Fettleibige und Selbstmörder nehmen wir nicht mehr

Angesichts immer knapper gefüllter Kassen und allgemein steigender Kosten glauben viele, sie könnten dadurch eine Menge Geld sparen, daß sie ihren Körper nach dem Ableben der Wissenschaft zur Verfügung stellen.

Früher war das auch eine echte Alternative. Je nach Universitätsinstitut wurde der Leichnam oft sogar direkt am Sterbeort abgeholt, es gab kleine Trauerfeiern in hauseigenen Kapellen und viel später eine anonyme Beisetzung auf Kosten des Institutes.

Heute bieten sich so viele Interessenten den Universitäten an, daß diese einerseits wählerisch sein können und andererseits angesichts des Überangebotes auch nicht mehr darauf angewiesen sind, die Bestattungskosten zu übernehmen. Hinzu kommt, daß es seit Jahren kein Sterbegeld mehr von der Krankenversicherung gibt, das die Institute zur Begleichung der anfallenden Beisetzungskosten heranziehen konnten.

Leserin Ina hat hier einen entsprechenden Artikel zu diesem Thema gefunden.

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  • Veröffentlicht am: 8. Juli 2008
  • 5 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

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Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Meine Mutter hat sich schon vor Jahren für eine Körperspende entschieden (für ein Institut in Hamburg). Nun kam neulich ein Brief, in dem sie dazu aufgefordert wurde, schon jetzt die Kosten für die Beerdigung zu bezahlen. Sie ist Mitte 50, bis ihr natürlicher Tod eintritt dauert es also noch Jahrzehnte. Ich finde das eine Unverschämtheit, vorab Geld dafür zu verlangen. Sie hat sich danach auch dagegen entschieden.

  2. Hört sich irgendwie nach „Versuchen können wirs ja…“ an. Hier wird der Idealismus der Spendewilligen extrem ausgeschöpft.
    Im Artikel werden die Uni-Kosten von 600-1200€ den 4000€ einer durchschnittlichen Erdbestattung verglichen.
    Tom schrieb einmal, als es um Billigangebote ging, daß er für 799€ eine Bestattung ausrichten könnte.
    Bevor ich da 1200€ an die Uni zahle, laß ich Onkel Hotti doch lieber billig beerdigen. Und erzähle den Bekannten, daß er seinen Körper gespendet hat, und deshalb keine Trauerfeier stattfindet.

  3. Ich war vor über zwanzig Jahren selbst an einer deutschen Anatomie beschäftigt, und damals war es genau wie in dem Artikel beschrieben, es gab relativ wenig Körperspender und wir hatten pro Körper sehr viele Studenten in mehreren Schichten, was zur Folge hatte, dass kein Student auch alles bei der Präparation sehen konnte.
    Für die Spender gab es am Semesterende eine würdige Trauerfeier mit Professoren, Studenten und Angehörigen, so weit sie das wollten. Die Situation heute ist allerdings nicht nur durch die gestiegene Anzahl von Körperspendern ganz anders, denn da ist noch die große Zahl der praktischen Kurse für Ärzte an „Humanpräparaten“ hinzugekommen. Ich erinnere mich sogar an einen Kurs, der an frischen, unfixierten Leiche stattfand, da das Gewebe sich anders präpariert als das durch Formalin fixierte, das wesentlich fester ist. Das muss ich allerdings nicht unbedingt nocheinmal haben, und die meisten teilnehmenden Kollegen waren da ähnlicher Meinung. Ob Schulter, Knie oder Zahnimplantat, an der Leiche kann nahezu alles trainiert werden und neben den instruierenden Fachärzten sind auch immer Anatomen dabei (und gewiss auch am Erlös beteiligt), die die „Präparate“ mitbringen oder die Veranstaltung gleich in den Räumen ihrer Institute durchführen. Diese Kurse sind sehr teuer und ich frage mich schon länger, weshalb dann der Patient auch noch draufzahlen soll. Der „Präp-Kurs“ genau wie die Kurse für fertige Ärzte sind unverzichtbarer Teil des Medizinstudiums und man kann den Körperspendern gar nicht genug danken, aber für diesen Dienst auch noch eine Zuzahlung zu verlangen, sollte sich vermeiden lassen, wenn man von den Gebühren für die „Leichen-OP-Kurse“ einen Teil für die Bestattung abzweigen würde.

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