücken.&lt;br /&gt;
Das ging immer noch nicht, aber dann merkte Petermann, daß er die Tür zwar nicht aufdrücken, aber seitlich verschieben konnte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Lautlos glitt die Tür zur Seite und Petermann leuchtete in das Dunkel hinter der Tür.&lt;br /&gt;
&quot;Wow!&quot; sagte er, leuchtete an die Decke, tastete nach rechts in den Raum hinein, fand was er suchte und wenig später flackerten Leuchtstoffröhren auf und tauchten das was Petermann sah in ein heller werdendes Licht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jungs!&quot; rief er über die Schulter: &quot;Kommt her, das müßt Ihr Euch ansehen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann betrat den Raum hinter der Schiebetür und schaltete seine Taschenlampe aus und steckte sie weg.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vor ihm lag ein etwa 20 Quadratmeter großer Raum, der eigentlich ein Flur war, dessen Seitenwände rechts und links von stabilen Gittern gebildet wurden, hinter denen sich auf jeder Seite drei leere Zellen befanden, wie in einem amerikanischen Gefängnis.&lt;br /&gt;
Die Zellen hatten nur vorne ein Gitter, zwischen ihnen waren stabile Wände, Fenster gab es keine.&lt;br /&gt;
In jeder Zelle gab es eine gekachelte Pritsche mit einem Kopfkissen und zwei zusammengelegten Wolldecken, einen an der gegenüberliegenden Wand befestigten, herunterklappbaren Tisch und eine Toiletteneinheit mit integriertem Waschbecken aus Edelstahl. An den Wänden gab es eiserne Ringe und Ketten mit Handschellen am anderen Ende.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die anderen Beamten trafen einer nach dem anderen ein und staunten nicht schlecht über Petermanns Entdeckung.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der eine entdeckte Kameras und Mikrofone an der Decke des Raumes, für jede Zelle eine Kamera.&lt;br /&gt;
Der andere fotografierte schon alles und ein weiterer Kollege versuchte eine der Zellen zu öffnen, was ihm aber nicht gelang. Die Gitter hatten Sicherheitsschlösser für die man einen Schlüssel brauchte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und was ist hinter der Tür am anderen Ende?&quot; fragte der lange Dünne und Petermann sagte: &quot;Seht halt nach! Mein Bedarf an Entdeckungen ist für heute fast gedeckt, würde ich sagen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;An der gegenüberliegenden Wand gab es wieder eine glänzende Edelstahltür, aber im Gegensatz zur ersten Schiebetür hatte diese drei schwere Hebel, wie man sie von Kühlhaustüren kennt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Lange legte die drei Hebel um und stieß die Tür auf. Hier lag der Lichtschalter außen und der Lange betätigte ihn.&lt;br /&gt;
Petermann trat näher und sah an seinem Kollegen vorbei in das Dahinterliegende...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das gibt&#039;s doch nicht!&quot; staunte Petermann: &quot;Und das alles unterirdisch!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er trat ein und die Kollegen folgten ihm.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie befanden sich in einem etwa 45 Quadratmeter großen Raum. Im Gegensatz zu den Räumen und Gängen zuvor, war hier kein Quadratzentimeter Beton zu sehen. Der Boden war mit teuren schwarzen Steinplatten ausgelegt, auf denen mehrere Teppiche lagen, die Wände tapeziert und die Decke weiß gestrichen.&lt;br /&gt;
Der Raum war eingerichtet, wie das Gemach einer Prinzessin.&lt;br /&gt;
An der langen Wand dominierte ein großes, prunkvolles Ehebett mit Himmel und ansonsten gab es Kommoden, zwei große Schränke, eine durch eine Holztafel abgeteilte Waschecke mit Dusche und Toilette und natürlich gab es einen Tisch und mehrere Stühle.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Fehlt nur noch der Fernseher, dann könnte man es hier aushalten&quot;, sagte der Lange und Petermann deutete auf die eisernen Ringe an den Bettpfosten und auf die Ketten und Handschellen daran: &quot;Ja, wenn das da nicht wäre und wenn die Tür von innen zu öffnen wäre.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So ganz verstand der Kriminalhauptkommissar noch nicht, was es mit den Zellen im vorherigen Raum auf sich hatte, aber er war sich sicher, daß er den Raum gefunden hatte, in dem Natalie Brockhagen eingesperrt gewesen sein mußte.&lt;br /&gt;
Hatte sie sich befreien können und war es ihr gelungen, ihren Peiniger zu töten?&lt;br /&gt;
Sollte das schon die Lösung des Rätsels sein?&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 22 May 2012 18:28:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -18-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Würdevoll geleitete Minister a.D. Brockhagen seine Gattin durch die Trauerhalle zu den reservierten Plätzen in der ersten Reihe. Sandy hatte sich bei der Dekoration von Sarg und Trauerhalle selbst übertroffen und man kann sicher sagen, daß die etwa 90 Personen, die gekommen waren, eine wirklich schöne und ergreifende Trauerfeier erlebten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während ein Onkel des Verstorbenen mit feierlichem Schritt ans Rednerpult trat,  ging es in der Villa Brockhagen zur Sache. Kriminalhauptkommissar Klaus Petermann hatte der grantigen Frau von der Tratow eine Kopie des Durchsuchungsbeschlusses ausgehändigt und eine junge Beamtin blieb bei der Alten. Zwölf Kollegen hatte Petermann im Einsatz und später würden noch sechs Beamte von der Spurensicherung dazu stoßen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau von der Tratow schimpfte wie ein Rohrspatz: &quot;Wenn der Herr Minister das erfährt, können Sie Ihre Dienstmarke gleich an den Hut hängen! Das sind ja Stasi-Methoden, Sie Gestapo-Schnüffler!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann war schon auf dem Weg zu Treppe gewesen, blieb dann aber kurz stehen, drehte sich langsam auf dem Absatz um und trat zu Frau von der Tratow heran, die von der jungen Beamtin regelrecht festgehalten werden mußte.&lt;br /&gt;
Mit seinem Gesicht ganz nah an ihrem sagte er ganz leise: &quot;Halten Sie die Klappe!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/da7c3483dc1f4dfbb276b165fe550660&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Frau blieb das nächste Wort im Halse stecken. So ein Verhalten war die alte Adelige nicht gewohnt, doch schon wenige Sekunden später hatte Frau von der Tratow ihre Stimme wieder gefunden und zeterte lautstark durch die Halle: &quot;Hören Sie sofort auf damit, Sie bringen hier ja alles durcheinander, ich werden Sie alle verklagen lassen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann, der schon oben war, beugte sich über das Treppengeländer und rief nach unten: &quot;Bringt die Frau raus, sperrt sie in einen der Wagen, die stört unsere Arbeit erheblich.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sofort war die Frau still und starrte stur und mit beleidigtem Gesicht auf die gegenüberliegende Wand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Noch einmal die Klappe aufgerissen und ich lasse Sie draußen an die Stoßstange eines unserer Wagen anbinden - oder noch besser: in den Kofferraum sperren. Haben wir uns verstanden?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ohne ihn anzublicken nickte die Frau stumm und machte ein versteinertes Gesicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zwei Beamte durchsuchten die untere Etage, zwei waren in den Keller gegangen und vier Männer standen oben im ersten Stock und warteten auf Petermann.&lt;br /&gt;
Der wollte unbedingt erst mit Natalie sprechen, bevor seine Kollegen mit der Durchsuchung des Hauses begannen.&lt;br /&gt;
Von Muskelpaket Ignaz war, wie Petermann es auch erwartet hatte, nichts zu sehen, der war bestimmt als Fahrer des Ministers bei der Beerdigung dabei.&lt;br /&gt;
Petermann fand Natalie in ihrem Badezimmer vor, wo sie unbekümmert und so, als ob sie vom Lärm im Haus gar nichts mitbekommen habe, ihre Haare durchbürstete.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hallo, Frau Brockhagen&quot;, grüßte er sie und sie winkte ihm, so als ob er ein täglicher Besucher und guter Freund sei. &lt;br /&gt;
&quot;Frau Brockhagen, wir führen gerade eine Hausdurchsuchung durch, hier ist der Beschluß.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Muß ich weg von hier?&quot; fragte Natalie mit schreckgeweiteten Augen und als Petermann den Kopf schüttelte, entspannte sie sich sofort wieder und kämmte weiter ihr Haar.&lt;br /&gt;
Petermann hörte, wie sie bei jedem Bürstenstrich leise mitzählte: &quot;Tausenddreiundneunzig, tausendvierundneunzig...&quot;&lt;br /&gt;
Mit einer Fingerbewegung bedeutete er einem der Beamten, bei Natalie zu bleiben und wies dann die anderen Beamten an, die restlichen Räume, bis unters Dach zu durchsuchen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann lief ziellos durch die Räume, auch er hatte keine Ahnung, wonach sie eigentlich suchten.&lt;br /&gt;
Am Abend der Tat war ja schon eine sofortige Durchsuchung durch die Spurensicherung erfolgt, aber man hatte sich auf die Suche nach Munition beschränkt und nachdem man eine Schachtel mit verschiedenen Patronen in einer Kommode in der Halle gefunden hatte, war die weitere Durchsuchung nach diesem Anfangserfolg abgebrochen worden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Immer wieder hatte Petermann gepredigt, daß man sich vom Anfangserfolg nicht blenden lassen dürfte. Abgesehen davon, daß clevere Täter schon von sich aus dafür sorgen, daß die Beamten kurz vor dem eigentlichen Versteck mit einem weniger brisanten Fundstück in die Irre geleitet werden, wird aber oft genug einfach nicht weitergesucht, wenn irgendetwas offensichtlich Passendes gefunden wurde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Von unten rief einer der Beamten hoch: &quot;Herr KHK Petermann? Da unten im Keller kommen wir nicht weiter, das müssten Sie sich mal angucken!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Keller wirkte wie ein neu gebauter Luftschutzkeller und keinesfalls wie das Gewölbe eines so alten Hauses. Alles sauber grau gestrichen, die an der Decke verlaufenden Rohre alle dick isoliert und sorgfältig beschriftet und überall gab es Regale mit Schachteln und Kartons.&lt;br /&gt;
Es wirkte da unten eher wie in den unteren Lagerräumen einer Klinik, so aufgeräumt war alles.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Schauen Sie mal hier in diesen Raum!&quot; sagte einer der Beamten und Petermann folgte ihm. Sie betraten einen Wirtschaftsraum, in dem mehrere Waschmaschinen und Trockner standen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und?&quot; fragte Petermann, der nichts Ungewöhnliches entdecken konnte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kollege hob den Finger, ging dann bis zur gegenüberliegenden Wand und schritt mit großen Schritten auf Petermann zu. Dabei zählte er: &quot;Eins, zwei, drei, vier, knapp fünf Meter.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dolle Sache&quot;, spottete Petermann. &quot;Und?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, jetzt kommen&#039;se mal mit nach nebenan!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im benachbarten Kellerraum gab es ringsherum Regale mit Schachteln, die zum Beispiel mit &#039;Weihnachten&#039;, &#039;Tischdekoration weiß&#039; und &#039;Gartenfackeln&#039; beschriftet waren.&lt;br /&gt;
Der Beamte lief wieder bis zur entlegenen Wand und schritt den Raum ab: &quot;Ein, zwei, zweieinhalb... Gut, mit dem Regal sind es drei Meter, vielleicht etwas mehr. Merken Sie was? Da fehlen zwei Meter.&lt;br /&gt;
Da das da hinten aber die Außenwand sein soll, müßte das Haus da einen Knick haben - hat es aber nicht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und das bedeutet...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;...daß da noch ein Raum verborgen sein muß.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann rieb sich die Hände: &quot;Das wird ja immer spannender. Ist ja wie bei Edgar Wallace, jetzt haben wir auch noch Geheimräume und Geheimtüren.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dann stutzte der Kommissar, kratzte sich am Kinn und sagte: &quot;Das wäre doch aber nur ein Verschlag von zwei mal drei Metern...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Viel größer sind Kinderzimmer heutzutage auch nicht&quot;, erwiderte einer der Beamten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Los, macht das auf!&quot; kommandierte Petermann und trat zur Seite, damit seine Kollegen besser an das Regal konnten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also, da sind keine Rollen unter dem Regal&quot;, sagte der eine, der auf dem Bauch liegend mit einer Taschenlampe die Stelle unterhalb des Regals absuchte. Dann stieß er einen leisen Pfiff aus und rief: &quot;Jungs, da sind Rollkugeln in den Ständern des Regals. Man muß das irgendwie verschieben können.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kommissar Petermann war ebenfalls näher herangetreten und rüttelte oben am Regal, aber es rührte sich nicht. &quot;Wenn Ihr mich fragt, kann es nur wie an einem Scharnier nach vorne weggezogen werden. Seitlich ist ja überhaupt kein Platz, um es irgendwo hin zu schieben. Nebenan war doch so eine Trittleiter, holt die mal, dann könnt Ihr von oben gucken.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Noch bevor er den Satz zu Ende gesprochen hatte, war einer der Kollegen schon mit dem kleinen dreistufigen Tritt herbei geeilt und ein anderer Kriminalbeamter, ein großer, langer Kerl, stieg hinauf und leuchtete oben alles mit einer starken Handlampe ab.&lt;br /&gt;
&quot;Also hier ist eine Edelstahlstange, die in der Decke in einer Hülse steckt. Irgendwo weiter unten muß es einen Mechanismus geben, um die Stange zu entriegeln. Dann kann man das Regal wegziehen. &lt;br /&gt;
Und noch was, Leute, von hier oben kann ich deutlich erkennen, daß die ganze Betonrückwand eine bemalte Platte ist, die hinten am Regal fest ist.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit vereinten Kräften räumten die Polizisten das gesamte Regal leer, nur ein Farbeimer, der über und über mit angetrockneten Farbresten überzogen war, ließ sich nicht wegnehmen. &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Festgetrocknet&quot;, bemerkte der lange Dünne lakonisch und Petermann grinste.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, Jungs, nee, der isses!&quot; sagte er und ergriff den vermeintlich im Eimer festgetrockneten Pinsel und bewegte ihn. Der Stiel des Pinsels ließ sich umlegen wie ein Hebel und es machte leise &#039;klack&#039;.&lt;br /&gt;
Mit beiden Händen ergriff der Kommissar die senkrechte Seitenstrebe des Regals und zog daran.&lt;br /&gt;
Tatsächlich, wie auf Kugellagern ließ sich das Regal nahezu lautlos und butterweich nach vorne und zur Seite klappen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Licht!&quot; rief Petermann und als er eine Taschenlampe in den Händen hielt, leuchtete er in den Raum, der sich hinter dem Regal aufgetan hatte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, du Scheiße!&quot; entfuhr es Petermann.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 22 May 2012 11:33:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -17-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Die Idee gefiel mir gar nicht und ich erwischte Petermanns Jackenärmel und hielt ihn fest.&lt;br /&gt;
&quot;Find ich scheiße&quot;, sagte ich und er drehte sich mit offenstehendem Mund um. So etwas war ihm wohl noch nicht untergekommen, daß sich ein Bürger und Zeuge in dieser Art einmischte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist ganz normale Polizeiarbeit. Wenn wir vor Ort durch normale Befragungen nicht weiter kommen, dann holen wir gerne mal jemanden zu uns ins Präsidium. Das erhöht doch gleich den Druck und dieser unbekannte Polizeiapparat mit seiner ungeheuren Geschäftigkeit sorgt schon dafür, daß der eine oder andere Vogel singt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich zog Petermann wieder herein und sagte: &quot;Das ist mir schon alles klar. Ich will mich ja auch nicht einmischen, aber Sie haben mich jetzt schon ein paar Mal ins Vertrauen gezogen und wir haben so ausführlich über Natalie gesprochen, daß ich finde, ich dürfe auch meine Meinung dazu sagen.&quot; Petermann ließ sich aufs Sofa plumpsen und lehnte sich weit zurück, rieb sich mit den Handflächen die Augen und strich dann mit den Händen durch seine kurzen Haare.&lt;br /&gt;
&quot;Ich weiß es doch auch nicht&quot;, sagte er. &quot;Was soll ich denn machen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie stehen ziemlich allein auf weiter Flur, nicht wahr?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er nickte langam, schob aber die Unterlippe vor und gab sich trotzig: &quot;Das ist mir aber alles egal. Mir kann keiner was. Ich bin vom leitenden Oberstaatsanwalt dazu eingesetzt, mich einzumischen und selbst wenn der Staatsanwalt, der hier konkret in diesem Fall die Ermittlungen führt, nicht will, kann mich nur der Leitende zurückpfeifen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Okay, nehmen wir an, Natalie hat ihren Mann erschossen...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, das hat sie, davon bin ich überzeugt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Okay, dann sagen Sie mir, warum sie das Gewehr nicht einfach neben ihren Mann gelegt hat. Ich meine, das kennt doch jedes Kind aus dem Fernseher. Man tut dann den Finger der Leiche an den Abzug, drückt ihre Hand an die Waffe, damit die Fingerabdrücke stimmen und damit es Schmauchspuren gibt, schießt man noch mal in die Wand oder so.&lt;br /&gt;
Is&#039; jetzt egal, wie man das im Einzelnen macht, aber das sieht man doch in jedem Krimi.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kriminalbeamte seufzte und lachte dann: &quot;Kerl! Habe ich Ihnen schon mal gesagt, daß ich finde, daß Sie zu viele Krimis gucken?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt mußte ich lachen und setze mich neben ihn. Zweimal lief Frau Büser geschäftig vorbei und schaute nur kurz zu uns zwei schweigenden Männern herüber, beim dritten Mal brachte sie uns zwei Tassen Kaffee. &quot;Die könnt Ihr doch brauchen, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann klatschte mir seine Hand aufs Knie und forderte mich auf: &quot;Kommen Sie, jetzt nochmal, alles ganz von vorne! Erzählen Sie mir haarklein wie alles an diesem Abend war und dann bei Ihrem Besuch bei Natalie.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Okay&quot;, sagte ich: &quot;Aber nur wenn Sie mir auch alles erzählen, was Sie wissen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Über eine Stunde berichteten wir uns gegenseitig was wir erlebt hatten und als Petermann mit seiner Schilderung vom letzten Besuch bei Natalie fertig war, sagte ich:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wissen Sie, an was mich das erinnert? Ich war vor ein paar Jahren mal bei jemandem zu Besuch, der einen großen Garten und einen sehr lebhaften Rauhhaardackel hatte. Der Garten hatte links und rechts, wo es zu den Nachbargrundstücken ging, keine Zäune.&lt;br /&gt;
Dieser Dackel aber hatte einen ungeheuren Bewegungsdrang, er rannte die ganze Zeit über das Grundstück, als müsse er vor seinem eigenen Schwanz davonrennen. In Windeseile hatte er das Riesengrundstück einmal quer und einmal längs durchquert, stand dann hechelnd und schwanzwedelnd vor uns, um dann gleich zur nächsten Rennrunde loszurasen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, passen Sie auf! Ich wunderte mich die ganze Zeit, woher der Dackel so genau wußte, wo das Grundstück aufhörte. Wie gesagt, da gab es keine Zäune, aber der Hund lief trotzdem nicht auf die Nachbargrundstücke, so als ob da ein unsichtbarer Zaun sei.&lt;br /&gt;
Der Besitzer erklärte mir dann, er habe ganz am Anfang, als der Hund noch neu und jung gewesen sei, so einen Draht auf der Wiese ausgerollt, genau an der Grundstücksgrenze entlang. Der Hund hatte so einen Empfänger am Halsband, der immer vibriert und gepiepst hat, wenn er über den Draht wollte. So habe er gelernt, wo die Grenzen sind, die er nicht übertreten darf.&lt;br /&gt;
Nach ein paar Wochen hat der Hundehalter dann den Draht wieder eingerollt und das Halsband wieder weggemacht. Der Hund war entsprechend konditioniert und erzogen.&lt;br /&gt;
Und genau so kommt mir Natalie vor. Wenn ich mir anhöre, wie zwanghaft ihr Handeln ist...&lt;br /&gt;
Mensch, das ist doch genau so wie bei dem Hund.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann grübelte und wieder fuhr er mit beiden Händen durch seine Stoppelfrisur.&lt;br /&gt;
&quot;Hm, dann müsste man nicht Natalie zur Vernehmung mitnehmen, sondern sich lieber mal die Hütte da genauer ansehen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das hätte ich schon längst gemacht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja klar, Sie gucken ja auch Fernsehkrimis. Wissen Sie, wie das in der Realität ist? In der Realität scheißt sich jeder Richter an, wenn er einen Durchsuchungsbeschluß unterschreiben soll. Wehe, es geht um Leib und Leben... Da wird dann auf einmal das Grundrecht auf die Unverletzlichkeit der Wohnung so was von hoch gehalten... Aber wenn es um Steuern oder so&#039;n Computerscheiß geht, da schicken die gleich 40 Mann hin.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/1898858053fb468899b0aa48a9df088e&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Und holen Sie jetzt so einen Durchsuchungsbefehl? Fahren wir dann da hin?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Erst mal heißt das Durchsuchungsbeschluß und dann fahren wir nirgendwo hin. ICH fahre da hin.&lt;br /&gt;
Ich gebe zu, daß es gut getan hat, mit Ihnen mal über den Fall zu sprechen, wirklich, aber ich kann Sie nicht zu einer Haussuchung mitnehmen.&quot;&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 22 May 2012 09:04:30 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -16-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Im Bestattungshaus ging alles seinen ganz normalen Weg. Nachdem wir die Freigabe von der Staatsanwaltschaft bekommen hatten, konnten wir Roland Brockhagen ganz normal behandeln, so wie jeden anderen Verstorbenen auch.&lt;br /&gt;
Okay, an eine offene Aufbahrung war nicht zu denken, hier wäre eine Rekonstruktion des Gesichtes nur mit unglaublichem Aufwand möglich gewesen, aber das stand auch gar nicht zur Diskussion.&lt;br /&gt;
Von Seiten der Eltern war nicht der Wunsch geäußert worden, noch einmal am offenen Sarg Abschied zu nehmen und das war auch gut so.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich muß gestehen, daß das alltägliche Einerlei und einige weitere Sterbefälle, in denen mich die Angehörigen sehr beanspruchten, dafür sorgten, daß Natalie allmählich aus meinen Gedanken verschwand.&lt;br /&gt;
Manni und ich sind ganz normale Leute, die nur am Rande etwas von der Polizeiarbeit und den Dramen rund um die Sterbefälle mitbekommen und für uns war diese Geschichte in der Villa Brockhagen etwas Besonderes und Aufregendes gewesen. Aber jetzt hatten wir sie erlebt und hatten sie oft genug erzählt und damit war es dann allmählich für uns auch erledigt.&lt;br /&gt;
Der Alltag gewann wieder Oberhand und andere Dinge rückten in den Vordergrund.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich bekam ja auch keine weiteren Informationen. Zwar schaute ich jeden Tag in der Zeitung bewußt nach, ob ich nicht doch eine Meldung über den Fall finden würde, aber es blieb bei der einen kurzen Randnotiz von der ich schon erzählte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auch der knorrige Kommissar hatte sich nicht mehr blicken lassen, dabei hatte er doch mit mir ausführlich über den Fall gesprochen und mir gesagt, daß er Natalie für die Täterin hielt.&lt;br /&gt;
Irgendwann müsste er sie doch dann festnehmen und dann müssten Untersuchungshaft, Anklage und der Prozess folgen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber diese Gedanken hatte ich schon längst angestellt und wie gesagt, ich dachte schon gar nicht mehr über die Geschichte nach, als Herr Brockhagen senior einen Tag vor der Beerdigung bei uns im Bestattungshaus auftauchte.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/55f3ed82f6224340bbe03c30cf068bdd&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er hatte in einer sehr edlen schwarzen Aktenmappe zwei Schachteln mit kleinen Kärtchen dabei. Das sei eine Idee seiner Frau gewesen, sagte er und schob mir die Karten über den Schreibtisch.&lt;br /&gt;
Es waren im Grund genommen ganz normale Visitenkarten, auf denen auf der Vorderseits der Name und die Lebensdaten des Verstorbenen aufgedruckt waren und auf der Rückseite ein Psalm.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Diese Kärtchen sollten wir doch bitte auf den Stühlen in der Trauerhalle auslegen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Vorne die ersten Reihen sollten bitte für ihn, seine Frau und einige Onkel und Tanten reserviert werden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kein Problem&quot;, sagte ich: &quot;Wir machen das immer so, daß wir die erste Reihe für die Angehörigen reservieren, bei Bedarf auch die zweite Reihe. Es geht ja nicht, daß sich sein Trauergast, der nur aus der Nachbarschaft stammt oder ein Arbeitskollege war, ganz vorne hinsetzt und die Witwe muß dann hinten sitzen, wo man vom Pastor nichts versteht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da sind wir bei einem anderen Thema. Meine Schwiegertochter wird aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Zeremonie teilnehmen. Wir haben da einen Neffen, der wird das alles auf Video aufzeichnen und wir spielen es ihr dann vor.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach was?&quot; entfuhr es mir, doch Brockhagen zog sein Etui aus der Tasche, entnahm ihm eine Zigarre, schnitt mit einem kleinen Taschenmesser eine Kerbe in das hintere Ende und zündete sie sich an.&lt;br /&gt;
&quot;Ja, so ist das.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie? So ist das? Erlauben Sie mir die Bemerkung, daß das schon recht ungewöhnlich ist. Gerade wenn ein Paar noch so jung ist, da möchte die Witwe dann doch in der Trauerfeier und am Grab noch einmal Abschied nehmen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Bei uns ist das nicht so, das heißt, bei Natalie ist das nicht so. Bitte nehmen Sie das einfach zur Kenntnis!&quot;&lt;br /&gt;
Der Tonfall des Politikers ließ keinen Widerspruch zu und ich konnte nicht anders, als vor lauter Unverständnis leicht den Kopf zu schütteln.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da brauchen Sie jetzt gar nicht den Kopf zu schütteln&quot;, sagte Brockhagen und fügte hinzu: &quot;Das ist alles schon bitter genug und der Vorfall an sich ist für meine Schwiegertochter grausam genug gewesen, da möchten wir ihr das alles hier ersparen. Sie ist momentan nicht in der Verfassung dazu.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich nickte und beschwichtigte den Kunden, denn das war Brockhagen ja schließlich. &quot;Selbstverständlich, wir wickeln das so ab, wie Sie es wünschen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Brockhagen brummte zufrieden, nahm seine Aktentasche und ging Zigarre paffend hinaus. Ich begleitete ihn bis zur großen Haupttür und verabschiedete mich von ihm. &lt;br /&gt;
Ein großer schwarzer VW-Phaeton stand vor unserem Haus und ein Riese von einem Mann im dunklen Anzug riß Herrn Brockhagen den hinteren Schlag des Wagens auf.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich schaute dem schweren Wagen noch hinterher, da näherte sich von der anderen Straßenseite dieser Kommissar Petermann. Unter dem Arm trug er die Plastiktüte, in der er den Overall mitgenommen hatte und winkte mit der freien Hand zu.&lt;br /&gt;
Als er bei mir angekommen war, schauten wir noch gemeinsam zu, wie der Wagen von Herrn Brockhagen am Ende der Straße abbog.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das war übrigens diese Ignaz. Ich weiß gar nicht ob Sie den kennen oder ob ich Ihnen von dem erzählt habe&quot;, sagte Petermann und folgte mir ins Haus. &quot;Der Mann, der Brockhagen jetzt fährt, das ist der Aufpassen von Natalie. Das heißt, wenn der Herr Minister seinen Kampfmongolen braucht, ist nur die alte Frau von Tratow bei Natalie.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;In meinem Büro warf mir Petermann die Tüte zu: &quot;Da, jetzt können Sie unserem Freund sein Kleidchen anziehen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und? Ist irgendetwas bei der Untersuchung herausgekommen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kriminalbeamte bediente sich einfach und schenkte sich aus der Thermoskanne etwas Kaffee in eine der Tassen.&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe jetzt erstmal den Overall geholt, das Ergebnis hole ich mir in ein paar Minuten ab.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich warf einen Blick in die Tüte und schüttelte wieder den Kopf.&lt;br /&gt;
&quot;Ist doch eine merkwürdige Sache, daß ein Toter so einen Overall angezogen bekommt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Moment mal&quot;, protestierte Petermann: &quot;Sie waren es doch, der mir erklärt hat, daß Tote manchmal alles mögliche anziehen sollen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja schon, aber so ein Overall? Das ist schon was Seltsames. Aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich bin&#039;s leid&quot;, sagte Petermann unvermittelt und eigentlich zu laut. &quot;Das kotzt mich alles total an. Wir haben es hier mit einem klassischen Mord zu tun, das würde jeder kleine Streifenbeamte so sehen. Aber nein, es darf kein Mord sein, jeder gibt sich mit der Erklärung &#039;Selbstmord&#039; zufrieden und egal wo ich hin komme, es wird gemauert. Im Präsidium schaut man mich an, als würde ich behaupten, der Mond zeige nachts das Gesicht von Dieter Bohlens Oma, wenn ich nur ansatzweise von Mord spreche. Der Staatsanwalt tut nichts, mein Chef ist nur dran interessiert, daß alles auf kleinster Flamme gekocht wird und bei den Brockhagens, inklusive Natalie, komme ich nicht weiter.&lt;br /&gt;
Die alten Brockhagens sind eiskalt und abgebrüht und die Kleine steht immer unter Strom.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und was wollen Sie jetzt machen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was ich jetzt mache? Ich fahr da jetzt hin und nehme Natalie Brockhagen fest!&quot;&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 21 May 2012 10:18:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -15-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Inzwischen hatte es zu dämmern begonnen und Petermann fand die Villa Brockhagen völlig dunkel vor. Nur hinter einem Fenster im Obergeschoss schien Licht zu brennen und das gab ihm die Hoffnung, daß sich dort vielleicht Natalie Brockhagen alleine aufhielt.&lt;br /&gt;
Er klingelte und es dauerte eine ganze Weile, bis er sah, daß in der Villa mehr Licht aufflammte und es in der Sprechanlage knackte. Es meldete sich aber niemand. Petermann sagte nur: &quot;Kriminalpolizei.&quot;&lt;br /&gt;
Es knackte wieder in der Sprechanlage, dann war es für bestimmt zwei Minuten totenstill. Gerade wollte er wieder auf den Klingelknopf drücken, da machte es am Tor ein klackendes Geräusch und es öffnete sich surrend.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oben an der Treppe der Villa stand Natalie Brockhagen.  Petermann blieb am Fuß der Treppe stehen und stellte sich vor. Er hatte gedacht, daß Natalie vielleicht zu ihm herunterkommen würde, damit er ungestört mit ihr sprechen könnte, falls doch noch jemand anders im Haus war.&lt;br /&gt;
Doch Natalie nickte nur und schon war sie im Inneren des Hauses verschwunden.&lt;br /&gt;
Petermann folgte ihr und fand die Junge Frau auf der großen Treppe im Inneren des Hauses sitzend vor.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie machte nicht den Eindruck, als wolle sie ihm einen Platz anbieten und da Petermann keine Lust hatte, die ganze Zeit zu stehen, schaute er sich um und entdeckte neben einem kleinen Schränkchen einen eimerförmigen Schirmständer, den er aus der Ecke zog, umdrehte und auf den er sich dann am Fuß der großen Treppe direkt gegenüber Natalie setzte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Frau Brockhagen, es ist gut, daß Sie Zeit für mich haben, es wird nämlich jetzt Zeit, daß wir uns mal ausführlich unterhalten&quot;, begann er das Gespräch.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die junge Frau schwieg und spielte mit ihren langen schlanken Fingern an den Bändern der Kapuze ihres hellgrauen Kapuzenshirts herum.&lt;br /&gt;
Darunter trug sie, das konnte Petermann am Ausschnitt sehen, ein pinkfarbenes T-Shirt. An den Beinen trug sie eine abgeschnittene, ebenfalls hellgraue Jogginghose, die etwa bis zur Hälfte ihrer Oberschenkel reichte. Ihr Füße steckten in pinkfarbenen Turnschuhen. Ihre blonden Haare hatte Natalie mit einem Haargummi hinterm Kopf zusammengebunden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich habe gerade etwas Sport gemacht&quot;, sagte sie plötzlich und Petermann wurde etwas verlegen, weil sie offensichtlich seine musternden Blicke bemerkt hatte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ist sonst noch jemand hier?&quot; erkundigte er sich und sie schüttelte den Kopf. &quot;Abends gehen die weg. Die geben mir Tabletten, die ich nehmen soll, aber ich tue nur so und lege die weg. Die sind zur Beruhigung. Die denken dann, daß ich bald schlafe und kommen morgens wieder.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es entging dem erfahrenen Kriminalisten nicht, daß Natalies Pupillen geweitet waren und sie ganz eindeutig immer noch unter dem Einfluss irgendwelcher Medikamente stand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sollen wir mal etwas an die frische Luft gehen?&quot; schlug er vor, doch Natalie zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen: &quot;Sie meinen nach draußen? Nein, auf keinen Fall, das geht nicht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir könnten doch ein wenig durch den Garten spazieren, die Luft ist noch schön warm...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, das geht nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Frau stand die Panik ins Gesicht geschrieben und sie hatte ihre Knie bis unter das Kinn hochgezogen und die Arme um die Beine geschlungen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber Sie wissen, daß ich von der Kriminalpolizei bin, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie nickte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich bin gekommen, weil ich Sie kennenlernen möchte und weil ich mit Ihnen über den Mord an Ihrem Mann sprechen möchte.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wieder nickte die junge Frau und starrte an Petermann vorbei auf einen Punkt neben seinem Kopf an der Wand.&lt;br /&gt;
Er fuhr fort: &quot;Ich weiß was an diesem Abend passiert ist. Ich will auch gar nicht mit Ihnen über die Tat diskutieren oder nach dem Gewehr fragen, ich will wissen, warum Sie es getan haben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, Sie.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich? Ich habe gar nichts gemacht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, kommen Sie, hören Sie doch auf! Ich bin davon überzeugt, daß Sie Ihren Mann Roland mit einem Schuss aus dem Gewehr mitten ins Gesicht getötet haben. Daran habe ich keinen Zweifel und das werde ich Ihnen auch nachweisen. Machen Sie mir nichts vor, ich weiß, daß es so war.&lt;br /&gt;
Mich interessiert, wie es dazu gekommen ist.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aus der oberen Etage drang ein Piepsgeräusch nach unten, langanhaltend, durchdringend und nervtötend hoch.&lt;br /&gt;
Natalie schien aus einer Art Lethargie zu erwachen und erhob sich von den Stufen. &quot;Ich muß mal hoch&quot;, sagte sie und ging los.&lt;br /&gt;
Petermann folgte ihr und fragte: &quot;Was ist das denn?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nichts, nur mein Laufband. Ich hatte Ihnen doch gesagt, daß ich etwas trainiert habe, das muß ich immer um diese Uhrzeit machen. Ich hatte ein Programm eingestellt und das ist jetzt fertig, dann piepst der Computer vom Laufband immer.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/1960cbd228164ea0878ea55b56efd94b&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als Petermann die obere Etage erreichte, war Natalie bereits in einem der Zimmer verschwunden und das gab dem Kriminalisten die Gelegenheit, auf der Suche nach ihr in die meisten Zimmer einen Blick werfen zu können.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Zimmer war eine Art Salon und aufgrund eines Stapels von Auto- und Sportzeitschriften und einem Fernglas auf der Fensterbank nahm Petermann an, daß sich hier vorwiegend der Aufpasser Ignaz aufhielt, vielleicht auch Frau von der Tratow.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Zimmer nebenan war ein modern und teuer eingerichtetes Eheschlafzimmer, in dem das Mobiliar da stand, als sei das Zimmer für die Aufnahmen in einem Einrichtungsmagazin hergerichtet worden.&lt;br /&gt;
Nebenan polterte und klapperte es und der Kriminalbeamte beeilte sich, dorthin zu gelangen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie stand in dem Zimmer, das offensichtlich ihr Zimmer war. Ein richtiges Mädchen- und Prinzessinnen-Zimmer, weiß gestrichen, mit einem Himmelbett auf der einen Seite und einem großen weißen Schrank mit verschnörkelten goldenen Elementen auf der anderen.&lt;br /&gt;
Inmitten des großen Raumes standen ein Laufband und ein modernes Standfahrrad.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie hatte das Piepsen des Laufbandes schon abgestellt und war gerade dabei, ihr Kapuzenshirt abzulegen, als Petermann höflich an die offenstehende Tür klopfte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kommen Sie rein!&quot; forderte die junge Frau ihn auf und streifte auch die Turnschuhe ab.&lt;br /&gt;
Petermann fiel auf, wie sorgfältig sie den Kapuzenpulli zusammenlegte. Natalie faltete ihn fast wie ein Soldat genau auf die Größe eines Blattes Papier und legte ihn vor der Heizung auf den Boden. Dann trat sie zurück, warf einen prüfenden Blick darauf, stellte ihre Schuhe exakt parallel daneben und richtete das zusammengelegte Kleidungsstück nochmals sorgfältig aus, erst dann war sie zufrieden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Umdrehen!&quot; kommandierte sie und folgsam kam der Kommissar ihrer Aufforderung nach.&lt;br /&gt;
&quot;Ich zieh mir nur rasch was Frisches an. Nicht umdrehen jetzt!&quot; sagte sie und Petermann blieb wo er war. Hinter ihm raschelte die junge Frau mit Kleidungsstücken und er hörte das Öffnen und Schließen der Schranktüren.&lt;br /&gt;
Das gab ihm die Gelegenheit, von einem kleinen Tischchen, das mit zwei Stühlen eine kleine Sitzgruppe bildete, eine von zwei kleinen gelben Tabletten an sich zu nehmen und in der Jackentasche verschwinden zu lassen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kleinen Moment noch!&quot; rief Natalie: &quot;Ich bin eben mal nebenan und mache mich etwas frisch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann schaute sich nun sehr aufmerksam in Natalies Zimmer um und registrierte jede Kleinigkeit.&lt;br /&gt;
Vorsichtig zog er auch Schubladen auf und warf einen Blick in den Kleiderschrank, stets bemüht, keine Geräusche zu machen.&lt;br /&gt;
Einige Sachen kamen ihm sehr merkwürdig vor.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalies Zimmer hatte noch eine etwas schmalere Tür, die zu einem Badezimmer führen musste, denn von dort hörte er das Plätschern von Wasser.&lt;br /&gt;
Etwa zehn Minuten später trat Natalie Brockhagen wieder heraus und dem Kriminalbeamten blieb fast der Atem weg.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie trug ihr blondes, gelocktes Haar jetzt offen und war mit einem seidenen, silbergrauen Pyjama bekleidet. Darüber trug sie eine Art hauchdünnen Mantel. Sie sah aus, wie ein Engel.&lt;br /&gt;
Die Frau verströmte einen Duft nach Obst und Blüten. Sie setzte sich auf den Sattel des Trainingsfahrrads und stützte ihre nackten Füße unterhalb des Lenkers übereinander auf eine Stange.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kommissar Petermann setzte sich auf einen der Stühle und schaute sie schweigend an.&lt;br /&gt;
Natalie hatte ihre Unterlippe etwas vorgestülpt, was ihr einen trotzigen Gesichtsausdruck verlieh.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nein, diese Frau agierte und reagierte nicht wie jemand, der wirklich Herr seiner Sinne ist, stellte Petermann für sich fest. Ihm waren ja vorher schon ihre geweiteten Pupillen aufgefallen und auch sonst wirkten ihre Bewegungen und Handlungsabläufe wie die einer Marionette.&lt;br /&gt;
Nur wer zog da an den Fäden? Nach welchen Regeln lief das hier alles ab?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Unvermittelt feuerte Petermann seine Frage ab: &quot;Warum haben Sie Roland erschossen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie zuckte nicht zusammen, sie zeigte sich auch nicht erstaunt über diese direkte Frage und schob weiter trotzig ihre Unterlippe vor. Dann wich dieser Gesichtsausdruck einem leichten Lächeln und sie sagte: &quot;Ich habe nichts gemacht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So kommen wir nicht weiter, Frau Brockhagen. Wenn Sie nicht vernünftig mit mir sprechen, muß ich Sie mitnehmen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kaum hatte der Kriminalhauptkommissar das gesagt, war die Frau aufgesprungen und um das Bett herum gelaufen und stellte sich mit dem Rücken an der Wand ganz eng in die Ecke des Zimmers.&lt;br /&gt;
Petermann sah, daß ihre Augen angstgeweitet waren und sie am ganzen Leib zu zittern begann.&lt;br /&gt;
&quot;Nein, das geht doch nicht&quot; rief sie und Tränen schossen in ihre Augen.&lt;br /&gt;
Von der erst sportlichen, dann erotischen Schönheit war nichts mehr da, Natalie hatte sich innerhalb von Sekunden in ein Häufchen Elend verwandelt, das bibbernd und weinend in der Zimmerecke stand, wie ein kleines Mädchen, das große Angst vor dem schwarzen Mann hat.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Klaus Petermann wollte näherkommen, doch Natalie machte mit beiden Händen eine abwehrende Bewegung: &quot;Gehen Sie weg! Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen!&quot; &lt;br /&gt;
Ihre Stimme klang tränenerstickt aber bestimmt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kriminalbeamte sah ein, daß es keinen Zweck haben würde, weiter mit Natalie sprechen zu wollen.&lt;br /&gt;
Die Frau war ja völlig überdreht, stand ganz offensichtlich unter dem Einfluss irgendwelcher Drogen oder Medikamente und war wahrscheinlich auch sonst nicht ganz bei Sinnen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich gehe jetzt, aber ich komme wieder&quot;, sagte er und ließ Natalie allein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er blieb noch eine gute halbe Stunde vor der Villa Brockhagen in seinem Wagen sitzen, beobachtete das Haus und dachte nach.&lt;br /&gt;
Etwa zehn Minuten nachdem er gegangen war, verloschen alle Lichter im Haus und nur in Natalies Zimmer gab es noch einen Lichtschein, der aber auch wenige Minuten später verlosch.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Was war da denn los?&lt;br /&gt;
Offenbar suchte Natalie ja auf irgendeine Weise den Kontakt zu anderen Menschen, sonst hätte sie neulich nachts nicht den Bestatter zu sich in den Wintergarten gelassen und ihn heute auch nicht eingelassen. Aber wenn man dann bei ihr war, war aus ihr nichts Vernünftiges heraus zu bekommen.&lt;br /&gt;
Aber dass sie so heftig reagierte, als er ihr gesagt hatte, er würde sie mitnehmen, das gab Petermann noch mehr zu denken. Sie hatte ja noch nicht einmal mit ihm in den Garten hinunter gehen wollen.&lt;br /&gt;
Und dieses mechanische Zusammenlegen der Kleidungsstücke, was sollte das denn sein?&lt;br /&gt;
Aber es gab da noch mehr, das ihm im Haus aufgefallen war. Im großen Schlafzimmer war nur eines der beiden Betten im Ehebett gemacht gewesen und in Natalies Zimmer war das Bett wie aus dem Laden, neu und unberührt. Neben dem Bett, dort wo Natalie sich in die Ecke gestellt hatte, dort stand ein graues Feldbett, das offensichtlich das wahre Nachtlager der jungen Frau war.&lt;br /&gt;
Und im Kleiderschrank und in den Schubladen war rein gar nichts gewesen, keine Kleidung, kein Schmuck, kein Krimskrams, die Möbel waren allesamt leer.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Klaus Petermann schüttelte den Kopf und konnte sich keinen Reim darauf machen.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 20 May 2012 10:49:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -14-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Klaus Petermann fuhr zu Connys Currybude und holte sich eine doppelte Portion der seiner Meinung nach besten Currywurst der Welt und eine Flasche Bier.&lt;br /&gt;
Er trank sonst nur selten Bier, aber an diesem Tag war ihm es ihm danach, die Kombination Currywurst mit Bier an einem von Connys Stehtischen einzunehmen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Pennbruder quatschte ihn wegen etwas Kleingeld für &#039;ne kleine Mahlzeit an und Petermann kramte einen Fünfeuroschein aus der Jackentasche. Dadurch fühlte der Wohnsitzlose sich dazu verpflichtet den Kriminalhauptkommissar zu bespaßen und stellte sich mit der Flasche Bier, die er sofort von dem Geld gekauft hatte, neben Petermann und stank dem Polizisten die Nase voll.&lt;br /&gt;
Doch Petermann ließ den alten Mann gewähren und hörte sich sein Geplapper über Lottogewinne, Fußballergebnisse und die neuesten Schlagzeilen aus der BILD-Zeitung geduldig an.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er war kein Menschenfreund und hielt sich im Großen und Ganzen lieber von allen anderen fern. Aber manchmal suchte er ganz bewußt den Kontakt zu anderen Menschen, um sich selbst wieder auf den Boden herunter zu holen. Seiner Meinung nach hatten die meisten Polizisten innerhalb ihrer eigenen Kaste zu völliger Betriebsblindheit abgehoben und kreisten auf einer Wahrnehmungsebene, die ihnen den Blick für das Wesentliche vernebelte.&lt;br /&gt;
Er selbst hatte aus belanglosen Gesprächen mit einem Taxifahrer oder einer alten Frau an der Bushaltestelle oft schon mehr Erkenntnisse gewonnen, als durch stundenlange Dienstbesprechungen.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/fe0f332b8e6240fc80e0c3383d026076&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
Der Alte kaute alle Skandalthemen der letzten Zeit durch, regte sich über den König von Mallorca auf, bedauerte, daß dieser oder jener Star gestorben sei und schimpfte auf die Regierung und die Obrigkeit.&lt;br /&gt;
Auch auf die Polizei war er nicht gut zu sprechen und wußte über die Ermittlungspannen im Fall der rechtsradikalen Terrorzelle erstaunlich gut Bescheid und ritt auch auf der jahrelangen ergebnislosen Suche nach dem Phantom ausgiebig herum. Sogar die alte Geschichte mit dem österreichischen Fall von Natascha Kampbusch, die jahrelang eingesperrt und von der Polizei nicht gefunden worden war, war ihm geläufig. Am meisten aber erregte er sich über die vielen Kinderschänder und Kindermörder, für die der Pennbruder kategorisch &#039;Pimmel und Finger ab und auf die Stirn schreiben, was sie gemacht haben&#039; forderte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann hörte sich das alles kauend und schweigend an, nickte nur hin und wieder oder hob auch mal skeptisch die Augenbrauen und als der Alte so gar nicht aufhören wollte und am Ende sogar noch eine alte, verbeulte Mundharmonika aus der Manteltasche zog um Petermann ein paar Lieder vorzuspielen, gab ihm der Kommissar noch ein paar Eurostücke und verabschiedete sich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als der Kommissar seinen Wagen durch den dichten Verkehr steuerte, fiel sein Blick auf die Platiktüte auf dem Beifahrersitz. Er schaute auf die Armbanduhr und ihm wurde bewusst, wie spät es schon geworden war. Wenn er den Overall noch ins kriminaltechnische Labor bringen wollte, dann musste er sich beeilen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Den Einlieferungszettel für zu untersuchende Aservate und Beweisstücke füllte Petermann sorgfältig aus und in den Unterschriftsfeldern unterschrieb er einmal leserlich mit Petermann und einmal mit einer unleserlichen, langgezogenen Unterschrift; er wollte keinesfalls Kriminaloberrat Klotzhaug oder einen seiner Kollegen mit in die Sache einbeziehen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Für ihn war es ganz eindeutig so, daß in der Villa Brockhagen etwas geschehen war, das nun auf gar keinen Fall an die Öffentlichkeit dringen sollte und bei dem der werte Herr Minister alle seine Beziehungen hatte spielen lassen um zu verhindern, daß der Fall durchermittelt werden konnte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nicht mir mir&quot;, brummte Petermann und schob dem Kollegen hinterm Tresen die Tüte, zwei ordentlich beschriftete Etiketten und das Formular rüber.&lt;br /&gt;
&quot;Morgen früh, aber erst nach 11 Uhr kannst kommen, oder sollen wir Dir das in den Umlauf tun?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, nee, ich hol&#039; mir das Zeug schon selbst ab.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eigentlich hätte Petermann nach Hause fahren können, doch er fand keine Ruhe, es wollte sich keine Feierabendstimmung einstellen und so kurvte er ziellos durch die Stadt und ließ seine Gedanken fliegen.&lt;br /&gt;
Der Fall ließ ihm keine Ruhe und vor allem wurmte es ihn, daß er bis dahin noch nicht ein einziges Mal zu Natalie Brockhagen hatte vordringen können.&lt;br /&gt;
&quot;Moment mal&quot;, dachte er, &quot;den Bestatter hatte die junge Frau ja auch abends zu sich bestellt und der war dann völlig problemlos zu ihr gelangt, obwohl auch der am Nachmittag erst abgewiesen worden war.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;An der nächsten Ampel bog Petermann verbotenerweise links ab, was die Autofahrer hinter ihm mit lautem Hupen quittierten. &quot;Arschlöcher!&quot; schimpfte der Kriminalhauptkommissar und ärgerte sich über diese hup- und meldeeifrigen Zeitgenossen. Nicht einen von ihnen hatte er durch sein Manöver behindert, niemanden gefährdet und auch sonst keinen gestört. Und dennoch mussten diese Oberlehrer hupen. Sie hupten nicht, um eine Gefahr abzuwenden, sondern um anzuzeigen, daß sie es richtig machten und daß sie erkannt hatten, daß er einen Fehler machte und um ihn durch ihr Hupen quasi dafür zu bestrafen, daß er sich einen kleinen Vorteil verschafft hatte, den sie durch ihr korrektes Verhalten nicht in Anspruch genommen hatten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber so konnte er ein großes Stück abkürzen und mußte nicht über die um diese Zeit stets verstopfte Umgehungsstraße fahren um in das Viertel zu gelangen, in dem die Villa Brockhagen stand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kriminalhauptkommissar Klaus Petermann war fest entschlossen, es an diesem Abend noch einmal zu versuchen, mit Natalie zu sprechen.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 20 May 2012 09:54:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -13-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Auch ich hatte an diesem Tag mit den Brockhagens zu tun, allerdings eher mit dem toten Teil der Familie.&lt;br /&gt;
Wir hatten den Verstorbenen Roland Brockhagen inzwischen aus der Rechtsmedizin wieder abgeholt und Sandy hatte bei der Staatsanwaltschaft die Freigabe zur Bestattung geholt.&lt;br /&gt;
Durch die Obduktion war Roland Brockhagen nicht gerade schöner geworden, aber in diesem Fall spielte das überhaupt keine Rolle. Eine Leiche mit einem so schrecklich entstellten Gesicht bekommen auch Bestatter nicht tagtäglich auf den Tisch und Manni und sein Kollege beeilten sich, mit der ersten Totenversorgung und schoben den Leichnam dann in die Kühlkammer.&lt;br /&gt;
Frau Büser, meine Bürodame, hatte mir die Akte Brockhagen bereits auf den Tisch gelegt, als ich wieder einmal in mein Büro kam und wies darauf hin, daß Minister Brockhagen inzwischen angerufen hatte und darum gebeten hatte, der junge Mann solle doch bitte in eigener Kleidung beigesetzt werden.&lt;br /&gt;
Diese könne ein Mitarbeiter von uns jederzeit bei Frau von Tratow in der Villa Brockhagen abholen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mein Herz begann etwas schneller zu schlagen. Ich muß gestehen, daß mich der Gedanke, vielleicht auch die etwas geheimnisvolle schöne Fee der Nacht wieder zu sehen, elektrisierte.&lt;br /&gt;
Ziemlich hastig packte ich eine Aktenmappe mit den meine üblichen Utensilien, wie Kalender, Laptop und Unterlagen, damit ich bei eventuellen Fragen zum Sterbefall gerüstet war, und machte mich sogleich auf den Weg.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch meine Enttäuschung war groß, als ich an der Villa Brockhagen von einem Grobian im dunklen Anzug unten am Tor abgefertigt wurde. Er ließ mich gar nicht ein, sondern reichte mir eine Plastiktüte durch die Gitter des Tores.&lt;br /&gt;
Oben an der Eingangstür sah ich die alte Frau von der Tratow, die unbewegt dort stand und genau darauf achtete, daß alles korrekt ablief.&lt;br /&gt;
Ich verabschiedete mich gerade von dem Mann im Anzug, als ich oben an einem der Fenster des Hauses eine Bewegung wahrnahm. &lt;br /&gt;
Natalie!&lt;br /&gt;
Ja, da stand sie, wieder in einer Art Nachthemd und winkte mit einer langsamen, steifen Armbewegung. Ich wollte gerade den Arm heben und zurück winken, da tauchte hinter ihr Frau von der Tratow auf, die schnell nach oben gegangen sein mußte und dann wirkte die folgende Szene auf mich, als hätte die alte Frau Natalie mehr als nur grob vom Fenster weggezogen. Es sah so aus, als hätte Frau von der Tratow Natalie von hinten ihren Arm um den Hals gelegt und sie nach hinten umgeworfen.&lt;br /&gt;
Aber ob das wirklich genau so gewesen ist, konnte ich nicht sehen, denn eine Sekunde später stand statt Natalie Frau von der Tratow unbewegt am Fenster, trat dann einen Schritt zurück, und zog die Vorhänge zu.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als ich zum Bestattungshaus zurück kam, sah ich schon, als ich in unsere Straße einbog, daß der graue Audi von diesem Petermann wieder vor unserem Haus parkte. &lt;br /&gt;
Der Wagen war leer, also mußte Petermann drinnen bei Sandy und den anderen sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wieder hielt ich mich nicht damit auf, den Wagen in die Garage unterm Haus zu fahren, sondern parkte auf dem Hof, ging gleich durch die Hintertür und fand in ganzen Büro niemanden.&lt;br /&gt;
Wo waren die alle?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Aufzug setzte sich in Bewegung, das hörte ich am leichten Klappern und den mechanischen Geräuschen. Wir haben zwei davon. Einen hinten im Gebäude, der für den Transport der Särge von der Trauerhalle und den Aufbahrungsräumen in den Keller da ist und einen vorne in einem Seitengang der Halle, der nur für Personen da ist und vom Keller bis hinauf in die Wohnetage reicht.&lt;br /&gt;
Die Tür zischte auf und Antonia stieg aus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wo seid Ihr alle?&quot; fragte ich sie und sie grinste: &quot;Dieser Herr Petermann ist lustig. Der ist unten im Keller und alle sind bei dem. Ich hole mir nur einen Becher Milchreis.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich schob das dicke Mädchen beiseite und ließ mich vom Aufzug in den Keller absenken.&lt;br /&gt;
Tatsächlich, Petermann hockte auf einem Ballen mit Füllmaterial für die Särge und war von all meinen Mitarbeitern umringt. Er erzählte von irgendeinem Kriminalfall aus seinem Leben und meine Leute hörten gespannt zu und lachten ein paar Mal.&lt;br /&gt;
Auf einmal entdeckte er mich, verstummte kurz, klatschte dann in die Hände und sagt: &quot;Ach, da isser ja! So, Leute, jetzt muß ich wieder arbeiten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Etwas enttäuscht gingen die Mitarbeiter auseinander und wenig später waren Petermann und ich allein im Keller.&lt;br /&gt;
&quot;Was wollen Sie denn hier?&quot; fragte ich ihn.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das klingt so, als hätten Sie etwas dagegen, daß ich hier bin&quot;, gab er zurück und ich schüttelte den Kopf und setzte mich neben ihn auf den Deckel eines noch nicht ausgeschlagenen Sarges.&lt;br /&gt;
&quot;Ach was, mich beschäftigt diese ganze Geschichte nur und mir geht auch diese Natalie nicht aus dem Kopf. Ich habe jetzt auch den Eindruck, daß sie was mit der Sache zu tun hat, so wie Sie es gesagt haben. Aber ich habe ja mit ihr gesprochen, da war sie ganz normal und wirkte auch mich, tja, wie soll ich sagen, eher lieb und hilflos.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da haben Sie mir was voraus&quot;, sagte Petermann mit grimmigem Gesicht: &quot;Ich kann zu der jungen Frau nicht vordringen. Diese Frau von der Trampel und ein Zwei-Zentner-Aufpasser schirmen die vollkommen ab.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja aber, Sie sind doch bei der Polizei! Sie müssen doch nur Ihren Ausweis zeigen und ein bißchem mit ihrem Schießeisen herumfuchteln und schon kommen Sie überall rein und können mit jedem sprechen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich sagte Ihnen doch schon einmal: Sie gucken zu viele Krimis.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ist es nicht so?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Pah&quot;, machte Petermann und ergänzte das um eine wegwerfende Handbewegung. &quot;Es gab mal Zeiten, da sind sogar härtere Ganoven so etwas wie erschauert und vor Respekt ein bißchen in die Knie gegangen, wenn man ihnen eine Kripomarke unter die Nase gehalten hat. &lt;br /&gt;
Aber heute? Heute machen die Straftäter doch sogar noch weiter, wenn ein Streifenwagen auftaucht.&lt;br /&gt;
Die Menschen haben keinen Respekt mehr vor der Polizei, wir sind nicht mehr diejenigen, die sie beschützen und für Sicherheit sorgen, wir sind diejenigen, die lästig sind, denunzieren, anschwärzen, die Falschen einsperren und von jedem ausländischen Gastwirt Schmiergeld nehmen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Komische Zeiten&quot;, sagte ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, so ist das. Jeder meint heute, seine Rechte zu kennen und jeder kommt heute gleich und droht mit seinem Anwalt. Dabei wollen wir von den meisten Leuten, mit denen wir sprechen, überhaupt nichts, außer ein paar Antworten auf offene Fragen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und? Haben Sie ein paar Antworten bekommen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jetzt, in diesem Fall?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jau.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sehen Sie, jetzt haben Sie &#039;nö&#039; gesagt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Scherzkeks!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Keine Antworten?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da werden Sie nachts in die Villa Brockhagen gerufen und finden dort die Leiche von Roland Brockhagen auf dem Teppich vor dem Kamin. Richtig?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Natalie hat Ihnen aufgemacht und bleibt hinter Ihnen im Wohnzimmer stehen. Richtig?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kein Gewehr?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, kein Gewehr. Manni hat das auch gesehen, daß da nichts war. Haben Sie mit dem mal gesprochen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, vorhin bevor Sie gekommen sind. Ich habe mir die Leiche von Roland Brockhagen zeigen lassen und mit Manfred, also Manni gesprochen. Er hat auch kein Gewehr gesehen.&lt;br /&gt;
Aber zurück zu unserem Fall: Dann wird die schöne Frau Brockhagen ohnmächtig und Ihr Manni kümmert sich kurz um die, kurz danach stehen Sie und Manni bei der Leiche und telefonieren nach Polizei und Notarzt. Richtig?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hm, und in diesem Moment war Frau Brockhagen unbeobachtet, hätte hinaushuschen und das Gewehr holen können, das beim Eintreffen meiner Kollegen vom Kriminaldauerdienst direkt neben der Tür gestanden hat.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Genau.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Es kann also nicht weit weg gewesen sein, dieses Gewehr. Vielleicht im Gang...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, es waren nur vielleicht 30 Sekunden. Ich weiß es nicht mehr, es ist schwer, die Zeitabläufe richtig einzuschätzen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das kenne ich. Manni meint sogar, es seien zwei Minuten gewesen&quot;, seufzte der Kommissar.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie nehmen also an, Natalie hat den Mann erschossen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich bin inzwischen davon überzeugt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich starrte auf meine Fußspitzen und sah Petermann aus den Augenwinkeln an. &quot;Ich muß Ihnen was sagen, Petermann.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich war doch an diesem Abend bei Natalie, wegen der Beerdigung...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und da kam das Gespräch auch auf das Gewehr.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dachte ich mir.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das dachte Sie sich?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, Sie sind doch nicht doof. Nicht wahr, da war kein Gewehr.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, so wie Manni es sagt, da war keins. Aber Natalie wollte, daß ich sage, da wäre eins gewesen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich hatte erwartet, daß Petermann jetzt schimpfen würde oder mit Vorhaltungen machen würde, doch nur ein leichtes Grinsen umspielte seine Lippen, dann lachte er einmal kurz auf und sagte:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Passt doch wunderbar! Erzählen Sie mir, wie das war.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich erzählte ihm von meinem Zusammentreffen mit Natalie und versuchte die Begegnung Wort für Wort wieder zu geben. Petermann hörte aufmerksam zu, nickte ein paar Mal und sagte dann:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Tja, das bestätigt ja nur meine Theore. Danke, daß Sie es mir gesagt haben. Die Kleine scheint ein gewisses Talent dafür zu haben, Männern den Kopf zu verdrehen, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich lachte kurz auf und nickte: &quot;Ja, Sie haben mich erwischt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Er grinste wieder und sagte: &quot;Das passt doch alles und deshalb sage ich es nochmals: Die ganze Sache stinkt doch zum Himmel.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Inwiefern?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na ja, schauen Sie sich doch mal die alten Brockhagens an. Das sind die Eltern des Ermordeten. Sie müssten in hellster Aufregung sein, einen Haß auf ihre Schwiegertochter haben, ihren Sohn betrauern und alles daran setzen, daß der Fall schnell aufgeklärt wird.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich habe die hier erlebt, die waren eher nüchtern.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nüchtern? Ich war vorhin bei denen. Die sind eiskalt!&lt;br /&gt;
Die trauern so, wie die Nachbarn und Freunde es erwarten. Die alte Frau Brockhagen trägt Schwarz, er macht ein betrübtes Gesicht und guckt ernst aus der Wäsche. Aber in Wirklichkeit sieht es doch ganz anders aus. Sie benehmen sich, als sei Natalie ihre Tochter, als sei Natalie diejenige, die geschützt werden müsse. Keine Spur von Haß! Die stellen das Mädchen auch noch unter Bewachung, daß ich nicht an sie heran komme und wenn Sie mich fragen, hat der feiner Herr Minister seinen Freund den Justizminister angerufen und der hat seinen Freund den Oberstaatsanwalt angerufen und der hat meinen Staatsanwalt angerufen und der hat meinen Kriminaloberrat angerufen...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und? Das fragen Sie noch? Die können mir das Ermitteln nicht verbieten, aber sie würden es am liebsten tun. Schnell meine Unterschrift unter den Abschlussbericht und dann ist der Fall abgeschlossen und erledigt. Aber ich gebe so leicht nicht auf. Andererseits, ob ich den Staatsanwalt dazu bringe, mir beim Richter einen Durchsuchungsbeschluß zu holen, das bezweifle ich.&lt;br /&gt;
Alle mauern und vor Natalie stehen die alte KZ-Wächterin und dieser große Ignaz.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wedeln Sie doch mal mit Ihrem Schießeisen herum!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann öffnete seine Lederjacke mit beiden Händen weit und sagte: &quot;Sehen Sie hier irgendwo eine Waffe?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein&quot;, sagte ich, &quot;ich sehe keine, aber tragt ihr nicht immer auch noch eine in der Socke?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kriminalhauptkommissar seufzte. &quot;Ich sag doch: Zu viele Krimis!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, nee, nee&quot;, sagte er, &quot;die ganze Sache stinkt zum Himmel. Es sieht doch eher so aus, als seien die Brockhagens nicht nur nicht in Trauer wegen des Todes ihres Sohnes, sondern sogar ein bißchen froh. Jedenfalls dreht sich doch alles um Natalie. Alles was den Sohn abetrifft, soll ganz schnell und ohne weitere Fragen und ohne Aufsehen erledigt werden. Das ist doch seltsam!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dann deutete er auf die Plastiktüte, die ich immer noch in den Händen hielt und fragte: &quot;Und was haben Sie da Schönes?&quot;&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/ef531e527b0145b09b5d9a103f961fa4&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich? Ach das hier? Das ist die persönliche Kleidung die Roland Brockhagen übermorgen bei der Beerdigung tragen soll.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist ja interessant. Darf ich mal sehen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja klar&quot;, sagte ich und wir gingen zu einem der Edelstahltische im Vorbereitungsraum hinüber. Ich knipste die grelle OP-Lampe über dem Tisch an und schüttete den Inhalt der Tüte auf den Tisch.&lt;br /&gt;
Es war nicht viel. Ein graues Bündel, eine Unterhose, zwei weiße Tennissocken und ein Paar Turnschuhe.&lt;br /&gt;
Petermann zupfte das zusammengrollte graue Bündel auseinander und entrollte einen einteiligen grauen Overall, so wie ihn Monteure tragen.&lt;br /&gt;
Er stieß einen leisen Pfiff aus und sagte: &quot;Nicht gerade das, was man einem Toten anzieht, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich schüttelte langsam den Kopf und erklärte ihm: &quot;Ach wissen Sie, da wundert mich gar nichts mehr.&lt;br /&gt;
Manche werden in einer Karnevalsuniform beerdigt, Ihre uniformierten Kollegen manchmal in ihrer Dienstuniform und wir hatten auch schon einen Koch mit Kochmütze und sogar einen Hahn aus Plüsch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Einen Hahn aus Plüsch? Sie wollen mich verarschen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie meinen so ein Kuscheltier, so einen kleinen Plüschhahn?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, ein Ganzkörperkostüm, ein menschengroßer Hahn.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nicht wahr!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;War der pervers?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, der war Zirkusmann und hatte dieses Kostüm dreißig Jahre lang in einer Clownsnummer getragen. Wir haben ihm aber den Hühnerkopf nicht aufgesetzt, sondern auf die Beine gelegt. Das war uns dann doch etwas zu viel. Aber Sie sehen, Herr Kommissar, die Leute haben bis hin zur SS-Uniform die seltsamsten Wünsche. &lt;br /&gt;
Die meisten kommen inzwischen in solchen weißen Engelshemden, den Totenhemden oder Talaren unter die Erde. Am zweithäufigsten tragen sie ihre beste Sonntagskleidung, dann kommen die Pyjamas und Nachthemden und dann folgen die Sonderwünsche, die meist irgendwas mit dem Beruf oder dem Hobby zu tun haben. Ganz oft auch Schaffneruniformen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sterben so viele Schaffner?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö. Aber es gibt vor allem unter den alten Männern sehr viele, die zu den Nietenzählern und Pufferküssern gehören...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Zu den was? Perverse? Was küssen die?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, keine Perversen sondern Modelleisenbahner. Das sind die, die im Keller eine Modelleisenbahn haben und sich eine Bahnuniform und Dienstmütze aufsetzen, wenn sie einen Zug fahren lassen. Die zählen jede Niete und küssen die Puffer ihrer Waggons.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was es nicht alles gibt! Da ist also einer Finanzbeamter oder Buchhalter gewesen und wird in einer Eisenbahnschaffner-Uniform beerdigt, weil er im Keller das Modellbahnhobby gepflegt hat...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Genau&quot;, sagte ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Moment! Packen Sie das nicht weg! Ich nehme den Overall mal mit&quot;, sagte Petermann, griff sich die Plastiktüte und stopfte den grauen Overall hinein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich protestierte: &quot;Aber ich brauche den doch!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Übermorgen ist die Beerdigung, sagten Sie, und bis dahin haben sie ihn wahrscheinlich längst zurück.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und was machen Sie damit?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das kann ich Ihnen sagen. Ich lasse den jetzt kriminaltechnisch untersuchen. Schauen Sie mal genau hin. Hier die Turnschuhe: Die Sohle ist noch ganz neu, da ist noch niemals jemand drin gelaufen. Die Socken sind noch mit einer Klammer zusammengeheftet und die Unterhose hat hinten noch ein Etikett vom Laden dran. Alles nagelneu. Nur der Overall ist gebraucht. Und wenn das stimmt, was Sie sagen, dann will ich mal sehen, ob der Overall uns nicht verrät, was Roland Brockhagen für ein Hobby hatte.&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sat, 19 May 2012 09:42:26 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -12-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Aus dem Handschuhfach kramte der Kriminalhauptkommissar eine verdrückte Packung hervor und musste sie ganz aufreißen, alles darin war lange schon zu Krümeln zerdrückt worden. Einen dieser Krümel nahm er heraus und hob ihn hinter der Windschutzscheibe hoch: &quot;Siehste Ignaz, ich habe Kekse! Also Prost, alter Knabe!&quot;&lt;br /&gt;
Dann schob er sich das Gebäckfragment in den Mund, startete den Wagen und fuhr los.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die alten Brockhagens wohnten 30 Kilometer entfernt und genau zu denen wollte er. Während der Fahrt mußte Petermann über die Szene in der Villa Brockmann nachdenken und schmunzelte. &quot;Kekse?&quot; sagte er zu sich selbst, lachte und schüttelte über den eigenen Blödsinn den Kopf.&lt;br /&gt;
Doch in all den Jahren hatte er die Erfahrung gemacht, daß sich die Tatbeteiligten meistens ganz genau ihre Geschichten zurecht gelegt haben und es immer eine gute Idee war, sie durch absoluten Nonsens aus der Bahn zu werfen. Sie hatten sich alle möglichen Fragen überlegt und zu jeder Frage eine für sie perfekte Antwort ausgedacht. Wenn man dann fragte, ob sie einen Ameisenbären haben oder nachts nackt auf Friedhöfen tanzen, gerieten viele so aus dem Konzept, daß man dann gut nachhaken konnte. Das Haus der alten Brockhagens war nicht weniger feudal, als das von Natalie, aber bedeutend kleiner. Auch die Gegend war nicht ganz so vornehm. Vermutlich wohnten die Brockhagens da schon ewig, seit der alte Brockhagen in die Politik gegangen war.&lt;br /&gt;
Er öffnete selbst und Petermann war erstaunt, wie bekannt ihm das Gesicht des ehemaligen Ministers vorkam, obwohl der Mann schon länger nicht mehr im Amt war und inzwischen auch deutlich älter geworden war.&lt;br /&gt;
&quot;Kommen Sie herein!&quot; sagte Brockhagen, nachdem er einen flüchtigen Blick auf Petermanns Ausweis geworfen hatte und schloß hinter dem Beamten die Haustüre.&lt;br /&gt;
Im Treppenhaus rief er: &quot;Mimi! Kommst Du mal bitte?&quot; und wenige Augenblicke später kam Frau Brockhagen die Treppe herunter. &quot;Ja bitte?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann stellte sich abermals vor und das Ehepaar ging ins Wohnzimmer voran, wo sie ihm Wasser, Kaffee und Gebäck anboten. Als er die Plätzchen sah, mußte er grinsen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie haben die Ermittlungen abgeschlossen, habe ich gehört&quot;, sagte der Minister und seine Frau saß neben ihm auf dem kleinen Biedermeier-Sofa und hatte ein eingefrorenes, steifes Lächeln im Gesicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Fast&quot;, sagte Petermann. &quot;Es gibt da noch die eine oder andere Kleinigkeit, die ich abklären muß, dann kann ich die Akte zumachen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was gibt es denn noch? Die Sache ist doch eindeutig, unser Sohn hat sich erschossen. Das ist doch an sich schon schlimm genug, da muß man doch jetzt nicht auch noch in den Wunden herum rühren und auf den Gefühlen der Familie herum trampeln&quot;, sagte Brockhagen und Petermann nickte: &quot;Ja, schlimm, so was!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Minister war irritiert: &quot;Nein, ich meinte jetzt Sie.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Mich? Nein, Herr Brockhagen, mich können Sie gar nicht meinen. Ich trampele doch nicht. Schauen Sie hier&quot;, sagte Petermann und hob seinen rechten Fuß: &quot;Kreppsohlen, ganz weiches englische Gummi; ich trampele nie!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sagen Sie mal, haben Sie irgendetwas getrunken?&quot; mischte sich Mimi Brockhagen mit spitzer Stimme in das Gespräch ein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, Frau Brockhagen, aber ich möchte es genau so gerne, daß der Fall zum Abschluss gebracht werden kann, wie Sie. Doch ich habe eben da noch so ein paar kleine Ungereimtheiten gefunden, die ich unbedingt erst klären möchte. Sie wollen doch auch nicht, daß wir nachher Ihren Sohn nochmal ausgraben müssen oder daß ich immer wiederkommen muß.&quot; Er zog seinen kleinen ledergebundenen Kalender aus der Tasche seiner schwarzen Lederjacke, blätterte darin und sagt: &quot;Obwohl... Ich hätte jeden Mittwoch Zeit.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt!&quot; wetterte der alte Brockhagen los und sogleich legte Mimi ihre Hand wieder auf seine und er verstummte.&lt;br /&gt;
Mit leise Stimme sagte sie: &quot;Wir wollen kein Aufsehen und wir möchten, daß unsere Schwiegertochter aus allem herausgehalten wird, sie hat schon genug durchgemacht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Petermann wurde hellhörig und hakte nach: &quot;Genug durchgemacht? Was hat sie denn alles durchgemacht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es war der alten Damen anzusehen, daß sie sie beeilte und bemühte, die Formulierung schnell wieder umzustellen, um ihr eine andere Bedeutung zu geben: &quot;Nein, ich meine, das alles hier, dieser schreckliche Todesfall hat sie sehr mitgenommen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Pah, das ist nun leider mal so. Wenn irgendwo jemand stirbt und der Onkel Doktor macht kein Kreuz auf dem Totenschein, das eindeutig bestätigt, daß der Tote eines natürlichen Todes gestorben ist, dann kommen so Leute wie ich. Wir sind dafür bekannt, daß wir unbequeme Fragen stellen und Sie werden es nicht glauben, wir bekommen sogar noch Geld dafür. Ja, es ist sogar unsere Aufgabe, unser Beruf, diese unbequemen Fragen zu stellen. Es geht nämlich darum, herauszufinden, wer diesen Menschen, um den es da geht, ums Leben gebracht hat.&lt;br /&gt;
In diesem Fall hier geht es um Ihren Sohn. Eigentlich wundert es mich ein bißchen, daß überall gemauert und blockiert wird. Gerade Sie müssten doch daran interessiert sein, daß ich schnell und zügig den Täter finde.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Den Täter?&quot; fragte Herr Brockhagen entrüstet: &quot;Was denn für einen Täter? Unser Sohn hat sich umgebracht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das, Herr Brockhagen, das glaube ich nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie bitte? Ich habe erst vor einigen Stunden mit dem Staatsanwalt gesprochen und mir wurde versichert, der Fall sei so gut wie abgeschlossen und es handele sich aus Sicht der Polizei eindeutig um eine Selbsttötung.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, genau das sage ich doch. Der Fall ist so gut wie abgeschlossen, aber eben nur so gut wie. Dieses so gut wie, das bin ich. Und solange ich meinen Bericht nicht geschrieben habe, kommt da kein Erledigungsstempel drauf.&lt;br /&gt;
Und auch wenn einige meinen, das könne ein Selbstmord gewesen sein, ich bin da anderer Meinung.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/d87aacad865a4514892c4df5f7713f13&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was stimmt denn an dem Fall nicht, daß Sie noch zweifeln?&quot; fragte der Minister und Petermann stand auf, ging einige Schritte im Zimmer herum, blieb dann vor dem Ehepaar stehen, beugte sich etwas vor und sagte etwas leiser: &quot;Alles.&quot;&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 19 May 2012 09:28:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -11-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Das Wetter an diesem Tag sollte schön werden und das ganze Radio-Pompadur-Land habe gute Laune...&lt;br /&gt;
Weiter kam der übertrieben fröhliche Sprecher nicht, da hatte Klaus Petermann das Radio in seinem Dienstwagen schon wieder abgeschaltet. Wenn er etwas haßte, dann waren es die Gute-Laune-Typen, die ihm erklärtermaßen seinen Morgen verschönern wollten.&lt;br /&gt;
Petermann war kein Morgenmuffel, im Gegenteil, er war eher ein Frühaufsteher, aber er startete eigentlich jeden Morgen etwas missmutig in den Tag, was sich erst legte, wenn er mindestens eine halbe Kanne Kaffee und so wenigstens vier Zigaretten konsumiert hatte. Auch dann gehörte er nicht zu den Menschen, die immer mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht herum liefen, aber dann wich wenigstens der insgeheime Wunsch, jeden, der ihn ansprach, auf der Stelle umzubringen.&lt;br /&gt;
Die Definition, was ein Morgenmuffel ist, ist letztlich also immer auch eine Sache der Perspektive.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;In seinem Büro im Präsidium ging der Kriminalhauptkommissar nochmals alle Akten im Fall Brockhagen durch und schaute sich auch alle Beweisstücke noch einmal sorgfältig an, die auf einem Tisch sauber nebeneinander aufgereiht waren. &lt;br /&gt;
Ausdrucke von Fingerabdrücken, das Gewehr, der Popelinemantel von Natalie Brockhagen, ein paar Teppichfasern, eine Probe des Blutes, viel mehr gab es da nicht.&lt;br /&gt;
Das Gewehr trug ausschließlich die Fingerabdrücke des Ehepaars Brockhagen, also die des Getöteten und die seiner Ehefrau Natalie. An ihren Händen waren keine Schmauchspuren festgestellt worden, an den Händen des Verstorbenen auch nicht.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/56fdd49a6f00452996caf03876aba78b&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das machte Petermann aber kein großes Kopfzerbrechen, er wußte, daß diese Art von Schrotflinte sowieso keine so starken Spuren erzeugte, wie andere Waffen.&lt;br /&gt;
Schmauchspuren entstehen durch die Verbrennungs- und Pulverrückstände, die beim Zünden der Patrone in der Waffe entstehen. Der Hauptteil der Pulverladung dient dazu, das Projektil nach vorne aus dem Lauf zu treiben, aber ein kleiner Rest vermag es auch nach hinten ins Gesicht, auf die Kleidung und an die Hände des Schützen zu gelangen.&lt;br /&gt;
Nun werden aber die meisten Taten, bei den Schusswaffen eine Rolle spielen mit Revolvern oder automatischen Pistolen durchgeführt.&lt;br /&gt;
Der Revolver ist zwischen Lauf und Trommel sowieso ziemlich offen gebaut, sodaß man hier stets ausreichend Schmauchspuren an der Schusshand findet. Auch bei automatischen Waffen, die einen Teil der Schussenergie dazu verwenden, den Schlitten nach hinten zu drücken um die verbrauchte Patrone auszuwerfen und eine neue aus dem Magazin in den Lauf einzuführen, war das so.&lt;br /&gt;
Aber bei einer solchen einfachen Schrotflinte, bei der man die recht dicht sitzende Patrone in den aufgeklappten Lauf einschiebt und die Waffe dann zuklappt und verriegelt, dringt so gut wie nichts nach außen.&lt;br /&gt;
Petermann erinnerte sich an einen Fall, bei dem beim Täter zunächst ebenfalls keine Pulver- und Verbrennungsrückstände nachgewiesen werden konnten, wo aber wenigstens zehn Personen gesehen hatten, wie er die Schrotflinte abgefeuert hatte.&lt;br /&gt;
Aber daß man so überhaupt nichts gefunden hatte, wunderte Petermann schon, denn wenn es sich so verhält, dann muß man genauer nachsuchen, sorgfältiger arbeiten und noch mehr Proben nehmen und diese eben noch viel kleinlicher im Labor prüfen lassen. Ein bißchen lässt sich nämlich auch dann finden. Aber das hatte man hier nicht gemacht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Daß diese Waffe die Tatwaffe war, das stand hingegen außer Zweifel, es befanden sich genügend Blut- und Gewebepartikel des Getöteten am und im Lauf. Das bleibt nicht aus, wenn man so eine Waffe aus nächster Nähe auf einen Menschen abfeuert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auch die beiden Bestatter hatten seine Kollegen ins Visier genommen, aber das war für Petermann eine klare Sache. Wenn die in die Sache verwickelt gewesen wären, dann hätten sie nicht neben der Leiche gewartet und die Polizei gerufen. Ihm war bewußt, daß die Bestatter, wenn sie es nur gewollt und geschickt genug angestellt hätten, ein leichtes Spiel gehabt hätten, den Toten zu entsorgen oder ganz herkömmlich zu bestatten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es klopfte an der Tür und sein Vorgesetzter Kriminaloberrat Klotzhaug betrat Petermanns Büro.&lt;br /&gt;
Wie weit er denn sei im Fall Brockhagen und daß es doch gar nicht nötig sei, daß er sich da selbst drum kümmere, das könnten die Kollegen vorne doch auch und er sei an raschen Ergebnissen interessiert, das sei ja wohl eindeutig ein Selbstmord und der Staatsanwalt habe die Leiche jetzt zur Bestattung freigegeben. Also, dann sei ja alles klar, Selbstmord, nicht wahr, das sehen Sie ja auch so, lieber Petermann, dann klappen wir den Deckel zu. Also, von der Akte und vom Sarg, ha ha ha...&lt;br /&gt;
Petermann hörte sich den Wortschwall des Dicken an, klopfte ihm dann auf die Schulter und sagte:&lt;br /&gt;
&quot;Sie haben Recht. Ich bezweifle auch, daß das ein Selbstmord war, ich ermittele weiter.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Petermann!&quot; rief ihm Klotzhaug hinterher, doch er sah nur noch den Zipfel der unvermeidlichen Lederjacke, als Petermann schon um die Ecke gebogen war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auf der Fahrt zu Natalie Brockhagen ärgerte sich Petermann über diese direkt vorgetragene Dreistigkeit und Eile, mit der man diese Tat so gerne als Selbsttötung abgestempelt und abgeheftet hätte.&lt;br /&gt;
Die tatsächlich oder angeblich nicht vorhandenen Schmauchspuren, das sofortige Ermitteln in Richtung der Bestatter, was ja völlig witzlos war und nur von der eigentlichen Fährte ablenken sollte, die insgesamt einseitig und oberflächlich geführten Ermittlungen und die Einflussnahme von oben, das waren alles Faktoren, die in dem Kriminalhauptkommissar den Terrier weckten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;An der Villa Brockhagen hielt er nur seinen Dienstausweis vor die Kamera und stand wenig später Frau von der Tratow gegenüber, die den ihr vorgehaltenen Dienstausweis völlig ignorierte und ihm unumwunden erklärte, Frau Brockhagen könne jetzt nicht mit ihm sprechen, der Arzt sei gerade erst da gewesen und sie habe sich wieder hingelegt, das alles habe die junge Witwe sehr mitgenommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das macht nichts&quot;, sagte Petermann, hielt der Frau weiterhin seinen Ausweis direkt vor die Augen und schob sich einfach an ihr vorbei ins Haus. &quot;Ich will ja sowieso nur den Tatort inspizieren, da brauchen wir Frau Brockhagen ja nicht dafür.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau von der Tratow wollte protestieren, sah dann aber ein, daß es vielleicht besser wäre, den Beamten kurz gewähren zu lassen um ihn dann schnell wieder los zu sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So, hier ist das also alles passiert?&quot; fragte Petermann im Wohnzimmer und provozierte die ältere Frau absichtlich, indem er unterstellend fragte: &quot;Und Sie haben das hier alles sauber gemacht, nicht wahr? Sie sind doch hier die Putzfrau, oder? War das viel Arbeit? Nicht wahr, das war viel Blut?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das ansonsten versteinerte Gesicht der Alten verzog sich zu einer zornigen Grimasse, als sie auf den Ermittler einschimpfte: &quot;Was fällt Ihnen ein, Sie impertinente Person? Ich bin doch hier nicht die Putzfrau! Ich bin eine gute Freundin der Familie und soll mich um Frau Brockhagen kümmern.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Eine Freundin welcher Familie?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Der Familie Brockhagen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Der jungen Brockhagens oder der alten?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Herr Minister Brockhagen und ich sind seit Jahrzehnten befreundet.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also sind sie eine Freundin der Schwiegereltern von Natalie Brockhagen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So ist es.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und wenn Sie sagen, sie &#039;sollen&#039; sich um Natalie kümmern, dann hat Ihnen der alte Herr Minister Brockhagen das aufgetragen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Auch das ist richtig.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und was genau sind Ihre Aufgaben? Sollen Sie es der jungen Frau Brockhagen bequem machen und sie in dieser schweren Zeit stützen? Oder sind Sie hier der Zerberus an der Tür und der Rausschmeißer?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich bitte Sie, was nehmen Sie sich heraus?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Haben Sie Kekse?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie bitte?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ob Sie Kekse haben!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was wollen Sie?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kekse!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wozu das denn? Brauchen Sie das für Ihre Untersuchungen?&quot; Frau von der Tratow war von der unvermittelten Frage nach den Keksen nun vollends aus dem Konzept gebracht, doch Petermann winkte nur ab: &quot;Hätte ja sein können, daß Sie mir ein paar Kekse zum Kaffee reichen wollen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was für einen Kaffee?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, Kaffee haben Sie auch nicht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann war auf die Knie gegangen und schaute sich die Stelle an, von der er von den Tatortfotos wußte, daß da der Tote gelegen hatte. &lt;br /&gt;
Auch ihm war sofort aufgefallen, daß noch der Geruch nach frischer Farbe und nach neuem Teppichboden im Raum lag, hier war jemand sehr gründlich gewesen und hatte es sehr eilig gehabt.&lt;br /&gt;
Schneller als man es ihm zugetraut hätte stand Petermann wieder auf den Beinen und sagte zu Frau von der Tratow, die immer noch an der Frage nach Kaffee und Keksen zu knabbern hatte und das gar nicht einordnen konnte: &quot;Warum kümmern sich die alten Brockhagens nicht persönlich um ihre Schwiegertochter?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Der Herr Minister und seine Frau betreten dieses Haus nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach was? Gibt es dafür einen Grund?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das weiß ich nicht, das geht mich nichts an, da mische ich mich nicht ein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während die von der Tratow das gesagt hatte, war Petermann zur Wohnzimmertür gegangen und wandte sich in Richtung Treppe. Mit etwas tippelnden Schritten überholte ihn die Adelige aber sofort und stellte sich mit ausgebreiteten Armen vor die unterste Stufe: &quot;Also, jetzt ist Schluss! Keinen Schritt weiter!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach kommen Sie, das ist doch lächerlich! Ich wiege doppelt so viel wie Sie, bin zwei Köpfe größer, Polizist und neige vor allem morgens dazu, adelige Frauen zu frühstücken. Sie wollen mir doch nicht ernsthaft den Weg verstellen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich nicht&quot;, sagte Frau von der Tratow entschieden und rief: &quot;Ignaz!&quot; woraufhin oben an der Treppe ein etwa zwei Meter großer, breitschultriger Mann erschien, der dümmlich zu Petermann herab grinste.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann winkte dem Grinsenden zu und auf einmal lächelte der Kommissar sogar und rief: &quot;Hallo Ignaz! Wissen Sie, wo es hier Kaffee gibt? Und schauen Sie auch mal, ob Sie Kekse finden!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dem Kleiderschrank im dunklen Anzug entgleiste das Gesicht vollends. Irgendwie hatte er mit einer völlig anderen Reaktion des Mannes unten an der Treppe gerechnet und dann waren das auch ein paar Informationen und Fragen zu viel auf einmal gewesen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Raus jetzt!&quot; kommandierte Frau von der Tratow. &quot;Sie müssen jetzt gehen. Frau Brockhagen geht es nicht gut. Sie braucht jetzt Ruhe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und ich brauche Antworten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann ließ es aber dabei bewenden, winkte Ignaz nochmals freundlich zu und rief: &quot;Lassen Sie es mal gut sein, aber vielen Dank für die Einladung, wir essen dann nächstes Mal Kekse zusammen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Kopfschüttelnd warf Frau von der Tratow wenige Sekunden später die Haustür der Villa Brockhagen ins Schloss.&lt;br /&gt;
Als Petermann den halben Weg zum Tor des Anwesens gegangen war, drehte er sich noch einmal um und sah an einem der Fenster die bleiche Gestalt einer jungen Frau, von der er annahm, daß es Natalie Brockhagen sein mußte. Er wollte noch kurz zum Gruß nicken, aber da war die Frau auch schon wieder verschwunden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da liegt aber jemandem viel daran, daß wir nicht weiterkommen&quot;, sagte er zu sich selbst und steckte sich eine Zigarette an.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 18 May 2012 06:17:03 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -10-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Dieser Kommissar, das muß ich sagen, war mir sympathisch. Wir hatten an dem Abend noch eine Weile zusammengesessen, geraucht und Kaffee getrunken. Viel geredet haben wir nicht mehr, der Mann ging in seinen Gedanken offenbar den Fall noch einmal durch und auch mich ließ der Gedanke nicht mehr los, daß diese schöne Fee der Nacht eine Mörderin sein sollte.&lt;br /&gt;
Aber immerhin hatte sie mich fast schon angefleht, ich solle ihre Version von der Sache mit dem Gewehr bestätigen.&lt;br /&gt;
Petermann, das hatte ich im Gefühl, würde nicht am anderen Morgen mit gezückten Handschellen bei der Frau klingeln und dann den Fall anhand von Indizien abwickeln und zur Anklage bringen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie wohnte in einem der schönsten Häuser, das ich je gesehen hatte und es war ja ganz eindeutig, daß es ihr auch finanziell nicht schlecht ging. So etwas wirft man ja nicht einfach so weg, um es dann gegen eine Zelle in einem Gefängnis einzutauschen.&lt;br /&gt;
Und wenn es so war, wie der Kommissar gesagt hatte, eine ungeplante Tat im Affekt?&lt;br /&gt;
Wenn man einen Menschen nur lange genug reizt... Zu was ist man dann alles fähig? Es war als habe Petermann meine Gedanken gelesen. Er paffte einen Rauchring in die Luft und starrte ihm sekundenlang hinterher, bis er von der dezent laufenden Lüftungsanlage erst verwirbelt und dann ins Nichts gesogen wurde.&lt;br /&gt;
&quot;Nee, die war das, da bin ich mir fast sicher&quot;, sagte er. &quot;Aber das reicht nicht, ich werde ihr von meinem Verdacht nichts sagen und Sie werden das auch nicht tun!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich schüttelte den Kopf und sagte: &quot;Ich will eigentlich nur meine Ruhe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich will nämlich wissen, was da die Gründe sind, da steckt doch mehr dahinter.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was könnte denn dahinter stecken?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Einmal sind das reiche Leute, es könnte also ganz plump um die Kohle gehen, sie wollte an das Erbe ihres Mannes ran. Und dann könnte es eine Beziehungstat gewesen sein, was weiß ich, Eifersucht, vielleicht hatte er eine andere oder sie hat einen anderen oder irgend so etwas. Bei Frauen blickt man nicht durch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja aber, ist es nicht so, daß man sagt, Frauen würden eher mit Gift morden?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie gucken zu viel Fernsehen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, wieso? Das sagt man doch immer.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Fernsehquatsch, den sich Drehbuchautoren ausgedacht haben und der von einem zum anderen immer wieder übernommen wird. Ja, es ist so, daß Frauen sich manchmal Methoden aussuchen, die weniger blutig sind. Männer sind da grober, gewaltbereiter und schlachten auch mal blutig jemanden ab. Das stimmt schon. Aber unterm Strich habe ich bei Frauen als Täter schon alles gesehen, Messer, Pistolen, einmal sogar eine Handgranate und Feuer, Gewehre und Beile.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Beile?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, Beile. Fein in kleine Stücke zerlegt, in 86 kleine handliche Stücke und die hat sie das Klo runtergespült.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Meine Güte!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich würde mal so sagen: Wenn Frauen so etwas lange planen und es sich irgendwie aussuchen können, neigen sie vielleicht tatsächlich zu irgendeiner Methode, die mit weniger Blut und Brutalität verbunden ist. Aber bitteschön, sagen Sie mir, wo man heutzutage noch Gift her bekommt!&lt;br /&gt;
Aber da hier, das war keine geplante Tat, sonst wäre die Frau hinterher nicht so kopflos gewesen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mehr wurde nicht gesagt, er trank den letzten Schluck aus seiner Tasse, klatschte mit beiden Handflächen auf seine Knie und erhob sich. Zum Abschied tippte er sich mit dem Zeigefinger an die nicht vorhandene Hutkrempe und schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kramte in Frau Büsers Schublade im unendlichen Sortiment der Büserschen Tabletten und hinten, ganz hinten, hinter den Tabletten gegen Sodbrennen fand ich die Packung, die ich suchte. Das erste Mal seit Ewigkeiten nahm ich an diesem Abend eine Tablette zum Einschlafen.&lt;br /&gt;
Ich mußte einfach mal wieder eine Nacht so richtig schlafen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/d2eccc2545dd4d25ad9fb8cc4cdb31cd&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 17 May 2012 11:15:46 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -9-</title>
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Jetzt saß Kommissar Klaus Petermann beim Bestatter und starrte in die Kaffeetasse die der ihm gebracht hatte und musterte den Mann.&lt;br /&gt;
Der Bestatter war etwas größer als er und deutlich schwerer. Er strahlte Gemütlichkeit aus und seine wachen Augen sprühten vor Neugier, Witz und Intelligenz. Das erkannte der altgediente Kriminalist mit nur einem Blick.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was halten Sie denn von der ganzen Sache?&quot; fragte er den Bestatter und der legte die Stirn in Falten und zuckte langsam mit den Achseln und sagte: &quot;Keine Ahnung.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie? Keine Ahnung? Sie waren doch gerade bei Frau Brockhagen und haben eine Stunde mit ihr gesprochen. Um was ging es da?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Um die Bestattung. Die Eltern des Verstorbenen haben uns den Auftrag erteilt, ihren Sohn zu bestatten und ich war heute Nachmittag schon mal bei Natal... äh, bei Frau Brockhagen aber da ging es ihr nicht gut. Sie hat mich dann gegen 21 Uhr angerufen und zu einem Gespräch in die Villa gebeten. Dort haben wir dann wegen der Bestattung alles besprochen.&quot; &quot;Ich kenne mich mit Bestattungen nicht aus&quot;, sagte Petermann, &quot;gibt es irgendwelche Besonderheiten?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kommissar lachte kurz auf und sagte: &quot;So wie Sie dieses &#039;Nö&#039; gesagt haben, habe ich den Eindruck, daß wir noch viel Spaß miteinander haben werden.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie meinen Sie das?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So wie ich es sagte.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann sollte Recht behalten. Am Ende der Geschichte würden er und der Bestatter dicke Freunde sein, die sehr viel Respekt voreinander hatten und diese Männerfreundschaft würde auch Bestand haben.&lt;br /&gt;
So würde es kommen und so kam es später auch, daß der Bestatter alle Einzelheiten von dem erfuhr, was sich im Folgenden noch ereignen würde, und das alles auch erzählen konnte.&lt;br /&gt;
Aber das wußten die beiden Männer an diesem Abend in der Halle des Bestattungshauses noch nicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich kann Ihnen wirklich nichts zu der ganzen Sache sagen. Ich habe ja auch Ihren Kollegen schon alles erzählt. Man hat sogar meine Fingerabdrücke genommen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie sind also in jener Nacht zum Haus der Brockhagens gerufen worden?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, dieser Anruf kam mitten in der Nacht, eine junge Frau, ich gehe davon aus, daß es Natalie Brockhagen war, hatte angerufen und einen Sterbefall gemeldet.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und das ist normal so? Das machen die Leute immer so?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, genau.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und dann? Dann sind Sie dahin gefahren?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich und mein Fahrer Manfred.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So, und Sie und dieser Manfred kamen dann da an; und wie ging es weiter?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir kamen also da an und Frau Brockhagen hat uns ins Wohnzimmer geführt, wo die Leiche am Boden vor dem Kamin lag. Erschossen...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Erschossen? Das haben Sie sofort gesehen? Und Sie erkennen, ob jemand erschossen oder erschlagen worden ist?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na ja, zuerst habe ich den Mann nur in seiner Blutlache gesehen, aber dann bin ich um herum gegangen und habe gesehen, wie sein Gesicht aussieht und da war mir alles klar. Es ist ja nicht das erste Mal gewesen, daß ich die Auswirkungen eines Gewehrschusses gesehen habe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wer hat den Mann denn erschossen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das weiß ich doch nicht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hatte die junge Frau Brockhagen ein Gewehr in der Hand? War da noch jemand im Haus? Wo war das Gewehr als sie kamen? Lag es neben dem Toten, hatte er noch den Finger am Abzug?&lt;br /&gt;
Sehen Sie, ich will das jetzt mal ganz genau wissen. Zu Frau Brockhagen fahre ich morgen früh, heute bin ich nicht zu ihr durchgedrungen, da war eine ältere Dame am telefon die mich abgewimmelt hat. Aber Sie, Sie waren doch als einer der Ersten am Tatort. Versuchen Sie sich bitte mal ganz genau zu erinnern!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die alte Frau, das ist die Gouvernante oder Aufpasserin da, die hat mich heute Nachmittag auch wieder weggeschickt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Gut, gut, jetzt aber zu dieser Nacht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich weiß auch nichts. Der lag da und sah erschossen aus und der war auch definitiv tot, da gab es keinen Zweifel.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und Ihnen kam das nicht irgendwie komisch vor, daß eine junge Frau Sie nachts anruft und zu einem Mordopfer ruft?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch natürlich! Aber auf der anderen Seite ist das ja auch für uns nicht so ungewöhnlich, wir werden oft zu Tatorten oder Unfallstellen gerufen. Einer muß die ja da abholen. Nur ist dann normalerweise die Polizei schon da und alle Spuren sind gesichert.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und in dieser Nacht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die war eben kopflos, die hat einfach die erstbeste Nummer gewählt, vorne vom Telefonbuch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das hat Sie Ihnen gesagt?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie haben also auch Zweifel an der ganzen Geschichte und schon mit ihr darüber gesprochen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, nur darüber, warum sie erst uns angerufen hat.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann merkte, daß der Bestatter mehr wußte, als er zugeben wollte und machte dem Mann jetzt Feuer unterm Hintern:&lt;br /&gt;
&quot;Ich will Ihnen sagen, wie das genau abgelaufen ist! Diese Natalie Brockhagen war eine kleine Jurastudentin ohne einen Pfennig Geld in der Tasche und Roland Brockhagen ist von Geburt an reich. Sein Vater war Minister, seine Mutter ist die Erbin eines Wasserschlauchimperiums. Ja, grinsen Sie nur, auch Wasserschläuche müssen hergestellt werden und damit haben die Vorfahren von Frau Brockhagen Millionen verdient.&lt;br /&gt;
Diese Natalie wollte mehr vom Kuchen abhaben als ihr zustand und da hat sie sich einen Bestatter gesucht, den Ehemann erschossen und der Bestatter sollte klammheimlich die Leiche als ganz normalen Sterbefall abwickeln. So ist das gewesen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann bemühte sich ein ernstes und vorwurfsvolles Gesicht zu machen. Natürlich glaubte er selbst kein einziges Wort von dem, was er dem Bestatter da eben an den Kopf geworfen hatte, aber irgendwie musste er den Mann ja aus der Reserve locken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erst schien es auch, als hätte sein Trick funktioniert und der Bestatter reagierte entrüstet:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein! So war das nicht! Ich kannte Natalie Brockhagen bis zu dem Abend nicht und wir haben mit der Sache auch nichts zu tun, wir...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dann brach der Bestatter ab, lehnte sich in seinem Sessel zurück und nahm einen Schluck Kaffee&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nicht wahr? Sie behaupten da jetzt einfach irgendetwas ganz Absonderliches, um mich zu reizen, um mich aus der Reserve zu locken, in der Hoffnung, ich wüßte irgendwas und würde mich jetzt in meiner Aufregung verplappern?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und? Wissen Sie denn irgendwas?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nö.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie gehen mir mit Ihrem &#039;Nö&#039; auf den Sack, wissen Sie das?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich sagte ja, wir werden noch viel Spaß miteinander kriegen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Mal ehrlich, Herr Kommissar, ich wäre froh, ich könnte irgendwie Spaß an der Sache bekommen, aber ich kriege diese Vorfälle dieser Nacht nicht aus dem Kopf, ich verstehe auch nicht, was da passiert ist.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wäre es dann nicht klug, Sie würden mit mir kooperieren? Sie sind doch ein intelligenter Mann, Akademiker sogar, wie ich den Akten entnehme. Schauen Sie, ich bin nur ein ganz gewöhnlicher Realschüler, schon Ewigkeiten bei der Polizei. Ich habe eine Aufklärungsquote, nach der sich andere die Finger lecken würden und die habe ich, weil ich beharrlich bin wie ein Terrier, der sich in die Wade eines Mannes verbissen hat.&lt;br /&gt;
Sie können jetzt und in dieser Sekunde entscheiden, ob Sie derjenige sind, dessen Wade da ist.&lt;br /&gt;
Oder aber, Sie holen uns jetzt noch einen Kaffee und wir reden mal Tacheles.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kaffee? Sie wollen Kaffee? Da vorne, zweite Tür links&quot;, sagte der Bestatter und lehnte sich noch weiter in seinem Sessel zurück.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kommissar grinste breit, stand auf, nahm dem Bestatter die Tasse weg und ging mit leicht schlurfenden Schritten in die kleine Kaffeeküche.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als er, wenige Minuten später, wieder zurückkam, stellte er die Tassen wortlos auf den Tisch und setzte sich dieses Mal auf Sofa, direkt neben dem Sessel auf dem der Bestatter saß.&lt;br /&gt;
&quot;So, Kaffee ist da. Und jetzt sagen Sie mir, was Ihnen an der ganzen Geschichte nicht passt, was Ihnen aufgefallen ist und warum Sie als Bestatter daran zweifeln und herumgrübeln. Ich meine, für Sie läuft doch alles bestens. Sie haben einen Auftrag und in ein paar Tagen schreiben Sie eine fette Rechnung und alles ist für Sie erledigt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich weiß nichts, wirklich nicht. Es war so, wie ich es Ihnen gesagt habe, der lag da, die stand da und was vorher war, das weiß ich nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Soweit habe ich Sie ja auch verstanden und soweit glaube ich Ihnen ja auch&quot;, beruhigte der Kommissar den Bestatter. &quot;Aber da gibt es doch was, was Sie grübeln lässt. Sie haben doch eben selbst gesagt, daß Sie der Fall auch nicht los läßt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na ja, diese Natalie, das ist doch nur ein Hauch von einer Frau, so etwas Zartes, die kann doch keinen Mann mit einem Schrotgewehr erschießen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach Gott! Wenn Sie wüßten, wer schon alles jemanden mit einem Schrotgewehr erschossen hat!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, mag ja sein, aber die doch nicht!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die nicht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, Sie sagen mal &#039;Nein&#039; und nicht &#039;Nö&#039;...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Witzbold!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Warum war die das nicht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich kann mir das nicht vorstellen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie lügen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie lügen mich an.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wieso das denn?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Weil das genau der Punkt ist, der Ihnen keine Ruhe lässt. Dieses zarte Wesen, das finden Sie doch toll. Sie möchten nicht, daß sie es gewesen ist. Stimmt&#039;s?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Bestatter musterte den Kommissar lange schweigend. Der Kommissar war anders als die Kriminalbeamten, die er bisher kennengelernt hatte. Bei den anderen hatte er immer den Eindruck, als ob die sich einfach auf irgendjemanden als Täter einschießen und dann nur noch alles tun, um den dingfest zu machen. Dabei wurde dann weder nach links noch nach rechts geschaut. &lt;br /&gt;
Aber Petermann machte den Eindruck, als ginge es ihm nicht nur darum, schnell Natalie zu überführen und dann seinen Erfolg zu feiern. Dem schien es darum zu gehen, die ganze Geschichte herauszufinden, die hinter dem Ganzen steckte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Bestatter seufzte und atmete tief durch. Dann sagte er zu Petermann: &quot;Sie haben Recht, mir kommt die Sache mit dem Gewehr komisch vor.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Mit dem Gewehr? Was ist mit dem Gewehr? Ich habe es mir im Präsidium angeschaut. Es ist eine ganz normale einläufige belgische Schrotflinte. Der Getötete hatte sie zwar unerlaubterweise aber mit Genehmigung seines Schwiegervaters, der Jäger ist, von dem bekommen und im Keller in einem Schrank deponiert. Kein ungewöhnliches und auch kein besonders wertvolles Gewehr.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das Gewehr an sich ist es ja auch nicht; es war bloß nicht da.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie jetzt? Das war nicht da?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Als wir kamen war da kein Gewehr.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach nee, jetzt wird&#039;s interessant!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie gesagt, da war kein Gewehr, nicht neben der Leiche, nicht in Natalies Händen, nicht im ganzen Wohnzimmer.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;In der Akte steht, es habe neben der Tür gelehnt. Diese Natalie Brockhagen habe einen Schuss gehört, sei dann runtergelaufen, habe ihren Mann vor dem Kamin liegen sehen und nachgeschaut, ob der noch lebt. Als sie gesehen hat, was los war, habe sie die Flinte genommen, neben die Wohnzimmertür gestellt und dann den Bestatter, also Sie, angerufen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da war kein Gewehr, das wäre mir aufgefallen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann stützte seine Ellenbogen auf seine Knie und legte sein Kinn in seine Hände. Dabei schob er die Unterlippe vor und schaute nachdenklich an die gegenüberliegende Wand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hm, dann ist doch alles sonnenklar!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wieso?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wenn der Mann sich selbst erschossen hätte, so wie es uns ja weisgemacht werden soll, dann hätte die Flinte doch neben ihm gelegen. Stimmen Sie mir da zu?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jau.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und da war sie nicht, stimmt&#039;s?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Stimmt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Im Zimmer war überhaupt keine Flinte.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also hat Natalie ihren Mann erschossen. Sie hatte das Gewehr in den Händen, ist damit dann aus dem Wohnzimmer gelaufen und hat Sie angerufen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und warum hat die dann uns angerufen? Sie glauben doch nicht wirklich, daß wir ihr bei der Beseitigung der Leiche hätten helfen sollen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein, das glaube ich nicht. Zumindest glaube ich nicht, daß Sie in den Plan eingeweiht waren. oder noch genauer, damit Sie beruhigt sind, ich glaube nicht einmal, daß es da einen Plan gegeben hat. Hätte es nämlich einen solchen gegeben, dann hätte jeder Halbidiot das geschickter eingefädelt, als Natalie Brockhagen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und wie hängt das Ihrer Meinung nach alles zusammen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die Tat war spontan, unüberlegt, ungeplant; und dann stand sie da mit einem toten Mann im Wohnzimmer, kennt sich nicht aus, wie es weitergeht und weiß nur, daß sie auf keinen Fall jetzt die Polizei anrufen darf. Die hat bewußt Sie als Bestatter angerufen und hatte mit Sicherheit vor, Sie dazu zu bringen, die Leiche zu beseitigen. Ich habe keine Ahnung, wie sie das machen wollte, ob mit Charme oder mit Geld oder wie auch immer...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die ist ja dann ohnmächtig geworden.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Genau, bevor die Ihnen irgendein Angebot machen konnte, wurde alles zuviel für sie und sie kippte um. Und dann haben Sie das gemacht, was sie natürlich gar nicht gewollt hätte, nämlich die Polizei anrufen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist doch aber ein Scheißplan. Welcher Bestatter macht bei so etwas mit?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Scheißplan hin, Scheißplan her! Die hatte keinen Plan, gar keinen! Die war kopflos, überfordert und hat völlig irrational reagiert. Und wer holt bei uns die Toten? Genau, der Bestatter! Vielleicht hat die im ersten Moment gedacht, Sie könnten den einfach mitnehmen und dann alles wie einen ganz normalen Sterbefall aussehen lassen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, so könnte es gewesen sein, und weiter?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie sagen doch selbst, daß da kein Gewehr war. Wenn der Mann sich aber selbst erschossen haben soll, dann muß das Gewehr in seiner Nähe sein und nicht da, wo sie es mit hin genommen hat, nachdem sie die Tat begangen hatte.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja? Da war aber erst kein Gewehr!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und? Haben Sie die Frau mal einen Augenblick aus den Augen gelassen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja. Darüber habe ich vorhin auch schon mal nachgedacht. Manfred und ich waren einige Zeit, so vielleicht eine halbe oder ganze Minute abgelenkt und haben bei der Leiche gestanden. Da haben wir ihr den Rücken zugekehrt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aha! Und da ist&#039;se raus und hat das Gewehr aus dem Flur oder von wo auch immer geholt und neben die Tür gestellt! So war das, so muß das gewesen sein!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Tja...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nix tja, so war das. Fürs Erste steht für mich mal fest: Natalie Brockhagen hat ihren Mann erschossen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/64b0270dcff54ea2b09f6f382398895d&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 17 May 2012 09:43:25 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -8-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;In meinem Kopf kreisten die Gedanken durcheinander. Ich kam zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht auf die Idee, ich könne verfolgt werden, zumindest nicht in Sachen Natalie. Soll ich sagen, an was ich dann gedacht hatte, als ich kapiert hatte, daß dieser graue Audi hinter mir her fuhr?&lt;br /&gt;
Ich dachte: &quot;Na prima, da hast Du einmal ein Glas getrunken und schon kommt die Zivilstreife.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Ampel sprang auf Grün und ich gab Gas, der Audi beschleunigte und fuhr an mir vorbei, zog mit einer wassersprühenden Fontäne vor mir weg und war rasch aus meinem Blick verschwunden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich versuchte, die ganze Geschichte noch einmal für mich aufzudröseln. Nacht, Anruf, Natalie, die Leiche, Natalies Ohnmacht, Polizei. Und dann bekommen wir auch noch den Auftrag, genau diese Leiche zu überführen und zu bestatten.&lt;br /&gt;
 Langsam bog ich in unsere Straße ein, ich wollte durch das Motorengeräusch niemanden wecken. Ich fuhr auch den Wagen nicht in die Tiefgarage unter unserem Haus, sondern ließ ihn auf dem Hof stehen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nachdenklich ging ich zum Vordereingang. Diesen Weg hatte ich gewählt, obwohl ich auch hinten hätte reingehen können, weil ich das Rolltor zum Hof leise zuschieben wollte.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/8bd1d77c95bd4933b4c4e4fe93f674b9&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
Als ich um die Ecke bog, sah ich vor unserem Haus auf der anderen Straßenseite wieder diesen grauen Audi und jetzt konnte ich auch erkennen, daß der diese typische, etwas zu lange zusätzliche Antenne eines Behördenwagens hatte. Aha, die Polizei!&lt;br /&gt;
Jetzt würden also gleich zwei Beamte aussteigen und mich in so einen Apparat blasen lassen...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch es kam anders.&lt;br /&gt;
Neben den Säulen, die das kleine Vordach vor unserer Eingangstür trugen, flammte ein Feuerzeug auf und jemand steckte sich eine Zigarette an. Kurz konnte ich im Schein der Flamme das Gesicht eines etwa 50-jährigen Mannes erkennen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich beeilte mich nicht, näher hin zu gehen und im schwachen Lichtschein, der aus dem Inneren des Hauses durch die Buntglasfenster in unserer Eingangstür fiel, war auch nicht sehr viel zu erkennen.&lt;br /&gt;
Er trug Zivil, lehnte ganz entspannt an einer der Säulen und rauchte. Es sah aus, als ob er grinste.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;N&#039;Abend&quot;, sagte ich und er schnippt die Asche von der Zigarette und nickte mit dem Kopf in Richtung Tür: &quot;Ich glaube, wir müssen uns mal unterhalten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während ich aufschloss fragte ich: &quot;Und wer will sich da mit mir unterhalten?&quot;&lt;br /&gt;
Doch der Mann gab keine Antwort und lief mir einfach hinterher. Ich ging aber nur bis zur Sitzgarnitur in der Halle und ohne auf eine Einladung von mir zu warten, setzte er sich in einen der großen, bequemen Ledersessel.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich bin Petermann, Kommissar Klaus Petermann.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist sehr schön. Ein schöner Name, ein schöner Beruf.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich lache später. Wir können das jetzt hier auf die lustige Tour machen, dann dauert&#039;s ewig, wir können auch gerne auf&#039;s Präsidium fahren, dann wird&#039;s unangenehm oder aber wir unterhalten uns mal wie zwei vernünftige Menschen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kaffee?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Schwarz, bitte.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine Viertelstunde später saßen wir bei heißem, schwarzen Kaffee zusammen und schwiegen. &lt;br /&gt;
Der Kommissar schien auch keine Eile zu haben und so nutzte ich die Gelegenheit, ihn näher anzuschauen.&lt;br /&gt;
Groß war er, vielleicht gut Einsachtzig, breite Schultern, ganz leichter Bauchansatz. Sein Gesicht war eher durchschnittlich, aber das kantige Kinn gab ihm etwas Kontur.&lt;br /&gt;
Der Dreitagebart war angegraut und sein Kopfhaar war auf vielleicht 4 mm gestutzt.&lt;br /&gt;
Er trug eine lange schwarze Lederjacke, die schon bessere Zeiten gesehen hatte und eine braune Cordhose, sowie etwas breite Bequemschuhe mit dicken, weichen Gummisohlen.&lt;br /&gt;
Der Mann strahlte Überlegenheit, Ruhe und eine gewisse Form von Abgeklärtheit aus. Es war so, als ob alles an ihm sagte: &quot;Ich habe alles, aber auch wirklich alles auf dieser Welt schon gesehen. Mir ist nichts fremd und mir macht keiner was vor.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Petermann war nicht nur Kommnissar, sondern um es ganz genau zu sagen sogar Kriminalhauptkommissar. Auf dieser Stelle drückte er sich jetzt schon einige Jahre herum und zog lieber den Kopf zwischen die Schultern, wenn es um eine der wenigen Beförderungen ging, die aus Geldknappheit immer seltener ausgesprochen wurden.&lt;br /&gt;
Er hatte keine Lust Erster Kriminalhauptkommissar zu werden, weil er befürchtete, dann nicht mehr auf die Straße zu kommen.&lt;br /&gt;
Ihm ging es nicht darum, unter Menschen zu sein. Nein, Menschen an sich mochte er eigentlich nicht, er war sich selbst genug und hatte auch mit sich selbst genug zu tun.&lt;br /&gt;
Aber tagein tagaus in einem Büro Verwaltungs- und Personalsachen zu bearbeiten, das war auf jeden Fall nicht sein Ding.&lt;br /&gt;
Im Präsidium hatte er als Einziger noch kein modernisiertes Büro, irgendwie hatte er es immer geschafft, sich an dem ganzen Aluminium und der Verkabelung vorbei zu drücken und seine Kollegen scherzten, Petermann hätte statt eines Handys eine Morsetaste in der Tasche.&lt;br /&gt;
An seiner Tür stand schlicht: KHK Petermann, Abt. Leib und Leben.&lt;br /&gt;
Diese Abteilung gab es weiter vorne auf der Etage noch einmal, besetzt mit vielen jungen und fähigen Beamten, die anhand von Täterprofilen, DNA-Abgleichen und Computerraster-Datenbankdurchläufen und natürlich durch die übrigen klassischen Methoden der Polizeiarbeit ganz hervorragende Arbeit leisteten.&lt;br /&gt;
Aber Petermann hatte sich da irgendwann seine Nische geschaffen, am Ende des Ganges, in einem altmodischen Büro mit Schränken aus den 50er Jahren und einem durchgestrichenen Nichtraucherschild an der Tür. Soweit man wußte, war Petermanns Büro das einzige im ganzen Gebäude, in dem geraucht wurde.&lt;br /&gt;
Aber Petermanns Büro war auch das Büro, in dem genau die Fälle zum Abschluss kamen, die vorne in der modernen Abteilung ohne Ergebnis als &quot;ausermittelt&quot; galten.&lt;br /&gt;
Und ab und zu, ganz selten, schnappte sich Petermann auch mal einen der laufenden Fälle und begann seine Ermittlungen.&lt;br /&gt;
Wenn das so war, dann gab es immer zwei Möglichkeiten. Entweder waren die Kollegen froh, daß er ihnen eine Akte wegnahm und sie so einen Fall weniger zu bearbeiten hatten, oder aber man trat in eine Art Wettstreit und es ging dann darum, wer schneller die besseren Ergebnisse erzielte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dieses Mal war das aber anders gewesen.&lt;br /&gt;
Petermann wurde das Gefühl nicht los, daß man es gar nicht gerne sah, daß er sich in diesen Fall einmischte. Der Staatsanwalt hatte persönlich bei Kriminaloberrat Klotzhaug angerufen und versucht, Petermann zurück zu pfeifen. &lt;br /&gt;
Aber Klotzhaug war schon so weit weg von der aktiven Ermittlungsarbeit und jenseits von dem, was man Einblick und Verstehen nennt, daß Petermann leichtes Spiel hatte, seinen Vorgesetzten um den Finger zu wickeln.&lt;br /&gt;
&quot;Der Petermann hat Narrenfreiheit&quot;, hatten die Kollegen morgens bei der Besprechung gesagt und er hatte nur müde gegrinst.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dieser Fall der jungen Natalie Brockhagen interessierte ihn.&lt;br /&gt;
Und wenn Kriminalhauptkommissar Klaus Petermann sich für einen Fall interessierte, dann hatte er so ein merkwürdiges kribbelndes Gefühl entlang der Wirbelsäule und wenn Petermann dieses Gefühl hatte, dann fand er nicht eher Ruhe, bis er den Täter gefunden hatte - oder die Täterin.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Thu, 17 May 2012 08:56:44 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -7-</title>
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;So ein Martini Bianco, eigentlich noch lieber Cinzano, damit kann man mich locken. Ich sagte nichts, machte nur irgendein Geräusch und hob das Glas um der schönen Frau zuzuprosten. Sie achtete gar nicht darauf und trank einfach in schnellen und kurzen Schlucken, während sie auf ihre Füße starrte, die wieder dieses Umklammerungsspiel spielten.&lt;br /&gt;
Dabei rutschte das Hosenbein ihrer Jogginghose ein bißchen nach oben und ich konnte ihre Fesseln betrachten. Nein, ich bin kein Fußfetischist, aber bei uns Männern ist das so, daß wenn eine schöne Frau ein bißchen von ihrem Körper zeigt, wir automatisch hinschauen müssen.&lt;br /&gt;
Das ist archetypisches Steinzeitverhalten, das einfach in uns drinsteckt, da können wir nichts dafür.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und da fiel mir etwas auf, was ich schon an einem ihrer Handgelenke gesehen hatte... ...die Frau hatte dunkle Stellen. Wie soll ich das beschreiben? Es sah so aus, als hätte sie ein Armband oder ein Fußkettchen aus Silber getragen und dieses Silber hätte schwarz abgefärbt.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/e15df6433f6242f9a5b2a1397f93ef42&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
Verstohlen betrachtete ich die Frau, die schweigend an ihrem Glas nippte und gedankenverloren auf einen Punkt neben mir starrte.&lt;br /&gt;
Sie war vielleicht Mitte Zwanzig und ungefähr Einsziebzig groß. Ihre blonden Haare waren gelockt und etwas mehr als schulterlang. Die kleine Nase war scharf geschnitten und setzte einen schönen Kontrast zu den etwas kräftigen roten Lippen, die immer wirkten, als ob sie gleich einen Schmollmund machen wollte. Wenn sie sprach, zeigten sich auf ihren Wangen kleine Grübchen und ihre Nasenspitze bewegte sich bei manchen Mundbewegungen ganz leicht mit.&lt;br /&gt;
Die Haut der jungen Frau war weiß wie Elfenbein und es war nicht der geringste Makel zu entdecken. Kein Fältchen, kein Muttermal, kein Äderchen. Ihre Augenbrauen waren vielleicht für eine Frau etwas kräftig, aber sie passten gut zu den fast grasgrünen Augen und ich hatte die ganze Zeit überlegt, ob ich jemals zuvor einen Menschen mit so grünen Augen gesehen hatte und ob das vielleicht nur gefärbte Kontaktlinsen waren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie bemerkte, daß ich sie beobachtete und wandte ihren Blick auf mich.&lt;br /&gt;
Noch einmal nippte sie an ihrem Glas, dann stellte sie es auf das Tischchen und sagte: &quot;Sie haben Recht. Ich habe Sie da unbedacht in was hineingezogen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aha, dachte ich, jetzt sieht sie es ein und jetzt kommt etwas Bedeutendes.&lt;br /&gt;
Doch ich hatte mich getäuscht. Sie stand urplötzlich auf.&lt;br /&gt;
&quot;Gut, es gibt ja nun nichts weiter zu besprechen. Sie sind wegen der Bestattung gekommen, da ist ja aber alles schon geklärt. Machen Sie alles so, wie es mit meinen Schwiegereltern abgesprochen ist.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, wie jetzt? Äh...&quot; sagte ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Haben Sie noch Fragen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, viele!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Es ist alles besprochen&quot;, sagte sie und das mit einer entschiedenen Bestimmtheit.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, nee, so geht das nicht&quot;, sagte ich. &quot;Ich war heute schon mal da und da hat mich Ihre Gouvernante nicht zu Ihnen gelassen; und dann rufen Sie mich am Abend an und bestellen mich hierher. Da können Sie mich doch jetzt nicht mit einem Glas hier abspeisen und einfach wegschicken.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie war neben mich getreten, so nah, daß ich ihre Wärme spüren konnte und das leicht fruchtige Parfüm noch intensiver riechen konnte. Ich war mittlerweile etwas ungeübt im Umgang mit jungen Frauen, mein Metier waren eher die ganz alten Damen und -man möge mir das verzeihen- die vor allem auch noch, wenn sie tot waren.&lt;br /&gt;
Aber die hier war alles anderes als alt und auch in keinster Weise tot, sondern sehr lebendig und ich wußte mir in meiner Hilfslosigkeit nur zu helfen, indem ich auch aufstand, was mich sie dann um Haupteslänge überragen ließ und verhinderte, daß ich weiter auf das Sweatshirt starrte, wo sich deutlich das abzeichnete, was in jüngeren Jahren den Pavian in mir geweckt hätte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Frau ergriff meine rechte Hand, die ich spontan wie zum Abschied hinhielt, mit beiden Händen und hielt sie beschirmend und behutsam: &quot;Sie haben das Gewehr doch gesehen, nicht wahr?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich blickte sekundenlang in diese unendlich grünen Augen, die immer von einem ganz dünnen Film Tränen bedeckt zu sein schienen, drehte meine Hand etwas und ergriff ihre Rechte, drückte sie und sagte: &quot;Es ist besser, wenn ich jetzt gehe, es ist spät geworden.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sagen Sie es mir! Sagen Sie mir, daß Sie das Gewehr auch gesehen haben!&quot; sagte sie und ihre Stimme klang kein bißchen flehend, sondern eher sanft fordernd.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich drückte ihre Hand nochmals und zog dann meine Hand zurück.&lt;br /&gt;
Natalie begleitete mich noch zur Tür, öffnete diese aber nur halb und schob sich mir in den Weg.&lt;br /&gt;
&quot;Bitte!&quot; sagte sie.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Seufzend sagte ich: &quot;Ich fahre jetzt. Vielleicht wollen Sie mir ja irgendwann erzählen, was wirklich passiert ist, dann kann ich ja nochmal über das Gewehr nachdenken.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Regen hatte zugenommen und ich bereute es, keinen Schirm mitgenommen zu haben, als ich den Weg vom Haus zu meinem Auto hinunter lief. Ich habe ein paar Regenschirme, so einen eleganten Herrenstockschirm und einige kleine Klappdinger. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, jemals einen davon benutzt zu haben. Ich knöpfe auch keine Jacken oder Mäntel zu und ich setze auch keine Kopfbedeckungen auf. Die Kopfbedeckungen, die mir gefallen, das sind Baseballkappen und Cowboyhüte, passen nicht zu meiner übrigen Erscheinung und meinem Beruf.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Regen kraulte sich unangenehm zwischen Hemdkragen und Hals, ein Gefühl das mich erschauen und mich meinen Schritt beschleunigen ließ. Noch zehn Meter vom Auto entfernt, zückte ich schon den Türknipser, wie ich immer zu sagen pflegte und mit einem leisen Piep und dem Blinken der Fahrzeuglampen signalisierte mein Wagen, daß die Türen geöffnet waren.&lt;br /&gt;
Als ich um den Wagen herumging um auf die Fahrerseite zu gelangen fiel mir zum ersten Mal der graue Audi auf, der etwa 50 Meter entfernt parkte. Ich sagte doch, in der Gegend parkten keine Autos am Straßenrand. Ich war mir nicht sicher, aber für den Bruchteil einer Sekunde meinte ich hinterm Steuer die Glut einer Zigarette aufleuchten zu sehen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dem maß ich aber keine weitere Bedeutung zu, es war mir aufgefallen, aber kaum war ich losgefahren und hatte das Autoradio eingeschaltet, hatte ich den Audi auch schon wieder vergessen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Zeit bei Natalie war mir unendlich lang vorgekommen, aber als ich auf das Display der Borduhr schaute, sah ich, daß ich insgesamt nur eine knappe Stunde bei ihr gewesen war.&lt;br /&gt;
Mir ging vieles durch den Kopf, ihr Duft, ihr Aussehen und ihre plötzliche Nähe.&lt;br /&gt;
Okay, ich war ja nicht innerlich tot oder vom Bauchnabel abwärts gelähmt, nein, so war das ja nicht.&lt;br /&gt;
Aber mit den Jahren wird man etwas gelassener und nicht jede 17- oder 20-jährige weckt in einem den unbändigen Drang zur Paarungsbereitschaft. Mit den bei Männern immer vorhandenen Triebwünschen vermischen sich, so ist das zumindest bei mir, auch so Gedanken wie: Ob die Kleene mir meine Socken waschen würde?&lt;br /&gt;
Nein, zu Hause wartete meine Frau auf mich, eine Frau, die seit so vielen Jahren mit mir durch dick und dünn gegangen war, mit der ich unsere Kinder großgezogen und meine Existenz aufgebaut hatte, die mir -bei allen Ecken und Kanten, die sie hat und die ich habe- immer als verlässliche Partnerin zur Seite gestanden hat; das wiegt mehr als die Lust auf irgendetwas Neues, Anderes oder Spannendes.&lt;br /&gt;
So ganz ungeübt im Umgang mit flirtenden jungen Frauen war ich ja nun auch wieder nicht. Sandy war ja sozusagen dauergeil und konnte sich überhaupt nichts Besseres vorstellen, als mich eines Tages zu heiraten und später dann meinen Betrieb zu übernehmen, den sie als den idealen Betrieb überhaupt empfand.&lt;br /&gt;
Das hatte sie mir so gesagt, deutlich gesagt und auch immer wieder gesagt, aber ich hatte immer allen Versuchungen widerstanden und es genossen, so eine junge und hübsche Frau an meiner Seite zu wissen, wenn wir mal geschäftlich gemeinsam wohin mußten.&lt;br /&gt;
Mir schmeichelte ihr Interesse, das sich erklärtermaßen, nicht nur und auch nicht in erster Linie auf meine Firma bezog, auch wenn das für einen Außenstehenden vielleicht so klingen und wirken mußte.&lt;br /&gt;
Aber mal ehrlich, sollte ich mir den Streß mit einer Mittzwanzigerin nochmals antun? Um Himmels Willen!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Straßen waren menschenleer, die Lichter spiegelten sich in den Pfützen und an einer verlassenen Kreuzung mußte ich bei Rot halten. Fast schon war ich versucht, einfach weiter zu fahren, da sah ich hinter mir die Scheinwerfer eines anderen Autos auftauchen und ließ von meinem verboteten Tun ab. &lt;br /&gt;
Der andere Wagen hielt Abstand und kam nur sehr langsam näher.&lt;br /&gt;
Aha, dachte ich, wieder so ein Rentner, der nicht im ersten Gang anfahren will und deshalb im zweiten Gang auf die Ampel zuschleicht...&lt;br /&gt;
Doch dann sah ich, daß es wieder dieser graue Audi war.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Wed, 16 May 2012 08:22:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -6-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Sagte ich schon, daß mir durchgemachte Nächte tagelang in den Knochen hängen?&lt;br /&gt;
Ich trank zu Hause noch einen Espresso, steckte mir knurrig eine Zigarette zwischen die Zähne und setzte mich ans Steuer meines Wagens. Die Straßen spiegelten, es hatte kurz zuvor geregnet, ach, was sage ich, es hatte geschüttet.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Um diese Zeit war in unserer Stadt kein Verkehr mehr. Die Leute saßen zu Hause und schauten fern und ich fuhr zum wiederholten Mal durch die Nacht zur Villa der Brockhagens. Es war nicht die Lust auf das Geschäft, die mich antieb, es war die Neugierde, vielleicht endlich zu erfahren, was da eigentlich gespielt wird.&lt;br /&gt;
Ich war eigentlich gar nicht als Bestatter unterwegs, sondern wünschte mir, ich hätte mehr etwas von einem Detektiv. Das läge mir auch, das könnte ich bestimmt auch gut, aber jedem ist irgendwie seine Rolle im Leben zugewiesen und bisher war meine Rolle eben nicht die des Detektivs.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/8ea108128f414487aac5dbae1b52ecb2&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
Aber jucken würde es mich schon... Ich meine, da ist ein Mann ums Leben gekommen und zwar auf eine sehr grausame Art und Weise. Es gab eine wunderschöne Frau, die Witwe und Verdächtige zugleich war und ein Rudel von Behörden, die offensichtlich nichts anderes taten, als wegzuschauen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Pitschernd rollten die Reifen meines Wagens durch die vielen kleinen Pfützen vor dem Anwesen der Brockhagens und nach dem Klingeln schnarrte das Tor elektrisch auf. Dieses Mal brannten keine Lampen entlang des Weges und ich versuchte mich zu erinnern, wie der etwas gewundene Weg verlief.&lt;br /&gt;
Oben am Haus fand ich die Eingangstür angelehnt und als ich sie aufmachte, rief Natalie Brockhagen aus dem Inneren des Hauses: &quot;Kommen Sie herein. Entschuldigung, daß ich Sie noch her bitte, aber vorher ging es nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie stand auf der Treppe, hatte eine schlabberige schwarze Jogginghose und ein graues Sweatshirt an und, was soll ich sagen, sie sah einfach hinreißend aus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kommen Sie! Wir gehen nach hinten in den Wintergarten, das Wohnzimmer ist im Moment nicht so mein Ding&quot;, sagte sie, kam die paar Stufen herunter und ging mit einer einladenden Handbewegung voraus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Wintergarten war im Stil eines japanischen Teehauses gehalten, aber glücklicherweise mit westlichen Sitzmöbeln ausgestattet. So im Schneidersitz auf Bastmatten zu sitzen, ist nämlich nicht mein Ding.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie bot mir einen Platz an, indem sie in Richtung eines der Stühle nickte, blieb selbst aber stehen und begann langsam vor den hohen Glasscheiben, hinter denen dunkle Nacht herrschte, auf und ab zu gehen.&lt;br /&gt;
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch kein einziges Wort gesprochen und jetzt fiel mir nichts Passendes ein.&lt;br /&gt;
Am liebsten hätte ich sie direkt nach den Vorgängen in jener Nacht befragt, hätte ihr meine Einschätzung wiedergegeben und versucht, Klarheit in die Sache zu bringen. Doch das wäre die Aufgabe eines Detektivs gewesen, ich war aber als Bestatter da.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt wegen der Beisetzung anzufangen, das erschien mir aber auch wieder fast als zu banal.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie sind wegen der Bestattung hier?&quot; begann Natalie das Gespräch und ich war ganz froh darüber.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hm, ja&quot;, sagte ich und wartete einfach.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Meine Schwiegereltern haben schon alles herausgesucht?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich nickte und als ich sah, daß sie gar nicht in meine Richtung sondern weiterhin durch die Scheiben ins Dunkel sah, sagte ich: &quot;Ja, die haben alles ausgesucht, meinten aber, ich solle auch mit Ihnen sprechen, damit Ihre Wünsche auch Berücksichtigung finden.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was soll ich da noch entscheiden?&quot; fragte sie und macht eine hilflose Handbewegung.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich hielt es nicht mehr aus. Dieses belanglose Geplänkel um die Bestattung, die doch eigentlich längst bestellt war... Es platzte förmlich aus mir heraus, als ich Natalie einfach fragte:&lt;br /&gt;
&quot;Was ist in der Nacht neulich eigentlich passiert?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie fuhr herum und ich sah in ihren Augen, daß sie dieses Mal kein bißchen weggetreten oder weggespritzt war. &quot;Geht Sie das etwas an?&quot; fragte sie spitz.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na ja, immerhin waren wir die Ersten die hier waren und immerhin mußten wir zur Polizei und zählen irgendwie ja auch zum Kreis der Verdächtigen. Da wird es ja wohl erlaubt sein, mal nachzufragen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Fragen, Fragen, Fragen, alle haben nur Fragen. Ich will Ihnen mal eins sagen: Ich habe auf alle diese Fragen keine Antworten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja aber Sie waren doch dabei!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wo dabei?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na, als Ihr Mann ums Leben kam.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich? Wer sagt das denn?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na, immerhin standen Sie neben der blutenden Leiche als wir hier eintrafen. Und überhaupt: Warum haben Sie uns angerufen und nicht die Polizei?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich war durcheinander.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie waren durcheinander? Na schön, jetzt bin ich durcheinander und ich finde, ich habe das Recht, daß Sie ein wenig Licht in das Dunkel bringen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Roland hat sich erschossen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, das erzählt mir jeder.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dann wissen Sie es ja.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich weiß gar nichts. Ich weiß nur, daß Sie den Bestatter angerufen haben und nicht die Polizei oder einen Rettungswagen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, das hat doch nicht zu sagen&quot;, sagte sie und setzte sich mir gegenüber auf einen der nicht gerade bequemen Stühle und legte ihre Beine übereinander, ließ den hinten herunter getretenen Sportschuh vom Fuß gleiten und spielte mit den Zehen an der Kante des Glastisches.&lt;br /&gt;
&quot;Ich habe Sie angerufen, weil Ihre Nummer vorne auf dem Telefonbuch steht. Ich war vielleicht etwas kopflos in dieser Nacht. Eine Leiche, jemand ist tot, Bestatter... Ist das so ungewöhnlich?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Okay, okay, okay... Mag ja sein, daß man in der ersten Aufregung auf so eine Idee kommt; aber dann sind wir gekommen und was hätten wir jetzt tun sollen? Die Leiche mitnehmen, rasch beerdigen und es wird kein Wort mehr drüber verloren, oder was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Keine Ahnung. Es ist für mich das erste Mal, daß sich mein Mann erschossen hat.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da sind wir schon bei einem Punkt, der mich besonders interessiert! Ihr Mann hat sich also erschossen, angeblich mit einer Schrotflinte...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was ja? Ich meine, ich frage mich die ganze Zeit, wo diese Flinte eigentlich war! Da lag ihr Mann in einem Arbeiteroverall im Wohnzimmer, überall war Blut und eindeutig ist er dort ums Leben gekommen, aber ich habe nirgendwo ein Gewehr gesehen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das lag aber da!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, da war kein Gewehr!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, hören Sie doch auf! Da war eins!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Na, ich bin doch weder blöd noch blind und Sie mögen Recht haben, daß alles das einen Bestatter an und für sich nichts angeht, aber ich bin hier eben nicht nur der Bestatter, ich stecke mit drin in der Sache, weil ich vor der Polizei bei der Leiche war. Und deshalb ist es auch gar nichts Besonderes, daß ich mich nun für die Umstände interessiere, ich will das alles doch nur begreifen können.&lt;br /&gt;
Da war kein Gewehr!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die Polizei hat es mitgenommen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie? Die Polizei hat es mitgenommen? Wo kam das denn her?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Keine Ahnung, es muß ja da gewesen sein, sonst hätten die es nicht mitnehmen können.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und wo soll das gewesen sein?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Neben der Tür im Wohnzimmer!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, Ihr Mann hat sich den Kopf weggeschossen und dann ist er noch eben zur Tür gegangen und hat das Gewehr da an die Wand gelehnt und ist dann wieder zum Kamin zurückgegangen, um dort dann zu sterben?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie verdrehte die Augen, so als ob sie einem störrischen, widerwilligen Kind zum hundertsten Mal erklären muß, wie das kleine Einmaleins geht: &quot;Nein, das lag neben ihm und ich habe es aufgehoben und da hin gestellt. Dann habe ich Sie angerufen und gedacht, Sie als Bestatter wüßten schon, wen man dann alles verständigt und so.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;In diesem Moment wurde mir klar..., nein, das ist nicht wahr... schon viel früher war das so, aber in diesem Moment hatte ich die hundertprozentige Bestätigung, daß Natalie log. Wenn die Polizei ein Gewehr gefunden und mitgenommen hatte, dann mußte Natalie das Gewehr neben die Tür gestellt haben und zwar in einem Moment als wir es nicht mitbekommen haben.&lt;br /&gt;
Jedenfalls hatte dort kein Gewehr gestanden, als wir das Zimmer betreten hatten. Ich sagte doch bereits, das Zimmer war weiß und vornehmlich leer. Ein Gewehr wäre mir da sofort ins Auge gestochen wie ein Fremdkörper.&lt;br /&gt;
Es hatte in jener Nacht nur einen ganz kurzen Moment von vielleicht 20 oder 30 Sekunden gegeben, in dem wir Natalie aus den Augen gelassen hatten. Als sie angeblich ohnmächtig geworden war und am Türrahmen heruntergerutscht war. Manni hatte sie auf die Seite gelegt, ich war zur Leiche gegangen und Manni war mir mit dem Handy in der Hand gefolgt. &lt;br /&gt;
Wie gesagt, da haben wir vielleicht eine halbe Minute Natalie aus den Augen gelassen.&lt;br /&gt;
Ob danach ein Gewehr neben der Tür gestanden hat? Ich kann es nicht sagen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Warum unterhalte ich mich überhaupt mit Ihnen&quot; fragte Natalie auf einmal und riß mich aus meinen Gedanken. Sie hatte auch den anderen Schuh abgestreift und ihre Zehen ineinander verschränkt.&lt;br /&gt;
Ich konnte gar nicht wegsehen und war unwillkürlich fasziniert von so viel Gelenkigkeit in den Zehen.&lt;br /&gt;
Ich kann mit meinen Zehen nur laufen...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Weil Sie mich in diese komische Geschichte mit reingezogen haben und weil ich und mein Mitarbeiter wissen, daß da kein Gewehr war.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie stand auf und ging zu einer hochglänzend lackierten Kirschbaumsäule, auf der ein Buddha im Lotussitz saß und mich angrinste. Sie drehte den Buddha etwas und die Vorderseite der Säule sprang auf. Hinter der Verblendung befand sich eine Bar, der sie zwei Gläser und eine Flasche Martini bianco entnahm. Mit ihrem Fuß drückte sie die Verblendung wieder zu und ohne mich zu fragen, schenkte sie auch mir ein Glas ein.&lt;br /&gt;
Ich trinke ja nix. Ich trinke nie was.&lt;br /&gt;
Außer wenn ich mit einer der schönsten Frauen der Welt spätabends in einem japanischen Wintergarten sitze und diese Frau für eine Mörderin halte.&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 15 May 2012 14:19:21 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -5-</title>
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Mimi Brockhagen, die Mutter des Getöteten, war eine optische Täuschung.&lt;br /&gt;
Eine kleine, zierliche Frau mit einem mütterlichen Gesicht und Hängebäckchen. Ihre leise, sanfte Stimme stand in krassem Widerspruch zu dem etwas jovial, lauten Tonfall ihres Gatten.&lt;br /&gt;
Aber das täuschte. Sehr schnell merkte ich, wer da die Hosen anhatte und Mimi Brockhagen hatte so eine Art, einen Satz nur halb zu beenden, dann eine Pause zu machen, die Lippen zu einem spitzen Mund zu formen und dann: &quot;Nicht wahr, Dieter?&quot; zu sagen, woraufhin der eben noch bestimmende und fordernde Herr Minister a.D. sofort drei Gänge zurückschaltete, jedes Mal seine Hand auf ihre legte und wie ein folgsamer Schüler: &quot;Aber sicher doch, Mimi, Du hast Recht&quot; sagte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich habe da ein sehr gutes Gespür für solche Situationen und kenne das recht gut. Da hat er zwar eigentlich das Sagen, aber es ist mal etwas vorgefallen und sie hat ihm die Pistole auf die Brust gesetzt und klar gestellt, daß er es künftig entweder so macht, wie sie es will, oder es passiert...&lt;br /&gt;
Tja, was dann passiert und womit Frauen manchmal ihre Männer so im Griff haben, das kann höchst unterschiedlich sein. Aber bei den Brockhagens war das eindeutig so. Vielleicht war sie ja diejenige, die das Geld hatte?&lt;br /&gt;
Ich weiß es bis heute nicht, wichtig für den Fortgang der Geschichte ist es aber auch nur, zu wissen, daß sie eben der Ansager und Bestimmer war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ganz kleine Beerdigung, schlichter aber sehr hochwertiger Sarg, oben drauf üppig Blumen, sonst keine Kränze oder Gestecke. Es kämen wirklich nur die allerengsten Verwandten und die wichtigsten Freunde, so mit etwa hundert Leuten müsse man rechnen.&lt;br /&gt;
Nun ja, das ist dann doch keine wirklich kleine Beerdigung.&lt;br /&gt;
Der Pastor solle nur den zeremoniellen Teil übernehmen, die Traueransprache halte ein Onkel, der so etwas besonders gut könne.&lt;br /&gt;
Am Ende standen wenig Artikel auf meinem Bestellzettel, aber die Summe war erstaunlich hoch, fast 10.000 Euro. Das kam daher, weil das Ehepaar Brockhagen gleich auch das Grab und einen einfachen Stein mit ausgesucht hatte, sie wollen erklärtermaßen nicht zig Mal losgehen, sondern alles in einem abwickeln.&lt;br /&gt;
Kann ich auch verstehen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja&quot;, wandte ich ein: &quot;was ist denn mit der Witwe? Will die nicht auch noch ein paar Wünsche äußern?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach Gott, Natalie!&quot; rief Frau Brockhagen und sah ihren Mann entsetzt an: &quot;Die haben wir ja ganz vergessen!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/ffefc5f534da4c16a25d177fa1771139&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
Herr Brockhagen holte ein Lederetui aus der Tuchtasche seines Anzugs, klappte es auf und bot mir eine Zigarre an, die ich aber ablehnte. Aus der Schublade holte ich einen Aschenbecher und stellte ihm den hin, was er mit einem dankbaren kurzen Heben der Augenbrauen quittierte, während er die Zigarre schon anpaffte.&lt;br /&gt;
&quot;&quot;Mann, Mann&quot;, sagte er dann: &quot;Mit Natalie, das ist so eine Sache, wie soll ich Ihnen das sagen, die ist da oben...&quot; Er machte gerade mit dem Zeigefinger der rechten Hand eine kreisende Bewegung an seiner Schläfe, als Frau Brockhagen ihn unterbrach: &quot;Was mein Mann sagen will, das ist Folgendes: Meine Schwiegertochter hat da so ein mentales Problem. Sie verstehen? Die ist in Behandlung.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber selbstverständlich&quot;, mischte er sich nun wieder ein: &quot;kann meine Schwiegertochter auch ihre Wünsche äußern. Wir können sie ja nicht einfach übergehen, nein, nein, das geht auch nicht. Das Beste wird es sein, Sie fahren mal zu ihr hin, die ist jetzt wieder zu Hause. Also, wenn sie nicht vom Großen und Ganzen abweicht, kann sie meinetwegen alles auch noch umbestellen, die Rechnung schicken Sie aber mir.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Man müsse jetzt auch dann gleich zum Pastor fahren, so ein Suizid bedürfe ja ausführlicher Gespräche mit dem Geistlichen, das sei ja etwas ganz Schreckliches.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich bin ja nicht neugierig, ich will bloß immer alles wissen, und deshalb konnte ich nicht umhin und stellte einfach die Frage aller Fragen: &quot;Warum hat sich denn Ihr Sohn, Ihrer Meinung nach, das Leben genommen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau Brockhagen weinte in ein kleines Spitzentaschentuch und er paffte nervös die Zigarre heiß.&lt;br /&gt;
Nach unendlich scheinenden Sekunden begann er dann: &quot;Ja, das ist auch so eine Geschichte... &quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dieter!&quot; unterbrach ihn seine Frau und sofort verstummte er und paffte nur noch stumme, Rauchwolken in die Luft.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ist sehr privat, müssen Sie wissen&quot;, sagte Frau Brockhagen und auf einmal hatte sie es sehr eilig.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine komische Sache, das alles.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich hatte mir eingebildet, ich könne jetzt einfach zu der Villa fahren und träfe dort auf Natalie, die dann auch mal einen Blick in unseren Katalog wirft und als trauernde Witwe die eine oder andere persönliche Entscheidung bezüglich der Trauerfeierlichkeiten treffen würde.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sandy wollte mich unbedingt zu Natalie begleiten und ich hatte nichts dagegen.&lt;br /&gt;
Die Amerikanerin plapperte die ganze Zeit ganz aufgeregt und erörterte alle Aspekte des für sie sehr aufregenden Kriminalfalls. Man kann sich ja vorstellen, daß jedes auch noch so kleine Detail inzwischen hundertfach von meinen Mitarbeitern durchgesprochen worden war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich unterbrach den Redefluss der Langbeinigen und stellte klar, daß es das Beste sei, Sandy würde ausnahmsweise mal weitestgehend die Klappe halten, wenn wir bei Natalie einträfen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch es kam anders.&lt;br /&gt;
Als wir geklingelt und das Tor passiert hatten, kam uns oben auf der Treppe eine in Schwarz gekleidete ältere Frau entgegen, die den Charme einer Knastaufseherin verbreitete und uns mit versteinertem Gesicht auf der Treppe abfertigen wollte.&lt;br /&gt;
Sie sei Frau von der Tratow und seit Jahren in Diensten der Familie Brockhagen und ihr obliege es nun, sich um die junge Witwe zu kümmern.&lt;br /&gt;
Alles was zu besprechen sei, solle man doch bitte mit dem alten Brockhagen besprechen oder notfalls auch mit ihr. Zu Natalie, das sagte sie mit absoluter Entschiedenheit, würde man uns keineswegs vorlassen, die arme Frau sei ja so von allem mitgenommen, daß unser Ansinnen, jetzt merkantilen Handel mit ihr zu treiben, eine Zumutung sei.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Moment mal! Wir sind doch kleine fliegenden Händler, die jetzt in dieser sicher für die Witwe schwierigen Situation Teppiche oder Plastikdosen verkaufen wollen, sondern wir sind gekommen, um mit ihr über die ganz persönlichen Wünsche bezüglich der Trauerfeierlichkeiten zu sprechen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das können Sie nennen, wie Sie wollen, hier kommen Sie auf jeden Fall nicht rein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich würde es aber bevorzugen, wenn die junge Frau Brockhagen wenigstens eine kurze Minute Zeit hätte, um mich anzuhören. Dann kann sie selbst entscheiden, ob sie mit uns sprechen mag oder nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie mag nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach? Und das kann sie mir nicht selbst sagen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich möchte es aber von ihr selbst hören.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sagen Sie mal, wollen Sie renitent sein?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich bin renitent!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So was Unverschämtes ist mir ja noch nie untergekommen&quot;, protestierte die Knöchrige und wollte sich abwenden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie können da jetzt reingehen und meinetwegen auch die Tür zu machen. Ich bleibe einfach hier stehen. Ich geh auch nicht weg. Nicht bevor ich nicht wenigstens eine Minute mit Frau Brockhagen gesprochen habe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie können hier stehen bleiben, so lange Sie wolle, ist mir doch egal.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wenn Sie darauf spekulieren, daß ich hier verhungere oder so, dann täuschen Sie sich. Schauen Sie mich an, bis ich verhungert bin, das dauert Monate!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Also, so was Freches!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sandy hatte Schwierigkeiten, ein Lachen zu unterdrücken und das brachte die Alte völlig aus dem Konzept: &quot;Jetzt lacht mich das junge Ding da auch noch aus, eine Frechheit, eine Unverschämtheit. Ich rufe jetzt die Polizei!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Päng, die Tür war zu.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sandy und ich schauten uns an, ich hob ratlos die Schultern und ließ sie langsam wieder sinken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und nu&#039;, Chef?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nun? Jetzt bleib&#039; ich hier stehen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, jetzt, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch. Die hat nämlich nur &#039;ne große Klappe. Ich wette, daß Natalie weder weiß, daß wir da sind, noch daß die Frau ihr das sagen wird. Ich bezweife auch, daß sie die Polizei rufen wird. Die ganze Sache ist doch so krumm und schief, da stimmt&#039;s doch hinten und vorne nicht. DIE rufen nicht die Polizei, da bin ich mir ganz sicher.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich sollte Recht behalten, es dauerte keine zehn Minuten, da öffnete Frau von der Tratow wieder die Tür, blieb neben der geöffneten Tür stehen und sagte mit einem Gesicht, das Blitze vom Himmel anziehen konnte: &quot;Bitte sehr!&quot; Dabei trat sie einen Schitt zurück, was eindeutig eine Aufforderung zum Betreten des Hauses war.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wir warteten im Wohnzimmer und nicht, aber auch gar nichts deutete darauf hin, daß dort vor gar nicht vielen Stunden noch Blut oder gar eine Leiche gewesen ist.&lt;br /&gt;
Es roch nach frischer Farbe und sogar der helle Teppichboden schien mir neu verlegt zu sein.&lt;br /&gt;
Da war aber jemand sehr schnell und sehr gründlich gewesen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein paar Minuten später sah ich Natalie die Treppe herunter kommen, sie ging langsam und vorsichtig und schon von weitem sah ich, daß sie wie in Trance war. Sie trug ein knielanges schwarzes Kleid und dunkle Strümpfe, sowie schwarze Pumps.&lt;br /&gt;
&quot;Ja, bitte?&quot; sprach sie mich an und nichts in ihrem Gesicht deutete darauf hin, daß sie mich wieder erkannte.&lt;br /&gt;
&quot;Ja, äh, ich bin&#039;s&quot;, stammelte ich unbeholfen und wieder einmal merkte ich, daß die Nähe dieser außergewöhnlich schönen Frau mich schüchtern und verlegen machte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Bitte kommen Sie zur Sache!&quot; forderte Frau von der Tratow, die hinter Natalie stand und mit zusammengekniffenen Augen aufpasste.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, ich bin der Bestatter, der neulich nachts hier gewesen ist. Erinnern Sie sich nicht? Sie hatten uns angerufen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Angerufen? Ja, ich habe angerufen? Ein Bestatter?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, wegen Ihres Mannes, wegen Roland.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Roland? Der ist weg.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, ich weiß. Wir sind hier, um mit Ihnen über die Beerdigung zu sprechen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich will in mein Zimmer.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau von der Tratow schob Natalie beiseite und drückte sie in Richtung Treppe. &quot;Sie sehen doch, Frau Brockhagen kann jetzt nicht. Gehen Sie!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sandy und ich schauten uns an und wir waren ziemlich ratlos. Ich hatte mir das anders vorgestellt. Ich hatte erwartet, daß Natalie mich wieder erkannte und dann Frau von der Tratow einen strengen Blick zugeworfen hätte und wir dann wenigstens kurz einmal alles durchgesprochen hätten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber die junge Frau war ja vollkommen verblitzt, der hatte man was gespritzt oder eingeflösst, was sie wie eine Marionette wirken ließ.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich nickte Sandy zu und wir gingen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Chef&quot;, sagte Sandy im Auto zu mir: &quot;Das ist ja &#039;ne ganz komische Kiste, oder? Sie haben doch gesagt, der habe erschossen im Wohnzimmer gelegen und die Frau hat dann bei uns angerufen. Dann kommt die Polizei und es heißt auf einmal der habe sich selbst erschossen und Sie sagen, da sei aber gar kein Gewehr gewesen. &lt;br /&gt;
Hat die dann ihren Mann erschossen? Was soll das alles?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sandy, wenn ich das wüßte... wenn ich das wüßte...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am selben Abend sollte ich es aber noch erfahren.&lt;br /&gt;
Es war schon 21 Uhr als das Telefon klingelte: &quot;Hier ist Natalie Brockhagen, mir geht es jetzt besser. Wollen Sie noch vorbei kommen?&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Tue, 15 May 2012 08:42:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -4-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Die Leiche des Verstorbenen, oder sollte ich besser sagen des Ermordeten, lag einen halben Tag bei uns in der Kühlung, unverplombt, ein ganz normaler Polizeifall. Wir haben dafür extra eine Abteilung in der Kühlkammer und ganz genau genommen müßte der Staatsanwalt diese Kammer verplomben, damit auch ja keine Manipulationen an der Leiche vorgenommen werden können, bis wir sie dann ins rechtsmedizinische Institut fahren können.&lt;br /&gt;
Aber jetzt haben wir schon so viele Leichen im Auftrag der Polizei abgeholt und sind auch nur ein Glied in der Kette der Polizeiarbeit, da schert man sich nicht so um die Vorschriften, was sollten wir auch an den Leichen machen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Irgendwann am nächsten Morgen kommt dann immer der Anruf, in dem uns mitgeteilt wird, in welches Institut der Verstorbene gebracht werden soll, wir erledigen das dann und der offizielle, staatlich bezahlte Teil ist damit für uns erledigt. Wir hoffen als Bestatter natürlich, daß die betroffenen Familien uns auch später den Auftrag zur Bestattung erteilen, aber da sitzt seit einiger Zeit die Pietät Eichenlaub dazwischen.&lt;br /&gt;
Die haben sich nämlich bei der letzten Ausschreibung dazwischen gedrängt und sind jetzt für die nächsten drei Jahre exklusiv für die Abholung und den Transport der Leichen von den Rechtsmedizinischen Insituten zuständig. Ja und dann? Dann &quot;sitzen die auf der Leiche&quot;, können bei den Angehörigen anrufen und mitteilen, daß der Verstorbene zur Bestattung freigegeben ist und dann darf man zweimal raten, wer meistens den Auftrag bekommt.&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/133d280c322a49498fd08c55f8d11a91&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das hat mich schon gewurmt, als ich gehört habe, daß die das jetzt machen. Ich war mir eigentlich sicher, das beste und günstigste Angebot abgegeben zu haben, ein Angebot, bei dem wir, wenn man es isoliert kaufmännisch betrachtet nichts verdient, ja eher sogar noch etwas drauflegt.&lt;br /&gt;
Aber immerhin garantieren die Polizeieinsätze bei Fundleichen, ungeklärten Todesursachen, Unfällen und Straftaten ein gewisses Grundrauschen bei der Beschäftigung meiner Leute, man ist im Gespräch und immer dabei und wenn man das Komplettpaket erledigt, also auch die Abholung VON der Rechtsmedizin, dann hat man die Aufträge so gut wie sicher.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Tja, warum dieses Mal die Eichenlaubs da zum Zug gekommen sind... Ich kann es mir denken, habe da so meine Vermutung, aber wie das eben immer so ist mit solchen Vermutungen, man kann sie nicht so ohne weiteres belegen.&lt;br /&gt;
Die Pietät Eichenlaub hat sich irgendwie ganz komisch hier vom Markt zurückgezogen. Das Eichenlaub-Logo ist von den Schildern verschwunden, jedoch die für die Marke typische Farbe ist geblieben und auf einmal werden die Niederlassungen dieser bundesweit agierenden Kette wieder so geführt als seien es kleine Familienbetriebe.&lt;br /&gt;
Trotzdem: Unter der Haube werkelt da die große Kette und Sterbefälle werden da eben nicht von Mensch zu Mensch abgewickelt, sondern als Nummer und Zähler in der Konzernbilanz.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Von dem &quot;Inhaber&quot; der hiesigen Filiale wissen wir, daß er einen Bruder hat, der im Stadtrat sitzt und seit einiger Zeit seine Fühler in Richtung Landtag ausgestreckt hat. Da Polizei Landessache ist, hege ich den Verdacht, daß da irgendwie Einfluß genommen worden, wenn nicht sogar gemauschelt worden ist. Man weiß es nicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dieses Mal ist es also anders, der Verstorbene kann nicht länger bei uns bleiben, weil wir als Zeugen in den Fall verwickelt sind. Theoretisch hätten wir ja auch die Mörder sein können, immerhin sind wir von der Polizei direkt neben der beinahe noch warmen Leiche angetroffen worden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es hat mich nicht gerade mit Freude erfüllt, als der schmucklose graue Lieferwagen der Pietät Eichenlaub auf unseren Hof fuhr und die Leiche des Ermordeten bei uns abholte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manni zuckte nur mit den Achseln: &quot;Kann man nix machen, war ja zu erwarten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich nickte und winkte ab: &quot;Der nächste Sterbefall ist schon gemeldet, es geht immer weiter.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während die Eichenlaubs den Verstorbenen einluden, standen Manni und ich beisammen und sprachen noch einmal über die Fee der Nacht, wie wir Natalie insgeheim nannten.&lt;br /&gt;
In der Zeitung war weiter nichts zu lesen gewesen, in Radio und Fernsehen wurde gar nichts berichtet und selbst die Gemüsefrau, die sonst immer alles weiß, hatte keine Ahnung von der Geschichte.&lt;br /&gt;
Da bemühte sich also ganz offensichtlich jemand sehr erfolgreich darum, daß die Sache ganz klein gehalten wurde.&lt;br /&gt;
Ja, wir wußten ja nun, daß Natalie die Tochter eines Ministers war und vermuteten, daß das damit zusammen hängen könne. Doch damit lagen nur halb richtig. Aber das würden wir erst später merken.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bei der Polizei hatten wir übrigens noch unsere Fingerabdrücke abgeben müssen, damit die Spurensicherung eventuell am Tatort vorhandene Spuren mit unseren abgleichen kann.&lt;br /&gt;
Ich hatte mir immer vorgestellt, man bekäme da schwarze Farbe auf die Finger und Handfläche und müsse dann die Finger auf einem Blatt Papier abrollen.&lt;br /&gt;
Aber nein, auch das ging viel moderner, man legt seine Hand heutzutage nur noch auf eine Art Scanner und dann macht es Bssst und alles ist erledigt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber ernsthaft in Verdacht habe man uns nicht, winkte der Kripobeamte ab, ließ sich aber nun auch wirklich nicht die kleinste Kleinigkeit an Informationen aus der Nase ziehen.&lt;br /&gt;
Der war trocken wie ein altbackenes Brötchen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Da erlebst du also was, was sonst kaum einer erlebt, wirst in der Nacht also sozusagen beinahe Augenzeuge eines Mordes und dann stehst Du da und weißt nichts.&lt;br /&gt;
Merkwürdiges Gefühl.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das änderte sich schlagartig am späten Nachmittag dieses Tages, als Minister Brockhagen höchstpersönlich gemeinsam mit seiner Frau Mimi bei uns erschien.&lt;br /&gt;
Als ich sein Gesicht sah, wußte ich auch wieder, wer Minister Brockhagen war und konnte das alles wieder einordnen. Das war doch der, der vor Jahren mal alkoholisiert einen Unfall gebaut hatte und dann kurz darauf von allen Ämtern &quot;aus Altersgründen&quot; zurückgetreten war. &lt;br /&gt;
Die ganze Sache war damals dann im Sande verlaufen und nur einer Randnotiz in der Zeitung hatte man zwei Jahre später entnehmen können, daß der geschädigte andere Autofahrer 2.000 Euro Schmerzensgeld erhalten hatte.&lt;br /&gt;
Und so sortierte sich dann so einiges an diesem Nachmittag richtig ein.&lt;br /&gt;
Brockhagen war gekommen, weil Natalie ihm unsere Visitenkarte gegeben hatte, die ich in solchen Fällen immer übergebe. Natürlich tue ich das, in der Hoffnung auf einen Auftrag, aber selbstverständlich auch, damit die Leute wissen, wer da ihren Angehörigen jetzt abgeholt hat und wo er hin gebracht wird.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie sollen die Beerdigung von meinem Sohn machen&quot;, sagte er und damit klärte sich Irrtum Nummer eins. Natalie war nicht die Tochter des Ministers, sondern seine Schwiegertochter. Der Getötete war sein Sohn. Aha.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Irrtum Nummer zwei war, daß Brockhagen natürlich nicht mehr Minister war, sondern Präsident einer der Partei nahestehenden Gesellschaft, die nach einem berühmten Nachkriegspolitiker benannt war. Solche Organisationen, wo man verdiente aber unliebsam gewordene Politiker gut versorgt wegparken kann, gibt es ja bei jeder Partei. Nicht jeden Unbequemen kann man nach Brüssel schicken, am Ende stellen die da noch was an und kommen auf die noch viel unbequemere Idee und wollen da auch noch Politik machen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und Irrtum Nummer drei ließ Manni und mich aufhorchen.&lt;br /&gt;
Brockhagen erzählte uns im Brustton der Überzeugung und ohne einen Zweifel oder Widerspruch zuzulassen, sein Sohn habe sich ja mit einem Flintenlaufgeschoss selbst getötet und das sei sehr bitter.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nun haben wir es ja bei Gewehren grob gesagt, mit zwei Sorten zu tun. Einmal die Büchsen und einmal die Flinten. Es gibt da noch Zwischendinger und Sonderformen, aber für das Folgende sind diese beiden Typen von Bedeutung.&lt;br /&gt;
Aus einer Büchse verschießt man in der Regel Metallmunition. Das Projektil, also das, was man als Kugel bezeichnet, sitzt auf einer Hülse aus Messing oder so, die mit dem Treibsprengstoff, dem Schießpulver, gefüllt ist. Schlägt der Hahn hinten auf den Hülsenboden, wird dort eine kleine Zündladung gezündet, die das Schießpulver zur Explosion bringt, wodurch das Projektil durch den Lauf nach vorne herausgeschossen wird. Langezogene, gedrehte Rillen im Lauf, die so genannten Züge, versetzen dabei das Projektil in Rotation um die Längsachse, was die Flugbahn stabilisiert und ein zielgenaueres Treffen ermöglicht.&lt;br /&gt;
So ähnlich funktionieren auch alle Pistolen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bei der Flinte ist das anders. Die wird normalerweise mit wesentlich dickeren Schrotpatronen beladen. Nur der Bodenteil der Patrone mit der Zündladung ist aus Messing und der obere Teil ist eine Hülse aus Pappe oder Kunststoff und enthält die Schrotladung, meist Kügelchen aus Blei.&lt;br /&gt;
Je nach Sorte des Viechs, das man damit jagen will, nimmt man ganz feinen Hasenschrot oder Patronen mit ganz wenigen aber dicken &quot;Sauposten&quot;.&lt;br /&gt;
Will man aber nun mit der Schrotflinte auch mal einen Schuß, ähnlich wie mit der Büchse abgeben, kann man ein so genanntes Flintenlaufgeschoss nehmen. Da befindet sich dann in der Papphülse kein Schrot sondern ein einzelnes Projektil.&lt;br /&gt;
So supergenau kann man damit nicht zielen und die Reichweite der Flinte liegt dann auch nur noch bei etwa 50 Metern.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Warum erzähle ich das?&lt;br /&gt;
Weil ich einerseits viele Jahre selbst geschossen habe, nein, nicht auf Tiere, obwohl ich auch schon mal auf der Jagd war, und auch schon viele Leichen gesehen habe, die von Schrotflinten getroffen worden waren.&lt;br /&gt;
Das was ich da an diesem Abend in der Villa gesehen habe, war die Schußwirkung einer Schrotflinte, die mit kleinen bis mittleren Schrotkugeln geladen war. Wird eine solche Ladung aus nächster Nähe verschossen, können sich die vielen kleinen Kugeln während des Flugs nicht voneinander entfernen und auffächern, sondern bleiben dicht beisammen und erzeugen genau das Bild, das ich gesehen habe. Mit einfachen, fast brutal klingenden Worten gesagt, von unten oder von der Seite aus der Nähe auf ein Gesicht abgefeuert, &quot;fransen die einem das Gesicht weg&quot;, genau so wie ich es bei dem Toten gesehen hatte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wäre da ein Flintenlaufgeschoss, also ein daumendickes Stück Blei, zum Einsatz gekommen, wäre der Kopf, tja, wie soll man es sagen, explodiert. Eintritts- und Austrittsloch wären so groß und die kinetische Energie dieser &quot;Kugeln&quot; ist so heftig, da bleibt bei einer so kurzen Distanz nicht viel übrig...&lt;br /&gt;
Es ist ja so: Nimmt man ein Gewehr für eine Selbsttötung, so kommt fast nur der aufgesetzte Schuss in Frage. Eine Pistole könnte man ja, je nach Armlänge noch ein Stück weghalten, aber bei der Länge eines Gewehres muss man ja auch noch irgendwie an den Abzug kommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das sind alles so Überlegungen, die mir, während ich das Ehepaar Brockhagen in eines unserer Beratungszimmer führte, durch den Kopf schossen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manni, der dabei war, und ich schauten uns an und während Sandy das Ehepaar mit Kaffee und Mineralwasser versorgte, zupfte er mich am Ärmel und sprach das aus, was ich die ganze Zeit gedacht hatte: &quot;Chef, da stimmt doch was nicht.&quot;&lt;br /&gt;
Ich nickte und sagte: &quot;Manni, das ist &#039;ne ganz krumme Sache. Jetzt mal ehrlich, hast Du da in dem Wohnzimmer irgendwo eine Schrotflinte gesehen?&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Mon, 14 May 2012 08:21:19 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -3-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Manni und ich halte es erstaunlich lange aus, die Geschichte immer wieder zu erzählen. Natürlich bleibt es nicht aus, daß wir das Ganze noch etwas dramatischer erzählen und die ohnehin etwas unheimliche Stimmung in der Villa noch etwas spannender schildern.&lt;br /&gt;
Sandy will es alles ganz genau wissen und Antonia besteht natürlich darauf, daß wir die ganze Geschichte auch ihr noch einmal exklusiv erzählen.&lt;br /&gt;
Wir sind aufgekratzt, bei der Müdigkeit längst über den toten Punkt hinweg und der viele Kaffee macht uns hibbelig und geschwätzig.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber eins tun wir nicht, wir erfinden nichts dazu und könnten eigentlich die ganze Geschichte in nur einem einzigen Satz wiedergeben:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir wurden nachts zu einem Sterbefall gerufen, dort von der dünn bekleideten Dame des Hauses eingelassen und fanden dann im Wohnzimmer eine blutige Leiche vor.&quot; Punkt. Irgendwann kommt dann doch der Zeitpunkt, an dem ich es merke, wie hinter der Stirn dieser seltsame Kopfschmerz aufsteigt, der mir immer signalisiert, daß ich viel zu lange wach bin.&lt;br /&gt;
Komisch, früher bin ich morgens um 3 mit Kommilitonen in der Kneipe gestanden, hatte mich schon mit dem Gürtel am Tresen festgeschnallt, bin dann noch Zeitungen austragen gegangen und saß um 8.30 Uhr in der Uni. Einmal länger ausschlafen und alles war wieder im Lot.&lt;br /&gt;
Und heute? Da ist man kaum mal 40 oder 50 und bleibt nur eine Nacht mal länger auf und schon hängt einem das &#039;ne ganze Woche nach.&lt;br /&gt;
Ich will nicht jammern, man wird halt älter und das hat auch viel Schönes. &lt;br /&gt;
Das Schlimmste allerdings am Alter ist es, daß man sich selbst retrospektiv mit Fremdschämen über sich selbst betrachtet, finde ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Kopfschmerz drückt mir von innen fast die Augen zu, auch Manni guckt aus der Wäsche wie ein Molch oder Maulwurf, ganz kleine, rote Augen, es steht fest, wir müssen ins Bett!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich liege nicht lange wach, falle gleich in einen tiefen aber unruhigen Schlaf und träume wovon? Natürlich von der schönen Frau im beinahe durchsichtigen Nachthemd. Es ist kein erotischer Traum, ich sehe sie mit einer Schrotflinte in der Hand, wie sie diesen Mann im Overall erschießt. Immer wieder die gleiche Szene.&lt;br /&gt;
Als ich aufwache, empfinde ich es drückend heiß im Schlafzimmer und bin naßgeschwitzt.&lt;br /&gt;
Es ist erst früher Abend und meine Frau schaut im Wohnzimmer einen Tatort-Krimi. &quot;Nee, lass mal&quot;, lehne ich ihre Aufforderung doch mitzugucken ab: &quot;Ich hatte heute genug Tatort.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;In den Regionalnachrichten finde ich nichts über den Fall, auch das Internet gibt noch nichts her.&lt;br /&gt;
Manni ruft an und wir unterhalten uns nochmals vorwärts und rückwärts über den Fall.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erst am anderen Morgen finde ich eine kleine Notiz in der Zeitung.&lt;br /&gt;
Eine klitzekleine Notiz zwischen der Blumenschau der Gärtnersfrauen und einem entlaufenen Hängebauchschwein.&lt;br /&gt;
In der Südstadt habe es einen kriminalpolizeilichen Einsatz gegeben. Ein Mann sei ums Leben gekommen, die Polizei untersuche derzeit, ob es sich um einen Suizid oder eine Beziehungstat gehandelt habe.&lt;br /&gt;
Fertig.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Normalerweise macht unsere Tageszeitung recht groß mit solchen Meldungen auf.&lt;br /&gt;
Gut, Suizid kommt neuerdings gar nicht mehr vor, aber dann schreiben sie etwas verbrämt von &quot;noch zu klärender Todesursache&quot;.&lt;br /&gt;
Aber das da nur so ein Zweizeiler erscheint? Merkwürdig.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Am Nachmittag ruft dann ein Polizeiobermeister an und bestellt Manni und mich zu einer weiteren Vernehmung in die örtliche Polizeiwache. Ich sage erst mal zu, überlege es mir dann aber anders und rufe beim Staatsanwalt an, denn ich habe keine Lust auf diese Polizisten hier vor Ort, die dem Bürger mit so einer merkwürdigen Mischung aus abgebrühter Gleichgültigkeit und arrogantem Obrigkeitsverhalten begegnen.&lt;br /&gt;
Nein, das sei doch kein Problem, ich könne auch direkt ins Präsidium kommen und mit Manni bei der Kripo aussagen, es sei ja eh nur eine Formsache, wegen der Unterschriften und so.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Präsidium werden  wir durch ewig lange Gänge bis zu einem Büro aus der Kaiserzeit geführt, wo sich einer der Kripobeamten vom Vorabend durch einen unglaublichen Stapel roter Aktendeckel arbeitet.&lt;br /&gt;
Mit polizeitypischem Zweifingersuchsystem tippt er erst Mannis und dann meine Aussage in den Computer und muss dann den Ausdruck sechs Zimmer weiter abholen.&lt;br /&gt;
Das Ganze ist eine höchst langweilige Veranstaltung, aber es ist ein Nebensatz, der mich aufhorchen lässt.&lt;br /&gt;
Natalie Brockmann, so heißt sie mit vollständigem Namen, sei die Tochter eines Landesministers und der Tote sei ihr Mann, ein Innenarchitekt, namens Roland Brockmann.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Tochter eines Ministers! Na, kein Wunder, daß die das auf kleiner Flamme kochen, bloß kein Skandal!&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/428c40684267462498937e635fbacc66&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 13 May 2012 09:11:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -2-</title>
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Manni gibt mir einen Stumper und obwohl ich mir eben noch vorkam, als würde ich immer noch von tanzenden Karotten, Nachtfeen und weißen Zimmern träumen, bin ich in der nächsten Sekunde hellwach und bekomme schlagartig eine Gänsehaut.&lt;br /&gt;
Manni will unwillkürlich einen Schritt in Richtung des Toten gehen, doch ich halte ihn zurück.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie, wie sich die Frau am Telefon genannt hatte, steht an den Türrahmen gelehnt und reibt mit ihrem nackten linken Fuß an ihrem rechten Schienbein.&lt;br /&gt;
Sie hat einen Finger an die roten Lippen gelegt und dann deutet sie mit diesem Finger auf den Toten: &quot;Da liegt er.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie, da liegt er? Und jetzt? Äh, wie jetzt?...&quot;&lt;br /&gt;
Ich kann nicht anders als stammeln und bekomme meine Gedanken nicht sortiert.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manni zieht das Handy aus der Jackentasche und will eine Nummer eintippen, ich nehme an, daß er die Polizei rufen will.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nicht!&quot; haucht Natalie: &quot;Bitte nicht!&quot;&lt;br /&gt;
 Moment mal, erlebe ich das wirklich? In meinem Kopf ist alles wie in Watte gepackt. Normalerweise bin ich ein Mann schneller Entscheidungen und kann besonders in außergewöhnlichen Situationen sehr gut und glasklar denken. Aber jetzt will mir das nicht gelingen.&lt;br /&gt;
Müdigkeit, Schock, Koffeinmangel...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie kommt der da hin?&quot; ist noch das Intelligenteste, das mir in diesem Moment einfällt und Natalie atmet tief ein, will etwas sagen und wir beide schauen sie erwartungsvoll an. Ich sehe, wie Mannis Lippen zittern. Er wartet auf ihre Antwort.&lt;br /&gt;
Manni gehört zu den Menschen, die wenn sie sehr konzentriert zuhören, das vom Gesprächspartner Gesagte mit den eigenen Lippen stumm nachformen. Jetzt beben die Lippen und wollen Natalies Worte mitsprechen, doch die tut uns den Gefallen nicht, sondern verdreht die Augen, sodaß man das Weiße sehen kann und rutscht am Türrahmen entlang auf den Boden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, du Scheiße!&quot; entfährt es mir und Manni springt zu Natalie, legt sie vorsichtig auf die Seite und ich will nun meinerseits mit meinem Handy am liebsten gleichzeitig die Polizei, die Feuerwehr, den Rettungswagen und die Bundeswehr anrufen. Egal wen, irgendwen, Hauptsache da kommt jemand und nimmt uns raus aus der Nummer, erklärt uns was das alles hier ist und nimmt endlich diese Watte aus meinem Kopf.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wir haben ständig mit Toten zu tun, die Leiche an sich ist uns nichts Fremdes, auch nicht wenn sie mal ein Loch im Kopf hat und auch nicht, wenn sie sich dieses Loch selbst beigebracht hat oder von jemand anders gelocht wurde... Aber bitteschön, dann stehen immer zwei Uniformierte dabei oder jemand von der Kripo und wir bekommen einen Zettel.&lt;br /&gt;
Aber hier ist nur die schlaffe Natalie und die macht keinerlei Anstalten, uns irgendwie weiter zu helfen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Also, was zuerst? Krankenwagen, ja sicher, Krankenwagen und Arzt, der jungen Frau ist ja noch zu helfen und der Typ der in seinem Overall vor dem Kamin in einer Blutlache liegt, der ist auch nachher noch tot.&lt;br /&gt;
Wie tot?&lt;br /&gt;
&quot;Sollte nicht einer von uns mal nachgucken, ob der wirklich tot ist?&quot; frage ich Manni zögerlich und der deutet bloß auf einen matschig grau-roten Fleck rechts an der Wand und sagt: &quot;DER ist tot!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, oder?&quot; sage ich: &quot;Ist das das, wofür ich es halte?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hm, ja, ich denke schon, das dürfte sein Gehirn sein oder so. Auf jeden Fall irgend was, was vorher in &#039;nem Menschen drin war. Oder noch besser: Egal was es ist, jedenfalls sollte es in dem Mann da drin sein und nicht da an der Wand.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie begann leise zu stöhnen und schlug die Augen auf. &quot;Wer sind Sie?&quot; fragte sie und blickte sich verwirrt um. &quot;Was machen Sie in meinem Haus?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ganz ruhig&quot;, sagte Manni und schaute mich verwundert an.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wo ist Roland?&quot; fragte Natalie und wollte sich aufsetzen, dann wich der verwirrte Ausdruck in ihren Augen wilder Panik und sie fing an zu schreien: &quot;Hilfe! Hilfe! Polizei!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ja, was jetzt? Offensichtlich war die Frau vollkommen durcheinander und obwohl Manni und ich verheiratet sind und somit im Umgang mit schwierigen &quot;Patienten&quot; sehr geübt sein dürften, fangen unsere Frauen wenigstens nicht an, plötzlich um Hilfe oder nach der Polizei zu rufen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was machen wir denn jetzt?&quot; fragte Manni.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Keine Ahnung. Wir können der ja keine runterhauen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, das funktioniert sowieso nur im Fernsehen, in der Wirklichkeit kriegt man dann ne Anzeige.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie hatte die Augen wieder geschlossen und atmete stoßweise.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jetzt ist Schluss&quot;, sagte ich und wählte auf dem Handy die Nummer des Notrufs.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn man nun meint, nach der Mitteilung, man habe eine Leiche gefunden, komme die Polizei mit viel Tatütata und sei nach zehn Sekunden am Tatort, dann hat man zu viel Krimis geguckt.&lt;br /&gt;
Wie ich denn heiße, ob ich das mal buchstabieren könne, ob man das mit A oder mit Q schreibe, in welcher Beziehung ich denn zu dem Opfer stehe, ob wir denn schon einen Arzt gerufen hätten, ja woher wir denn dann wüßten, daß der tot sei, ob wir was mit der Tat zu tun hätten und ob eventuell noch ein Einbrecher in der Nähe sei, man komme dann...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Einbrecher! Das Stichwort des Abends!&lt;br /&gt;
Daran hatten Manni und ich ja überhaupt noch nicht gedacht. Wie doof sind wir eigentlich? Da kommen wir mitten in der Nacht in ein Haus, eine leichtbekleidete und verwirrte Frau öffnet uns und wir finden eine blutüberströmte Leiche. Und auf die Idee, daß der Mörder vielleicht noch im Haus ist, ja vielleicht im Zimmer nebenan hinter der Tür stehen könnte, auf die kommen wir nicht...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Inzwischen habe ich den Popelinemantel zusammengerollt und unter Natalies Kopf gelegt. Die Frau wirkt als schlafe sie und träume etwas Schlechtes. Ihr Kopf rollt auf dem provisorischen Mantelkissen hin und her und sie brabbelt unverständliches Zeug.&lt;br /&gt;
Manni hat ihr die Füße hochgelegt, indem er einen Hocker untergeschoben hat.&lt;br /&gt;
Das soll beim Schock helfen. Ich habe mal irgendwo gelesen, das sei gar nicht das A und O bei einem Schock, aber wir können der Frau ja jetzt keine Magensonde legen oder eine Gehirn-OP machen, und da tut man halt irgendwas, von dem man glaubt es könne helfen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während wir auf die Polizei warten und Manni sich um die junge Frau kümmert, gehe ich mal vorsichtig zu der Leiche hinüber und umrunde den Körper. Ja, Manni hat Recht, von der anderen Seite bietet sich ein grauenvoller Anblick. Während es von hinten so aussieht, als sei der Mann völlig intakt und man nicht erkennen konnte, woher das viele Blut kommt, sieht man von vorne, daß ihm oberhalb des Kinns der gesamte vordere Schädel fehl.&lt;br /&gt;
Scheußlich!&lt;br /&gt;
Mir steigt der Mageninhalt hoch, ich kann so etwas nicht gut sehen. Wenn an mir herumoperiert wird, will ich meistens nicht einmal eine Betäubung und kann das auch gut sehen. Wenn aber schon im Fernsehen gezeigt wird, wie jemandem was raus- oder abgeschnitten wird, bekomme ich ein ganz komisches Druckgefühl und zwar an einer ganz komischen Körperstelle, nämlich tief unten im Schritt, so kurz vor dem Steißbein. Klingt das komisch? Soll es aber nicht, denn es ist wirklich so und ich kenne noch ein paar Leute, bei denen das auch so ist. Vielleicht gibt es da einen medizinischen Grund dafür?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mir geht viel durch den Kopf und ich wende mich von dem Toten ab. Jedenfalls steht jetzt eindeutig fest, daß der Mann wirklich tot, aber sowas von tot...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Gehen Sie sofort von der Frau weg!&quot; ruft eine Stimme von der Tür und ich sehe zwei Polizisten in ihren komischen blauen Uniformen, die sie aussehen läßt wie Rohreiniger oder Schädlingsbekämpfer.&lt;br /&gt;
Der eine hat seine Hand auf dem Holster mit der Pistole ruhen und mit der anderen bedeutet er Manni, sich zu erheben und von Natalie zurückzutreten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie da!&quot; spricht mich der andere Polizist an: &quot;Sie gehen mal ganz schön da rüber und zeigen Sie bitte dabei ihre Hände!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Klar, die tun auch nur ihren Job und wer weiß, was denen über Funk durchgesagt worden ist.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich rufe dem Beamten zu, daß wir die Bestatter seien und hierher gerufen worden sind. Wir hätten mit der Sache nichts zu tun.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der andere Beamte sagt zu seinem Kollegen was, so in der Art, er habe doch draußen auch den Leichenwagen gesehen und so.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Man guckt sich unsere Ausweise an, es kommen noch mehr Uniformierte, zehn Minuten später wimmelt es von Polizei, Rettungskräften und wichtigen Zivilisten.&lt;br /&gt;
Wir werden nach draußen gebracht und müssen in einem VW-Bus warten.&lt;br /&gt;
Ein dicker Beamter, der noch eine alte grün-beige Uniform trägt, &quot;bewacht&quot; uns und löst dabei ein Kreuzworträtsel.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Natalie wird auf einer Trage herausgebracht, ein Polizist hält eine Infusionsflasche hoch und dann wird die Frau in einen großen rotweißen Krankenwagen verladen.&lt;br /&gt;
Endlich ein bekanntes Gesicht. Staatsanwalt Dr. Knippelkamp steigt aus einem dunklen BMW und ich klopfe mit meinem Ring an die Scheibe des VW-Busses um seine Aufmerksamkeit auf uns zu lenken.&lt;br /&gt;
Er lächelt als er mich erkennt, kommt herbei und plichtwieselnd öffnet der Bewachungspolizist die Schiebetür vom Bus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was machen Sie denn hier?&quot; begrüßt mich der Staatsanwalt und reicht mir die Hand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich kenne ihn von unzähligen Sterbefällen, die wir im Auftrag der Staatsanwaltschaft überführt haben und bei denen ich von ihm immer die Freigabepapiere holen musste.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schnell klärt es sich, daß wir keine Mörderbuben sind und auf einmal behauptet jeder, man habe uns auch nicht dafür gehalten, sondern erst mal aus dem Weg geschafft und habe uns dann später &quot;zur Sache einvernehmen&quot; wollen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nee, nee, die können gehen&quot;, sagt der Staatsanwalt mit einem Kopfnicken in unsere Richtung zu einem der älteren Kriminalbeamten. Der aber will jetzt erst noch alles ganz genau wissen und Manni und ich sind froh, daß wir die ganze Geschichte mal jemandem erzählen können.&lt;br /&gt;
Und obwohl wir gar nichts wissen und außer dem Einlassen ins Haus und dem Ohnmachtsanfall nichts mitbekommen haben, dauert dieses &quot;Einvernehmen zur Sache in Form einer ersten Befragung&quot; über eine Stunde.&lt;br /&gt;
Endlich sind wir fertig, kriegen unsere Ausweise wieder zurück und wollen gehen, da ruft uns der Kripo-Beamte hinterher: &quot;Wo wollen Sie denn jetzt hin?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir?&quot; frage ich verwundert: &quot;Nach Hause natürlich.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nix da, Ihr müßt doch noch die Leiche mitnehmen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber wir sind doch diese Woche gar nicht dran mit den Polizeiabholungen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Mir doch egal, wo Ihr doch schon mal da seid...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nicht eine Sekunde haben Manni und ich in dieser Nacht noch geschlafen. Wir sitzen noch aufgeregt und mit roten Augen im Büro, als Frau Büser zum Dienst erscheint.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was habt Ihr denn gemacht? Habt Ihr durchgefeiert?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das, Frau Büser, das glauben Sie uns nicht!&quot; sage ich.&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/ffab680376144ef7965b87d39f9fc174&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sat, 12 May 2012 13:33:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Fee der Nacht -1-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Es ist mitten in der Nacht und es war ein sehr anstrengender Tag. Stundenlang hatte ich mit dem Steuerberater über den Unterlagen gesessen und als es Mittag war, blieb keine Zeit zum Essen, denn eine Familie rief an und wollte umgehend bei sich zu Hause beraten werden.&lt;br /&gt;
Zweieinhalb Stunden später klingelte während der Fahrt das Handy, wieder ein Sterbefall, am ganz anderen Ende des Bezirks.&lt;br /&gt;
Gegen Abend war ich dann noch auf dem Südfriedhof und begleitete eine Familie bei der Abschiednahme.&lt;br /&gt;
Kaum wieder in der Firma rief mich Manni runter in die Technikräume, er kam nicht zu Potte und brauchte Unterstützung.&lt;br /&gt;
Todmüde bin ich um 23.30 Uhr ins Bett gefallen. Müde aber zufrieden.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Anderthalb Stunden später klingelt das Telefon.&lt;br /&gt;
 Normalerweise würde man ja grunzen oder knurren, aber man ist Bestatter und da hat man -auch wenn man aus dem tiefsten Schlaf gerissen wird- sofort wieder im Kopf, daß es wahrscheinlich eine Familie ist, die einen Sterbefall melden möchte.&lt;br /&gt;
Ich krieg die Augen gar nicht auf, als ich nach dem Hörer taste, versuche artikuliert zu klingen und scheuche die tanzenden Mohrrüben weg, die aus irgendeinem Zipfel meines Gehirns noch träumend in meine Realität schwappen. Oder waren es Elefantenrüssel?&lt;br /&gt;
&quot;Wer ist da?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich muss sonst nie nachfragen, aber die Frau am anderen Ende ist so leise.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie heißt Natalie, sagt sie und wir sollen doch bitte mal kommen, ihr Mann sei gestorben.&lt;br /&gt;
Ich notiere die Adresse und den Namen und lege auf.&lt;br /&gt;
Scheiße!&lt;br /&gt;
Ich habe vergessen, zu fragen, ob der Arzt schon da gewesen ist. Ohne die Papiere vom Arzt können wir den Toten gar nicht holen.&lt;br /&gt;
Also nochmal da anrufen...&lt;br /&gt;
...geht nicht, im Telefondisplay steht nur &quot;unterdrückte Rufnummer&quot;.&lt;br /&gt;
Mist!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;img src=&quot;http://vg09.met.vgwort.de/na/d20cf2e9464540239fc42dc5d5b530d5&quot; width=&quot;1&quot; height=&quot;1&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;br /&gt;
Na ja, der wird schon da gewesen sein, der Arzt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Manni anrufen. Der ist genau so drauf wie ich, schmatzt nur irgendwas ins Telefon und legt auf.&lt;br /&gt;
Ich brauche mir keine weiteren Gedanken machen, der ist zuverlässig und außerdem sind wir Männer, da reicht ein Schmatzen oder ein Am-Po-Kratzen zur Kommunikation völlig aus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Bad vor dem Spiegel erschrecke ich. Meine Güte, ich sehe aus, als hätte ich drei Nächte mit zwölf babylonischen Huren durchgesoffen. &lt;br /&gt;
Rasieren muss sein, ich bin zwar nicht der Barbarossa unter den Bartwüchsigen, aber es sieht trotzdem verboten aus. Drei bis zwölf Liter Wasser später und nach kräftigem Zähneputzen schütte ich mir aus Versehen das Parfüm meiner Frau über, stinke zwar jetzt wirklich nach den Babylon-Huren, sehe aber wieder aus wie jemand den ich kenne.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Von unten höre ich das elektrische Rolltor. Manni ist schon da und fährt runter in die Tiefgarage um den Bestattungswagen hochzufahren.&lt;br /&gt;
Mit zwei Tassen Schnellkaffee steige ich vor dem Haus zu, prömpele die Edelstahltassen in die Tassenhalter und ziehe den Zettel mit dem Namen und der Anschrift zwischen den Zähnen hervor und klemme ihn ans Armaturenbrett.&lt;br /&gt;
Ich will die Adresse ins Navi eintippen, doch Manni macht nur &quot;Mmmpfbrr&quot;. Ich nicke, ich habe ihn verstanden. Mmmpfbrr bedeutet um diese Zeit: &quot;Lassen Sie das, Chef. Ich kenne die Strecke auch so, da brauche ich kein Navi.&quot;&lt;br /&gt;
Ich sage es ja, Grunzen und Kratzen reicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Steinweg ist eine der Adressen, wo man schon aus Ehrfurcht vor den alten und großen Villen leiser spricht. Die Mauern und blickdichten Hecken, die erstklassig gepflegten Grundstücke und die großen Villen verströmen den Duft von altem Geld, Reichtum und gehobenem Lebensstandard.&lt;br /&gt;
Es stehen keine Autos auf der Straße, hier hat man für seine Jaguars Garagen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nummer 7 ist eine weiße, dreigeschossige Villa mit vielen Erkern und Türmchen. Über hundert Jahre alt und doch in jedem Detail erkennbar hochmodern ausgestattet.&lt;br /&gt;
Das sieht man schon am Tor und an den Lampen und der Videosprechanlage aus Edelstahl.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wir klingeln, es klickt und knackt nur in der Sprechanlage aber es spricht niemand. Um das Kameraauge herum leuchtet es kaum sichtbar schwachrot auf, dann summt es und das Tor geht elektrisch auf. Ich wollte auch schon immer so ein Tor vor meinem Grundstück.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Weg zum Haus ist lang und gewunden, überall von niedrigen Edelstahllampen beleuchtet und er führt uns an drei großen Doppelgaragen vorbei zum Eingang.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Und da steht sie, eine echte Fee der Nacht.&lt;br /&gt;
Groß, schlank, blond und nur bekleidet mit einem Hauch von einem weißen Nachthemd.&lt;br /&gt;
Das Licht beleuchtet die Frau von unten und Manni und ich werden ganz verlegen, wir können deutlich ihren Körper sehen, nur für einen Moment, einen -man möge es mir verzeihen- viel zu kurzen Moment, dann ist die Frau verschwunden und als wir die Treppe emporgestiegen sind und in den großen Flur des Hauses eintreten, hat die Fee sich einen hellbraunen Popeline-Mantel umgehängt. &quot;Mir ist so kalt&quot;, sagt sie und nur mit einer angedeuteten Handbewegung bedeutet sie uns den Weg ins Wohnzimmer.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Wohnzimmer hat den Charme eines Tiefkühllagers.&lt;br /&gt;
Ein riesengroßer, weißer, fast leerer Raum, nur ganz wenige, aber erkennbar teure, Designermöbel, ein offener Kamin, in dem kein Feuer brennt und, was viel wichtiger ist...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;...vor dem Kamin liegt ein toter Mann in einer Blutlache.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 11 May 2012 12:04:19 +0200</pubDate>
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    <title>Nur ein Pfund Äpfel wollte er holen</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Der Rechtsanwalt Schröpfke, der Architekt Schmidt und der Straßenbahnfahrer Möbius haben ganz was Tolles vor und kommen ausgerechnet zu mir, um mich zu fragen, ob ich da mit mache.&lt;br /&gt;
Der Rechtsanwalt ist Mitglied irgendeiner Kirche, dabei spielt es keine Rolle, ob es die Mormonen, Jehovas Zeugen oder die Neuapostolischen sind. Wichtig ist nur, daß die Gemeinde, zu der er gehört, gute Beziehungen zu einem afrikanischen Dorf haben, das sie seit Jahrzehnten mit Geld und Hilfsgütern unterstützen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt haben sie die Idee, hier ein paar Autos gebraucht zu kaufen, damit nach Afrika zu fahren, selbstverständlich ordentlich was zu erleben, aber in erster Linie, die Autos dann in Afrika zu versteigern und den Erlös wiederum diesem Dorf zu Gute kommen zu lassen.&lt;br /&gt;
 Was Ähnliches ist da vor drei Jahren schon mal gemacht worden und da waren fast 100.000 Euro herausgekommen, für die man Brunnen und eine Schule und eine kleine Siedlung gebaut hat. In Afrika geht sowas alles für 100.000 Euro.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Durch den Abenteuercharakter gelingt es immer wieder, geeignete Leute zu finden, die eben auch ein Auto stiften können, es muss ja kein tolles Auto sein, nur bis Afrika muss es kommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nur bin ich nicht geeignet, ich bin nicht reich und ich schaffe das derzeit auch gesundheitlich nicht. Schade. Aber natürlich war ich von diesem Zeitpunkt bestens über diese Tour informiert, habe jeden Tag verfolgt, was die Leute im Netz berichtet haben und wie weit sie schon gekommen sind.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dann komme ich zur Gemüsefrau und die sagt mir:&lt;br /&gt;
&quot;Was habe ich gehört? Sie wollten auch mit nach Afrika? Das haben Sie aber richtig gemacht, daß Sie da die Finger von gelassen haben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Warum? Das ist doch eine gute Sache.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Finden Sie? Also die Frau Birnbaumer-Nüsselschweif, die hat mir gesagt, das sei doch alles Lug und Trug und Schaumschlägerei.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wieso das denn?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Da müssen Sie sie mal selbst fragen, da kommt sie ja gerade.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nichts liegt mir inzwischen ferner, als mit der Birnbaumer-Nüsselschweif ein längeres Gespräch zu führen. Ich habe sie schon längere Zeit nicht mehr gesehen, was ich für einen Vorteil halte.&lt;br /&gt;
Meine Güte, die ist noch dicker geworden! Ihr Doppelkinn reicht bis zum Dekolleté und vom Kinn selbst ist nichts mehr zu sehen. Ihre Pausbacken, die etwas hamsteriger sind, als die der Kanzlerin, sind faltenfrei und rund, was ihrem Mund etwas seitlichen Druck verleiht, sodaß es aussieht, als spitze sie die ganze Zeit etwas die Lippen.&lt;br /&gt;
Die Handtasche trägt sie am Riemen quer vor der Brust, damit sie ihr nicht gestohlen werden kann und seit sie in der Zeitung gelesen hat, daß irgendwo in Deutschland ein Sexualstraftäter auf dem Freigang entwichen ist, trägt sie nur noch Cordhosen aus grobem Trenkercord. Angeblich soll das Tragen solcher Hosen Frauen wirkungsvoll vor einer Vergewaltigung schützen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Unwillkürlich muss ich grinsen, weil ich mir insgeheim vorstelle, wie da so ein Männlein auf diesem Butterberg herumzappelt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach Gott! Haben Sie zugenommen?&quot; sagt sie zu mir anstelle einer Begrüßung und begutachtet mich von oben bis unten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nein&quot;, sage ich, &quot;ich trage nur seit neuestem Einlagen, die machen das.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir reden gerade über die Afrika-Fahrer&quot;, mischt sich die Gemüsefrau ein und wie aufs Stichwort fängt die Birnbaumerin an, ihren Text abzuspulen:&lt;br /&gt;
&quot;Das ist ja wohl die Höhe! Haben Sie das in der Zeitung gelesen? Ich habe ja gedacht, mich trifft der Schlag! Da fahren die nach Afrika, stellen Sie sich das mal vor! Ein Rechtsanwalt und ein Architekt!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und was ist daran so schlimm?&quot; frage ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Schlimm? Haben Sie mir denn nicht zugehört? Ein Rechtsanwalt und ein Architekt!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, das habe ich verstanden. Und ein Straßenbahnfahrer fährt auch noch mit.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Als ob ein Anwalt und ein Architekt nicht genügend Geld hätten. Fürchterlich, diese Geldgier! Da kaufen die hier Schrottautos, die nur noch in Afrika einen Wert haben, und dann ziehen die den armen Afrikanern das Geld aus der Tasche, um sich zu bereichern. Das ekelt mich an. So ein Architekt verdient ja wohl selbst genug, der muss nicht noch die Afrikaner bescheißen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die bescheißen doch niemanden. Die Afrikaner sind erstens froh über die Autos, die sie sehr günstig bekommen und die bei uns auf dem Schrott landen würden, dort aber noch zehn Jahre gefahren und repariert werden. Und außerdem stecken die sich das Geld doch gar nicht in die eigene Tasche, sondern lassen es gleich wieder in Afrika. Jeder von denen steckt fast 10.000 Euro aus eigener Tasche da rein.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sag ich doch, alles in die eigene Tasche! Ich bin die Vorsitzende vom Mütterkreis... Ja, gucken Sie nicht so, ich bin da wieder reingewählt worden. Das war nur eine vorübergehende Sache, daß die mich abgewählt hatten. Und wir Mütter, wir machen was für Afrika, seit Jahren. Da lenken solche albernen Kirmesaktionen von reichen Architekten und Rechtsanwälten nur ab. Jetzt denken die Leute, es sei schon genug für Afrika getan und dabei haben sich da nur ein paar Leute, die es weiß Gott nicht nötig haben, auch noch die Taschen voll gemacht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber das stimmt doch so gar nicht, das ist doch ganz anders...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nix da! Ich bin hier für Afrika zuständig! Die hätten ja auch mal beim Mütterkreis anfragen können, ob wir was machen und sich da dran beteiligen können.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was macht denn der Mütterkreis? Woran hätten die sich denn beteiligen können?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wir? Wir stricken dicke Wintermützen mit Ohrenschützern.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Au prima, das braucht man ja bekanntlich in Afrika ganz besonders dringend.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Quatsch, die sind doch nicht für die Neger, die sind für unsere Leute hier.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und die sollen dann mit den Ohrenklappenmützen nach Afrika fahren, um die dort zu versteigern?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sagen Sie mal, wollen Sie mich verarschen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die Mützen wollen wir auf dem Batzar (sie sagt wirklich Batzar und spricht es so aus: Batzarr mit zwei kurzen A und gerolltem R, Betonung auf TZ) verkaufen. Und der Erlös, der kommt in meine Kasse. Davon tun wir dann sehr viel Gutes.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach wissen Sie was, Frau Birntraumer-Rübenschweif, ich glaube, Sie sind bloß neidisch auf die. Deren Aktion steht immer wieder in der Zeitung und von Ihnen kommt nichts außer Ohrenmützen. Und die kriegen vielleicht wieder 100.000 Euro zusammen, da fahren ja Autos aus vielen Städten mit, und Sie, sie kriegen am Ende 80 Euro für monatelanges Mützenstricken.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die von der Zeitung sind ja sowieso doof. Ich bin Bundesverdienstkreuzträgerin am Bande!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das sieht man an Ihrer Handtasche, der Gurt da quer über ihrer Brust, sieht aus wie eine schmale Schärpe.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Jetzt werden Sie mal nicht frech! Meinen Sie, ich merke das nicht, dass Sie immer so spitzfindig sind und mich okkupieren wollen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was will ich?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie wollen mir Ihre Meinung aufokkupieren, mich quasi einhalluzinieren!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Haben Sie zuviel im Fremdwörter-Duden gelesen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was soll denn das jetzt heißen. Sie sind ganz schön frech.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Im Hintergrund steht die Gemüsefrau mit dem Telefon in der Hand und ruft ihre besten Kunden an, um sie schnell in den Laden zu bestellen, weil hier sicher gleich die Fetzen fliegen. &lt;br /&gt;
Doch ich habe nicht vor, mich mit der Birnbaumer zu prügeln.&lt;br /&gt;
Ich weiß, wie ignorant und selbstbezogen diese Dicke ist und daß sie sowieso keine Argumente oder Erklärungen gelten lässt. Es zählt bloß ihre Meinung und bei was Anderem hört die gar nicht zu.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die sind ja sowieso in Sekten&quot;, brabbelt die Dicke und ich frage natürlich zurück:&lt;br /&gt;
&quot;Was für Insekten?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Nicht Insekten, ich sagte in Sekten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja wie jetzt, Insekten im Sinne von Krabbeltier, In Sekten im Sinne vom Plural des Wortes Sekt, also Schaumwein, oder in Sekten, im Sinne von Nebengruppen religiöser Bewegungen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie, das muss ich mir nicht sagen lassen, ich habe mich nicht religiös bewegt! Die Gemüsefrau ist meine Zeugin! Gell, Sie haben das gesehen, daß ich ich nicht religiös bewegt habe, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich&quot;, sagt die Angesprochene und hält der Dicken eine Packung hartgekochter, bunter Eier hin: &quot;Ich habe gar nichts gesehen und nicht gehört. Eichen? Lecker Eichen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Irgendwie komme ich mir vor, wie in einem Stück von Dario Fo, der einmal sagte: &quot;Wir waten bis zum Hals in der Scheiße, aber genau deshalb tragen wir den Kopf hoch erhoben!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Birnbaumer kann nicht anders und mehr reflexartig greift sie bei den bunten Eiern zu, pellt sich eins und stopft es sich in den Mund. Das Kauen scheint sie zu beruhigen und ihre rosa Gesichtsfarbe weicht einem entspannten helleren Farbton.&lt;br /&gt;
Sie hört auf zu kauen und ich muss sagen, daß der helle Farbton eher aussieht wie ein Hellgraugrünpink.&lt;br /&gt;
Noch einmal will sie was sagen, es bröckelt nur furztrockenes Eigelb aus ihrem Mund, dann gibt es einen Schlag und die Birnbaumer-Nüsselschweif liegt röchelnd auf dem Boden, zuckt mit den Füßen, &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was ist denn jetzt los?&quot; entfährt es mir und die Gemüsefrau hüpft mit einer Salatgurke in der Hand hinter der Theke auf und ab: &quot;Die ist tot, die ist bestimmt tot! Und das in meinem Laden! Mein Gott, was für eine Geschichte, was für eine tolle Geschichte!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Hören Sie doch auf!&quot; rufe ich und beuge mich über die am Boden liegende Dicke. &quot;Man muss glaube ich den Puls fühlen. Sie rufen den Notarzt und ich guck mal, ob die noch lebt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Während sie wählt, sagt die Gemüsefrau: &quot;Das kann ja so schwer nicht sein, da muss man am Hals fühlen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich kann Ihnen sagen, ob jemand definitiv tot ist, ob jemand noch lebt, das ist schon etwas schwieriger. Und vor allem, wo fühlt man am Hals den Puls, wenn jemand keinen Hals hat, sondern nur so&#039;n Speckkragen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie müssen ihr einen Spiegel vor den Mund halten!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich habe aber keinen Spiegel.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Dann stechen Sie sie mit einer Nadel.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ins Herz oder was?&quot; gebe ich genervt zurück und versuche die Dicke in die stabile Seitenlage zu rollen. Das gelingt mir nicht, es ist so, als wolle ich eine Lawine den Berg wieder hinaufschieben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Der Notarzt kommt gleich!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Helfen Sie mir lieber! Wir müssen gucken, ob die was im Hals hat, vielleicht erstickt die am Ei.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;An meinen Eiern ist hier noch keiner erstickt. Meine Eier sind gut. Die sind bio!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Irgendwie lebt die noch, die Brust geht rauf und runter, die atmet!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie gucken der auf die Brust?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Was soll ich denn machen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie haben doch gesagt, man muss das Ei aus ihrem Hals holen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Schon, aber ich hab nicht gesagt, daß ich das mache. Ich packe der doch nicht in den Hals. Nachher bin ich gerade mit der Hand in ihrem Schlund und dann beißt die zu!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie sind doch blöd. Los, wir drehen die jetzt um und dann holen wir das Ei raus!&quot; sagt die Gemüsefrau und zieht sich einen armlangen grünen Gummihandschuh an.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich sage: &quot;Wollen Sie das Ei rektal da raus holen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Rek...was?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Warten Sie mal&quot;, sage ich, &quot;so schlecht ist diese Rektalidee gar nicht, dann kann die wenigstens nicht beißen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich verstehe kein Wort von dem was sie sagen. Los jetzt, hau ruck!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es gelingt uns, die Dicke in die stabile Seitenlage zu bringen. Das heißt, ganz kurzzeitig befand sie sich mal sehr vorschriftsmäßig in dieser Lage. Nur, wer weiß schon 30 Jahre nachdem er seinen Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein gemacht hat, noch so ganz genau, welches Bein da angewinkelt werden muss? Jedenfalls rollt uns die dicke Frau aus der kurzzeitig stabilen Seitenlage auf den Bauch.&lt;br /&gt;
Genau in dem Moment hört man draußen die Signale des Notarztes und er Polizei und während wir noch an der Birnbaumer ziehen und schieben, passiert gleichzeitig Folgendes:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein Polizist kommt rein und ruft: &quot;Lassen Sie sofort die Frau los!&quot;&lt;br /&gt;
Der Notarzt schiebt den Ordnungshüter an die Seite und stürmt herbei.&lt;br /&gt;
Die Birnbaumer kotzt ein halbes Ei aus dem Hals.&lt;br /&gt;
Die Gemüsefrau sagt: Der da war&#039;s!&quot; und zeigt mit dem Finger auf mich.&lt;br /&gt;
Die Birnbaumer setzt sich auf und sagt: &quot;Ich hab&#039; das Bundesverdienstkreuz.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich gehe gerne einkaufen.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Fri, 27 Apr 2012 08:04:05 +0200</pubDate>
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    <title>Muckele</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Frau Klopprath war schon an die 90 als ich sie das erste Mal besuchte. Sie hatte bei uns angerufen und um einen Besuch gebeten.&lt;br /&gt;
Bei ihr angekommen, erzählte sie mir, mit nun knapp 90 sei es wohl an der Zeit, das Erforderliche zu regeln und alles einmal mit dem &quot;Totengräber&quot; durchzusprechen.&lt;br /&gt;
Warum ich denn kein Maßband dabei hätte, wollte sie wissen, ich müsse doch wohl maßnehmen, damit der Sarg später auch passt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die Frau war kaum Einssechzig groß und weniger als 50 Kilo schwer, da würde jeder Sarg passen, wahrscheinlich hätte man sie auch in einer Urne untergekriegt...&lt;/p&gt;&lt;p&gt; Es war ein netter Nachmittag bei Frau Klopprath, so alte Damen haben oft einen überraschend zeitgemäßen (oder zeitlosen?) Humor.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ein paar Wochen später war längst alles unter Dach und Fach, wir hatten die Akte gut verwahrt und Frau Klopprath musste eigentlich nichts anderes machen, als eines Tages mal zu sterben.&lt;br /&gt;
Da rief sie an einem Abend bei uns an und fragte, ob wir eventuell auch Tiere beerdigen würden.&lt;br /&gt;
Ihr Muckele sei, so glaube sie, eben verstorben.&lt;br /&gt;
Ich erinnerte mich an Muckele, eine ziemlich alte und fette, rote Katze, deren Fell schon ziemlich abgewohnt ausgesehen hatte, und die blind war und zischend atmete. 22 Jahre sei die Katze alt, hatte Frau Klopprath behauptet und man merkte ihr an, daß sie sehr an dem Tier hing.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sollte ich ihr jetzt sagen, daß wir so etwas nicht machen und daß sie einen Tierbestatter für viel Geld anrufen solle?&lt;br /&gt;
Ach Quatsch, sagte ich zu mir selbst und zu Frau Klopprath, daß ich gleich vorbei käme.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit einem Pappkarton in der passenden Größe, in den ich etwas vom weißen Sargstoff gelegt hatte, bin ich dann zu Frau Klopprath gefahren und habe die tatsächlich schon erschreckend steife Katze abgeholt.&lt;br /&gt;
Dort wo ich sonst immer mit den Hunden spazieren gehe, kenne ich eine Stelle zwischen ein paar Bäumen und da kam dann der Klappspaten zum Einsatz.&lt;br /&gt;
Mit dem Handy machte ich noch ein Foto von der Stelle und brachte es der alten Dame. Sie hat das alles sehr dankbar aufgenommen und ich spüre, wenn ich davon erzähle, heute noch ihre alten Finger auf meine Hand, als sie sie zum Abschied streichelte.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Frau Klopprath habe ich drei Jahre später wieder gesehen, da war sie so steif, wie damals ihre Katze.&lt;br /&gt;
Wir haben sie ordentlich zu Grabe getragen, so wie es sich gehört.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Schade, daß Frau Klopprath das hier nicht sehen kann:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;!-- s9ymdb:1013 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;450&quot; height=&quot;360&quot; src=&quot;http://bestatterweblog.de/uploads/katzengrab.jpg&quot; alt=&quot;&quot;  /&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Da wo ihr Muckele beerdigt ist, da wachsen heute, mitten in der freien Natur, weitab von jedem Haus, schöne rote Tulpen, so als habe jemand Muckeles Grab damit ausgestattet.&lt;br /&gt;
Ich glaube, ich fahr mal zum Grab der alten Frau und steck ihr auch so ein paar Tulpenzwiebeln in die Erde.&lt;/p&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 16 Apr 2012 20:00:17 +0200</pubDate>
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    <title>Gekommen um zu bleiben -4-</title>
    <link>http://bestatterweblog.de/archives/Gekommen-um-zu-bleiben-4/6444</link>
            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;&quot;Und wie ist es weitergegangen?&quot; will ich wissen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie es weitergegangen ist? Es ist immer schlimmer geworden. Vor zwei Jahren hat der sich in einen Rollstuhl gesetzt und nichts mehr gemacht. Nur noch mit einer Hupe gehupt, wenn er was wollte.&lt;br /&gt;
So ein Messinghorn mit so einem schwarzen Ball zum Drücken, damit hat er immer gehupt. Immer. Ich konnte es nicht mehr hören!&quot; Bärbel Hierig fängt an zu weinen und Jens legt seinen Arm um sie.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie putzt sich die Nase und erzählt weiter:&lt;br /&gt;
&quot;Tag und Nacht &#039;hup, hup&#039; und ich musste rennen. Wenn ich mal gedacht hab, es könne nicht so wichtig sein, dann hat er mir den Rollstuhl vollgeschissen. Ständig musste ich ihm zu Diensten sein.&lt;br /&gt;
Bärbelchen hier, Bärbelchen da! &#039;Bärbelchen, kannste mir mal die Fußnägel schneiden? Bärbelchen, hilf Deinem Onkel mal auf die Toilette!&#039; Hup, hup! &#039;Hintern abwischen! Essen bringen, Trinken bringen, was vorlesen, bitte, Lottoschein ausfüllen und wegbringen, Bärbelchen komm mach dies, mach das!&#039;&lt;br /&gt;
 Zwölf Jahre lang, davon zwei im Rollstuhl... Ich war am Ende meiner Kräfte, ehrlich. Und eines Tages hat Jens von der Arbeit von &#039;nem Kollegen einen Fasan mitgebracht und weil er wusste, daß der Onkel das gerne isst, ist er nach hinten zum Gartenhaus und was meinen Sie, was er da gesehen hat?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Onkel konnte &#039;rumlaufen! Der alte Simulant hat nur im Rollstuhl gesessen, um sich von uns bedienen zu lassen! Jens ist dann zum Haus zurückgekommen und hat mich geholt und wir sind zusammen dann rein zu ihm und haben ihn zur Rede gestellt.&lt;br /&gt;
Ja, das wäre so ein Anflug von Kraft und Energie, das komme und gehe. Wir sollten uns da bloß nichts einbilden, wenn es ihm mal kurz besser gegangen sei, sei es hinterher umso schlimmer mit den Schmerzen, hat er behauptet.&lt;br /&gt;
Wir haben dann den Arzt kommen lassen in der Woche darauf und der hat festgestellt, daß der Onkel für einen Mann seines Alters von erstaunlicher Gesundheit sei, nur die Prostata...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ich wollte ihn da ja rausschmeißen&quot;, sagt Jens. &quot;Aber der hat gesagt: &#039;Versuch es nur einmal und Du bist das schöne Häuschen gleich wieder los. Ich habe das alles testamentarisch geregelt, alles in meiner braunen Mappe aufgeschrieben, handschriftlich, so ein Testament gilt. Bevor ich Euch das nicht überschrieben habe, geht das Haus an den Tierschutzverein. Wenn Du nicht willst, daß sich der Tierschutzverein freut, dann zeig&#039; mal ein bißchen Dankbarkeit.&lt;br /&gt;
Ihr seid doch meine einzigen Verwandten, Ihr sollt doch sowieso mal alles bekommen, also macht es doch nicht kaputt.&#039;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wenn das mit unserer Pauline nicht gewesen wäre...&quot;, begann Bärbel, aber Jens unterbrach sie: &quot;Das gehört hier nicht hin!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch, das kann man ruhig erzählen. Als der zu uns kam, da war die Pauline zweieinhalb Jahre alt und der Frank war vier. Inzwischen ist der Frank sechzehn und fast immer unterwegs. Pauline wird bald 15 und die wurde immer komischer. Das ist losgegangen als der sich in den Rollstuhl gesetzt hat. &lt;br /&gt;
Es war ja nicht nur ich, die immer dem Onkel bei allem helfen musste. Ich bin ja auch mal weg, einkaufen und so. Und dann hat er wieder gehupt und oft ist dann die Pauline zu ihm hin. Ich meine, Kinder sind da unbedarfter. Die haben das mit dem Onkel ja alles nicht so schlimm gefunden wie wir. Die haben oben ihre eigenen Zimmer und mussten ja auch nicht so viel machen, wie ich. Außerdem hat der Onkel für Pauline immer mit &#039;nem Geldschein gewunken. Da hat die dem ganz gerne mal geholfen, Jugendliche brauchen ja immer Geld.&lt;br /&gt;
Aber irgendwann wollte die dann nicht mehr zum Onkel ins Gartenhaus gehen und wenn der bei uns im Haus war, ist sie nicht von oben runter gekommen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich habe sie dann mal zur Rede gestellt und sie hat gesagt, sie könne nichts erzählen, weil wir dann alle obdachlos würden.&lt;br /&gt;
&#039;Pauline&#039;, habe ich gesagt, &#039;wir werden doch nicht obdachlos.&#039;&lt;br /&gt;
Dann hat sie mir erzählt daß der Onkel mal gesagt hat, ihm wäre ein Knopf abgegangen und zwischen seine gelähmten Beine gefallen, den müsse man entfernen, sonst werde er wund.&lt;br /&gt;
Da hat das Mädchen dann zwischen seine Beine fassen müssen, wo der immer so eine Wolldecke drüber gelegt hatte und da hatte der die Hose offen und sein Ding raushängen.&lt;br /&gt;
Pauline hat sich erschrocken und geschämt und der hat gesagt, sie bekomme 50 Euro, wenn sie ihn da mal ein bißchen anpacken würde.&lt;br /&gt;
Das wollte Pauline nicht, aber er hat gesagt: &#039;Okay, wie Du willst, dann landet ihr alle auf der Straße und das passiert auch, wenn Du was erzählst. In der Gosse bei den Obdachlosen landet ihr alle. ich brauche nur mit dem Finger zu schnippen und ihr seid alle wohnungslos.&#039;&lt;br /&gt;
Sie hat ihn dann dort berührt und er hat sie an Arm festgehalten und ihre Brüste gestreichelt.&lt;br /&gt;
Dann hat er auf ihre Hand...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Bärbel!&quot; unterbrach Jens seine Frau. &quot;Schluss damit, ich kotze gleich, wenn ich nur daran denke.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und, was haben Sie unternommen?&quot; frage ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Er ist ja dann gestorben&quot;, sagt Jens schnell, legt wieder seine Hand auf die seiner Frau und ich sehe, daß er die Hand ziemlich fest drückt. &quot;Wer konnte denn ahnen, daß der versucht, aus dem Rollstuhl aufzustehen und in den Keller zu gehen? Er war ja doch etwas wackelig auf den Beinen...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und da hat&#039;s in runter gehauen&quot;, sagt Bärbel und schluchzt in ein Papiertaschentuch. &quot;Er ist die Treppe runter gefallen, mitsamt dem Rollstuhl, gerade als er aufstehen wollte. Jens hat es noch mitbekommen und ist ihm zur Hilfe beigesprungen, aber er konnte es nicht verhindern. Ruck zuck war der die Treppe runter geschossen und dann lag er da unten tot herum.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ach, Du meine Güte!&quot; sage ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, uns tut das auch leid, wo er doch so nett war, uns alles zu hinterlassen&quot;, sagt Jens.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und das Testament mit dem Tierschutzverein?&quot; frage ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Stellen Sie sich vor&quot;, sagt Bärbel, &quot;Wir haben gesucht und gesucht und gesucht, da war nichts, keine braune Mappe, nichts... Wir sind die einzigen Verwandten, also was soll&#039;s? Wir bekommen alles.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So, und jetzt suchen wir was richtig Schönes für den Onkel raus, da wollen wir uns nicht lumpen lassen&quot;, sagt Jens und schlägt den Katalog auf.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 11 Mar 2012 12:49:00 +0100</pubDate>
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    <title>Gekommen um zu bleiben -3-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;&quot;Was ist denn los, Kinder? Freut Ihr Euch denn gar nicht? Das ist doch die beste Lösung für uns alle. Ich habe das Haus in Katernberg jetzt in die Versteigerung gegeben und da kommt sicher einiges bei raus. Das viele Geld, denkt doch mal daran. Eines Tages gehört das alles mal Euch. Was soll ich denn mit zwei Häusern? Jetzt mal ehrlich?&lt;br /&gt;
So&#039;n alter Knochen wie ich, und dann zwei Häuser... Das ist doch Quatsch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wobei eines der Häuser uns gehört&quot;, hab ich zum Onkel gesagt und mich quer in die Haustür gestellt, sagt Jens.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;&#039;Was?&#039; hat der Onkel mit so &#039;nem höhnischen Unterton gesagt. &#039;Euch? Macht mal die Augen zu! Das was Ihr dann seht, das gehört Euch! Das Haus hier ist immer noch mein Haus. Wenn ich mal tot bin, dann könnt Ihr meinetwegen damit machen, was Ihr wollt, so lange ich aber lebe, ist und bleibt das meins. Oder waren wir etwa schon beim Notar? Nee, nicht wahr?&lt;br /&gt;
Also so ein bißchen mehr Dankbarkeit hätte ich ja schon erwartet. So, und jetzt machst Du Platz, damit ich in mein Haus kann!&#039;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wir sind bald zusammengebrochen&quot;, sagt Jens und Bärbel nickt. &quot;Man ist ja auch doof&quot;, sagt er weiter: &quot;Ich meine, wir wissen das auch alles mit dem Grundbuch und so. Aber für uns war ja klar, daß der uns keine Schwierigkeiten machen würde, der hatte doch sein Haus in Essen-Katernberg. Auf die Idee, daß der zu uns kommen würde, sind wir nie gekommen.&lt;br /&gt;
Beim ersten längeren Aufenthalt, ja gut, das war eben so, daß ein einsamer alter Mann sich bei uns wohl gefühlt hat und nicht mehr gerne in sein leeres Haus zurück wollte, die Tante war ja auch erst gerade gestorben.&lt;br /&gt;
Aber bei aller Liebe und Dankbarkeit, das der jetzt für immer bei uns einzieht, das haben wir nicht gewollt.&lt;br /&gt;
Jetzt fragt natürlich jeder: &#039;Warum seid Ihr nicht einfach wieder ausgezogen?&#039;&lt;br /&gt;
Aber wie denn? Wir haben unser ganzes Geld ins Haus gesteckt, unser ganzes Geld und das ganze Geld vom Schwager. Dem müssen wir das noch zehn Jahre lang jeden Monat mit 800 Euro abbezahlen.&lt;br /&gt;
Der hat uns 75.000 Euro gegeben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich rechne im Kopf nach und sage: &quot;Da bekommt er aber ganz ordentlich Zinsen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und?&quot; sagt Bärbel, &quot;Die stehen ihm ja auch zu. Gehen Sie heute mal auf &#039;ne Bank. Da müssen Sie mehr Sicherheiten bringen, als Sie eigentlich Kredit wollen. Und mein Bruder hat hier eine Lebensversicherung früh ausgezahlt bekommen, die wollte er eigentlich gleich wieder anlegen fürs Alter. Und wenn er uns das Geld nun schon gibt, muss sich das ja für ihn auch irgendwie lohnen.&lt;br /&gt;
Nee, nee, mit dem sind wir grün, da ist alles in Butter, das haben wir so gewollt und das geht auch so in Ordnung, der Umbau hat 100.000 gekostet, 25.000 hatten wir selbst und der Rest ist von ihm.&lt;br /&gt;
In nur zehn jahren haben wir alles abbezahlt und dann ist das unser Haus, haben wir damals gedacht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und ist es nicht so gekommen?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Doch, schon. Als der Onkel damals endgültig zu uns gezogen ist, da hatten wir das Haus ja schon ein Jahr und da waren es nur noch neun Jahre; und die haben wir auch immer brav bezahlt. Ich weiß noch wie heute, als mein Bruder eines Tages mit dem Schuldschein kam und einer Flasche Sekt und wir gefeiert haben, daß alles bezahlt war.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und der Onkel?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jens Hierig seufzt wieder und sagt nach einer kurzen Pause: &quot;Der ist geblieben, aber ich bin eisern geblieben. Ich hab gesagt, die Pauline brauche ihr Zimmer und er komme mir nicht rein. Er könne das Gartenhaus haben. Und wir konnten es erst gar nicht glauben, aber der Onkel hat in die Hände geklatscht, über beide Backen gestrahlt und gesagt: &#039;Mensch, Kinder, das ist doch die Idee! So machen wir das!&#039;.&lt;br /&gt;
Und dann ist er in das Gartenhaus gezogen, mit all seinem Zeug. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie vollgestopft die zwei Zimmer waren. Da sind ja zwei Zimmer drin, aber keine Küche und kein Klo. Ist eben nur ein Gartenhaus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;So ist der natürlich ständig bei uns ein und aus gegangen, hat sich bei uns dreimal am Tag an den gedeckten Tisch gesetzt und ist hier aufs Klo und in die Badewanne, hat abends mit uns beim Fernsehen gesessen und eigentlich hat der mehr in unserem Haus gewohnt wie in seinem Gartenhaus.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&#039;Macht Euch keine Gedanken, demnächst mache ich mein Testament, Ihr kriegt ja sowieso alles und dann regeln wir das mit dem Häuschen gleich mit&#039;, hat er gesagt und ehrlich, wir hatten schon den Eindruck, der könne unsere Gedanken lesen.&lt;br /&gt;
Wenn Bärbel und ich uns mal wieder drüber unterhalten haben, dass es so nicht weitergehen kann, dann kam der kurz darauf und hat irgendsowas gesagt: &#039;Das muss jetzt ja alles mal geklärt werden&#039;.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Aber es ist nicht geklärt worden. Wenn ich mal gesagt habe, dass es jetzt an der Zeit wäre, dann hat er gesagt: &quot;Wollt Ihr denn schon, daß ich sterbe? Könnt Ihr Aasgeier es nicht mehr abwarten, bis ich die Augen zu mache? Und dann war er beleidigt und hat tagelang gar nichts gesagt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Oder er hat einen seiner Herzanfälle bekommen&quot;, sagt Bärbel Hierig. &quot;Die bekam er immer wie auf Kommando. Da fing der an zu schnaufen, fasste sich an die Brust und hat so getan, als ob er erstickt.&lt;br /&gt;
Aber man weiß ja nie, ob das ernst ist oder ob der wieder nur so tut.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bezahlt hat der auch nie was. Essen, Trinken, alles für umsonst. Der hat auch oft bei so Shoppingsendern angerufen und sich alles Mögliche schicken lassen, von der Blumenzwiebelkollektion bis hin zur wattierten Winterjacke. Bestellt hat der einfach auf unseren Namen. &#039;Das verrechnen wir mit dem Erbe, mit mir geht es sowieso bald zu Ende.&#039;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 11 Mar 2012 10:22:00 +0100</pubDate>
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    <title>Gekommen um zu bleiben -2-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Bärbel Hierig antwortet: &quot;Und dann? Ja dann sind wir wieder vom Onkel nach Hause gefahren und der allererste Weg hat uns zu dem Häuschen geführt. Es liegt in der Nähe des Stadtgartens, aber ganz ruhig an einer breiten Allee, etwas von der Straße weg mit einer hohen Hecke drum herum.&lt;br /&gt;
Als wir das Tor aufgeschlossen haben, da konnten wir vor lauter Staunen nicht mehr und haben beide geheult.&lt;br /&gt;
Untenrum mit Ziegelsteinen gemauert, grüne Fensterläden aus Holz, obenrum viele Erker und sogar ein kleines Türmchen, alles aus Fachwerk. So an die 160 Quadratmeter und fünf Zimmer. Ein großer Garten vorne und ein noch größerer hinten und im Garten dann noch das Gartenhaus mit fast 40 Quadratmetern, unsere Sozialwohnung hatte nur 60.&lt;br /&gt;
Mein Mann hat mich dann über die Schwelle getragen...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Sie legt ihre Hand auf die seine und die beiden haben wieder Tränen in den Augen, als sie sich an diesen Moment erinnern.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Herr Hierig sagt: &quot;Innen drin, na, was soll ich sagen? Alles sauber und besenrein. Stromleitungen, Wasser, Gas und sonst auch alles, na, das hatte halt den Charme der frühen Fünfziger und ich sagte zu Bärbel: &#039;Du, das muss alles raus, da kommt einiges auf uns zu. Das wird nichts mit dem sofort Einziehen.&lt;br /&gt;
Aber wir haben rangeklotzt. Ich habe jeden Tag nach der Arbeit eine Fuhre vom Baumarkt zum Haus gekarrt und mit meinem Schwager zusammen habe ich geschuftet bis Mitternacht. Dann ab nach Hause, unter die Dusche -in die Wanne konnte ich nicht, im warmen Wasser wäre ich sofort eingeschlafen- und ab in die Falle.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wenn der freitags von der Arbeit aus da hin gefahren ist, dann ist der bis Sonntagabend dort geblieben, hat auf der Baustelle geschlafen und ich glaube, die haben rund um die Uhr gearbeitet&quot;, sagt seine Frau anerkennend und wieder streichelt sie seine Hand.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Komm, jetzt stell Dein Licht mal nicht unter den Stuhl, Du hast auch viel gemacht, gell. Also Bärbel hat die ganzen Ritzen zugespachtelt und die Treppen abgeschliffen, viele Malerarbeiten gemacht und vor allem beim Tapezieren ist sie Weltmeisterin.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Man will ja auch fertig werden. Schließlich hatten wir unsere Wohnung gekündigt, weil wir da gar nicht schnell genug raus kommen konnten und drei Monate Kündigungsfrist sind schnell herum. Wir haben es aber geschafft.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, wir haben viel Trockenbau gemacht, ich habe mich gar nicht damit aufgehalten, den ganzen alten Scheiß aus den Wänden zu reißen, sondern wir haben das alles tot gelegt und komplett neue Leitungen überall gezogen, das ging schneller und jetzt ist alles modern. Sie müssen uns mal besuchen kommen, s&#039;ist wirklich schön geworden.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber?&quot; frage ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Aber, ja aber... Dann kam der Onkel!&quot; &lt;br /&gt;
Frau Hierig macht einen entsetzten Gesichtsausdruck. &lt;br /&gt;
&quot;Ich weiß es noch wie heute, wir sitzen freitags beim Fernsehen und ich habe gerade eine Platte mit Schnittchen gemacht, die Kinder sitzen gewaschen und gestriegelt in ihren Schlafanzügen bei uns, die drüfen immer bis zur Wetterkarte..., da klingelt es und wir gucken uns alle an. Wer kommt denn da noch, um diese Zeit?&lt;br /&gt;
Ich geh&#039; aufmachen und wer steht draußen vor dem Tor, sein Taxi fährt gerade wieder ab, der Onkel.&lt;br /&gt;
Er winkte und strahlte und rief: &#039;Kommt, lasst mich mal rein! Euer alter Onkel will doch mal sehen, was Ihr hier für ein Schmuckstück geschaffen habt!&#039;&lt;br /&gt;
Natürlich haben wir uns gefreut und ihn rein gelassen. Also ehrlich, mir wär lieber gewesen, der hätte vorher angerufen, aber es ist ja der Onkel und er hat uns ja das Häuschen geschenkt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;So, soweit war ja auch alles in Ordnung&quot;, übernimmt nun Jens Hierig die weitere Erzählung. &quot;Aber der kam für drei Tage und blieb dann einfach.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wie? Der blieb dann einfach?&quot; staune ich.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, der ist nicht mehr weggegangen. Kennen Sie das Lied mit dem Fleck? Da heißt es, &#039;gekommen um zu bleiben und geht nicht mehr weg&#039;. Genau so war das mit dem Onkel. &#039;Kinder, ich fühl mich so wohl bei Euch, ich häng noch ein paar Tage dran!&#039;. Wir haben nichts gesagt, ein paar Tage gehen rum. &#039;Wisst Ihr was, ich hab so Wasser in den Beinen, das muss erst besser werden, sonst krieg ich Thrombose bei der Bahnfahrt. So ein zwei Wochen muss ich noch bleiben.&#039;&lt;br /&gt;
Dann hieß es auf einmal, er habe Rücken, Asthma und Knochenschwund, vorerst werde das nichts mit dem nach Hause fahren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Da waren wir so froh, daß wir jetzt zwei Kinderzimmer hatten und jetzt mussten die Kinder doch wieder in einem Zimmer schlafen. Die waren die Ersten, die einen Hass auf den Onkel bekamen und immer wieder mal fragten, wann der denn wieder abhaue. Aber was sollten wir denn machen? Der hatte uns das Haus doch geschenkt, da darf man ja auch nicht undankbar sein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der ging nicht mehr, der blieb einfach und irgendwann kam dann ein Spediteur und brachte seine Teppiche und Bilder und lauter so Plörren aus Katernberg. Das muss er ja schon vorher ausgesucht und zusammengestellt haben, denn der war ja nie mehr dort in Essen. Nee, nee, das hatte der alles so geplant.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dann wurde der immer wunderlicher und hat nur noch mit der Bärbel rumgezackert und sie schikaniert. Der Kaffee war mal zu stark, dann war er zu heiß, dann nicht von der richtigen Sorte. Ihr Waschpulver vertrug er nicht und den Weichspüler konnte er nicht riechen...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und beim Pinkeln hat der sich nie hingesetzt&quot;, unterbricht Bärbel ihren Mann: &quot;Das hat vielleicht immer ausgesehen. Wissen Sie, wie das stinkt, wenn so&#039;n alter Mann, der nachts dreimal raus muss, alles vollpisst? Und mir hat er vorgeworfen, ich würde das Klo nicht richtig putzen, da würd&#039; es immer stinken.&lt;br /&gt;
Ich konnte doch machen, was ich wollte, dem Alten konnte man es nicht recht machen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und der Onkel ist dann geblieben? Für immer?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ja, zwölf Jahre lang&quot;, seufzt Jens Hierig.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Warum haben Sie ihn nicht irgendwann nach Hause geschickt? Ich meine, davon war ja nicht die Rede, daß Sie dann aus lauter Dankbarkeit ein Familienhotel aufmachen müssen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Das ging ja nicht! Wir haben es ja versucht&quot;, stöhnt Jens auf. &quot;Einen Abend sind Bärbel und ich hoch zu ihm und haben ihm gesagt, daß wir uns freuen, daß er jetzt schon so lange bei uns ist und sich so wohl fühlt, aber daß ein Dreivierteljahr schon ziemlich lang sei und wir das Zimmer wieder für die Kinder bräuchten.&lt;br /&gt;
Da hat er sich dann ganz verständnisvoll gezeigt und gesagt, das könne er gut verstehen, Alt und Jung unter einem Dach, das sei ja sowieso nichts, aber jetzt sei ja bald Weihnachten und wir wollten ihn ja wohl nicht unmittelbar vor dem Fest der Liebe vor die Tür setzen. Nach Heilige Drei Könige würde er dann wieder abfahren.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Lassen Sie mich raten, er ist aber nicht abgefahren, oder?&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Ha, Sie werden staunen, er ist gefahren. Er war eine Woche weg, da haben wir dann angefangen, seine Sachen aus dem Zimmer runter in den Keller zu bringen und das Zimmer frisch zu renovieren. Der hat da so viele Zigarren geraucht, da stank alles nach Tabak.&quot; Jens Hierig schließt kurz die Augen, lässt die Ereignisse nochmal vor seinem inneren Auge Revue passieren, er will nichts Falsches erzählen. Dann fährt er fort:&lt;br /&gt;
&quot;So, und unsere Pauline war gerade wieder in ihr Zimmer gezogen, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie die sich gefreut hat, da steht der Onkel wieder im Haus. Und noch schlimmer: Vor dem Haus steht ein Möbelwagen mit seinem ganzen Hab und Gut.&lt;br /&gt;
&#039;Kinder, was soll&#039;s, dieses ganze Hin und Her, immer diese ungeklärte Situation, ich hab&#039; jetzt Nägel mit Köpfen gemacht, jetzt bin ich für ganz da!&#039;&lt;br /&gt;
Bärbel und ich haben uns auf den Arsch gesetzt, sorry.&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 11 Mar 2012 09:20:00 +0100</pubDate>
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    <title>Gekommen um zu bleiben -1-</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;&quot;&#039;Wißt Ihr was, ich schenke Euch mein Häuschen!&#039; das hatte der Onkel vor zwölf Jahren zu mir gesagt und wir bekamen ja damals unser zweites Kind, da passte das alles wunderbar&quot;, erzählt mir Herr Hierig.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jetzt sitzen Herr Hierig und seine Frau im Bestattungshaus beim Beratungsgespräch und wissen nicht was sie tun sollen. Ob der Onkel eine Erdbestattung wollte oder ob er lieber verbrannt werden wollte, sie haben keine Ahnung.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ich betrachte das Ehepaar, während es überlegt und sehe vor allem bei der Frau, daß sie tiefe Ränder unter den Augen hat. Eigentlich ist sie gar nicht unhübsch, aber man sieht ihr an, daß sie sehr abgearbeitet ist. Na ja, mit zwei Kindern...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Als ob sie meine Gedanken lesen kann, sagt sie auf einmal in die nachdenkliche Stille hinein: &quot;Der Onkel hat mich fertig gemacht, ehrlich.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Ihr Mann Jens nickt und erzählt:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Der Onkel hatte ja zwei Häuser, eins in Essen-Katernberg, in dem er selbst wohnte und eins in Süddeutschland, das er von einer Tante geerbt hatte. Es hatte immer geheißen, daß er und Tante Martha eines Tages mal nach Süddeutschland ziehen würden, aber dann ist Tante Martha ja gestorben und er hat gesagt, er bleibe nun in Katernberg, weil Tante Martha auf dem Halo-Friedhof in Schonnebeck in der Gruft liegt und sich ja jemand um das Grab kümmern müsse.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Kommt, Kinder, stellt Euch nicht so an. Du, Jens, Du bist mein einziger Neffe, der Sohn meiner Schwester und Deine Frau, die Bärbel, ist doch auch immer nett zu mir gewesen, was soll ich das Haus in Süddeutschland jetzt wieder an fremde Leute vermieten? Ihr wohnt doch da ganz in der Nähe, warum nehmt Ihr es nicht&quot;, hat er gesagt und einen dicken Schnellhefter mit den ganzen Unterlagen vom Haus aus der Schublade vom Wohnzimmerschrank geholt.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wir kannten das Haus gar nicht, aber die Idee, endlich aus der Sozialwohnung rauszukommen, die hat uns gleich ganz aufgeregt gemacht und wir waren nervös und hibbelig wie kleine Kinder, als der Onkel die Pläne ausbreitete und uns die Grundbuchurkunde einfach über den Tisch schob.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Wenn Ihr wollt, könnt Ihr sofort einziehen, ich schenke Euch das Haus. Hier habt Ihr die Unterlagen. So eine Grundbuchurkunde ist wie ein Kraftfahrzeugbrief, wer die in Händen hat, der ist der Eigentümer. Irgendwann komm ich Euch mal besuchen, dann gehen wir zum Notar und lassen das auf Euch umschreiben. Nehmt die Unterlagen mit, es ist alles besprochen, hier habt Ihr den Schlüssel, macht mit dem Haus was Ihr wollt, Hauptsache ist, mir entstehen keine Kosten mehr. Ist ja auch nicht gut, wenn so ein Haus länger leer steht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Sie können sich gar nicht vorstellen&quot;, sagt Bärbel Hierig zu mir, &quot;wie wir uns gefreut haben. Wir konnten die ganze Nacht nicht schlafen vor lauter Aufregung.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Die ganze Nacht? Wir haben nächtelang nicht richtig schlafen können, das war für uns wie ein Lotto-Gewinn!&quot; fügte ihr Mann Jens hinzu.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&quot;Und dann?&quot; frage ich.&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Sun, 11 Mar 2012 08:22:00 +0100</pubDate>
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    <title>Der Wärter kommt!</title>
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            <category>Menschen</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Undertaker TOM)</author>
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    &lt;p&gt;Ich muss mich manchmal ducken, wenn ich höre, was Menschen so von sich geben. &lt;br /&gt;
Die Opas und Omas, die morgens am Friedhofseingang schon mit dem Schüppchen und der Faltgießkanne in der Hand warten, bis der Friedhofsverwalter aufschließt, sind da des Volkes dummer Mund in Reinstkultur.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 1: &quot;Der Wulff, der bekäme von mir nichts, gar nichts, das sag ich Euch.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma: &quot;Der will ja jetzt auch noch ein Büro und ein Auto mit Fahrer.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 2: &quot;Uns haben &#039;se die Pflegestufe abgelehnt.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 1: &quot;Die ganzen alten Präsidenten sollte man auf eine einsame Insel bringen, bei Wasser und Brot.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma: Ja, warum das denn, der Weizsäcker, der war doch so nett.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 2: &quot;In der Apotheke wird auch alles teurer.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt; Opa 1: &quot;Na und? Die sollen auf eine Insel und im Steinbruch arbeiten.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma: &quot;Aber nur bis auf den Weizsäcker. Der war wirklich nett. Die anderen waren aber auch nicht schlecht, der Scheel hat so schön gesungen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 1: &quot;Bei Wasser und Brot!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 2: &quot;Ich muss jetzt nachts zweimal raus, das ist vielleicht ein Elend.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma: &quot;Der Wulff ja, aber die anderen nicht, die waren doch alle gut. Nur der Wulff nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 1: &quot;Ach was, wenn die gut gewesen wären, dann wären die ja noch im Amt. Aber die sind ja alle weg und jetzt sollen wir für die bezahlen. Ne, alles ab auf &#039;ne Insel.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 2: &quot;Die Hilde hat jetzt Wasser in den Beinen.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma: &quot;Da muss ja immer einer weg, wenn ein Neuer kommt. Wir können ja nicht zwei haben.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 2: &quot;Doch! Stufe eins haben wir ja schon, jetzt wollen wir zwei, die hat ja Wasser...&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 1: &quot;Was haben die nicht alles gemacht? Der eine hat immer gesungen, der andere ist immer gewandert und der Weizsäcker hat jedes Jahr das Sportabzeichen gemacht. Nur so&#039;n Unsinn im Kopf. Und wir sollen die jetzt durchfüttern.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma: &quot;Ja, was hat der Wulff denn jetzt genau gemacht? Ich meine, man hat zwar viel in der Zeitung gelesen, aber die Zeitungen, die schreiben viel. Ob da überall was dran ist, das weiß man ja eigentlich nicht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 1: &quot;Weg müssen die, alles Schmarotzer! Und die ganzen Abgeordneten und Minister gleich mit weg. Alle an die Wand stellen!&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Oma: &quot;Vielleicht kommt ja am Ende raus, daß der gar nichts gemacht hat.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 2: &quot;Das wünscht man seinem ärgsten Feind nicht... zweimal die Nacht raus.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 1: &quot;Unschuldig? Gibt&#039;s nicht! Wenn&#039;s doch in der Zeitung steht.&quot;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Opa 2: (Hüpft vor Freude) &quot;Der Wärter kommt, der Wärter kommt!&quot;&lt;/p&gt; 
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    <pubDate>Mon, 05 Mar 2012 06:52:00 +0100</pubDate>
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