Hohe Bestatterrechnung – Ist diese Rechnung vom Bestatter überteuert?

Sehr geehrter Herr Wilhelm,

vor kurzem ist meine Großmutter verstorben. Meine Tante hat sich um die Beerdigung gekümmert doch uns kommt die Rechnung jetzt an einigen Stellen zu teuer vor bzw. wir haben das Gefühl, dass einige Posten doppelt abgerechnet werden. Im Internet bin ich auf Ihren Blog gestoßen und habe gesehen, dass Sie anbieten Rechnungen kostenlos zu prüfen. Ich hänge Ihnen darum die Rechnung an und hoffe, dass Sie Zeit finden diese zu prüfen.

Rechnungskopie weiter unten nach dem Weiterlesen-Link

Herzlichen Dank für die Überlassung der Unterlagen.
Nach sorgfältiger und fachlich begründeter Prüfung komme ich zu folgendem Ergebnis:

Die Rechnung ist an sich rechnerisch und sachlich korrekt.
Sie ist sorgfältig und detailliert erstellt und gewährt einen ausreichenden Einblick in die einzelnen Leistungen und Lieferungen und deren Kosten.
Insgesamt erscheint mir persönlich die Rechnung recht hoch.
Es steht aber jedem Bestatter frei, seine Preise so zu gestalten, wie er es für richtig hält.
Um sich vor sehr hohen Rechnungen zu schützen, fordert man nach dem ersten Beratungsgespräch einen Kostenvoranschlag, anhand dessen man prüfen kann, ob man diesem oder einen anderen Bestatter den Auftrag erteilt.

Die Preise sind aber nicht so weit überzogen, daß man von einer Abzocke oder gravierenden Überteuerung sprechen könnte.

Mir fällt allein auf, daß zweimal Positionen für Dienstleistungen außerhalb der Dienstzeit abgerechnet werden. Hier könnte man nachfragen, warum und wofür das genau ist.

Alles in allem empfinde ich persönlich die Grundgebühren/Pauschalen des Bestatters als ziemlich hoch.

Allerdings faßt er hier mehrere Dienstleistungen zu Paketen zusammen, was auch wieder den hohen Preis ausmacht.
Andere Bestatter führen teilweise mehr Einzelpositionen mit niedrigeren Preisen auf, die dann aber in der Summe ähnlich hoch sind.

Ich darf ja annehmen, daß Ihnen die Preise bereits beim Beratungsgespräch genannt wurden. Man erteilt ja keinen Auftrag über mehrere tausend Euro, ohne mit exakten Angebotsunterlagen nach Hause gegangen zu sein.

Bestatterrechnungen erscheinen auch deshalb immer als sehr hoch, weil sie auch stets große Positionen an durchlaufenden Posten (Kommunal- und Friedhofsgebühren, Zeitung etc.) enthalten, an denen der Bestatter nichts verdient.

Immer wieder kommt es zu Klagen über Bestatterpreise, weil diese Preise zwar bei der Beratung einzeln genannt wurden, aber als Einzelpreis nicht hoch waren und nicht ins Gewicht zu fallen schienen. Später bei der Abrechnung in der Summe ergeben aber auch diese vielen überschaubaren Positionen einen ordentlichen Betrag.

Ich verstehe Ihre Anfrage, ich habe auch schon günstigere Rechnungen gesehen.
Allerdings ist diese Rechnung soweit ich das sehen kann, fachlich korrekt.

RechnungBestatter1

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  • Veröffentlicht am: 7. Januar 2016
  • 9 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

9 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Übertreuert finde ich das jetzt auch nicht.
    Was mir auch hier, wie an anderen Stellen immer wieder auffält ist der abartige Preis für die Anzeige.
    Die Zeitungsleute können mir erzählen, was sie wollen, von wegen kurzfristig, Gestaltung ect.. Das gibt es alles auch für Geschäftsanzeigen, und die sind ganz erheblich günstiger. Das ist schlicht Abzocke von Leuten in einer Situation, in der sie leicht abzockbar sind.

  2. Wenn man die unten ausgeführten Auslagen mal ausklammert, ist die Rechnung weder zu teuer, noch der Preis Kracher! Die zweimal auftauchende Gebühr für Service außerhalb der normalen Dienst Zeiten ist ja einmal für die Überführung, und das zweite mal wahrscheinlich für einen Termin auf dem Friedhof zur Abschiednehmen am offenen Sarg. Das haben wir früher sehr oft in den späten Abend Stunden gehabt, weil die Leute dann erst Zeit hatten. Der Chef hatte meistens keine Lust, so musste ich dann immer auf den Friedhof fahren. Wenn dann noch einer der Angehörigen mit dem Zug kam, konnte es schon mal zwei Stunden dauern, wenn dieser Verspätung hatte. Heute ist es moderner, die meisten Bestatter haben eigene Räume, die Kunden bekommen eine Karte für den Eingang, und dann ist es auch nicht erforderlich, den ganzen Zeitraum beim Abschiednehmen warten zu müssen. Was im Winter ganz schön lang werden konnte, wenn man so lange im Auto sitzen muss!

  3. Was für mich als Laie doppelt abgerechnet aussieht:
    Die Überführungs- / Grunddienstleistungen beinhalten die Bereitstellung einer Überführungstrage. Später ist dann nochmal „Benutzung der Überführungstrage“ für 84 € aufgeführt.

    Wie immer und wie auch von dir richtigerweise betont: Es kommt immer darauf an, was angeboten wurde / vereinbart war. Aber auf den ersten Blick leuchtet mir nicht ein, dass ich zum einen für die Überführung einschließlich der Bereitstellung einer Überführungstrage zahlen soll und dann nochmal für die Benutzung der Trage.

    Oder bin ich hier einem Missverständnis aufgesessen? Ist das so üblich?

  4. Wenn man die „erzeuge PDF“ Funktion benutzt, ist zu sehen, dass dort: Leistungen durch Bestattungen „Blaustahl“ steht.

    Ich finde die Kosten auch ziemlich hoch, aber da diese Firma noch einen „Discounter“ betreibt, der mit Dumpingpreisen wirbt, sind die Kosten doch verdammt hoch.

  5. Mir fällt noch auf, dass die Post- und Telekommunikationskosten mit 28Eur recht hoch erscheinen. Versand für Trauerkarten o.ä. sollte doch in deren Preis enthalten sein, Versand für andere Produkte nicht anfallen. Für die Telekommunikation wird der Bestatter wohl eine Flatrate haben.
    Zudem erscheint mir die Überführung mit 152,-Eur doppelt abgerechnet (-> im ersten Paket enthalten). Und weshalb die Benutzung der Überführungstrage dann auch noch extra abgerechnet wird und nicht im ersten Paket enthalten sein sollte, wo doch „einschließlich der Bereitstellung eines Überführungssarges oder -trage“ steht, würde ich nochmal abklären bzw. mich beschweren.
    Die Gemeinde zockt die Menschen mal wieder bei den Friedhofsgebühren ab, die Zeitung bei der Traueranzeige.

  6. Sind dies Netto- oder Bruttopreise des Bestattungsunternehmens.

    Wäre es der Bruttobetrag ergäbe dies EUR 2928,00 Netto. Abzüglich Waren- und Personalkosten wäre es ein reeller Betrag, den der Bestatter in Rechnung stellen kann.

    Wem die Rechnung dennoch zu hoch ist, muss vorher Preisvergleiche vornehmen oder seine Ansprüche herunterfahren. Viel Leistung und Service für wenig Geld ist nirgendwo zu haben.

    Meine Meinung.

  7. Ich habe ja vor einiger Zeit hier auch auf der Bestattersuche meine Kosten angegeben. Die waren ähnlich denen, der hier veröffentlichen Rechnung, und wir hatten nur eine Urne, ein relativ günstiges Grab und zwei insgesamt günstigere Zeitungsanzeigen als die hier angegebene – insofern finde ich die Rechnung auch in Ordnung. Ich habe damals auch ein anerkanntes und nicht billiges Institut ausgewählt und eben auch nicht verglichen und mir vor dem Auftrag kein komplettes Angebot vorzeigen lassen – meine Schuld, nicht die des Bestatters. Dafür ist meine Mutter, die ich nicht immer begleiten konnte, da ich zwischen Tod und Beerdigung meines Vaters aus beruflichen Grunden nochmal heim musste (645 km weit weg) ganz hervorragend betreut worden und die Beisetzung war super. Und das, was die gesamte Sache gekostet hat wurde durch Stebegeldversicherung und das Sterbegeld das es für meinen Vater gab (pensionierter Beamter) voll abgedeckt. Ich würde es genauso wieder machen.

    Bei der Beisetzung meiner Mutter ein paar Monate später gab es kein Sterbegeld sondern „nur“ die Versicherungssumme, ich war erfahrener und habe ein billigeres Institut ausgewählt, aber wirklich nur aus Kostengründen, nicht weil ich mit den teureren nicht zufrieden war. Auch hier bekam ich eine solide Leistung, aber die mehr als 2000 € Uterschied merkte man natürlich. Da mir das vorher klar war bin ich nicht unzufrieden.

    Langer „Rede“ kurzer Sinn – ich finde die Rechnung oben durchaus angemessen, wenn die Leistung gut war.

  8. Pingback: Plötzlicher Todesfall: Welche Finanzierungsmöglichkeiten bestehen? Bestatterweblog Peter WilhelmBestatterweblog Peter Wilhelm

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