Ich muss mich bei Armin entschuldigen

Ich stehe heute Morgen auf und schaue vorne aus dem Fenster unseres Hauses. Und stellt Euch vor, wegen der bevorstehenden Osterfeiertage stehen überall die Mülltonnen draußen.

Nur unsere natürlich nicht, da ich mich dem zwanghaften allwöchentlichen Mülltonnenrausstellen konspirativ entziehe. Ich stelle die Tonnen einfach raus, wenn sie voll sind. Irgendwann wird dieses große Auto schon vorbeikommen, auf dem hinten so Männer draufstehen und die dann immer die Tonnen leer machen.

Aber jetzt, jetzt ist ja Ostern. Und nach Ostern wird ja bekanntlich die Welt untergehen und es wird auch nie wieder was zu kaufen geben; den Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man die Horden von Kunden sieht, die zu den Einkaufsmärkten ziehen.

Vielleicht ist es besser, denke ich, wenn man auch die Mülltonne mal raus schiebt, eventuell kommt ja das Müllabholauto auch nach Ostern nie wieder!

Ich gehe also runter und entdecke, daß neben meiner Garageneinfahrt irgendeine faule Sau einfach eine Plastikbox mit seinem Biomüll abgestellt hat.
So eine Frechheit!

Nun gut, ich gebe es zu, die Mülltonnen hier in der Gegend sind nicht besonders groß und ich weiß, daß manche Familien manchmal nicht wissen, wohin mit ihrem Abfall. Wir haben diese Probleme nicht, da wir genügend große Tonnen haben.
Vielleicht hat einer der Nachbarn darauf spekuliert und hofft, daß ich sein altes, verwelktes Gemüse noch mit in meine Tonne kippe.

Na ja, sind wir also mal nicht so, denke ich, und kippe den Gemüsegammel halt in unsere Tonne.

So gegen neun hörte ich dann das vertraute Geräusch des Tonnenleermachautos. Ein paar Minuten später gehe ich runter, um unsere Tonne wieder rein zu holen.

Auf dem Rückweg zum Haus, die leere Tonne im Schlepp, läuft mir Frau Ganter von halbschrägrechts gegenüber über den Weg.

„Ist ja ’ne Unverschämtheit!“, ruft sie: „Da hat doch jemand tatsächlich unser Ostergemüse geklaut! Wir bekommen doch einmal die Woche so eine Abo-Kiste von Armins Biohof geliefert. Ist doch eine Gemeinheit! Die Rechnung ist im Briefkasten, aber die Biokiste ist weg!“

Seit zwei Jahren bekomme sie regelmäßig dieses supertolle, genfreie, atomfreie Biogemüse aus linksdrehendem, garantiert UFO-freien Anbau. Und jetzt sei doch Ostern und da habe sie extra viel bestellt…

Ich habe sie dann angelogen. Ich sage zu ihr, unser Hund habe das Zeug gefressen und erstatte ihr die 46 Euro.

Mann, Mann, Mann, was ist man aber auch schon von der Schlechtigkeit der Welt verdorben, nicht wahr.
Das ist halt einfach die Folge davon, wenn man seit über fünf Jahrzehnten darauf getrimmt wird, daß gutes Gemüse auch knackig und frisch auszusehen hat und jetzt haben wir den Salat!
Man ist ja so gehirnverseucht, daß man einen schwärzlich-grau verfärbten Blumenkohl, braunfleckige Paprika und wie welkes Gras hängenden Lauch nicht als Bio-Gemüse erkennt.

Mann, was bin ich für ein industrienahrungsverseuchter Narr!

©2007

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

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  • Veröffentlicht am: 26. März 2016
  • 34 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Geschichten

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

34 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. BIO muss nun wirklich nicht gleich alt und welk sein. BIO und Direkt vom Bauernhof sollte knackig und frisch sein – sonst kann man ja gleich mit Geschmacksverstärkern um sich schmeissen.

  2. Hihi! Das bestätigt natürlich alle Vorurteile. :D
    Das Welkige liegt allerdings meiner Erfahrung nach nicht am Biogemüse an sich, sondern daran, dass hier wohl eine minderwertige Bezugsquelle ausgesucht wurde. Sowas hab ich auch im normalen Supermarkt schon gesehen.

  3. LOL. UFO-frei

    Habt ihr nen großen Kontainer wie der Björn Harste im Hof?

  4. Hö hö… musste doch sehr schmunzeln bei dem Artikel. „UFO-frei“… genial.

  5. Da muss man sich dann wohl entscheiden:

    „Industrieverseucht“ und gut aussehend oder Bio und welk aussehend.
    Nachdem meine Augen mitessen, tendiere ich doch eher…. zu ersterem. :) Bisher habe ich das auch überlebt… man frage nur nicht, wie.

  6. Huch? Also ich beziehe seit über einem Jahr ebenfalls eine Bio-Kiste und vor allem auch deswegen weil die Gemüsequalität deutlich höher ist, als die im herkömmlichen Supermarkt.

    Nix mit schlapp und verwelkt, das kommt immer superknackig hier an. Gut.. manchmal packen sie Kram rein von dem sie zuviel haben und der ihnen sonst verderben würde. Das Zeug muss dann meistens schnell weg, aber kostet die Bezieher wenig bis gar nichts.

  7. „UFO-Frei“ – Klasse, das wäre mal ein 1A Werbeslogan ;)
    Aber Bio-Gemüse nach deiner Beschreibung habe ich auch noch nicht gesehen. Ich hab vorgestern allerdings einen Kopf Broccoli von ähnlicher Farbe und Konsistenz weggeschmissen, war das nun ein Fehler? *g*

  8. War auch mein Gedanke, nur weil es Bio ist, sollte es trotzdem nicht verwelkt aussehen.

  9. „… da wir… sehr viel direkt auf der Deponie entsorgen.“

    Hmmm….
    Einsparpotential im Preiskampf mit Pietät Eichenlaub entdeckt???
    ;-)

  10. Pff, Tomaten aus dem Supermarkt sind halt auf bestimmte Merkmale gezüchtet (Festigkeit, Haltbarkeit, Geruch) und sonst auf nix. Rote Wasserblasen die ein wenig duften quasi.

    Und wenn das dann nicht mehr so ist dann meint man eben gleich es stimmt was nicht. Kann ja jeder selbst entscheiden was ihm lieber ist. Zum Glück.

  11. Also, da hat die Gute aber einen schlechten Biokistenliferanten! Ich schließe mich da ganz Mela an. Ebenfalls glückliche Biokistenempfängerin und noch nie Probleme mit der Qualität gehabt.

    Das Zeug ist natürlich gelegentlich bisschen kleiner weil nicht so hochgezüchtet und ganz, ganz gelegentlich findet sich sogar etwas richtig echte Ih-Dreckig-Erde am Gemüse, aber frisch war das eigentlich immer. Wie gesagt, hochzufrieden :)

  12. Hmm… Tiefkühlgemüse ist dennoch noch immer am besten ;)

  13. „Spinat schmeckt am besten, wenn man ihn kurz vor dem Verzehr durch ein Steak ersetzt.“ :)

  14. Hm… Bin Vegetarierin und halte auch nicht viel von Industrie-Plastik-Gemüse.
    Aber ich kenn‘ das eher so, dass eine Industrietomate prall, rot und geschmacksneutral, eine gesunde, naturbelassene hingegen prall, rot, extrem lecker und vielleicht an einigen Stellen etwas schorfig ist. Oder eben kleiner als gewohnt.
    Aber das, was du da beschrieben hast, das war kein Bio-Gemüse, das war Biomüll. ;)

  15. Vegetarisches Essen führt man vor dem Verzehr am besten in eine Kuh ein.

  16. @Undertaker: Den kannte ich noch nicht ;)

    @Mafdet: Sicher sind Bio-Tomaten, bzw. Bio-Gemüse allgemein, wesentlich leckerer als Industrieprodukte. Ich bin zwar kein Vegetarier, esse aber auch lieber Gemüse, das ich im Garten selbst gezogen hab.
    Aber das, was in vielen geschäften als „Bio“ deklariert wird, ist oft nicht wirklich Bio. Das gilt natürlich nicht für alle Geschäfte und Produkte, aber leider doch für recht viele.
    Ich bin daher doch immer etwas skeptisch, wenn irgendwo „Bio“ draufsteht.

  17. Hi Bestatter,

    habe gerade einen lustigen Artikel gelesen, hoffe du kannst auch Französisch:

    http://www.lesoir.be/actualite/monde/il-est-interdit-de-mourir-a-2007-11-21-562374.shtml

    Der Bürgermeister von Cugnaux hat doch einfach seinen Bürgern das Sterben verboten hihihi

    Hartelijke groeten uit Nederland ;-)

    Dutchie

  18. „Vegetarisches Essen führt man vor dem Verzehr am besten in eine Kuh ein.“ Du bist jemand der sowas lustig findet? Schade. :(

  19. So, nu hab ich wieder aufgeholt … schon schlimm 2 Monate kein Internet zu haben… vor allem dann, wenn in den 2 Monaten fast genausoviel geschrieben wird wie in den 6 Monaten zuvor! Da war es ja noch „einfacher“ am Anfang die fehlenden 2 3 Monate aufzuholen .. aber jetzt muss ich doch langsam mal schlafen.

    Mach weiter so, es ist kein bisschen langweilig gewesen … waren angenehme 5 Stunden :-) nur so bemerkt man auf einmal wieviel TEXT so ein Blog beinhaltet … das dürfte mittlerweile als Buch locker an der 3-400 Seitengrenze knabbern…

    *schnarch*

    • @Ich selbst:
      Da hast Du Dich aber etwas verschätzt ;)
      Allein die Geschichte „Günther“ hat – bei Format A5 und Schriftgröße 12 – schon einen Umfang von über 200 Seiten…
      Daher hier auch mal ein herzliches Dankeschön an Dich, Peter für die vielen, vielen Lesestunden in diesem Blog :)

  20. Ein Bekannter von mir hatte mal einen Ferienjob im Obst- und Gemüsegroßhandel. Morgens musste er immer die richtig schönen Kartoffeln für den Feinkostladen aussortieren, und die runzeligen in die Kiste für den Bio-Laden….so gibt es eben für alles einen Markt.

  21. @ Biokistentante
    „Ih-Dreckig-Erde“ klasse Begriff so wie das Erstaunen beim Anblick der Original-Milch“verpackung“ (möglicherweise etwas „verschmutzt“.

    @ undertaker
    „Vegetarisches Essen führt man vor dem Verzehr am besten in eine Kuh ein.“
    BANAUSE! ;-)
    und was ist mit den vielen Schweinen und Schafen? Die sollen wohl verhungern?

  22. @Micha: Klingt wie eine hübsche, urbane Legende.

    Zuverlässige Bioläden bekommen ihre Ware von Produzentenvereinigungen oder Bio-Bauern aus der Umgebung, aber nicht vom Großmarkt.

  23. @Kai: Nee, nicht überall, wo Bio draufsteht, ist auch Bio drin. ;) Aber spätestens beim Reinbeißen merkt man’s dann…

    @Sabine: Ich erwähnte weiter oben schon, dass ich Vegetarierin bin. Aber meinen Sinn für Humor habe ich doch nicht hinter mir bei den Schnitzeln zurückgelassen.
    Ich fand den “Vegetarisches Essen führt man vor dem Verzehr am besten in eine Kuh ein.”-Witz auch sehr lustig. Den kannte ich noch gar nicht. :D

  24. Was ist denn das für eine Gegend, wo man Gemüse in die Mülltonne wirft? Gibt es da keinen Kompost oder wenigstens eine Biotonne?

    • @Roland:

      Im Rhein-Neckar-Kreis ist die Biotonne auch eine normale Mülltonne. Man hat hier deren drei: Wertstoff, Restmüll und Bio. Alle sdrei sind normale Mülltonne, die nur andre Farben haben. Und verdorbenes Gemüse kommt eben in die (richtige) Mülltonne.

  25. Ich hätte da auch ne‘ Idee, wo die sich ihre Biomöhren hinschieben könnten, wenn sie nicht vorher abknicken. ;-)

  26. Hahaha :-)
    ich muss sagen, ich finde solche Kisten auch toll und ich bin auch eine „Müsli“…also Bio, usw… ist mein Ding. Die letzte Gemüsebox die ich bestellte war wohl die gleiche wie die deiner Nachbarin, ich habe einiges weggeworfen, mit bitter beschwert und dann auch schnell wieder gekündigt.
    Aber… es gibt auch tolle Boxen, hatte ich wo ich vorher gewohnt habe, da war alles superfrisch, knackiger als im Laden.
    Naja. Jedenfalls musste ich grade lachen, hätte mir auch passieren können :-)
    Grüßle
    Claudia

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