Ich will Sie! – Weshalb ich nicht häufiger auftrete

Die Anfragenden:

Wir

  • eröffnen im September unser Café
  • haben dieses Jahr 25jähriges Jubiläum unseres Bestattungshauses
  • feiern den 60. Geburtstag unseres Bestattermeisters
  • haben im Oktober Kirchenfest
  • sind im Juli mit unserem Umbau fertig
  • haben eine tolle kleine Buchhandlung
  • führen eine schöne Bücherei
  • machen ein tolles Seminar

und

  • würden Sie gerne für eine Lesung buchen
  • möchten Sie unbedingt für einen Abend einladen
  • würden uns wahnsinnig freuen, wenn Sie zu uns kommen könnten
  • können ohne Ihren Auftritt bei uns nicht mehr leben
  • wären so stolz, wenn Sie bei uns zu Gast wären
  • hätten gerne einen Vortrag mit großer Präsentation

Bitte

  • teilen Sie uns kurz mit, ob Sie Zeit haben. Geld spielt keine Rolle.
  • sagen Sie mir Bescheid, ob Sie kommen können. Geld spielt keine Rolle.
  • schreiben Sie mir doch eben, ob das klappt. Geld spielt keine Rolle.
  • prüfen Sie, ob der Termin bei Ihnen frei ist. Geld spielt keine Rolle.

Der Autor:

Schickt eine nette Mail. Bestätigt, daß der Termin noch frei ist und daß er den Termin vorerst mal blockiert.
Nennt einen durchaus bezahlbaren Preis.1
Freut sich.

Die Zeit:

  • vergeht
  • Wochen rinnen davon
  • Monate gehen ins Land

Die Anfragenden:

– melden sich nicht

Der Autor:

Fragt nach einigen Wochen mal nach, was den los ist; ob es bei dem Termin bleibt, ob er mit Rücksendung der schriftlichen Bestätigung rechnen darf.

Die Anfragenden:

– 52 % melden sich gar nicht, nie wieder, niemals mehr
– 15 % sind baff erstaunt, daß das was kosten soll
– 8 % erinnern sich nicht, jemals eine Anfrage gestellt zu haben
– 5 % verbitten sich diese dauernden Werbemails, sie wollen keinen Auftritt, wie ich denn auf sowas komme!
– 3 % müssen leider absagen, weil die Oma in den Brunnen gefallen ist, die Katze Durchfall hat, sie gegen Masernimpfungen sind, Trump gewählt wurde…
– 3 % wollen gerne den Auftritt, aber meinen, ich solle doch Geld mitbringen und dankbar sein, daß sie mich bekannt machen
– 2 % schicken dann die Unterlagen zurück, der Auftritt findet wie geplant statt
– der Rest verläuft im Sande: Fax nicht angekommen, Mailserver abgestürzt, Hund hat den Vertrag gefressen, habe-jetzt-anderes-zu-tun

1 Auf die Gefahr hin, draufzulegen, habe ich auch schon mal probehalber nur 100 € verlangt. Hilft auch nix. „Passt leider aufgrund Ihrer hohen Gagenforderung nicht in unser Budget.“

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  • 7. Juni 2017 - 25 Kommentare - Lesezeit ca.: 2 Minuten - Kategorie: Allgemein

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm14. Juni 2017

25 Kommentare von 138028.

  1. Meine Güte….umsonst ist gestorben. Kann man auch nicht verlangen. Da legst du sogar noch richtig Geld bei drauf. Fahrkosten,spesen etc

    • @Werner: „umsonst ist gestorben.“ stimm auch nicht – das kostet nämlich das Leben.
      Aber es muß immer alles billig, billiger, am billigsten sein.

  2. Schade wie die Leute mit dir umgehen, das du trotzdem nicht den Mut verlierst ist schon bewundernswert!!
    Liebe Grüße
    Josef

  3. Nun, rechnen wir mal zusammen, zum Beispiel ein Auftritt in einem Lokal für das keine Miete bezahlt werden muss, hier in Waldshut:

    3*-Dz mit Frühstück: 95 Euro (Durchschnitt aus 3 Hotels entsprechender Kategorie)

    Einladung zum Essen für PW und Begleitung: 50 Euro (geschätzt)

    Anreise: 276 km x 2 x 0,5 Euro (geschätzt)= 276 Euro

    PA-Miete: 350 Euro (kein Dry Hire, mit Techniker (eigener Preis) rsp. die PA die PW mitbringt)

    Werbung: 250 Euro (inkl. Design, Print, Aushang, sehr konservativ geschätzt)

    Da sind wir allein mit den Produktionskosten schon bei 1021 Euro, konservativ geschätzt. Vorprogramm, Musik o.ä. noch nicht eingerechnet. Evtl kommt noch Miete drauf.

    Wenn dann noch 500 Euro Gage draufkommen, könnt Ihr Euch überlegen, was so eine Produktion kostet.

    Ich weiß als erfahrene Eventmanagerin dass Kultur sich nie in Umsatz oder gar Gewinn direkt umrechnen lässt, und dass Kulturveranstaltungen praktisch immer ein Draufzahlgeschäft sind (Selbst Rock am Ring mit Ticketpreisen bei denen es einem schlecht wird, wird auch nur durch Werbe- und Medienpartner zum Gewinngeschäft).

    Nur: welcher Amazon-gebeutelte Buchladen, welches kleine Bestattungshaus leistet sich solch einen Abend aus dem Werbebudget?

    • @Kaedder: Das ist alles völlig richtig. Darum ging es aber auch nicht. Es ist wohl jedem Kulturschaffenden und allen, die damit zu tun haben, klar, dass das in der Regel ein Zuschussgeschäft ist. Aber diese Zuschüsse kommen eben von Werbepartnern oder aus Steuermitteln (fragt mal bei den Opern, Theatern etc. nach), und nicht von den Künstlern selber. Und wenn ich als Künstler noch Geld mitbringen müsste, um irgendwo aufzutreten, würde ich auch dankend abwinken – das Geld kann ich dann auch anderswo ausgeben.

      • @ein anderer Stefan: Nun, das ist so auch nicht richtig. Kennste „Pay to play“? Da zahlen regelmäßig Bands einen Megahaufen Geld, damit sie im Vorprogramm einer bekannteren Band auftreten dürfen. Kein Witz.
        Von den ganzen „kleinen“ Bands, die Proberaum, Instrumente, Transport, Saiten etc. etc. zahlen, um dann für Bier zu spielen, mal ganz zu schweigen. Es ist nunmal so, dass „Kultur schaffen“ in den allermeisten als Hobby gesehen werden muss, in das man investiert. Da ist auch Peter Wilhelm nicht davor gefeit.
        Deswegen finde ich es immer wieder schwierig, hier zu lesen, wie traurig es ist, nicht gebucht zu werden.
        In dem Fall sollte man sich dann halt überlegen ob a) die Message vielleicht nicht wichtig genug ist, oder b) wenn man von seiner Message überzeugt ist, man nicht doch statt Dreisternefrühstück ne Jugendherberge bevorzugen möchte und nach dem Gig noch auf eigene Kosten zum Mac fährt.
        Logische Konsequenz.

        • @Kaedder: @Kaedder: Fangen wir mit dem Ende, Deiner lustigen Überlegungen an: Bevor ich nach einem Auftritt in einer Jugendherberge übernachte, lasse ich den Auftritt lieber sausen.
          Ich bin 57 Jahre alt und habe ja auch etwas zu bieten. Dafür erwarte ich, dass man mich nicht mit einem Bett in der Jugendherberge abspeist und mich hinterher auf eigene Kosten zu McDonald’s schickt.

          Zum Praktischen: Deine Rechnung weiter oben geht nicht auf.
          Sie ist, was mich anbetrifft, praxisfremd. Ich selbst habe schon an die 500 mittlere und größere Veranstaltungen geplant und gemanaged. Ich weiß, wovon ich rede.

          In der Regel trete ich in Buchhandlungen, Bestattungshäusern oder bei Kirchengemeinden auf. Für die jeweilige Lokalität fallen keine Kosten an, es sind die eigenen Räume. In Kirchengemeinden ist immer eine PA vorhanden. In Buchhandlungen und Bestattungshäusern benötige ich keine.

          Für Kirchengemeinden berechne ich, wie auch für Existenzgründer und Einrichtungen der Wohlfahrt nur ein sehr geringes Honorar. Dafür würden andere nichtmal ans Telefon gehen.
          Dass ich noch meine Spritkosten raushaben möchte, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

          Die in Deinem Beispiel genannte Entfernung gehört zu den Entfernungen, die nicht einmal eine Übernachtung notwendig machen.
          Das angesprochene Abendessen habe ich bislang nur ein einziges Mal in Anspruch genommen.

          Ich bin im übrigen auch nicht traurig, wenig gebucht zu werden. Ich absolviere gerade genug Auftritte, Seminare und sonstige Veranstaltungen, dass ich für meinen Bedarf ausgelastet bin.

          Mir ging es darum, dass die Zahl der Buchungsanfragen nach meinem Dafürhalten in einem krassen Mißverhältnis zu den zustande kommenden Auftritten steht.

          Das kann nicht daran liegen, dass die Veranstalter die Rahmenbedingungen nicht kennen. Die stehen auf meiner Webseite und in nahezu allen Fällen beziehen sich die Anfragenden exakt darauf.

          Diese Rahmenbedingungen sind absichtlich so gestrickt, wie sie dort stehen. Es stellt sich dann im Gespräch immer heraus, dass für die aktuell in Rede stehende Veranstaltung das Meiste gar nicht erforderlich ist.

          Darüber freuen sich die Anfragenden sehr und sind umso sicherer, dass die Veranstaltung zustande kommt.

          Man muß bedenken, daß in den allermeisten Fällen ein Eintritt verlangt wird. Der Veranstalter hat, außer meiner Gage, einer Tasse Kaffee und einem Glas Wasser in der Regel nur noch meine selbstverständlichen Reisekosten zu zahlen. Im Gegenzug kassiert er 50-100 x 10-15 Euro.

          Und mit den „ganzen kleinen Bands“ möchte ich auch nicht verglichen werden. Ich sehe meine Tätigkeit als Beruf und nicht als Hobby.
          Und ob meine „Message“ wichtig genug ist, das überlasse ich meinen Zuhörern zur Entscheidung.
          Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass ein Künstler, der proaktiv von anderen gebucht wird, eine anständige Entlohung für seine Tätigkeit erwarten darf.

          Hier den Vorschlag zu bringen, ich müsse einsehen, dass mein „Kultur schaffen nur ein Hobby sei“ und ich gefälligst mit einer Jugendherberge und McDonald’s zufrieden sein soll, sehe ich fast schon als Herabwürdigung meiner Person und meines Könnens.

          Deine Schlußfolgerungen sind eben keine „logische Konsequenz“, sondern nahezu beleidigend.

          • @Peter Wilhelm: Lieber Herr Wilhelm,

            vielen Dank für Ihren großartigen Auftritt bei uns.
            Wir haben so gut wie keine Vorbereitungen treffen müssen. Die Plakate haben wir bei Vistaprint für 25 Euro in hervorragender Qualität bekommen. Da wir unsere eigene Trauerhalle hatten, brauchten wir weder Räumlichkeiten noch Tonanlage mieten.

            Ein Tisch und ein Tuch zum Abhängen haben wir sowieso.
            Kaffee kost ja fast nichts.

            Wir haben bei 65 Besuchern knapp 700 Euro eingenommen. Davon haben Sie 250 Euro bekommen. Den Rest konnten wir für uns recht werbewirksam dem Hospiz schenken.

            Zu uns waren Sie knapp 300 Kilometer unterwegs. Dafür haben Sie 80 Euro Spritgeld verlangt. Das fanden wir fair und angemessen.
            Irgendwelche weiteren Ansprüche hatten Sie nicht. Sie haben weder nach einem Hotelzimmer gefragt, noch nach einem Essen auf unsere Kosten.

            Für uns war das Ganze ein Riesenerfolg. Wir haben rund 50 Menschen in unsere Räume bekommen, die noch nie zuvor da waren. Diese Werbung, auch vorher und nachher in der Zeitung, kann mit Geld gar nicht aufgewogen werden.

            Vielen Dank nochmal!

            • @Svetlana: Jugendherberge? Das ist doch Luxus, Peter hätte doch sein eigenes Zelt mitbringen können und auf eigene Kosten irgendwo vor Ort in der freien Natur campieren können…

              Wäre ich vortragender Schriftsteller… nein Danke, nach Lesen dieses Artikels wäre mir jede Lust vergangen, um jeden Euro zu feilschen und den Leuten noch hinterherzurennen, ob nun eine Veranstaltung klappt.

  4. Die Ausführungen von Kaedder gehen doch total an der Realität vorbei.
    Schon die Frage „Nur: welcher Amazon-gebeutelte Buchladen, welches kleine Bestattungshaus leistet sich solch einen Abend aus dem Werbebudget?“ zeigt, dass Kaedder das alles nicht kapiert hat.

    Peter Wilhelm beklagt sich doch gar nicht über mangelnde Auftrittmöglichkeiten.
    Er beschreibt nur, wie mühsam es ist, mit den jeweiligen Interessenten zu Lotte zu kommen.

    Ein Buchladen, der Peter Wilhelm bucht, und dafür angenommene 250-300 Euro plus Spritgeld zahlt, hat das Geld doch schon alleine durch die Buchverkäufe raus.
    Als Peter Wilhelm bei uns war, hatte der Buchladen alle Bücher von ihm da und Peter hat bereitwillig anschließend Autogramme gegeben und Bücher signiert. 100 Bücher sind da locker weggegangen. Wer die Marge der Buchläden kennt, weiss, dass alleine der Buchverkauf schon die Gage wettgemacht hat. Hinzu kommt, dass es 5 Euro Eintritt kostete.
    Ein Mikrofon habe ich nicht gesehen. Peter hat einfach so zu den Leuten gesprochen.

  5. @alle: Nunja, 500 Events hab ich inzwischen auch erfolgreich durch.
    Soooo, und die Mitarbeiter des Buchladens oder des Bestattungshauses arbeiten also umsonst an solch einem Abend? Die kosten also nichts? Spannende Rechnung…
    Das ist genau die angesprochene Arroganz: “Ich mach das ja als Beruf, und von mir zu verlangen dass ich meine Ansprüche runterschraube grenzt an Beleidigung!!1Elf!“ Malermeister Zwackel verlangt 200 Euro die Stunde, die hat er sich verdient, er ist ja schon 55 und außerdem ist das sein Beruf. Und dann wundert er sich warum die Aufträge ausbleiben…. Außerdem ist der Vergleich mit den kleinen, hart arbeitenden Bands und anderen Künstlern eher ehrenvoll.
    War das hier früher mal ein schöner Blog……schade.

  6. Ach so ja, und zum Thema Gage: für einen Auftritt im Jugendhaus wollte PW vor 6 Jahren schon mehrere 100 Euro plus Anfahrt. Nur so zum sagen.

    • @Kaedder: Na und? Das ist sein gutes Recht. Jemand, der auftreten will/soll, macht sowas nur dann nicht für ihn selbst kostendeckend, wenn er
      a) wie die von Dir erwähnten Bands bei „Pay to play“ den Auftritt als Werbung für sich bzw. sein eigenes Merchandising sieht, für die er bereit ist, die anfallenden Kosten als Kosten für Eigenwerbung zu verbuchen oder
      b) dem Veranstalter im Sinne eines Benefizkonzerts unter die Arme greifen will.

      Wenn beides nicht zutrifft (was der Normalfall sein sollte, sonst läuft da irgendwas schief…), gibt es absolut keinen Grund für den Künstler – ebensowenig wie für den Malermeister -, seine Zeit zu opfern, wenn der Veranstalter das nicht mit einem angemessenen, mindestens mal die Unkosten deckenden Betrag vergütet. Wenn irgendein wildfremder Ömmel zu mir kommt und von mir was haben will, dann hat er mir auch mein Material und meine Zeit zu bezahlen, wenn er mir nicht einen verdammt guten Grund liefert. Und welche Gründe ich akzeptiere, das ist allein meine Sache.

  7. Ich habe lange Veranstaltungen in Buchhandlungen organisiert und ich kann nur sagen: Wer sich einen bekannten Blogger oder eine berühmte Autorin nicht leisten kann, der soll nicht pöbeln sondern mit der Heimatdichterin oder dem lokalen Krimischreiber vorlieb nehmen.
    Verhandlungsspielraum gibt es immer, ich kannte Buchhändler/innen, die auch bekannte Autorinnen und Autoren zu Gast hatten und diese in ihrem privaten Gästezimmer untergebracht haben. Dafür gab es dann ein leckeres Abendessen und persönliche Betreuung statt einer Nacht im Hotel am Ortsrand. Kann man alles machen, wenn das Gesamtpaket stimmt. Aber „sei froh, dass du bei uns in Kleinkleckersdorf eine Bühne bekommst“ ist ab einer gewissen Kragenweite schlicht kein Argument mehr.

  8. Man sieht doch, wodrauf das hinausläuft. Kaedder will Peter Wilhelm hier mit Hobbybands, die für ein Glas Bier spielen, auf eine Stufe stellen. Sie vergisst dabei, dass Peter aber einer der bekanntesten Blogger Deutschlands, anerkannter Fernsehexperte und bekannter Buchautor ist. So jemanden lädt man nicht ein und bietet dann nur eine Übernachtung in einer Jugendherberge und einen Imbiss bei Mäcces, den er auch noch selbst zahlen soll. Eine Frechheit.

    Nein, Kaedder weiß genau, um was es geht. Sie will Peter nur runtermachen und offensichtlich auch beleidigen.

  9. @Kaedder: Dein grundsätzliches Missverständnis scheint zu sein, dass Peter sich ganz und gar nicht wundert oder gar beschwert, dass seine Lesungen zu selten gebucht werden. Wenn dem so wäre, dann wäre in der Tat die logische Schlussfolgerung, dass er seine Ansprüche und Anforderungen herunterschraubt oder zumindest darüber nachdenkt.

    Er ist aber mit seiner Auslastung zufrieden, und wundert sich nur über die vielen Anfragen, bei denen die Anfragenden die Bedingungen, die bei Anfrage bekannt sind, nicht im Entferntesten akzeptieren.

    Um bei deinem Beispiel mit dem Maler zu bleiben: Der Maler, der 200 € die Stunde nimmt, und dies auch so veröffentlicht und ein großes Schild neben seiner Tür stehen hat, das darauf hinweist, ist zufrieden mit seiner Auftragslage, weil es einige Kunden gibt, die seine Arbeit entsprechend zu schätzen wissen und ihm das in Summe genügt. Jetzt kommen trotzdem täglich jede Menge Leute hereinspaziert und sagen: „Ich möchte Sie gerne beauftragen, aber nicht zum Satz von 200 €, sondern nur für 25 € die Stunde – mehr bekommt der Maler aus dem Nachbarort auch nicht, und mein Nachbar macht das sogar nach Feierabend für 15 €“.
    Meinst du, dieser Maler darf sich dann nicht über diese Anfragen wundern, die in vollkommenem Widerspruch zu seinen – dem Anfragenden bekannten – Bedingungen stehen, sondern soll vielmehr als „logische Konsequenz“ seinen Stundensatz heruntersetzen?

  10. In unserer Jugendbildungsstätte in Niedersachsen war Peter Wilhelm im Januar zu Gast. Wir haben den Auftritt aus der Pfandkasse bezahlt. Unser Gruppenleiter hat 100 Euro aus der Institutskasse zugeschossen.
    Übernachtet hat Herr Wilhelm im Fremdenzimmer über unserer Dorfkneipe. Ein Hotel haben wir hier nämlich nicht. Gekommen ist er mit dem Auto und seine PA hat er selbst mitgebracht.
    Unterm Strich würde ich sagen, dass das für uns eine der günstigsten Veranstaltungen der letzten 3 Jahre war. So lange machen wir nämlich immer Kulturprogramm hier.

    Ein absolut netter, gemütlicher Mann ohne jegliche spinnerten Ansprüche.

  11. Wenn ich oben das eine Beispiel lese: 300 km Fahrt, was wohl hin und zurück war – das sind mal locker 2-3 Stunden. Dazu eine Lesung, das ganze für 250 Euro + Spesen finde ich jetzt auch nicht überzogen, wenn ich davon ausgehe, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der das nicht als Hobby, sondern professionell macht. Die Band, die Geld zahlt, um irgendwo auftreten zu können und sich bekannt zu machen, wird das übersichtlich oft machen und auch nur so lange, wie sie kein Schwein kennt. Irgendwann werden sie entweder kostendeckend gebucht oder sie lassen es sein, auf Dauer Geld verbrennen kann sich keiner leisten, wenn es kein Hobby zur eigenen Bespaßung sein soll. Aus der „kein-Schwein“-Phase dürfte Tom schon was länger raus sein, und Hobby ist das halt nicht. Take it or leave it, aber rumjammern, das ist zu teuer, ist fürn A…. Immer dieses Rumgeheule!!

  12. Ich finde es auch sehr bescheiden, was Peter Wilhelm an Gage nimmt. Zumal es ja um ein Thema geht, dem viele aus dem Weg gehen, und wo es sicher nicht ganz leicht ist, Interessenten zu finden. Andere wollen sicher sehr viel mehr. Bei uns im Kleinstädtchen ist regelmäßig , 1 mal im Jahr ,in der örtlichen Stadtbücherei ein bekannter ostfriesenkrimiautor zur Lesung da.
    Das ist immer ein großer Erfolg. Natürlich müssen die Autoren Geld verdienen.

    Kaedders Auslassungen werden von mir als Neid empfunden von jemandem, für den die Trauben zu hoch hängen.
    Ach und ja, ich finde den Blog toll und hoffe, dass Peter Wilhelm auch mal in meine Nähe kommt (Göttingen)

  13. Ich gehe davon aus, dass Peter Wilhelm seine 250 (oder mehr) Euro Honorar auch noch versteuern muss. Und fuer 300 km Anreise nur 80 Euro nehmen – das ist noch nicht einmal kostendeckend. Ich habe grossen Respekt vor ihm, wenn er für Kirchengemeinden oder soziale Einrichtungen so ein geringes Honoror nimmt. Danke schoen dafuer Didi

  14. Lieber Peter,

    ich fühle mit dir.

    Irgendwann Anfang der 2000er kam ich auf die Schnapsidee, meine Vortragstätigkeit, die ich im Rahmen meines Vertragsverhältnisses mit einer, sagen wir mal: Telefonfirma, sowieso schon gemacht habe, freiberuflich „abzukoppeln“. Chef war einverstanden, also alles paletti.

    Dachte ich. Aber mir erging es so wie dir. Besonders auch, dass ich Termine blockiert hatte, die dann in letzter Minute platzten, andernorts aber durchaus lukrativ hätten sein können.

    Das hätte mir im Prinzip ja noch egal sein können, wäre ja nur nebenbei zu meinem Angestelltengehalt gewesen. Aber wenn dich jemand für ein Wochenendseminar bucht und es sich am Donnerstag doch anders überlegt, ist schon mal dein Privatleben für dieses Wochenende zum Teufel, weil du z.B. Freunden abgesagt hast oder die Tickets für das Konzert, zu dem du ansonsten gerne gegangen wärst, längst ausverkauft sind.

    Es half auch nichts, in Vorverträge ein Ausfallhonorar reinzuschreiben. Das war bei der Presse mal „gute Sitte“, dass man einem Freiberufler für einen vorbestellten Artikel die Hälfte des Honorars bezahlt, das bei Abdruck fällig gewesen wäre, wenn die Redaktion sich entscheidet, den doch nicht zu bringen. Unterschrieben und somit rechtsgültig waren die Verträge zwar oft, aber ich wollte das Ausfallhonorar nie einklagen oder gerichtsvollzieherisch vollstrecken lassen, und freiwillig bezahlt hat keiner.

    Mein Themengebiet war damals eher technischer Natur und das bedurfte für einen Vortrag immer umfangreicher Vorbereitungen. Vor Technikern konnte ich „frei Schnauze“ reden, vor Managern eher so auf dem Niveau der Sendung mit Maus oder Löwenzahn. Oder, anders gesagt, bei Technikern war das eher wie ein Seminar an der Uni mit angeregten Diskussionen, bei den Managern fühlte ich mich eher wie ein Gymnasiallehrer montagmorgens in einer elften Klasse. Da betrachtete ich mein Honorar eher als Schmerzensgeld.

    Wohl verständlicherweise ließ meine Motivation irgendwann nach. Und ich merkte, dass, wenn ich einen Vortrag nicht mehr mit Eifer, Emotion und Elan halten kann, ich dann aufhören muss. Was ich dann auch tat.

    Vielleicht hätte ich mir eine Agentur suchen sollen, die den ganzen organisatorischen Kram für mich übernimmt, aber das wollte ich nicht, weil mir immer sehr an persönlichem Kontakt gelegen war.

    Wie auch immer, inzwischen arbeite ich sowieso in einem anderen Bereich, der mir auch mehr Zeit für Privates lässt, und dennoch, ich möchte die Erfahrungen nicht missen, die ich damals gemacht habe.

    Lass dich nicht ärgern, lieber Peter, und solltest du irgendwann irgendwo in Bayern eine Lesung veranstalten, dann könnte es sein, dass ich im Publikum sitze.

  15. Ein Beruf unterscheidet sich beim Selbstständigen vom Hobby dadurch, dass nach Abzug von Kosten und Steuern Gewinn übrig bleibt. Das gilt auch für einen Peter Wilhelm, der aus unterschiedlichen Tätigkeiten sein Einkommen erwirtschaftet, also eine Mischkalkulation bei seinen Honorarvorstellungen betreiben wird. Aber auch die ist zum Gewinne erwirtschaften verdammt.

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