Ich habe Fragen zur Feuerbestattung

Das kann von einer Urne nach 15 Jahren und mehr in der Erde übrig sein.

Sehr geehrter Herr Wilhelm,

vielen Dank für Ihre einzigartige, informative Seite!

Auch ich habe einige Fragen bzgl. Urnenbestattungen.
Ich konnte bislang keine zufriedenstellenden Antworten im Internet finden.

Im Grunde finden Sie alle Informationen hier auf meiner Seite. Die Suchfunktion oben rechts hilft da prima weiter.
Aber ich schreibe Ihnen auch gerne die Antworten zu Ihren Fragen:

1. Wird bei jeder Einäscherung automatisch eine Aschekapsel vom Krematorium zur Verfügung gestellt?

Ja. Die Aschekapseln sind sehr günstige Gegenstände. Sie gleichen einer stabilen Konservendose, sind meist grau-schwarz und haben einen fest einpressbaren Deckel aus Weißblech. Sie werden entweder vom Krematorium zur Verfügung gestellt oder vom Bestatter. Der Preis hierfür sollte 50 € keinesfalls überschreiten.

2. Falls ja, ist es erlaubt, die Aschekapsel ohne „Über-Urne“ zu bestatten?

Das Wort Aschekapsel ist ein Wort, das darüber hinwegtäuschen soll/kann, daß es sich dabei eigentlcih um die Urne handelt.
Diese Urne (Aschenkapsel) erfüllt alle Vorgaben. Es wird absolut keine weitere Über- oder Schmuckurne benötigt.
Wenn eine solche gewählt wird, soll sie das etwas schmucklose Aussehen der Aschekapsel nur verbrämen, umhüllen, kaschieren.

3. Warum wird immer wieder betont, dass eine Verwechselung von Urnen ausgeschlossen ist? Der Schamottstein soll ja eine Verwechslung ausschließen. Wenn jedoch nach dem Verschließen die Urnen im Krematorium aus Versehen vertauscht werden, hilft auch der Schamottstein nichts mehr.
Ich habe immer Zweifel, dass bei jährlich hunderttausenden Einäscherungen in Deutschland jede Verwechslung ausgeschlossen ist.
Viele (ostdeutsche) Bestatter fahren sogar mit dem 8-Sarg-Transporter nach Polen, weil dort Einäscherungen billiger sind.
Kann man auch dann immer noch sicher sein, am Ende die „richtige“ Urne zu bekommen, wenn diese durch so viele Hände geht?

Weil es auf dem Deckel der Urne eingestanzt ist. Der Schamottestein dient der Identifizierung der Asche, nicht der Urne.
Die Krematoriumsurne bekommt einen Deckel, auf dem der Name des Verstorbenen, sowie seine Lebensdaten, der Name des Krematoriums und die laufende Nummer des Schamottesteins eingeprägt sind. Eine Verwechslung ist hier nahezu ausgeschlossen.

Und: Es fahren LKW mit 40 Verstorbenen und mehr nach Tschechien…

4. Aus welchem Material bestehen Urnen eigentlich? Holz? Metall? Ton? Sonstiges?
Sie sollen sich ja bei Erdbestattungen mit der Zeit zersetzen, was jedoch z.B. bei einer Metallurne ausgeschlossen wäre.

Die Aschenkapseln bestehen üblicherweise aus Blech. In immer mehr Krematorien finden aber auch Urnen aus leichter vergänglichen Materialien Verwendung.
Wie sich das Blech in der Erde verhält, hängt im wesentlichen von der Bodenbeschaffenheit ab. Auch Blech zersetzt sich durch Korrision. Allerding bleiben auch viele Urnen weit über den Ablauf der Ruhezeit erhalten.
Diese werden dann bei Wiederauffinden, etwa im Zuge von Neubelegungen eines Grabes, an einer zentralen Stelle auf dem Friedhof „endbestattet“.

Ein Problem können die Über-/Schmuckurnen darstellen, die oft auch aus Messing, Bronze, aber auch aus Glas und jedwedem anderen Material gefertigt sein können. Hier ist ein Vergehen im Erdreich regelmäßig nicht gegeben.
Immer mehr Friedhofsverwaltungen schreiben deshalb explizit vergängliche Materialien vor.

5. Urnenwände werden immer beliebter. In diesen zersetzen sich jedoch auch Holzurnen nicht. Was geschieht mit der unversehrten Urne nach der Ruhezeit? Wird diese dann irgendwo anonym „erneut“ bestattet?

S.o.
Sie werden gesammelt und dann an einer nicht näher bezeichneten Stelle auf dem Friedhof beigesetzt. In eine Grube von der Größe eines normalen Erdreihengrabes passen hunderte von Urnen. Sie nehmen kaum Platz weg und können dort quasi auf ewig verbleiben. Auf den Müll kommen sie nicht.

6. In Spielfilmen sieht man häufig, dass bei Seebestattungen die Asche ins Meer gestreut wird. Dann wiederum sieht man Reportagen, in denen die ganze Urne ins Meer kommt. Gibt es tatsächlich beide Methoden und wer entscheidet, welche davon zur Anwendung kommt?

In Deutschland wird die ganze auflösbare Urne ins Meer gegeben. Hierzu wird die Asche vorher aus oben beschriebenen Umhüllungen entnommen und in die auflösbare Urne umgefüllt.
Verstreuungen von Asche auf hoher See sind in anderen Ländern üblich und möglich, in Deutschland nicht.

7. In der Bevölkerung hält sich hartnäckig das Gerücht, dass nach der Einäscherung nur ein kleiner Teil der Asche in die Urne kommt, weil nicht alles hineinpasst. Den Rest würde man dann „entsorgen“. Stimmt das?

Heute würde man sagen, daß das eine urbane Legende ist, ich sage, daß es ein Ammenmärchen ist.
Der Mensch besteht ganz überwiegend aus Wasser und Fett. Alles das verbrennt. Die Knochen bleiben übrig und sind nach der Kremierung ausgeglüht und brüchig. Nicht einmal das Knochenmark ist noch vorhanden.
Stellen Sie sich doch bitte einmal das Schauskelett aus dem Biologieunterricht vor und bedenken Sie, daß das Knochenmaterial weitestgehend hohl und porös ist. Es ist kein Problem, das alles so zu zermahlen, daß es in die Urne paßt.
Tatsächlich bleiben zwischen 2,5 und 3,5 Kilogramm Asche übrig. Und das ist dann jeweils ein kompletter Mensch.
Da wird nichts entsorgt.

8. Angenommen, ein Verstorbener hat zu Lebzeiten im Testament festgelegt, dass er eine Urnenbestattung möchte. Die Angehöhrigen lehnen das ab und möchten eine Erdbestattung im Sarg. Kann man dann gegen den Willen des Verstorbenen handeln?

Wie schon oft hier im Bestatterweblog erklärt, ist ein Testament die denkbar schlechteste Stelle, um letztwillige Verfügungen bezüglich der Bestattung festzulegen. In den allermeisten Fällen wird es erst eröffnet, wenn die Bestattung längst geschehen ist.
Man kann aber abseit vom Testament Verfügungen von Todes wegen treffen oder idealerweise alles einem Bestatter schon zu Lebzeiten im Rahmen einer Bestattungsvorsorge übergeben.
In der Regel sind die Wünsche des Verstorbenen zu berücksichtigen.
Letztenendes läuft es aber in der Praxis darauf hinaus, daß derjenige, der den Bestatter beauftragt und bezahlt, auch bestimmt, was gemacht wird.

Das sind sicherlich viele Fragen, ich würde mich über Antworten freuen.

Kein Problem, mache ich gerne.

PDF erzeugen
Peter Wilhelm3. Oktober 2017

6 Kommentare von 138945.

  1. Anmerkung:
    Wenn eine Vorsorge beim Bestatter vom Verstorbenen gemacht wurde dann muss sich der Angehörige damit abfinden, dass er seine Wünsche zurückstellen muss.
    Es geht nicht darum, wer die Bestattung bezahlt!
    Allerdings, wenn die Wünsche so sind, dass der Angehörige diese finanziell nicht tragen kann, dann können Abstriche gemacht werden.
    Hat der Verstorbene schon bezahlt geht da nichts mehr.
    Es sei denn, der Bestatter hat ein Herz für Angehörige. :-)

  2. Ich hatte den Terminus „Vorsorge“ immer so verstanden, dass die ganze Chose dann auch schon bezahlt ist.
    Letztlich geht es nämlich genau darum, wer bezahlt, und wenn der Angehörige die geäußerten Wünsche nicht umsetzen kann oder will, dann kann er schließlich den Bestatter auch wechseln – – solange kein Vertrag zwischen Bestatter und Verstorbenem geschlossen UND bezahlt wurde.
    Verträge zu Lasten (und möglicherweise noch ohne Wissen) Dritter sind m. W. hier in Deutschland nicht rechtlich gültig.

    Salat

    • @Salat: Außer in diesem Fall. Natürlich kann ein Mensch nicht einen Bestatterauftrag ohne Bezahlung als Vorsorfge vergeben und damit quasi seine Hinterbliebenen zur Zahlung verpflichten.
      Aber er kann zum Bestatter gehen und dort seine Wünsche festschreiben lassen. Dieser letztwilligen Verfügung von Todes wegen müssen die Angehörigen weitestgehend berücksichtigen.

      Sie müssen den Wünschen zumindest insoweit folgen, als das sie nicht den guten Sitten widersprechen und auch den Kostenrahmen nicht überschreiten, zu dessen Übernahme sie ohnehin verpflichtet wären.

      Alles in allem ist das aber nur eine moralische Verpflichtung, da es keine Instanz gibt, die das ordnungsgemäße Befolgen letzter Willen überprüft oder das Nichtbefolgen saktioniert.

      Wer genügend Geld hat, kann testamentarische Vorkehrungen treffen und den Erhalt des Erbes an bestimmte Bedingungen knüpfen. Aber auch in diesem Fall führt der erste Weg zum Bestatter. Denn das Testament wird ja erst nach der Beerdigung eröffnet.

  3. Ich weis immer noch nicht, ob ich, wenn es soweit ist, eine Feuer- oder eine Erdbestattung möchte. Bislang tendiere ich zur Erdbestattung. – Wie es der Zufall wollte, begegnete ich vor einige Wochen auf dem Friedhof unserem Pfarrer und sagte zu ihm, dass ich immer noch nicht wüsste, ob Urne oder Sarg. Da sagte er zu mir: „Weist du was, ich gewähre dir Bedenkzeit!“ Daraufhin bedankte ich mich bei unserem Pfarrer und bekundete meine Absicht, von der gewährten Bedenkzeit auf jeden Fall möglichst lange Gebrauch machen zu wollen. Bin ja schließlich erst 65………….. :-)

  4. Ich weis immer noch nicht, ob ich, wenn es soweit ist, eine Feuer- oder eine Erdbestattung möchte. Bislang tendiere ich zur Erdbestattung. – Wie es der Zufall wollte, begegnete ich vor einige Wochen auf dem Friedhof unserem Pfarrer und sagte zu ihm, dass ich immer noch nicht wüsste, ob Urne oder Sarg. Da sagte er zu mir: „Weist du was, ich gewähre dir Bedenkzeit!“ Daraufhin bedankte ich mich bei unserem Pfarrer und bekundete meine Absicht, von der gewährten Bedenkzeit auf jeden Fall möglichst lange Gebrauch machen zu wollen. :-)

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.