Hochregale

In einem vollautomatischen Hochlager, so habe ich mir erklären lassen, liegen die Waren in bis zu 30 Meter hohen Regalen und werden von computergesteuerten Gabelstaplern, die auf Schienen fahren, entnommen bzw. eingelagert. Menschen haben zwischen diesen Regalen nichts verloren, für sie besteht zwischen den schnell fahrenden Hubgeräten Lebensgefahr.

Das muß der Mann vom Hausservice gewußt haben, denn sein Vorgesetzter wurde nicht müde, immer wieder aufgeregt zu beteuern, auch der Schubert habe an den regelmäßigen Unterweisungen und Gefahrenschulungen teilgenommen. Das hat Schubert aber leider letzte Nacht nichts genützt. Er sollte an einem der Hubgeräte eine dringende Reparatur an einem Hydraulikventil ausführen. Statt vorschriftsmäßig diese Regalreihe „belegt zu melden“, wozu man mit einem Schlüssel in einem Kasten einen Schalter betätigt, ist er den bequemen Weg gegangen und hat einfach seinen Werkzeugkasten in die Lichtschranke am Eingang zur Reihe gestellt. Praktisch funktioniert das genau so gut, denn dieser Sensor meldet den Fremdkörper und stoppt ebenfalls den rasanten Verkehr der führerlosen Hubstapler.

Allerdings hat dieses sehr pragmatische Verfahren den grundsätzlichen Nachteil, daß man dann nicht seinen Hilfs-Schubert nach Werkzeug schicken darf. Der hat nämlich gleich den ganzen Kasten mitgebracht und bevor Schubert wohl noch reagieren konnte, haben sich beide Staplerroboter in der Reihe in Bewegung gesetzt. Nach einer solchen Störung, denn genau als das interpretiert der Rechner den in der Lichtschranke abgestellten Werkzeugkasten, fahren die Stapler von der augenblicklichen Position immer zuerst ans Ende der Reihe, der eine ganz nach vorne, der andere ganz nach hinten. Und das machen sie mit einer affenartigen Geschwindigkeit, um sich dann wieder in der Mitte fast zu treffen.

Während es der Hilfs-Schubert noch geschafft hat, sich einfach ins Regal zu schwingen und in Sicherheit zu bringen, kam es bei Schubert selbst „durch mehrfaches Überfahren durch ein schienengebundenes Fördergerät zu einer letalen Zerreißung des Torsos mit partieller Abtrennung der Extremitäten. Hierdurch entstanden mit dem Leben unvereinbare Verletzungen.“

Die Feuerwehr ist zwar gekommen, konnte aber auch nicht viel ausrichten. Der Notarzt konnte auch nichts weiter tun, als einen vorläufigen Totenschein auszustellen, dann übernahmen Polizei und Berufsgenossenschaft die notwendigen Ermittlungen. Die Bergung und den Abtransport der Leiche hat man dann uns überlassen. Ich möchte das jetzt nicht im Detail beschreiben, aber es war der Einsatz von schwarzen Plastikbeuteln angezeigt. Ein klein wenig mehr für Hartgesottene: Es ist immer wieder erstaunlich, was in einem Menschen so alles drin ist…

Jetzt ist Schubert in der Rechtsmedizin, wo es wohl weniger um die Todesursache gehen dürfte, als vielmehr um die Frage, ob er möglicherweise vor dem Unfall diversen Alkoholderivaten zugesprochen haben könnte.

Will nur hoffen, daß die Familie keine offene Aufbahrung wünscht.

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  • Veröffentlicht am: 19. Oktober 2007
  • 68 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Hierdurch entstanden mit dem Leben unvereinbare Verletzungen.

    Es gibt wohl weniger Ausdrücke, die einerseits so technisch-nüchtern und gleichzeitig abgrundtief makaber sind…

  2. Will nur hoffen, daß die Familie keine offene Aufbahrung wünscht.

    Dann muss Sandy mal zeigen, was sie kann. Immerhin schrubst Du:

    Und ab wann stößt der Thanatopraktiker an seine Grenzen? Ein amerikanischer Kollege sagte mal auf diese Frage: “Wenn es keine Leiche gibt.”

  3. Ein seltsamer Ton liegt über den Zeilen, wie in einem nüchternen Comic.

    Schubert hat immerhin sein Leben gelassen für eine Unachtsamkeit, und "Hilfs-Schubert"?

    Was ist das?

    Könnte mir allerdings vorstellen, dass der Anblick solcher Torsos* beinahe zwingend leichten Zynismus hervorruft.

    Guter Text.

  4. Das fällt einfach unter Bestatterhumor, bei uns im Rettungsdienst heißt sowas Sani-Humor und ist einfach unser Weg mit dem geschehen fertig zu werden…

  5. Sorry, aber ich musste mir jetzt auf die Lippen beissen um nicht schallend loszulachen. Die Situation war eines Slapstickfilmes reif.

  6. “durch mehrfaches Überfahren durch ein schienengebundenes Fördergerät zu einer letalen Zerreißung des Torsos mit partieller Abtrennung der Extremitäten. Hierdurch entstanden mit dem Leben unvereinbare Verletzungen.”

    Wenn die ersten zwei Wörter wirklich so stimmen, könnte das auch ein sehr teurer "Spass" für den Hersteller des Hochregales bzw der Hubwagen haben. Normalerweise müssen diese Hubwagen so ausgestattet sein das sie beim geringstem Wiederstand sofort zu stoppen haben. Daher sollte zumindest ein "mehrfaches Überfahren" unmöglich sein.

    Grob zur Erklärung zum geringstem Wiederstand. Etwa vorstellbar wie die Scheibe einer Autotür mit elektrischen Fensterhebern. Diese haben auch bei geringstem Wiederstand anzuhalten und müssen sich sogar wieder ein Stück öffnen.

  7. @Lars

    Das ist nicht ganz richtig. In einem vollautomatischen Hochregallager muss es sowas nicht geben.

    Das ist auch gar nicht notwendig weil dort niemand was zu suchen hat. Und Techniker die dort Arbeiten zu verrichten haben sind dazu verpflichtet alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, wie eben die Abschaltung des Ganges.

    Die einzige automatische Abschaltung erfolgt bei größeren Blokaden, wenn z.B. eine Palette aus dem Regal gefallen ist. Allerding bildet die einen weit größeren Widerstand als ein menschlicher Körper. Selbst wenn die Abschaltung ausgelöst hat / hätte, wäre es für den Mitarbeiter zu spät gewesen.

    So gesehen war das Opfer selbst schuld. Die Idee mit dem Werkzeugkasten ist zwar clever und bestimmt auch eine verbreitete Methode.

    Allerdings wäre es sinnvoll gewesen dem fleißigen Helferlein diesen "Trick" auch zu verraten.

  8. Um Schulz tut es mir nicht leid.Selber Schuld kann man da nur sagen.

    Der Verlierer ist in diesem Fall der Helfer,der evtl. gar nichts von der nicht vorhanden Abschaltung wusste.

    Auch wenn ihm keiner die Schuld geben wird,so wird sich dieser Mann wahrscheinlich auf ewig Vorwürfe machen.

    Naja die Aufbahrung dürfte in diesem Fall wirklich ausfallen,den so gut dürfte selbst deine Sandy nicht sein,Herr Schulz wieder vorzeigbar zu bekommen.

    Kurze Frage dabei,bleibt der Kunde im Frischhaltebeutel und wird so Verfahren wie bei den Verwesungsleichen oder kommt alles offen in die Kiste?

  9. Eine der Hauptursachen, ich sollte es noch nachtragen, könnte in der mangelnden Kommunikation zwischen den beiden Protagonisten zu suchen sein, die unter anderem darin begründet liegt, daß der Helfer nur sehr unzulänglich die deutsche Sprache beherrscht.

    Ob eine Wiederherstellung zum Zwecke der Aufbahrung möglich ist, ist gar nicht die Frage. Möglich ist letztlich fast alles. Aber ob es sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist, das bleibt die Frage.

  10. @Thomas aus dem ersten Kommentar: Ich schätze, die Anführungszeichen sollen andeuten, dass diese Formulierung aus irgendeinem Bericht (Polizei? Totenschein?) stammt und nicht von Tom.

    @topic: Die Umgehung von Sicherheitsabschaltungen ist – so gefährlich sie auch für den Benutzer sein mag – doch mittlerweile "normal". Das geht schon im privaten Bereich los, mit festgesetzten Notabschaltern am Rasenmäher (damit man nicht immer festhalten muss) etc.

    Zumindest in diesem Betrieb wird so schnell niemand mehr Dinge "mal eben erledigen" …

  11. @El-Taco

    Ich finde, auch in einem Hochregallager muß man mit dem "menschlichen Faktor" rechnen. Deshalb müßten diese Roboter m.E. eine automatische Abschaltung haben.

    Ein Mensch ist halt nunmal kein Roboter der "automatisch" alle Vorschriften einhält, der nichts vergißt. Vielleicht wäre die "Belegt"-Meldung ja zeitaufwendig gewesen und der Mann stand unter Zeitdruck. Fast jeder steht doch im heutigen Berufsleben unter Zeitdruck.

  12. @Undertaker:

    Man hört ja, daß Krankenhaus- und Rettungsdienstpersonal einen besonders krassen Humor haben (oben nennt es jemand "Sani-Humor"), einfach um mit den manchmal sehr schlimmen Situationen besser zurecht zu kommmen.

    Wie ist denn das bei Euch ? Bei Euch kommt ja noch dazu, daß Eure "Kundschaft" in einer Ausnahmesituation ist und ihr manch merkwürdiges Verhalten einfach kommentarlos akzeptieren müßt (bis zu einer gewissen Grenze natürlich). Ihr müßt eine würdige Stimmung verbreiten, auch wenn Euch nicht so danach ist. Wie ist es denn, wenn mal die Türen zu sind, keine Kunden da. Macht Ihr Euch da nicht auch manchmal in richtig krassen und makaberen Witzen Luft ? (Hätte ich vollstes Verständnis dafür) Gibt es also einen speziellen "Pietäts"-Humor ?

  13. Dazu mag ich sagen, wenn es diese Abschaltung wie Marco sie gerne haben möchte gäbe, würde die nur etwas bringen, wenn die Roboter sich wesentlich langsamer bewegen (ohne das genau gesehen zu haben, behaupte ich das jetzt einfach mal) … gut zu wahrscheinlich 90% der "Arbeitszeit der Roboter" befindet sich kein Mensch in dieser Lagerhalle, sie müssten aber für den Fall des Falles zu 100% wesentlich langsamer laufen … ich meine wozu gibt es denn diese technische Schulung? Irgendwann muss man doch auch mal Eigenverantwortung übernehmen …

  14. @Arno

    Elektriker Horst is aber unlustig und langweilig im Gegensatz zu Klaus, einfach ein unwürdier Nachfolger weil doch zu ernst und die pure Werbung… :(

  15. Wenn dann mal ein Teil der Schienen nicht richtig geschmiert ist, oder so, würde die ganze Reihe ausfallen. Nee, nee.

    Ein Techniker weiss genau wie die Sachen funktionieren, wenn er der Meinung war, dass der Werkzeugkoffer gereicht hat, naja.. ist er halt auch selbst schuld.

  16. @Marco: Die von Dir gewünschte Notabschaltung in einem Hochregallager wäre sehr aufwändig. Denkbar wäre sie beispielsweise über Wärmebildkameras, die Menschen im Gefahrenbereich erkennen. Vielleicht wird man über so etwas nachdenken, wenn es häufiger derartige Unfälle gibt.

    Grundsätzlich kannst Du aber nicht alle tödlichen Gefahrenbereiche in der Arbeitswelt vermeiden. Sonst müsstest Du Stahl zukünftig bei 20 Grad kochen, alle LKW auf 10 Stundenkilometer begrenzen, alle Röntengeräte und andere Strahlungsquellen verbieten, Schienenfahrzeuge abschaffen, etc.

  17. Und das noch vor dem ersten Kaffee… aber sowas hört man ja immer wieder. Bei uns haben auch schon Bauern an der laufenden Welle ihres Traktors (die nach hinten raus zu den Zusatzgerätschaften) rumgefummelt. Da bleibt eben auch mal ein Stück Klamotte in der Welle hängen, und was Spaziergänger dann finden kann man sich ja denken…

    Man sollte einfach im Alltag die Vorsicht nicht vergessen.

  18. Besser als six-feet-under! Jeden Tag was zum Gruseln, zum Lachen und noch jede Menge Informationen. Einfach prima! Mein Lieblingsblog seit Wochen und mit Recht der Aufsteiger des Jahres.

  19. Ist ja schrecklich.

    Aber ist das nicht die Regel? Dass Unfälle heutzutage meist durch Unachtsamkeit bzw. gefährliche Routinie geschehen? Man hat das 100 mal ohne Probleme gemacht und daher muss das beim 101. Mal natürlich auch gut gehen.

    Der Mensch neigt leider dazu sich an mögliche Gefahren zu gewöhnen, denen er sehr oft ausgesetzt ist. Eigentlich weiß man, dass das gefährlich ist. Man macht es sich nur nicht wirklich bewusst.

    Ein Blick auf die Fahrweise diverser Leute auf der Autobah bestätigt das immer wieder.

  20. >letalen Zerreißung des Torsos

    "Letal" heißt doch schon tödlich

    >mit dem Leben unvereinbare Verletzungen.

    Das mußte wohl unbedingt nochmal gesagt werden. Klingt für mich nach schrägem Ärztehumor. Und jetzt kommt der Schubert halt ins Erdmöbel, möchte man hinzufügen.

  21. Ich hatte mal ein Projektbüro in einem halbautomatischen Palettenlager. War ne witzige Sache, die hatten keinen Platz für mich, also bin ich hingegangen und habe in der Lagerverwaltungssoftware zwei Lagerplätze einfach gesperrt. Diese wurden dann nur noch ein einziges Mal von einem Gabelstapler angefahren: zum liefen meines Schreibtischs. :-)

    Ich muss jedoch sagen, dass das "zustellen" von Lichtschranken weit aus üblicher ist als angenommen, leider! Werde mir diesen Artikel mal speichern, dann habe ich demnächst etwas, was den Mechanikern zu denken geben könnte.

  22. Naja bissle blöd war es von beiden. Da klebt man doch lieber nen Stück papier mit klebestreifen über den Sensor drüber da kommt keiner auf die idee den abzufrimmeln und man brauch nicht wegen jedem Werkzeugschlüssel zum Kasten rennen.

  23. Mir hat mal ein Instandsetzer Folgendes erzählt: Er durfte unten im Maschinenbett herumkrabbeln, um irgendwas zu reparieren. Die Maschine war aus gestellt. Ein schlauer Fuchs hat sie aber wieder angefahren, sodass sich unten alles bewegte. Da schaute der Instandsetzer, dass er Land gewann und weigerte sich, wieder runter zu gehen.

  24. wir haben zu schulzeiten mal ein hochregallager besucht. da gab es so kleine roboterchen auf rädern, die irgendwelche schienen langfuhren und pakete transportierten. wenn man denen in den weg lief, hielten sie an, ähnlich den automatischen drehtüren. und genauso schnell waren sie auch. neben denen konnte man locker herlaufen.

    das richtige hochlager durften wir allerdings gar nicht erst betreten, sondern nur durch eine dicke glasscheibe zuschauen, wie die stapler durch die gegend rauschten.

  25. So schlimm das jezt auch klingt:

    Aber wenn ich Mechaniker in einem vollautomatischen Lager bin weiss ich ja eigentlich dass mich der automatische Wagen platt macht wenn er mich erwischt.

    Also sollte es doch in MEINEM Interesse sein die Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten.

  26. Sprecht mir nach:

    (1) Abschalten

    (2) Abschaltung prüfen

    (3) Gegen Wiedereinschalten sichern.

    Und nachdem wir das Mantra gesprochen haben, beginnen wir mit der Arbeit. Nicht vorher.

  27. @Kunifer:

    Menschen in Gefahrenbereichen zu erkennen (sei es mit Wärmebildkameras, Videokameras, Ultraschallsensoren oder was auch immer) ist auch extrem aufwendig. Menschen überhaupt zu erkennen (und von anderen Objekten, die im jeweiligen Bereich sein dürfen zu unterscheiden) an sich ist schon sehr schwierig.

    Ich arbeite seit einiger Zeit in exakt dem Bereich, und wenn es wirklich einfach wäre, wäre ich wirklich glücklich ;)

  28. Aua, aua, aua. Die Sauerei möchte ich nicht wegmachen. Schade, dass die Schulung nichts gebracht hat.

    Eine offene Aufbahrung? Das geht, nachdem so viel abgetrennt wurde und einiges nur noch Matsch ist? Das kann man doch als Familie von einem Bestatter gar nicht verlangen.

  29. Mein Vater arbeitet seit 35 Jahren bei einem großen deutschen Automobilhersteller in der technischen Instandhaltung und obwohl das Personal verdammt gut geschult ist haben die im Schnitt alle 5 Jahre einen tödlichen Unfall (abgetrennte Gliedmaßen etc nicht einbezogen) in seiner, zugegebener maßen ziemlich großen, Abteilung.

    Der letzte (Darwinaward verdächtig!) war an einer Presse am reparieren … natürlich war das Ding nicht gesperrt. Den genauen technischen Zusammenhang hab ich nicht mehr im Kopf, aber das Ding sprang wieder an und von dem Kerl ist echt nicht so viel übrig geblieben.

    Technik ist halt n gefährliches Pflaster.

    Da bleib ich Informatiker doch lieber in meinem Büro, da lass ich mir maximal nen Monitor aufn Fuß fallen oder schneid mich am Papier.

  30. Ja, Arbeitsunfälle können unschön sein.

    Ich erinnere mich an einen Unfall in einem metallverarbeitenden Betrieb, in dem tonnenschwere, mehrere Quadratmeter grpße Stahlplatten von beiden Seiten zu bearbeiten waren. Das erfolgte in der Weise, daß erst die eine Seite der Platte bearbeitet wurde, dann wurde ein Deckenkran an einer Kante befestigt, die Platte hochgezogen, bis sie senkrecht hing, dann trat ein Arbeiter heran und gab ihr einen Stups, daß sie sich drehte, und wenn sie eine halbe Umdrehung hinter sich hatte, wurde sie wieder abgelassen. Hat immer gut funktioniert, und der Kran war auch für diese Last zugelassen. Nur der Kran*haken* (bestehend aus einer Klemmvorrichtung) nicht; der durfte gerade einmal die Hälfte tragen.

    Und so kam es, wie es kommen mußte: als eines Tages der Arbeiter den Stoß geben wollte, der die Platte in Drehung versetzte, kippte das Ding aus der Kranhalterung und auf ihn zu. Er ist noch losgerannt, kam aber aus dem Fallbereich nicht mehr heraus; als die Platte ihn traf, ragte gerade der Kopf noch unter ihr hervor. Das führte dann aufgrund der enormen Masse und der Wucht des Einschlags zu einer Komprimierung des Körpers, bei der die inneren Organe – der Gewalt weichend – aus dem Mund bzw. dem Hals herausgepresst wurden. Teilweise fanden sie sich neben der Leiche, teilweise auch viele Meter entfernt – sozusagen in "Auswurfrichtung" – an dem nächsten Hindernis.

    Auch dies mutmaßlich eine eher unschöne Aufgabe für den damit befaßten Bestatter. Immerhin waren die ersten Kräfte vor Ort so vernünftig, *alle* Leichenteile – wo auch immer sie sich in der Halle befanden – mit Decken abzudecken …

    -thh

  31. Ich muß zugeben, die makaberen Dinge haben eine gewisse Faszination… Aber Solches wie Darwin Award & Co. als Entertainment zu sehen, regelmäßig rottendotcom sich reinziehen (EINMAL, das hatte mir gereicht!) und sich an Geschichten wie oben genannter aufzugeilen finde ich mehr als pervers. Schlimm genug, mit Unfällen wie diesem konfrontiert zu werden, aber noch schlimmer die Gaffer und Voyeure, denen ihr eigenes Alltagsleben keine Befriedigung mehr verschafft!

  32. Warum zur Hölle glauben alle, man müsste Menschen vor ihrer eigenen Dummheit schützen? Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Das war immer so, ist so, wird immer so sein.

    Kommt mir bloß nicht mit "Aufwand". Bei uns besteht der Aufwand bei Arbeiten im Hochregallager darin, einen Schlüssel oben in der Kommissionskabine abzuholen. Sobald der Schlüssel dort oben entnommen ist, ist der Gang gesperrt. Man kann dann direkt am Roboter (mit o.g. Schlüssel) Handbetrieb fahren.

    Auf gut Deutsch: Wer für eine Zeit-Ersparnis von 5 Minuten sein Leben riskiert, ist ein verdammter Idiot!

    Es lebe die Evolution!

  33. Also die Leute und Sanis mit dem "besonderen" Humor, die diesen angeblich zur Verarbeitung brauchen, damit das an ihnen abgespült wird wie von einer Emailschicht, teile ich in Kathegorie Profigaffer/Ltd.Gaffer ein.Sie sollten in einer ruhigen Stunde mal in sich gehen, ob sie sich das wirklich bis zur Rente antun wollen.

    Ein schwarzer Witz ist eine Sache. Aber aus einer konkret geschehenen Sache schwarze Witzle machen eine Unart. Wer weiß, wer zuhört? Die Welt ist kleiner als man denkt. In einer Mittelgroßen Stadt redeten die Leute im Bus abfällig über einen Hochhausspringer und malten es genüßlich aus. Da stand ein Mann auf und schrie unter Tränen:"Hören sie auf, das war mein Sohn!"

  34. ohne das jetzt "gegen Auslaender" zu meinen "hole Werkzeug" schon als "hol den Koffer" aufgefasst werden…

    Trotz allem menschlichen Versagen (imo hauptsaechlich des Opfers selbst) bleibt die Frage nach einer Sicherung wie zB. Waermebildkamera direkt an dem Stapler, dann muss man nicht die ganze Halle damit bestuecken… Oder so'n Radar vorweg, Marke "wenn-was-im-weg-dann-nothalt"…

    Wieauchimmer: *den* Job meochte (und koennte) ich nicht machen – also den des 'Teile-Einsammlers' dann :/

  35. @ Mac Kaber:

    Naja. Ich denke nicht, dass die Leute, die beruflich damit zu tun haben und auf diese Art und Weise damit umgehen, in der Öffentlichkeit darüber reden.

  36. Mac Kaber, wenn Du selbst in einem solchen Bereich arbeiten würdest, dann wüßtest Du: Schwarzen Humor braucht man unbedingt, eben weil man keine Emailbeschichtung hat. Das hat nichts mit Abperlen zu tun, sondern mit Verarbeiten. Als Sani habe ich die Wahl: Nach meiner ersten Reanimation (erfolglos) war ich zwei Tage lang nicht arbeitsfähig, habe alles und jeden vollgeheult. Und mit solchen oder ähnlichen Schicksalen wird man nun mal oft konfrontiert. Soll ich den Menschen nun helfen oder mit Verarbeiten beschäftigt sein? Wie lange kann ein Bestatter seinen Beruf ausüben, wenn er nur mitleiden darf – und kein anderes Ventil, weil Du meinst, man sei damit ein "Profigaffer"? Glaub mir, diese Art Humor hat nichts, aber auch gar nichts mit Gaffertum zu tun. Und wenn ich unseren Bestatter hier so lese, dann haben er und seine Mitarbeiter eine Menge davon. Aber die Sprüche behält man gefälligst unter sich, auf der Wache oder zu Hause. Im Bus hat das nichts zu suchen. Deine Story hört sich aber auch eher nach einer urbanen Legende an.

    "Mit dem Leben unvereinbare Verletzungen" ist übrigens ein feststehender Begriff, auch das hat nichts mit Aufgeilen an schweren Verletzungen zu tun. Aus der Unfallbeschreibung geht nicht ganz zweifelsfrei hervor, daß die Verletzungen nicht zu überleben sind.

    Und übrigens: Auch die Kollegen vom Rettungsdienst und Feuerwehr dürften hiernach mit Sicherheit psychologische Nachsorge brauchen. Wir sind auch nur Menschen.

  37. Emailbeschichtung? Ich lese immer Emailbeschichtung. Also ich kann meine Email noch verschlüsseln, aber wie geht Beschichten?????

  38. Also wenn sich Leute so fahrlässig in einer derart gefährlichen Arbeitsumgebung ist so ein Unfall ja schon vorprogrammiert.

    Erinnert mich an Leute die Autos mit Gabelstapler hochbocken und sich dann ohne Sicherung einfach drunterlegen….

    Das erste was ich beim TÜV gelernt hab ist dass man immer sein Arbeitsgerät sichert, und dafür sorgt das keiner es einfach so entsichern kann.

  39. Die meinen Emaille (Das weiße Zeug mit dem früher mal Badewannen und Küchenschüsseln beschichtet wurden.)

    War das wirklich eine ernstgemeinte Frage? Dann bist du wohl schon Generatin Teflon ;)

    Stefan.

  40. Die urbane Legende war wirklich Anfang der 70er etwa 60 Km nördlich von Frankfurt.

    Bin in diesem Job (RD)alt geworden seit meinem 18. und darf nächstes Jahr aufhören. Habe auch sehr viele Leute ausgebildet und kommen und gehen gesehen.

    Alt werden hier wenige.

    Bin stets zu jedem Blödsinn aufgelegt, doch zynisch oder zum Seelenkrüppel bin ich in all den Jahren noch nicht geworden.

    Diese Form der Verabeitung hab ich noch nicht gebraucht, was meine Kollegen bestätigen könnten.

    Wer das Gefühl hat, Hilfe zu brauchen soll diese unbedingt in Anspruch nehmen, hab ich auch schon gemacht, es klärt und macht den Kopf frei von Grübelgedanken.

    Was anderes:

    Stell Dir mal vor, ein Bestatter in der dritten Generation muß nach jedem Todesfall zum Psychologen, oder zwei Wochen krank….

    OK, bitte keine neue Diskussion, bin irgendwo anonym in Deutschland, so wie der Underthaker und da bleib ich auch.

  41. Krieg ich auch nen Hinweis, warum mein Beitrag zensiert wurde? Ich mag das Blog und lege es nicht darauf an, anzuecken.

    Nur, was ist an einer Kritik am Nachbeten einer Urban Legend zensurwürdig? Oder was war am Rest des Posts problematisch?

  42. Stimmt, "Email" war ein Eigentor beim Schnelltippen. "Emaille" ist richtig.

    Für ganz Moderne würde ich heute den Ausdruck "Anstrich mit Lotuseffekt" einführen. Das hat nix mit dem schnellen Auto zu tun.

  43. Bin ich ein Arschloch, weil ich bei diesem Beitrag zum ersten Mal herzhaft im Bestatterwebblog lachen musste?!

    Ein ganz heißer Kandidat für den Darwin-Award.

  44. @PiLLe: Hast ja recht, stimmt doch alles so wie es da steht. Hat jemand was anderes behauptet?

  45. Im Hafen gibt es automatisierte Containerstapler, sogenannte Ameisen, die sind etwa zehn- bis zwanzigmal so groß. Da kommt auch alle Jubeljahre mal einer drunter (meist wegen Alkohol). In solchen Fällen werden die Leute meist erst nen Tag später gefunden, und dann ist nur noch ein roter Fleck übrig.

    Was ich nicht nachvollziehen kann, sind einige Anmerkungen hier, dass tödliche Unfälle im Maschinenbereich unvermeidlich seien. In der Chemischen Industrie (mein Ressort) ist das Gefahrenpotential zwar auch enorm, aber tödliche Unfälle sind extrem selten.

    Das Problem ist nicht das Gefahrenpotential, sondern die Ausbildung.

  46. Ich sehe das auch so, der Mann trägt selbst die Verantwortung für seinen Tod. Aber mir tut der Kollege leid. Der wird sich jetzt Vorwürfe machen und allein, dass er diese Szene mit ansehen musste (ich nehme mal an, dass er es gesehen hat)… arme Sau. Der tut mir wirklich sehr leid.

  47. @-thh:

    an den unfall musste ich auch denken.

    scheint so, als ob es da eine person gibt, die wir evtl. beide kennen.

  48. Ich hätte es lieber sein lassen sollen, diesen Beitrag zu lesen. Mein Mann arbeitet in einem Hochregallager, deswegen bin ich da sehr empfindlich. Er darf mir sollche Sachen gar nicht erzählen. Aber ich habe mich erstmal bei ihm erkundigt, wie die sowas machen und bin sehr, sehr froh, dass es dort keine Lichtschranken gibt, und sie das mit einem Schlüssel sperren müssen. Somit kann ihm wenigstens das nicht passieren

  49. @ron

    ich kenn zwar die geschichte net die mac kaber erzählt hat, aber ich habs quasi genauso selber erlebt (nur das es kein bus war sondern ein bißtro, und nur zwei leute die sich drüber unterhalten haben und net alle).

    sprich- keine urbane legende, gibts auch wirklich. und ist nicht so schön.

    (wobei ich damit jetzt nicht undertakers art meine das zu erzählen, das find ich vollkommen in ordnung. und wer weiß wie lang das her sein mag, das macht ja auch nochmal nen unterschied)

  50. Stimmt, “Email” war ein Eigentor beim Schnelltippen. “Emaille” ist richtig.

    Im Duden steht "Email" immer noch vorne, "Emaille" wird nur als Variante angegeben. Daß man in letzter Zeit häufiger "Emaille" liest, dürfte tatsächlich nur an der Verwechslungsgefahr mit "E-Mail" liegen.

  51. @Mac Kaber: Oh, dann brauche ich ja gar nicht mit der ganz großen Erklärkeule auszuholen, entschuldige bitte. Aber ich bleibe schon dabei: Ein etwas dickeres Fell braucht man im RD und wohl auch als Bestatter schon – wenn ich bei jeder Rea das ganz große Heulen bekommen würde, dann wäre ich fehl am Platz. Schwarzer Humor ist durchaus ok, aber bitte, bitte nur unter Kollegen (und allerhöchstens noch Angehörigen, die das ja meistens eh schon kennen). In der Öffentlichkeit bitte nicht! Dasselbe gilt auch für die berühmten Hallentorgeschichten: Die gehören NICHT ins Lieblingsrestaurant, weil nämlich sonst die Gäste an den Tischen nebenan immer blasser und stiller werden…

  52. mein beitrag ist irgendwie auch verschwunden … (nur für den fall, dass das ein generelles problem sein könnte)

  53. @ron: Nein, schwarzen Humor braucht man für eine Tätigkeit bspw. im Rettungsdienst sicherlich nicht. Wer nicht die nötige Distanz wahren kann, um nach einer frustranen Reanimation mit dem nötigen Abstand das Vorgehen zu analysieren, sondern stattdessen tagelang darunter leidet, sollte dringend prüfen, ob er tatsächlich den richtigen Beruf ergriffen hat.

    Wer professionell hilft, braucht emotionale Distanz zu Patienten und Klienten (nicht Kälte, nicht Gleichgültigkeit, und gerade auch keinen Schutzpanzer aus Zynismus, unter den dann am Ende auch die Hilfsbedürftigen leiden, sondern verständnisvolles Eingehen auf die Bedürfnisse und die Not des Patienten oder Klienten, *ohne* selbst darunter zu leiden); wem eine solche Distanz schwerfällt, der sollte dringend über eine andere Tätigkeit nachdenken, weil ihm das sonst psychisch nicht gut tut, Einsatznachsorgeprogramme hin oder her. Natürlich gibt es immer Fälle, die einem besonders nachgehen, wegen besonderer Tragik, wegen Beteiligung von Kindern, wegen einer Ähnlichkeit der Lebenssitutiation des Opfers mit der eigenen; das darf aber nicht der Regelfall sein, sonst geht man daran kaputt (und dazu gehört es auch, sich in Zynismus zu flüchten).

    (Und bitte nicht eine emotionale Distanz zu tragischen Geschehnissen, wie sie aus der Schilderung im Blogbeitrag spricht, mit Zynismus verwechseln.)

    @Isa: Auch in diesem Hochregallager *muss* man mit einem Schlüssel sperren, wie sich aus dem Eintrag ergibt. Man hat's nur nicht getan, weil man dachte, "es ginge eben auch so". Jetzt weiß man – einmal wieder -, daß es "auch so" eben doch nicht geht.

  54. @-thh: Soweit sind wir doch gar nicht weg voneinander. Das, was ich mit dickem Fell meine, nennst Du emotionale Distanz. Die muß man allerdings auch erstmal entwickeln. Von einem 18jährigen Berufsanfänger kann ich die nicht erwarten und muß mit adäquater Ausbildung, Begleitung und Nachsorge dabei helfen, daß sie sich entwickelt. Und Beispiele für eine fehlgeschlagene Entwicklung – zu emotionaler Kälte, ohne den Bezug zum Menschen hinter dem Casus, gibt es leider auch zuviele.

  55. @-thh: Fast vergessen dabei: Ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses ist wohl auch: Manche Patienten kann man nicht retten. Da kann Rettungskette, eigene Arbeit, Zusammenwirkung mit LS, NA und KH lehrbuchmäßig gelaufen sein und trotzdem konnte man nicht helfen – das ist mit Sicherheit beim ersten Mal etwas, über das man noch lange nachdenkt. Gut so.

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