Henning -17-

Ich konnte Näheres in Erfahrung bringen. Ihr wißt ja, ich bin überhaupt nicht neugierig, sondern ich will immer bloß alles wissen.
Wenn man was erfahren will, ja dann geht man am Besten zur Gemüsefrau, da wäre ich gestern, als ich gegen Abend Hennings Mutter getroffen habe, am Liebsten gleich hingegangen, aber mittwochs hat die Gemüsefrau zu.

„Ach was, der Hannebambel, der taugt doch nichts! Der und Geschäftsführer? Daß ich nicht lache! Der ist in so einem Callcenter wo die Idioten anrufen, die bei so einer Astrologie-Hotline 1,99 Euro pro Minute für so’n Scheiß bezahlen. Da könnte ich auch arbeiten, bessere Wahrheiten als ‚auf Regen folgt Sonnenschein‘, ‚ein Gewitter reinigt die Luft‘ und ‚es kommt nie was Besseres nach‘, haben die auch nicht und bei mir bekommen Sie diese Wahrheiten kostenlos und obendrein noch ’ne geschenkte Banane für jedes Kind.“

Ich frage nochmals nach und sie erzählt mir unter dem Schwiegel der Versiegenheit:

„Der hat doch so mit Drogen rumgemacht. Ich weiß von der Frau Sowieso, daß der immer Haschisch raucht und sein eigenes Zeug finanziert der, indem er an andere Tabletten verkauft. Die holt er sich bei dem XYZ und bunkert die dann an allen möglichen Stellen in kleinen Portionen. So hat der nie was dabei und braucht nur mal eben um die Ecke, um was zu holen, wenn einer was bei ihm kauft. Jetzt soll der vor ein paar Wochen bei dem XYZ wieder eine Ladung abgeholt haben und hat sie auf dem stillgelegten Kinderspielplatz in der Betonröhre wo man so durchkrabbeln kann versteckt, um zu Hause Tütchen abzuholen damit er Portionen machen kann und dann in seine kleinen Verstecke tun kann. Ja und als er wiederkam, da hatte ein Hund den Beutel aufgerissen, ein Teil hat gefehlt und der Köter soll auf die vielen bunten Pillen draufgeschissen haben.

Jetzt hat der einen Arsch voll Schulden bei dem XYZ und die haben ihm gedroht ihn von der Brücke zu werfen, stellen Sie sich das mal vor. Da hat der Henning dann bei der Wahrsager-Hotline angefangen. Der ist doch ein ganz armes Würstchen.“

„Ich denke der soll da Geschäftsführer sein.“

„Geschäftsführer ist da der Bruder von dem XYZ. Der Henning ist so eine Art Springer, der an einem langen Tisch mit sechs anderen hockt und immer einspringen muß, wenn einer von denen mal pinkeln gehen muß. Der und Geschäftsführer, lachhaft.“

„Was Sie alles wissen!“

„Ach, ich weiß noch mehr! Haben Sie gehört, daß der Apotheker Soundso von heut‘ auf morgen schwul geworden ist? Der soll zu Hause ausgezogen sein und jetzt bei seinem Freund wohnen, die Frau und er stehen zwar immer jeden Tag gemeinsam in der Apotheke und tun so als wenn nichts wär‘ aber die reden kein Wort miteinander. Das kommt alles von dem Aids, jawoll.“

Ich nehme mein Obst und Gemüse, die geschenkten Bananen für die Kinder und mir geht das Bild nicht aus dem Kopf, wie der Hund mit geweiteten Pupillen aus der Betonröhre kommt und sich im Vollrausch des Pillenwahns auf die Suche nach der Birnbaumer-Nüsselschweif macht um sie zu besteigen…

So, ich dusch jetzt mal eiskalt, um das wieder wegzubekommen…

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  • Veröffentlicht am: 6. August 2009
  • 17 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Du meinst also, selbst ein Hund müsste ganz schön zugedröhnt sein, um die Birnbaumer…?
    Oh. Die Bilder. Erbarmen!

  2. Ganz schön gross geworden der Junge. Beim Bruder von nem Drogendealer als Prügelknabe untergekommen. Wenn er da die selbe Einstellung vor Allem in Bezug auf Firmeneigentum an den Tag legt wie bisher wirste Ihn wohl nie als Kunden kriegen, bis der gefunden wird, bist Du alt und grau ^^

    Manchmal ist es schön über Menschen zu lesen die einfach objektiv Scheisse sind. Vielen Dank dafür und Hammer, Moos und Ried, wie man bei uns zu sagen pflegt.

  3. Tom, danke! Ich liege schon wieder am Boden vor Lachen. Falls es Fürst Henning jemals gelingen sollte, Deinen Laden in die tiefsten Tiefen insolventischer Grabkammern zu befördern … dann wirste einfach Bestseller-Autor. Deine Storys füllten ja jetzt schon zehn neue Bücher ;) Mir würde echt was fehlen ohne Dein Blog!

  4. „Unter dem Schwiegel der Vesiegenheit“.. grandios.. :-)

  5. „Wenn man was erfahren will, ja dann geht man am Besten zur Gemüsefrau“ – ich winde mich auf dem Boden vor Lachen! Ich will auch so eine Gemüsefrau!

    Dass hinter Hennings großer Karriere nichts hintersteckt, war ja eh klar.

  6. Ist irgendjemanden noch aufgefallen, dass es [b]Sammeltasse 1, 2 und 4[/b] gibt, aber die 3 nicht? Was wird uns hier vorenthalten. :D

  7. der vorletzte Absatz …der Hund mit geweiteten Pupillen… einfach nur geil! Ich lieg immer noch am Boden vor Lachen :) aber das Bild krieg ich jetzt auch nimmer aus dem Kopf ;)

  8. Irgendwie komisch… Ich war heute beim lesen der Geschichte Henning, aber unabhängig von diesem neuen Post und dachte eben als ich auf die Startseite ging ich hab mich verklickt.

    Sachen gibts…

    Diese Astro Hotlines sollten verboten werden. Eine damlige Freundin meiner Mutter war regelrecht süchtig und hat ihr Leben nach denen gerichtet… Die hat da täglich angerufen und Unsummen verpulvert.

    Wie kann son Telefonfutzi eigentlich mit dem Gewissen leben ganz offen und bewusst Leute zu bescheissen? Naja.. manche mögen vielleicht auch selbst dran glauben.

  9. Ganz großes Kino. Danke für diese unglaublichen Geschichten.. Bei uns arbeitet die Gemüsefrau übrigens an der Fleischtheke..

  10. @2, Lily + @6, bernd:

    Einfach an Leichen denken.

    Ach nee, das funktioniert hier ja nicht ;-)

  11. Hammerstory, Hammerschreibstil! Ich lach mich hier schekisch…echt genial! Danke dafür und soll ich Henning grüßen? NÖ loooooooooool ;-)

  12. Also für mich steht fest: Sollte es jemals eine Birnbaumer-Nüsselschweif-Tasse geben, muss der Hund mit drauf! *scnr*

  13. Also ich kenn den Henning schließlich auch, heißt eigentlich gar nicht Henning, aber an der Geschichte kann man doch die Person erkennen. Ich hab ja von einem gutem Freund von mir gehört, dass der Henning seine Fingernägel für seine satanistischen Rituale benutzt. Er mischt sie mit Extasy und Spiritus, schmeißt das Gemenge in den Mixer und injiziert sich das schließlich direkt in den Augenball. Zumindest meinte mein guter Freund, er hätte Teile der Fingernägel am linken Auge unter der Pupille erkennen können. Den Rest könnte man sich schließlich dazudenken.

    Wer zum großen Manitu soll wissen, dass ein „Köter auf die vielen bunten Pillen draufgeschissen haben soll“? Ich vermute mal, die Gemüsefrau war selbst dabei, denn des nachts mutiert sie zu einem pädophilen Straftäter.

    Hab ich gehört. Also von jemand anderem. Der übrigens die ganze Verantwortung für das trägt, was ich sage.

  14. Will man etwas erfahren geht man zum Gemüsehändler. Kennt man doch irgendwoher… Willkommen op’n Dörp! :)

  15. @ronald: Die ist beim Spülen runtergefallen und wurde entsorgt.

    Auf eine gewisse Art ist Henning ja Arbeitgeber. Besonders bei Polizei oder Justiz wird er mehrere Leute beschäftigen.

  16. Du bist pervers…wie kann man solche Bilder in seinem Kopf erzeugen…lach. Hast Du schon mal was vom Tierschutzgesetz gehört? Der arme Hund.

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